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Sonntag, 8. Juni 2014

Maifeld Derby 2014, Tag 3

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Konzert: Girls in Hawaii, The Elwins, Temples, St. Vincent, The National
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 01.06.2014
Dauer: Girls in Hawaii ca. 55 Minuten, The Elwins ca. 45 Minuten, Temples ca. 55 Minuten, St. Vincent ca. 60 Minuten, The National ca. 110 Minuten
Zuschauer: unterschiedlich




Am letzten Tag des Maifeld Derbys war ich noch ziemlich geschafft vorm Band-Marathon des Vortags und auch schon ein bisschen Festival-müde. Gut, dass am Sonntag nicht mehr allzu viele Bands in mein persönliches Pflichtprogramm fielen. Stattdessen verbrachte ich ein wenig Zeit beim Steckenpferdwettbewerb, der an sich durchaus unterhaltsam war, mich aber doch nicht genug fesselte, um auch noch die Siegerehrung anzusehen.



Der Festival-Tag begann deshalb erst am frühen Nachmittag mit Girls in Hawaii - einer, man würde es angesichts des Namens nicht unbedingt vermuten, männlichen Band aus Belgien. Das Sextett besteht bereits seit 2001 und musste vor vier Jahren den Unfalltod seines Schlagzeugers (der gleichzeitig der Bruder von Sänger Antoine Wielemans war) verarbeiten.



Die Belgier, bei denen sich Lionel Vancauwenberghe und Antoine Wielemans den Gesang teilen, wobei Letzterer gelegentlich in einen alten Telefonhörer singt, eröffneten ihr Set mit "Sun Of The Suns" und "Not Dead" und ließen nichts unversucht, um das Publikum bereits am frühen Nachmittag zu begeistern: Der Keyboarder François Gustin stieg auf Boxentürme und animierte zum Mitklatschen und wurde bei seinen Kletterpartien nur noch von Antoine Wielemans' Ausflügen übertrumpft. Emotionaler Höhepunkt war aufgrund der Bandgeschichte der ruhigste Titel des zu kurzen Sets, "Misses".



Anschließend verfolgte ich, in Hörweite der Hauptbühne im strahlenden Sonnenschein sitzend, mit einem Auge und Ohr die The Elwins. Die kanadische Band überraschte mit ihrer Entscheidung, ein Beyoncé-Lied namens "Countdown" zu covern und hierfür mit dem Publikum einen (deutschsprachigen) Countdown einzuüben. Außerdem hatte ihr Bassist möglicherweise den auffälligsten Schnurrbart des Festivals (trotz starker Konkurrenz in Form eines Rah Rah-Mitglieds). Amüsant und zum guten Wetter passend war das Set allemal, aber ich muss zugeben, den Kanadiern sonst nicht die Aufmerksamkeit entgegen gebracht habe, die sie vielleicht verdient gehabt hätten.



Direkt nach dem Auftritt der Elwins und der Ehrung für den außergewöhnlichsten Bart konnte auch der Festivalpreis für die spektakulärste Frisur - trotz des noch folgenden Auftritts von St. Vincent - vergeben werden. Im Palastzelt traten Temples auf, und auch wenn in der Band noch drei weitere Preisanwärter gesichtet werden konnten, ging dieser doch klar an deren Sänger James Edward Bagshaw.



Optisch und musikalisch nahm uns das Quartett aus dem englischen Kettering mit auf einen unterhaltsamen und kurzweiligen Trip in die sechziger/siebziger Jahre und die Hochphase des Psychedelic / Glam Rock. Aus ihrem Debütalbum "Sun Structures" präsentierten sie 8 der 12 Songs, die noch um die ungewöhnliche, weil Keyboard-lastige B-Seite "Ankh" ergänzt wurde. Beim ausufernden und rockigen "Sand Dance" konnte man in etwa nachvollziehen, wie es früher wohl auf einem Konzert von Led Zeppelin gewesen ist. Für den Schluss hoben sich die Briten ihre beiden besten Songs auf: "Mesmerise", das durch das Anfügen eines langen instrumentalen Ausklangs bestimmt auf doppelte Spiellänge gezogen wurde, und "Shelter Song".

