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Dienstag, 13. November 2012

The Maccabees & Spiritualized, Paris, 08.11.12

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Konzert: The Maccabees & Spiritualized (Team Me, Citizens!)
Ort: La Cigale, Paris, Festival des Inrocks
Datum: 08.11.2012
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft
Konzertdauer: The Maccabees 45 Minuten, Spiritualized eine knappe Stunde



Seltsam zusammengewürfeltes Line Up an jenem Donnerstag in der Pariser Cigale beim Festival des Inrocks. Zwei junge britische Bands (Citizens! und The Maccabees), die besonders den 16 jährigen Mädchen im Publikum gefielen, eine norwegische Band, die viel zu früh angesetzt war und bloß 25 Minuten spielen durfte (Team Me) und ein kultiger Headliner zum Abschluß (Spiritualized), der vor allem alte Säcke wie mich anzog. Kein Wunder, daß sich die Cigale nach den an dritten Stelle auftretenden Maccabees sichtlich leerte und die älteren Leute bei Sprittualized fast unter sich blieben.


Aber kommen wir sofort zur Sache, erwähnen kurz, daß ich die erfrischende Team Me verpasst habe, Citizens! so grottenschlecht und poserhaft waren, daß ich die Flucht Richtung Bar ergriff und steigen sofort mit den Maccabees ein.


Die Maccabees also, einstige Oliver Peel Lieblingsband der jungen britischen Post Punk Revival Szene hatte mich beim Haldern Pop Festival 2012 nicht vollständig überzeugt. Zu episch und breit ist ihr Sound mit dem dritten Album geworden, zu wenig war übrig geblieben von den kurzen, messerscharfen Riffs, der schrammeligen Unbeschwertheit der Jugend und den rasant schnellen Songs der ersten zwei vorzüglichen Longplayer. Stattdessen tragen sie nun Spurenelemente von Coldplay in ihrem Sound, sind weit entfernt von der Gang Of Four, die man vor allem beim ersten Album als Referenz nennen konnte. 

Ob es heute anders, sprich besser, im Idealfall sogar so euphorisierend wie vor ein paar Jahren werden würde?


Besser ja, euphorisierend nicht wirklich. Letztlich sahen und hörten die Zuschauer ein recht gutes Konzert, das logischerweise bei den alten Hits seine Highlights erfuhr, aber beim Spielen des neuen Materials auch nicht miserabel wurde. Also so schwach sind die neuen Stücke nun auch nicht. Die Single- Auskopplung Pelican ist sogar ein veritabler Knüller, hätte auch gut auf Colour It In oder Wall Of Arms drauf sein können und Feel To Follow gefiel nach verhaltenem Start mit seiner rasanten Tempobeschleunigung am Ende und seinen spacigen Gitarren. 


Der Sound der Gitarren ist es letztlich auch, der sich im Vergleich zu früher geändert hat. Sie klangen geleckter, runder, weniger zackig und roh als zuvor, was zur Folge hatte, daß das ganze Set eine Spur zu glatt und poliert wurde. Weniger Punk, mehr Pop, so der stilistische Werdegang, den man auch an den Frisuren ablesen konnte. Sänger Orlando Weeks trug früher ganz unpretentiös raspelkurze Haare, nun aber ähnlich wie Gitarrist Hugo White (was für ein posender Schönling!) eine Schmalztolle, die sicherlich mit viel Gel getrimmt wird.

"If you have no kind words to say than just say nothing?" Soll ich also nichts mehr sagen, wenn mir nichts mehr Positives einfällt? Doch, denn es gab ja noch ein paar positive Dinge. Precious Time z.B. das kam fast noch genauso scharf und berauschend rüber wie damals und Love You Better war ebenfalls tadellos gealtert.

Nach lediglich 45 Minuten war dann aber auch schon Schluß und ich immerhin um die angenehme Erkenntnis reicher, daß ich die einst so heiß geliebten Maccabees noch nicht völlig abschreiben muss. Das war ein kompakter Auftritt, tighter und mehr auf den Punkt gebracht  als In Haldern und durchaus stimmungsaufhellend.

Was nach 15 Minuten Umbauarbeiten folgte, gehörte sicherlich zu den Highlights der diesjährigen Ausgabe des Festivals. Spiritualized aus England hatte ich vor ein paar Jahren mal beim Haldern Pop Festival gesehen, aber ich habe seltsamerweise kaum noch Erinnerungen daran, weder gute noch schlechte (ist das der Beginn von Alzheimer oder war ich damals blau?). 
  
Insofern wusste ich nicht so recht, was mich heute erwarten sollte, obwohl mir natürlich klar war, daß nun Spacerock bzw. Shoegaze auf dem Programm stand. Aber das sind ja immer solch vage Begriffe, daß sie kaum zur genauen Beschreibung dienen. Zunächst einmal fiel auf, daß die Truppe sehr vielköpfig war und insgesamt 7 Musikerzählte.Bandchef und Sänger Jason Pierce saß mitsamt Gitarre auf dem Schoß ganz links vom Zuschauer aus auf einem Hocker und hatte zwei soulige Backgroundsängerin hinter sich stehen, die aber glücklicherweise relativ dezent agierten und mit der Kraft ihrer Stimmen nicht unnötig protzten. So blieb genug Platz für die einzigartige Stimme von Jason. 

Der Kerl hatte ein ganz außergewöhnliches, leicht verrauchtes Kehlchen und klang nach vielen Kultsängern gleichzeitig. Nach Loud Reed, aber auch nach David Bowie, Jeff Tweedy und Richard Ashcroft. Das beeindruckte mich und sofort war mir klar, daß ich das Konzert mögen würde. Es war dann auch nicht weiter schlimm, das das Intro zum ersten Lied Hey Jane ellenlang wurde, daß es Balladen gab, die textlich und musikalisch knapp an der Kitschgrenze vorbeischrammten (beispielsweise So Long You Pretty Thing und Jason weder "guten Tag", noch "auf Wiedersehen" oder "danke" sagte und durchgängig stoisch und unnahbar blieb. Seine Stimme machte das alles wett und die spacigen Gitarren kamen einfach spitzenmäßig rüber. Ich will ja hier nicht mit dem vielzitierten Spruch von der Wall Of Sound kommen, kenne mich mit Phil Spector auch viel zu wenig aus, aber als Beschreibung passte das ziemlich gut zu dem Gehörten. 


Wer die Gabe dazu hatte, ließ sich von den Gitarren stimulieren und nickte wild entschlossen mit dem Kopf im Takt, wem das nicht zusagte, der verließ den Saal. Und in der Tat gab es nicht wenige, die die Cigale vorzeitig verließen, warum auch immer. Blieben also die Fans, die Labelleute von Domino und ein paar Neugierige unter sich und erlebten eine packende Schlussphase, die aus zwei alten Songs bestand. Zuvor war bis auf Ausnahme von Electricity quasi das ganze neue Album Sweet Heart Sweet Light durchexerziert worden. Take Your Time (von Lazer Guided Melodies) fing auf fast peacige Weise sehr lahm an (klar, man sollte sich auch ja auch Zeit lassen!) und wurde dann... nein, falsch! Das Stück wurde nicht schneller, plätscherte fast sieben Miunten lang vor sich hin, hatte aber dennoch eine tranceartige, hypnotische Wirkung.

Für mehr Tempo und Druck sorgte schließlich der alte Klassiker aus den 1990er Jahren Electric Mainline. Der rein  instrumentale Song schoß den Vogel am heutigen Abend ab! Ebenfalls langsam und repetitiv beginnend, etnwickelte sich der Song mit Einsetzen des Schlagzeuges und den immer lauter werdenden Gitarren zu einer brachialen Noisekeule, die mir fast den Schädel in zwei Teile spaltete. Ich stand gleich neben den Boxen, bekam so richtig was aufs Trommelfell. Das war geil, geil, geil!

Ein famoser Abschluß eines Konzertes das man auf jeden Falls als gut, mit etwas Wohlwollen sogar als sehr gut bezeichnen konnte. In Noten ausgedruckt: 8/10.

Setlist Spiritualized, Festival des Inrocks, Cigale, Paris 2012

01: Hey Jane
02: Electricity
03: Too Late
04: Headin' For The Top
05: Freedom
06: I Am What I Am
07: Mary
08: So Long You Pretty Thing
09: Perfect Miracle
10: Take Your Time
11:Electric Mainline

12: Ladies & Gentlemen (vorgesehen, aber nicht gespielt)







Montag, 20. August 2012

Haldern-Pop, Festival, 3. Tag, 11.08.12

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Festival: Haldern-Pop Festival
Ort: Rees-Haldern
Datum: 11.08.2012 (3. Tag)


von Oliver Peel

Unfassbar wie schnell die Zeit vergeht, vor allem beim Haldern Festival! Ehe man sich versehen hatte, war der letzte Tag gekommen. Aber dieser hatte es in sich, es standen etliche Highlights an, ein toller Act jagte den nächsten.

