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Dienstag, 3. Juni 2014

Maifeld Derby 2014, Tag 1

1 Kommentare

Konzert: Rah Rah, Fenster, Lucy Rose, ClickClickDecker, Future Islands
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 30.05.2014
Dauer: Rah Rah ca. 40 Minuten, Fenster ca. 40 Minuten, Lucy Rose ca. 50 Minuten, ClickClickDecker ca. 35 Minuten, Future Islands ca. 60 Minuten
Zuschauer: unterschiedlich


Letztes Jahr habe ich ja ein bisschen geschimpft über das Maifeld Derby. Aus meiner Sicht hatten das Wachstum und die Erweiterung auf drei Festivaltage nicht die erforderlichen Verbesserungen der Infrastruktur nach sich gezogen. Richtig schlimm war das alles nicht gewesen, sonst wäre ich ja auch nicht wiedergekommen, aber bei der Anreise war ich dieses Mal natürlich besonders gespannt, was nun anders sein würde – zumal im Vorfeld von etlichen Neuerungen die Rede gewesen war.



Tatsache! Schon die Bändchenausgabe war an einem neuen Ort und erzwang mittels Absperrungen eine ordentliche Schlange, was erfolgreich ein Kuddelmuddel drängelnder Gäste, wie ich es letztes Jahr erlebt hatte, vermied. Beim Betreten des eigentlichen Geländes dann die nächsten Schocks: Die Open Air Bühne war größer und woanders aufgebaut! Zusätzlich zum bekannten Palastzelt, das vergrößert worden war, war nun auch die Brückenaward-Bühne in einem ähnlichen Zelt untergebracht. Und - ich hatte nicht mehr wirklich damit gerechnet - dem Fressstand der Langmetzgerei Kumpf hatten sich mehrere weitere hinzugesellt! Es gab Falafel (vegan), etwas namens Handbrot, thailändisches Essen und Pakora. Fast alles vegetarisch oder mit vegetarischer Alternative! Etwas weiter entfernt entdeckte ich zusätzlich einen Crêpe-Stand.



Und als ich es endlich schaffte, meinen Blick von all den attraktiven Essensoptionen abzuwenden, entdeckte ich, dass auf dem Boden Schotterstreifen ausgegossen worden waren, sicherlich als eine Art Laufsteg, falls es bei Regen Pfützen geben sollte. Auch im Dekobereich hatte man sich wieder mehr Mühe gegeben, einige Bäume mit bunten Lampions dekoriert und die Freifläche mit Holzschaukelpferden und einer Springhürde auf den Steckenpferdwettbewerb am Sonntag vorbereitet. Damit waren sämtliche meiner Nörgelpunkte des Vorjahres von Timo Kumpf und seinen Helfern behoben worden. Toll! Für nächstes Jahr möchte ich bitte noch einen Streichelzoo!



Wir mussten an diesem Punkt unsere Besichtigung abbrechen und ins Palastzelt eilen, denn dort begann der für uns erste Bandauftritt des Festivals, Rah Rah. Das Quintett aus Kanada (laut Wikipedia ist es normalerweise ein Sextett) machte einen ausgesprochen fröhlichen Eindruck und hält viel von Abwechslung in Bezug auf Instrumente und Sänger. Der Bassist des ersten Songs („Art & A Wife“) wechselte für den Großteil des restlichen Sets ans Schlagzeug, der Leadsänger der meisten Songs, Marshall Burns, machte mehrmals Platz für die beiden weiblichen Bandmitglieder, die ansonsten Geige, Keyboard, Bass oder auch mal Schlagzeug spielten. In Bezug auf eine der Damen, Kristina Hedlund (mit Pelzmütze), wäre den Kollegen möglicherweise anzuraten, sie zu bitten, ihre anderen musikalischen Fähigkeiten verstärkt nachzukommen und das Singen den anderen zu überlassen. Gerade bei „20s“ fand ich ihr Gesinge eher schlimm, und das in Gegenwart von mindestens zwei besseren Sängern – die Stimme von Erin Passmore (im Lamettakleid) gefiel mir nämlich ebenfalls deutlich besser. Nichtsdestotrotz ein guter, fröhlicher Einstieg ins diesjährige Maifeld Derby.


Gimmick Nummer 1:  Bei „Beaches“ schlugen der Schlagzeuger und der Gitarrist den Rhythmus auf dem Gestänge der Bühne. Gimmick Nummer 2: Die Band hatte riesige silberne Aufblasbuchstaben dabei (R, A, H), die bei den letzten beiden Songs ins Publikum geworfen wurden und dort großen Anklang fanden.


Setliste:

Art & A Wife
Dead Men
I'm a Killer 
Fake Our Love
Run 
Beaches 
20s 
First Kiss 
Duet for Emmylou and the Grievous Angel 
Prairie Girl


Auf ging es zum Parcours d’Amour, der seit der Premiere des Festivals altbekannten kleinen Bühne im Reitstadion. Auch hier hatte man aufgestockt, indem man die Bühne vergrößert und weiter nach hinten verlegt hatte. Geblieben waren die liebevolle Dekoration, der Weinstand und die im Vergleich zu den anderen Bühnen intimere Atmosphäre – verbunden mit der Möglichkeit, sich hinzusetzen.
Dort waren Fenster bereits mit dem Soundcheck beschäftigt. Das deutsch-amerikanisch-französische Quartett hatte optisch einiges Auffälliges zu bieten: blonde Frau mit Lidschatten“brille“ und Hot Pants, ein Sänger, der aussah wie ein jüngerer Rudi Völler und ein Schlagzeuger, der mit blondem Haar und Schnurrbart wirkte, wie Barbies Freund Ken in den 70ern. Auch Fenster tauscht gerne einmal Instrumente und Rollen, so dass die blonde Frau, die ich zunächst für die Sängerin hielt, diese Rolle nach dem ersten Song weitgehend an Rudi Völler abgab. Musikalisch wurde ich mit dem Gebotenen Dream Pop nicht recht warm und deshalb ganz froh, als wir nach Ende des Sets zu Lucy Rose im Palastzelt aufbrachen.


