Posts mit dem Label The Low Anthem werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label The Low Anthem werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 22. März 2011

The Low Anthem, Köln, 20.03.11

2 Kommentare

Konzert: The Low Anthem

Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 23.03.2011
Zuschauer: gut gefüllt, aber nicht eng, so ca. 300
Konzertdauer: 90 Minuten (30 Minuten The Head And The Heart)


Erst kürzlich habe ich zum Ausdruck gebracht, daß wir uns über Gastartikel, vor allem auch unaufgefordert zugesendete, sehr freuen. Nun überbringt uns der gute Uwe seine Eindrücke vom Konzert von The Low Anthem in Köln. Wir bedanken uns vielmals!

Konzertbericht von Uwe:

Nach dem Überkonzert im letzten Jahr war meine Erwartungshaltung natürlich - trotz aller Versuche den Ball flach zu halten - gigantisch groß. Aber das sind Low Anthem eben auch. Zwar konnten sie den Eindruck des letzten jahres diesmal nicht toppen, aber sie kamen schon ganz nah dran. Alles was man kennt und liebt war wieder da, Instrumente sogar noch mehr als beim letzten mal (wenn die so weiter machen enden sie als herumziehendes Instrumentenantiquariat). Einstieg wieder im Kreis ums Mikro mit "Ghost Woman Blues", aber schon recht früh wurde der Set gut durchmischt mit altem Material und Coverstücken. Und dazwischen alle Hits vom donnernden "Home I'll Never Be" bis zum hymnischen "This God Damn House" und wieder zurück zu "Boeing 737". Der Handytrick mutiert so langsam zum Rocky Horror Picture Kult, mittlerweile gibt es etliche die beim fröhlichen Rückkoppeln mitmachen. So richtig fest nach Setlist geht es nicht, besonders gegen Ende wurde das nächste Stück spontan ausdiskutiert. Sehr schön zum Schluss als alle schon ums Mikro standen und anfangen wollten, dann der Zwischenruf "Song Bird", Gelächter der Band. Nächster Zwischenruf "Ticket Taker". Ok, alle wieder weg, Instrumente wechseln und los, you get what you ask for.

Das Publikum war mehr als begeistert, donnernder Applaus und andächtige Stille wechselten sich ab. Zur Zugabe dann die Titelstücke der Alben hintereinander, zuerst "Smart Flesh" und danach "Charlie Darwin". Und dann war leider Schluss, der anhaltende Applaus wurde nach einigen Minuten mit Licht und Musik abgewürgt. Eine Band für die Ewigkeit - wie hat es ein Freund mal gesagt (bei einer anderen Band): Denen würde ich auch stundenlang beim Stimmen zuhören.

Etwas milde Kritik: Jeff klebte im ersten Teil des Sets hinterm Schlagzeug und kam erst sehr spät aus der Ecke zum Kontrabass. Ben spielt kein Schlagzeug mehr, vielleicht wollen sie dem kreativen Chaos langsam etwas gegensteuern (wobei Jocie und Matt das wohl verhindern werden). Sehr wenig Crotales (dafür jetzt auch Hackbrett). Nicht besonders toll abgemischter E-Bass. Aber: Das ist Jammern auf äußerst hohem Niveau!

Die Vorband (The Head And The Heart): Erstes Konzert auf der Tour mit LA, erstes Konzert in Europa, hypernervös. Aber ganz schön, kam nicht so toll wie Brown Bird letztes Jahr, könnte aber noch was werden. Folk-Pop, hat mich stellenweise etwas an die seligen Dexys erinnert (wohl wegen der Geige). Leider ist der Schlagzeuger (optisch 1a Muppet Show) eindeutig zu laut und ballert oft die akustischen Instrumente zu. Und mit Flummi-Sängerin/Geigerin.

Aus unserem Archiv:

The Low Anthem, Wien, 18.08.10
The Low Anthem, Ottersum, 05.02.10
The Low Anthem, Paris, 26.09.09
The Low Anthem, München, 15.09.09

Anmerkung: die tollen Fotos stammen von Robert Loerzel, Chicago, und sind urherberrechtlich geschützt.



The Low Anthem & Woods, Paris, 18.03.11

1 Kommentare

Concert: The Low Anthem & Woods

Lieu: Café de la Danse, Paris,
Date: 18.03.2011
Spectateurs: à peine 2/3 de la salle
Durée: Woods 45 minutes, The Low Anthem 1 h 15


Chronique par Laurent (merci beaucoup, Laurent!)

Inaccesible Low Anthem?

C'est un peu l'impression que j'ai de ce groupe après le concert. Au bout de trois chansons seulement, je réalise que le moment est exceptionnel tant la musique est belle, juste dans l'interprétation et intense. Pourtant le public (pour une partie seulement) ne semble pas adhérer: pas mal de gens discutent, se baladent ou quittent le concert en cours. Le reproche que j'ai lu plus tard dans des compte-rendus est l'ennui. Le nouvel album, que je découvre en direct est certe lent mais tout y est parfait, il est encore meilleur que les précédents. Des morceaux comme A Matter Of Time ou Love And Altar sont déja des classiques.

