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Samstag, 4. Dezember 2010

Nina Kinert & Bye Bye Bicycle & Yaya Herman Dune,Paris,03.12.10

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Konzert: Nina Kinert & Bye Bye Bicyicle & Yaya Herman Dune

Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 03.12.10
Zuschauer: ausverkauft (gut 300)
Konzertdauer: pro Künstler jeweils etwa 40 Minuten


Der so frostige Dezemberanfang 2010 ist in konzerttechnischer Hinsicht ziemlich heiß, zumindest in Paris. Nach wie vor gibt es in der französischen Metropole fast an jedem Tag 3 bis 4 interessante Konzerte in verschiedenen Locations. Heute spielten beispielsweise Best Coast im Nouveau Casino (ausverkauft), die Born Ruffians in der Maroquinerie (ausverkauft) und die Crystal Fighters in der Flèche d'or. Meine Wahl fiel aber auf den Konzertabend in Point Ephémère weil dort das Gesamtpaket (wie man neuerdings sagt) am besten war.

Zur heutigen Location hatte kürzlich ein Journalist in einem Printmaganzin (x-Roads) geschrieben, daß hier keine Band freiweilig spielen würde, gäbe es mehr Spielstätten in Paris und daß der Empfang hier besonders unfreundlich sei. Beim letzten Punkt hat der Schreiberling vielleicht gar nicht so Unrecht, denn ich bekam mit, wie ein mir bekannter Fotograf schroff abgewiesen wurde, weil man seinen Namen nicht auf der Liste fand. Zum Beweis für seine Akkreditierung zeigte er seine E-Mail vor, wurde aber trotzdem hingehalten und erst nach langen Diskussionen reingelassen. Leute, die keine Karte hatten, wies man recht unwirsch zurück, obwohl es normalerweise immer noch einen kleinen Restkartenverkauf an der Abendkasse gibt, auch wenn das Konzert ausverkauft ist...

Freundlicher als das Empfangspersonal zeigten sich die Schweden Bye By Bicycle, die den Konzertabend, der im Rahmen des rein schwedischen Festivals AÄÖ. stattfand, eröffneten. Sie lächelten häufig und waren ganz offensichtlich froh, in Paris die Songs ihres Debüt Albums Compass präsentieren zu können. Gespielt wurde waviger Pop mit starkem 80-er Jahre Parfum. Spätestens nach dem zweiten Lied wußte ich, daß das nix für mich war. Gezuckter Diskosound mit Bubblegum- Refrains ist nicht gerade meine bevorzugte Stilrichtung. Das Ganze klang oft wie The Cure oder The Smith light und kam noch nicht einmal annähernd an die beiden anderen aktuellen Klone dieser Kultbands, sprich die Shout Out Louds oder The Wild Nothing, ran. Ernüchterndes Fazit: Bye Bye Bicycle und ihr deprimierend fröhlicher Sound sind für die Tonne.



Dann machte sich die hübsche Nina Kinert bereit. Sie war nicht alleine gekommen, sondern hatte weibliche Verstärkung in Person der Basistin/Cellistin Linnea Olsson, der Gitarristin Sara Wilson und einem männlichen Drummer. Aus der ehemaligen/Folk/Countrysängerin im Stile von Dolly Parton oder Alela Diane ist inzwischen ein Popsternchen geworden, das musikalisch mit Fever Ray, Lykke Li, Bat For Lashes oder Wild Birds und Peacedrums zu vergleichen ist. Ihr neues Album Red Leader Dream hat mit dem Debüt Let There Be Love nicht mehr viel gemein. Statt traditionellen Folks gibt es nun modernen Pop, der ebenfalls von den 1980er Jahren infiziert ist. Play The World, Moonwalker (volles Rohr wie Fever Ray!) und der andere neue Titel gfielen mir aber dennoch gar nicht übel, weil die Band gut zusammenspielte und handwerkliches Können bewies. Zudem gibt es an der Stimme von Nina nicht viel rumzumäklen, sie ist fest, markant und erstaunlich wandlungsfähig. Nach wie vor gibt es Spurenelemente von Dolly Parton oder Alela Diane darin zu finden, aber auch eine kindlich-trotzige Note, die gut zu Erscheinung der Kinert passte. Das Set war kurz (maximal 7 Lieder), am Anfang von den neuen Stücken dominiert, gegen Ende aber mit zwei Klassikern aus ihrem Backkatalog aufwartend. Combat Lover schoß hierbei ganz klar den Vogel ab. Besonders die Gitarristin jagte mit ein paar shoegazigen Riffs den rhytmischen Titel in luftige Höhen, die zuvor nicht erreicht worden waren. I Shot My Man zum Abschluß kam in völlig neuem Gewande daher. Komplett umarrangiert und kaum noch wiederzuerkennen. Ein Ausdruck der musikalischen Neuausrichtung von Nina Kinert. Vieleicht hatte sie einfach keine Lust mehr auf den trockenen Singer/Songwriter-Stoff ihrer Anfänge, ist ja schließlich auch noch ein junges Mädchen. Letzlich kann ich mit der "neuen" Nina auch ganz gut leben. Ein gefälliges Konzert.



Headliner war schließlich der Franzose David-Ivar (Yaya) Herman Dune, der sich in dieses schwedische Line-up eingeschlichen hatte. Immer wieder hat er in Interviews beteuert, daß er Franzose sei, weil er in Paris aufgewachsen und zur Schule gegangen und sein Vater Franzose ist. Heute aber erinnerte er sich wohl an seine schwedische Mutter und die war Anknüpfungspunkt genug, um an diesem skandinavischen Festival teilzunehmen. Nun ja, was soll man sagen, die Tennisspielerin Mary Pierce wuchs in Kanada, als Tochter eines Amerikaners auf und spielte Fed Cup für Frankreich, weil ihre Mutter Französin ist. Warum sollte dann ein Herman Dune nicht auch auf die Herkunft seiner Mutter abstellen dürfen, um beim AÄÖ teilzunehmen?

Wie auch immer, cool wie gewohnt war er, der Vollbartträger mit den witzigen und außergewöhnlichen Texten! 123 Apple Tree schmetterte er schon an zweiter Stelle, bevor er (höchstwahrscheinlich neues) Material hinterherschickte, daß ich nicht kannte. Stilistisch wechselte er von Freak Folk zu Blues Rock und Pop und varierte auch die Stimmungen der Songs. Manches klang beschwingt und sommerlich- fröhlich, anderes wiederum melancholisch und sehr herbstlich. Ab Lied drei stieß dann auch ein Drummer hinzu, es handelte sich aber nicht um den üblichen Schlagzeuger der Band. Auch das Konzert von Dune war nicht sehr lang und nach ungefähr 35 Minuten kündugte er mit A Year In Zion, dem Titeltrack des letzten Albums, schon das letzte Stück an.

Unter dem Strich ein passabler Abend, der aber kein Konzert abwarf, daß es in meine Jahres Top 20 schaffen könnte.

Aus unserem Archiv:

Nina Kinert, Paris, 25.09.09
Nina Kinert, Köln, 14.04.08
Herman Dune, Paris, 26.09.09
Herman Dune, Cergy Pontoise, 05.07.09
Herman Dune, Paris, 02.12.08
Herman Dune, Köln, 22.08.07
Herman Dune, Paris, 02.07.07





Dienstag, 16. November 2010

Konzertankündigung Nina Kinert

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Konzertankündigung Nina Kinert

Orte & Daten: siehe unten



Nina Kinert steht bislang immer noch ein wenig im Schatten ihrer bekannteren schwedischen Landsfrauen Anna Ternheim, Lykke Li oder Frida Hyvönen. Mit dem neuen Album Red Leader Dream und der dazu gehörigen Tour soll sich das nun ändern. Von ihren Folk - und Countryeinflüssen scheint sich die schöne Nina weit entfernt zu haben. Lässt man die neuen Stücke bei MySpace laufen, fühlt man sich nicht mehr an Dolly Parton, Mazzy Star oder Alela Diane, sondern vielmehr an Fever Ray, Lykke Li oder Wildbirds & Peacedrums erinnert. In Bälde wird man die Gelegenheit haben, live zu beurteilen, ob einem die "alte" oder die "neue" Nina besser gefällt.

Ausgewählte Konzerttermine Nina Kinert (ohne Gewähr):

19.11.2010: Patronaat (Small Hall): Haarlem, Holland
20.11.2010: Crossing Border, Den Haag
21.11.2010: Lux, Nijmegen
22.11.2010: Studio 672, Köln
23.11.2010: Prinzenbar, Hamburg
24.11.2010: Privatclub, Berlin
25.11.2010: 59:1, München
27.11.2010: Röda, Steyr, Österreich
28.11.2010: B72, Wien
30.11.2010: Papiersaal, Zürich
01.12.2010: Parterre, Basel
03.12.2010: Point Ephémère, Paris
05.12.2010: AB Club, Brüssel

Aus unserem Archiv:

Nina Kinert, Paris, 25.09.09
Nina Kinert, Köln, 14.04.08


Aufgepasst: Bei unseren Kollegen von Rote Raupe gibt es ein Gewinnspiel für Tickets. Beeilung ist angesagt. Klick!