Die Britin war anscheinend bereits im Line-up des vergangenen Jahres gewesen, hatte jedoch absagen müssen.  Ihr Auftritt war bei unserem Eintreffen bereits im Gange, aber es war recht leicht, sich noch in die ruhigen, emotionalen Lieder einzufinden, die die Sängerin meist auf der Gitarre, einmal auch am Klavier begleitete.  Die Zwischenansagen der Künstlerin zeugten von einer gewissen Unsicherheit: Mit ihrem eigenen Klavierspiel war sie nicht sonderlich zufrieden, außerdem war sie positiv überrascht, dass sich das Zelt recht gut gefüllt hatte, war sie doch überzeugt gewesen, vor einem sehr dürftigen Publikum zu spielen. Außerdem sei das riesige „Lucy Rose“ Transparent, das hinter der Bühne hing, heute erstmalig im Einsatz, obwohl sie es bereits seit einem Jahr hätte, weil hier ausreichend Platz sei und viele ja auch sicher nicht wüssten, wer sie sei.


Bezüglich der Setliste konnte ich nicht allzu viel erkennen und mitschreiben, gespielt wurden mit Sicherheit aber „Shiver“ und „Middle of the bed“. Im Nachhinein hätte ich lieber mehr von Lucy Rose gesehen als von Fenster.  Im Später las ich auf Wikipedia, dass die Künstlerin als Merchandise Tee verkauft, was ich auch gerne genutzt hätte.


Nach Lucy Rose pilgerten wir zurück zum Parcours d’Amour, vor dem sich überraschenderweise bereits eine lange Schlange für ClickClickDecker gebildet hatte. Unsere kurze Sorge, drinnen könne es bereits voll sein, erwies sich als unbegründet, es gab nur einfach Stauungen zwischen den Konzertbesuchern, die hinaus wollten, und den Neuankömmlingen. Als wir erst einmal hinein konnten, fanden wir also problemlos einen Platz, allerdings sollte es doch noch zu Kapazitätsproblemen kommen – auf Facebook konnte man später den Unmut von Fans lesen, die später als wir gekommen waren und die man zunächst tatsächlich nicht mehr hinein gelassen hatte. Irgendwann wurde dann ein ursprünglich abgesperrter, zusätzlicher Sitzblock geöffnet, aber zu diesem Zeitpunkt war das Set der Band schon fast vorbei.


Aus irgendeinem Grund gab es nämlich Zeitprobleme: Wir waren recht pünktlich zum Konzertbeginn laut Programm erschienen, warteten aber noch eine gute Viertelstunde, während die Band auf der Bühne in aller Ruhe ihren Soundcheck absolvierte - der Schlagzeuger verband den Mikrophoncheck dabei mit einer Runde Quizduell, indem er die Fragen ins Publikum stellte (Ich habe aber Zweifel an der Authentizität folgender Frage: "Welche Meinung zum Thema Fleisch kommunizierte die Band The Smiths auf ihrem zweiten Album? A: Fleisch ist Fleisch Nanananana B: Fleisch ist Mord C: Auch Fleisch ist Fleisch Nanananana.")

Als es schließlich mit „Und darüber nachdenken nicht nötig“ losging, zeigte sich, dass in der ersten Reihe ein dreiköpfiger Damen-Fanclub Platz genommen hatte, der jeden Song begeistert mitsang und abfeierte.  Auch sonst waren sichtlich viele Anhänger der Band auf der Tribüne.


Ich dagegen kannte vor dem Auftritt keinen einzigen Song, konnte mich aber mit den nachdenklichen Texten schnell anfreunden, zumal es bei einem derart begeisterten Publikum schwer war, neutral zu bleiben. Lustig auch die Szene, als Kevin Hamann einer der Damen aus der ersten Reihe, die unablässig einen Songtitel schrie, irgendwann ruhig sagte. „Du, ich hab das gehört. Wir sind ja nur einen Meter voneinander entfernt. Zwischen uns wird es heute keine Kommunikationsprobleme geben.“ Dafür aber Zeitprobleme, denn nach dem späten Beginn des Auftritts mussten offenbar Verzögerungen aufgeholt werden, so dass die Setliste nach einem entsetzten „Wie, noch vier Minuten? Wir haben doch gerade erst angefangen!“  spontan zusammengekürzt werden musste.

„Händedruck am Wendepunk“ und „Durch die Kastanienanlagen“ wurden nicht gespielt, daher endete das Set mit „Tierpark Neumünster“ dann recht abrupt vor mittlerweile stehend abfeierendem Publikum. Auch die geplanten Zugaben „Der ganze halbe Liter“ und „Mit Neumanns Füßen“ mussten leider entfallen.


