Mittwoch, 11. April 2007

CocoRosie, Paris, 10.04.07

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Konzert: CocoRosie
Datum: 10.04.2007
Ort: Le Grand Rex, Paris
Zuschauer: complet, ausverkauft

Vor dem heutigen Konzert von CocoRosie war ich auf alles gefasst. Entweder würde mich das unsäglich nerven, oder aber verzaubern.. Beide Varianten hielt ich für möglich, die beiden Casady-Schwestern polarisieren eben.

So habe ich zum Beispiel erst kürzlich einen vernichtenden Verriss in der französischen Musikzeitschrift Magic zum neuen Album "The Adventures of Ghosthorse and Stillburn" gelesen. Die Kritikerin Faustine Kopiejwski lästert hierbei mal so richtig über die in Paris lebenden Amerikanerinnen ab und läst wirklich kein gutes Haar an ihnen. So hält sie z.B. bereits den Albumtitel für ermüdend, den Gesang für schrecklich nervig und den Hip-Hop-Folk Sound für gräßlich. "Gäbe es eine 'Gehörpolizei', so müßte man das neue Opus unter Quarantäne stellen, um einen juckenden Ausschlag zu verhindern", folgert sie zynisch.

Ich war also vorgewarnt, hatte aber trotzdem gewisse Hoffnungen in den Abend gesetzt, da mir persönlich das neue Album nach den ersten Hördurchgängen gar nicht mal so schlecht gefiel. Die beiden Vorgänger besitzte ich auch, hatte sie aber lange nicht mehr gehört.

Zunächst überwog aber das nervige Moment. Auf dem Weg zum Grand Rex, einem alten Theater, das heutzutage normalerweise als Kinosaal dient, hatte ich mir meine schönen Kopfhörer ruiniert, sie wollten partout keinen Kontakt zu meinem i-pod aufbauen.

Entsprechend angesäuert kam ich in dem Konzertsaal an. Die Nervereien sollten sich auch mit den (ja, es gab mehrere!) Vorgruppen fortsetzen. Als erste trat eine Punk-Lady auf die Bühne, legte sich auf einen im vorderen Bühnenteil aufgebauten Tisch mit weißem Tischtuch und trug frühen 80er-Punk vor. Besonders schrecklich war eine Cover-Version von "My heart will go on" von Celine Dion. Als sie sich davonschlich, glaubte ich, das Schlimmste überstanden zu haben. Aber weit gefehlt! Als nächstes kam nämlich ein junger Rapper, der eine menschliche Beatbox verkörperte und das Publikum mit Neuinterpretationen von "Kiss" und "Sexy motherfucker" von Prince beglückte. Schrecklich!

Noch einen obendrauf setzte ein farbiger, junger Mann, in einem hautengen, pinkfarbenenen Ballettanzug, der ein absurdes Gedicht vortrug!

Au weia, worauf hatte ich mich hier eingelassen?

Zum Glück kamen dann endlich die Hauptdarstellerinnen des Abends reingeschlurft, Sierra und Bianca Casady nämlich, die sich hinter dem Namen CocoRosie verbergen. Begleitet wurden sie von drei Musikern, einem Pianisten, einem Gitarristen und dem Typen, der vorher als menschliche Beatbox fungiert hatte.

Los ging es mit "Houses" vom neuen Album, geschrieben von Hippie-Kollege Devendra Banhart. Überraschenderweise war das ein Auftakt nach Maß, denn ihr melancholischer Neo-Folk, gemischt mit elektronischen Elementen und allerlei bizarren Geräuschen zog mich ziemlich schnell in seinen Bann. Meine Laune besserte sich zusehends! Besonders gut gefiel mir das Harfespiel von Bianca (oder war das jetzt Sierra?), der kindlich-naive Gesang und die visuelle Umsetzung. Hinter der Bühne war eine riesige Leinwand aufgebaut, die verrückte Videos zeigte. So sah man unter anderem ein brennendes Haus (passte also zu "Houses"), Voodoo-Puppen, eine blonde Frau mit grell geschminkten Lippen, eine Eiskunstläuferin und Projektionen, die an Marc Chagall erinnerten. Ein Erlebnis für Augen und Ohren sozusagen. Solch tolle Videos hatte ich seit dem Konzert der Flaming Lips nicht mehr gesehen! Aber auch die Songs wußten zu überzeugen, beispielsweise "Animals" und "Sunshine", beide neu. Toll dieser leichte Hip-Hop Einschlag, das animierte richtiggehend zum Tanzen. Zu blöd für Björk, daß sie im Laufe des Jahres ebenfalls ein Album rausbringen möchte, welches abgedrehten Neo-Folk mit Rap verbinden soll. Wer zu spät kommt, den bestraft halt eben das Leben...