Samstag, 26. September 2009

Nina Kinert, u.a., Paris, 25.09.09

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Konzert: Nina Kinert, Montys Loco, Titiyo

Ort: Le Point Ephémère
Datum: 25.09.2009
Zuschauer: mittlerer Andrang
Konzertdauer: pro Künstlerin etwa 40 Minuten



Schwedische Woche in Pariser Clubs. Das Point Ephémère und das Centre Culturel Suédois empfingen unter dem Slogan "Festival de musiques actuelles suédoises" die ganze Woche über Sängerinnen aus dem schönen skandinavischen Land. Bekannteste Musikerinnen waren hierbei Ane Brun (eigentlich Norwegerin, aber in Schweden lebend), die am Dienstag im Kulturinstitut spielte und die heute ins Rennen gehende Nina Kinert. Die anderen Damen, namens Rebekka Karijord, Jennie Abrahamson, oder Rosie Staf waren hingegen vorher nur intimen Kennern ein Begriff. Die zur Zeit erfolgreichste Schwedin, Anna Ternheim, nahm an diesem Festival übrigens nicht teil, ihr Auftritt diese Woche im Alhambra hatte mit der Veranstaltung nichts zu tun. Obwohl es doch eine Querverbindung gab: Annas brillianter Gitarrist Andreas agierte heute in der Band von Titiyo, der kleinen (allerdings sehr großgewachsenen ) Halb- Schwester von Nenneh Cherry.

Titiyo wurde als letzte Teilnehmerin des heutigen Tages aufs Parkett geschickt, vorher kamen erst einmal Montys Loco und Nina Kinert.

Montys Loco, nanu was ist das denn? Nun, hinter dem Pseudonym verbirgt sich sich eine blonde, kurzhaarige Schwedin namens Anja Bigrell, die zusammen mit der Gitarristin und Drummerin Marie Eklund die Band bildet. Die temperamentvollen Skandinavierinnen waren zusammen mit einem männlichen Begleitmusiker erschienen, der auf der rechten Bühnenseite einen heftigen Trommelwirbel inszenierte und auch ab und zu am Bass zupfte. Anja selbst spielte Keyboard und Tambourin und schrie sich die Seele aus dem Leib. Stilistisch erinnerte das Ganze an The Kills oder eine wütende Ausgabe von Björk. Nicht schlecht, aber auch nicht 100 % mein Geschmack. Die Beats waren allerdings treibend genug, um mich bei Laune zu halten und Anja Bigrell verfügt über ein sympathisches Wesen. Bester Track wsr für mich Ages Ago von dem Album Farewell Mr Happy.

Im Anschluß ging es mit Nina Kinert weiter, für die ich gekommen war. Die 24 jährige ist ein ganz fesches Fräulein, das sicherlich weiß, wie sie auf Männer wirkt. Sie scheint ein wenig damit zu spielen, denn die unglaublich langen, falschen Wimpern legt sie sicherlich nicht zufällig auf. Aber die Schwedin ist glücklicherweise kein gescheitertes Model, das versucht, singenderweise ins Rampenlicht zu kommen. Ihre Stimme ist dermaßen schön und betörend, daß die Musik auch auf mich wirken würde, wenn Nina wie eine Vogelscheuche aussähe. Überhaupt das Aussehen von Sängerinnen: überbewertet! Man (n) erfreut sich zwar gerne an einem attraktiven Äußeren, aber auch Damen, die von der Natur nicht ganz so begünstigt wurden, vermögen uns auf dem Konzerttagebuch zu begeistern. Wir sind schließlich auch Fans von Beth Ditto, den propperen Girls der Magic Numbers und der kräftigen Rose Kemp!