Low Anthem sont 4: Ben Knox Miller, sans moustache cette fois, au chant, guitare, banjo, harmonium et Jeff Prystowsky, avec moustache, à la contrebasse, batterie sont les 2 membres originels. Jocie Adams à la clarinette, trompette, harmonium et autres instruments les complête ainsi que Mat Davidson, souvent à la basse mais aussi au violon, clarinette. Dans ce groupe, il semble fondamental de maitriser au moins 5 instruments en plus de pouvoir assurer les choeurs. La configuration sur scène varie entre des chansons où tout le groupe est rassemblé autour du même micro (par exemple sur le morceau final To Ohio) et des chansons où classiquement l'ensemble de la scène est utilisé. Ben parle souvent entre les morceaux pour les introduire, demande à un moment si le public comprend ce qu'il dit, étonné de son manque de réaction à ses propos- qui parfois peuvent déconcerter comme lorsqu'il constate que les femmes ne sentent plus comme avant. Au final un concert magnifique (pour ceux qui sont restés!) avec plus de morceaux lents que enlevés, mais qui donnaient beaucoup plus d'ampleur aux orchestrations, les respirations des chansons étant utilisées par des parties instrumentales transcendant l'ensemble. En première partie a joué le groupe Woods, apparemment plus connu que Low Anthems aux USA. Ils jouent un rock psychédélique avec un chant en falsetto et effets de réverbération appuyés. 3 personnes sont sur scène: le chanteur, Jeremy Earl, joue de la guitare acoustique, un deuxième guitariste en électrique et enfin assis devant une table de pédales d'effets: Lucas Crane. Le style évoque parfois Galaxie 500, et la voix de Jeremy est proche de celle de Patrick Watson sur certaines chansons. Mais ils n'imitent personne et les morceaux sont bons. Entre autres j'apprecie les versions live de Rain On et de Blood Dries Darker.

Setlist Low Anthem, Le Café de la Danse, Paris

01 Ghost Woman blues
02 To The Ghosts Who Write History Books
03 Sally Where'd You Get Your Liquor From
04 Burn
05 Hey, All You Hippies
06 Unknown ("about women of the world, they don't smell as they used to")
07 Home I'll Never Be
08 This God Damn House
09 A Matter Of Time
10 Love And Altar
11 Apothecary Love
12 Boeing 737
13 Charlie Darwin

14 Smart Flesh

15 To Ohio


Aus unserem Archiv:

The Low Anthem, Köln, 20.03.11
The Low Anthem, Wien, 18.08.10
The Low Anthem, Ottersum, 05.02.10
The Low Anthem, Paris, 26.09.09
The Low Anthem, München, 15.09.09




Freitag, 20. August 2010

The National u.a., Wien, 18.08.10

2 Kommentare

Konzert: The National (+ Kissaway Trail, Fanfarlo, The Low Anthem)
Ort: Arena Open Air, Wien
Datum: 18.08.2010
Zuschauer: ausverkauft – ca. 3000
Konzertdauer: The National 100 Min., die anderen Bands jeweils etwa 30-40 Min.


von Julius aus Wien

Wochen, Monate hatte ich mich auf das Konzert von The National in der Arena gefreut. Ein tolles neues Album, die vorangegangenen, ebenfalls lieb gewonnenen Alben und gleich drei erstklassige Support-Bands – die Vorfreude kam nicht von irgendwo her. Einziger Wermutstropfen schien der Ort zu werden. Als solcher war nämlich die große Halle der Arena auserkoren, ein ebenso alter wie hässlicher Ziegelbau.

Als die Schlange gegen fünf Uhr – Beginn war für sechs angesetzt – allmählich länger wurde, hörte man auf einmal den Soundcheck von Kissaway Trail. Und zwar so laut, dass einfach nur das Open Air-Gelände in Frage kam. Der gerade aufkommende leichte Niesel-Regen tat meiner Freude darüber keinen Abbruch. Es besteht einfach kein Vergleich zwischen dem Ostblock-Charme (indoor) und dem gemütlichen Park-Flair (outdoor), wenn auch keine zehn Meter voneinander getrennt.

Kissaway Trail, die pünktlich um sechs begannen, mussten dafür mit den weniger angenehmen Seiten des Geländes kämpfen. Durch dessen Größe nämlich nahm sich das bereits anwesende Publikum verschwindend gering aus. Stimmung wollte auch nicht so recht aufkommen. Kissaway Trail dürften das kennen. Als sie vor zwei Jahren für Sigur Rós um etwa dieselbe Uhrzeit auf der selben Bühne eröffnen durften, waren ähnlich wenige Besucher da. Unverdrossen spielten sie ihr Set, hauptsächlich von Sleep Mountain-Songs bestritten, um dann plötzlich anzukündigen, dass sie einen ihrer absoluten Lieblinssong darbieten würden. Durch das charakteristische „uh-uh“ am Anfang war auch sofort klar, was hier gespielt wurde. Sofort stieg auch die Mitmach-Bereitschaft vor der Bühne. Interessant der Gesang von Thomas Fagerlund bei diesem Klassiker. Weiß er, wessen Song er hier covert? Vermutlich schon, das stimmliche Ergebnis war dann aber wesentlich näher bei Placebos Brian Molko als bei Black Francis. Und das Placebo-Cover ist ja auch in der Tat ein sehr gelungenes, wieso also nicht nachahmen?

