Donnerstag, 23. Oktober 2008

The Walkmen, Paris, 22.10.08


Konzert: The Walkmen (Lady And The Lost Boys, Le Loup)
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 22.10.2008
Zuschauer: wahrscheinlich ausverkauft
Konzertdauer: Lady And The Lost Boys ca.30 Minuten, Le Loup 30-40 Minuten, The Walkmen ca. 65-70 Minuten



Drei Bands für 17,70 Euro das ist für Pariser Verhältnisse sehr fair. Und für sein Geld bekam man am heutigen abend auch wirklich etwas geboten. Zunächst die Engländer Lady And The Lost Boys, logischerweise mit einer Lady, der hübschen und ziemlich jungen Annabel an der Spitze, die manchmal stimmlich nach Kate Nash klang (die beste Möglichkeit meine Worte zu überprüfen, bietet sich, wenn man sich auf der MySpace Seite den Song Adventura anhört), ansonsten aber wesentlich depressivere Töne anschlug. So handelte ein Lied (ich denke es war Forget Me Not) von einem (ihrem?) Freund, der bald sterben wird. Traurig, traurig...

Gelgenheit die junge Band zu sehen, die mich auch ein wenig an die Mystery Jets erinnerte, bietet sich bei den Deutschland-Konzerten von The Walkmen, wo Lady And The Lost Boys im Vorprogramm auftreten werden.

Mehr auf Fun aus, waren anschließend Le Loup aus Washington DC. Ziemlich nerdige Typen mit gleich drei Gitarren (die aber keineswegs dominant waren) und einem hyperaktiven Sänger und Keyboarder an der Spitze. Schon nach den ersten Takten des Songs Le Loup drängte sich der Vergleich zu Animal Collective förmlich auf, die sie auch als Einfluss nennen. Das Ganze hatte auch eine psychedelische Note, in etwa so wie man das zuletzt von Caribou oder Yeasayer gehört hatte. Die genannten Bands können allerdings nur zur ersten Grobeinordnung dienen, denn der insgesamt recht experimentelle Sound, der trotz einiger technischer Probleme, mit viel Körpereinsatz geboten wurde, war doch sehr eigen. Die meisten Songs stammten von dem 2007 erschienenen Debütalbum The Throne Of The Third Heaven Of The Nations Millenium General Assembly (welch elend langer Albumtitel, Frechheit!) und erstaunlicherweise war schon der erste Titel des Sets der Beste.

Eine interessante Band, denen aber trotz aller Ideen und Experimenten noch ein wenig das packende Songmaterial fehlt.

Packendes Songmaterial hatten die Headliner The Walkmen allerdings danach reichlich zu bieten. Im Grunde genommen kann man sogar sagen, daß in dem rund 65 minütigen Set kein einziger Ausfall zu beklagen war.

Es war schon gegen 22 Uhr, spät für Pariser Verhältnisse, als die fünfköpfige Band, die bei manchen Lieder zusätzlich von zwei Trompetern begleitet wurde, die Bühne betrat.

Ins Auge stach sofort der großgewachsene blonde Sänger und Gitarrist Hamilton Leithauser. Ein sympathischer Kerl, der mit seinem Hemd, der Stoffhose und der gepflegten Lederjacke aussah, wie ein Medizinstuden im 10. Semester. Ein Bursche ohne Allüren, der sich lächelnd erst einmal nett für den Empfang bedankte, bevor er sich die Gitarre umschnallte und mit seinen Jungs loslegte. Und sobald er die ersten Takte sang, war klar, daß er bei der Ausübung seines Berufs (seiner Leidenschaft!) in eine Art Trance-Zustand verfiel! Er beugte seinen langen Oberkörper nach hinten, drückte sich sich das Mikro eng an seine Lippen und schrie, daß sich die (nichtvorhandenen) Balken in der Maroquinerie bogen! Ein greinender, durch Mark und Bein gehender Gesang, der mich nicht kalt lassen konnte. Ich glaube ich werde nicht so schnell vergessen, wie er mit Inbrunst leidenschaftlich die Songzeile "To be home by youuuuuuur side" (Red Moon entnommen) brüllte und die Silben ewig in die Länge zog, während die Trompeten auf das Schönste tönten. Wenn er dann auch noch " I miss you like no one else" hinterherschob, glaubte ich gar einen Nachfolger von Bob Dylan vor mir zu haben. Ja, richtig glesen, Bob Dylan. In dem melancholischen Indie-Rock von The Walkmen gibt es eine gewisse folkige Seite, die wohl auch Zaungast Emily Jane White in den Konzertsaal zog. Herrlich! Unterstützt von dezent aber hochwirksam eingesetzten Gitarren, die melodischer nicht hätten sein können, geriet das Konzert zu einem wahren Fest für die Ohren. Neben dem charismatischen Sänger verdiente sich auch der famose Schlagzeuger Bestnoten. Sein Spiel war mal trippelnd, dann wieder immens schnell und somit in jedem Fall abwechslungsreich. Der Spaß an der Sache war ihm anzumerken und übertrug sich auch auf das angetane Publikum, das jedes Lied mit reichlich Beifall bedachte.