Nina Kinert war nicht alleine gekommen, an ihrer Seite hatte sie eine blonde Cellistin dabei, die sehr einfühlsam spielte und zu einem gelungenen Konzert wesentlich beitrug. Im Mittelpunkt stand aber natürlich immer Nina, die nicht auf den Mund gefallen war. Hinsichtlich ihres hübschen Liedes PetsFriends merkte sie an, daß es Zeitgenossen gäbe, die zweideutige Kommentare über den Titel vom Stapel lassen würden. Was für Strolche! Nina ist doch ein anständiges Mädel! Und ein talentiertes obendrein! Ich war hocherfreut, daß ihre Musik nach wie vor folkig und geerdet rüberkam und meine Befürchtungen, auf eine geglättete Popprinzessin zu treffen, unbegründet waren. Stimmlich erinnerte sie mich in einigen Momente gar an Alela Diane, manchmal aber auch an Dolly Parton, was überhaupt kein Fehler ist. Der schwedische Folk von Nina hat also eine stark amerikanisch angehauchte Klangfarbe, aber an der ein oder anderen Stelle kam dann doch der schwedische Pop zum Vorschein.

Besonders gut gefiel mir innerhalb des Sets Beast, welches Nina mit viel Sensibilität am Piano vortrug. Schwelgerischen Blickes wisperte sie gefühlvoll die Texte ins Rund und schien für ein paar Minuten entschwebt zu sein.

Die amüsanteste Szene ergab sich aber, als ein süßer kleiner Junge mit einem niedlichen weißen Mäntelchen auf die Bühne kletterte und zu Combat Lover mitklatschte- und tanzte. Da musste auch Nina schmunzeln und gerührt feststellen: "Oh, look, this is the cutest thing I've ever seen on stage!

Super, ein kleiner Junge hatte Nina die Show gestohlen, wenn das nicht charmant ist!

Titiyo fogt etwas später...


Setlist Nina Kinert, Point Ephémère, Paris

01: The Story Goes
02: Pets & Friends
03: The Art Is Hard
04: Original Sin
05: Love Affair
06: I Shot My Man
07: Beast
08: Combat Lover
09: Wings (neu)

Setlist Titiyo, Point Ephémère, Paris:

01: Stumble To Fall
02: Awakening
03: Drunken Gnome
04: If Only Your Bed Could Cry
05: Longing For Lullabies
06: Crystal Clear Mud
08: N.Y.

09: Come Along (Z)

Links:

Come Along, Videoclip der Hitsingle von Titiyo.

- Mehr Fotos von Nina Kinert hier
- Fotos von Montys Loco hier
- Fotos von Titiyo hier



Dienstag, 15. April 2008

Nina Kinert & Ane Brun. Köln, 14.04.08

11 Kommentare

Konzert: Nina Kinert & Ane Brun
Ort: Blue Shell, Köln
Datum: 14.04.08
Zuschauer: etwa 3/4 voll
Konzertdauer: Philipp Poisel 20 min., Nina Kinert 30 min., Ane Brun 70 min.


Auf diesen Abend hatte ich mich lange gefreut, denn bisher hatte ich keine Gelegenheit, die norwegische Sängerin Ane Brun einmal live zu erleben. Das Konzert war schon ewig vorher angekündigt worden, ich hatte also viel Zeit für Vorfreude. Gesteigert wurde diese durch Anes neue Platte "Changing of the seasons", die man in Schweden im März bestellen konnte.

Die Norwegerin lebt in Schweden und gehört zu der aufregenden Stockholmer Musikszene. Im Gegensatz zu der (auf diesem sehr sverigephilen Blog) naheliegenden Referenz Anna Ternheim, klingen Ane Bruns Lieder deutlich zerbrechlicher, auch wenn ich diese Journalistenfloskel eigentlich vermeiden wollte. Dabei liegen Anes Wurzeln in einer Gegend, wie sie in Köln erzählte, in der man rauhe, grobe Musik erwartete, ihr Vater stammt von einer Insel vor der Nordwestküste Norwegens, mitten im Atlantik.

Wie Ane diesen speziellen Sound live umsetzt, hatte mich besonders interessiert.

Im Blue Shell hatte ich bisher zwei Konzerte gesehen,
Jack Peñate und The Strange Death of Liberal England. Beide haben zwar musikalisch Spaß gemacht, wegen Hitze, Überfüllung (Jack Peñate) und nervig laut quatschendem Kneipenpublikum aber netto deutlich weniger Vergnügen bereitet.