Für einen solch langen Tag brauchte man allerdings ordentlich Kraftreserven, sodaß wir zunächst einmal wieder lange schliefen und ausgiebig frühstückten. Zwei doppelte Espressi sind für mich Pflicht, ansonsten kommt mein alter Körper nicht in die Gänge.

Folge unserer Trödelei war dann natürlich, daß wir die Briten Skinny Lister in der Haldern Pop Bar verpassten und auch zu The British Expeditionary Force auf der Hauptbühne zu spät kamen. Letztgenannte sollen laut Zeugenaussagen ganz großartig gewesen sein, also merkt euch den Namen.

Die Bowerbirds mussten schon früh ran, 14 Uhr 35, um genau zu sein. Die Band selbst schien mit der Ansetzung aber sehr zufrieden zu sein, sie bekundeten lächelnd, daß dies ihnen die Möglichkeit gäbe, die nach ihnen startenden Bands in Ruhe anzugucken. Zunächst aber mussten sie selbst etwas leisten. Meine Erwartungen an das Konzert waren turmhoch, weil ich die Bowerbirds vor ein paar Monaten in Paris gesehen hatte und enorm beeindruckt war. Damals spielten sie zu fünft, es gab einen Geiger und eine Cellistin, die heute aber fehlten. Auch ihr Akkordeon hatte Sängerin Beth Tacular wohl zu Hause in North Carolina gelassen, einen Umstand den ich schmerzlich bedauerte, denn ohne sind die Bowerbirds nicht die gleiche Band. Kompensiert wurden die fehlenden Instrumente durch zwei Keyboards, von denen eines allerdings zu Beginn bockte. Erst nach recht langwierigen Versuchen, es zum Laufen zu bringen, konnte das Trio aus Beth Tacular, Sänger und Gitarrist Phil Moore und einem Drummer ihr Konzert normal fortsetzen. Der Sound war deutlich synthetischer als ich das bei ihnen kannte. Der perlende und moderne Keyboardsound wollte nicht so recht zum üblicherweise deutlich erdigeren Klangbild passen und Phil Moore spielte öfter auf der E-Gitarre als auf der Akustischen, was einen rockigeren Sound zur Folge hatte, der auch durch das wuchtig und mir oft zu explosive Schlagzeug noch verstärkt wurde. Statt akustischem Folk oder Kammerpop gab es also eher Elektro-Rock. Auch dies hatte seinen Reiz und neue und alte Stücke (Our Talons) klangen dadurch anders, aber keineswegs schlecht.

Auch ein nagelneues, unveröffentlichtes Lied wurde präsentiert, das sehr düster, wolkenverhangen und psychedelisch klang und sich deutlich von Songs der ersten drei Alben unterschied. Ob der Song allerdings für ein etwaiges viertes Werk repräsentativ ist, vermag ich nicht zu sagen.

Unter dem Strich blieb ein ansprechendes, aber leider nicht überragendes Konzert. Ich hatte mir mehr erhofft.

Nach den Bowerbirds bin ich noch schnell ins Spiegelzelt rübergegangen, um mir einen kurzen Eindruck des Düsseldorfer Songwriters Honig zu verschaffen. Seine melancholische Musik klang so gar nicht nach süßlichem Honig, sondern schleppte eine ordentliche Portion auf seinen Schultern. Mit brüchiger Stimme trug der Mann mit dem lichten Haar und der Brille wehklagende Lieder vor, die einige Leute im Zelt stark bewegten. Ich persönlich hatte meine Probleme, mich auf die schwarzen Songs einzulassen, da draußen herrlicher Sonnenschein herrschte und ich nicht in der richtigen Stimmung für in Moll gehaltene Musik war. Als es dann in einem Lied um «father» ging, ergriff ich die Flucht, das deprimierte mich auf Grund meiner eigenen Biografie zu sehr. Erst hinterher erfuhr ich, daß in der Begleitband von Honig auch Julia Kotowski alias Entertainment For The Braindead agierte, die ich mir solo auch mal auf dem Haldern wünschen würde.

Honig ist sicherlich gut, aber es war zu diesem Zeitpunkt nicht die richtige Musik. Nachts um eins hätte es bestimmt besser gepasst.

Um 15 Uhr 40 war die Zeit für die norwegischen Aufsteiger Team Me gekommen. Mein Freund Christoph hatte mir schon von ihnen vorgeschwärmt und auch ich war vor ein paar Wochen in Paris in den Genuß eines Konzertes der lebenslustigen, ziemlich verrückten Band gekommen.

Heute auf der Hauptbühne in Haldern boten sie genau das was man von ihnen erwarten durfte. Einen schrägen, rasant gespielten Indiepop voller Enthusiasmus und jugendlicher Unbekümmertheit. Dazu passten dann auch die riesigen Luftballons ganz hervorragend. Zu Beginn des Konzertes wurden überdimensionale bunte Bälle ins Publikum geworfen, die dann ihre Runden machten und oft auf den Häuptern von überraschten Zuschauern landeten, die sie dann mit einem Stups erneut in die Lüfte katapultierten. Daran hatten selbst die mintunter etwas grimmig guckenden Ordner ihren Spaß.

Musikalisch erinnerte das Ganze an Los Campesinos!, die Wombats oder Arcade Fire, man merkte aber dennoch eine eigene, skandinavische Schwermut, die immer mal wieder unter den euphorischen Uptempo Nummern hindurchblitzte. Amüsant die Kriegsbemalung des Sextetts. Jedes der Gesichter war mit Streifen markiert und selbst die Gitarren der Musiker waren hippiesk bemalt wie ein alter VW Bus.

Dem Gelingen des Konzertes konnte es auch nichts anhaben, daß es zu Beginn arge technische Probleme gab und die Soundanlage kurzfristig zusammenbrach. Das überspielten die Norweger mit einer unglaublichen jugendlichen Nonchalance und als sie wieder Saft hatten, spielten sie umso wilder drauf los. Ein Stück blieb mir besonders hängen. Es begann sehr verhalten und langsam, zog sich über mehrere Minuten so vor sich hin, bevor die Postrock-Keule geschwungen wurde und die Musiker auf ihren Gitarren schrammelten, als ginge es um ihr Leben.

Team Me haben sich mit diesem Konzert eindrucksvoll empfohlen, die Songs ihres Debütalbums To The Treetops! klangen live noch wesentlich druckvoller und mitreißender als auf Platte.

Nach Team Me spielte in meiner Abwesenheit Nigel Wright im Spiegelzelt, bevor es auf der Hauptbühne mit Grant Lee Buffalo weiterging. Meine ganze Aufmerksamkeit wurde diesem kultigen Trio aus L A aber nicht zuteil, da ich mit Christoph und meiner Frau eine Steinofenpizza aß und von Christoph Abschied nahm, der nach Hause wollte, um sich für seinen sonntäglichen Trip nach London (zu Blur) zu schonen. Stimmlich erinnerte mich der Sanger Grant Lee Buffalo manchmal an Bono, aber seine Musik war natürlich nicht so stadionlastig. Dennoch war er von Bruce Springsteen nicht meilenweit entfernt, das war eine Mischung aus emphatischen Americana, Folkrock und Classic Rock. Annehmbar und grundsolide, aber sicherlich nicht das beste Konzert beim Haldern 2012.

Dieses sollte aber gleich danach im Anschluß von Damien Jurado im Spiegelzelt kommen, siehe hierzu auch meinen ausführlichen Bericht (kommt noch!).

Nach Jurado ging es wieder raus dem stickigen Zelt und kurz weiter zu tuneyards, die mir mit ihrem souligen Gejodel aber wieder sehr schnell auf den Wecker ging. Schließlich bin ich nicht zum Halden gekommen, um Schuhplattlerei zu betreiben.

Schade allerdings, daß ich die tollen Amis Megafaun verpasste, weil ich einen Mini Gig meines holländischen Freundes Thijs ansah, der zusammen mit einem Kumpel erdige Folkklassiker vor dem Restaurant Cantina Mobile zum Besten gab.

Zu Patrick Watson aus Kanada war ich dann aber wieder zurück und hatte an dem Falsettgesang und den komplexen Kompositionen des feinfühligen Pianisten meine Freude. Watson war mit einer kompletten Band gekommen, in der auch einen Geigerin agierte und sorgte wie immer für eine prima Stimmung. Der Bursche ist Stammgast in Haldern und angesichts der Qualität seiner orchestralen Stücke ist dies auch kein Wunder. Schön!

