Montag, 21. Juli 2008

Franz Ferdinand, Melt! Festival, 19.07.08


Konzert: Franz Ferdinand

Ort: Hauptbühne des Melt! Festivals, Gräfenhainichen
Datum: 19.07.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: 70 Minuten


Mit Franz Ferdinand standen um 0 Uhr 30 die uneingeschränkten Headliner des Melt Festivals auf dem Programm. Eigentlich hätten die Schotten schon um Mitternacht starten sollen, aber heftige Regenfälle brachten den Zeitplan auch am heutigen Samstag mächtig durcheinander. Meine Bloggerfreunde Christina und Christoph waren davon so genervt, dass sie sich völlig durchnässt schon vorher auf den Heimweg gemacht hatten. Ich hatte den beiden gegenüber einen klaren Vorteil: anstatt am früheren Abend Notwist bei strömenden Regen auf der Hauptbühne zu
verfolgen, hatte ich gegen 22 Uhr das geschützte Gemini Zelt gewählt, um mir die australischen Newcomer Operator Please! anzusehen. Eine weise Entscheidung!

Dennoch war auch ich durchnässt, denn die riesigen
Pfützen auf dem Gelände konnte keiner ohne weiteres umschiffen!

Ein riesiger Pulk von Fotografen wartete schließlich vor der Converse Main Stage auf Einlass in den Graben vor der Bühne. Dann endlich war es soweit: „da sind sie!" jubilierte ich meiner Frau entgegen, mit der ich gemeinsam schon etliche Franz Ferdinand Festivalauftritte absolviert hatte. Allerdings lagen die letzten schon mindestens zwei Jahre zurück und somit war das heute für uns so eine Art Wiedersehen mit guten alten Bekannten.

Altbewährt ging es auch musikalisch los: schon an dem ersten prägnanten
Gitarrenriff war „Michael", der Klassiker vom ersten Album zu erkennen, der das Set solide eröffnete. Die Jungs aus Glasgow wollten wohl auf Nummer sicher gehen und die Fans nicht gleich mit neuem Material überfordern. Auch Lied zwei war deshalb konsequenterweise alt, „Come On Home" mit seiner markanten Synthielinie kannte auch jeder. Dann noch ein zackiges „The Fallen" hinterher und die Fotografenschar musste wie es international üblich ist, nach drei Songs den Platz vor der Bühne räumen.

„Wir freuen uns hier auf dem Melt! zu sein" meinte der deutschsprachige Gitarrist
Nicholas McCarthy und Chef Alex Kapranos fügte noch hinzu: „Thanks for staying and defying the nasty climate. We should tell the elements to fuck off now!"

Recht hatte der in schicker schwarzer Lederjacke erschienene Bandleader, das Scheiß-Wetter, das auf dem Melt! herrschte, konnte einem wirklich die Laune verderben...

Aber als Muntermacher und Stimmungsaufheller gab es ja jetzt Franz Ferdinand. Die schottische Allzweckwaffe schlechthin, die es in den letzten 5 Jahren immer irgendwie geschafft hat, jedes Festival in Schwung zu bringen. Kritiker lästerten aber schon früh über eine zu
einstudiert wirkende Choreografie und zu wenig Überraschungen. Irgendwo hatte ich sogar gelesen, dass Franz Ferdinand etwas Roboterhaftes hätten.

Die Lästermäuler gehen damit vielleicht ein wenig weit, aber völlig von der Hand zu weisen ist der einstudierte Charakter der Darbietungen sicherlich nicht. Andererseits gab es natürlich auch nie Skandale, abgesagte Konzerte, oder miese Auftritte, die Veranstalter haben somit mit den Glasgowern regelmäßig sichere Zugnummern an der Hand.

Dass hier und heute aber nicht nur routiniert alte Hits abgefeiert wurden, bewiesen die schlanken Herren auf der Bühne allerdings nachdem sie mit „Dark Of The Matinee"
den Reigen bekannter Klassiker vorerst beendeten und den ersten bisher unveröffentlichten Song auspackten.

„Kiss me" croonte Alex Kaparanos, der inzwischen sein Lederjäckchen abgelegt hatte und später dann „Oh you Girls never know, how you make a boy feel". Nie gehört! Das war es also, das erste neue Lied, das sich mit Sicherheit genau wie das dritte Album anschicken wird, die Charts
weltweit zu erobern. Eine Midtempo-Nummer mit sehr einprägsamen Refrain, die einem sicherlich schon nach dem dritten Durchlauf nicht mehr aus dem Gehörgang gehen wird.

Sehr ohrwurmig ist und war natürlich auch „Do You Wanna", die erste Singleauskopplung vom 2. Album „You Could Have It So Much Better". Das Problem ist bloß, dass
ich diesen Schunkler, der beim Publikum immer sehr gut ankommt, nie so richtig mochte.

Anders verhält es sich da schon mit dem stark beatlesken „Walk Away", der ersten (zumindest halben) Ballade des Sets. Ich schätzte das Lied schon immer und es ist auch noch nicht totgenudelt, genausowenig wie der nach wie vor grösste Hit „Take Me Out" zu dem das tapfere Publikum mitsang und auch mittanzte.

Davor allerdings hatten FF den zweiten nagelneuen Titel präsentiert. Ein Stück, das
als Ballade anfängt, im Verlauf aber massiv beschleunigt und eindeutige Hitchancen hat.

Vom dritten Neuling („A Found A New Way") des abends will ich das mit den Hitchancen nicht unbedingt behaupten, obwohl vermutlich viele den ungewohnt hohen Falsett-Gesang von Aleks und den starken elektronischen
Anstrich cool finden werden. Bei mir löste das Lied, das gleich nach „Take Me Out" kam, allerdings unangenehme Assoziationen zu den Scissor Sisters aus.

Mit dem unbekannten Material war aber noch längst nicht Schluss, denn nach dem ewig in die Länge gezogenen „40 Ft" gab es noch einen unverschämt fetzigen Knaller, dessen Namen ich allerdings nicht weiss und als vorletztes Lied es Abends ertönte ein erneut stark elektronisch angehauchtes Lied, in dem die Textzeile „ Turn It Off" auftauchte.

Der Abschluss mit „This Fire" war dann wieder altbewährt
und hätte nicht besser und schmissiger ausfallen können. Zweifelsohne das Highlight eines guten und soliden Konzertes, das Nicholas am Ende als „geil" bezeichnete. Das lass ich dann mal so stehen, obwohl die Bezeichnung eher auf die unverdrossenen Holländerinnen gepasst hätte, die in den Pfützen neben mir wild abtanzten, schlechtes Wetter hin oder her...

Setlist Franz Ferdinand, Melt! Festival:

01: Michael
02: Come on Home
03: The Fallen
04: Dark Of the Matinee
05: Katherine Kiss Me
(neu)
06: Do You Want To
07: Walk Away
08: Bite hard (neu)
09: Take Me Out
10: Ulysses
(neu)
11: 40 Ft
12: What she came for (?) (neu)
13: Outsiders
14: Turn It On (neu)
15: This Fire



0 Kommentare :

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates