Sonntag, 26. Oktober 2008

Long Distance Calling & Leech, Münster, 16.10.08


Konzert: Long Distance Calling & Leech
Ort: Tryptichon, Münster
Datum: 16.10.2008
Zuschauer: gut gefüllt, aber bei weitem nicht ausverkauft
Konzertdauer: ca. 1 Std. jede Gruppe


Auf unseren Karten steht Einlass 19:30, Beginn 20:30. Als wir um kurz nach 8 vor dem im Hafen von Münster gelegene Tyrptichon parken, schaut mich meine Freundin verstört an und meint nur fragend: Meinst du, wir sind hier richtig? Ja, wir sind richtig, ich war schon einmal hier, zumindest erinnere ich mich dunkel daran. Damals muss es wegen der Beatsteaks gewesen sein und ich habe etwas im Kopf, dass die Band damals nach dem Konzert 'ne Kiste Bier für die Fans organisiert hat, um sich für den schlechten Sound zu entschuldigen.

Aber lang, lang ist es her. Wir betreten also den in der ersten Etage gelegenen Club über die Treppe und öffnen die schwere Feuertür. Alles was wir dann erst einmal sehen ist Nebel, so viel Nebel, dass wir den Typen, der hinter der Kasse sitzt, nicht einmal sehen bzw. bemerken. In der Halle kommt uns dann als erstes ein Schäferhund freudig mit dem Schwanz wedelnd entgegen, der sich von uns ausgiebig streicheln lässt.

Neben uns sind noch zwei, drei weitere Persönchen im Raum, die sich auf die wenigen Sitzgelegenheiten verteilt haben. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht einmal die Bar eröffnet und beide Bands sind noch dabei, ihr großzügiges Merchangebot aufzubauen.

Ansonsten passiert nichts. Die Zeit verstreicht langsam und genauso langsam füllt sich die kleine Werkhalle im Hafen.

Zu später Stunde ist der kleine Saal dann doch recht gut gefüllt und die 5 Schweizer von Leech aus Zofingen betreten dann als erste Band die stark vernebelte Bühne. Gegründet wurde die Band zwar bereits 1995, doch erst dieser Tage ist mit ihrem aktuellen Album The Stolen View die erste von nunmehr 4 Veröffentlichungen auch in Deutschland veröffentlicht worden. Aber Schweizer lassen sich ja bekanntlich nicht lumpen und so haben die Jungs auch noch 2 Songs zu einer Split EP mit Long Distance Calling beigesteuert, um sie uns ebenfalls zu präsentieren. Die große Auswahl an Effektgeräten lässt Großes erahnen, wie ebenfalls das nicht Vorhandensein eines Mikro auf der Bühne.

Silent State Optimizer beginnt mit einem wunderschönen langen e-Bow Intro, bis dann auch der Rest der Band einsetzt und beginnt einen wunderschönen melodischen Klangeppich zu weben. Zuerst performt man mit 2 Gitarren, Keyboard, Rhodes und Schlagzeug. Im Rahmen des Sets werden aus 2 Gitarren auch mal drei ohne Rhodes oder 2 Gitarre mit Bass – aber immer mit Keys und Schlagwerk.

Musikalisch machen die Schweizer quasi das gleiche wie der heutige Hauptact Long Distance Calling, nur die Herangehensweise scheint eine andere zu sein. Wo Long Distance Calling sehr (Hard) rocklastig zu sein scheinen, sind Leech eher Alternative und Indie beeinflusst, scheint es. Das interessierte Publikum nimmt das gut einstündige Set wohlwollend auf und liefert den gerechtfertigten Applaus nach jedem der 6 Songs.

01: Silent State Optimizer
02: Oktober
03: Totem & Tabu
04: The Man with the Hammer
05: Inspiral
06: Ramses

Nach dem Set höre ich den langhaarigen Metalvertreter neben mir zu seiner Freundin sagen: Die hätten gerne noch Stunden lang weiterspielen können! Nun gut, genug Material scheinen Leech ja zu haben und nun bleibt zu hoffen, dass sie Blut geleckt haben und uns recht bald mal wieder mit ihrer schönen Musik beehren.

Danach verteilen sich die Zuschauer wieder im Saal und die männlichen vor allem an die Theke. Während Long Distance Calling mit dem Bühnenaufbau für ihr Heimspiel beginnen.

Leech haben gut vorgelegt und die Latte liegt hoch. Im Altersvergleich zu den Schweizern sind die fünf aus dem Raum Münster / Dortmund wohl noch als Jungspunde anzusehen. Mir sind sie das erste Mal im Januar aufgefallen als sie auf der Visions Party in Dortmund zwischen Dùne und eine langweiligen Punkband Namens Düsenjäger aus meiner Heimatstadt Osnabrück auftraten. Danach folgten Auftritte mit iLiKETRAiNS und nach den Sommerfestivals (u.a. Rock am Ring) dann auch eine Support Tour mit Dredg. Nun haben sie neben dem aktuellen Silberling Satellite Bay auch noch zwei weitere Titel, welche sich auf der Split EP 090208 mit Leech befinden, am Start, somit sollte das eine ruhige Sache werden.

Die Jungs betreten die Bühne und werden gleich mal mit Nebel eingeräuchert, so sehr, das sich nach dem dritten Song ein beherzter Fan der Nebelmaschine annimmt und sie umsetzt!

Münster scheint LDC zu lieben, denn die Band wird vom lokalen Publikum abgefeiert. Die Dame neben uns scheint gleich mal das ganze Konzert auf ihrem Handy mitzuschneiden. Während in der Mitte vor der Bühne ein deutlich angetrunkener Metalhead wankt, bei dem ich mir überlege, was er wohl eher machen wird, sich über die Bühne hinweg übergeben oder zusammenbrechen – aber siehe da: weder noch!

Zu Perlen des noch aktuellen Albums wie Jungfernflug oder Aurora gesellen sich die beiden Tracks Metulsky Curse Revisited und Black Bird Vs. Red Bug von der EP und Runden das souveräne Set ab. Als dann das Publikum nach einer Zugabe verlangt, bekommt es eine Premiere geboten, welche mit den Worten: "Wir haben den Song bisher nur einmal gespielt, mal schauen ob es klappt." Das Publikum dankt es ihnen und Dub n’ Roll setzt sich vom Rest des Repertoires der Band deutlich ab und geht wesentlich mehr nach vorne. Ein gutes Zeichen für das in Produktion befindliche zweite Album der Band, auf das man sich im kommenden Jahr sicherlich freuen darf!

1. Intro
2. Jungfernflug
3. Metulsky Curse Revisited
4. Aurora
5. Fire In The Mountain
6. Verry Last Day
7. Black Bird Vs. Red Bug

8. Dub n' Roll (z)

Alles in allem für gezahlte 9 Euro ein wunderschön stimmiger Abend, mit herrlicher musik, wie man sie wohl eher nicht alltäglich dargeboten bekommt – hoffentlich ändert sich das noch. Zeigen die 10 Musiker uns doch recht eindrucksvoll, wie klasse Musik auch ohne Gesang klingen kann … dabei wandern sie zielstrebig in den Fußstapfen von Rock Dinos wie Pink Floyd oder den frühen Genesis! Also mehr davon, bitte!

von Oliver S.


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