Montag, 12. März 2018

The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 11.03.18


Konzert: The Pains Of Being Pure At Heart
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 11.03.2018
Dauer: gut 70 min
Zuschauer: ca. 120



Richtig sicher war ich meiner Sache nicht. "90% aus gesellschaftlichen Gründen, 10% die Lieder der ersten Platte", waren meine Motivation. "Same here", ich war damit nicht alleine. Die Pains Of Being Pure At Heart werden immer eine Lieblingsband sein, ihre ersten Platten, EPs und Singles Allzeit-Favoriten.

Seit ein paar Jahren gibt es die Pains als Band aber nicht mehr, nur Sänger Kip Berman ist vom ursprünglichen Lineup übrig. Für Konzerte gab es Live-Mitglieder oder - die pragmatische Lösung - die Vorgruppen als Begleitmusiker. Das bescherte uns beim letzten Auftritt in Köln (2014) die wundervollen Fear Of Men als Support, die dann gemeinsam mit der ersten Vorgruppe und Kip die Pains wurden. Meine letzte Begegnung mit den Pains zeigte aber den Nachteil solcher fließenden Strukturen; beim Indietracks 2015 übernahm die Sängerin von A Sunny Day In Glasgow den Gesangspart neben Kip und war schrecklich in dieser Rolle. Jen Goma sang, als gelte es die Gitarren zu überbrüllen. Pains plus Rockröhre mit Musical-Einschlag, das war gruselig. Als Tiefpunkt coverten die Indietracks-Pains James. Lieblingsband covert Lieblingsband, das ist eine sichere Bank. Seit diesem Auftritt weiß ich, daß das Quatsch ist.


Irgendwo las ich, daß Jen immer noch Live-Keyboarderin der Pains sei, was meiner Motivation, nach Köln zu fahren, nicht half. Als die Band um kurz nach neun auf die Bühne kam, war ich noch nicht sicher, wer hinter dem Keyboard steht, nach und nach - als keines der Lieder mit zwei Stimmen versaut wurde - dann schon, das war eine andere Musikerin. 

Dazu kam, daß die Gitarren herrlich laut klangen, das Verhältnis Gitarren / Gesang... perfekt! Seit das Gebäude 9 in seine Technik investiert hat, habe ich kein leises aber auch kein schlecht klingendes Konzert da erlebt. Bei den Pains ist die Aussteuerung extrem wichtig. Man muß den Gesang hören - aber auf keinen Fall zu laut.

Das Konzert begann - alte Rock'n'Roller-Regel - mit dem ersten Lied des aktuellen Albums. Da ich weder Platte noch Vorabsingles kannte, war mir auch My only neu. Richtig in Erinnerung geblieben ist es nicht, das lag aber wohl weniger an dem Song als am folgenden Heart in your heartbreak vom zweiten Album Belong, das folgte. Anders als beim Indietracks 2015 fühlte es sich da schon wieder wie ein richtiges Pains-Konzert an - und so blieb es auch. Die Setlist war schon sehr nostalgisch, das war aber nicht der Grund, warum ich Spaß hatte. Die Band war und klang einfach um Längen besser, und das hätte sie auch, wenn sie das ganze neue Album gespielt hätte. Ob sich Kip mit der neuen Platte live nicht sicher genug fühlt oder die Praxis fehlt, es war jedenfalls auffällig, daß nur drei Lieder von The echo of pleasure auf der Setlist standen. 

Rechts und links von Kip standen heute Gitarrist Christoph Hochheim, Bassist Jacob Sloan und Keyboarderin Jess Krichelle ("aber nicht Jess, die früher schon dabei war!" - Jessica von Fear of Men). Jess - Jen - Jess, ziemlich verwirrend, wer seit dem Ausstieg von Peggy Wang Keyboards spielt. Die neue Jess jedenfalls war top! Ihr Gesang und ihr Auftreten passten perfekt zu den Pains. Eben ganz anders als ihre Vorgängerin.

Die letzten zehn Minuten bevor die Pains zum ersten Mal die Bühne verließen gingen nicht besser. Young adult friction, Everything with you und The pains of being pure at heart. Die erste Platte und die erste EP (die beide The Pains Of Being Pure At Heart heißen #jessjenjess) gehören in jede Bestenliste der Nuller-Jahre und in jeden Plattenschrank. 

Zu den Zugaben kam Kip erst alleine zurück und spielte für Ramona aus Hamburg Ramona. Danach kam die Band bis auf Jess zurück. An deren Stelle begleitete Laura Carbone, die das Vorprogramm bestritten hatte, den Pains-Frontmann beim Jesus and Mary Chain-Cover Sometimes always, das er als Black Rebel Motorcycle Club-Stück angekündigt hatte. Das Cover war gut, um Längen besser als Laid von James vor zweieinhalb Jahren! Nach zwei weiteren Lieblingen (This love is fucking right! und Belong) kam Kip noch einmal alleine raus und coverte Suzanne von Leonard Cohen. Musikalisch passen weder Stück noch Sänger zu den Pains, er versaute den Song aber überhaupt nicht, daher war das ein schöner Abschluß.

Vermutlich war das nicht das beste Konzert des Jahres und auch nicht das beste von den Pains Of Being Pure At Heart, es war aber so gut, daß unsere kurze Krise vorbei ist und ich sie jederzeit wieder angucken werde.


Setlist The Pains Of Being Pure At Heart, Gebäude 9, Köln:

01: My only
02: Heart in your heartbreak
03: The body
04: Simple and sure
05: Anymore
06: Higher than the stars
07: Come Saturday
08: A teenager in love
09: Eurydice
10: When I dance with you
11: Until the sun explodes
12: Young adult friction
13: Everything with you
14: The pains of being pure at heart

15: Ramona (Kip Solo) (Z)
16: Sometimes always (The Jesus and Mary Chain Cover) (Z)
17: This love is fucking right! (Z)
18: Belong (Z)

19: Suzanne (Leonard Cohen Cover) (Kip Solo) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Pains Of Being Pure At Heart, Ripley, 25.07.15
- The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 09.07.11
- The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 22.02.11
- The Pains Of Being Pure At Heart, Latitude-Festival, 18.07.10
- The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 04.06.09
- The Pains Of Being Pure At Heart, Paris, 26.05.09



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