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Mittwoch, 30. Oktober 2013

Midlake, Paris, 28.10.13

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Konzert: Midlake (Melanie de Biasio, Daan) at Pias Nites
Ort: La Fléche d'or, Paris
Datum: 28.10.2013
Konzerdauer: knapp 75 Minuten
Zuschauer: ausverkauft


Wäre es eigentlich vorstellbar daß die Babyshambles ohne Pete Doherty auftreten könnten? Daß sie z.B. den Bassisten Drew McConnell ans Mikro stellen und alte Hits wie Delivery oder Albion spielen? Und wie viele Leute würden dann kommen? - Wahrscheinlich kaum eine Sau!

Bei Midlake lag der Fall gestern in Paris anders. Die amerikanische Folkrockband trat ohne ihren Sänger Tim Smith an, der inzwischen die Gruppe verlassen hat, und ließ statdessen den vormaligen Gitarristen Eric Pulido singen. Und dennoch war die rund 600 Leute fassende Fléche d'or ausverkauft. Beleg dafür, daß Tim Smith trotz seines Goldkehlchens einfach kein besonders charismatischer Frontmann war und somit in keiner Weise mit Pete Doherty oder anderen Paradiesvögeln vergleichbar ist.

Dennoch: ein paar Leute äußerten hinter, daß es der Neue nicht bringe und sie das Gefühl gehabt hätten, eine Midlake Coverband gesehen zu haben.

Ich persönlich war da ganz anderer Meinung. Von der ersten Minute an überkamen mich massive Glücksgefühle, denn mit Young Bride und We Gathered In Spring wurde mit Stücken von meinem absoluten Lieblingsalbum The Trials van Occupanther angefangen. Unbeschreiblich was da in mir vorging! Ich dachte an die vielen wundervollen Stunden, die ich mit dem Album verbracht habe, als ich mit meinem Ipod und den zeitlos schönen Songs am Eiffelturm spazieren ging. Im Jahre 2006 war das, meine Begeisterung für Midlake kannte damals kaum Grenzen. Auch die Konzerte von Midlake habe ich genossen, besonders blieb mir der hervorragende Gig im Trabendo in Erinnerung. Daneben gab es aber auch Festivalauftritte, die zwar schön, aber nicht unbedingt orgasmisch toll waren. Dazu waren die Burschen einfach zu schüchtern und bescheiden und vielleicht auch noch etwas jung.

Im Jahre 2013 nun also die gleiche Band, ein paar Jahre älter (aber nicht wirklich fetter obwohl der neue Frontmann Eric das schelmisch schmunzelnd behauptete), aber ohne ihren alten Anführer. Die Texaner kompensierten diese Tatsache verblüffend gut. Zugegebenermaßen musste auch ich mich erst einmal an den leicht veränderten Gesang gewöhnen, aber spätestens nach einer halben Stunde Spielzeit und ein paar neuen Songs, hatte ich Eric als neuen Sänger adoptiert. Er hat zweifelsohne eine schöne Stimme, durchaus mit der seines Vorgängers vergleihcbar und zudem eine angenehme Ausstrahlung. 


Seine Bandkollegen spielten ihrerseits psychedelischer und rockiger denn je. Absolut herausragend war hierbei Schlagzeuger McKenzie Smith, der hinten den ganzen Laden aufwirbelte und spielte wie ein ganz Großer seiner Zunft. Er hatte seine besten Momente, wenn Midlake in längere instrumentale Phasen abdrifteten, die klar machten, daß sie keine reine Folkband mit ruhigen Liedern sind, sondern eine bärenstarke Truppe mit gleich zwei E-Gitarren und einem satten Bass. Beim allerletzten Lied Head Home wurde das Ganze gar so furios präsentiert, daß ich ob der minutenlangen Dauerbefeuerung selbst in Ekstase geriet.

Vorher wurden aber auch mitunter leisere Töne angeschlagen und hochmelödiös und poetisch war es sowieso immer. Kaum eine Band hat so filigrane, feinziselierte Songs zu bieten, Songs wie den herzerwärmenden The Courage Of Others, die das Zeug zu modernen Klassikern haben.

Was die Langzeitwirkung der neuen Liedern von dem bald erscheinenden Album Antiphon zu halten ist, war nach lediglich einem Hördurchgang für mich freilich kaum zu beurteilen, wenngleich Antiphon und Provider auf Anhieb aufhorchen ließen. Klar wurde aber jetzt schon, daß Midlake als Band, in der jeder seine wichtige Rolle spielt (Pluspunkte neben dem bereits oben gelobten Drummer für den exquisiten Querflötenspieler!), gewachsen ist, was auch in der Performance und den Stücken zum Ausdruck kam. Vormals waren sie sicherlich eher auf die Person des Sängers Tim Smith und seine Liedschreibkunst fixiert, nun aber ist es eher eine Teamleistung, die sie zeigen.





Aus der Zeit von Tim stammt allerdings ein Stück namens Kingfish Pies vom ersten Album Bamnan and Silvercork, das man knapp zehn Jahre nach seinem Erscheinen noch einmal wiederentdecken sollte. Schon damals waren Midlake eine feinfühlige, melodienverliebte Band und dass es nun auch ohne Smith trotzdem weitergeht, erfeut um so mehr.

Eine Stunde Konzert mit Midlake war jedenfalls trotz der Bullenhitze in der Fléche d'or ein richtiger Genuss und da auch die vorher auftretende belgische Jazzsängerin Mélanie de Biasio Erlesenes zu bieten hatte, konnte man wirklich von einem gelungenen Abend sprechen.