Nicht lange nachdem ich angekommen war, stieg ein junger Mann mit Gitarre auf die Bühne und begann mit einem kurzen Set. So schüchtern wie der Sänger, wirkte seine Musik auch zunächst. Er stellte sich als Philipp Poisel aus Stuttgart vor und spielte richtig schöne Lieder nur mit seiner akustischen Gitarre. Bei einem der Stücke schlug er dann aber so kräftig auf die Gitarre, daß einem Angst und Bange wurde, daß gleich Saitenfetzen durch die Gegend flögen - das gefiel mir besonders. Die fünf (?) Lieder gefielen mir gut, es war eine schöne Einstimmung. Leider auch ein Vorgeschmack, wie unruhig es werden sollte, denn bei Philipp hörten zehn Leute zu, die restlichen da schon Anwesenden standen hinten und benahmen sich, wie man sich in einer Kneipe benimmt, vor allem so laut. Daß da auf der Bühne
eben kein Bon Jovi von Band lief, schien egal zu sein, man konnte ja dagegen anbrüllen.

Zwanzig Minuten später mußte zwar nicht viel umgebaut werden, Philipp Poisel hatte ja nur eine Gitarre gebraucht. Es sah aber trotzdem so aus, als würden noch Instrumente gestimmt, als plötzlich die Frau, die ganz hinten auf der Bühne das Keyboard "stimmte", anfing, ein Lied zu singen. Nina Kinert hatte ihr Set begonnen, vollkommen ohne große Show vorher. Zu ihr gehörten ein Schlagzeuger, ein Gitarrist und eine Kontrabaß-Spielerin. Die ersten beiden Lieder spielte Nina Kinert am Keyboard. "Golden rings" und "Art is hard" stammen, wie ich lernte, von ihrem bereits dritten Album "Pets & friends". Mir gefielen beide schon einmal ganz ausgezeichnet. Auch bevor die brünette Schwedin zum ersten (von mehreren) Malen auf den Merchandising Stand mit CD Verkauf hinwies, hatte ich schon entschieden, die aktuelle CD ganz dringend haben zu müssen. Solch entschiedene Plattenwerbung
hatte mich im Blue Shell schon einmal ganz mächtig aufgeregt, gestern überhaupt nicht, wer braucht schon Objektivität, wenn die Verkäuferin so charmant ist?

Ab dem dritten Lied "Love affair" spielte Nina dann Gitarre. Damit war sie jetzt auch nicht mehr im Hintergrund versteckt, so daß man ihr Bühnenoutfit erkennen konnte. Erst dachte ich, sie trüge ein schwarzen Kaputzen-Cape. Auch das erinnerte mich sehr wohlig an Anna Ternheim. Es war aber wohl ein Kurzmantel, hochgeschlossen und unten ballonartig. Die Brillanz der Musik war offensichtlicher. Ich hätte da noch stundenlang zuhören mögen. Ninas Kontrabassistin hatte zwischenzeitlich zum E-Bass gewechselt. Der Platz, den sie damit gemacht hatte, wurde vor dem fünften Lied von einem zweiten Schlagzeuger namens Christian eingenommen. "Combat Lover" hieß das und ist seitdem eines meiner Lieblingslieder. Das Stück ist auf Platte wundervoll, wie ich
nachher feststellte, live war das jedoch vollkommen irre. Das Lied hat einen treibenden Rhythmus, der durch die beiden Schlagzeuger fantastisch vorgetragen wurde. Dazu die Stimmen von Nina und der Bassistin, die perfekt harmonierten. Ein Traum!

Das Abschlußlied "I shot my man" stand dem in nichts nach. Hier spielte Christian dann Xylophon, was mir zu meinem Glück noch gefehlt hatte! Auch das war ein echtes Vergnügen für die Ohren, auch wenn das Blue Shell sicher nicht der perfekte Ort für Konzerte ist, bei denen der Klang eine zentrale Rolle spielt. Und auch, wenn es natürlich wieder extrem nach Kneipe klang, was an lautem Hintergrundgeräusch allgegenwärtig war. Warum zum Teufel gehen Leute zu einem Konzert, für das sie Eintritt bezahlen, wenn sie sich dann über den Slomka-Rausschmiß oder die neue Frisur von der Arbeitskollegin unterhalten? Nur, weil es da so schön warm ist? Ich würde das gerne verstehen. Es war ja nicht so, daß man nicht wußte, wer da auftritt, und der Eintritt 2 Euro kostete. Auch bei Ane Brun war es hinten ganz schrecklich laut. Ane und Anna Ternheim scheinen sich ja zu kennen, vielleicht sollte die Schwedin der Wahlstockholmerin einmal Tips geben, wie man einen Saal schnell ruhig bekommt, in Heidelberg hatte Anna Ternheim nämlich eine nervende Frau rausschmeißen lassen! Danach war Ruhe. Und die lärmenden Leute sollten vielleicht künftig lieber zu Adam Green gehen.