Auffällig fand ich heute auch die Parallelen zum Gesang einer Joanna Newsom. Die Casady-Sisters haben dieses herrliche kindliche Gepiepse ähnlich gut drauf. Aber sie beherrschen auch einen nahezu opernhaft anmutenden Gesang. Ich gebe zu, daß sie mich gekriegt haben. Ich war hin und weg, völlig dieser Welt von Feen, Harlekinen, Zaubererern, Vodoo-Puppen und Piraten verfallen! CocoRosie sind großartig, das ist mir jetzt endgültig klar! Welche Band ist schon dermaßen kreativ? Die eben zitierte Joanna Newsom sehr wahrscheinlich, Animal Collective, Grizzly Bear, Antony and The Johnsons, mit denen sie oft zusammenarbeiten, wohl auch. Aber sonst? Nichts als New Wave-Aufgüsse am Indie-Horizont...

Zu meiner Freude spielten CocoRosie auch Stücke vom ersten Album "La maison de mon rêve", vor allem natürlich "Terrible Angels" und "By my side". Sehr schön war auch, daß sie diese Lieder anders interpretierten als auf dem Album. Hier kam halt nichts aus der Konserve. "By my side" beschloß dann auch das offizielle Set und die Band verließ unter tosendem Applaus für's Erste die Bühne.

Es war aber noch lange nicht Schluß, denn es gab noch vier Zugaben, darunter "Japan", "Rainbowarriors" und das fabelhafte "Werewolf" allesamt von "The adventure of ghosthorse and stillborn". Die zweite der vier Zugaben kannte ich allerdings leider nicht, es handelte sich um ein Lied mit der witzigen Songzeile "You just wanna fuck me". Kennt das vielleicht jemand?

Nach "Werewolf" schien dann ausgecocorosiet zu sein, die Videoleinwand ging aus und die Hauptdarsteller verließen für lange Zeit die Bühne. Das Publikm hatte aber noch lange nicht genugt und klatschte minutenlang frenetisch Beifall. Mir schien das vergebene Liebesmühe zu sein, obwohl ich mich ebenfalls lautstark beteiligte.

Aber dann kamen die Wahlpariserinnen doch noch einmal zurück, begleitet von mit Körperfarbe bemalten Tänzern, so daß die Bühne ziemlich voll wurde. Ich glaube sie haben eine Cover-Version von irgendeinem Mainstream-Song gespielt, ich werde das mal nachforschen.*1 Sogar eine zweite Zugabe der Zugabe gönnten sie uns noch, ich denke es war "Miracle" *2 und zwar der Teil, der auf dem neuen Album als "hidden track" auftaucht. Danach fiel endgültig der Vorhang.

Ich war hin und weg und will CocoRosie unbedingt noch mehrfach sehen in diesem Jahr.

Kann ich jedem empfehlen, der schräge Musik mag, deshalb hier mal eine Auswahl an kommenden Konzerten:

15. April : London
06. Juni : Mannheim
08. Juni : Zürich
10 Juni : München

*1 Es handelte sich um "Turn me on" von Kevin Lyttle
*2 Nein, es war Tekno love song

Auszug aus der Setlist CocoRosie:

Houses
Animals
Promise
Sunshine
Terrible Angels
Beautiful boys
By my side
Japan (Z)
Rainbowarriors (Z)
Werewolf (Z)
Turn me on (Kevin Lyttle Cover) (Z)
Tekno love song (Z)

von Oliver




Dienstag, 10. April 2007

Maximo Park, Bochum, 09.04.07

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Konzert: Maximo Park
Ort: Zeche, Bochum
Datum: 09.04.2007
Zuschauer: seit langem ausverkauft

Ich hätte nie gedacht, daß eine 160 km-Konzertrückfahrt für irgendetwas gut sein könnte. Sie kann, sie kann... Sie kann nämlich wieder etwas runterbringen. Direkt nach dem Konzert von Maximo Park hätte ich wohl geschrieben, daß ich heute den größten Rockstar unserer Zeit gesehen habe und nur schwerlich irgendwann wieder ein ähnlich gutes Konzert sehen werde!