Schön klangen dann auch Boy and Bear aus Australien im Spiegelzelt, obwohl es auch Leute gab, die nörgelten “das war jetzt zum hunderttausendsten Mal Folkrock im Stile der Mumford & Sons und der Fleet Foxes, laaangweilig!“

Ich sah das nicht so, für mich war das gute und authentische Musik von einer sympathischen Band, von der wir sicherlich in Zukunft noch deutlich mehr hören werden.

Dann pilgerte ich wieder rüber auf die Mainstage, wo nun die britischen The Maccabees bereitstanden.

Mit dem Termin um 21 Uhr 10 hatten sie eine attraktive Auftrittszeit zugewiesen bekommen. Sozusagen zur prime time durften sie ihre quirligen Songs der drei bisher erschienenen Alben präsentieren. Drei Alben und dritter Auftritt beim Haldern Pop, die 3 schein die magische Zahl des Abends zu sein. Aber es soll ja auch Spötter geben, die behaupten, daß viele Indie Bands genau drei Alben zur „Arschlochwerdung“ brauchen. Erst nett, sympathisch und bescheiden und später dann arrogant, großkotzig und abgehoben, so der Werdegang vieler Combos. Natürlich gibt es Ausnahmen, die Killers waren beispielsweise schon bei Album 1 eine Arschlochband, bei den Kings Of Leon und Coldplay stimmte die Regel jedoch genau. Zwei tolle erste Alben und danach nur noch stromlinienförmiger Stadionrock für Leute mit einem unterentwickelten Musikgeschmack.

Aber wie verhält es sich diesbezüglich nun um die Maccabees, um die es hier geht? Mein Bloggerfreund Christoph behauptet ja, daß das aktuelle Album totaler Mist ist, obwohl er genau wie ich, die ersten beiden Longplayer Colour It In und Wall Of Arms heiß und innig liebte. Auf Grund seiner Aussage, habe ich es sogar nicht gewagt, mir das neue Werk zuzulegen. Ich wollte eben nicht von einer meiner Lieblingsbands maßlos enttäuscht werden.

Heute aber konnte ich nicht mehr wegducken, denn der Livetest stand an und natürlich wurden auch die neuen Stücke gespielt. Schon gleich die ersten beiden Titel stammten von Given To The Wild. Sie klangen breitwandiger, atmosphärischer und stadiontauglicher als die alten Sachen und das zackige, angehakte Moment, das ich an den Maccabees immer so schätze, war in den Hintergrund gedrängt worden. Schnell wurde deutlich, daß man es mit einer Band zu tun hatte, die bewußt ihren Sound geändert hat und mit der schrägen Post Punk Band ihrer Anfänge nicht mehr viel gemein hatte. Das konnte man bedauern, oder für gut heißen. Günstlinge würden sicherlich von einer konsequenten Weiterentwicklung des Klangbildes sprechen, Nörgler von einem sell off und der Verleugnung der Wurzeln. Ich persönlich würde zwar nicht so weit gehen, die neuen Sachen durch die Bank weg zu verdammen (Pelican, das später kam, war zum Beispiel ein Hit), muss aber zugeben, daß mir die alten Maccabees besser gefallen haben. Logischerweise war die stärkste Phase des enorm lauten Sets (Ohrenstöpsel waren erste Bürgerpflicht!) dann auch diejenige, in der mit First Love und X-Ray zwei nach wie vor verdammt tolle Stücke des ersten Opus geschmettert wurden. Da blitzten noch einmal die alten Qualitäten auf, konnte man sich an den messerscharfen Riffs, dem polternden Bass und dem extatischen Schlagzeug erfreuen. Aber die Freude hielt nicht allzu lange, dann kamen wieder die breitwandigen neuen Sachen zum Zuge. Es gab sogar Songs wie Can You Give It (vom zweiten Output), die ich kaum erkannte. Can You Give It präsentierte sich in neuem Gewande und gefiel mir deutlich weniger als das „Original“.

So verfolgte ich dann das einstündige Konzert mit gemischten Gefühlen. Ich war happy für die Band, daß sie einen Satz nach vorne gemacht und sich in der schnelllebigen britischen Musikszene etabliert hat, aber auch etwas wehmütig, daß sie niemals mehr so aufregend und rotzig klingen würden wie damals im Spiegelzelt in Haldern (2007) als ich die Maccabees entdeckt hatte und hellauf begeistert war.

Nach den Maccabees spielten die kultigen Afghan Whigs auf der Hauptbühne aber ihr souliger Indierock klang eine Spur antiquiert und nicht sonderlich aufregend. Zwar legte sich Frontmann Greg Dully ordentlich ins Zeug, konnte jedoch nicht wirklich kompensieren, daß die Band in die Jahre gekommen ist und auch so klang. Da war ich doch viel gespannter auf die modernen Töne von Arthur Beatrice, die nun im Spielzeit auftraten.

Die Band aus London verdient es, hier besonders hervorgehoben zu werden. Das four piece um die extrem attraktive und schönstimmige Sängerin Ella Girardot bot nämlich ein absolut atemberaubendes Set, das zu den drei besten Konzerten beim Haldern 2012 gehörte.

Die junge Formation, die noch bis vor kurzem völlig unbekannt war, klettert dank großartiger Lieder und mitreißender Liveshows die Karriereleiter rasant nach oben. Spätestens in ein paar Monaten wird jeder von ihnen reden und dies vollkommen zu recht. Ihr Sound klingt spannend und ungemein frisch und vermischt das Beste aus den vergangenen drei Jahrzehnten. Wavige Gitarren, die man so ähnlich von The Cure oder New Order kennt. Ein zackiger, tanzbarer Rhythmus, den man auch bei den Wild Beasts oder Hot Chip schätzt. Und eine düstere Mystik und mondäne Klasse, die Filmemacher David Lynch sicher ungemein anziehend finden würde.

Mit dieser Rezeptur begeisterten Arthur Beatrice die Halderner, und wenn es eines zu bemängeln gab, dann war es allein die Kürze des Auftritts. Aber halten wir uns einfach an den Spruch mit der Würze und konstatieren daß das Konzert auf den Punkt genau gespielt war. In lediglich einer guten halben Stunde wirbelten sie ordentlich Staub auf und brillierten mit sehr kreativen Titel wie Midland und dem fulminanten What We Hoped To Achieve, der das fantastische Set abschloss. Der Gesang von Ella Girardot kam unfassbar anziehend rüber und die Tempobeschleunigung am Ende riss noch den lahmsten Zuschauer aus der Reserve. Wie in Trance ließ Ella ihren hübschen Zopf durch die Luft fliegen, drehte an ihren Reglern und verabschiedete sich im Namen der Band herzlich und glaubwürdig von den Zuschauern.

Ganz klarer Fall, die werden wir wiedersehen und zwar auf wesentlich größeren Bühnen. Wir reden hier schließlich von den neuen The xx!


Bereits einen absolut etablierten Status haben die Headliner des diesjährigen Haldern Pop Festivals Wilco.

Die Band um Jeff Tweedy ist in den USA eine ganz große Nummer und in Europa nur recht selten anzutreffen. Wilco haben meine letzten 15 Jahre musikalisch entscheidend mitgeprägt, mir mit Alben wie, Yankee Hotel Foxtrott (2002), A Ghost Is Born (2004) und Sky Blue Sky (2007) wunderschöne Stunden bereitet. Ich liebe die zarte, leicht rauchige Stimme von Jeff, sie ist so verletzlich, tröstlich, anrührend. Und live ist natürlich auch der baumlange Gitarrist Nels Cline eine absolute Wucht. Gegen seine schwindelerregenden Soli ist kein Kraut gewachsen, er stellt wirklich das Idealbild eines «guitar hero» dar. Aber natürlich ist die gesamte Band Wilco trotz vieler Line Up Wechsel exzellent und jeder trägt sein Teil zur Unternehmung bei.

In Haldern war es bereits 0:25 h geworden, als Wilco endlich in See stachen. Sie begannen mit Dawned, War und I Might, bevor sie mit At Least That’s What She Said den ersten Riesenhit zum Besten gaben. Der Sensations-Track von A Ghost Is Born, der so langsam und anschmiegsam beginnt und dann in einen völlig überraschenden noisigen Gitarrenpart einmündet, wurde auch von den im Publikum stehenden Musikern von Megafaun und Bowerbirds begeistert aufgenommen. Die Künstler freuten sich wie kleine Kinder, als Nels Cline seine Riffs in den Halderner Nachthimmel entsendete, headbangten phasenweise fast ein wenig.