Mit einem eigenen Song, SDP, und unter diesmal mehr als höflichem Beifall schlossen die Dänen ihren Auftritt ab. Mein zweites Konzert von ihnen, leider bis jetzt nur auf Support-Slots. Auf den großen Moment mit Kissaway Trail warte ich noch. Vielleicht stellt sich dieser nur bei annähernder Dunkelheit ein...

Mit den Londonern Fanfarlo habe ich da schon mehr Erfahrung. Das melodiös-fröhliche Folk-Indie-Zwischending, das von unzähligen Instrumenten und den dazugehörigen Spielern schwungvoll umgesetzt wird, harmonierte aber ebenfalls nicht wirklich mit den Rahmenbedingungen. Nett anzusehen, teilweise recht kurzweilig und gut aufgelegt schafften sie es aber nicht, bei der großen Besuchermasse wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Erwähnenswert vielleicht noch die Tatsache, dass Sängerin Cathy Lucas es sich nicht nehmen hat lassen, ihre lange Hose, die sie während des Auftritts von Kissaway Trail getragen hatte, gegen ultrakurze Shorts zu tauschen. Was sie damit bezwecken wollte weiß ich nicht :)

Das Konzept, einen ganzen Haufen Vorbands mitzunehmen war dennoch ein sehr begrüßenswertes, kann man doch auch mit handwerklich tollen Auftritten, die halt etwas unglücklich verlaufen, sehr gut leben.

The Low Anthem nahmen die Geschwindigkeit, die Fanfarlo aufgebracht hatten, wieder aus dem Spiel. Und das angenehm unspektakuläre Auftreten der Oststaatler kam auch gut an. Dieser Flüstergesang, einzigartig instrumentiert gefiel auch mir, wenn ich The Low Anthem doch sonst nicht wirklich höre. Mit Charlie Darwin endete das Set, die Bühne war frei für die Band, auf die Wien seit drei Jahre gewartet hat. Eine recht kurze Umbauphase war noch zu überstehen, wohliges Kribbeln stellt sich ein.

Und dann kamen The National.

Spannung lag in der Luft, die kühl, ein bisschen regengeschwängert war, vor allem aber erwartungsvoll.

„We expected something, something better than before. We expected something more.” Die Erwartungen waren groß, man erwartete mehr als (je) zuvor. Waren sich The National dieser Erwartungen bewusst? Jedenfalls eröffneten sie mit dem wunderbaren Start A War, das ironischerweise mit der eben zitierten Zeile beginnt. Falls Hintergedanken dabei im Spiel waren, kann man von einem gelungenen Kunstgriff sprechen. Der Einstieg war so oder so erfolgreich. Mit den Stücken von Boxer ließ sich noch jeder Fan begeistern.

Der neueste Wurf nennt sich High Violet, dessen Release es mit ausgiebiger Tour zu feiern gilt. Und so verzeichnete man mit Anyone’s Ghost den ersten neuen Song, unmittelbar gefolgt von der ersten Single, Bloodbuzz Ohio. Beide zeichnen sich durch Dynamik und den erfolgreich beschrittenen schmalen Grat zwischen Melancholie und Pathos aus.

War der Auftritt bis jetzt von einer sehr guten Stimmung begleitet, steigerte sich die Laune mit den ersten Tönen von Mistaken For Strangers nochmals gewaltig. Matt Berninger quittierte die Begeisterung mit autistisch anmutenden Kreisbahnen, die er in der Lücke zwischen Schlagzeug und den Gitarristen-Zwillingen Dessner zog. Nicht das einzige, was mich an ihm an den weirden Thom Yorke erinnerte…

Es war aber nicht so, dass Berninger mit Ablehnung auf den Applaus reagierte, seine verrückten Tänze gehören wohl einfach dazu.

Einer der Dessners, an diesem Abend rechts postiert, tat dann kund, wie schön die Band das Areal denn fände. „Usually we play in small clubs underneath the train, like Chelsea or B72. We like those places too, but we really like it here. Next time in Vienna, we’ll come back here.”

So wie es angefangen hatte, ging es auch weiter – nämlich mit einer ausgewogenen Mischung alter, neuer und ganz alter Songs. Available mit einem Outro aus Cardinal Song wurde als “old song” angekündigt. „You may not recognize it, but, well … it’s loud. And it’s angry.”

Wunderschön einfühlsam wurde Little Faith dargeboten, in dem unter anderem von Priestern und Nonnen die Rede ist.

Ein in die Höhe gehaltenes Transparent im Publikum betrachtete Berninger einige Momente, um dann Hoffnungen zu enttäuschen: „We can’t play this song. Physically we can’t.“

Diese Rechnung hatte er aber ohne die beiden Dessners an den Flanken gemacht. Den ersten, der ihn drauf hinwies, dass nur er, Berninger, den Song nicht spielen wolle und zwar nicht physically sondern aus psychischen Gründen, parierte er, das Gehirn hätte ja auch mit dem Körper zu tun, er könne ihn also wirklich physisch nicht spielen. Beim zweiten Angriff war er dann machtlos. Denn der zweite Dessner sagte nur knapp: „This is for you.“ Und schon schrammelte er auf seiner Gitarre Conversation 16 los.