Die Zeche in Bochum scheint wirklich auf einem Zechengelände zu liegen und ist von Süden gut erreichbar. Bochum liegt überhaupt (geografisch) viel näher an Köln, als man gemeinhin denkt und ist daher für solche Gelegenheiten wie heute, nämlich Maximo Park ein halbes Jahr vor ihrem Auftritt in Köln schon einmal zu sehen, wirklich nicht zu abwegig.

Innen erinnert die Zeche an Erlebnisgastronomie, also an so Läden wie
Pflaumenbaum oder ähnliche Abfüllkneipen. Man geht um zig Ecken, überall sind Sachen in den Weg gebaut, bis man im Saal selbst ist. Der ist dann perfekt für Konzerte, denn es gibt eine Empore mit breiter Treppe und dadurch Platz für viele Leute, obwohl die Grundfläche sehr überschaubar ist. Ein schöner Ort für Indie-Konzerte. Auch wenn die Empore nett aussah, lockte mich die (unabgesperrte) Bühne mehr.

Gegen halb neun ging es überraschend los. Zum einen hatte ich den Beginn um neun erwartet, zum anderen dachte ich, daß ClickClickDecker erst als zweite Vorgruppe
auftreten würden. Ich lag jeweils daneben.

Schon nach ein paar Takten klang die Band, die sich kleidungsmäßig an das Ruhrgebiet angepaßt hatte (der Sänger trug eine Jogginghose, der Bassist eine Kappe auf vier Uhr und ein Sweatshirt, um das ihn in der Hochphase der Elho- und O'Neil-Skimode jeder auf der Piste beneidet hätte und der Gitarrist eine Jeans, die in den Kniekehlen hing), nach Hamburg. Unverkennbar waren Ähnlichkeiten zu Tomte oder Kettcar zu
hören. Mir gefiel die Musik also sehr gut. ClickClickDecker Sänger Kevin sagte, der Auftritt vor Maximo Park sei ihr 19. Konzert in Folge. Gegen Ende des halbstündigen Konzerts wurde seine Stimme immer gröber und gebrüllter, das tat einem wirklich guten Auftakt aber keinerlei Abbruch. ClickClickDecker sind eine der guten deutschen Indiebands, die ich auf alle Fälle noch einmal sehen möchte. Ach, und die Band kommt natürlich aus Hamburg.

Setlist ClickClickDecker:

01: Sozialer Brennpunkt
02: Wenn man alles verliert
03: Der Rhythmus Deiner Eier
04: Immerhin beabsichtigt
05: Äthna
06: Der ganze halbe Liter
07: Zurecht ungerecht
08: 107 leider unvermittelbar
09: Schuhe gekotzt

Sehr spektakulär war, daß während des gesamten Konzerts ein Kellner mit Tablett Getränke verkaufte. So was habe ich noch nie erlebt. Ein herrlicher Service. Gloria und E-Werk: Bitte nachmachen!

Warum in aller Welt die zweite Vorgruppe engagiert wurde, weiß ich nicht. Zum Aufwärmen können The Ghost of irgendwas nicht gebucht worden sein, ich vermute, daß es etwas mit Ostern zu tun hatte. Die Band, deren Namen ich trotz penetranter Wiederholung des Sängers immer noch nicht weiß, erzeugte nämlich nur so etwas wie kurzen, höflichen Applaus (mit Ausnahme zweier kleiner Grüppchen, die frenetisch alles feierten, was heute passierte; die Grüppchen hätten aber auch einen Bauchredner mit Puppe bejubelt).

Nach diesem Dämpfer kam dann aber der Grund meines Ausflugs: Maximo Park aus Newcastle. Und es begann furios. Auftaktsong war das fantastische "Graffiti" vom Debüt-Album "A certain trigger". Das, was Ghost of werauchimmer an ruhiger Stimmung mühsam aufgebaut hatten, war mit einem Mal weg. Der mittlerweile prallvolle Raum vor der Bühne tanzte und grölte mit. Und Sänger Paul Smith, der
(wir sind ja doch irgendwie auch ein Modeblog) schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarze Krawatte mit Punkten und ein braunes Club-Jacket und dazu einen Bowler trug, rannte gleich von Beginn an hin und her über die Bühne, illustrierte die Lieder gestenreich und nutzte die Reichweite und Leistungsfähigkeit seines drahtlosen Mikros vollkommen aus.