Packende Abschnitte wie diesen gab es ein paar, so auch bei Klassikern wie Handshake Drugs oder Shot In The Arm, aber nichts kam an den überragenden Mittelteil heran, als mit Hummingbird, Impossible Germany und dem wunderbar melodiösen Born Alone drei besondere Bonbons ins Publikum geworfen wurden. Da wurde deutlich, wie verdammt gut doch diese Amis sind. Kaum eine Gruppe beherrscht ihre Instrumente so gut, nur wenige haben das Händchen dafür, solch zeitlos schöne Melodien zu schreiben und keine einzige Formation schafft es wie Wilco, den Brückenschlag zwischen Classic Rock aus den 70 er und frühen 80er Jahren, US-Indierock der 90er Jahre und Noiserock im Stile von Sonic Youth hinzubekommen. Wilco beherrschen alles. Sobald man glaubt, ein Song sei zu bieder und bodenständig, wird man von experimentellen, oft sehr lauten Passagen überrascht, die dann wie von Gotteshand geführt wieder zum ursprünglichen Thema zurückkehren. Wilco ist beides, Old school und Moderne. Und immer merkt man, daß hinter dieser Truppe, die oft in Stadien spielen, noch «richtige» Menschen stecken und keine ausgebufften Rockstars, die nur auf Kohle aus sind. Wenn hinterher Besucher auf dem Haldern Forum beklagten, dieser heutige Auftritt sei zu routiniert und lustlos ausgefallen, muss man auch um die Launen und die Leiden des Jeff Tweedy wissen. Der Bursche hat in den vergangenen Jahren teilweise Höllenqualen miterlebt, Depressionen und Panikattacken inklusive. Wenn ihm mal nicht danach ist, rumzualbern und auf Verbrüderung zu machen, dann sollte man das akzeptieren. Klar, seine Kommunikation mit dem Publikum am Niederrhein beschränkte sich weitestgehend auf ein «hello», «thank you» und how are you?» aber er bleibt halt eben lieber authentisch, als ein gekünsteltes Bubblegum Smile aufzusetzen.

Mir jedenfalls hat das ungefähr 90minütige Konzert von Wilco gefallen. Natürlich fehlten ein paar Klassiker im Set, allen voran Jesus etc., aber das Ganze war dennoch musikalisch hochstehend. Schade insofern, daß im Laufe des Gigs so einige Zuschauer frühzeitig das Gelände verließen, sodass die Stimmung am Ende eher mau war und auch die eigentlich eingeplanten Zugaben ausgelassen wurden.

So ging dann das Haldern 2012 etwas abrupt zu Ende, ein paar Dankesworte des unermüdlichen holländischen Moderators, das war’s. Macht nichts, das Festivals war insgesamt wieder traumhaft und ein voller Erfolg. Natürlich sind wir 2013 wieder mit dabei!!


Auf dem Weg zum Auto hörte ich übrigens noch ein Stück der famosen jungen Engländer Alt-J aus dem Spigelzelt dröhnen. Deren Konzert hätte ich nur allzu gerne noch gesehen, aber meine Frau drängte erbarmungslos auf die Heimreise. Aber eigentlich ist das gar nicht schlecht, wenn man mit dem Gefühl geht, daß das Festival letztlich noch viel toller war, weil man weiß, daß man sicherlich ein paar herausragende Acts verpasst hat...

Setlist Wilco, Haldern-Pop Festival:

01: Dawned
02: War
03: I Might
04: At Least
05: Heart
06: One Wing
07: Handshake
08: Poor Places
09: Art
10: Standing O
11: Hummingbird
12: Impossible Germany
13: Born Alone
14: Wishful
15: Whole Love
16: Always
17: HMD
18: I’m The Man
19: Shot

20: Late Greats (vorgesehen, aber nicht gespielt)
21: I’m A Wheel

Setlist The Maccabees,
Haldern Pop Festival 2012:

01: Child
02: Feel To Follow
03: No Kind Words
04: William Powers
05: First Love
06: X-Ray
07: Can You Give It
08: Heave
09: Precious Time
10: Love You Better
11: Pelican
12: Grew Up At Midnight


Setlist Team Me, Haldern Pop Festival 2012:

01: Patrick Wolf & Daniel Johnston
02: Come Down
03: Weathervanes And Chemicals
04: Favourite Ghost
05: Show Me
06: Dear Sister
07: With My Hnds Covering Both Of My Eyes And I Am Too Scarde To Have A Look At You Now

Setlist Patrick Watson, Haldern Pop Festival 2012:

01: Lighthouse
02: Blckwind
03: Step Out For A While
04: The Quite Crowd
05: Words In The Fire
06: Into Giants
07: Luscious Life
08: Big Bird In A Small Cage
09: Morning Sheets
10: Adventure In Your Own Backyard
11: Noisy Sunday

Setlist Afghan Whigs, Haldern Pop Festival 2012:

01: Intro
02: Crime Scene Part One
03: I'm Her Slave
04: Uptown Again
05: What Jail Is Like
06: Fountain And Fairfax
07: When We Two Parted/Over My Dead Body
08: Gentleman
09: 66
10: My Enemy
11: See And Don't See
12: Love Crimes
13: Going To Town
14: Debonair
15: Cite Soleil
16: Faded

Setlist Grant Lee Buffalo, Haldern Pop Festival 2012:

01: The Hook
02: Lady Godiva And Me
03: Soft Wolf Tread
04: Sing Along
05: Drag
06:Mockingbirds
07: Fuzzy




The Maccabees, Frankfurt, 18.08.12

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Konzert: The Maccabees
Ort: Zoom, Frankfurt
Datum: 18.08.2012


von Ursula von neulich als ich dachte

Ich kenne Markus Gardian, der in Frankfurt einen Großteil der Konzerte mit der Zielgruppe „Indie“ bucht, nicht persönlich. Dennoch halte ich ihn für einen netten Menschen, denn im Rahmen seines Konzertnewsletters verlost er regelmäßig Eintrittskarten für die von ihm organisierten Auftritte. Wenn ich zurückdenke, habe ich dank der Verlosung sicherlich schon zehn Bands umsonst gesehen – häufig gibt es für Teilnehmer, die nicht ihr Wunschkonzert gewonnen haben, nämlich sogar Trostpreise in Form von anderen Konzerttickets.

So war es auch dieses Mal: Unseren eigentlichen Wunsch, Hot Chip, teilten wir offenbar mit den meisten Verlosungsteilnehmern, stattdessen gab es immerhin Karten für die Maccabees – die ich persönlich im Vorfeld nicht kannte, weshalb ich schnell vorab bei Simfy noch ihr Gesamtwerk anhörte. Als ich hinterher gegenüber meinem Freund (der die Band kennt und mag) erwähnte, dass die Sängerin die Band ja wohl nach dem ersten Album verlassen habe, war dessen Erheiterung groß. Sängerin? Bei den Maccabees? Eine Googlesuche brachte die Lösung: Das „erste Maccabees Album“ von Simfy stammt in Wirklichkeit von einer anderen Band mit demselben Namen.

Nicht allzu adäquat vorbereitet fand ich mich also wenig später samt Begleitung bei über 30 Grad im ehemaligen Sinkkasten ein. Dieses Lokal hatte ich erst- und letztmalig vor zehn Jahren besucht und für schrecklich befunden, seit seiner Umbenennung in „Zoom“ verströmt es aber zumindest nicht mehr den Nichtcharme der Achtziger Jahre und verfügt, anders als viele andere Frankfurter Clubs, sogar über eine die Temperaturen erträglich machende Lüftung.

Die ansonsten wenig erwähnenswerte Vorband List löste bei mir neue Gedanken zum Thema Älterwerden aus: Nicht nur hatte ich diesen Club zwischenzeitlich ein Jahrzehnt nicht besucht, die Mitglieder dieser Gruppe schienen wieder einmal Brüder zu sein, denn sie sahen sich ziemlich ähnlich. Oder bin ich jetzt schon in dem Alter, in dem alle jungen Leute einander irgendwie ähnlich sehen? Hilfe!

Um 22:10 betraten Orlando Weeks, Hugo White, Felix White, Rupert Jarvis und Sam Doyle mit ihrer Tourneeverstärkung Will Whyte (Synthesizer) die Bühne, die den restlichen Abend größtenteils dunkel gehalten wurde, was das Fotografieren nicht gerade erleichterte, aber mit dem düsteren und getragenen Sound des neuen Albums harmonierte. Passend wurde das Konzert mit „Child“ und „Feel to Follow“ vom Album „Given to the Wild“ eröffnet.

