Mittwoch, 27. Mai 2009

The Pains Of Being Pure At Heart, Paris, 26.05.09


Konzert: The Pains Of Being Pure At Heart & Maison Neuve

Ort: Le Batofar, Paris
Datum: 26.05.2009
Zuschauer: 300-350
Konzertdauer: Maison Neuve: 50 Minuten, The Pains Of Being Pure At Heart 41 Minuten



Konzerte auf dem an der Seine gelegenen Hausboot (une péniche auf französisch) Batofar sind eine tolle Sache. Blickt man durch die Bullaugen hinaus, sieht man den glitzernden Fluß. Wenn das nicht romantisch ist! Das Problem ist bloß, das auf dem Batofar seit Jahren nichts mehr los war, weil es vielfältige Probleme gab. Um so erfreuter war ich, als ich hörte, daß man die gehypten The Pains Of Being Pure At Heart an diesem kultigen Ort spielen lassen würde. Der Vorverkauf lief entsprechend rege und viele Pariser Indiemusikfans fieberten dem Event entgegen.

An einem recht kühlen Dienstagabend war der große Tag gekommen und ich begab mich mit der U-Bahn zum Ort des Geschehens. Da ich schon lange nicht mehr in der Gegend war, hatte ich zunächst kleinere Orientierungsprobleme. Nachdem ich aus der extrem weitläufigen U-Bahnstation Bibliothèque François Mitterand auf die Straße getreten war, wußte ich nicht auf Anhieb, wie man zum Ufer gelangt. Auch mehrere Passanten konnten mir nicht helfen. Erst die Händler vor der Tür wußten wo es langgeht und zeigten energisch auf eien Steintreppe, die man zu erklimmen hatte, bevor man die Straße entlang Richtung Quai François Mauriac trabt. Die Gegend dort ist für Pariser Verhältnisse unglaublich modern, es gibt mehrere Glastempel, die in den letzten 20 Jahren hochgezogen wurden sowie amerikanisch anmutende Bars und Cafés, wie man sie vom Potsdamer Platz oder Sony Center in Berlin her kennt. Markante Sehenswürdigkeit des Quartiers ist die neue Bibliothèque nationale de France, mit der sich François Mitterand zu Ende seiner Amtszeit ein Denkmal setzen ließ. Die in den Himmel ragenden L-förmigen Türme bilden ein aufgeschlagenes Buch nach und trohnen über der Seine. A propos Seine: Die hatte ich inzwischen erreicht und von der Straße aus konnte ich schon das kaminrot angemalte Boot Batofar erkennen. Das Wetter war sonnig, aber nach den Unwettern und Regengüssen von gestern recht kühl. Die Quecksilbersäule dürfte innerhalb eines Tages um mindestens 12 ° gefallen sein. Gut so, denn im Inneren des sehr gut gefüllten Batofar herrschten erträgliche Temperaturen. Auf der Bühne tat sich noch nichts, aber man fühlte, daß es gleich losgehen sollte.

Maison Neuve aus Frankreich kamen aus ihren Kabinen geschlichen und stellten sich erst einmal vor: "Wir sind weder The Pains Of Being Pure At Heart noch Blank Dogs. Blank Dogs mussten kurzfristig abgsagen, wir sind für sie eingesprungen. Danke an die Summery Agency für die Einladung!"

Wer sind Maison Neuve nun schon wieder, mag man sich fragen?
Nun, es handelt sich um eine vierköpfige Band aus Frankreich mit dem bärtigen Gitarristen und Sänger Guillaume an der Spitze. Einer ihrer größten Fans ist djenvert, ein talentierter Fotograf und Journalist, der für die gut gemachte Seite Popnews arbeitet und so begeistert ist, daß er ihnen sogar eine eigene Flickr Gruppe gewidmet hat. "Die Jungs von Maison Neuve" verdanken mir alles, hat er mir gegenüber eimal erklärt und ich bin sicher, daß er diesen Spruch mit einem Augenzwinkern meinte. Denn seien wir mal ehrlich: Hat eine Musikseite wie Popnews oder auch unsere Konzerttagebuch wirklich einen so großen Einfluß, daß sie in der Lage ist, Bands zu puschen? Ich bin da skeptisch und denke, daß Blogs und Webzines nur Multipliaktoren für Indiebands sind, mehr nicht. Spielen müssen sie schließlich selber und wenn sie gut sind, werden sie ohnehin ihren Weg gehen.

