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Sonntag, 29. März 2009

Tomte, Mülheim, 25.03.09

5 Kommentare

Konzert: Tomte
Ort: Ringlokschuppen, Mülheim
Datum: 25.03.2009


Glaubt man einem gängigen Klischee, dann sind ein Großteil der Hörer der Hamburger Band Tomte Studenten.
Jeder schlaue Mensch weiß, dass Vorurteile keine gute Erfindung der Menschheit waren, doch ein bisschen Wahres steckt letztlich doch in den allermeisten Klischees. Der Leser stellt sich (und mir) nun einige wichtige Fragen: Waren am gestrigen Abend größtenteils Studenten im Mülheimer Ringlokschuppen beim Konzert der Truppe? Was hat Thees Uhlmann gegen Peter Fox? Und gab es nebenher auch ein bisschen Musik? Ich berichte.

Bevor Daniel und ich in den Genuss von live gespielten Instrumenten kommen konnten, mussten wir selbstverständlich erst einmal anreisen. Die Zugfahrt brachte einige underwartete Tücken mit sich, aber letztlich kamen wir nur mit einer knappen Viertelstunde Verspätung am Mülheimer Ringlokschuppen an. Die Münsteraner Vorband „Ghost of Tom Joad“ (vom Tomte-Label „Grand Hotel van Cleef“) spielte bereits, wir erkämpften uns derweil ein paar gute Plätze am linken vorderen Rand. Auf der Bühne gab es okayen Alternativ-Rock, man wippte ein bisschen mit und wartete anschließend gut zwanzig Minuten auf die Hauptakteure des Abends.

Kurz nach 21:00 Uhr begaben sich die Herren Musiker an ihre Instrumente. Bevor dann als drittes Lied die aktuelle Single Wie sieht’s aus in Hamburg? zelebriert werden durfte, wendete sich Frontmann Thees Uhlmann erstmals an das Mülheimer
Publikum. Er plauderte von seinem Paris Hilton-T-Shirt („Nur falls irgendwer fragt: ‚Paris Hilton #1′ steht drauf.“), alberte herum und hatte Spaß. Das Konzert war dank Klassikern wie So soll es sein oder Korn & Sprite längst ein Selbstläufer, doch seine Gitarre musste Herr Uhlmann trotzdem von Zeit zu Zeit stimmen. Dadurch entstanden natürlich kurze musiklose Pausen, doch auch hier wusste Thees die geschätzt 600 Fans zu unterhalten: „Das ist hier nicht wie bei Peter Fox, bei dem kommt ja auch alles vom Band. Ich werde noch ewig Gitarren stimmen, selbst wenn es gar keine Gitarren mehr gibt!“ feixte er.

Später lästerte er dann noch über die emotionslosen Zuschauer bei den Konzerten zuvor und kitzelte so noch den letzten Funken Motivation aus dem ohnehin sehr
ausgelassenen Publikum heraus. Fast jeder Song wurde mitgesungen, mitgeklatscht und gefeiert. Übrigens nicht nur von Studenten, sondern auch von jüngeren und älteren Semestern. Fast alle Altersgruppen (und beide Geschlechter!) waren vertreten: Musik, die Generationen verbindet, sozusagen.

Und im letzten Drittel kamen dann auch noch zwei Überraschungsgäste auf die kleine Bühne: zum einen Gunnar Vosgröne (Mitglied
von „Escapado“) am Cello, zum anderen Simon der Hartog (Sänger der „Kilians“). Ersterer durfte helfen, einige musikalische Höhepunkte zu setzen (persönlicher Höhepunkt: Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören), zweiter sang Ich sang die ganze Zeit von dir mit Thees im Duett und auf Nachfrage, wer der junge Herr denn sei, antwortete Herr Uhlmann, dass er sein unehelicher Sohn aus Mülheim wäre. Lustig.