Das darauf folgende „Wall of Arms“ und insbesondere „No kind words“ zeigten aber, dass das Publikum im durchaus gut gefüllten Club besonders die älteren, schnelleren Lieder schätzte. Im Verhältnis dominierten dennoch die neuen Songs: Vom aktuellen Album wurden sieben, von den ersten beiden nur drei beziehungsweise fünf Lieder gespielt.

Die Band schien Spaß an ihren einzigen Clubauftritt diesen Sommer (in dem man sonst auf vielen Festivals spielt) zu haben, litt aber auch sichtlich unter der Hitze. So erbat man sich nach dem Hauptteil, der mit den zwei Singles: „Love you better“ und „Pelican“ beschlossen wurde, eine Pause.

Die darauf folgende Unterbrechung dauert dann aber doch nicht länger, als man das vor Zugaben gewöhnt ist, nach maximal drei Minuten waren schon alle wieder da, sahen nicht wesentlich trockener aus und spielten noch drei Songs, von denen „Precious Time“ vom Debütalbum die größte Publikumsfreude auslöste. Zusätzlich versuchten sie, für zwei extra aus Russland angereiste Fans unter den anwesenden Konzertbesuchern eine Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren. Wie Herr Gardian sind also auch die Maccabees offensichtlich nette Menschen.

Setlist The Maccabees, Zoom, Frankfurt:

01: Child
02: Feel To Follow
03: Wall Of Arms
04: No Kind Words
05: Go
06: William Powres
07: First Love
08: X-Ray
09: Can You Give It?
10: Heave
11: Love You Better
12: Pelican

13: Forever I’ve Known (Z)
14: Precious Time (Z)
15: Grew Up At Midnight (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Maccabees, Köln, 15.02.12
- The Maccabees, Paris, 14.12.09
- The Maccabees, Köln, 12.11.09
- The Maccabees, Haldern, 15.08.09
- The Maccabees, Paris, 10.06.09
- The Maccabees, Haldern, 03.08.07




Donnerstag, 16. Februar 2012

The Maccabees, Köln, 15.02.12

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Konzert: The Maccabees (& We Are Augustines)
Ort: Gebäude 9, Köln

Datum: 15.02.2012

Zuschauer: schon lange ausverkauft
Dauer: The Maccabees knapp 70 min, We Are Augustines 30 min



Beim besten Willen - ich kann mir die neuen Maccabees nicht schönreden. Das Konzert im Gebäude 9, das vor einer guten Stunden zu Ende gegangen ist, war besser als befürchtet. Allerdings lag das nicht daran, daß mir die Stücke der kürzlich erschienenen dritten Platte der Engländer live plötzlich gefielen. Es lag an den vielen alten Liedern, die gespielt wurden. Die ersten beiden Alben der Maccabees enthalten keinerlei Ausfälle, auf Given to the wild, dem dritten, ist es leider umgekehrt.

Vor den Maccabees spielten We Are Augustines aus New York, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Das Trio, das aus der mir vollkommen unbekannten Band Pela hervorgegangen ist, spielte sechs Stücke, nur eines kürzer als fünf Minuten. "Bloß Rock'n'roll", wie Sänger Billy McCarthy feststellte. Es war wundervoll! Das Debüt der Amerikaner ist wohl schon 2011 erschienen, der deutsche iTunes-Store kündigt es für März an. Ich kenne daher nur eine Single - vollkommen egal aber, da es bald mehr sein wird. We Are Augustines waren den Eintritt schon einmal locker wert!

Setlist We Are Augustines, Gebäude 9, Köln:

01: Rise
02: Barrel of leaves (?)
03: Juarez
04: Headlong into the abyss
05: Chapel song
06: Book of James

Daß die Maccabees, die ich zuletzt beim 2010er Latitude Festival gesehen hatte, wieder eine Nummer größer geworden sind, zeigte schon ein kleines Detail. Zwei der Roadies trugen sandfarbene Bandjacken bzw. -hemden.

Ob das zweite Mikro bei Sänger Orlando Weeks neu war, weiß ich nicht genau. Es sollte jedenfalls bei den neuen Liedern eine große Rolle spielen. Sicher verändert hatten sich manche Frisuren: Gitarrist Hugo (der Linkshänder) hat mittlerweile lange Locken und sieht weit weniger nach Rock'n'roll aus. Gitarrist Felix White dagegen scheint entdeckt zu haben, daß er eigentlich zu den Ramones gehörte. Wäre es einen Tag später gewesen, hätte ich sein Outfit für eine Verkleidung gehalten - für eine gute!

Das Konzert begann mit zwei Stücken vom neuen
Album. Child, der Opener, hat kaum etwas mit den aufregenden Stücken der frühen Maccabees zu tun, es fehlt die Dynamik, das Abgehackte, die Brüche. Orlandos hoher Gesang ist eine Gratwanderung, das ist mir erst heute aufgefallen. Hohe Stimmen können mich schnell nerven, wenn sie ins Jaulende abrutschen. Dieser brüchig-hohe Gesang der vielen Hits ist wirklich toll, aber ein Schritt weiter zur Seite und es wird fies. Bei Child war er fies. Glücklicherweise war ganz vorne an meinem Platz der Gesang viel zu leise, bei den schlechten Stücken war das ein Vorteil (ich weiß nicht, ob es insgesamt so schlecht abgemischt war, ganz vorne blieb es während des ganzen Konzerts so).

Das folgende Feel to follow war ein schönes Beispiel dafür, was mich an den neuen Sachen nervt. Die langsamen Passagen des Lieds sind schrecklich. Sobald es schnell wird, gefällt mir das Stück gar nicht mehr so schlecht. Wenn die flotten Gitarren einsetzen, gewinnt es ungemein! Dramaturgisch nicht schlecht, denn
anschließend folgten die ersten beiden Hits (Wall of arms und No kind words), bei denen ich plötzlich sehr bedauerte, daß Orlando Weeks so schlecht zu verstehen war.

Die nächsten beiden neuen Sachen danach (Glimmer und Went away) waren ganz ok, sie gehörten zu den besten neuen Titeln, die gespielt wurden. Bei Went away gefielen mir zum Beispiel die Gitarren ganz gut.
Glimmer und Went away leiteten in die mit Abstand beste Phase des Konzerts über, die aus zwei ganz alten und zwei mittelalten Stücken bestand. Damit kann man nichts falsch machen; ich wüsste wirklich kein Lied auf Wall of arms oder Colour it in, das mir nicht gefiele.

Nach jedem Sonnenschein regnet es aber auch wieder - und zwar nasskalt und sehr fies! Ein wenig rettete das bessere Ende Forever I've known, insgesamt war das Stück aber der musikalische Tiefpunkt bis dahin.

Nach gerade mal 50 Minuten war mit der Single Pelican vorerst Schluß. Pelican ist ok, aber nicht mehr (es hätte es sicher nicht auf eine der ersten beiden Platten geschafft).
Ich verstand Orlandos Singen hierbei wieder so gut wie gar nicht.

50 Minuten sind für eine Band mit drei Alben geizig. Auch die drei Zugaben machten
das nicht besser, denn zwei davon hätten sich die Briten besser gespart. Unknown mit seinem fiesen Verzerrgesang versuchte mit anderen Mitteln das, was WU LYF besser hinbekommen. Und warum ausgerechnet das lahme Grew up at midnight den Schlußpunkt bildete, ist mir vollkommen unklar!

Gäbe es die ersten beiden Alben der Maccabees nicht, interessierte mich die Band keinen Deut. Weil sie allerdings so gut sind, kann man sich die Truppe noch ansehen. Den Abend geretten haben neben den No kind words und William Powers aber ganz eindeutig We Are Augustines!

Setlist The Maccabees, Gebäude 9, Köln:

01: Child
02: Feel to follow
03: Wall of arms
04: No kind words
05: Glimmer
06: Went away
07: William Powers
08: First love
09: X-ray
10: Can you give it
11: Forever I've known
12: Love you better
13: Pelican

14: Unknow (Z)
15: Precious time (Z)
16: Grew up at midnight (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Maccabees, Paris, 14.12.09
- The Maccabees, Köln, 12.11.09
- The Maccabees, Haldern, 15.08.09
- The Maccabees, Paris, 10.06.09
- The Maccabees, Haldern, 03.08.07




Dienstag, 15. Dezember 2009

Editors & Maccabees, Paris, 14.12.09

7 Kommentare

Konzert: Editors & Maccabees & Wintersleep

Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 14.12.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: Editors 100 Minuten, Maccabees & Wintersleep jeweils etwa 35 Minuten



Ich bin nur wegen der Vorgruppe hier, steht auf Christophs schicker Umhängetasche geschrieben*, die er ab und zu bei Konzerten mit sich trägt. Nicht unbedingt mein Motto. Nicht, weil ich Vorgruppen nicht mag, sondern weil es eine verfluchte Zwickmühle gibt. Gefallen mir die Einheizer, störe ich mich in der Regel daran, daß der Großteil der anderen Besucher mit Ignoranz und Teilnahmslosigkeit reagiert, mißfällt mir der Support, ärgere ich mich darüber, daß ich zu Hause noch Sinnvolleres hätte erledigen können, als einer Band zuzuhören, die ich nicht mag. Genau das Gegenteil einer win-win Situation. Egal was passiert, man ist immer gearscht!

