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Montag, 7. Dezember 2015

Locas in Love, Köln, 06.12.15

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Konzert: Locas in Love Wintergala
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 06.12.2015
Dauer: Locas in Love gut 95 min, Rockaway Shanty Chor knapp 15 min
Zuschauer: vielleicht 300


 
Das Ende der Kindheit ist genau dann gekommen, wenn der Dezember nicht mehr der beste sondern der schrecklichste Monat des Jahres wird. Aus Vorfreude wird Hass auf jedes gedudelte Last Christmas (oder seinen Waterboarding-Remix Feliz Navidad), an die Stelle der großen Augen vor dem Kaufhof-Schaufenster treten blaue Flecken, ausgeteilt von den Ellbogen betrunkener Idioten mit Nikolaus-Mütze, die sich seit 11 Uhr im strömenden Regen auf einem der 48 Innenstadt-Weihnachtsmärkte Glühwein (oder Glykol) zu süßen Helene-Fischer-Klängen hinter die Binde gekippt haben und ihre Fröhlichkeit sehr körperlich verteilen. Daß das Beste am Advent bereits Ende August verkauft wird und im Dezember schon nichts mehr taugt (Dominosteine), ist da nur konsequent.


Inmitten all der billigen animierten LED-Weihnachtsbeleuchtung aus dem Baumarkt brennt auch Jahr für Jahr eine Kerze des guten Geschmacks*, die Locas in Love Wintergala - so etwas wie der Gegenentwurf zu Carmen Nebels großer Adventssause. 


2008 war mein erstes Vorweihnachtskonzert der Kölner Band im Alten Pfandhaus. Es folgten Galas im Stadtgarten, im Filmhaus oder in St. Michael am Brüsseler Platz. Mit Plätzchen, Liedern von ihrem Winteralbum (...Winter) und vielen liebevollen Extras. Mal lief im Hintergrund der Schnee-Western Leichen pflastern seinen Weg, mal Der Bär, mal liefen Locas Videos als Vorprogramm, mal sang der Rockaway Shanty Chor. Und jedes mal war die Wintergala ein großer Spaß (da ist ein Licht, da ist ein Licht). 


2014 war ein schwieriges Jahr für die Band, hatte Sänger Björn Sonnenberg bei der Gala vor zwölf Monaten erklärt. Die Aufnahme des fünften Studioalbums** erwies sich als große Prüfung. Im August 13 hatten Locas in Love die neue Platte an zwei Abenden im King Georg vorgestellt. Mich begeisterten die Stücke, die die Band am Tag nach dem zweiten dieser Konzerte in Frankreich aufnehmen wollte. Es folgten Monate der Selbstzweifel, Produzentenwechsel aber kein Album. Use your illusion 3 & 4 erschien dann erst Anfang 2015 und enthielt nur noch einen Teil der Stücke von damals. Dafür war die Platte ein Doppelalbum geworden. Und sie war erfolgreich. Zu meiner großen Überraschung erschien dann vor wenigen Wochen auch noch Kalender, eine zweite Platte innerhalb weniger Monate. 2015 war wohl ein gutes Locas-Jahr.


Die diesjährige Gala fand im Gebäude 9 statt. Björn hatte bei einem anderen Konzert einmal gesagt, man wolle früh anfangen, damit jeder noch seine Bahn bekommen könne. Auch heute begann es früh. Ab kurz nach acht spielte der Rockaway Shanty Chor im Hof vor dem Gebäude einige Lieder über das Leben auf See. Die ersten beiden Stücke waren einmatroste Pop- bzw. Rockklassiker (Es lebe Ostfriesland, Fahrwasser zur Hölle), der Rest Lieder über den Klabautermann, eine kleine Möwe und das Lieblingsgetränk der Seefahrer. Das war sehr toll und hätte gerne länger als eine knappe Viertelstunde dauern können. 

Setlist Rockaway Shanty Chor, Wintergala, Gebäude 9:

01: Es lebe Ostfriesland (Elvis Cover)
02: Fahrwasser zur Hölle (AC/DC Cover)
03: Die kleine Möwe
04: Klabautermann
05: Rum aus Jamaica ("es trinken die Matrosen von allen Spirituosen am liebsten Rum")


Nach den Shantys wurden wir zurück in den Saal gebeten. Bevor die Band auf die Bühne kam, erschien erst einmal Benjamin Walter (Jobbeschreibung: Guidance) und klärte uns darüber auf, was die Bleistifte und Blätter mit Comiczeichnungen bedeuteten. Wir spielten Locas-Bingo. Wie im Bus auf der Rückfahrt vom Seniorenausflug, nur charmanter. Benny las Symbole vor, die mit der Band zu tun haben, wir mussten 5er Reihen bilden. Gegen CDs. Wie viel Mühe sich Locas in Love machen, dem Publikum Dinge zu bieten... wundervoll! Zwar  eigentlich nicht nötig, da so etwas ja gerne dazu dient, von musikalischen Schwächen abzulenken. Trotzdem sind es diese kleinen originellen Elemente, die die Wintergalas so besonders machen.