Setliste:

Colours To Life
Sun Structures
A Question Isn't Answered
Ankh
Move With The Season
Keep In The Dark
Sand Dance
Mesmerise
Shelter Song
St. Vincent

Bekanntlich braucht ja jedes Festival seinen Regenschauer. Der des diesjährigen Maifeld Derbys fand direkt nach dem Temples-Auftritt statt und führte dazu, dass wir lieber eine Pause am überdachten Fressstand einlegten, als das Set von Hozier zu besuchen.



Bei St. Vincent hatte ich im Vorfeld den Verdacht gehabt, dass ihr Auftritt mir auf die Nerven gehen würde - möglicherweise hatte ich das Album einmal gehört und mir außer meinem Urteil sonst nichts davon gemerkt. Dennoch, wir wollten bei The National eine gute Sicht haben, und der wahrscheinlichste Weg dorthin war es, bereits bei St. Vincent vorne zu sein (und den Auftritt von Wye Oak auszulassen). Die Solokünstlerin war übrigens nicht nur beim Maifeld Derby der "Support" für The National, sondern ist auch sonst aktuell mit diesen auf Tour.



Annie Clark hatte im Hintergrund einen Keyboarder und einen Schlagzeuger dabei, vorne auf der Bühne leistete ihr eine weitere Keyboarderin / Gitarristin Gesellschaft. Der Auftritt der Musikerin war sehr künstlerisch durchgeplant. Sie selbst trug ein avantgardistisches Kostüm und machte beinahe ausschließlich roboterartige Bewegungen. Die Mitmusikerin gesellte sich zeitweise zu ihr und nahm an der Choreographie teil - so wurde symmetrisch auf der Bühne umher getrippelt oder auch einmal nach Art von ZZ Top synchron Gitarre gespielt. Das Set hatte auch eine Art "Handlung", so erklomm Annie zu "Cheerleader" ein sehr hohes Podest im Hintergrund der Bühne, sang von dieser erhobenen Position aus und kauerte schließlich, bevor sie am Ende von "Prince Johnny" scheinbar sterbend zusammenbrach und anschließend theatralisch Stufe um Stufe herunter rutschte.



Der Auftritt war auf seine Art also durchaus unterhaltsam und allemal interessanter als der von Warpaint, allerdings finde ich St. Vincents Elektromusik mit häufigem Gitarrengeschrammel in höheren Dosen schnell kopfschmerzauslösend.



Setliste:

Rattlesnake
Birth in Reverse
Regret
Cruel
Digital Witness
Every Tear Disappears
Surgeon
Cheerleader
Prince Johnny
Year of the Tiger
Marrow
Huey Newton
Bring Me Your Loves



Hinterher stellte sich heraus, dass für gute Plätze im The National-Publikum ein Besuch bei der Vorband nicht zwingend notwendig gewesen wäre - bis auf die ersten drei Reihen leerte sich das Zelt in der Pause vor dem Festival-Headliner fast komplett. Aber natürlich füllte es sich genauso schnell auch wieder, so dass man nicht bereuen musste, früh dort gewesen zu sein. Schließlich war dieser Bandname für ein Festival dieser Größe ein ungewöhnlich bekannter. Im Programmheft wurde erklärt, dass die Buchung von The National nur durch eine glückliche Terminlage möglich gewesen war (sprich: die Band war in Deutschland und hatte keinen anderen Termin). Man darf gespannt sein, wie die Festivalmacher diesen Headliner nächstes Jahr toppen wollen. Finanziell dürfte sich der Glücksfall in jedem Fall gelohnt haben: Die Tagestickets für den Sonntag waren zumindest ausverkauft.



The National hatte ich erst im letzten November live gesehen und ihr Konzert für durchaus gut befunden. Würde dieser Auftritt ohne neueres Material einfach dasselbe bieten, nur eben im Zelt? Wiederum war man zu siebt erschienen, zusätzlich zu den regulären Bandmitgliedern hatte man wieder zwei Trompeter dabei.