Heute wollte ich aber dennoch beide Vorgruppen unbedingt sehen. Mit Wintersleep und The Maccabees standen schließlich zwei Kracher auf dem Programm. Um die mitzubekommen, musste ich mich gewaltig sputen, denn ich war zusammen mit meiner Frau um 18 Uhr 30 bei der lieben Uschi aus Dortmund zum Gulaschsuppe essen eingeladen. Eigentlich lagen wir gut in der Zeit, merkten aber plötzlich in der U-Bahn, daß wir die Tickets vergessen hatten. Also noch mal zurück und wieder rein in die Metro. Durch diese Kacke hatten wir am Ende 30 Minuten verloren! Ich schaute meine Frau ganz treudoof an und teilte ihr mit, daß ich sofort ins Bataclan gehen würde. Ich war traurig, denn gerne hätte ich gesehen, wie Uschi lebt und die Gulaschsuppe hätte mir bestimmt auch gemundet. Aber wie sagt der Franzose so schön: "C'est la vie." (und damit meint der Froschfresser genauer gesagt: das Leben ist scheiße! Er formuliert es aber höflicher).

Nun gut, ich also allein Richtung Bataclan, als plötzlich mein Magen grimmt und ich es nicht schaffe, an einer Dönerbude vorbeizulatschen, ohne mir mit diesem Gammelfleisch den Magen vollzuschlagen. Eigentlich war das Teil lecker, aber ich möchte nicht wissen, was drin war. Egal. Jedenfalls war der baumlange Bassist von den Maccabess (auf dem Foto rechts) lustigerweise auch da und wenn er dahin geht, muss es ja gut sein. Oder nicht? Ist doch schließlich bekannt, daß sich junge britische Musiker auf Tour äußerst gesund ernähren. Ähem, ja...

Vor dem Bataclan dann eine lange Schlange. Bibbernde Menschen, die in der Eiseskälte auf Einlass warten und sich den Arsch abfrieren. Ich dachte, ich sei schlauer als diese Schafherde und reihe mich ganz vorne, schon fast am Eingang, ein. Da tippt mir plötzlich eine Französin auf die Schulter und sagt, ich solle mich hinten anstellen. Ein sehr unfranzössicher Reflex eigentlich, denn hier erzieht man normalerweise seine Mitbürger nicht, sondern lässt sie gewähren und sich schlecht benehmen. Aber nun gut, ich hatte halt eben das Pech auf eine blöde Pissnelke zu treffen! Wie so ein Hammel stelle ich mich tatsächlich ganz hinten an und verpasse prompt den Anfang von Wintersleep. Die Kanadier spielen, als ginge es um ihr Leben, ernten aber nur die gewohnten ignoranten Reaktionen. Ein paar Leute klatschen gelangweilt, anderen saufen Bier an der Bar. Perlen vor die Säue geworfen! Wintersleep sind nämlich richtig gut und bieten einen rassigen Indierock, an dem wenigstens etwas Erde klebt. Eine Mischung aus typisch amerikanischen Gruppen wie My Morning Jacket, REM, Band Of Horses, Built To Spill, Pavement, Pixies und englischen Post Punk Bands. Ich mag sie wirklich gerne, sie sind melodisch ohne sich anzubiedern, catchy und höllisch laut. Schade, daß ich nur vier Lieder von ihnen mitbekommen habe. Leider kann ich noch nicht einmal Titel nennen, obwohl ich Wintersleep dieses Jahr schon einmal in Haldern gesehen hatte. Nächstes Mal bin ich besser vorbereitet, denn ich habe beschlossen, alle drei Alben der Band zu kaufen!

Etwa eine viertel Stunde später stiegen die Maccabees in den Ring. Wie gewohnt gaben sie von Beginn an Vollgas und nahmen gut dreißig Minuten lang den Fuß nicht vom Gaspedal. Eine rotzfreche, aber hochsympathische und liebenswerte Band, die sich selbst nicht zu ernst nimmt und unbekümmert und frei von der Leber weg aufspielt und mich damit jedesmal euphorisiert. So auch heute. Schon nach dem Opener William Powers hatte ich ein Dauergrinsen in der Fresse und berauschte mich an dem zackigen Post Punk Sound und dem hibbeligen Beat der Rotznasen. So kernig auf den Punkt gebracht haben diesen Stil noch nicht einmal die ausgezeichneten Futureheads, mit denen man sie am ehesten vergleichen kann*. Kaum ein Song, der mich auf den ersten beiden Alben nicht begeistert hätte, im Gegenteil, so getrüffelt mit ohrwurmigen Knallern waren Alben junger englischer Bands in den letzten 10 Jahren sehr selten. Da verzeiht man ihnen auch, daß sie beim 2. Opus Wall Of Arms ein wenig bei Aracade Fire abgekupfert haben und man die ein oder andere Stelle schon einmal so ähnlich auf Funeral oder Neon Bible gehört hat. Ohnehin scheinen die Jungspunde um Sänger Orlando Weeks einen sehr ordentlichen Musikgeschmack zu haben. Wer covert schon die viel zu Unbekannten I Am Kloot? Kaum jemand! Die Maccabees trauen sich das, obwohl ihnen der Song Because eigentlich nicht sonderlich gut gelang und ich das Original von Bramwell bevorzuge. Das war aber auch schon das einzige Haar in der Suppe, denn der ganze Rest flutschte unglaublich gut. Das sonnig-heitere Can You Give It ist mit seiner kariös melodischen Gitarrenmelodie einer meiner Hits des Jahres und das deutliche düstere No Kind Words so schmissig und infektiös, daß ich jedesmal wild rumtobe ,wenn ich es höre. Und ich glaube sogar, daß ausnahmsweise recht viele Leute im Bataclan Gefallen an den unberechtigterweise lediglich als Vorgruppe an den Start gegangenen Maccabees gefunden haben.

Setlist Maccabees, Bataclan, Paris:

01: William Powders
02: One Hand Holding
03: All In Your Rows
04: Wall Of Arms
05: Young Lions
06: Can You Give It
07: Because ( I Am Kloot Cover)
08: No Kind Words
09: Love You Better

Und dann kamen die Editors, der Hauptact des heutigen Abends. Und hier kann ich es recht kurz machen: das Konzert war scheußlich! Ich fragte mich im Verlaufe des ekelhaft bombastischen, schwülstigen und unglaublich platten Sets, warum ich die einmal gut gefunden habe. Kein einziges Lied gefiel mir, die Hits von den ersten Alben hingen mir zu den Ohren raus und sind bei Licht betrachtet um ein oder zwei Ideen herum gebastelt und die neuen Sachen waren eine Zumutung. Allein die Assoziationen zu schauderhaften Bands aus den 80 er Jahren, die mir in den Sinn kamen, reichten aus, um mir Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. You Dont Know Love klang nach Abba (Lay All Your Love On Me), The Boxer nach Bronski Beat ( Smalltown Boy) und die erste Zugabe Walk The Fleet Road nach A-ha (The Sun Always Shines On TV) Hinzu kam ein glattgeschmirgelter Sound wie aus der Konserve, ein wie immer nervig rumhampelnder Tom Smith und eine grellbunte Lightshow, die eigentlich nur an Silvester, sprich sturzbetrunken, zumutbar gewesen wäre. Einzig allein die Tatsache, daß meine Frau an mir unbekannter Stelle im Saale zugegen war, hielt mich davon ab, fluchtartig das Batclan zu verlassen. So blieb ich also bis zum bitteren Ende.

Das feiste Publikum hatte trotzdem seine Freude, klatschte mit, als sei es in einer Disco auf dem Ballermann und berichtete hinterher von einem tollen Konzert. Auch meine Freunde und Bekannten mochten das. Ich sagte lieber gar nichts, denn ich wollte nicht als Spielverderber dastehen, hatte aber dennoch meine liebe Mühe und Not, nicht mit der Wahrheit rauszuplatzen und zu bekennen, daß ich dieses Jahr noch kein schrecklicheres Konzert erlebt hatte.

Bei den Editors gehe ich hiermit von Bord. Mögen sie mit ihrem pathetischen Bombastsound die Stadien dieser Welt beschallen und genug Kohle scheffeln, um sich eine Wohnung in London kaufen zu können. Oder was auch immer.