Nach "Graffiti" folgte das Eröffnungsstück der vor zwei Wochen erschienenen CD "Our earthly pleasures", "Girls who play guitars", das ankam, als wäre es schon seit
Jahren bekannt. Überhaupt war wenig Unterschied zwischen der Reaktion auf neue oder alte Lieder zu bemerken. Natürlich ziehen die Hits der ersten Platte ("Graffiti", "The coast is always changing" oder "Apply some pressure") besonders, die neuen kamen aber eben auch an, als wären sie schon ewig bekannt. Das Publikum scheint also (wie ich) die Platte schon x-mal gehört zu haben.

Trotz aller Lautstärke, Hin- und Her-Rennerei und Energie war das Konzert musikalisch ein Genuß. Paul Smith trifft die Töne und beherrscht seinen Part perfekt. Vor zwei Jahren habe ich Maximo Park im Gebäude 9 verpaßt. Ich habe das zwar sehr bereut, weiß aber jetzt erst, was ich da versäumt habe.

Natürlich waren dann auch schnell die ersten Crowdsurfer unterwegs, die die beiden Ordner rechts und links am Bühnenrand gnadenlos überforderten. Irgendwann stand einer der Schränke vor statt hinter mir, um schnell auf die Bühne klettern zu können, wenn sich jemand näherte. Das nahm mir die Sicht und das linke Ohr, denn statt im Schatten des Boxenturms stand ich dann plötzlich viel zu nah an den sehr lauten Lautsprechern. Da Herr Ordner aber immer mehr zu tun bekam, hatte ich auch immer häufiger wieder meinen mühsam erstandenen Platz.

Das Set der Engländer war buntgemischt aus beiden Alben. Leider fehlte von der
aktuellen Platte "Karaoke plays", das wohl nicht zum Liveprogramm gehört, denn auf zwei Setlisten von April-Konzerten in England fehlt das Lied auch. Das Programm scheint aber von Show zu Show zu variieren. "I want you to stay" zum Beispiel fehlte bei den englischen Konzerten. Auch war das Bochum-Set mit 19 Liedern das längste (Jippie!), das ich bisher gefunden habe. Das reguläre Programm endete mit "Going missing", dem dann drei Zugaben mit "Limassol" zum Schluß folgten.

Nüchtern und mit Distanz betrachtet habe ich heute den größten Rockstar unserer Zeit gesehen. Und ich bin sehr unsicher, ob ich irgendwann noch mal ein Konzert gleicher Güte sehen werde.

Setlist Maximo Park:

01: Graffiti
02: Girl who play guitars
03: Now I'm all over the shop
04: Our velocity
05: A fortnight's time
06: Postcard of a painting
07: Parisian skies
08: Russian literature
09: By the monument
10: I want you to stay
11: Books from boxes
12: Your urge
13: Apply some pressure
14: Nosebleed
15: The coast is always changing
16: Going missing

17: Kiss you better (Z)
18: The unshockable (Z)
19: Limassol (Z)

Links:

- mehr Fotos: vom Konzert im Palladium, aus Bochum und aus Köln
- Maximo Park live in: Köln (Palladium)
- Glasgow (02.10.07)
- Paris
-
Köln (bei der Soundwave Tour )
- Bochum im April 06
- Blood Red Shoes in: Paris (09.06.2007)
- Paris (08.06.2007)
- Köln (11.03.07)
- Paris (06.03.07)


Maximo Park spielen 2007 noch einige Konzerte und Festivals in Deutschland. Besorgt Euch Karten, Ihr werdet Euch ewig ärgern, die Band zu verpassen.