Setliste:

Und darüber nachdenken nicht nötig
Einbahnstraße
Was kommt wenn nichts kommen will
Die Nutzlosen (unentbehrlich)
Erste Schritte
Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt
Erledigungsblockaden
Niemand tanzt so kacke wie ich
Tierpark Neumünster


Wir verließen den Ort des Geschehens schnell, um zum ersten Mal an diesem Tag die neue Fackelbühne aufzusuchen. Diese Reinkarnation der ehemaligen Open Air Bühne ist, wie alles andere beim Derby, größer als ihr Vorgänger. Obwohl das Interesse an der amerikanischen Band Future Islands mit dem denkwürdigen David Letterman-Auftritt groß war, konnten wie mühelos in die erste Reihe vordringen und mussten auch nicht lange warten.


Die Band aus Baltimore ist komplett auf ihren Rampensau-Sänger fokussiert, so dass die verbleibenden Bandmitglieder auf mich nicht nur zurückhaltend, sondern gar genervt wirkten. Das Bühnengehabe von Samuel T. Herring ist ja auch durchaus gewöhnungsbedürftig, wobei es mir live passender erschien als im Fernsehen. Herring tanzte, ging in die Knie, wälzte sich auf dem Boden, gestikulierte wild und wäre, würde er teilnehmen, sicher der unbestrittene Sieger des für Sonntag angesetzten Steckenpferd Wettbewerbs. Einmal abgesehen vom Singen und Grunzen, das ihn auch für eine Death Metal Band qualifizieren würde.


Beim vierten Lied, „Walking Through That Door“, wurde plötzlich eine Menge riesiger roter Pappherzen verteilt, mit denen das Publikum folgsam gen Bühne winkte. Als ich mich gerade fragte, ob diese Aktion überhaupt mit der Band abgesprochen worden war, nahm Herring eines der Herzen, die auf die Bühne geflogen waren, in die Hand und erklärte, es handele sich um das „Naked Heart Project“, eine Aktion eines guten Freundes der Band, und man solle die Herzen hochhalten, wenn man eines bekommen hätte. Die Band werde versuchen, dasselbe auch beim Melt! zu machen.
Trotz der zweifellos beeindruckenden Bühnenshow muss ich sagen, dass ich die Songs von Future Islands in der Liveversion einander zu ähnlich fand, die Single „Seasons (Waiting On You)“ war hier für mich ganz klar ein Highlight. Dennoch ein lohnendes Konzert, das meinen ersten Tag beim rundum erneuerten Maifeld Derby abschloss.


Setliste:

Back In the Tall Grass 
Sun In The Morning 
A Dream of You and Me 
Walking Through That Door 
Balance 
Before the Bridge 
Doves 
A Song for Our Grandfathers 
Light House 
Seasons (Waiting On You) 
Spirit 
Tin Man 
Long Flight

Links: Fallen angesichts der Bandfülle dieses Mal aus, andere Berichte lassen sich aber leicht über die Labels finden.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht





Samstag, 31. Mai 2014

Maifeld Festival 2014 in Mannheim Tag 1

2 Kommentare

Konzerte: 
  Kristian Harting (35 min)
  Nicholas Chim (25 min)
  Fenster (45 min)
  Scarlett O'Hannah (40 min)
  Clickclickdecker
Ort: Parcour d'Amour Maimarktgelände Mannheim
Datum: 30. Mai 2014
Zuschauer: zwischen 300 und über 1000


Ich bin kein Mensch für den Festivals passen. Ich komme zu Konzerten wegen der Musik und weil ich den Musikern zusehen will. Nicht wegen der Gaudi. Und das beißt sich umso wahrscheinlicher mit den Plänen anderer, je größer der Kreis der Teilnehmer gezogen wird. 


Das Maifeld hatte mich im letzten Jahr mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Das klingt undankbar und pedantisch, aber das tollste Lineup ist für mich vergebliche Liebesmüh, wenn der Anteil der Krawallnasen einen gewissen Prozentsatz übersteigt. Leider sind sehr wenige Störer genug, um vielen Leuten den Spaß zu versalzen. Zweiter Punkt war, dass es zum Teil so viel zu laut war, dass ich selbst mit Hörschutz keinen Ort fand, um den Lärm irgendwo aushalten zu können.


Die Lautstärke ist ein Aspekt, den die Macher eigentlich in der Hand haben, den ich deshalb besonders ärgerlich fand. Außerdem ist die Regelung, dass ich viermal Schlange stehen muss, um einmal etwas zu trinken kaufen zu können für mich ärgerlich, weil mir diese Zeit für wichtigeres fehlt. Dem gegenüber stehen die tollen Seiten des Maifeld Derbys: Musik wie für mich persönlich ausgesucht; alle lieben Leute, die ich sonst nur über Fotos und Berichte "treffe", sind da und man kann die Erlebnisse wirklich teilen. Außerdem finde ich es Herz erwärmend, wenn im Publikum überall Musiker zu finden sind. Solche, die beim Festival auftreten und solche, die selbst einfach Gäste sind.



So habe mir dann doch wieder ein Early horse ticket geholt. Und Reklame gemacht und mir den Mund fusslig geredet. Zurecht, denn das Lineup 2014 hat eigentlich nur einen Fehler: Bands, die ich unbedingt sehen will, finden mehrfach gleichzeitig statt. Mein erhoffter Höhepunkt in diesem Jahr werden Get well soon sein (wobei ich noch sehr gespannt bin, ob zu der Tageszeit im Palastzelt das Publikum mehr von der Musik als vom Alkohol begeistert sein wird und ob ich überhaupt etwas sehen kann). In der Woche vor dem Maifeld festigte sich außerdem die Erwartung, dass das Wetter wohl ganz gut sein würde, was für so eine Veranstaltung vieles einfacher macht.