Setlist Editors, Paris, Bataclan 2009:

01: In This Light And On This Evening
02:An End Has A Start
03:Blood
04: You Don't Know Love
05: Bones
06: The Boxer
07: The Big Exit
08: Escape The Nest
09: Eat Raw Meat Blood Drool
10: All Sparks
11: The Racing Rats
12: Like Treasure
13: Camera
14: Bullets
15: You Are Fading
16: Smokers Outside The Hospital Doors
17: Bricks and Mortar

18: Walk The Fleet Road
19: Munich
20: Pappilon
21: Fingers In The Factories


Pour nos lecteurs français:

- Wintersleep: bien. À ranger entre les groupes indé us (Pixies, My Morning Jacket, REM) et les groupes post punk anglais, sans les copier. La voix du chanteur est remarquable.

- Maccabees: très bien, ultra rapide et diabloquement remuant. Leur concerts sont toujours euphorisants et trouffés des tubes incroyablement catchy.

- Editors: affreux. Grandiloquent, lisse et sans âme. Les nouveaux morceaux sonnent so eighties et m'ont fait penser à des groupes kitsh comme Abba, A-ha et Visage. Leur tubes des deux premiers albums (Blood, Munich, The Racing Rats, Smokers Outside The Hospital Doors...), que j'ai écouté trois millions de fois, me soûlent. Le public a adoré par contre. À chacun son goût.


*Wo Christoph hier Ähnlichkeiten zu der Indie- Folk Szene um Noah & The Wahle sieht, müsste er mir einmal erklären.

Aus unserem Archiv:


- Interview mit den Editors
- Editors, Köln, 12.11.2009
- Editors, Haldern-Festival, 08.08.08
- Editors, Ferropolis, 18.07.08
- Editors, Reims, 30.05.08
- Editors, Paris, 07.04.08
- Editors, Krefeld, 14.03.08
- Editors, Paris, 11.11.07
- Editors, Köln, 08.11.07
- Editors, Paris, 06.07.07
- Editors, London, 17.06.07
- Editors, Köln, 13.06.07
- Editors, Paris, 26.08.06

* auf dem Foto links seht ihr eine von Christophs tollen Legoarbeiten. Abgebildet sind die Blood Red Shoes und die waren oft Vorgruppe von Maximo Park. Da wäre ich auch wegen der Vorgruppe gekommen...



Freitag, 13. November 2009

Editors, Köln, 12.11.09

22 Kommentare

Konzert: Editors (The Maccabees & Wintersleep)
Ort: Palladium, Köln
Datum: 12.11.09
Zuschauer: nicht ausverkauft aber voll; vielleicht 3.000
Dauer: Editors 98 min, The Maccabees 30 min, Wintersleep knapp 25 min


"Unser Songwriting jetzt ist auch anders, es ist elektronischer, es gibt mehr Samples, ich spiele viel mehr Keyboard." - "Das wird eine Art Neugeburt im nächsten Jahr sein, wir werden anders klingen!" hatten uns Editors Gitarrist Chris und Schlagzeuger Ed und beim vergangenen Haldern-Festival erzählt. Obwohl ich die Musik der Band vorher unglaublich liebte, hatte ich nach diesen Ankündigungen keine Verlustängste; bei den Editors würde das gutgehen, da war ich sehr sicher. Und auf Platte bestätigte sich diese Einschätzung: die neuen, elektronischeren Stücke stellen wirklich eine Art Neugeburt dar, aber eine außerordentlich gute. Vor allem die erste Hälfte des Albums ist atemberaubend! Heute in Köln hatte ich Gelegenheit, das alles erstmals live zu sehen, nachdem mein letztes Editors Konzert bereits 15 Monate zurücklag.

Aber nicht bloß die Editors waren heute zu sehen. Auch die herausragenden Wintersleep und The Maccabees traten im Palladium auf. Für Nicht-Musikhörer: das ist so, als spielten Grace Kelly, Romy Schneider und Gwyneth Paltrow gemeinsam in einem Film.

Angesetzt war der Abend ursprünglich im E-Werk. Weil sich offenbar schnell andeutete, daß das Konzert ausverkauft sein würde, passierte das Unvermeidliche, die Verlegung auf die andere Straßenseite. Dafür reichte es dann aber offensichtlich doch nicht, denn vor dem Palladium war um kurz nach sieben sehr wenig los, und zahlreiche Verkäufer versuchten, überschüssige Karten loszuwerden. Auf der anderen Straßenseite dagegen bildete sich eine lange Schlange, wie ich sie vor dem E-Werk noch nicht erlebt habe. Ich war eben auch noch nie bei einer so coolen Band wie Europe! Dü dü dü dühhhh, dü dü dü dü dühhhh...

Als die erste Band anfing, war es drinnen noch recht gemütlich. Auch vorne war noch wenig los. Mit den ersten Klängen von Wintersleep, gaben wir den Platz aber gerne
wieder her, weil die Bässe trotz Ohrenschutzes körperlich weh taten. Es war entsetzlich laut und tief und versaute mir den Start deutlich. Glücklicherweise bekam man das recht schnell in den Griff, denn nach 23 Minuten waren die Kanadier auch schon wieder durch. Das war entschieden zu kurz!

Wintersleep sind eine Indierock-Band aus Halifax, die bisher drei Alben veröffentlicht hat. Vor einigen Monaten hatte ich die Kanadier in der Werkstatt gesehen. Da waren sie zwar auch nur Co-Headliner, hatten aber Zeit. Heute reichte ihr Programmanteil lediglich für sechs Stücke, von denen fünf vom letzten Album stammten (und auch in der Reihenfolge der Platte gespielt wurden). Ich war eigentlich sicher, daß hauptsächlich Neues gespielt würde, stammt Welcome to the night doch aus dem Jahr 2007. Die Band arbeitet gerade an ihrem vierten Album. Aber sie wählte einen anderen Ansatz als Noah And The Whale beispielsweise in Haldern, sie war sich offenbar bewußt, daß auch Leute ihretwegen da waren, und spielte nicht nur Experimente. Mit Black camera war dann nur eine Neuheit im Programm. Das Stück war gut, fiel aber im Set weder besonders positiv oder negativ auf.

Bis auf den schlechten Sound und die fehlende Länge ein guter Auftritt. Aber das war ja nicht weiter überraschend.

Setlist Wintersleep, Palladium, Köln:

01: Drunk on aluminium
02: Archaeologists
03: Black camera (neu)
04: Weighty ghost
05: Search party
06: Oblivion

Ach und dann kamen die fabelhaften Maccabees... Deren Platte Wall of arms, eine Nummer 13 der britischen Charts, wird es ganz locker in meine Jahres-Top-3 schaffen, egal, was noch kommen möge. Die Band hat alles, was eine gute Indie-Gitarrenband braucht: fabelhafte Melodien mit vielen Brüchen (ohne dabei aber gewollt künstlerisch-kompliziert zu klingen), einen Sänger, der die richtige Portion Gequältheit in seiner Stimme hat, jede Menge oh-oh-Chöre und viele Gitarren. Wenn man sie in der jungen englischen Musikszene einordnen wollte, wären da sicher sowohl Bands wie die Foals oder Pete & The Pirates aber auch die neue Indie-Folk-Szene um Noah And The Whale nicht weit weg.

Live wird die Sache aber noch fünf Nummern besser, weil man sieht, wie die Südengländer (die eigentlich musikalisch nach Leeds klingen) in ihrer Musik aufgehen. Vor allem der links stehende Gitarrist Hugo macht köstliche Verrenkungen und Faxen, ohne dabei Präzision einzubüßen.

Natürlich hatten auch die Maccabees viel zu wenig Zeit. Mein Wunsch, sie mögen beiden Alben hoch- und runterspielen, blieb unerfüllt.

Eigentlich kann ich es viel kürzer machen... Das, was die Maccabees da heute wieder fabriziert haben, war sensationell! Viele der Besucher kannten sie schon. Aber sicher kam der begeisterte Jubel nicht nur von denen. Von ihrem Debüt Colour it in spielten die Engländer nur First love, der Rest stammte vom aktuellen Album. Auch wenn das müßig ist; Dinosaurs, Wall of arms und Love you better waren die besten Stücke des Auftritts - und der einer der besten des Jahres!

Setlist The Maccabees, Palladium, Köln:

01: No kind words
02: One hand holding
03: Wall of arms
04: Dinosaurs
05: Can you give it
06: Young lions
07: First love
08: William Powers
09: Love you better

Die Editors habe ich verhältnismäßig lange nicht mehr gesehen; Haldern 2008 war mein letztes Mal mit den Editoren. Wenn ich das aus der Distanz nicht verkläre, hatte ich da mein bisher bestes Konzert der Band gesehen.