Jedenfalls war Nina Kinert für mich eine unglaubliche musikalische Bereicherung. Nicht für den Abend, insgesamt! Bei dieser halben Stunde Konzerterlebnis möchte ich es nicht belassen!

Setlist Nina Kinert, Blue Shell, Köln:

01: Golden rings
02: Art is hard
03: Love affairs
04: Pets & friends
05: Combat lover
06: I shot my man

Es dauerte wieder nicht lange, bis umgebaut war. Die Temperatur im Blue Shell war schon richtig mollig, der Raum vor der Bühne dicht gedrängt. Durch diese Menge
kämpfte sich dann eine nicht enden wollende Menge an Musikern, unfassbar. Auch Nina Kinert und ihre Bassistin gehörten dazu. Es bauten sich dann auf der Bühne ein Schlagzeuger mit langen blonden Haaren, die Bassistin (wieder mit der klassischen Version ihres Instruments), eine Violinistin, ein Gitarrist, ein Keyboarder, Nina Kinert als zweite Stimme und Ane Brun mit Gitarre auf. Erstaunlich, wie das auf der kleinen Bühne funktionierte, es tat es aber. Alle Musiker hatten ein Blütenblatt oder einen Seestern auf ihre Kleidung geklebt, auch Nina auf ihre Capejackensache. Darunter war es offenbar schrecklich heiß, sie zerrte einige Male gequält an dem nicht furchtbar atmungsaktiv aussehenden Stoff rum.

Es ist nicht überraschend, daß der Sound durch die vielen Instrumente eine herrliche Tiefe hatte. Ich kann mir Ane Brun zwar auch gut akustisch vorstellen, mit der Streichergruppe, den zusätzlichen Sängerinnen (und Sängern) und den anderen Instrumenten als Begleitung zur filigranen Stimme der Norwegerin, hatte das aber einen
ganz besonderen Reiz. Es war so herrlich orchestral. Wie schön könnte solch ein Konzert erst in einem akustisch besseren Saal sein?

Ane begann mit "Raise my head" von "Changing of the
seasons", dem neuen Album, das in Schweden auf Platz zwei der Charts eingestiegen ist. Von dieser Platte stammten die meisten der gespielten Lieder des Abends. Nur "Armour", das als Zugabe vorgesehen war, wurde nicht mehr gespielt, ansonsten das komplette Album. Die übrigen Lieder stammten alle von "A temporary dive", der zweiten Platte (von 2005).

Das Konzert war schlicht (und im wahrsten Sinne des
Wortes) traumhaft. Ane Bruns Lieder sind wunderschön. Ihre Stimme klingt manchmal ansatzweise nach Björk oder CocoRosie, ohne auch nur ansatzweise vergleichbar anstrengend zu sein. Es ist also Kunst, die man genießen kann und die man nicht der Kunst wegen ertragen muß.

Ganz besonders gut gefielen mir der Titelsong "The
changing of the seasons", "The treehouse song" oder "The fall" vom aktuellen Album und natürlich Songs wie "Rubber & soul" und "Balloon ranger" vom Vorgänger. Wobei es diesmal wirklich wenig sinnvoll ist, etwas hervorzuheben, weil das Konzert auf einem Niveau stattfand, es gab keine Lieder, die abfielen gegenüber anderen.

Leider mußte um elf Schluß sein (die Nachbarn vermutlich). Damit entfielen zwei der geplanten Zugaben. Aber das kann man ja nachholen...

Setlist Ane Brun, Blue Shell, Köln:


01: Raise my head
02: Round table conference
03: The puzzle
04: To let myself go
05: This voice
06: My star
07: Ten seconds
08: Lullaby for grown-ups
09: Changing of the seasons
10: Linger with pleasure
11: Balloon ranger
12: Gillian
13: The treehouse song
14: The fall
15: Don't leave

16: Rubber & soul (Z)
17: Song no. 6 (Z)

Links:

- mehr Fotos

Konzertgänger von Nina Kinert & Ane Brun könnten auch mögen:

- Anna Ternheim (mehrfach, in Paris, Köln, Heidelberg, Paris, Köln...)
- Cat Power in Paris
- CocoRosie (mehrfach in Paris)
- Get Cape. Wear Cape. Fly in Köln



 

Konzerttagebuch © 2010

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