Nach gut zwei Stunden, vielen Zugaben und dem abschließenden Geigen bei Wonderful World war das Konzert zu Ende, die Kräfte auch. Konzerte unter der Woche sind anstregend. Und um mir eine platte Schlusspointe zu erlauben: das sehen die Studenten sicher ähnlich, denn die sahen heute Morgen bestimmt (wie üblich) so aus. Ne, ernsthaft: Tomte sind sehr dufte. Unbedingt irgendwann mal live anschauen, bitte.


von Johannes von HerrSalami.de



Dienstag, 10. April 2007

Maximo Park, Bochum, 09.04.07

16 Kommentare
Konzert: Maximo Park
Ort: Zeche, Bochum
Datum: 09.04.2007
Zuschauer: seit langem ausverkauft

Ich hätte nie gedacht, daß eine 160 km-Konzertrückfahrt für irgendetwas gut sein könnte. Sie kann, sie kann... Sie kann nämlich wieder etwas runterbringen. Direkt nach dem Konzert von Maximo Park hätte ich wohl geschrieben, daß ich heute den größten Rockstar unserer Zeit gesehen habe und nur schwerlich irgendwann wieder ein ähnlich gutes Konzert sehen werde!

Die Zeche in Bochum scheint wirklich auf einem Zechengelände zu liegen und ist von Süden gut erreichbar. Bochum liegt überhaupt (geografisch) viel näher an Köln, als man gemeinhin denkt und ist daher für solche Gelegenheiten wie heute, nämlich Maximo Park ein halbes Jahr vor ihrem Auftritt in Köln schon einmal zu sehen, wirklich nicht zu abwegig.

Innen erinnert die Zeche an Erlebnisgastronomie, also an so Läden wie
Pflaumenbaum oder ähnliche Abfüllkneipen. Man geht um zig Ecken, überall sind Sachen in den Weg gebaut, bis man im Saal selbst ist. Der ist dann perfekt für Konzerte, denn es gibt eine Empore mit breiter Treppe und dadurch Platz für viele Leute, obwohl die Grundfläche sehr überschaubar ist. Ein schöner Ort für Indie-Konzerte. Auch wenn die Empore nett aussah, lockte mich die (unabgesperrte) Bühne mehr.

Gegen halb neun ging es überraschend los. Zum einen hatte ich den Beginn um neun erwartet, zum anderen dachte ich, daß ClickClickDecker erst als zweite Vorgruppe
auftreten würden. Ich lag jeweils daneben.

Schon nach ein paar Takten klang die Band, die sich kleidungsmäßig an das Ruhrgebiet angepaßt hatte (der Sänger trug eine Jogginghose, der Bassist eine Kappe auf vier Uhr und ein Sweatshirt, um das ihn in der Hochphase der Elho- und O'Neil-Skimode jeder auf der Piste beneidet hätte und der Gitarrist eine Jeans, die in den Kniekehlen hing), nach Hamburg. Unverkennbar waren Ähnlichkeiten zu Tomte oder Kettcar zu
hören. Mir gefiel die Musik also sehr gut. ClickClickDecker Sänger Kevin sagte, der Auftritt vor Maximo Park sei ihr 19. Konzert in Folge. Gegen Ende des halbstündigen Konzerts wurde seine Stimme immer gröber und gebrüllter, das tat einem wirklich guten Auftakt aber keinerlei Abbruch. ClickClickDecker sind eine der guten deutschen Indiebands, die ich auf alle Fälle noch einmal sehen möchte. Ach, und die Band kommt natürlich aus Hamburg.

Setlist ClickClickDecker:

01: Sozialer Brennpunkt
02: Wenn man alles verliert
03: Der Rhythmus Deiner Eier
04: Immerhin beabsichtigt
05: Äthna
06: Der ganze halbe Liter
07: Zurecht ungerecht
08: 107 leider unvermittelbar
09: Schuhe gekotzt

Sehr spektakulär war, daß während des gesamten Konzerts ein Kellner mit Tablett Getränke verkaufte. So was habe ich noch nie erlebt. Ein herrlicher Service. Gloria und E-Werk: Bitte nachmachen!

Warum in aller Welt die zweite Vorgruppe engagiert wurde, weiß ich nicht. Zum Aufwärmen können The Ghost of irgendwas nicht gebucht worden sein, ich vermute, daß es etwas mit Ostern zu tun hatte. Die Band, deren Namen ich trotz penetranter Wiederholung des Sängers immer noch nicht weiß, erzeugte nämlich nur so etwas wie kurzen, höflichen Applaus (mit Ausnahme zweier kleiner Grüppchen, die frenetisch alles feierten, was heute passierte; die Grüppchen hätten aber auch einen Bauchredner mit Puppe bejubelt).