Das Konzert begann mit zwei Stücken von Winter (Packeis und Wintersachen). Die Locase spielten wieder mit Ur-Schlagzeuger Maurizio Arca und mit Carmen Heß von Lingby (Wald- und Flügelhorn und Keyboard).


Nach den Wintersongs kamen die ersten beiden Stücke vom (ganz) neuen Album. Ich habe das zwar, konnte es aber noch nicht hören, kannte also nur die Lieder, die Locas in Love bei den beiden King Georg Konzerten damals gespielt hatten (zum Beispiel Ich bin eine Insel oder Ich werde ein Lied für alle schreiben). Die, die mir neu waren, waren besonders überzeugend. Ultraweiß! Oh! und Ruinen


Zwischendurch erklärte Björn immer wieder Dinge, fragte, ob es uns gefalle. Es gefiel sehr. Und es war kurzweilig. Als Locas in Love nach Egal wie weit von der Bühne gingen, kam es mir vor, als seien gerade 40 min gespielt. 


Am Freitag bei EL VY hatte es ein wundervolles Cover gegeben. Brent Knopf und Matt Berninger spielten She drives me crazy von den Fine Young Cannibals. Locas in Love coverten die Christmas number one von 1994, Stay another day von East 17. Beide Stücke sind im Original gruselig. Die Neuinterpretationen dagegen waren wundervoll! Die krachigen Gitarren von Björn und Jan Niklas machten aus dem Käse ein wirklich tolles Livelied! Im Smalltalk mit dem Publikum kam Björn auf die Idee, doch mal über ein Sommeralbum nachzudenken. Ich bin sicher, auch Bailando oder der Ketchup Song werden mich auf einer Locas-Sommergala begeistern! Bis das passiert freue ich mich jetzt doch erst einmal auf den kommenden Dezember und die nächste Wintergala.

Setlist Locas in Love, Wintergala, Köln:

01: Packeis
02: Wintersachen
03: Ich werde ein Lied für alle schreiben
04: Ultraweiß
05: Zum Beispiel ein Unfall
06: Maschine
07: Roder
08: Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen (das Licht am Ende des Tunnels is ein Zug)
09: Oh!
10: Monkey
11: Manifest
12: Ruinen
13: Nein
14: Leyendeckerstraße
15: Es tut mir leid
16: Egal wie weit

17: Stay another day (East 17 Cover) (Z)
18: Sachen (Z)
19: Durch die Dunkelheit (Z)
20: Auto destruct (Z)

Links:


- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Düsseldorf, 20.03.15
- Locas In Love, Köln, 21.02.15
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 22.12.13
- Locas In Love, Köln, 15.08.13
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07


* Weihnachtspathos, yeah! 
** Winter ist offziell keines, hieß es einmal


Montag, 10. Dezember 2012

Locas In Love, Köln, 09.12.12

1 Kommentare

Konzert: Locas In Love Wintergala
Datum: 09.12.2012
Ort: Stadtgarten, Köln
Zuschauer: vielleicht 250 (voll, vermutlich ausverkauft)
Dauer: Locas In Love 120 min, Rockaway Shanty Chor gut 20 min



Wenn eine Band sich enorm viel Mühe gibt, "ihr Hobby"* anderen nicht bloß vorzuspielen, sondern sich dafür einen besonderen Rahmen ausdenkt, ist es beruhigend, wenn dies auch angenommen wird, der Saal also voll ist. Locas In Love ist eine Band, die Konzerte aus Fansicht gestaltet und daraus immer wieder enorm liebevolle Abende macht. Als ich um kurz vor acht am Stadtgarten ankam, deutete allerdings nichts darauf hin, daß auch ihre diesjährige Wintergala diese Mühen lohnen würde. Keine zwanzig Leute warteten im strömenden Regen auf den Einlaß, obwohl das Programm früh beginnen sollte. Na toll.

Es fing rumpelig an, die Tür zum Stadtgarten wurde spät geöffnet, obwohl es draußen nicht nur nass sondern auch kalt war, ein typischer rheinischer Winterabend eben. Als wir im Foyer angekommen waren, standen wir vor der nächsten verschlossenen Tür, auch der Konzertsaal war noch tabu. Ein wenig galahafter Beginn, das Team des Stadtgarten schien ein wenig überfordert.

