Sonntag, 30. November 2014

Kate Tempest, Köln, 28.11.14


Konzert: Kate Tempest
Ort: Stadthalle Mülheim, Köln (Week-End Fest #4)
Datum: 28.11.2014
Dauer: knapp 50 min



Vor gut 20 Jahren war ich zum ersten Mal bei einem Konzert in der Stadthalle Mülheim. Damals spielte Anne Clark, an die ich während des Konzerts von Kate Tempest immer wieder erinnert wurde. Nachvollziehen wird das niemand können, auch ich kann es nicht näher erklären. Hier die sehr lyrische, still stehende und vertonte Gedichte vortragende Anne Clark, da die wütend rappende Kate Tempest. Die offensichtliche Gemeinsamkeit der beiden Britinnen: sie begeistern mich für Sprechgesang (mit mehr oder weniger hohem Anteil Gesang).


Schon der Beginn war aufregend! Zunächst kam die Band auf die Bühne - zwei Schlagzeuger, eine Keyboarderin und eine Rapperin und begann, eine Melodie zu spielen. Kurz später kam Kate Tempest dazu - und die Musik stoppte! Die Londonerin sagte die ersten Strophen ihres Stücks Marshall law auf, ganz puristisch, minutenlang. Mittendrin dann, mit der Zeile "something was happening" setzte Musik ein, Kates Vortrag ging nahtlos im Satz in Gesang über. In Gesang, der immer wütender wurde. Was für eine Energie von der unscheinbar wirkenden Dichterin ausgeht, wenn sie rappt - irre! Wer nicht wusste, was ihn hier erwartete, wurde mit der zweiten Hälfte von Marshall law gepackt. Ich höre Kates Album häufig, nachdem ich es von Beginn an für besonders (gut), aber auch anstrengend hielt, dann aber die Kurve bekam und mehr und mehr begeistert wurde. Aber bitte - was ist denn die Platte gegen diesen Auftritt? Ich wusste also grob, was mich erwartet. Bei dem sehr speziellen Lineup des Week-End Fests weit jenseits von allen Booking-Konventionen (was brillant ist), ging dies aber vermutlich nicht allen so. 


Sich Kate Tempests Konzert zu entziehen, erschien mir aber schwer vorstellbar, zu faszinierend waren die knapp 50 Minuten gerappter Songs über Becky, Pete, Harry. Die ersten gut sieben Minuten Marshall law waren schlicht brillant und der Saal hin und weg. Und in Bewegung.


Bei einem Stück gab es noch einmal einen ruhigeren Moment, in dem Kate nur ein paar Sätze aufsagte, der Rest war wild und laut - und verflucht gut. 

Alle Stücke stammten vom Mercury Prize nominierten Album Everybody down. Besonders toll neben Marshall law waren The truth und vor allem The beigeness! Der Auftritt war spannend, kurzweilig und packend (wenn man keinen Rap-Hintergrund hat, sollte man Begriffe wie "flow" vermeiden) und leider viel zu schnell vorbei. Die große Begeisterung des Publikums schien sich auch auf die Künsterin zu übertragen. Sie schien ernsthaft beeindruckt von Saal und Publikum und vom Festival. Kate lobte uns und freute sich besonders auf den nachfolgenden Act. "Can't wait for ESG! Can't wait!"

Das Week-End Fest wird hoffentlich eine Dauereinrichtung in Köln! Die Mischung aus Musikhelden (wenn die Talking Heads irgendwann noch mal auftreten, dann in Mülheim. Biete eine Wette dazu an!) und spannenden neuen Künstlern ist einzigartig und kann nicht hoch genug gelobt werden! Das wird nie dazu führen, daß Massen das sehen wollen, dafür sind A Certain Ratio oder Teenage Fanclub nicht mehr hip genug. Es wird aber das Festival auch unter Musikern immer wichtiger werden lassen. "Ach, das sind die, die ESG geholt haben."
  

Kate Tempest wird riesig. Sie ist jung, voller Talente und eine brillante Performerin. Bevor sie das letzte Lied begann, fragte sie das Publikum, ob es eher ein schönes Stück, "heart breaking" hören wolle oder "hardcore". Die Entscheidung für Hardcore quittierte sie lachend mit "this is Germany!" Das letzte Stück wurde Happy end mit kleinen Scooter Melodien.

Vermutlich war die Zugabe dann das romantischere Stück, es war das einzige nicht von der ersten Platte stammende Lied Hot night cold spaceship, das ein fabelhafter Abschluß war. 

Setlist Kate Tempest, Week-End Fest #4, Köln:

01: Marshall law
02: The truth
03: Chicken
04: The beigeness
05: Stink
06: The heist
07: Circles
08: Happy end

09: Hot night cold spaceship (Z)


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