Köln: 16.10.07
Hamburg: 17.10.07
Berlin: 19.10.07
Dresden: 21.10.07
Wiesbaden: 22.10.07
Stuttgart: 23.10.07
München: 24.10.07



Sonntag, 8. April 2007

Konzertrückblick: The Hidden Cameras, Paris, 10.10.06

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Konzert: The Hidden Cameras

Ort: Point Ephemere, Paris
Datum: 10. 10.2006

Die Location war schon mal interessant gewählt: Das Point Ephemere ist ein Teil einer alten Fabrikhalle und liegt idyllisch am Canal St. Martin im 10. Pariser Arrondissement. Während irgendeine langweilige Vorgruppe noch vor sich hin dudelt, nehme ich meinen Mut zusammen (das ist kein Stalker-Gen, sondern ich bin nur kommunikativ!) und spreche ein Bandmitglied der französischen Hushpuppies an, den ich schon oft auf Konzerten gesehen habe, zuletzt auch bei El Perro Del Mar. Er ist erfreut, es mit einem Deutschen zu tun zu haben, denn es läuft sehr gut für die Hushpupppies in Deutschland, wie er nicht ohne Stolz erzählt. Im Dezember stehen wohl wieder Konzerte der Band in Germany an, mit Louis XIV und einer deutschen Gruppe, deren Namen er vergessen hat. Ich verabschiede mich und trete in die dunkle Spelunke ein, es geht nämlich jetzt los mit den versteckten Kameras.

Go-Go-Tänzer kann ich zum Glück keine ausmachen, dafür wäre wohl auch die Bühne zu klein. Stattdessen tummelt sich auf derselben ein erstaunlich heterogenes Häuflein (sind die gecastet?), angeführt von dem durchtrainierten Sänger, der auch als Personal Fitness-Trainer eine gute Figur abgeben könnte. Begleitet wird er von zwei Streichern (einer der beiden hat was von Hape Kerkeling), einem Cellisten und u.a. zwei Damen, wobei die eine die Dolmetscherin abgibt, denn die Band spricht kaum Französisch. Sie (spielt Keyboard) scheint ohnehin eine sehr aktive Rolle in der Band zu spielen.

Das Publikum bekommt eine Band voller Spielfreude und Energie zu sehen (die beiden Streicher amüsieren sich wie Bolle!), die es auch ohne Go-Go-Tänzer schafft, die oft etwas unterkühlten Pariser aus der Reserve zu locken. Meine neuen Freunde von den Hushpuppies tanzen jedenfalls wie wild ab zu den Country-Geigen, den Handclapps und dem Falsett-Gesang. Alles wirkt hier sympatisch amateurhaft, spielerisch und spontan. Gespielt werden Stücke aus allen drei Alben und beendet wird das Set von dem Gassenhauer: "I believe in the good of life". Ein gutes Motto für einen gelungenen Abend, dem nichts mehr hinzuzufügen ist.

von Oliver


Donnerstag, 5. April 2007

The Shins, Köln, 03.04.07

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Konzert: The Shins
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 03.04.2007
Zuschauer: ca. 1500

Heute abend stand für mich eine dreifache Premiere auf dem Programm:
Das letzte Mal hatte mich Morrissey himself zu einem Abstecher nach Deutschland verleitet, das war allerdings noch vor Weihnachten 2006, genauer gesagt am 15.12.2006, in der Düsseldorfer Philipshalle. Damals hatte ich Sab und Olly getroffen und heute waren die beiden sympathischen Bonner wieder mit von der Partie. Zum Glück ist die Live Music Hall nicht so groß wie die Philipshalle, sodaß meine Suche nach ihnen irgendwann erfolgreich lief und wir zu dritt die passable, aber doch recht langweilige Vorgruppe Viva Voce verfolgten. Obwohl ich eigentlich Blues-Rock gerne mag, fehlte mir einfach das packende Moment im Set der Amerikaner und ich war deshalb recht froh, als die "Aufwärmer" die Bühne irgendwann verließen.

Zu diesem Zeitpunkt war es schon ziemlich spät (ca. 21.45 Uhr), zumindest für Pariser Verhältnisse, wo die Hauptgruppe in der Regel um 21 Uhr beginnt.

Die ersten vier Lieder der Shins hörte ich mir dann auch noch in "Bonner Runde" an, bevor ich den gewagten Versuch startete, mich nach vorne zu Christoph durchzukämpfen, um auch die Band selbst noch einmal zu sehen. Mit Sab und Olly waren wir uns zuvor einig, daß der Sound ganz ausgezeichnet war und der Shins-Sänger selbst noch die höchsten Töne traf. Besonders angetan war ich von den plötzlich einsetzenden knackigen Gitarren beim Opener "Sleeping lessons".