Eingedenk meiner 2013er Erfahrungen hatte ich mich für den Freitag auf die für mich komfortabelste Lösung geeinigt. Ich nehme die Überschneidungen hin (verpasse z.B. mit blutendem Herzen Bled white, Rah Rah und Lucy Rose) und bleibe im Parcour d'amour. Und ich hatte mir ein Zeitlimit gesetzt, um nicht schon nach dem ersten Tag k.o. zu sein. Klingt nicht sehr Rock'n Roll, wird auch hier nicht zur Nachahmung empfohlen, ist aber die einzige Variante, über die ich redlich Zeugnis ablegen kann.


Leider gab es beim Einlass schon den ersten Dämpfer des Tages. Obwohl eigentlich im Vorfeld gesagt worden war, das Tetrapacks mit Getränken einer vernünftigen Größe ok seien, wurde mir prompt mein Wasser abgenommen. Es geht mir nicht um das Geld, denn ich würde auch gern für einige alkoholfreie kühle Biere zahlen,  aber in den Umbauzeiten von 10-20 min schaffe ich es nicht, vom Parcour zu gehen, etwas zu trinken zu besorgen und an meinen Platz zurück zu kommen und muss auch noch damit rechnen, überhaupt nicht mehr Einlass zu finden, weil der Parcour voll ist. Ist übrigens auch ein Risiko, wenn man nur mal austreten gehen muss.



Ich weiß, ich bin nicht die Regel, aber so kommen wir halt auch nicht zusammen. Ich komme für die Musik und nicht um mich zu ärgern. 

Nachdem ich meinen Platz im Parcour gefunden hatte, war aber alles bestens. Vor dem ersten Konzert schon gab es mehrere nette Wiedersehen und diverse Schwätzchen und in allen Umbaupausen wiederholte sich das Spiel, neue Gesichter zu begrüßen und mich darüber zu freuen. Bis vor Clickclickdecker tauschte sich das Publikum auch jedes Mal fast komplett aus und so konnte ich auch locker rumlaufen und Leute treffen. 


Über den Dänen Kristian Harting wusste ich im Vorfeld nicht viel - z.B. weil ich Future Islands Konzerte bisher ignoriert habe. Er tourte gerade mit ihnen und irgendwie passte das auch zu der Art Musik die er macht. Klingt etwas absurd, denn er ist ein Ein-Mann-Orchester. Aber wie er ausholt, um gigantische Sounds zu malen, das lässt manche Band alt aussehen. Ich fand es jedenfalls rundum beeindruckend und werde in der Zukunft ein Auge auf den netten Dänen haben. Für das Maifeld Publikum muss gesagt werden, dass sogar für diesen frühen Slot sehr viele Leute den Weg in den Parcour gegangen waren und sich als sehr, sehr begeisterungsfähig erwiesen! Und für die Security, dass sie sehr nett aber bestimmt das Rauchverbot durchsetzten (bis es bei Clickclickdecker zu viele Leute wurden und auch das Publikum sich nicht mehr um Hinweise scherte).


Nicholas Chim konnte ich vor kurzem für ein Wohnzimmerkonzert in der Waldstadt begrüßen. Ich war besonders gespannt, wie die nicht-akustische Version seiner Musik klingen würde mit Rayner Lim an verschiedenen winzigen Gadgets, die über einen Mac mal Rhythmussektion und mal Keyboard ersetzten. Haute für mich gut hin. Passte hervorragend in den Parcour und hatte nur den kleinen Schönheitsfehler, dass er etwas hastig die Bühne räumen musste, weil er so versunken war, dass er die Hinweise auf das letzte Lied jetzt verpasst hatte. Aber Overboard war auch diesmal wieder ein reinster Gänsehautmoment. Schade, dass der Lärm mindestens einer anderen Bühne diesem ruhigen Set ziemlich zusetzte.



Für Fenster füllten sich die Sitze wieder fast bis an den Rand. Anscheinend ist die Formation beim Maifeld Publikum hinreichend bekannt und beliebt. Leider war das auch das erste Set, das erst mit Verspätung begann, weil die Soundcheck-Zeit zu kurz eingeschätzt worden war und hatte dann auch immer wieder Probleme mit Rückkopplungen. Schade, weil das Konzert deutlich zeigte, was sie für faszinierende Musik machen und auch wie sie in der Gruppe immer wieder neue Strukturen einnehmen und die Plätze wechseln. Es war auch das erste Set, wo die Musiker ins schwitzen kamen  und wo sich blauer Himmel zu zeigen begann.


Ganz ähnlich geschah es mit Scarlett O'Hanna - Zeitverzug war vorprogrammiert und Soundprobleme durchsetzten das Set. Trotzdem wusste sie zu überzeugen und die Sängerin war über das ganze Programm für mich ein echter Hingucker - und zum zuhören einladend. Sehr witzig (sicher nicht für die Stagecrew) auch die französische Art mit der Aufforderung zum Ende zu kommen umzugehen: ignorieren und in Ruhe noch ein Lied spielen, obwohl der Zeitplan schon total im Eimer war.