Nach dem ersten Lied "Don't Swallow the Cap" gab es eine kurze Pause, in der Matt Berninger erklärte, Bryan Devendorf könne nichts mehr hören, was entweder  an einem Aneurysma  liegen könne, oder es seien einfach die Batterien leer. Bryce Dessner entgegnete sofort, dass Matts Witze immer schlechter würden und dass Aneurysmen nicht witzig seien. Uns im Publikum war neu, dass Matt überhaupt Witze macht, es folgten sogar noch weitere - die Bryce allerdings auch nicht lustiger fand.



Weiter ging es mit einem Mix aus neuen und alten Songs, der dem in Düsseldorf ähnelte, auch optisch, denn erneut wurden auf der LED-Wand im Hintergrund passende Bilder zu einigen Songs gezeigt, etwa Regen bei "England" oder blutkörperartige Gebilde bei "Bloodbuzz Ohio". Es gab jedoch auch Unterschiede, denn wir bekamen an diesem Abend unter anderem auch "Hard To Find", "Ada" und "Abel" zu hören.

Matt Berninger war in Hochform, trank großzügig Weißwein, zunächst aus dem Becher, später direkt aus der Flasche, die er im Zugabenteil dramatisch auf einer Monitorbox zerschmetterte, und konnte der auf Facebook zirkulierten Materialzerstörungsliste der Band schon kurz nach Konzertbeginn einen Mikrophonständer hinzufügen, worauf er gleich einen neuen bekam und zunächst grinsend verhinderte, dass der überflüssige von einem Roadie wieder weggenommen wurde. Einer in Reserve ist eben immer gut...



Das Set von The National machte dem Publikum großen Spaß, bei beinahe jedem Song, der angespielt wurde, erklangen laute Jubelrufe. Mir war in der Vergangenheit nicht aufgefallen, dass die Band bei praktisch allen Textpassagen mitsingt - vielleicht hat sie es auch früher nicht getan. Selbst die Bläser sangen manchmal mit. Bei "Pink Rabbits" trat der Posaunist nach vorne an den Bühnenrand und damit ins Rampenlicht. Bryce Dessner hantierte bei "I Need My Girl" mit zwei Gitarren gleichzeitig, während er bei "Slow Show" die Gitarrensaiten mit einem Geigenbogen bearbeitete.

Herr Berninger hat in der Vergangenheit bereits zu Bühnenklettereien geneigt und enttäuschte auch an diesem Abend nicht: Erst sprang er in den Bereich zwischen Bühne und Publikum, später, als wir bereits im Zugabenteil waren, umrundete er in zwei Etappen quasi das Publikum - da wir vorne standen, konnte man nur an der Richtung, in die die Mikrophonschnur zeigte und an den besorgten Blicken der Security erkennen, wo er gerade singend unterwegs war - bis er, unglaubliche Freude und Bewegung im Publikum hervorrufend, direkt bei uns wieder auftauchte.



Matt Berningers emotionale Ausbrüche, beispielsweise bei "Squalor Victoria", waren wieder einmal prächtig, sein Spruch, als bei der Wiederkehr der Band für den Zugabenteil zunächst die Devendorf-Brüder fehlten, "We have lost the Devendorf brothers. Bryan and Scott, call your mother!" gefiel Bryce wiederum nicht. "You don't hear people laughing because you're wearing your earplugs!" war Matts Entgegnung.

Nach drei tollen Zugaben ("Ada", "Mr. November" und "Terrible Love") gab die Band als letztes Lied noch eine akustische Version von "Vanderlyle Crybaby Geeks" zum besten, wofür alle nach vorne an den Bühnenrand kamen und das Publikum in den Gesang mit einstimmte - wieder ein schöner und irgendwie persönlich wirkender Moment, der das Festival perfekt abschloss.



Setliste:

Don't Swallow the Cap
I Should Live in Salt
Mistaken for Strangers
Sorrow
Bloodbuzz Ohio
Sea of Love
Hard to Find
Afraid of Everyone
Conversation 16
Squalor Victoria
I Need My Girl
This Is the Last Time
Abel
Slow Show
Pink Rabbits
England
Graceless
About Today
Fake Empire

Ada
Mr. November
Terrible Love
Vanderlyle Crybaby Geeks 



Letztes Jahr hatte ich ein bisschen gezweifelt, ob das Maifeld Derby ein dauerhafter Eintrag in meinem Kalender bleibt, ließ mich dann letztlich doch wieder hinreißen, die spottbilligen Frühbucher-Scheuklappentickets zu kaufen und wurde nicht enttäuscht. Dieses Jahr gab es geradezu irritierend wenig zu meckern. Selbst die Leergutrückgabe nach dem The National-Set sowie der Rücktausch unserer letzten Getränkemarke waren rasend schnell erledigt.

Einzige Verbesserungsvorschläge, die mir für kommendes Jahr einfallen: Den Parcours d'Amour auch am Festivalsonntag öffnen. Er ist atmosphärisch einfach am schönsten und beinahe die einzige Möglichkeit, auf dem Festivalgelände ohne Wiese halbwegs bequem zu sitzen. Und natürlich der Streichelzoo.

Links: Fallen angesichts der Bandfülle dieses Mal aus, andere Berichte lassen sich aber leicht über die Labels finden.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht, der auch den Temples-Bericht verfasst hat.



Donnerstag, 3. Juli 2008

Foals, Gossip, The Dø, Le Rock Dans Tous Ses Eats, Evreux, 28.06.2008

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Konzert: Foals, The Dø, Gossip, u.a.
Ort: Evreux, Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats,
Datum: 28.06.2008
Zuschauer: tausende



Nach dem fabelhaften Auftritt von Camille war ich so erschöpft und durstig, dass ich eigentlich erst einmal eine längere Pause einlegen wollte.

Ich streunerte ein wenig auf der schönen Wiese umher und sah meine Frau, wie sie, in einen Krimi vertieft, auf dem Boden lag. Ihre Konzertbegeisterung hält sich eher in Grenzen, aber wenn die Editors, die Kaiser Chiefs, oder die Babyshambles spielen, kann auch sie aus dem Häuschen sein.

Statt zitierter englischer Bands standen aber jetzt lediglich die eher unscheinbaren Belgier von Girls In Hawaii auf dem Programm. Ich hatte inzwischen getrunken und 10 Minuten auf der Wiese abgehangen, da packte mich doch die Neugierde und ich wollte mir die "Mädchen von der schönen Insel" mal näher ansehen. Ich traf auf meinen Freund Yves, der gebannt auf die Bühne schaute und sich von der Musik angetan zeigte: "Klingt irgendwie wie Radiohead, nur nicht so nervtötend!" Er hatte nicht ganz Unrecht, der blonde Sänger hatte wirklich eine Stimme, die ein wenig an Thom Yorke erinnerte. Ansonsten war das Ganze eher poppig (aber nicht süsslich!) gehalten und Assoziationen zu den Beatles oder auch Belle & Sebastian konnten einem in den Sinn kommen. Aber wer glaubt, dass die Burschen, die vor ein paar Monaten ihr neues Album "Plan Your Escape" herausgebracht haben, nur auf soft machen, sah sich getäuscht. Manchmal fegten sie ganz wild rockend über die Bühne! Schaut sie Euch an, wenn sie in eurer Nähe sind, es lohnt sich!

Das Gleiche gilt auf für das finnisch-französische Duo The Dø, bestehend aus der bildhübschen Finnin Olivia B. Merilahti und dem Franzosen Dan Levy.

Die beiden Senkrechtstarter spielen so gut wie jedes Festival in Frankreich und kommen bis Ende des Jahres aus dem Tourstress auch nicht mehr heraus. Angesichts dieses enormen Pensums war ihr Auftritt dann auch wieder sehr ordentlich, ohne allerdings durchgängig hochklassig zu sein. Dafür ist ihr Songmaterial einfach zu unausgewogen. Der Superhit "On My Shoulders" ragt jedes Mal deutlich heraus und nur "At Last" und "The Bridge Is Broken" können da einigermassen mithalten.