Überhaupt war festzustellen, daß die Shins mit dem neuen Album deutlich an Druck gewonnen haben, ohne dadurch ihren Lo-fi-Charme zu verlieren, der sie so auszeichnet. Musikalisch sehe ich sie im übrigen eher verwandt mit den Labelkollegen Decemberists als mit Snow Patrol, insofern teile ich nicht ganz Christops angebrachten Vergleich (ich hoffe, ich habe Dich nicht falsch zitiert, Christoph?).

Das Verbindende zwischen den Shins und den Decemberists besteht meines
Erachtens vor allem darin, daß beide Bands neben ihrem Gespür für wunderbare Folkpopmelodien des öfteren "Ladadidada"-Passagen einbauen. Eine solche Passage war auch heute wieder schön zu beobachten, z.B. bei dem Knüller "Saint Simon" aber auch bei "Gone for good", beides im übrigen Stücke von dem gelobten Vorgängeralbum "Chutes too narrow." Nach dem heutigen Abend ist mir aber klar geworden, daß auch das neue Album wieder Maßstäbe in Sachen perfekte Popsongs setzt.

Nicht nur die ersten drei Songs, das bereits zitierte "Sleepy lessons", "Australia" und "Phantom limb" waren nämlich toll, sondern auch "Girl sailor" und die wundervolle Country-Ballade "A comet appears".

Sehr schön und lobenswert auch, daß das sehr gute Debütalbum "Oh, inverted world"
nicht zu kurz kam und durch das Spielen von Hits wie "Caring is creepy" in das Gedächtnis des Publikums zurückgerufen wurden. Als die Lieder vom ersten Album liefen, war ich übrigens fast vorne an der Bühne angekommen, bevor mich eine regelrechte Mauer an dicht gedrängten Zuschauern daran hinderte, ganz zu Christoph durchzudringen. Wahrscheinlich war das aber gut so, denn in meinen Ohren klang der Sound noch in Reihe zehn sehr gut und dynamisch, während Leute die ganz dicht dranstanden, ja über einen gewissen Soundbrei klagten.

Nach den entspannten Gesichtern des fachkundig scheinenden Publikums zu urteilen, waren aber die allermeisten zu recht sehr zufrieden mit der Vorstellung der sympathisch-natürlichen Shins.

18 Lieder, Hits von allen drei Alben, eine wirklich nette Band, was kann man eigentlich noch mehr von einem Indie-Popkonzert erwarten?

Mehr Fotos hier.


von Oliver


Mittwoch, 4. April 2007

The Shins, Köln, 03.04.07

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Konzert: The Shins
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 03.04.2007
Zuschauer: knallvoll

Auf dem Weg zur Live Music Hall war mir irgendwie klar, daß ich heute mit der falschen Erwartungshaltung nach Köln gekommen war. Ich kenne die letzten beiden Alben der amerikanischen Band, habe ihnen aber bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt. Viele andere haben das offenbar getan, denn schon um acht Uhr (der Einlaßzeit) waren rund um die Live Music Hall irre viele Leute unterwegs, die die Shins sehen wollten. Entsprechend schnell füllte sich die Halle, ungewohnt früh, wie mir schien.

Die Bühne war leider wieder großräumig mit Gittern abgesperrt. Ich hatte nicht unbedingt crowdsurfende Musiker oder Zuhörer erwartet, dieser Gitterkram erzeugt aber irgendwie eine sterile Palladium-Atmosphäre, die heute ganz besonders fehl am Platz war. Diese Absperrungen sind eine fiese Unsitte!

Um neun trat dann die Vorgruppe auf, Viva Voce aus Portland. Wenn bei myspace
statt Oregon Schweden gestanden hätte, wäre ich nicht überrascht gewesen, denn Sänger Kevin sah mit seiner mit Stirnband verzierten Mähne ein wenig nach Björn Borg aus. Das scheint aber auch nicht furchtbar weit hergeholt zu sein, denn sein Nachname lautet Robinson und seine Frau, die Gitarristin, heißt Anita!