01: Young Bride
02: We Gathered In Spring
03: Antiphon
04: Provider
05: Rulers, Ruling All Things
06: The Courage Of Others
07: Kingfish Pies
08: It's Going Down
09: Aurora Gone
10: The Old & The Young
11: Roscoe
12: Reprise

13: Head Home 



Mittwoch, 14. September 2011

John Grant, London, 07.09.11

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Konzert: John Grant (with Midlake) & Lanterns on the Lake

Ort: Royal Festival Hall, London
Datum: 07.09.2011
Zuschauer: wohl ausverkauft
Dauer: Lanterns on the Lake 45 Minuten, John Grant 100 Minuten


"Welcome the boys from Midlake!" Keine Viertelstunde war seit ihrem Auftritt vergangen, da standen Midlake schon wieder bei ihrem Freund John Grant auf der Bühne. Auch wenn sie nur eine Zuschauerrolle einnahmen und sich vornehm im Hintergrund hielten - die Freude war dem ehemaligen Czars-Frontmann deutlich anzumerken. All das geschah am End of the Road-Festival in Südwestengland (Berichte von diesem fantastischen Wochenende folgen!), wenige Tage später kam die englische Hauptstadt in den Genuss eines noch denkwürdigeren Abends. Hauptverantwortlich dafür: John Grant und Midlake.

Als ich mir meinen Platz in der riesigen Royal Festival Hall kurz nach sieben zuweisen ließ, war noch wenig los im Konzertsaal. Die meisten Leute trieben sich noch im Foyer, an den Bars und in was-weiß-ich-noch welcher Ecke des Southbank Centres herum. Dieses darf man sich als lebendiges Kunstviertel vorstellen, einer der sympathischeren Gegenden Zentrallondons.

Gegen halb acht begannen dann Lanterns on the Lake aus Newcastle vor halbvollem Saal. Schon am End of the Road hatte das Sextett mit einem wunderschönen Auftritt seine Zuseherzahlen in kurzer Zeit verdoppelt und so strömten auch in London im Laufe des Konzerts immer mehr Leute in den Saal, die zuvor vielleicht noch die Bar vorgezogen hatten.

Erstes Highlight war Keep on trying, ein exemplarisch für das Gesamtwerk zu wertender Song: verträumte Stimme, Klangelegien aus Streichern und sanfter Elektronik, im Takt gehalten von samtweichem Schlagzeug. Die Songs haben großteils das Meer und seine Geschichten zum Thema, nicht umsonst heißt das Album Gracious Tide, Take me Home.

.


Sängerin Hazel Wilde bedankte sich sichtlich beeindruckt beim Publikum, dies sei die größte Location, die sie bis dato bespielt hätten. Das wird auch hoffentlich so bleiben, denn einer Band wie den Lanterns on the lake tut man mit einer intimen Schauplatzwahl wohl den größten Gefallen. Der glasklare Sound und die der Band entgegenschlagende Zuneigung ließ einen die Größe des Saals allerdings weitgehend vergessen.

Es folgten A Kingdom und You Need Better, einer der letzten Songs endete in einem energiegeladenen Ausbruch, zu dritt wurde das Schlagzeug bearbeitet, das Keyboard wurde behämmert, zum Schießen der Gitarrist, der sein Instrument mit einem Geigenbogen spielte und dessen heftige Bogenstriche in keinerlei Verhältnis zur erzielten Lautstärke standen. So sieht das also aus, wenn eine brave Truppe wie die Newcastler aufdreht. Lanterns on the lake gone wild!
Den Abschiedsapplaus hatten sie sich dann redlich verdient, eine dreiviertel Stunde lang haben sie den Saal verzaubert, möchte man angesichts ihres Faibles fürs Wasser eine Band mit ungleich weniger Eleganz zitieren: die perfekte Welle (zum Dahinträumen) erwischt.
Schon bald übrigens, im Oktober, eröffnen sie ein weiteres Mal für einen großen Namen in London, Yann Tiersen diesmal.

Der große Name des Abends aber war John Grant und der ließ nicht lange auf sich warten. Auf Midlake dagegen schon, denn Grant kam vorerst nur mit einer Geigerin auf die Bühne und hatte sichtlich Freude mit den bereits im Vorraus empfangenen Begeisterungsbekundungen. Zurückgezahlt wurden diese mit neuen Songs, der erste davon You don't have to. "Love songs with a certain 'Hope you end up in a wheelchair'-attitude."
Ein nettes Kerlchen, dieser John Grant. Aber es ist kein verbitterter Zynismus, den man einem Menschen mit Grants Biographie nicht einmal verdenken könnte, es ist die pure Lebenslust und Menschenliebe, transportiert einfach mit einem ganz eigenen Humor.

Dass man diesen Menschenschlag in seinem Element, der Bühne, erleben darf, das hat man Midlake zu verdanken. Die Geschichte ist bekannt: Den sich aus seiner Musikerlaufbahn mit The Czars in ein neues Leben mit altem (fortgsetztem) Dolmetscherstudium zurückgezogenen John Grant laden Midlake zu sich nach Hause ein und versprechen ihm jegliche Unterstützung, wenn er doch nur wieder Musik macht.
John Grant erzählt diese Geschichte gerne, man spürt, wie er sich noch immer freut, sich überredet haben zu lassen. Er erzählt vom Essen, das die Frau von Eric Pulido ihm gekocht hat, vom Aufnahmeprozess und vom Spaß, den er so noch nie im Studio gehabt hätte.

Über den Lauf des Abends verteilt stellt Grant dann ganz entgegen seines Nachnamens Entertainerqualitäten unter Beweis, alle Mitglieder seiner backing band bekommen - liebvoll, versteht sich - ihr Fett weg. "When I first met Eric Pulido, I thought he was the biggest asshole." Kunstpause. "But as time passed by, I realized that he really was." John Grants Art zu scherzen ist nicht unbedingt die handelsübliche. Lieber einen guten Freund verlieren, als eine gute Pointe auszulassen - das wäre wohl seine Devise. Wenn Midlake nicht die Sorte von Freunden wären, mit denen man sowas halt auch wirklich machen kann. Die dickhäutig sind und selbst nur auf die Chance zur Revanche warten.

Aber es werden auch viele Komplimente gewechselt, Bassist Paul Alexander hat es Grant besonders angetan. Basslinien, die dieser im Studio spaßeshalber improvisiert hatte, sind der Grund dafür. Von Alexander für lächerlich trashig befunden, machte Grant von seinem Recht auf das letzte Wort Gebrauch und verewigte diese in seinen Songs. "I have most fun watching Paul Alexander play the bass."

In der Tat ist der Grat, auf dem das Album Queen of Denmark wandelt, ein ganz schmaler (das beweisen auch die Berichte von Oliver und Christoph, die John Grant vom Grat abgestürzt sehen), begrenzt von großen Gesten und stellenweise radikal-seichten Lyrics, andererseits ein großartiges, subtiles Werk. So grundverschieden die Harmonievorstellungen von Midlake und dem ehemaligen Czars-Sänger sind, so fantastisch ist die Leistung, die mit diesem Album geglückt ist.

Auch an diesem Abend verstanden sich Midlake zwar nicht als bloße Begleitband, aber doch eindeutig in der Rolle der Unterstützer, die Grant den Rücken quasi freihielten und ihn zu Höchstleistung antrieben. Solche gelangen zum Beispiel mit I wanna go to Marz oder dem fabelhaften Where dreams go to die, Gänsehaut und wohlige Seufzer rief allerdings auch Outer Space, gewidmet einem Freund und zur Verstärkung der Emotion solo am Klavier vorgetragen, hervor.

Der letzte reguläre Song sollte das spottbeseelte und titelgebende Queen of Denmark sein, als Grant zu letzten Worten ansetzte, unterbrach ihn allerdings Eric Pulido, Grant hätte doch schon genug erzählt, jetzt seien einmal er und seine Band dran: "First of all: Before I first saw him, I knew that he was the biggest asshole ever." Da waren sie wieder quitt. Pulido nutzte noch die Chance um zu verkünden, wie gerne er Grant hätte und wie großartig es für sie, die damals noch kleinen Midlake, gewesen sei, den Bella Union-Kollegen vor Jahren auf dem SXSW-Festival zu treffen. Obwohl natürlich: "We knew that he was an asshole." Und wie schön, dass sich daraus eine Freundschaft und eine schöne Tour ergeben hätte.

John Grant gab dann noch Caramel zum Besten, bis schließlich ein Klassiker seiner Ex-Band den Abend beenden sollte. John Grant, alleine am Klavier: Little Pink House.
Die Londoner tobten regelrecht vor Begeisterung, erwiesen ihm mit Standing Ovations die Ehre und machten den sonst in allen Situationen souverän wirkenden Amerikaner gerührt. London bekam dann eine Dankesrede gehalten, an deren Ende: das Versprechen, bald zurückzukehren.

Wie dankbar muss man Midlake für ihre in Taten umgesetzte Verehrung John Grants sein, welch kurzweiligen und tiefgründigen Abende wären der Welt vorenthalten geblieben, hätten sie ihren Freund nicht zurück zur Musik gebracht. Dabei hatte ich bei den ersten Hördurchgängen des Albums noch zeitweise Langeweile bis Abneigung gegenüber der dick aufgetragenen Gefühlspaste verspürt.
John Grant, when I first saw you, I thought that you're just a ordinary songwriter. Gut, dass ich ihn ein zweites Mal erleben durfte. John Grant - eine Ausnahmeerscheinung.

Thanks for the photos to Sapphire Mason-Brown!

Aus unserem Archiv:

John Grant, Paris, 14.06.10



Freitag, 5. November 2010

Festival des Inrocks 1. Tag, 04.11.10

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Konzert: Festival des Inrocks, erster Tag mit Beach House, Midlake, Anna Calvi, Espen & The Witch und anderen

Ort: La Cigale & La Boule Noire, Paris
Datum:04.11.2010
Zuschauer: jeweils ausverkaufte Locations
Konzertdauer: Konzerte von 18 Uhr bis Mitternacht


Wenn Al Qaida gestern eine Bombe auf die Pariser Cigale geworfen hätte, wäre ein Großteil der Pariser Indieszene ausgelöscht worden. Alle waren sie da: Musiker, Labelleute, Journalisten Fotografen, Blogger, Fans. Das alljährlich im November in Paris und anderen Städten Frankreichs stattfindene Festival des Inrocks ist eines der ganz großen Highlights des Musikjahres. Ich liebe die Atmosphäre, die Stimmung, das ganze Drumherum. Man trifft so viele bekannte Gesichter, in der Regel nette, fachkundige Freaks, die ebenfalls den ganzen Tag nur an das Eine denken (und ich meine jetzt nicht Sex oder Fußball). Aber wie waren die Konzerte? Hielten sie, was sie versprachen? Auf Grund des Zeitdrucks (gleich geht schon der zweite Festivaltag los) kann ich zunächst nur ganz kurz resumieren.

John Grant: Habe ich bewusst ausgelassen. Ein Mädchen im Forum des Veranstalters Les Inrocks brachte das Problem auf den Punkt "Ich dachte jeden Moment, jetzt würde der Kerl anfangen, Candle In The Wind zu singen. Will heißen: John Grant klingt nach Elton John und Billy Joel. Igitt!

The Acorn: Die Kanadier mit dem deutschstämmigen Sänger wurden als erst aufs Publikum gehetzt. Leider habe ich sie verpasst.

Esben & The Witch: Ein Konzert (Foto rechts) in der kleinen Boule Noire. Düster, tribalisch, okkultisch, dämonisch, spannungsgeladen. Definitiv eine Band, die ich mir noch einmal bei einem "richtigen" Konzert ansehen muss!

Beach House: Für mich die Enttäschung des Tages. Ausgerechnet beim Hit Norway war der Sound beschissen und auch sonst war das Ganze nicht perfekt ausbalanciert. Victoria mühte sich zwar nach Kräften, wirbelte wieder ihr Haar wild durch die Luft und hopste wie ein Känguruh, aber ihre Stimme war heute nicht gut geölt. Leider nur gehobenes Mittelmaß.

Midlake: Das beste Konzert des Tages. Die Texaner haben mich bisher immer auf CD restlos überzeugt, aber live fehlte stets ein Tick Dynamik. In der Cigale boten sie aber ihre famosen Lieder (Roscoe, Head Home) in einer deutlichen rockigeren Version und schafften es so, das Publikum mitzureißen. Einen umfeierten Gastauftritt hate Jason Lytle von Granddaddy (Am 180).

Setlist Midlake, La Cigale, Paris:

01: Fairest Way (neu)
02: Children Of The Ground
03: Winter Dies
04: My Young Bride
05: Roscoe
06: Core Of Nature
07: Dawn Has Arrived (neu)
08: Am 180 (Grandaddy)
09: Head Home

10: Branches


Anna Calvi:

Auf die zierliche Blondine mit dem Dutt muss man aufpassen. Die elegante Frau hat Potential. Ihr Konzert in der restlos überfüllten Boule Noire, das sie zusammen mit einem Drummer und einer Harmoniumspielerin bestritt, war aber zu kurz (nur 5 oder 6 Lieder), um voll auf seine Kosten zu kommen. Kürzlich hatte sie bereits im Vorprogramm von Grinderman für postive Schlagzeilen gesorgt. Wir werden sicherlich noch so einiges von ihr hören, Anna hat ein feuriges Temperament und eine kraftvolle Stimme...



Dienstag, 6. Juli 2010

Broken Social Scene & Midlake, Frankfurt, 05.07.10

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Konzert: Broken Social Scene (& Midlake)
Ort: Mousonturm, Frankfurt
Datum: 05.07.2010
Zuschauer: ausverkauft*
Temperatur: am Ende mehr als 30°
Dauer: Broken Social Scene gut 105 min, Midlake knapp 40 min


Irgendwann stöhnte der Security Mann nur noch, wenn Broken Social Scene Gründer Kevin Drew noch ein Lied ankündigte. Es wurde immer später und wärmer. Aber außer dem Sicherheitsmann mochte wohl jeder, daß es immer noch etwas länger dauerte.

Vor dem kanadischen Kollektiv hatten Midlake aus Texas den Vier-Gitarristen-Mottoabend eröffnet. Obwohl mir die große Ähnlichkeit von Sänger Tim Smith mit Klausi Beimer fast das Konzert versaut hätte, waren die knapp 40 Minuten herausragend.

Rest folgt, zu müde, die Setlisten zusammen zu basteln...


* aber weniger ausverkauft als sonst



Dienstag, 2. Februar 2010

Midlake, Paris, 02.02.10

4 Kommentare

Konzert: Midlake

Ort: Le Nouveau Casino,
Paris

Datum: 02.02.2010

Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 90 Minuten



Ich bin krank. Fieber, Halzschmerzen, Gliederschmerzen, das volle Programm. Nix war es mit dem sehnlich erwarteten Konzert der Texaner von Midlake, die im Pariser Nouveau Casino Songs ihres neuen Albums The Courage Of Others präsentierten. Mein Freund Philippe D. war allerdings vor Ort und berichtete hinterher von einem exzellenten Konzert. Das Vorprogramm bestritt die Folksängerin Sarah Jaffe, zusammen mit dem Pianisten von Midlake und Robert Gomez, bevor Midlake zu siebt die Bühne enterten. 4 (!) Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug und eine Flöte (Piano) gehörten zum Instrumentarium. Logisch, daß sie derart bestückt veritable Gitarrenwände hochgezogen haben, die aber nichts an dem eleganten Stil -Folk Pop im Stile der 1970er er Jahre, änderten.

Hinsichtlich der Setlist wurde das komplette neue Album gespielt, zuzüglich der ersten 6 Lieder von Van Occupanther, die sich in neu arrangiertem Gewande präsentierten. Das erste Album ließ man hingegen komplett aus.

Fulminant das Finale mit einer unfassbaren Version von Head Home und der einzigen Zugabe Branches!

Pour nos lecteurs français (par Philippe D., merci beaucoup!)


Je sors du concert, qui a été excellent!

En première partie, Sarah Jaffe (chanteuse folk de la ville de Denton), accompagnée par le clavier de Midlake et par Robert Gomez (à la guitare, à la basse, aux backing vocals et même à la batterie ! (il avait fait la première partie de Midlake en 2007 au Trabendo).

Ce qui frappe d'abord quand on voit Midlake, c'est qu'ils sont 7 sur scène, dont 4 (!) guitares, 1 basse, 1 batterie et 1 flutiste-clavier. Tim Smith, le leader du groupe, joue également de la flute sur certains morceaux ( en plus de sa guitare).

Tout ça constitue un mur de son à la fois puissant et sophistiqué, avec un esprit très folk- pop anglais du début des années 70 (c'est le style du nouvel album).

En ce qui concerne la setlist (je n'ai pas tout noté), ils ont joué quasi intégralement le nouvel album (au moins 10 titres sur les 11 qu'il comprend)... Et les 6 premiers titres de Van Occupanther ( c'est à dire les meilleurs), dont certains ont été réarrangés pour inclure de la flute. Aucun titre du premier album... Le concert, qui a duré 1 h 30, s'est terminé par une version incroyable de Head Home. Un seul rappel : une longue ( et excellente) version de Branches.

Photos par Philippe D. Merci!

Link:

- Album Rezension Midlake - The Courage Of Others von Blogger-Lichtgestalt Eike vom Klienicum. Klick!

Aus unsererm Archiv:

Midlake, Evreux, 07.07.07
Midlake, Paris, 20.04.07
Midlake, Paris, 11.11.06


Ausgewählte Konzerttermine Midlake (ohne Gewähr)

09.02.2010: Lido, Berlin
10.02.2010: Paradiso, Amsterdam
11.02.2010: AB Box, Brüssel
12.02.2010: Anson Rooms, Bristol
14.02.2010: Vicar, Dublin
15.02.2010: ABC, Glasgow
16.02.2010: Town Hall, Birmingham
17.02.2010: Academy, Manchester
18.02.2010: Shepherds Bush Empire, London





Sonntag, 8. Juli 2007

Midlake, Evreux, 07.07.07

2 Kommentare
Konzert: Midlake
Ort: Evreux, Normandie (Le Rock Dans Tous Ses Etats)
Datum: 07.07.2007
Zuschauer: Tausende


Midlake sollte der erste richtige Act des Festival-Tages für uns sein, denn die zuvor auf der Hauptbühne aufgetretene Mademoiselle K verpassten Cécile und ich fast vollständig, wir bekamen von ihr gerade noch das letzte Lied mit. Am heutigen Samstag stand der zweite Tag des wunderbaren Festivals in Evreux (gut eine Autostunde von Paris entfernt) auf dem Programm. Den gestrigen Freitag hatten wir allerdings nicht mitbekommen, da wir zur gleichen Zeit als die Headliner Maximo Park in der Normandie antraten, bei Kaiser Chiefs in Paris waren. Schade drum, aber man kann sich ja leider schlecht zweiteilen (vielleicht sollte sich die Wissenschaft da mal was ausdenken...).

Midlake nun, hatten die Aufgabe, das Publikum sanft einzustimmen, die lärmenden
Headliner wie z.B. Frank Black und die Kaiser Chiefs sollten erst wesentlich später (im Falle der Kaiser Chiefs um 24 Uhr) das normalerweise beschauliche Waldgrundstück zudröhnen. Wer aber glaubte, von den Texanern fade Kost vorgesetzt zu bekommen, sah sich schnell im Irrtum. Zwar sind einige Stücke des Quintetts eher beschaulich, wie z.B. das wundervolle "In This Camp", aber daneben haben auch flottere Stücke, beispielsweise "Roscoe" ihren Platz. Ganz abgesehen von den psychedelischen Phasen innerhalb einzelner Songs, so bei der Singleauskoppelung "Head Home", wo man bei den spacigen Gitarrensoli an Bands aus den 70ern erinnert wird. An Pink Floyd könnte man denken, Neil Young, die Beatles und noch so einige andere. Das Schöne am Sound von Midlake ist aber, daß er trotz des nicht zu leugnenden 70er Einschlags gleichzeitig auch modern, bzw. zeitlos wirkt. "Young Bride" mit seinem herrlich prägnanten Basslauf, der nach knapp einer Minute einsetzt, ist ein gutes Beispiel dafür. Gleichzeitig treibend, aber auch sanft melancholisch und verträumt, einfach fabelhaft! Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Festival-Publikum das filigrane Spiel der Amerikaner so recht zu würdigen wußte, schließlich ist die Band in Gestik und Auftreten eher diskret und zurückhaltend und somit nicht wirklich massenkompatibel. Diejenigen, die aber - wie ich - genau hinhörten und den wunderbaren Klängen lauschten, anstatt auf der Wiese den Rausch vom Vortag auszuschlafen, bekamen für's Herz so einiges geboten. Wenn sich Sänger und Gitarrist Tom Smith hinter sein Piano setzte und nachdenklichen Blickes vor sich hinschmachtete, mußte ich schon das ein oder andere Male schwer schlucken. Man könnte jetzt sagen, Midlake würden sich eher für den Herbst oder Winter eignen, um ihre CD vor dem offenen Kamin zu hören (ach, immer diese Klischees!) und hätte damit vielleicht gar nicht so Unrecht, aber Fans wie mir gefallen sie halt eben auch im Sommer.

Besonders schön war, daß sie auch neue musikalische Köstlichkeiten mit in die Normandie gebracht hatten, von denen ich bei meinen drei vorangegangenen
Konzerten noch nicht kosten durfte. So gab es z.B. eine Cover-Version eines Chemical Brother Liedes (!), "The Pills Won't Help You Now" zu bestaunen. Ich kenne das Original nicht, denke aber, daß es sich mit großer Sicherheit komplett anders anhören wird. Kann man sich eigentlich größere musikalische Gegensätze vorstellen? Techno auf der einen Seite (Chemical Brothers) und eher altmodischen Folk-Rock wie er von Midlake gespielt wird, auf der anderen, schon kurios! Wie auch immer, beides hat seinen Reiz. Genau wie das nagelneue "Children Of The Grounds". Da dürfen sich Fans schon auf das dritte Album freuen, wenn der Rest nur annähernd so gut wird!

Altbekanntes vom "Van Occupanther" gab es dann zum Abschluss. Mit "Bandits" und natürlich "Roscoe" setzten Midlake frühe Glanzlichter am heutigen zweiten Festival-Tag.

Setlist Midlake Evreux:

01: We Gathered In Spring
02: In This Camp
03: Young Bride
04: Van Occupanther
05: Head Home
06: The Pills Won't Help You Now (Chemical Brothers Cover!)
07: Children Of The Grounds (neu)
08: Bandits
09: Roscoe



Samstag, 21. April 2007

Midlake & Stephanie Dosen, Paris, 20.04.07

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Konzert: Midlake & Stephanie Dosen
Datum: 20.04.2007
Ort: Le Trabendo, Paris
Zuschauer: waren trotz des schönen Wetters einige da


An einem abermals herrlich sonnigen Frühlingstag zog es mich zum zweiten Mal in dieser Woche raus auf das Gelände von La Villette. Der Müll, den die pubertierenden Tokio Hotel Fans hinterlassen hatten, war inzwischen geräumt und die schöne Wiese auf dem Areal wieder ziemlich einladend, da die Abendsonne noch wärmte... Auch die Géode strahlte im Glanz der letzten UV-Strahlen, so dass ich am liebsten hier mein Haupt gebettet hätte, um gemütlich wegzudämmern.

Aus musikalischer Sicht wäre das aber bedauerlich gewesen, denn das glänzende Label Bella Union, das vom ehemaligen Cocteau Twins Musiker Simon Raymonde gegründet wurde, feierte sein zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurden drei Bands bzw. Künstler des Labels für den heutigen Abend engagiert, als da wären, der gutaussehende Sonnyboy Robert Gomez aus Denton, Texas, die hübsche Blondine Stephanie Dosen und als Haupt-Act die ebenfalls aus Denton stammenden Midlake.

Als ich etwas unmotiviert den Weg Richtung Trabendo einschlug und in den Saal eintrat, bekam ich gerade noch das letzte Lied von Robert Gomez mit. Musikalisch wird er oft mit Elliott Smith verglichen, was ich da hörte, war allerdings etwas rockiger. Ich denke, es lohnt sich den Lockenkopf zu entdecken, zumal bei Bella Union eh keine schlechten Musiker vertreten sind.

Hatte ich von Herrn Gomez zumindest schon mal gelesen, so sagte mir Stephanie Dosen bisher überhaupt nichts und dass obwohl, wie ich am Merchandising Stand sah, eine CD aus dem Jahre 2003 erhältlich war. Im Mai 2007 erscheint dann ihr neues Album "A Lily For The Spectre", von dem sie auch eine handvoll Lieder spielte (es waren genau deren fünf) und das sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen! Die zierliche Frau hat nämlich eine wundervolle Stimme, die mir auf Anhieb gefiel. Lieder voller Poesie und Melancholie, heute dargeboten von einer ebenfalls blonden Violinistin und einer brünetten Dame am Kontrabass. Toll! Besucht doch mal die MySpace-Seite, dort finden sich auch zwei Songs, die heute gespielt wurden, "Overcome" und "Vinalhaven Harbor". Zum Abschluss des leider kurzen Sets gab es dann noch den Titelsong des neuen Werkes.

Die Einstimmung in den Abend war also gelungen, der Spass an einem Musikkonzert zurückgekehrt. Die fünf Burschen von Midlake sollten dann auch keine Spielverderber sein, im Gegenteil. Schon mit dem Opener "Gathered in Spring" hatten sie mich wieder in ihren Bann gezogen und ich fragte mich, warum ich eigentlich ihr fabelhaftes Album "The Trials of van Occupanther" in letzter Zeit nicht mehr so oft gehört hatte, war es doch schliesslich eines meiner Top Ten-Alben des Jahres 2006. Und nicht nur bei mir stand dieses zweite Werk ganz hoch im Kurs, sondern auch bei etlichen Musikjournalisten. So war es Platz 9 in der Jahresbestenliste bei Mojo, 7 bei Uncut, ebenfalls Top Ten bei Les Inrocks und immerhin 21 bei Q und 40 beim NME.Viel Lorbeer also, für eine Band, die doch eigentlich "altmodisch" klingt, wenn man gemein ist. So einiges aus den 70ern kann man aus ihrem Sound raushören, manche sagen Crosby Stills & Nash, andere sprechen von Pink Floyd und so weiter. Das mag zutreffen, fest steht aber, dass es die feingliedrigen Texaner geschafft haben, den 70er-Mief ausgemistet zu haben und nur die schönen melancholischen und oft psychedelischen Melodien ins neue Jahrtausend transportiert zu haben.

Ganz glänzend dann auch Titel zwei des Abends, "Roscoe", eines der besten Lieder der Band, ein treibender, mittelschneller Folk-Rock Song. Ein ganzes Feuerwerk brillanter Songs brannten sie dann ab, was vom fachkundigen Pariser Publikum auch hinreichend gewürdigt wurde. "Es ist schon seltsam, aber es ist tatsächlich so, dass wir in Frankreich die meisten Platten verkaufen, vielen, vielen Dank!", sagte Sänger Tim Smith aufrichtig gerührt. Recht haben sie die Franzosen, wenn sie schon selbst keine sonderlich gute Musik machen, beweisen sie doch zumindest in der Auswahl englischer Musik ein sicheres Händchen! Auch ein nagelneuer Song wurde gespielt, ansonsten stammte alles bis auf zwei Ausnahmen vom "Occupanther" Album. Die Ausnahmen bezogen sich auf Songs vom Erstling "Banman and Silvercork", darunter, das an die Flaming Lips und Coldplay (!) erinnernde "Some of them were superstitious". Besonders gut zogen dann auch noch "Young Bride", das die Leute schon an seinem glänzenden Basslauf erkannten und die Singleauskoppelung "Head Home". Da kam richtig ausgelassene Stimmung auf, es sage also bloss keiner mehr, Midlake machten Altherrenmusik! Berauscht von der zarten Sentimentalität der Lieder und den psychedelischen Gitarren hätte ich noch stundenlang zuhören und schwelgen können. Leider war aber dann mit "Branches" zum Abschluss endgültig ausgeschwoft und ich entschwand beseelt in die Pariser Nacht.

Setlist Midlake

01: We gathered in Spring
02: Roscoe
03: Van Occupanther
04: Bandits
05: neu
06: Some of them were superstitious
07: ? (auf jeden Fall vom ersten Album)
08: In this camp
09: Young Bride
10: Chasing after deer
11: Head home

12: It covers the hillside (Z)
13: Branches (Z)

von Oliver


Sonntag, 12. November 2006

Bat for Lashes, Love is all, Guillemots, Midlake, Gang of Four, Paris, 11.11.06

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Konzert: Bat for Lashes, Love is all, Guillemots, Midlake, Gang of Four
Datum 11.11.2006
Location: La Cigale, Paris
Zuschauer: fast ausverkauft

Los ging es heute bereits um 17.30 Uhr, denn schließlich traten im Rahmen des Festival des Inrocks fünf Gruppen auf. Den Auftakt machten in der bereits zu dieser frühen Stunde gut gefüllten Cigale Bat for Lashes. Hinter dem Namen verbirgt sich die junge und sehr hübsche Natascha Khan, übrigens verwandt mit dem hervorragenden Squash-Spieler. Die regelmäßig als Squaw auftretende Musikerin, die ich dieses Jahr bereits zum zweiten Mal sah, wird von drei jungen weiblichen Bandmitgliedern begleitet, die übrigens erstaunlich talentiert, munter die Instrumente wechseln. Mal sitzt Natascha am Klavier, mal ihre Freundin, etc. Den Musikstil könnte man als feenhaften Folk-Pop bezeichnen, aber es ist nicht so leicht das Ganze in eine vorgefertigte Schublade zu stecken, da Natascha erfreulicherweise viele neue, gute Ideen einbringt. Stimmlich wird als Referenz immer wieder Björk genannt, auch der Name Kate Bush fällt ziemlich häufig. Toll ist, daß die Musik gut hörbar bleibt, trotz des experimentellen Einschlags. Streicher kommen hier zum Einsatz, immer wieder eine Rassel, Handclaps, das Piano natürlich auch und auch eine große Trommel, auf die Natascha bei einem Titel gemeinsam mit ihrer Bandkollegin einhämmerte. Besonders aufgefallen ist mir bei dem leider ziemlich kurzen Set insbesondere das Lied "The Wizard", übrigens dem gerade erschienenen Debütalbum "Fur and Gold" entnommen. Hier passte der Vergleich mit Kate Bush ziemlich gut, aber die stimmliche Bandbreite von Fräulein Khan reicht viel weiter. Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen.

Nach ein
er kurzen Pause geht dann der rote Vorhang auf für die fünf jungen Schweden von Love is All. Die körperlich Kleinste ist hier die Größte, ich spreche von der zierlichen blonden Sängerin Josephine Olausson, die völlig ungeniert die freche Punk-Göhre raushängen läßt. Stimmlich könnte man sie mit Minni Mouse vergleichen, denn sie piepst so schrill, daß sie womöglich Glas zum Bersten bringen könnte. Mir kam sofort der Vergleich zu einer Band aus den sehr frühen 80ern namens Altered Images, die mit dem Song "Happy birthday" einen Hit hatten. Ansonsten passt natürlich wie so oft bei einer weiblichen Punksängerin der Vergleich zu Blondie. Blondie ist auch deshalb als Referenz geeignet, weil Debby Harry zu einer Zeit aktiv war, in der ein schrilles Saxophon jedes Lied verziert, bzw. versaut hat. Ich spreche natürlich von den späten 70ern, bzw. frühen 80ern. Ja, ja ein Saxophon gibt es bei Love is all, es ist nicht zu überhören. Gestartet wurde das Set übrigens von dem fetzigen "Talk Talk Talk" und beendet wurde es von dem bisher größten Hit "Make out fall out make up". Leider ging das Publikum nicht sonderlich mit, aber es spendete zumindest artig Applaus.

Dann folgte der übliche Umbau bevor die Kritikerlieblinge Guillemots die Bühne betraten. Zunächst sah man aber nur einen und zwar Sänger und Pianist Fyfe, der mit Clochard-Hut-und-Mantel die Ballade "My chosen one" vortrug. Stimmlich war er voll auf der Höhe, da gab es überhaupt nichts auszusetzen, selbst wenn man den Musikstil der Guillemots nicht sonderlich mag. Dann kam die erstaunlich heterogene Band (sind die gecastet?) dazu, wobei insbesondere die hübsche Kontrabass-Spielerin ins Auge stach. Gespielt wurden natürlich Songs des Debütalbums "Through the Windowpane", das von den Kritikern mit Lob nur so überschüttet wurde. Nach dem heutigen Abend meine ich zu Recht. Selbst wenn man den etwas schmalzigen und überfrachteten Stil nicht schätzt, so muß man doch fairerweise die Kreativität und die Musikalität dieser Gruppe, deren Mitglieder übrigens aus vielen verschiedenen Nationen stammen, anerkennen. Ein Höhepunkt für mich war der beschwingte "Made-Up Lovesong#43", dessen Titel Sänger Fyfe mit etwas Mühe ins Französische übersetzte. Er weiß wahrscheinlich, daß es bei Franzosen immer überaus gut ankommt, ein paar französische Sätze anzubringen. Anbiedernd fand ich diese Geste aber nicht. Das Set, welches u.a. auch "Anni let's not wait" umfasste, ebenso wie den Titeltrack, wurde wie auch auf dem Album von dem fabelhaften "Sao Paulo" abgeschlossen, ein Titel, der sich über 11 Minuten erstreckt, ohne allerdings langweilig zu werden. Ich war jedenfalls ziemlich begeistert, auch wenn ich Cécile noch nicht so richtig überzeugen konnte.

Als vorletzte Gruppe des Abends durften dann die fünf eher schüchternen Texaner von Midlake zeigen, ob die Lorbeeren, die sie von Kritikern für ihr Album "The Trials of van occupanther" erhalten hatten, zurecht verteilt wurden. Midlake hatte ich dieses Jahr bereits als Vorgruppe der Flaming Lips gesehen und einen recht positiven Eindruck gewonnen. In der Zwischenzeit ist deren aktuelles, oben erwähntes Album schon so einige Male durch meinen i-pod gelaufen und ich habe es sehr lieb gewonnen. Bereits der dritte Titel des Sets stellte für mich dann ein erstes kleines Glanzlicht dar. Romantische Geigentöne erklangen, gefolgt von einem behutsam gesetzten Schlagzeug, bevor der sich durch den ganzen Song erstreckende markante Basslauf einsetzte. Gemeint ist das wunderschöne Lied "Young bride", für mich eine der besten Singles des Jahres. Fast jedes Lied wurde übrigens visuell durch richtige kleine Spielfilme unterstrichen, hier kamen folglich auch die Cineasten auf ihre Kosten. Weitere Höhepunkte waren das gesanglich etwas an Thom Yorke erinnernde "Branches" und eine der wenigen schnelleren Nummern "Roscoe". Insgesamt dominierten aber eher die ruhigen, sentimentalen Stücke, denen etwas herrlich Altmodisches innewohnt. Viele Musikkritiker zitieren immer wieder etwas mittelmäßige Bands aus den 70ern, wie z.B. Crosby & Nash, oder auch Fleetwood Mac. Diese Vergleiche können aber in die Irre führen, denn es handelt sich eher um das Phänomen, das Midlake einen Sound kreieren, der wegen seiner Unaufgeregtheit und Gediegenheit so gar nicht in die heutige Zeit passen will. Ich habe jedenfalls wieder einen sehr positiven Eindruck gewonnen, obwohl ich zugeben muß, daß mich allmählich nach etwas schnellerer, härterer Musik dürstete.

Von den Postpunk-Veteranen der Gang of Four wurde dieses Bedürfnis allerdings hervorragend gestillt. Vor deren Auftritt stellte ich mir zusammen mit Cécile und einem sehr netten deutschen Mädchen, mit dem sehr französich klingenden Namen Odile die Frage, ob denn die Band aus Leeds auch heute noch etwas tauge. Wer Musikzeitschriften liest, weiß, daß deren zeitweise vergriffenes Album "Entertainement" als eines der besten und einflußreichsten der Rockgeschichte gilt. Aktiv war die vierköpfige Band übrigens offiziell von 1977 bis 1984, ehe sie sich 2004 in der Urbesetzung neu formierten. Die Band besteht aus Jon King (Gesang), Andy Gill (Gitarre), Dave Allen (Bass) und Hugo Burnham (Schlagzeug). Unsere Zweifel, ob es Sinn macht, in dem Alter noch mal ein Comeback zu starten, wurden bereits nach dem ersten Titel eindrucksvoll weggewischt. Jon King stürmte wie ein wildgewordener Gorilla auf die Bühne, hüpfte mit ausgebreiteten Armen in der Hocke von links nach rechts und stellte sich oft beschwörend wie ein Guru vor die schnell in Extase geratene Menge. Es ging ganz gewaltig der Punk ab und schnell wurde in den vorderen Reihen Pogo getanzt. Neben dem wie sich wie ein Psychopath gebärdenden Sänger wirkten natürlich die messerscharfen Bassläufe und stakkatischen Gitarrenriffe als Stimulanz. Nicht nur ich war sprachlos, ob dieses Spektakels. Ich verwende dieses Wort nicht gerne, aber hier passt es: es war saugeil! Die alten Hits wurden abgefeuert, daß es nur so krachte.Von Highlights will ich eigentlich nicht sprechen, da es gar keine Verschnaufpause gab, ich würde als erstes ganz großes Glanzlicht aber trotzdem "At home he's a tourist" bezeichnen. "At home he feels like a tourist, he fills his head with culture, he gives himself an ulcer (Magengeschwür!)", schmetterte Jon King der wilden Masse in die Fresse. Hierzu stellte er sich ganz nah an den Bühnenrand und peitschte die Leute hektisch gestikulierend noch zusätzlich auf. Alle waren außer Rand und Band, auch mir zuckte es gewaltig in den Füßen. Manchmal wurde bewußt ein ruhigeres Lied eingestreut, damit sich Jon, der schweißgebadet war, ein wenig erholen konnte. Manchmal lag er halbtod auf dem Boden, nur um dann beim nächsten Titel noch mehr aufzudrehen. Spektakulär war eine Passage, in der Herr King mittels einer kurzen Eisenstange auf eine bereitgestellet Mikrowelle einprügelte. Schon nach kurzer Zeit hatte das Gerät gewaltige Dellen in der Mitte, bevor sich dann der Psychopath kurzerhand das Ding unter die schlaksigen Arme packte, um es mit Wut auf den Boden zu pfeffern. Das Publikum wieherte vor Vergnügen. Ruhiger und gespenstisch monoton und depressiv wurde es dann mit dem Lied "Anthrax", ein Titel, den man vor fünf Jahren bestimmt nicht hätte spielen dürfen. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken, so ungefähr habe ich mir Joy Division vorgestellt! Letztes Lied des offiziellen Sets war dann "To hell with poverty", ein Titel der auf die Neo-Marxistische Vergangenheit der Band hinweist. Der Song stellt geradezu ein Paradebeispiel dafür da, wie viele aktuelle Bands noch von der Viererbande beeinflußt sind, denn nicht nur ich stellte fest, daß "I need your love" von The Rapture stark von "To hell with poverty" abgekupfert wurde. Danach schlichen die alten, aber unglaublich dynamischen Herren erstmal von der Bühne. Was Zugabe sein würde war hier (fast) jedem klar. Natürlich "Damged goods", das noch mal gewaltig aufmischte. Unter völlig verdientem frenetischen Applaus verließen die Engländer dann den Ort des Geschehens. Ich war völlig platt, aber auch tief beeindruckt von diesem Spektakel. Die Senioren hatten den Jungspunden nochmal gezeigt, wo der Hammer hängt.

von Oliver



 

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