Toll ist allerdings die Ballade "When Was I Last Home", die Olivia am Piano vortrug. Die Frage, die das Lied aufwirft, dürften sich die beiden Musiker in letzter Zeit auch häufig gestellt haben. Und Ruhe haben sie noch nicht einmal, wenn sie selbst gar nicht spielen!

Olivia wollte sich gemütlich das Konzert der Engländer Foals ansehen, hatte extra ihre Kapuze ins Gesicht gezogen, wurde aber sofort von Fans erkannt und dann kam sie aus dem Autogrammeschreiben nicht mehr heraus. Die negativen Seiten der Popularität...

Kommen wir zu Foals, die ebenfalls ausgiebig touren (sie kamen gerade eben aus Glastonbury) und einen Termin nach dem anderen absolvieren.

Die feschen Burschen zeigten von Anfang an, dass sie auch auf einer grossen Bühne locker bestehen können und nicht nur in kleinen Clubs abräumen. Sehr früh spielten sie "Cassius" und die Menge vor der Bühne tanzte ausgelassen zu den mathrockigen Klängen. Hits dieses Kalibers feuerten sie noch weitere ab, Hänger oder Rohrkrepierer gab es somit keine. Das Problem war allerdings, dass ich schon gegen Mitte des Konzerts immer stärker spürte, dass sich fast jedes Lied gleich anhört. Man könnte im Grunde genommen zu jedem Titel "Cassius, Cassius" singen...

Gegen Ende irritierte mich dann auch die Stimme von Yannis Philippakis, die so verdammt nach Kele "Bloc Party" Okereke klingt! Allerdings muss man Yannis zugute halten, dass sein Kehlchen viel beständiger ist. Wer Kele Okereke schon mehrfach erlebt hat, weiss, dass er an schlechten Tagen keinen Ton trifft!

Alles in allem also waren Foals für mich nur gehobener Durchschnitt, nicht mehr aber auch nicht weniger. Die Franzosen waren allerdings angetan, was auch daran lag, dass Yannis Sätze wie "Vive La France" vom Stapel liess und sagte, dass die Menschen in Frankreich wesentlich hübscher als in England seien...

Um 23 Uhr 30 war dann die Zeit für Beth Ditto und Gossip gekommen. Gewohnt wild fegte die Wuchtbrumme über die Bühne und bewies, dass man nicht schlank sein muss, um dynamisch und schnell zu sein. Die hochexplosive Punkröhre liess schon nach ein paar Lieder kein Zweifel daran aufkommen, dass man sie und ihre Band nicht zu Unrecht als Headliner verpflichtet hatte. Gossip ziehen einfach immer und überall, gegen ihren Dampfwalzenstil ist kein Kraut gewachsen! Allerdings muss man auch hier anmerken, dass manche Titel deutlich herausragen und ander wiederum ein wenig abflachen. Der Opener "Listen Up!" und auch "Jealous Girls" rockten wie Hölle, aber die hohe Intensität konnte nicht immer ganz gehalten werden.

Wenn man ganz ehrlich ist, wartet man bei Gossip von Anfang an auf den Oberhammer "Standing In The Way Of Control", weiss aber, dass dieser Riesenhit immer erst zum Schluss gespielt wird. Beth, die heute in einem violetten Kleid mit Gürtel erschienen war, ist sich dessen auch bewusst und so sagte sie dann auch "Standing In The Way Of Control" lediglich mit den trockenen Worten: "Are you ready?" an.

Jeder wusste, was jetzt passieren wird: eine riesige Party würde steigen! Und so war es dann auch, Beth kletterte ins Publikum hinab, schrie sich die Seele aus dem Leib und kam später noch einmal mit einem Handtuch auf dem Kopf zurück, um ein weiteres Lied vorzutragen. Ein Triumph!