In this light and on this evening, das dritte Album der Band aus den Midlands, ist vor wenigen Wochen erschienen. Und Chris Urbanowicz hatte nicht zu viel versprochen; es klingt anders als die Vorgänger, jedenfalls in weiten Strecken. Die sehr elektronischen Lieder sind zum Teil herausragend und eine unpeinliche Weiterentwicklung der Band. Wir hatten uns vom ersten Album an immer wieder darüber unterhalten, daß der Hang zum Pathos ganz leicht in eine ekelhafte Richtung abdriften kann; die Gefahr, daß die Editors eine verachtenswerte Stadionrockband werden könnten, erschien uns nicht sonderlich konstruiert. Trotz des Kinderchors und des Bombasts des zweiten Albums, verpassten Tom Smith und Co. aber konsequent, auf die böse Seite abzubiegen. Und auch 2009 haben sie diese Chance ausgelassen und ein unpeinliches und sehr überzeugendes Album abgeliefert.

Natürlich könnte Papillon auch in den 80ern
entstanden sein*, und natürlich ist auch diese aufmerksame Feststellung ganz genau richtig, aber das ändert alles nichts daran, daß In this light and on this evening aufregend und großartig ist, daß der Titelsong eines der Lieder des Jahres ist und daß Papillon, Bricks and mortar, The boxer oder The big exit dem nicht viel nachstehen.

In this light... war dann auch das erste Lied einer ersten Konzerthälfte, die nur aus Hits bestand. Sehr gut gefiel mir, daß einige der alten Titel in neuer Form gespielt wurden. Mit wenigen Ausnahmen bedeutete das nicht unbedingt, daß es
elektronischer wurde (eine dieser Ausnahmen war das immer am Ende gespielte Fingers in the factories, das sehr elektronisch klang und ganz vorzüglich war). Bones oder Bullets hatten zum Beispiel leicht abgewandelte Enden. Auch Open your arms war neu arrangiert. Die ungewöhnlichste neue Version bot aber You are fading, ein Liveliebling der Band, das ich erst nach einer ganzen Weile erkannte.

Dem aktuellen Sound geschuldet, hat sich auch der Bühnenaufbau verändert. Toms Klavier gibt es immer noch. Allerdings stehen dahinter eindrucksvolle
Keyboard-Batterien, die Gitarrist Chris bedient. Mittig auf der Bühne befindet sich ein weiteres Keyboard. Tom Smith wechselte bei manchen Liedern von Klavier zu Gitarre zu Keyboard. Seinem Bewegungsdrang tut das sicher gut, wenn er mehr zu tun hat. Aber er hatte auch so reichlich Spielräume, rumzuhampeln, sich zu verrenken und komische Dinge mit seinen Armen zu machen. Wenn die Theorie stimmt, daß er besonders vielLust auf ein Konzert hat, wenn er sehr viel fuchtelt, hatte er gestern gute Laune!

Ich bin nicht ganz sicher, ob der Abend gestern an den in Haldern herankommt, das
ist aber ja auch vollkommen egal - das Konzert war hervorragend! Die alten Hits ziehen enorm gut, die neuen zum großen Teil auch. Ein Konzert, das deutlich länger als anderthalb Stunden dauert, hat natürlich auch ruhigere Phasen, heute war das die gegen Ende vor Smokers outside the hospital doors. Die haben mich allerdings nicht gelangweilt, weil die Variationen von Open your arms zum Beispiel zu interessant waren.

Ich hätte 2006 oder 2007 nie gedacht, daß die Editors irgendwann den meisten anderen Bands ihrer Generation den Rang ablaufen, i
n diesem Lichte und an diesem Abend sind sie aber von denen die beste Band. Auch wenn sie das Palladium nicht ausverkauft haben, sind weder bei Publikum noch bei den Musikern für mich Abnutzungserscheinungen zu erkennen. Da wird es also sicher auch noch ein viertes gutes Album geben!

Setlist Editors, Palladium, Köln:

01: In this light and on this evening
02: An end has a start
03: Bullets
04: You don't know love
05: Bones
06: The racing rats
07: The boxer
08: All sparks
09: Escape the nest
10: Like treasure
11: The big exit
12: Eat raw meat = blood drool
13: Open your arms
14: You are fading
15: Smokers outside the hospital doors
16: Bricks and mortar

17: Walk the fleet road (Z)
18: Munich (Z)
19: Papillon (Z)
20: Fingers in the factories (Z)

* trotzdem nervte der Typ, der dauernd brüllte, Depeche Mode seien besser, ganz kräftig!

Links:
- aus unserem Archiv:
- Interview mit den Editors
- Editors, Haldern-Festival, 08.08.08
- Editors, Ferropolis, 18.07.08
- Editors, Reims, 30.05.08
- Editors, Paris, 07.04.08
- Editors, Krefeld, 14.03.08
- Editors, Paris, 11.11.07
- Editors, Köln, 08.11.07
- Editors, Paris, 06.07.07
- Editors, London, 17.06.07
- Editors, Köln, 13.06.07
- Editors, Paris, 26.08.06

Fotos und weitere Links folgen!




Samstag, 15. August 2009

The Maccabees, Haldern Pop Festival, 15.08.09

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Konzert: The Maccabees

Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals
Datum: 15.08.2009
Konzertdauer: ca. 45 Minuten
Zuschauer: so einige


Neulich habe ich in einem bekannten Musikmagazin einen Verriss zum neuen Album Wall Of Arms der Maccabees gelesen. Es klänge zu sehr nach Arcade Fire, wurde moniert. Völlig unbegründet ist diese Einschätzung nicht, in der Tat gibt es gewisse Parallelen zu Neon Bible.

Live präsentieren sich die Jungs um Sänger Orlando Weeks aber ganz anders als die Truppe um Win Butler. Während die Kanadier mit ihrer Geschlossenheit und unglaublichen Präsenz imponieren, begeistern die Engländer vielmehr durch ihre Quirligkeit und ihr jugendliches Ungestüm. So auch in Haldern 2009. Vom Spiegelzelt (2007) auf die Hauptbühne aufgestiegen, bewiesen sie auf fulminante Weise, daß sie zu den allerbesten britischen Bands derzeit gehören. Egal ob alte Hits wie Precious Time oder Toothpaste Kisses (" a love song", wie Orlando Weeks erklärte), oder neue Zugnummer wie der Opener No Kind Words oder Can You Give It (dieses unwiderstehliche Gitarrenriff!) abgefeuert wurden, alles funktionierte! Ein hochrasantes Konzert wie aus einem Guß, daß sicherlich zu den Highlights des erneut sensationellen Haldern Festivals gehörte.

Auszug aus der Setlist The Maccabees Haldern Pop Festival 2009:

01: No Kind Words
02: X-Ray
03: One Hand Holding
04: Young Lions
05:Tissue Shoulders
06: Can You Give It
07: Kiss And Resolve
08: Toothpaste Kisses
09: Precious Time
10: William Powers
11: First Love
12: Love You Better

Links:

- The Maccabees am 10.06.09 in Paris
- und beim 2007er Haldern-Festival



Donnerstag, 11. Juni 2009

The Maccabees, Paris, 10.06.09

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Konzert: The Maccabees

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 10.06.09
Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung
Konzertdauer: 56 Minuten



Wow! Wow! Wow! Die britischen Maccabees sind ein Kracher erster Güte und haben in einer brütend heißen Maroquinerie ein berauschendes Konzert geboten. Mit aberwitzigem Tempo wurden euphorisierende Hits en masse geschmettert und eindrucksvoll belegt, daß diese Band zum Besten gehört, was die Insel zu bieten hat. Messerscharfe Gitarrenriffs, nervöse Basslinien, ein wuchtiges Schlagzeug und der markante Gesang von Orlando Weeks sorgten bei mir für pausenlose Endorphinstöße und am Ende hatte nicht nur ich ein breites Grinsen im Gesicht.

Sind die Maccabees die beste britische Band überhaupt? Möglich ist das, noch ganz besoffen von diesem Sensationsgig scheint mir kein Superlativ zu hoch gegriffen! Was freue ich mich auf diese Heißsporne in Haldern!

Setlist The Maccabees, La Maroquinerie, Paris:

01: No Kind Words
02: X-Ray
03: Tissue Soldiers
04: Can You Give It
05: Kiss And Resolve
06: Toothpaste Kisses
07: Precious Time
08: Accordion Song
09: Young Lions
10: Lego
11: William Powers
12: First Love

13: Mary (Z)
14: Dinosaurs (Z)
15: Love You Better (Z)

Fotos folgen...



 

Konzerttagebuch © 2010

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