Ja und dann war da auch noch der Pianist, der an seinem herrlich altmodischen grünen Klavier zauberhafte Klänge produzierte. Solche Vintage- Teile sieht man leider heutzutage viel zu selten!

Und viel zu selten liest man auch in der Presse von The Walkmen. Warum haben es diese Prachtburschen nie auf die ersten Seiten von Musikmagazinen geschafft? (man verbessere mich, wenn es mal irgendwo eine Cover-Story gab) Ich kann das wirklich nicht verstehen, denn kaum eine aktuelle Band, hat ein solch facetten- und abwechslungsreiches Programm zu bieten wie die New Yorker. Ihre viel berühmteren Nachbarn The Strokes und Interpol scheinen zumindest was die dritten Alben anbelangt, dagegen fast einfallslos zu sein. The Walkmen geht es da ein wenig wie Spoon, immer von den Kritikern gelobt, aber nie ganz groß rausgekommen. Unfaire Welt!

À propos Interpol. Der Song All Hands And The Kook erinnerte mich ein wenig an Say Hello To The Angels, war aber sphärischer und dramatischer, mit vielen Brüchen und Wendungen und dem längsten Tarzanschrei, den ich ich je von einem Sänger gehört habe. Boahh, war das famos! Es gab sogar Szenenapplaus dafür, dann nämlich als die Musik wieder einsetzte und die Band die Greinattacken von Hamilton bekleitete. Für All Hands And The Kook würde ich glatt nach Köln fahren, um im Gebäude 9 das noch einma hören zu dürfen! Ähnlich genial war allerdings der Klassiker The Rat, mit dem ich die Bands einst kennengelernt hatte, bevor ich sie danach sträflich vernachlässigte. Hierzu gab die Gruppe noch einmal alles, die Dramatik wurde ins Unermessliche gesteigert, das Publikum rastete aus, die Haare des Drummers flogen von rechts nach links und Hamilton greinte wie ein Besessener. Großes Kino!

Danach gab es noch das hübsche von Trompeten untermalte I Lost You und eine kurze Zugabe in der Form des bluesigen Louisiana bevor die Amis unter riesigem Applaus abzogen.

Beehrt Paris bald wieder Jungs!


Setlist Le Loup, La Maroquinerie, Paris:

01: Le Loup
02: Canto I
03: Sea Took Me
04: Go East
05: Outside Of This Car, The End Of The World
06: We Are Gods! We Are Wolves!
07: Look To The West
08: Beach Town
09: Celeb

Auszüge aus der Setlist The Walkmen. La Maroquinerie, Paris:

- Thinking Of A Dream I Had
- We've Been Had
- Red Moon
- Dónde Esta La Playa
- Wake Up
- What's In It For Me
- Long Time Ahead Of Us
- The Rat
- I Lost You

- Lousiana (Z)

Ausgewählte Konzerttermine von The Walkmen:

23.10.2008: AB Club, Brüssel
24.10.2008: Paradiso, Amsterdam
25.10.2008: Gebäude 9, Köln! Christoph, Christina, Frank, hingehen!!
26.10.2008: Molotow, Hamburg




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