Aber die Party war noch nicht ganz zu Ende. Es gab nämlich noch einen Überraschungsgast in der Form des schwedischen Spass-Kollektivs I'm From Barcelona. Die 20 (30??)-köpfige Band um den rothaarigen Gitarristen und Sänger liess mächtig die Korken knallen.

Mit Songs wie "Treehouse" und "Collection Of Stamps" rissen sie die Zuschauer noch einmal unglaublich mit und beschossen das Publikum mit Luftballons und einer Konfettikanone. Es regnete über Evreux, aber man wurde nicht nass. Stattdessen hatte irgendwann jeder die kleinen Teile in den Haaren und ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

Was gespielt wurde, war eigentlich zu diesem Zeitpunkt unerheblich, niemand wollte sich die Feierlaune verderben lassen.

Und so endete dann das wunderbare Festival in Evreux mit glücklichen Gesichtern und hochzufriedenen Gästen, die von der riesigen Band auf der Bühne ohne Unterlass abgeknipst wurden!







Mittwoch, 23. April 2008

Girls In Hawaii, Heidelberg, 22.04.08

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Konzert: Girls In Hawaii
Ort: Karlstorbahnhof, Heidelberg
Datum: 22.04.2008
Zuschauer: etwa 90
Konzertdauer: 80 min.


Daß auf dem Cover der neuen CD der belgischen Band Girls in Hawaii ein toter (nicht besonders kapitaler) Hirsch abgebildet ist, schien inspirierend zu sein, denn unterwegs Richtung Heidelberg zum Konzert der Belgier hörte ich im Radio: "Achtung Autofahrer, auf der A3 zwischen Idstein und Niedernhausen Gefahr durch Wildschweine" - als ich gerade zwischen Idstein und Niedernhausen fuhr. Von Wildschweinen nichts zu sehen, also auch keine Fotomotive für ein Cover einer dritten Platte.

Die recht hohe Anzahl an "Ich gehe hin" Klicks bei lastfm hatte mich ein wenig nervös gemacht (paranoid ist sicher das bessere Wort), denn ich hatte keine Karte, weil meine Entscheidung, das Konzert zu sehen, sehr spontan war. Also war ich abgehetzt und pünktlich und bekam ohne Probleme ein Ticket. Das hätte allerdings auch noch um halb zehn funktioniert, der Karlstorbahnhof war nämlich leider weit entfernt von ausverkauft. Umgebaut war er allerdings. Früher gab es zwei Ebenen im Saal, von hinten mußte man ein paar Stufen runtergehen, um zur Bühne zu kommen. Jetzt ist alles eine Ebene, es sieht luftiger und moderner aus - aber auch kleiner. Diese Verkleinerung ändert aber nichts daran, daß der Karlstorbahnhof einer meiner Lieblingsclubs ist.

Der Bühnenaufbau war spektakulär. Wären da nicht Unmengen an Instrumenten (Klavier, Glockenspiel, viele Gitarren, Ukulele, Akkordeon, Bass, Schlagzeug) gewesen, hätte es ausgesehen wie in einem Wohnzimmer Modell Gelsenkirchener Barock. Auf dem Boden lag ein farblos gewordener Teppich, überall, wo Platz war, standen kleine Stehlampen. Der Hingucker waren jedoch Türme aus Fernsehern (je zwei) rechts und links der Bühne, sowie im Hintergrund der Guten Stube. Ganz hinten komplettierte eine Leinwand die mediale Deko.

Es ging dann um halb zehn los. Ich war nicht ganz sicher, wie viele Musiker nun zu Girls In Hawaii gehören. Erst einmal nahmen fünf ihren Platz ein, ein Bassist, ein singender Gitarrist, ein sitzender Gitarrist, ein Schlagzeuger und ein weiterer Gitarrist. Das wechselte aber häufiger, einen festen Sänger gibt es beispielsweise nicht, gesungen haben ohnehin die meisten Mitglieder der Band. Aber auch den Leadgesang teilten sich die Belgier.