Für Clickclickdecker füllte sich der Parcour d'amour auf den letzten Platz und es lag eine Erwartungsfrohe Stimmung in der Luft. Auch vier Autoren des Konzerttagebuchs fanden sich zwischen den vielen Menschen vereint. Der Soundcheck war lang aber auch eine nette Vorführung, wie man spielerisch mit so einer Situation umgehen kann. 


Mit großer Verspätung begann das Set aber die Stimmung war bestens und rings um mich sang man textsicher mit. Mit glasigen Augen und offenem Herzen. Der Parcour machte seinem Namen alle Ehre. Erst im Gehen verstand ich, dass selbst das die schaumgebremste Variante war, denn draußen stand noch eine lange Schlange, die erst in diesem Moment Zugang bekam, weil noch ein weiterer Teil der Tribüne für die Musikfreunde freigegeben wurde.


Ich weiß freilich nicht, ob das schon für die anschließend spielende Höchste Eisenbahn war, muss aber nach den Erlebnissen drinnen schließen, dass es zumindest in Teilen Clickclickdecker waren, die all diese Liebe anzogen.

Für mich war der erste Tag des Festivals vorbei. Der Parcour d'amour war seinem Namen wieder einmal mehr als gerecht geworden.


Aus unserem Archiv:
Maifeld Derby, Tag 1
Maifeld Derby, Tag 1 - U.
Maifeld Derby, Tag 2
Maifeld Derby, Tag 2 - U. 
Maifeld Derby, Tag 3
Maifeld Derby, Tag 3 - U.

Nicholas Chim, Karlsruhe, 21.05.14
Fenster, Dresden, 02.09.12
Fenster, Paris, 01.10.11

ClickClickDecker, Beverungen, 25.05.12
ClickClickDecker, Bochum, 09.04.07





Samstag, 2. Juni 2012

Orange Blossom Special 16, Beverungen, 25.-27. Mai 2012

3 Kommentare

Konzert: Orange Blossom Special 16

Datum: 25.-27. Mai 2012

Ort: Beverungen

Zuschauer: 1800


Bericht und Fotos von Gudrun aus Karlsruhe

Ich bin sicher nicht im Fokus der Werbung für Freiluft Musikfestivals. Beim Lesen der Line-ups habe ich freilich schon immer mal leise geseufzt und diejenigen beneidet, die so viel geile Musik in so kurzer Zeit geboten bekommen, aber wenn ich ehrlich bin, könnte ich nicht gut damit leben, ein Wochenende lang rumgeschubst zu werden und das eine oder andere Bier über den Latz gekippt zu bekommen. Dann lieber Rockpalast schauen und auf dabei auf dem Sofa liegen...

Eine erste Ausnahme hatte ich im letzten Herbst gemacht, als mich das Sound of Bronkow Festival nach Dresden gelockt hatte. Aber da war mir klar, ich kann mich jederzeit zurückziehen, wenn es mir zu viel wird. Das war aber dann zum Glück nicht nötig. Statt dessen traf ich lauter interessante Leute, hatte nette Unterhaltungen mit Fremden und alles war recht entspannt und locker. Von der Musik mal gar nicht zu
reden: da gab es diverse Neuentdeckungen und emotional tolle Konzerte. Das passte.


Dementsprechend war es dann nicht mehr so schwierig, einen weiteren Schritt zu wagen und eine Nummer größer, nämlich beim Orange Blossom mein Glück zu versuchen. Im klienicum las man ja darüber die dollsten Sachen. Pfingsten passte als Termin auch erst einmal in den Plan und schließlich gelang es mir auch noch, Betten in einer Pension zu bekommen (über die Warteliste noch reingerutscht).

Ganz zum Schluss stellte sich überdies heraus, dass sich Petrus ganz besonders viel Mühe geben würde und uns sonnige Pfingsttage gegönnt waren.

Im Vorfeld hatte ich mich besonders auf folgende Programmpunkte gefreut:

Christian Kjellvander, Amanda Rogers, Andrea Schröder, Kill it kid, und Nive Nielsen. Sehr neugierig war ich auf The Miserable Rich und auf Orph.

Blöderweise trafen die zwei kurzfristigen Änderungen im der Liste genau zwei der Acts auf die ich mich speziell gefreut hatte. Der ``Ersatz'' Scott Matthew war aber meinerseits sofort akzeptiert. Nach den vielen Berichten hier im Konzerttagebuch war unser Bekanntwerden miteinander ohnehin überfällig.

Leider verzögerte sich zu allem Überfluss die Anreise und ich war erst mit 2 Std. Verspätung im Glitterhouse-Garten. Damit war einerseits Christian Kjellvanders Auftritt schon Geschichte und es war auch nicht der glücklichste Zeitpunkt um dazu zu stoßen. Der Garten war rapppelvoll, viele der Besucher (gefühlte ALLE) auch, die Mondinvasoren machten einen Heidenlärm (jedenfalls kam es mir in dem Moment so vor und man betritt das Gelände direkt neben der Bühne) und es war nicht so einfach, sich erst einmal zu orientieren zwischen den Massen. Wo war ich da nur hingeraten...


