Donnerstag, 3. Juli 2008

Foals, Gossip, The Dø, Le Rock Dans Tous Ses Eats, Evreux, 28.06.2008


Konzert: Foals, The Dø, Gossip, u.a.
Ort: Evreux, Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats,
Datum: 28.06.2008
Zuschauer: tausende



Nach dem fabelhaften Auftritt von Camille war ich so erschöpft und durstig, dass ich eigentlich erst einmal eine längere Pause einlegen wollte.

Ich streunerte ein wenig auf der schönen Wiese umher und sah meine Frau, wie sie, in einen Krimi vertieft, auf dem Boden lag. Ihre Konzertbegeisterung hält sich eher in Grenzen, aber wenn die Editors, die Kaiser Chiefs, oder die Babyshambles spielen, kann auch sie aus dem Häuschen sein.

Statt zitierter englischer Bands standen aber jetzt lediglich die eher unscheinbaren Belgier von Girls In Hawaii auf dem Programm. Ich hatte inzwischen getrunken und 10 Minuten auf der Wiese abgehangen, da packte mich doch die Neugierde und ich wollte mir die "Mädchen von der schönen Insel" mal näher ansehen. Ich traf auf meinen Freund Yves, der gebannt auf die Bühne schaute und sich von der Musik angetan zeigte: "Klingt irgendwie wie Radiohead, nur nicht so nervtötend!" Er hatte nicht ganz Unrecht, der blonde Sänger hatte wirklich eine Stimme, die ein wenig an Thom Yorke erinnerte. Ansonsten war das Ganze eher poppig (aber nicht süsslich!) gehalten und Assoziationen zu den Beatles oder auch Belle & Sebastian konnten einem in den Sinn kommen. Aber wer glaubt, dass die Burschen, die vor ein paar Monaten ihr neues Album "Plan Your Escape" herausgebracht haben, nur auf soft machen, sah sich getäuscht. Manchmal fegten sie ganz wild rockend über die Bühne! Schaut sie Euch an, wenn sie in eurer Nähe sind, es lohnt sich!

Das Gleiche gilt auf für das finnisch-französische Duo The Dø, bestehend aus der bildhübschen Finnin Olivia B. Merilahti und dem Franzosen Dan Levy.

Die beiden Senkrechtstarter spielen so gut wie jedes Festival in Frankreich und kommen bis Ende des Jahres aus dem Tourstress auch nicht mehr heraus. Angesichts dieses enormen Pensums war ihr Auftritt dann auch wieder sehr ordentlich, ohne allerdings durchgängig hochklassig zu sein. Dafür ist ihr Songmaterial einfach zu unausgewogen. Der Superhit "On My Shoulders" ragt jedes Mal deutlich heraus und nur "At Last" und "The Bridge Is Broken" können da einigermassen mithalten.

Toll ist allerdings die Ballade "When Was I Last Home", die Olivia am Piano vortrug. Die Frage, die das Lied aufwirft, dürften sich die beiden Musiker in letzter Zeit auch häufig gestellt haben. Und Ruhe haben sie noch nicht einmal, wenn sie selbst gar nicht spielen!

Olivia wollte sich gemütlich das Konzert der Engländer Foals ansehen, hatte extra ihre Kapuze ins Gesicht gezogen, wurde aber sofort von Fans erkannt und dann kam sie aus dem Autogrammeschreiben nicht mehr heraus. Die negativen Seiten der Popularität...

Kommen wir zu Foals, die ebenfalls ausgiebig touren (sie kamen gerade eben aus Glastonbury) und einen Termin nach dem anderen absolvieren.

Die feschen Burschen zeigten von Anfang an, dass sie auch auf einer grossen Bühne locker bestehen können und nicht nur in kleinen Clubs abräumen. Sehr früh spielten sie "Cassius" und die Menge vor der Bühne tanzte ausgelassen zu den mathrockigen Klängen. Hits dieses Kalibers feuerten sie noch weitere ab, Hänger oder Rohrkrepierer gab es somit keine. Das Problem war allerdings, dass ich schon gegen Mitte des Konzerts immer stärker spürte, dass sich fast jedes Lied gleich anhört. Man könnte im Grunde genommen zu jedem Titel "Cassius, Cassius" singen...

Gegen Ende irritierte mich dann auch die Stimme von Yannis Philippakis, die so verdammt nach Kele "Bloc Party" Okereke klingt! Allerdings muss man Yannis zugute halten, dass sein Kehlchen viel beständiger ist. Wer Kele Okereke schon mehrfach erlebt hat, weiss, dass er an schlechten Tagen keinen Ton trifft!

Alles in allem also waren Foals für mich nur gehobener Durchschnitt, nicht mehr aber auch nicht weniger. Die Franzosen waren allerdings angetan, was auch daran lag, dass Yannis Sätze wie "Vive La France" vom Stapel liess und sagte, dass die Menschen in Frankreich wesentlich hübscher als in England seien...

Um 23 Uhr 30 war dann die Zeit für Beth Ditto und Gossip gekommen. Gewohnt wild fegte die Wuchtbrumme über die Bühne und bewies, dass man nicht schlank sein muss, um dynamisch und schnell zu sein. Die hochexplosive Punkröhre liess schon nach ein paar Lieder kein Zweifel daran aufkommen, dass man sie und ihre Band nicht zu Unrecht als Headliner verpflichtet hatte. Gossip ziehen einfach immer und überall, gegen ihren Dampfwalzenstil ist kein Kraut gewachsen! Allerdings muss man auch hier anmerken, dass manche Titel deutlich herausragen und ander wiederum ein wenig abflachen. Der Opener "Listen Up!" und auch "Jealous Girls" rockten wie Hölle, aber die hohe Intensität konnte nicht immer ganz gehalten werden.

Wenn man ganz ehrlich ist, wartet man bei Gossip von Anfang an auf den Oberhammer "Standing In The Way Of Control", weiss aber, dass dieser Riesenhit immer erst zum Schluss gespielt wird. Beth, die heute in einem violetten Kleid mit Gürtel erschienen war, ist sich dessen auch bewusst und so sagte sie dann auch "Standing In The Way Of Control" lediglich mit den trockenen Worten: "Are you ready?" an.

Jeder wusste, was jetzt passieren wird: eine riesige Party würde steigen! Und so war es dann auch, Beth kletterte ins Publikum hinab, schrie sich die Seele aus dem Leib und kam später noch einmal mit einem Handtuch auf dem Kopf zurück, um ein weiteres Lied vorzutragen. Ein Triumph!

Aber die Party war noch nicht ganz zu Ende. Es gab nämlich noch einen Überraschungsgast in der Form des schwedischen Spass-Kollektivs I'm From Barcelona. Die 20 (30??)-köpfige Band um den rothaarigen Gitarristen und Sänger liess mächtig die Korken knallen.

Mit Songs wie "Treehouse" und "Collection Of Stamps" rissen sie die Zuschauer noch einmal unglaublich mit und beschossen das Publikum mit Luftballons und einer Konfettikanone. Es regnete über Evreux, aber man wurde nicht nass. Stattdessen hatte irgendwann jeder die kleinen Teile in den Haaren und ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

Was gespielt wurde, war eigentlich zu diesem Zeitpunkt unerheblich, niemand wollte sich die Feierlaune verderben lassen.

Und so endete dann das wunderbare Festival in Evreux mit glücklichen Gesichtern und hochzufriedenen Gästen, die von der riesigen Band auf der Bühne ohne Unterlass abgeknipst wurden!







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