A propos Belgier: Die englischen Konzerttouristen in Paris und Köln haben wir schon häufiger thematisiert. In Heidelberg sprachen viele Besucher französisch, ich bin ganz sicher, das waren alles Belgier. Naja, die meisten zumindest!

Erstes Lied war das Eröffnungsstück der neuen Platte "This
farm will end up in fire". Die Stimmung im Saal war sofort ausgezeichnet, auch wenn ich nicht den Eindruck hatte, daß viele schon die neue CD kannten, bei jedem alten Stück wurde deutlich mehr mitgesungen.

Die Fernsehmonitore und die Leinwand hatten dann ihren großen Auftritt. Auf ihnen liefen Filme, Szenen aus Großstädten, Strandvideos, manche in Super8-Optik. Natürlich kamen diese Filme nicht an die Visualisierungen von iLiKETRAiNS heran, sie waren aber wirklich gelungene Unterstützungen der Musik.

Tja, die Musik. Selbstverständlich habe ich gedanklich nach ähnlichen Bands gekramt. Sofort kamen mir meine heißgeliebten Galaxie 500 in den Sinn, oft aber auch die Shins, manchmal Built To Spill. Spätestens bei Lied vier, dem grandiosen "Fields of gold" kam mir aber eine andere, wie ich finde, sehr treffende Referenz in den Sinn, die Wrens aus New Jersey.

"Fields of Gold" war eines der Highlights des Abends. Dabei schlug ein sechstes Bandmitglied auf ein an einem Drumstick befestigtes Becken ein. Das Lied ist eigentlich recht monoton - aber auf eine aufregende Weise. Das wird vermutlich niemand verstehen, ich halte die Beschreibung aber für sehr treffend...

Nach diesem ersten Knüller begrüßte uns der (Haupt-) Sänger Antoine (vermute ich). Heidelberg sei der Beginn einer zehntägigen Deutschland-Tour. Deutschland liebten sie sehr, weil man da nette Leute treffe und viel Whiskey trinken könne und sei überhaupt viel besser als Frankreich. Da keine Buhrufe folgten, schloß ich daraus, daß die Französisch sprechenden Gäste Belgier waren.

Die nächste Ansage machte der Bassist. "Ich spreche ganz gut Deutsch," erklärte Daniel (der ganz offensichtlich Deutscher ist), um dann zu erzählen, daß er die anderen Jungs mittags mit Saumagen und Bier abgefüllt habe. Später fragte er, wie wir sein (rosanes) Hemd fänden, das habe seine Freundin ausgesucht. Natürlich kamen sofort Nachfragen nach der Farbe seine Unterhose. Daniel zeigte das hellblaue Stück, das er am gleichen Tag gekauft hatte.

Musikalisch war der Abend noch geschmackvoller. Das Set bestand etwa zu gleichen Teilen aus Liedern beider Alben. Am besten gefallen haben mir die Stücke, bei denen ich das am wenigsten erwartet hätte, zum einen eben "
Fields of Gold", dann aber auch "Birthday call", das live fabelhaft war.

Der schönste Moment des Abends war für mich der Einsatz von vier Gitarren! Trotz all der anderen schönen Instrumente, war das der Höhepunkt des Konzerts!

Nach einer Stunde endete mit "Flavor" der erste Teil. Allerdings kamen die Belgier noch zweimal zu insgesamt fünf Zugaben zurück. Ganz am Ende stand "Plan your escape" nur von der halben Band gespielt.

Ein schönes Konzert voller schöner Melodien, also ein Ausflug, der sich sehr gelohnt hat!

Setlist Girls In Hawaii, Karlstorbahnhof, Heidelberg:

01: This farm will end up in fire
02: Bees & butterflies
03: Sun of the sons
04: Fields of gold
05: The fog
06: Road to luna
07: Time to forgive the winter
08: Coral
09: Couples on TV
10: Colors
11: Found in the ground
12: Birthday call
13: Flavor

14: Bored (Z)
15: Casper (Z)
16: Grashopper (Z)

17: 9.00 am (Z)
18: Short song for a short mind (Z)
19: Taxman (Z)
20: Plan your escape (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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