Nach diesem Dämpfer kam dann aber der Grund meines Ausflugs: Maximo Park aus Newcastle. Und es begann furios. Auftaktsong war das fantastische "Graffiti" vom Debüt-Album "A certain trigger". Das, was Ghost of werauchimmer an ruhiger Stimmung mühsam aufgebaut hatten, war mit einem Mal weg. Der mittlerweile prallvolle Raum vor der Bühne tanzte und grölte mit. Und Sänger Paul Smith, der
(wir sind ja doch irgendwie auch ein Modeblog) schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarze Krawatte mit Punkten und ein braunes Club-Jacket und dazu einen Bowler trug, rannte gleich von Beginn an hin und her über die Bühne, illustrierte die Lieder gestenreich und nutzte die Reichweite und Leistungsfähigkeit seines drahtlosen Mikros vollkommen aus.

Nach "Graffiti" folgte das Eröffnungsstück der vor zwei Wochen erschienenen CD "Our earthly pleasures", "Girls who play guitars", das ankam, als wäre es schon seit
Jahren bekannt. Überhaupt war wenig Unterschied zwischen der Reaktion auf neue oder alte Lieder zu bemerken. Natürlich ziehen die Hits der ersten Platte ("Graffiti", "The coast is always changing" oder "Apply some pressure") besonders, die neuen kamen aber eben auch an, als wären sie schon ewig bekannt. Das Publikum scheint also (wie ich) die Platte schon x-mal gehört zu haben.

Trotz aller Lautstärke, Hin- und Her-Rennerei und Energie war das Konzert musikalisch ein Genuß. Paul Smith trifft die Töne und beherrscht seinen Part perfekt. Vor zwei Jahren habe ich Maximo Park im Gebäude 9 verpaßt. Ich habe das zwar sehr bereut, weiß aber jetzt erst, was ich da versäumt habe.

Natürlich waren dann auch schnell die ersten Crowdsurfer unterwegs, die die beiden Ordner rechts und links am Bühnenrand gnadenlos überforderten. Irgendwann stand einer der Schränke vor statt hinter mir, um schnell auf die Bühne klettern zu können, wenn sich jemand näherte. Das nahm mir die Sicht und das linke Ohr, denn statt im Schatten des Boxenturms stand ich dann plötzlich viel zu nah an den sehr lauten Lautsprechern. Da Herr Ordner aber immer mehr zu tun bekam, hatte ich auch immer häufiger wieder meinen mühsam erstandenen Platz.

Das Set der Engländer war buntgemischt aus beiden Alben. Leider fehlte von der
aktuellen Platte "Karaoke plays", das wohl nicht zum Liveprogramm gehört, denn auf zwei Setlisten von April-Konzerten in England fehlt das Lied auch. Das Programm scheint aber von Show zu Show zu variieren. "I want you to stay" zum Beispiel fehlte bei den englischen Konzerten. Auch war das Bochum-Set mit 19 Liedern das längste (Jippie!), das ich bisher gefunden habe. Das reguläre Programm endete mit "Going missing", dem dann drei Zugaben mit "Limassol" zum Schluß folgten.

Nüchtern und mit Distanz betrachtet habe ich heute den größten Rockstar unserer Zeit gesehen. Und ich bin sehr unsicher, ob ich irgendwann noch mal ein Konzert gleicher Güte sehen werde.

Setlist Maximo Park:

01: Graffiti
02: Girl who play guitars
03: Now I'm all over the shop
04: Our velocity
05: A fortnight's time
06: Postcard of a painting
07: Parisian skies
08: Russian literature
09: By the monument
10: I want you to stay
11: Books from boxes
12: Your urge
13: Apply some pressure
14: Nosebleed
15: The coast is always changing
16: Going missing

17: Kiss you better (Z)
18: The unshockable (Z)
19: Limassol (Z)

Links:

- mehr Fotos: vom Konzert im Palladium, aus Bochum und aus Köln
- Maximo Park live in: Köln (Palladium)
- Glasgow (02.10.07)
- Paris
-
Köln (bei der Soundwave Tour )
- Bochum im April 06
- Blood Red Shoes in: Paris (09.06.2007)
- Paris (08.06.2007)
- Köln (11.03.07)
- Paris (06.03.07)


Maximo Park spielen 2007 noch einige Konzerte und Festivals in Deutschland. Besorgt Euch Karten, Ihr werdet Euch ewig ärgern, die Band zu verpassen.

Köln: 16.10.07
Hamburg: 17.10.07
Berlin: 19.10.07
Dresden: 21.10.07
Wiesbaden: 22.10.07
Stuttgart: 23.10.07
München: 24.10.07



 

Konzerttagebuch © 2010

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