Als wir um kurz vor halb neun in den bestuhlten Saal durften, übernahm Locas in Form von Manager Benjamin und bat, Stühle einzunehmen, sofort aber wieder ins Foyer zu gehen, weil da das Vorprogramm beginnen sollte. 

Den Rockaway Shanty Chor, der sich im Vorraum aufgebaut hatte, hatte ich im vergangenen Oktober auch als Locas-Support erlebt. Die acht Musiker in Matrosenhemden singen ein Programm aus Seefahrerfolklore und umgetexteten Rock- und Punkliedern. Ich habe mit Matrosenromantik nichts am Hut (oder Käppi), mag aber diesen Chor enorm gerne! Aus Elvis' Viva Las Vegas wird ein geschmettertes Es lebe Ostfriesland oder aus dem scheußlichen Highway to hell Fahrwasser zur Hölle, das hat enorm viel Charme und macht sehr großen Spaß. Das abschließende Stück mit dem Refrain Kleine Möwe flieg zum Eigelstein war ein ganz besonderer Knüller! Dem Rockaway Shanty Chor hätte ich liebend gerne noch eine ganze Weile länger zugesehen!

Zurück im Saal dauerte es keine zehn Minuten, bis der Hauptteil der Gala begann. Es ist nicht lange her, daß ich die Kölner Band zuletzt gesehen habe, es war im Mai diesen Jahres in Wiesbaden. Aber es ging mir ja auch nicht um die großen Überraschungen, es ging mir um einen schönen Konzertabend in familiärer Umgebung.

Glücklicherweise war es nicht mehr so schrecklich familiär, als es losging. Der Saal war von einer Minute auf die andere voll geworden. Schön an Konzerten der Kölner ist aber, daß sie sich trotzdem so anfühlen, als spielten Björn, Stefanie, Saskia und Niklas vor einer Handvoll Freunde. Sänger Björn erklärt viele der Stücke, er tut dies aber so, wie man einem Gesprächspartner etwas sagt, nicht als Ansage, das ist toll! Als er das Konzert mit "wir sind eure Freunde" beendete oder sich dafür bedankte, daß wir ihr Hobby unterstützen, war dies keine Spur gekünstelt.

Das Programm hatte den Schwerpunkt Winter. Viele der Lieder stammen von der gleichnamigen Platte von 2008. Passend dazu lief im Bühnenhintergrund "Leichen pflastern seinen Weg" mit Klaus Kinski als Cowboy in einer Schneelandschaft. Manchmal gab das wundervolle Nebeneffekte: als bei der Zeile "das Licht am Ende des Tunnels ist ein Zug" Kinski in Nahaufnahme irre in den Konzertsaal blickte zum Beispiel, oder als beim vorletzten Stück der Abspann hinter den Musikern lief. Das hätte man kaum besser choreografieren können!

Der Abend war wirklich schön, ein paar Momente ragten aber heraus. Auto destruct, Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen, Sachen (insbesondere der Bass!) und das neue Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht waren die besten Stücke, die selbstgebackenen Plätzchen das beste (kostenlose) Merch des Jahres. Am meisten freuten mich aber die kleinen Umdichtungen, die irgendwie typisch für die Herangehensweise der Band an ihre Musik sind. Da hieß es bei Mabuse zum Beispiel plötzlich "dieses verdammte Rheinland..." Und die Zeile mit dem zugefrorenen Aachener Weiher in Wintersachen wurde angepasst, der war schließlich zwei Jahre vor dem Album gefroren, Björn sang also "vor sechs Jahren war der Aachener Weiher zugefroren."

So mag ich das. Ich brauche keine fliegenden Schlagzeuge oder 25 köpfige Tanzgruppen auf der Bühne. Lebkuchenkamele und solche kleinen Nettigkeiten machen ein Konzert besonders. Schön, daß das offenbar auch viele andere so sehen!

Setlist Locas In Love Wintergala, Stadtgarten, Köln:

01: Packeis
02: ?
03: Manifest
04: Eissturm
05: Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen
06: Bushaltestelle
07: Maschine
08: Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht (neu)
09: Wintersachen
10: ICE Wilson Bentley
11: Roder
12: Auto destruct
13: Sachen
14: Zum Beispiel ein Unfall
15: Monkey
16: Nein
17: Una questa
18: Mabuse
19: To get things straight
20: Egal wie weit

21: Eulen (Z)
22: Saurus (Z)
23: Spoiler warning (Z)
24: An den falschen Orten (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07

* laut Sänger Björn
 


 

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