Traumhafte Momente stellte sich dann noch bei Apartment Story und vor allem bei Fake Empire (dem vielleicht populärsten National-Song?) ein. Lag in den Minuten vor dem Auftritt eine gewaltige Spannung in der Luft, so war diese nun voll Euphorie und Freude mit, über und von dieser Band.

Den nach Fake Empire aufbrandenen Beifall nutzten The National, um den Rückzug anzutreten. Dieser sollte jedoch nicht lange währen, nach mehrmaligen Sprechchören waren die Herren aus Ohio wieder back on stage.

Runaway und Boxers Slow Show waren schon grandiose Zugaben, als Matt Berninger bei Mr. November einen seiner legendären Ausraster kriegte, Equipment umwarf und mit dem Mikro die Galerie des Zuschauerraums erklomm. Von dort aus arbeitete (ich würde ja fast sagen ‚wütete’, aber das klingt dann doch zu destruktiv) er sich durch das ganze Gelände. Einer zum Anfassen, einer zum Liebhaben. Ein Berninger, den man so irgendwie gar nicht kennt. Sein Ausflug geriet zum Triumphzug, die wenigen, die The National davor noch nicht ins Herz geschlossen hatten, bekamen einen guten Grund, dies schleunigst zu ändern. Ein Besucher, der vor mir stand und schon während des ganzen Konzerts in eine Art Trance verfallen war, völlig vereint mit der Musik, wurde auf einmal lebhaft und umarmte Berninger. Um Sekunden später wieder in seine Trance zurückzufallen – diesmal mit einem unfassbar glückseligen Gesichtsausdruck.

Erschöpft kämpfte sich Berninger dann auf die Bühne zurück, um mit einem Puls etwa um120 Terrible Love zu keuchen.

Was für ein schöner Schlusspunkt eines einzigartigen Konzerts. Eine Band, die sich zwischen Distanz und völliger Nähe bewegt, keinerlei Zweifel an ihrem Talent lässt und sich völlig hingibt, ohne sich dabei zur Schau zu stellen.

Wollten The National eine große Band sein, wären sie es schon längst. Die Arenen wären größer, die Einnahmen ebenso. Aber The National wären nicht mehr The National.

Um aus Anyone’s Ghost zu klauen: „I don’t want anybody else.“

Wir wollen The National wie sie sind. Authentisch und herzerwärmend. Und kathartisch.

[Die großartigen Fotos stammen von Jiamin Xu, vielen Dank! Hier sind noch einige!]

Setlist The National, Arena Open-Air, Wien:

01: Start A War
02: Anyone's Ghost
03: Bloodbuzz Ohio
04: Mistaken For Strangers
05: Secret Meeting
06: Squalor Victoria
07: Afraid Of Everyone
08: Available/Cardinal Song
09: Little Faith
10: Conversation 16
11: Apartment Story
12: Sorrow
13: Abel
14: England
15: Fake Empire

16: Runaway (Z)
17: Slow Show (Z)
18: Mr. November (Z)
19: Terrible Love (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:

- The National, Haldern-Festival, 14.08.10
- The National, Latitude Festival, 16.07.10
- The National (mit Pavement), Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

- The Kissaway Trail, Montreux, 16.07.08
- The Kissaway Trail, London, 17.06.07

- The Low Anthem, Ottersum, 05.02.10
- The Low Anthem, Paris, 26.09.09
- The Low Anthem, München, 15.09.09

- Fanfarlo, Haldern, 14.08.10 (folgt)
- Fanfarlo, Paris, 14.05.10
- Fanfarlo, Paris, 08.03.10
- Fanfarlo, Köln, 24.01.10
- Fanfarlo, Paris, 21.01.10
- Fanfarlo, Paris, 13.06.08



Montag, 8. Februar 2010

The Low Anthem, Ottersum, 05.02.10

0 Kommentare

Konzert: The Low Anthem
Ort: Cultureel Podium Roepaen, Ottersum, Niederlande
Datum: 05.02.2010
Zuschauer: 350



Uwe aus Aachen hat uns liebenswürdigerweise unaufgefordert einen Konzertbericht von The Low Anthem zugesendet. Prima Initiative, vielen herzlichen Dank!


JAHRHUNDERTKONZERT - 15 von 10 möglichen Punkten - MINDESTENS

Low Anthem in der Kirche, Kirche=Hall, aber hier absolut passend. Der Soundmann hat einen unglaublich guten Job hingelegt, jedes Instrument deutlich im Mix zu hören, und das bei dem Wahnsinnsakustikundelektrischmischmasch in einer halligen Umgebung - Respekt. Und nach dem dritten oder vierten Stück (Charlie Darwin) lagen ihnen 350 Zuhörer weinend zu Füßen und hätten alles für jedes auch noch so kleine Fitzelchen Musik getan.

