Samstag, 4. Dezember 2010

Nina Kinert & Bye Bye Bicycle & Yaya Herman Dune,Paris,03.12.10


Konzert: Nina Kinert & Bye Bye Bicyicle & Yaya Herman Dune

Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 03.12.10
Zuschauer: ausverkauft (gut 300)
Konzertdauer: pro Künstler jeweils etwa 40 Minuten


Der so frostige Dezemberanfang 2010 ist in konzerttechnischer Hinsicht ziemlich heiß, zumindest in Paris. Nach wie vor gibt es in der französischen Metropole fast an jedem Tag 3 bis 4 interessante Konzerte in verschiedenen Locations. Heute spielten beispielsweise Best Coast im Nouveau Casino (ausverkauft), die Born Ruffians in der Maroquinerie (ausverkauft) und die Crystal Fighters in der Flèche d'or. Meine Wahl fiel aber auf den Konzertabend in Point Ephémère weil dort das Gesamtpaket (wie man neuerdings sagt) am besten war.

Zur heutigen Location hatte kürzlich ein Journalist in einem Printmaganzin (x-Roads) geschrieben, daß hier keine Band freiweilig spielen würde, gäbe es mehr Spielstätten in Paris und daß der Empfang hier besonders unfreundlich sei. Beim letzten Punkt hat der Schreiberling vielleicht gar nicht so Unrecht, denn ich bekam mit, wie ein mir bekannter Fotograf schroff abgewiesen wurde, weil man seinen Namen nicht auf der Liste fand. Zum Beweis für seine Akkreditierung zeigte er seine E-Mail vor, wurde aber trotzdem hingehalten und erst nach langen Diskussionen reingelassen. Leute, die keine Karte hatten, wies man recht unwirsch zurück, obwohl es normalerweise immer noch einen kleinen Restkartenverkauf an der Abendkasse gibt, auch wenn das Konzert ausverkauft ist...

Freundlicher als das Empfangspersonal zeigten sich die Schweden Bye By Bicycle, die den Konzertabend, der im Rahmen des rein schwedischen Festivals AÄÖ. stattfand, eröffneten. Sie lächelten häufig und waren ganz offensichtlich froh, in Paris die Songs ihres Debüt Albums Compass präsentieren zu können. Gespielt wurde waviger Pop mit starkem 80-er Jahre Parfum. Spätestens nach dem zweiten Lied wußte ich, daß das nix für mich war. Gezuckter Diskosound mit Bubblegum- Refrains ist nicht gerade meine bevorzugte Stilrichtung. Das Ganze klang oft wie The Cure oder The Smith light und kam noch nicht einmal annähernd an die beiden anderen aktuellen Klone dieser Kultbands, sprich die Shout Out Louds oder The Wild Nothing, ran. Ernüchterndes Fazit: Bye Bye Bicycle und ihr deprimierend fröhlicher Sound sind für die Tonne.



Dann machte sich die hübsche Nina Kinert bereit. Sie war nicht alleine gekommen, sondern hatte weibliche Verstärkung in Person der Basistin/Cellistin Linnea Olsson, der Gitarristin Sara Wilson und einem männlichen Drummer. Aus der ehemaligen/Folk/Countrysängerin im Stile von Dolly Parton oder Alela Diane ist inzwischen ein Popsternchen geworden, das musikalisch mit Fever Ray, Lykke Li, Bat For Lashes oder Wild Birds und Peacedrums zu vergleichen ist. Ihr neues Album Red Leader Dream hat mit dem Debüt Let There Be Love nicht mehr viel gemein. Statt traditionellen Folks gibt es nun modernen Pop, der ebenfalls von den 1980er Jahren infiziert ist. Play The World, Moonwalker (volles Rohr wie Fever Ray!) und der andere neue Titel gfielen mir aber dennoch gar nicht übel, weil die Band gut zusammenspielte und handwerkliches Können bewies. Zudem gibt es an der Stimme von Nina nicht viel rumzumäklen, sie ist fest, markant und erstaunlich wandlungsfähig. Nach wie vor gibt es Spurenelemente von Dolly Parton oder Alela Diane darin zu finden, aber auch eine kindlich-trotzige Note, die gut zu Erscheinung der Kinert passte. Das Set war kurz (maximal 7 Lieder), am Anfang von den neuen Stücken dominiert, gegen Ende aber mit zwei Klassikern aus ihrem Backkatalog aufwartend. Combat Lover schoß hierbei ganz klar den Vogel ab. Besonders die Gitarristin jagte mit ein paar shoegazigen Riffs den rhytmischen Titel in luftige Höhen, die zuvor nicht erreicht worden waren. I Shot My Man zum Abschluß kam in völlig neuem Gewande daher. Komplett umarrangiert und kaum noch wiederzuerkennen. Ein Ausdruck der musikalischen Neuausrichtung von Nina Kinert. Vieleicht hatte sie einfach keine Lust mehr auf den trockenen Singer/Songwriter-Stoff ihrer Anfänge, ist ja schließlich auch noch ein junges Mädchen. Letzlich kann ich mit der "neuen" Nina auch ganz gut leben. Ein gefälliges Konzert.



Headliner war schließlich der Franzose David-Ivar (Yaya) Herman Dune, der sich in dieses schwedische Line-up eingeschlichen hatte. Immer wieder hat er in Interviews beteuert, daß er Franzose sei, weil er in Paris aufgewachsen und zur Schule gegangen und sein Vater Franzose ist. Heute aber erinnerte er sich wohl an seine schwedische Mutter und die war Anknüpfungspunkt genug, um an diesem skandinavischen Festival teilzunehmen. Nun ja, was soll man sagen, die Tennisspielerin Mary Pierce wuchs in Kanada, als Tochter eines Amerikaners auf und spielte Fed Cup für Frankreich, weil ihre Mutter Französin ist. Warum sollte dann ein Herman Dune nicht auch auf die Herkunft seiner Mutter abstellen dürfen, um beim AÄÖ teilzunehmen?

Wie auch immer, cool wie gewohnt war er, der Vollbartträger mit den witzigen und außergewöhnlichen Texten! 123 Apple Tree schmetterte er schon an zweiter Stelle, bevor er (höchstwahrscheinlich neues) Material hinterherschickte, daß ich nicht kannte. Stilistisch wechselte er von Freak Folk zu Blues Rock und Pop und varierte auch die Stimmungen der Songs. Manches klang beschwingt und sommerlich- fröhlich, anderes wiederum melancholisch und sehr herbstlich. Ab Lied drei stieß dann auch ein Drummer hinzu, es handelte sich aber nicht um den üblichen Schlagzeuger der Band. Auch das Konzert von Dune war nicht sehr lang und nach ungefähr 35 Minuten kündugte er mit A Year In Zion, dem Titeltrack des letzten Albums, schon das letzte Stück an.

Unter dem Strich ein passabler Abend, der aber kein Konzert abwarf, daß es in meine Jahres Top 20 schaffen könnte.

Aus unserem Archiv:

Nina Kinert, Paris, 25.09.09
Nina Kinert, Köln, 14.04.08
Herman Dune, Paris, 26.09.09
Herman Dune, Cergy Pontoise, 05.07.09
Herman Dune, Paris, 02.12.08
Herman Dune, Köln, 22.08.07
Herman Dune, Paris, 02.07.07





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