Aber das Konzert der jämmerlichen Reichen versöhnte mich dann auf's Schönste. Dafür war es in jedem Fall lohnend gewesen, am Freitag schon dabei gewesen zu sein. Diese folkige und selbstironisch poppige Art Musik ist ja sowieso meins und vor allem James de Malplaquet trat als purer Verführer für die Musik der Truppe vor die Massen und ließ sie aus seiner Hand fressen. Es gab viele lustige und schaurige Geschichten zur Musik serviert und vollen Stimm- und Körpereinsatz. Das sollte man wirklich mal live und dabei erlebt haben! Als sie zur Zugabe auch noch schaurig geschminkt wieder auftraten war die Inszenierung perfekt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dieser Band die Treue halten werde und die nächste Gelegenheit ergreife, sie live wieder zu sehen. Ich hatte mich in der Umbauphase sehr weit vorn positionieren können und genoss, dass es dort freundlich zuging und wohl doch nicht alle nur noch volltrunken torkelten...

Am Samstag lagen die herbeigesehnten Acts schon recht früh: 12:40 Uhr Scott Matthew, anschließend Andrea Schröder. Als ich kam, erwischte ich noch den Abschluss von Rocco Recycle und war ganz bezaubert, was dieses Gesamtkunstwerk von Vollblut-Entertainer so losmacht. Kindergeburtstag in bester Tradition für das Kind in mir würde ich das kurz und respektlos zusammenfassen.

Scott Matthew soll später einen eigenen Bericht bekommen. In jedem Fall war dies ein Wechsel von laut und schrill nach leise und innig. Aber beiden Acts gemeinsam sicher die selbstironische und dem Publikum zugewandte Haltung und die offensichtliche Spielfreude.

Mit modernster Technik war es anschließend gelungen, E. vom klienicum zu finden (am nächsten Tag wäre es deutlich leichter gewesen, da trug er das Shirt zum Blog). Auch das ein sehr spannender Teil des OBS 16 für mich und hoffentlich nicht das letzte persönliche Treffen bei einem netten Anlass!


Der Wechsel zu Andrea Schroeder (und Band - hier werden wohl die drei Herren im weiblichen Namen subsumiert) war anschließend wieder sehr interessant. Eine irgendwie andere Aura, etwas gediegener, aber auch geheimnisvoll (geht das überhaupt zusammen?). Ich hatte mich schon im ersten Versuch, das Line-up vom OBS16 für mich zu bewerten in die im Netz zum Probehören verfügbaren dunklen Balladen verliebt und hatte die Hoffnung, hier auch schon vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin das Album erwerben zu können. Es war offensichtlich, dass allen der Auftritt beim Orange Blossom viel bedeutete, fast wirkten sie etwas nervös. Dann fiel dem Schlagzeuger sogar das Becken vom Sockel... Dabei wurden die Lieder vom für die frühe Stunde wirklich zahlreichen Publikum von Anfang an sehr freundlich aufgenommen. Auch dies sicher Musik, die ich im Auge behalten werde und die für mich durch das Live-Erlebnis einen neuen Stellenwert bekommen hat.


In das Set der Fuzztones hörte ich lieber mit etwas Abstand von weiter hinten hinein. Das war solide, rotzig und wie erwartet. Vielleicht am meisten nachwirkend für mich die Ansage der Band über New York und Los Angeles nun in Berlin zu Hause zu sein und was in diesem Satz alles steckt. Ich blieb nicht bis zum Ende, sondern gönnte mir ein Päuschen am Weserrand und anschließend ein gutes Abendessen.


Pünktlich zu Erland & the Carnival war ich dann wieder dabei. Der Name war mir geläufig, die Soundschnipsel hatten mich noch etwas unentschlossen gelassen, ob das Set meins würde. Aber die Bedenken zerstreuten sich ganz schnell. Schon die Show des Sängers war es wert :) Ein wirklich energetisches und aufgeheiztes Set neben dem die Sonne langsam unterging.

Ähnlich unentschieden erwartete ich schließlich Immanu El als
Nachtmusik für den Samstag. Es erinnerte mich sehr an Sigur Rós aber überforderte meine Aufnahmefähigkeit für die späte Stunde. Für mich angemessen wäre es gewesen, diesen Klängen mit geschlossenen Augen in einem bequemen Sitz- oder Liegemöbel zu folgen. Freilich hätte man dann die Segelfahrtimpressionen nicht verfolgt, die an die Leinwand projiziert wurden. Aber die verfing bei mir sowieso nicht so richtig als Mehrwert des Konzertes gegenüber dem Hören der CD bequem zu Hause. Es war finster auf der Bühne und es passierte wenig und ich gab nach 30 min auf.


Am Sonntag waren Clickclickdecker mein absoluter Überraschungshit. Mit deutschen Texten ist es ja immer so eine Sache. Da gibt es die tollen wie die Locas in Love und dann... die anderen eben. Aber hier waren die Text toll und die Live-Performance führte direkt in mein Herz. Es wurde so viel gelacht zu den traurigen und nachdenklichen Liedern. ``Jeder Mensch kann schwimmen. Ich bezweifle das stimmt.''Da bildet sich mir unversehens ein Kloß im Hals und fühlt der Wahrheit dieses simplen Statements nach. ``Leiden ist ok. solange Hoffnung bleibt.'' ist vielleicht eine ganz passende Zusammenfassung der Stimmung des Sets. Der Umgang mit Fehlern und mit den Kameras zwischendurch war souverän, spielerisch und in meinen Augen grundsympatisch. Auch hier werde ich nicht zögern, live wieder dabei zu sein, wenn es klappt!