Und was wir alles bekamen! Mal eben ein Stück für Gitarre, Kontrabass, Säge und Crotales? Bitte sehr. Oder doch lieber 2 mal Pump Organ, Klarinette und Bass?
Warum nicht. Lieber Horn, 2 Klarinetten, Pump Organ und 2 Handys? Klar! (Ich hab jetzt endlich rausgefunden, wie der spacige Soundeffekt am Ende von God Damn House fabriziert wird. Ben ruft von einem Handy ein anderes an, stellt beide auf laut und schon hat man die herrlichsten Rückkopplungen - dann noch leise reinpfeifen, fertig) Jetzt vielleicht was Erdiges? Klassiker? Gut, also Schlagzeug, E-Gitarre, E-Bass und Pump Organ und mächtig Haudrauf - dabei dann noch auf der (!) Orgel ein jazziges Solo das man tatsächlich hört. Zu fetzig? Na gut, dann sofort danach alle im Halbkreis um ein einziges Mikro, 4-stimmiger Gesang, etwas Klarinette, leise gezupfte Gitarre, sparsamer Bass - fast so intim wie bei einem Hauskonzert. Noch nicht genug? Ok, dann kommen noch die 3 Leute der Vorgruppe (Brown Bird, auch absolut empfehlenswert aber DAGEGEN chancenlos) in den Kreis, 7-stimmiger Gesang, etwas Dobro dazu und noch ein Geigensolo - geht alles. Und passt alles. Allerfeinste Musik, das man so etwas erleben darf, großen dicken Dank an alle Beteiligten.

Zum Schluss standing ovations (im wahrsten Sinne des Wortes, alle sind aufgestanden). Im August dann beim Haldernpop, nächstes Jahr in den großen Hallen - sie haben es verdient, aber egoistischerweise würde ich sie gerne noch mal in einem solchen Rahmen wie heute erleben.

Setlist The Low Anthem, Cultureel Podium Roepane, Ottersum: (danke erneut an Uwe!)

01: To The Ghost Who Write History Books
02: Apothecary
03: Ticket Taker
04: Charlie Darwin
05: new song
06: Sally Where'd You Get Your Liquor From
07: Don't Let Nobody Turn You Round
08: This God Damn House
09: Home I'll Never Be
10: Cigarettes & Whiskey
11: Ghost Woman Blues
12: Evangeline
13: Cage The Songbird
14: To Ohio
15: Senorita
16: The Horizon Is A Beltway

17: Moonshiner
18: Dreams Can't Chase You Down

- Fotos stammen vom Pariser Konzert von The Low Anthem von Oliver Peel.



Sonntag, 27. September 2009

Herman Dune & Yeti Lane & Kim & The Low Anthem, Paris, 26.09.09

1 Kommentare

Konzert: Herman Dune & Yeti Lane & Kim & The Low Anthem

Ort: la Maroquinerie, Paris
Datum: 26.07.2009
Zuschauer: es war voll, aber nicht ausverkauft

Konzertdauer: jeweils 35-40 Minuten



Ein gutsortierter Plattenladen in Paris feiert fünfjährigen Geburtstag und wir sind natürlich dabei! Ground Zero, so wie das Loch im Herzen von New York, nennt sich der Shop, der von Franck Pompidor, dem Schlagzeuger der HushPuppies (Foto rechts) , mit viel Engagement betrieben wird. Der Name ist gut gewählt, bedenkt man, daß das Geschäft zu einem Zeitpunkt eröffnet wurde, wo der physische CD Umsatz stark eingebrochen ist. Dennoch hat es Franck (er wäre fast Profifußballer geworden, Vorbild: Alain Giresse) zusammen mit seiner tüchtigen Angestellten geschafft, sich eine Stammkundschaft aufzubauen und Indiemusikfans eine hervorragende Auswahl anzubieten. Er verteidigt nicht nur die besten internationalen Acts, sondern hat logischerweise auch viele Franzosen im Programm. Oft findet man bei Ground Zero CDs und Schallplatten, die es nirgendwo anders zu erstehen gibt. Das liegt zum Teil daran, daß er auch Werke von Künstlern verkauft, die per Selfrelease veröffentlichen, zum andern aber auch, daß er oft streng limitierte Sachen anbieten kann.

Besonders toll sind die Akustiksessions, die Franck in unregelmäßigen Abständen im urigen Gewölbekeller seines Ladens ausrichtet. Ich selbst kam auf diese Weise in den Genuß des hochcharmanten Konzertes von This Is The Kit und ihrer englischen Freundin Rachael Dadd und auch Peter von Poehl und Herman Dune haben schon im Ground Zero musiziert. Die Verbindung zur Familie Dune ist ohnehin sehr stark, denn niemand kann sich rühmen, mehr CDs von André Herman Dune, inzwischen unter dem Namen Stanley Brinks bekannt, im Angebot zu haben. Sie lagern in einem Pappkarton gleich an der Kasse und es gibt bestimmt 20 Stück davon!