Aber in der Sache gebe ich djenvert, der immer einen sehr guten Riecher hat, auf jeden Fall Recht, Maison Neuve sind wirklich richtig gut! Sie haben 2006 eine Split LP mit der Fanzösin Lispector auf den Markt gebracht und Ende letzten Jahres mit der Ep Victor, Victor nachgelegt, für die es gute Kritiken gab. Veröffentlicht wurden die Machwerke auf dem kleinen feinen Label Sauvage Records, die uns bereits die tollen Please Don't Blame Mexico , The Limes und Mina Tindle bescherten (ihre Single erscheint am 13 Juni). Von der EP Victor, Victor stammte dann auch der Titeltrack Victor, der sich in den letzten Monaten zu einem richtigen kleinen Indiehit in Pariser Szenekreisen entwickelt hat. Ein einprägsamer Refrain und Dingeldengel- Gitarren machen den Charme dieser Lofi - Produktion aus, die an Bands wie New Order, Interpol, oder die Young Marble Giants erinnert. Auch live zog Victor schon ganz gut und man sah ein paar Leutchen energisch mit dem Köpfchen hin- und herwackeln. Noch besser als Victor ist aber wohl The Wrong Class, das an englische Bands vom Label Postcard Recors (Orange Juice, Go Betweens, Aztec Camera) ) oder auch The Smith und Belle and Sebastian erinnert. Eine Perle des französischen Indiepops mit angelsächsischen Wurzeln, die mich wohl noch eine ganze Weile beschallen wird. Aber Maison Neuve schreiben nicht nur englische Songs. Ab und zu gibt es nämlich auch einmal etwas auf französich. Au Large De La Ville z.B., das auf Kultfiguren des französischen Chansons wie Serge Gainsbourg oder Françoise Hardy wurzelt und mir auf Anhieb gefiel, genau wie das ander französische Lied, das gegen Ende kam.

Insgesamt boten die Franzosen um den hocheleganten Sänger und Gitarristen ein sehr ansprechendes und abwechslungsreiches Set, in dem man auch das vom amerikanischen Indierock der 90 er infizierte Under Skies Of Fire genießen durfte.

Maison Neuve gehören von nun an zu meinen französischen Lieblingsbands!

Setlist Maison Neuve, Le Batofar, Paris:

01: You Are My Prophet
02: I Read You Count
03: Victor
04: The Wrong Classssss
05: Au Large De La Ville
06: In The Branches Live No Sorrows
07: Love Favella
08: Under Skies Of Fires
09: Touched In The Heart
10: Colores Parle Le Soir
11. Lizzy




In der Umbaupause liefen dann etliche Klassiker alter Helden des Britpop, New Wave und Shoegaze. Wir bekamen etwas von Morrissey zu hören, desweiteren einen Song von James (nicht Sit Down), I Wanna Be Adored von den Stone Roses und When You Sleep von My Bloody Valentine. Und damit war kurioserweise auch schon das Konzert von The Pains Of Being Heart zusammengefasst! Sie klangen haargenauso wie diese ganzen kultigen Bands.

The Pains Of Being Pure At Heart machen Musik, die Fans dieser obengenannten stilprägenden Gruppen auf Anhieb gefällt, die aber leider recht belanglos und harmlos ist und dem Sound ihrer Idole nichts Neues hinzufügt. Die Stimme des schüchternen Sängers Kip klingt nach Bernard "New Order" Sumner, oder auch nach Morrissey, aber vom Charisma der Künstler aus Manchester hat er leider nicht viel abbekommen. Sein lieblicher Gesang wird von der brünetten Keyboarderin Peggy süßlich begleitet und über das Ganze wird beständig ein noisiger Gitarrensound gelegt. Alles altbekannt. Und im Grunde genommen klang jedes Lied des extrem kurzen Sets (41 Minuten!) gleich. Mein Tip: Konzerte von Morrissey, My Bloody Valentine, Ian "Stones Roses" Brown, oder James besuchen. Die spielen alle noch und haben mehr Biss als ihre jungen Nachahmer!

Setlist The Pains Of Being Pure At Heart, Batofar, Paris:

01: Doing All The Things That Would'nt Make Your Parents Proud
02: This Love Is Fucking Right
03: Young Adult Friction
04: Come Saturday
05: The Tenure Itch
06: Stay Alive
07: 103
08: Everything With You
09: Pains Of Being Pure At Heart

10: Hey Paul (Z)
11: Gentle Sons
(Z)

Pour nos lecteurs français:

Les concerts sur la péniche Batofar sont très chouettes. Mais malheureusement il n'y en avait pas beaucoup récemment. Ma joie était d'autant plus grande qu'on y a placé les trés hype New Yorkais "The Pains Of Being Pure At Heart" sur ce bâteau mythique. En plus il y avait une très bonne première partie. Au début les Blank Dogs étaient prévus mais après leur annulation le groupe français Maison Neuve a eu l'honneur d'inaugurer la soirée. Très remarqués récemment avec leur Ep 7 titres "Victor, Victor", qui a connu des bonnes critiques dans Technickart, les Inrocks et Magic, le quatuor autour du très elégant guitariste/chanteur Guillaume a brillé avec un set mêlant avec aisance des styles comme le pop lofi, le post punk, le shoegaze et le rock indé US. Le tout chanté dans un anglais très correct, à part deux morceaux interprété dans la langue de Molière. Ils ont donné l'impression de beaucoup s'amuser et ont été très bien acceuillis par un public curieux et appreciateur. Leur concert était très varié (avec même un saxophone et deux batteurs à la fin) et bien maîtrisé. Je qualifierai volontiers le tube "Victor " et "The Wrong Class ""(ce chant à la Morrissey, super!) comme meilleurs morceaux. Un groupe plein d'espoir malgré leur son sombre et melancholique. Maison Neuve, c'est la classe!