Das Duo wirkt auf der Bühne schon sehr ungewöhnlich. Zentral auf der Bühne steht Kevins Schlagzeug, rechts neben ihm seine Frau. Kevin sieht sich aber wohl auch nicht als klassischen Schlagzeuger, denn schon beim Eröffnungsstück spielte er am Schlagzeug Gitarre und bediente nur sein Fußpedal.
Anita traf leider anfangs nicht alle Töne, später schien sie deutlich sicherer zu werden. Die Musik der beiden ist Indierock, der ab und an folkig klang, manchmal nach Blues. Ein, zwei Lieder gefielen mir richtig gut, alles in allem hat mich das Duo aber nicht touchiert (Oliver: habe es untergebracht). Ich glaube, mir fehlen vor allem die homogenen Melodien, auf mich wirkte die Musik oft unpassend abgehackt und durch zu viele Soli unterbrochen. Weniger Beweise dafür, daß die beiden ihre Instrumente beherrschen, hätten dem Programm gutgetan.

Nach erstaunlich langer Umbaupause (denn eigentlich mußte ja nur das Schlagzeug entsorgt werden), ging dann um zwanzig nach zehn das Hauptprogramm los. Erwartet hatte ich vier Musiker, die Shins traten aber zu fünft auf. Zum ersten Mal seit dem fabelhaften Konzert des Strokes Albert Hammond jr. habe ich wieder drei
Gitarristen und einen Bassisten gleichzeitig auf der Bühne erlebt. Das macht schon einiges her! Neben Sänger und (Überraschung: Gitarrist) James Russell Mercer gehören Martin Crandall (Keyboard, Gitarre und Bass), Dave Hernandez (Gitarre und Bass), Jesse Sandoval (Schlagzeug) und neuerdings Eric Johnson (Gitarre) zu den Shins. Die Band spielt wundervollen Indiepop, der für mich nach Snow Patrol in deutlich besser klingt. Live wirkt die Musik der Shins durch die Gitarrenlastigkeit einen Tick härter als auf Platte aber das macht sie natürlich nicht schlechter.

Das Konzert begann mit drei Liedern der aktuellen Platte "Wincing the night away", wechselte danach zwischen den drei Alben hin und her. Leider war da, wo ich stand, der Sound schrecklich dumpf. Schon beim ersten Stück klang der Bass nach einem startenden Flugzeug. Hinten muß es allerdings außerordentlich gut geklungen haben, denn als ich nach Ende des Auftritts das bemängelt habe, kamen nur ungläubige Blicke zurück. Das war der Preis dafür, etwas auf der Bühne zu erkennen, zum Beispiel die Auftritte der Viva Voce Sängerin Anita am Keyboard und als Hintergrundsängerin. Bei drei Liedern trat Mrs Robinson mit den Shins auf. Das tut sie wohl auch regelmäßig, denn auf der Homepage von Viva Voce wird von ihren Auftritten mit den Shins bei Conan O'Brien z.B. berichtet.

Leider war das reguläre Set nach einer Stunde vorbei, es folgten aber drei Zugaben, darunter eine Coverversion von "Someone I care about" von den Modern Lovers. Unabhängig vom (vorne links) schlechten Sound war der erste von zwei Auftritten der Shins in Deutschland hervorragend. Die Stimmung war durchgängig gut (es war diese Mitwipp- und Mitsing-Stimmung, kein Getanze und wildes Rumgeklatsche - aber das war ja nicht überraschend) und das Publikum sehr vertraut mit den Songs. Mein Liebling war auch live "Saint Simon" von "Chutes too narrow". Mich haben die Shins locker erobert. Ich habe mir fest vorgenommen, ihnen bis zum nächsten Auftritt hier deutlich mehr Aufmerksamkeit zu widmen!

Setlist The Shins:

01: Sleeping lessons
02: Australia
03: Pam Berry -> Phantom limb
04: Kissing the lipless
05: Mine is not a high horse
06: Girl inform me
07: Girl on a wing
08: Saint Simon
09: Girl sailor
10: Turn a square
11: Gone for good
12: A comet appears
13: Turn on me
14: New slang
15: Know your onion!

16: Caring is creepy (Z)
17: Someone I care about (Z)
18: So says I (Z)

Mehr Fotos hier.



 

Konzerttagebuch © 2010

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