Jaja, die Dunes sind Vielschreiber, es gibt Leute die behaupten, die Kerle würden jeden Tag ein neues Lied schreiben. Wahrscheinlich ist das gar nicht übertrieben, denn der umfangreiche Musikkatalog der Franzosen mit schwedischen Wurzeln wird ständig erweitert. Kein Wunder also, daß David-Ivar (Yaya) Herman Dune heute beim Konzert in der Maroquinerie keinen einzigen alten Song (oder doch es gab ganz genau einen. Aber wie hieß er?) spielte, sondern ausschließlich neues Material präsentierte. Ohne Band und Ukulele kam der kauzige Künstler angeschlurft und trug auf seiner Gitarre Stücke vor, die wohl zumindest zum Teil auf einem neuen Album erscheinen werden. Statt seines obligatorischen Hütchens trug er ein blaues Baseball Käppchen und auch der Bart und die Haare waren relativ kurz gehalten. Unprätentiös und natürlich sein Auftreten, in keiner Sekunde ließ er raushängen, daß er nicht nur in Frankreich große Erfolge hat - eine ausverkaufte Kultlocation wie das Olympia sprechen hierfür Bände, sondern auch international bekannt ist. Er ist also sprichwörtlich auf dem Teppich geblieben, obwohl er zur Betonung seiner mit Inbrunst vorgetragenen Lieder oft auf die Zehenspitzen ging und so noch ein paar Zentimeter größer zu schien, als ohnehin schon. Äuffälig war wie feingliedrig sein Gitarrespiel war. Mit seinen langen Fingern zupfte er ganz ohne Aufwand hübsche kleine Melodien aus der Klampfe heraus, die immer zwischen Euphorie und Melancholie hin- und her tänzelten. Zu der Musik von Herman Dune kann man lachen oder weinen, je nachdem in welcher Verfassung man gerade ist und die Stücke interpretiert. Witzig sind die oft ironischen und ungewöhnlichen Texte allemal, da wundert man sich, was Yaya so alles durch den behüteten Kopf schießt!(einmal rief er textlich mehrfach aus: "I was drunk, but not from the wine!") Der Kerl hat Komikertalente, keine Frage und zum Entertainer taugt er auch, obwohl er eigentlich keine großen Ansprachen hält. Er sagt es halt eben alles in seinen Liedern. Als schließlich noch sein Saxofon spielender Musikerkollege Q hinzukam, wurde es besonders komisch, denn der bärtige Glatzkopf hatte die Angewohnheit, beim Spielen ein Beinchen zu heben, wie ein Hündchen, das pinkeln muss. Die beiden nebeneinander, ein Bild für die Götter!

Bleibt abzuwarten, wie das neue Material schließlich klingen wird, wenn es mit der Band performt wird. Ich bin gespannt!

Nach kurzer Pause ging es mit dem einzigen nichtfranzösischen Act des heutigen abends weiter. Ob es eine konkrete Beziehung zwischen dem Ground Zero Plattenladen und The Low Anthem aus Providence, Rhode Island, gibt, entzieht sich meiner Kenntnis, Fakt ist aber, daß man mit den Amis ein Glückslos gezogen hatte! Sie bereicherten den ohnehin schon hochklassigen Abend ungemein. Eine feine Sache, wenn man bedenkt, daß die Karten für diese Veranstaltung überschaubare 13 Euro gekostet haben und daß man dafür über 3 1/2 Stunden Musikgenuß bekam. Und ein Genuß war es in der Tat, The Low Anthem zuzuhören! Teilweise bereits als die neuen Fleet Foxes etikettiert, zeigten die drei Musiker, daß sie stilistisch breitgefächert und eigenständig sind und ihr Repertoire sowohl sehr leisen und intimen Folk als auch stampfenden Bluesrock umfasst. Der erste Song erinnerte mich an Simon & Garfunkel, der zweite wiederum an Bon Iver. Welch betörendes Falsett bei diesem traumhaft schönen Lied namens Charlie Darwin! Ben Knox Miller schaffte es, mich emotional so stark zu berühren, wie es in letzter Zeit nur Justin "Bon Iver" Vernon vermochte. Ich fühlte mich wie in Watte gepackt und störte mich auch nicht mehr weiter daran, daß das Publikum wieder einmal auf dem Fußboden rumsaß, was ich nicht ausstehen kann. Mir schlafen davon nämlich die Füße ein und nach eingeschlafenen Füßen klangen The Low Anthem wahrlich nicht! Als sie mit Home I'll Never Be einen von Tom Waits inspirierten Blues-Stampfer abfeuerten, merkte man, daß sie auch rocken können. Aufstehen und im Takt mitwippen, wäre insofern die probate Antwort der Meute gewesen, aber die Leute blieben am Boden kleben. Mehr Bewegung gab es auf der Bühne, da wurden nämlich munter die Instrumente gewechselt. Die talentierte Jocie Adams fing zunächst am Schlagzeug an, spielte dann aber auch Gitarre, Klarinette und Crotales. Crotales, was iss'n das? Nun, das wußte ich vorher auch nicht, ich hielt das Instrument, daß Jocie mit einem Geigenbogen von unten nach oben strich, für ein Vibraphon, lag damit aber falsch. Ben Know Miller wiederum performte an der Akustikgitarre, spielte auch jeweils einmal Orgel und Horn und blies auch desöfteren in eine Mundharmonika. Jeff Prystowsky schließlich zupfte den riesigen Kontrabass und klimperte ab und an auf der Orgel.