Pendant la pause, les spectateurs ont eu le plaisir d'entendre des titres classiques d'artistes cultes comme Morrissey, James, Stone Roses (" I wanna be adored) et My Bloody Valentine (Whenn I Sleep). Et en fait cela resumait bien le concert des The Pains Of Being Pure At Heart. Un chant innocent rappelant Morrissey ou New Order selon les goûts, une voix féminine douce en arrière-plan, des guitares melancholiques et noisy et des morceaux à la fois accrocheurs et entêtants. Ça plait forcément aux gens qui ont grandi avec les Smiths, New Order et My Bloody Velentine mais cela n'apporte malheureusement pas grand chose de nouveau et est assez proches des recettes classiques. Mais bon, le public du Batofar a apprécié quand même et applaudi les chansons, certes imparables comme "Young Adult Friction" ou "Come Saturday." Je préfère quant à moi les originaux, surtout si l'on considère que Morrissey et les My Bloody Valentine sont encore actifs et je me régale plus avec les très bons "Crystal Stilts" qui sont plus aggressifs et ont un son plus garage.
Dans l'ensemble une soirée très réussie, grâce à la bonne organisation des filles de la Summery Agency.

- Fotos von Maison Neuve hier
- Fotos von The Pains Of Being Pure At Heart hier



10 Kommentare :

Christoph hat gesagt…

Wenn es nach Platte und EP geht, ist der Hype vollkommen gerechtfertigt. Falls Dave Gahan rechtzeitig wieder fit wird, werde ich ihre Livequalitäten leider nicht beurteilen können.

Frank hat gesagt…

@Christoph: Glück gehabt, wird er nicht!!! Wir sehen uns also im Luxor

@Oliver: Ich kenne zwar das Album noch nicht, aber die ein, zwei Songs, die ich hörte, reichen. JA!! Der Hype um tpobpah ist gerechtfertigt.

oliver r. hat gesagt…

Christoph habe ich es schon gesagt: Der Hype ist leider nicht gerechtfertigt. Die Band fügt dem Sound ihrer Idole nichts Neues hinzu. Der komplett ausformulierte Artikel folgt in Kürze...

Christoph hat gesagt…

Und Christoph ist sehr froh, daß kommende Woche zu überprüfen. Ich mag die Band sehr, und wenn sie es live nicht total versaut, wird das ein toller Abend für mich. Mir vollkommen egal, ob das nun Hype oder nicht ist.

oliver r. hat gesagt…

Von Depeche Mode hättest Du mehr gehabt, Christoph.

Christoph hat gesagt…

Das ist die Mindermeinung ;-)

Laß mich doch erst mal das Konzert sehen.
Meine Vorfreude ist jedenfalls riesig.

oliver r. hat gesagt…

Minderheitsmeinung heißt das. Mindermeinung ist ein Unwort (ähnlich wie Unkosten) und impliziert die Minderwertigkeit einer Meinung, die von der Mehrheit abweicht. Und gerade dies ist nicht der Fall.

Christoph hat gesagt…

Hier lernt man eben immer wieder dazu. All meine Juristenfreunde sprachen immer nur von Mindermeinung. Danke für die Aufklärung.

oliver r. hat gesagt…

Gern geschehen. Aber die Blumen gehen an einen Jura-Professor, der sich mal mit dem Begriff Mindermeinung auseinandergesetzt hat und überzeugend darlegte, daß man aus oben geannnten Gründen besser von Minderheitsmeinung sprechen sollte.

Der Begriff Unkosten ist deshalb verfehlt, weil das die Unnötigkeit von Kosten impliziert. Überflüssig, da einem Kosten immer irgendwo unnötig erscheinen!

Studenten äffen halt eben gerne nach. Ein Professor aus Hamburg sagte zum Beispiel gerne: "Erinnert ihr noch den Fall von letzter Woche?" Daraufhin verwendeten fast alle, die diesen Kurs belegten, das Verb "erinnern" auf diese (falsche) Weise und fühlten sich ganz intelligent dabei.

So genug geklugscheißert :)

Stéphane hat gesagt…

Je comprends rien, mais merci quand même!

 

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