Nive Nielsen spielten für mich vielleicht das schönste Set. Ich werde versuchen, das noch extra zu beschreiben in einem eigenen Bericht. Hier stimmte auch mal die Frauenquote so einigermassen....

Das Set von Orph war etwas rätselhaft fast könnte man sagen distanziert. Das schon in der Kleidung, die zeitlich und örtlich deutlich nicht hier und jetzt anzeigte und auch in sehr wenig Interaktion mit dem Publikum. Die Musik bediente ebensowenig gewohnte Schemata - in jedem Stück wieder neu überraschend, dass man noch Noten zusammenfügen kann und das anschließend nicht klingt wie... Aber der Auftritt der vier war wirklich fesselnd für mich. Im Nahblick hatte es den Anschein, dass alle drei vorn an der Bühne doch etwas nervös waren. Die Blätter flogen ein paar Mal davon und mussten gebändigt werden. Aber auch hier muss man dem OBS-Publikum bescheinigen, dass es die Herzen den jungen Männern ganz und gar geöffnet hat.

Für die letzten zwei Acts am Sonntag fehlte mir dann der Antrieb. Ich war so voller schöner Eindrücke und wollte das nicht gefährden indem weniger intensive Konzerte das abschließen (alles Ansichtssache und gemutmaßt, aber das war die Entscheidung am Sonntag für mich).


Was mir neben der Musik sehr gefallen hat war, dass man die Musiker häufig als Zuhörer anderer Bands sah und im Publikum oder unversehens im Ort oder an der Weser traf. Die freundliche Stimmung, die Rücksichtnahme und das aufeinander schauen. Dass ich mich nicht zwischen Bühnen entscheiden sollte. Dass von klein bis recht betagt wirklich jede Altergruppe dabei war und sichtlich Freude hatte. Dass aufmerksam zugehört wurde und alle Musiker mit Respekt behandelt wurden.

Meiner Meinung nach könnte man aber in Zukunft etwas besser darauf achten, dass die Musik nicht unnötig laut ist. Ich weiß, das ist ein weites Feld..


Dienstag, 10. April 2007

Maximo Park, Bochum, 09.04.07

16 Kommentare
Konzert: Maximo Park
Ort: Zeche, Bochum
Datum: 09.04.2007
Zuschauer: seit langem ausverkauft

Ich hätte nie gedacht, daß eine 160 km-Konzertrückfahrt für irgendetwas gut sein könnte. Sie kann, sie kann... Sie kann nämlich wieder etwas runterbringen. Direkt nach dem Konzert von Maximo Park hätte ich wohl geschrieben, daß ich heute den größten Rockstar unserer Zeit gesehen habe und nur schwerlich irgendwann wieder ein ähnlich gutes Konzert sehen werde!

Die Zeche in Bochum scheint wirklich auf einem Zechengelände zu liegen und ist von Süden gut erreichbar. Bochum liegt überhaupt (geografisch) viel näher an Köln, als man gemeinhin denkt und ist daher für solche Gelegenheiten wie heute, nämlich Maximo Park ein halbes Jahr vor ihrem Auftritt in Köln schon einmal zu sehen, wirklich nicht zu abwegig.

Innen erinnert die Zeche an Erlebnisgastronomie, also an so Läden wie
Pflaumenbaum oder ähnliche Abfüllkneipen. Man geht um zig Ecken, überall sind Sachen in den Weg gebaut, bis man im Saal selbst ist. Der ist dann perfekt für Konzerte, denn es gibt eine Empore mit breiter Treppe und dadurch Platz für viele Leute, obwohl die Grundfläche sehr überschaubar ist. Ein schöner Ort für Indie-Konzerte. Auch wenn die Empore nett aussah, lockte mich die (unabgesperrte) Bühne mehr.

Gegen halb neun ging es überraschend los. Zum einen hatte ich den Beginn um neun erwartet, zum anderen dachte ich, daß ClickClickDecker erst als zweite Vorgruppe
auftreten würden. Ich lag jeweils daneben.

Schon nach ein paar Takten klang die Band, die sich kleidungsmäßig an das Ruhrgebiet angepaßt hatte (der Sänger trug eine Jogginghose, der Bassist eine Kappe auf vier Uhr und ein Sweatshirt, um das ihn in der Hochphase der Elho- und O'Neil-Skimode jeder auf der Piste beneidet hätte und der Gitarrist eine Jeans, die in den Kniekehlen hing), nach Hamburg. Unverkennbar waren Ähnlichkeiten zu Tomte oder Kettcar zu
hören. Mir gefiel die Musik also sehr gut. ClickClickDecker Sänger Kevin sagte, der Auftritt vor Maximo Park sei ihr 19. Konzert in Folge. Gegen Ende des halbstündigen Konzerts wurde seine Stimme immer gröber und gebrüllter, das tat einem wirklich guten Auftakt aber keinerlei Abbruch. ClickClickDecker sind eine der guten deutschen Indiebands, die ich auf alle Fälle noch einmal sehen möchte. Ach, und die Band kommt natürlich aus Hamburg.

Setlist ClickClickDecker:

01: Sozialer Brennpunkt
02: Wenn man alles verliert
03: Der Rhythmus Deiner Eier
04: Immerhin beabsichtigt
05: Äthna
06: Der ganze halbe Liter
07: Zurecht ungerecht
08: 107 leider unvermittelbar
09: Schuhe gekotzt

Sehr spektakulär war, daß während des gesamten Konzerts ein Kellner mit Tablett Getränke verkaufte. So was habe ich noch nie erlebt. Ein herrlicher Service. Gloria und E-Werk: Bitte nachmachen!

Warum in aller Welt die zweite Vorgruppe engagiert wurde, weiß ich nicht. Zum Aufwärmen können The Ghost of irgendwas nicht gebucht worden sein, ich vermute, daß es etwas mit Ostern zu tun hatte. Die Band, deren Namen ich trotz penetranter Wiederholung des Sängers immer noch nicht weiß, erzeugte nämlich nur so etwas wie kurzen, höflichen Applaus (mit Ausnahme zweier kleiner Grüppchen, die frenetisch alles feierten, was heute passierte; die Grüppchen hätten aber auch einen Bauchredner mit Puppe bejubelt).

Nach diesem Dämpfer kam dann aber der Grund meines Ausflugs: Maximo Park aus Newcastle. Und es begann furios. Auftaktsong war das fantastische "Graffiti" vom Debüt-Album "A certain trigger". Das, was Ghost of werauchimmer an ruhiger Stimmung mühsam aufgebaut hatten, war mit einem Mal weg. Der mittlerweile prallvolle Raum vor der Bühne tanzte und grölte mit. Und Sänger Paul Smith, der
(wir sind ja doch irgendwie auch ein Modeblog) schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarze Krawatte mit Punkten und ein braunes Club-Jacket und dazu einen Bowler trug, rannte gleich von Beginn an hin und her über die Bühne, illustrierte die Lieder gestenreich und nutzte die Reichweite und Leistungsfähigkeit seines drahtlosen Mikros vollkommen aus.

Nach "Graffiti" folgte das Eröffnungsstück der vor zwei Wochen erschienenen CD "Our earthly pleasures", "Girls who play guitars", das ankam, als wäre es schon seit
Jahren bekannt. Überhaupt war wenig Unterschied zwischen der Reaktion auf neue oder alte Lieder zu bemerken. Natürlich ziehen die Hits der ersten Platte ("Graffiti", "The coast is always changing" oder "Apply some pressure") besonders, die neuen kamen aber eben auch an, als wären sie schon ewig bekannt. Das Publikum scheint also (wie ich) die Platte schon x-mal gehört zu haben.

Trotz aller Lautstärke, Hin- und Her-Rennerei und Energie war das Konzert musikalisch ein Genuß. Paul Smith trifft die Töne und beherrscht seinen Part perfekt. Vor zwei Jahren habe ich Maximo Park im Gebäude 9 verpaßt. Ich habe das zwar sehr bereut, weiß aber jetzt erst, was ich da versäumt habe.

Natürlich waren dann auch schnell die ersten Crowdsurfer unterwegs, die die beiden Ordner rechts und links am Bühnenrand gnadenlos überforderten. Irgendwann stand einer der Schränke vor statt hinter mir, um schnell auf die Bühne klettern zu können, wenn sich jemand näherte. Das nahm mir die Sicht und das linke Ohr, denn statt im Schatten des Boxenturms stand ich dann plötzlich viel zu nah an den sehr lauten Lautsprechern. Da Herr Ordner aber immer mehr zu tun bekam, hatte ich auch immer häufiger wieder meinen mühsam erstandenen Platz.

Das Set der Engländer war buntgemischt aus beiden Alben. Leider fehlte von der
aktuellen Platte "Karaoke plays", das wohl nicht zum Liveprogramm gehört, denn auf zwei Setlisten von April-Konzerten in England fehlt das Lied auch. Das Programm scheint aber von Show zu Show zu variieren. "I want you to stay" zum Beispiel fehlte bei den englischen Konzerten. Auch war das Bochum-Set mit 19 Liedern das längste (Jippie!), das ich bisher gefunden habe. Das reguläre Programm endete mit "Going missing", dem dann drei Zugaben mit "Limassol" zum Schluß folgten.

Nüchtern und mit Distanz betrachtet habe ich heute den größten Rockstar unserer Zeit gesehen. Und ich bin sehr unsicher, ob ich irgendwann noch mal ein Konzert gleicher Güte sehen werde.

Setlist Maximo Park:

01: Graffiti
02: Girl who play guitars
03: Now I'm all over the shop
04: Our velocity
05: A fortnight's time
06: Postcard of a painting
07: Parisian skies
08: Russian literature
09: By the monument
10: I want you to stay
11: Books from boxes
12: Your urge
13: Apply some pressure
14: Nosebleed
15: The coast is always changing
16: Going missing

17: Kiss you better (Z)
18: The unshockable (Z)
19: Limassol (Z)

Links:

- mehr Fotos: vom Konzert im Palladium, aus Bochum und aus Köln
- Maximo Park live in: Köln (Palladium)
- Glasgow (02.10.07)
- Paris
-
Köln (bei der Soundwave Tour )
- Bochum im April 06
- Blood Red Shoes in: Paris (09.06.2007)
- Paris (08.06.2007)
- Köln (11.03.07)
- Paris (06.03.07)


Maximo Park spielen 2007 noch einige Konzerte und Festivals in Deutschland. Besorgt Euch Karten, Ihr werdet Euch ewig ärgern, die Band zu verpassen.

Köln: 16.10.07
Hamburg: 17.10.07
Berlin: 19.10.07
Dresden: 21.10.07
Wiesbaden: 22.10.07
Stuttgart: 23.10.07
München: 24.10.07



 

Konzerttagebuch © 2010

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