3 Multitalente also, die mit Ticket Taker und To Ohio auch noch zwei formidable Lieder (und ich zitiere jetzt nur Beispiele, Ausfälle gab es nämlich keine) auf Lager hatten. Die muss man genau im Auge behalten, eine klasse Band!

Als dritter Starter wurde im Anschluß der aus Bordeaux stammende Franzose Kim ins Rennen geschickt. Ich hatte den Burschen mit der Prinz Eisenherz Frisur bereits einmal vor ein paar Monaten in einem Pariser Privatclub gesehen und er hatte mir recht gut gefallen. Sein Konzert wurde aber damals von einer laut plappernden Beth Ditto gestört, die im Baron zusammen mit ihrer Band Gossip eine Aftershow- Party abhielt. Kim hatte jedoch souverän reagiert und in einer Szene Beth mit seinem Banjo gejagt, um ihr zu signalisieren, daß Ruhe sein solle. Die Ditto redete aber trotzdem ungeniert weiter...

Mit mehr Disziplin und Aufmerksamkeit waren heute die Besucher in der Maroquinerie bei der Sache. Kim machte allerdings deutlich mehr Lärm als vor ein paar Monaten, als er unplugged gespielt hatte. Heute hatte er zwei Burschen der Band The Alb dabei und zu dritt rockten sie ziemlich wild ab. Die Songs von Kim sind catchy und schwungvoll und stimmlich erinnerte er mich zumindest gestern an Jack "The White Stripes" White. Stilistisch will er sich partout auf kein Genre festlegen, er wechselt zwischen Indie, Folk, Elektropop und Bluesrock wild hin und her. Ein Phänomen dieser Kim, der aus einer Musikerfamilie stammt und schon an die 20 (!) Alben (genauer gesagt 17, demnächst 18) veröffentlicht hat. Und dies mit 32! Kein Wunder, daß man da kaum nachkommt. Sicher erkannt habe ich deswegen auch nur den Hit When The River Turns Around und den eingängigen Neuling She's A Lion. Ein Großteil des fetzigen Sets dürfte letztlich vom neuen Album Mary Lee Doo gestammt haben.

Ich behalte Kim weiter im Auge, der Kerl ist umtriebig und spielt übrigens auch bald in Deutschland.

Konzerttermine von Kim in Deutschland:

14. Dezember, Lolita Bar, Kassel
15. Dezember, King Georg, Köln
16. Dezember, Cafe Galao, Stuutgart

Als letzte Band trat schließlich Yeti Lane aus Paris auf. Spaßvögel bezeichnen das rein männliche Trio auch gerne einmal als Ben sans Cyann, weil Yeti Lane aus den gleichen Musikern wie die Vorgängergruppe Cyann & Ben besteht, bloß ohne die Sängerin Cyann, die eine Solokariere starten möchte. Cyann & Ben waren bei Kritikern schon immer höchst beliebt und für alle drei Alben hagelte es Sterne in diversen Fachmagazinen. Auch die britische Musikjournaille liebte diese Formation und so wundert es nicht, daß in der aktuellen Ausgabe des NME die hochgradig tolle Single Lonesome George in den höchsten Tönen gelobt wird. "The debut single from this parisian trio sounds like Pavement playing a Neu! Song with Grandaddy. Oh, and it's about a tortoise. What's not to love?" riefen die Briten verzückt aus und liegen mit dieser Einschätzung goldrichtig. In der Tat ist Lonesome George ein unfassbar guter Song mit riesigem Suchtfaktor und man findet darin auch tasächlich Elemente des amerikanischen Indierocks, des Krautrocks und des poppigen Folksongs. Aber auch andere Stücke auf dem Debütalbum sind gelungen, wenngleich etwas weniger eingängig. Und die Liveumsetzung ist äußerst präzise und tight, Yeti Lane spielten wie immer wie ein schweizer Uhrwerk! Eine eingespielte Truppe, bestehend aus dem Gitarristen und Sänger Ben Pleng, der auch in der Band von Herman Dune dabei ist, dem zweiten Sänger LoAc, der neben Gitarre und Bass auch noch die Synthesizer bedient und dem stoischen Drumme Charlie, der mit einem unfassbaren Tempo und einer ungeheuerlichen Genauigkeit trommelt.

Neben Lonesome George ragte aus dem Set auch Twice heraus. Ein psychedelischer, düsterer, perkussiver Tornado, der ein wenig an die Dodos, aber auch Interpol erinnert und mit einer enormen Wucht daherkam. Viele Leute waren hinterher von dem Konzert sehr angetan, obwohl es auch Stimmen gab, denen der Stoff zu wenig greifbar war. Aber das ist ja gerade das tolle bei Yeti Lane. Genau wie damals bei Cyann & Ben gewinnen die Songs bei jedem Hördurchgang und werden igendwann zum ständigen Begleiter.

Ich bekenne mich hiermit zum Fan von Yeti Lane!

Fazit: Eine rundum gelungene Geburtstagsfete für einen Plattenladen, bei dem ich eigentlich noch viel öfter einkaufen sollte. Hier kocht Mutti nämlich noch selbst! Auf die nächsten fünf Jahre!

Setlist Yeti Lane, La Maroquinerie, Paris:

01: Solar
02: Only One Look
03: Twice
04: First-Rate Pretender
05: Black Soul
06: This Day
07: Space
08: Waiting
09: Lonesome Georg

10: Think It's Done (Z)



Für gute Sachen darf man ruhig werben:

Ground Zero
Disquaire Indé à Paris
23, rue Sainte Marthe,
75010 Paris



Dienstag, 22. September 2009

The Low Anthem, München, 15.09.2009

0 Kommentare

Konzert: The Low Anthem

Ort: Atomic Café, München
Datum: 15.09.2009
Zuschauer: 50


von Eike aus Ampfing. Erstveröffentlichung auf dem brillanten Klienicum


Husten durfte man ihn wirklich nicht hören. Das war rau, fast krächzend, man spürte förmlich, wie sich schwerer Schleim in seiner Lunge überwarf. War er erkältet, chronisch gebrochen oder nur überlastet? Dem Gesang von Ben Knox Miller haftete das Beobachtete Geschehen von während der Songpausen bzw. nach dem Konzert wenig an. Da brillierte er auf selten gehörte Weise. Im Falsett oder Kopfgesang, schwer rockend oder bluesig verschwitzt, immer Vollgas, mimisch unterlegt, mit vollem Einsatz. Er beherrscht die Wendungen des Narrativen genauso wie das Stupende der Betonung. Das Reife wie das Jungfräuliche, so dass dem Beobachter, dem Zuhörer nur der Glaube an eine Ersterfahrung blieb. The Low Anthem fanden im Atomic Café zu München statt und knapp fünfzig Neugierige gingen hin. Die Band verwand diesen Umstand mit der Erinnerung an ein überfülltes, aber anonymes Festival auf der Isle of Wight zwei tage zuvor. Das Set begann denn auch so ruhig (u.a. mit Charlie Darwin), als wollte sich hier ein Innehalten des vergangenen freien Tages und der Besinnung vom Massenevent fortsetzen. Fast schon geruhsam das Streichen des Basses, das Beflügeln der Drums, der Folk depressive einsatz der Gitarre. Allein, dass sich die Bandmitglieder immer wieder an ihren Instrumenten abwechselten, brachte offenbare Bewegung ins Spiel. Und dennoch war man wie magnetisch angezogen von den Feinstaubmelodien, dem getragenen musikalischen Bild, das so versonnen dargeboten wurde wie die Madonna in der Círio de Nazarè zu Belem. Vor allem Millers brüchig-angestrengter Gesang, der die Harmonien auf wohlfeil presste, sorgte für innerste Erregung. Das kam so überzeugend, so schürfend, dass man nicht unbeteiligt die Hände in den Hosentasche lassen konnte. Nur wie stellt man sich dem? Die Hände gefaltet entgegenstrecken? Unangemessen. Sanfte Bewegungen, ein kleines Schiff in schwerer See? Uneindeutig. Offen getragene Verwunderung, schamlose Neugier standen auf der Tagesordnung. Und wer wie ich nicht mit dem Repertoire der Band aus Providence vertraut war, wurde immer wieder aufs neueste still getroffen. Vom warmen Segen der 73er gibson, dem versöhnlichen Streichen auf den wunderlichen Zimbeln (Crotales), die Jocie Adams so verdient mit einem Bogen bearbeitete, vom flink bewegten Upright Bass, der Jeff Prystowsky in den Armen lag wie eine Fußballkugel in den Fängen Oliver Kahns. Ob der was mit der Musik von The Low Anthem hätte anfangen können? Dafür ist die Nähe zu den angesagten The Felice Brothers wohl zu extrem. Deren Krakele und Geheul missfiele wohl dem Titan. Doch an die Grenzen ging der Dreier, zuweilen unterstützt vom ehemaligen Bandkollegen Dan Lefkowitz, auch. Dann wurde die kleine Drumanrichte traktiert, E- und Bassgitarre schwer beatmet und gemeinsam konzertant gebrüllt. Schönheiten? Die milde Melodie von Cage the songbird, das Mundharmonika Gewerke in Home i'll never be mit anschließendem Gerumpel und Geröhre sowie To Ohio als hymnischer Abschluss.

Das Publikum dankte artig mit Applaus und einigem Gejohle. Übermütig war hier nichts, aber irgendwo doch versonnen, vielleicht benommen von der Feinheit, Grazilität und Sensibilität des Vortrags. Ich habe mal wieder auf der Rückreise zig Melodien unterm Helm gepfiffen, obwohl ich düster fast in den Nebeln verkommen wäre.

Fußnote, leider nur. Kasey Anderson hat mich nicht überzeugt. Im Vorprogamm wusste er zwar mit flinkem Mundwerk zu überzeugen, aber seine unter keckem Mützchen hervorgebrachten Ständchen zur Gitarre gerieten langatmig und flau. Die Noten gedrillt, der Gesang geführt, das Instrument getrimmt.





 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates