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Sonntag, 30. November 2014

Owen Pallett, Köln, 29.11.14

5 Kommentare

Konzert: Owen Pallett
Ort: Stadthalle Mülheim, Köln (Week-End Fest #4)
Datum: 29.11.2014
Dauer: 70 min




"Ich begrüße ihn mit den Worten, die er jetzt sein Leben lang hören wird: 'Here comes Academy Award nominee, Owen Pallett!'" 

Daß mein kanadischer Liebling Teil des Week-End #4 Lineups sein würde, war mir lange schon klar. Owen Pallett ist "Freund des Hauses" und musste irgendwann einfach das Kölner Festival spielen. 2014 war ideal, da das das Owen Pallett Jahr war. Im Frühjahr die Oscars (er gewann zwar leider mit der Musik für Her nicht und war daher auch nicht auf diesem doofen Selfie), im Mai sein eigenes Album und anschließend das erneute Touren als Support und zweite Geige* bei Arcade Fire.

Diese Doppelfunktion bei Arcade Fire hatte Owen Pallett auch schon beim vermutlich besten Konzert meines Lebens gespielt. 2005 hatten Arcade Fire im 3 km entfernten Gebäude 9 gespielt. Vorgruppe war Final Fantasy, also Owen solo mit Geige.

Seitdem habe ich den Kanadier immer wieder gesehen - in allen erdenklichen Konstellationen. Mal alleine, mal mit Gitarrist, mit ganzer Band oder mit Orchester. Am liebsten mochte ich aber bisher die Auftritte, bei denen der Musiker nur mit Geige, Keyboard und Loopstation seine herrlich kauzigen Melodien reproduzierte. Vor dem Week-End Fest hatte ich mich gefragt, ob es auch diesmal (wie zuletzt beim Arcade Fire Support) ein Solo-Auftritt werden würde. Der Aufbau beantwortete die Frage. Owen wurde von einem zweiten Keyboarder (und Bassisten) und einem Schlagzeuger begleitet. 

Um kurz nach zehn (zehn Minuten vor dem Zeitplan) kam aber der von Conférencier Dave Doughman angekündigte Violinist zunächst alleine auf die Bühne und begann mit That's when the audience died vom Final Fantasy Debüt-Album. Vermutlich hatte er das auch damals im Gebäude 9 gespielt (da hat aber niemand die Setlist dokumentiert - shame on me). Bevor er mit Song song song ein Lied vom zweiten Album He poos clouds spielte, erklärte er, daß er das für Kölner Freunde mache. "Some old songs. 'Yeah, old songs!'"


Nach Keep the dog quiet (ich: "yeah, newer songs!"), das der Künstler auch noch solo vortrug, kam die Band dazu. Der Schlagzeuger sei Ersatz für den normalen Trommler (Geburtsauszeit) und spiele sein erstes Konzert! Der Bassist (der aber doch eine Gitarre hatte? Oder einen sechssaitigen Bass? Das Instrument klang bassig) kam mir bekannt vor. Die Namen der beiden habe ich leider nicht verstanden. Daß der Drummer neu war, merkte man ihm nicht an. Sicher ist es fürs Lampenfieber auch nicht hilfreich, wenn der Chef immer wieder betont, daß es das Debüt ist. Aber Schlagzeuger (und besonders er) scheinen Stoiker zu sein - der Owen-Trommler machte seinen Job hervorragend!

In Bandkonstellation spielten die drei nur neuere Songs, also Lieder der Platten In conflict und Heartland. Nach Tryst with Mephistopheles verschwand der Schlagzeuger vorerst wieder. Der Bassist zögerte, bis Owen ihn fragte "willst du bleiben?" Er wollte. Zu zweit spielten sie einen der stärksten Songs, das wundervolle Scandal in the parkade von der EP zwischen den beiden letzten Plattem (der Hintergrund des Textes ist alles andere als wundervoll, die Melodie und das Arrangement aber in der Owen-Top-3). 


Bei Konzerten mit Band spielt das Loopen zwar auch eine Rolle, es steht aber nicht so im Vordergrund wie bei Owens Solo-Auftritten. Dieses schichtweise Aufnehmen der Rhythmen hat für mich nichts von seiner Faszination eingebüßt. Bei zwei oder drei Mann auf der Bühne achtet man natürlich nicht nur darauf. Außerdem gibt es das Schlagzeug als Rhythmusgeber. Alleine erloopt sich der Kanadier die Songstrukturen. Aber - lange Rede, kurzer Sinn - mir gefiel die Band-Herangehensweise diesmal so gut wie bisher nie. Ich bin nicht mehr sicher, wie ich Owen Pallett am liebsten mag (doch: möglichst oft!). 

"We have to fill 70 minutes!" sagte der Sänger irgendwann. Gottseidank! Wenn ich all die Lieblingslieder aufzählen müsste, die er nicht gespielt hat (CN Tower, Lewis I, Midnight directives, This lamb sells condos, Many lives...), hätte Owen auch gut und gerne zwei Stunden spielen dürfen. Aber ich will mich nicht beschweren. Das Konzert war zwar nicht weiter überraschend, weil ich wusste, daß seine Auftritte immer herausragend sind und weil kein absurd-schönes Cover gespielt wurde (wir hatten uns vorher etwas von einer der Kölner Folk-Bands gewünscht) - er war aber eben auch... wieder herausragend. Wie gut, wenn Festivalmacher solche Freunde haben!

Setlist Owen Pallett, Week-End Fest #4, Köln:

01: That's when the audience died**
02: Song song song**
03: Keep the dog quiet**
04: Soldiers rock
05: In conflict
06: Tryst with Mephistopheles
07: Scandal at the parkade
08: The great elsewhere
09: The secret seven
10: Infernal fantasy
11: This is the dream of Win and Régine
12: The riverbed
13: Lewis takes off his shirt

14: Song for five & six**

Links:

- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Dresden, 17.06.14
- Owen Pallett, Paris, 11.12.12
- Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
- Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
- Owen Pallett, Köln, 23.06.11
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
- Final Fantasy, Haldern, 14.08.09

* 'tschuldigung!
** Owen solo





Kate Tempest, Köln, 28.11.14

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Konzert: Kate Tempest
Ort: Stadthalle Mülheim, Köln (Week-End Fest #4)
Datum: 28.11.2014
Dauer: knapp 50 min



Vor gut 20 Jahren war ich zum ersten Mal bei einem Konzert in der Stadthalle Mülheim. Damals spielte Anne Clark, an die ich während des Konzerts von Kate Tempest immer wieder erinnert wurde. Nachvollziehen wird das niemand können, auch ich kann es nicht näher erklären. Hier die sehr lyrische, still stehende und vertonte Gedichte vortragende Anne Clark, da die wütend rappende Kate Tempest. Die offensichtliche Gemeinsamkeit der beiden Britinnen: sie begeistern mich für Sprechgesang (mit mehr oder weniger hohem Anteil Gesang).


Schon der Beginn war aufregend! Zunächst kam die Band auf die Bühne - zwei Schlagzeuger, eine Keyboarderin und eine Rapperin und begann, eine Melodie zu spielen. Kurz später kam Kate Tempest dazu - und die Musik stoppte! Die Londonerin sagte die ersten Strophen ihres Stücks Marshall law auf, ganz puristisch, minutenlang. Mittendrin dann, mit der Zeile "something was happening" setzte Musik ein, Kates Vortrag ging nahtlos im Satz in Gesang über. In Gesang, der immer wütender wurde. Was für eine Energie von der unscheinbar wirkenden Dichterin ausgeht, wenn sie rappt - irre! Wer nicht wusste, was ihn hier erwartete, wurde mit der zweiten Hälfte von Marshall law gepackt. Ich höre Kates Album häufig, nachdem ich es von Beginn an für besonders (gut), aber auch anstrengend hielt, dann aber die Kurve bekam und mehr und mehr begeistert wurde. Aber bitte - was ist denn die Platte gegen diesen Auftritt? Ich wusste also grob, was mich erwartet. Bei dem sehr speziellen Lineup des Week-End Fests weit jenseits von allen Booking-Konventionen (was brillant ist), ging dies aber vermutlich nicht allen so. 


Sich Kate Tempests Konzert zu entziehen, erschien mir aber schwer vorstellbar, zu faszinierend waren die knapp 50 Minuten gerappter Songs über Becky, Pete, Harry. Die ersten gut sieben Minuten Marshall law waren schlicht brillant und der Saal hin und weg. Und in Bewegung.


Bei einem Stück gab es noch einmal einen ruhigeren Moment, in dem Kate nur ein paar Sätze aufsagte, der Rest war wild und laut - und verflucht gut. 

Alle Stücke stammten vom Mercury Prize nominierten Album Everybody down. Besonders toll neben Marshall law waren The truth und vor allem The beigeness! Der Auftritt war spannend, kurzweilig und packend (wenn man keinen Rap-Hintergrund hat, sollte man Begriffe wie "flow" vermeiden) und leider viel zu schnell vorbei. Die große Begeisterung des Publikums schien sich auch auf die Künsterin zu übertragen. Sie schien ernsthaft beeindruckt von Saal und Publikum und vom Festival. Kate lobte uns und freute sich besonders auf den nachfolgenden Act. "Can't wait for ESG! Can't wait!"

Das Week-End Fest wird hoffentlich eine Dauereinrichtung in Köln! Die Mischung aus Musikhelden (wenn die Talking Heads irgendwann noch mal auftreten, dann in Mülheim. Biete eine Wette dazu an!) und spannenden neuen Künstlern ist einzigartig und kann nicht hoch genug gelobt werden! Das wird nie dazu führen, daß Massen das sehen wollen, dafür sind A Certain Ratio oder Teenage Fanclub nicht mehr hip genug. Es wird aber das Festival auch unter Musikern immer wichtiger werden lassen. "Ach, das sind die, die ESG geholt haben."
  

Kate Tempest wird riesig. Sie ist jung, voller Talente und eine brillante Performerin. Bevor sie das letzte Lied begann, fragte sie das Publikum, ob es eher ein schönes Stück, "heart breaking" hören wolle oder "hardcore". Die Entscheidung für Hardcore quittierte sie lachend mit "this is Germany!" Das letzte Stück wurde Happy end mit kleinen Scooter Melodien.

Vermutlich war die Zugabe dann das romantischere Stück, es war das einzige nicht von der ersten Platte stammende Lied Hot night cold spaceship, das ein fabelhafter Abschluß war. 

Setlist Kate Tempest, Week-End Fest #4, Köln:

01: Marshall law
02: The truth
03: Chicken
04: The beigeness
05: Stink
06: The heist
07: Circles
08: Happy end

09: Hot night cold spaceship (Z)


Freitag, 28. November 2014

Teenage Fanclub, Köln, 27.11.14

3 Kommentare

Konzert: Teenage Fanclub
Ort: Stadthalle Mülheim, Köln (Week-End Fest #4)
Datum: 27.11.2014
Dauer: 95 min




Nein, meine Begeisterung fürs Week-End Fest hat nichts mit den frischen Eindrücken des fantastischen Konzerts von Teenage Fanclub zu tun, das den ersten Abend um kurz nach eins beendete. Das Week-End Fest ist so toll, weil es einzigartig in Deutschland ist. Schöne Säle (der Nostalgie-Charme der Stadthalle Mülheim ist wundervoll!) haben andere auch, nette Ideen wie Kurzauftritte in den Pausen wie letztes Jahr oder Papierorchester diesmal vielleicht auch. Die Einzigartigkeit liegt anderswo. Ich mag keine Festivals. Zumindest nicht das, was man allgemein darunter versteht. Diese schrecklichen Wochenenden mit 80% schlimmer Musik, widerlich-betrunkenen Idioten, anderen Idioten sind oft notweniges Übel, um eine Band zu sehen, die nur da spielt. Aber ein Vergnügen kann das niemandem bereiten, der wegen der Musik da ist. 

Die guten Festivals werden von Leuten gemacht, die selbst schon bei vielen schlechten waren und ihres nicht wegen der Finanzierung von Haus, Auto oder Urlaub sondern wegen der Musik machen. Bei Week-End Fest liegt es noch anders, glaube ich. Das wird, meiner Theorie nach, nämlich offenbar von Leuten gemacht, die noch nie bei solchen schrecklichen Festivals waren und die Zwänge und Mechanismen, der Festivalmacherei nicht kennen und stattdessen so buchen, wie sie es sich wünschen. Das Ergebnis sind Linups, die vollkommen unvorhersehbar sind und die komplett auf die Bands der Saison verzichten. 

A Certain Ratio, Owen Pallett, Kate Tempest und Teenage Fanclub als Headliner gibt es ganz sicher nirgendwo sonst! Und auch wenn man mit vielen der Namen nichts anfangen kann, ist solch ein Wochenende herrlich horizonterweiternd und zigmal spannender als jedes neue Großereignis in Berlin. 


Ich wäre also auch sicher ohne Teenage Fanclub gekommen - ohne die Band, die man so gut wie nie in Deutschland sieht und die Donnerstag Nacht alles an die Wand gespielt hat!

Teenage Fanclub stammen aus Glasgow, veröffentlichen seit 1990 Alben und waren zuletzt 2010 auf richtiger Tour. Seitdem fanden lediglich eine Handvoll Konzerte statt. Anfang des Jahres erscheint ein neues Album. Zu einem solchen Zeitpunkt ohne aktuelle Tourtermine zu haben, nach Köln zu kommen, spricht für Band und Festival.


Der Zeitplan des Abends hinkte von Beginn an 30 min zurück. Teenage Fanclub begannen fast eine Dreiviertelstunde später als geplant. Mit dem ersten Stück waren meine Sorgen um die extrem kurze Nacht weg. Und wenn schon! Was sind Augenringe gegen Star sign? Oder About you oder Start again


Viel zu beschreiben gibt es bei diesem Auftritt nicht. Außer dem ständigen Wechsel des Sängerjobs passiert ja nicht viel bei "Shows" der Schotten. Warum auch? Wer zu viel Petersilie übers Essen streut, lenkt ja auch von fehlender Kochkunst ab (ansonsten gibt es keinen Grund, dieses widerliche Zeug zu benutzen). Norman Blake muß auch während eines Konzerts nicht seinen Pullover wechseln, alles ist prima genau so, wie es ist. In der Mülheimer Wirklichkeit bedeutete das 70 min Hits - vor allem von den fünf Alben in der Mitte ab Bandwagonesque und der letzten (Shadows), Did I say vom Best of Album und ein Lied vom kommenden Album. Natürlich war das besonders spannend. Aber auch dazu gibt es nicht viel zu erzählen. Das Stück, das wohl I'm in love heißt ("it feels good, when you're next to me"), ist nämlich genauso wie die anderen Lieder des Abends - ein Hit eben. 


Um halb eins kamen die fünf Schotten für vier Zugaben zurück, darunter das wunderbare Everything flows, das einzige Stück vom ersten Album. "Das geht noch bis eins", raunte mir mein Nachbar zu. Wegen vieler kurzer Nächte wäre das normalerweise eine Drohung gewesen. Hier war es bei uns beiden Ausdruck der Hoffnung, noch mehr zu hören. Kurz vor eins gingen Teenage Fanclub. Mit Hilfe des wieder hochsympathischen Conférenciers Dave Doughman kamen sie aber noch einmal wieder und spielten zum Schluß What you do to me.

Oh, es war großartig! Warum wissen so wenige, wie fabelhaft Teenage Fanclub sind? Warum füllt ein Typ mit Bärchenmaske und lieben Reimen am gleichen Abend die zigmal größere Halle? Ich reiße mich nicht drum, daß mein guter Geschmack so exklusiv ist und von nur einigen Hundert in Köln geteilt wird. Aber solange es Festivals gibt, die sich nicht dem Massengeschmack ergeben, funktioniert ja alles!

Wundervolles Konzert, wundervolles Festival!

Setlist Teenage Fanclub, Week-End Fest #4, Köln:

01: Star sign
02: About you
03: Start again
04: Sometimes I don't need to believe in anything
05: The past
06: It's all in my mind
07: Don't look back
08: Baby Lee
09: I need direction
10: Did I say
11: Verisimilitude
12: neu ("it feels good whne you're next to me")
13: Ain't that enough
14: Can't feel my soul
15: The concept
16: Sparky's dream

17: Near you (Z)
18: I don't want control of you (Z)
19: Your love is the place where I come from (Z)
20: Everything flows (Z)

21: What you do to me (Z)


Links: 

- aus unserem Archiv:
- Teenage Fanclub, New York, 30.09.10


Donnerstag, 2. Januar 2014

Yuck, Köln, 13.12.13

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Konzert: Yuck
Ort: Stadthalle Mülheim, Köln (Week-End Fest #3)
Datum: 13.12.2013
Dauer: rund 55 min
Zuschauer: vielleicht 1.000



Yuck waren eine der beiden Bands des Week-End Fests, die noch nicht auf der Welt waren, als die anderen Künstler des Wochenendes ihre ersten Erfolge feierten. Trotzdem passten sie ausgezeichnet ins Lineup des Festivals.

Ich hatte die Londoner bisher zweimal gesehen. Beim Haldern Festival vor ein paar Jahren überzeugten sie mich im stickigen Zelt, beim Primavera Festival tagsüber am Meer. Neben den wundervollen Melodien, dem immergleichen Blick des Sängers war mir vor allem die Frisur des Schlagzeugers im Gedächtnis geblieben, die der von O.J. Simpson in der 70er Jahre Rückblende in Nackte Kanone nachempfunden ist.


Frisur und Schlagzeuger gab es noch - die anderen Musiker auch, nur Sänger Daniel ist ausgestiegen. Seinen Part übernimmt Gitarrist Max Bloom, also eine interne Lösung nach dem Verlust des Frontmanns.



Ich tue mich oft schwer damit, wenn eine Band einen neuen Sänger präsentiert. Ich bin eben zu wenig Musikexperte, um den Weggang des Bassisten oder des Schlagzeugers zu bedauern. Da höre ich im Zweifel beim Ersatz nicht, ob sein Spiel nun so viel schlechter als das des Vorgängers ist. Wenn sich die Stimme ändert, ist das ein wenig so, als werde ein Schauspieler einer Serie plötzlich ausgewechselt. In den seltensten Fällen geht das gut.


Yuck klingen jetzt anders. Und ich mochte die alte Stimme lieber, gar keine Frage. Aber Yuck sind immer noch eine gute Band, die viel zu wenig bekannt ist. Auch an mir ist das zweite Album Glow & Behold weitestgehend vorbeigegangen. Das war aber nicht weiter schlimm, weil der Wechsel am Gesang keine Neuausrichtung der Musik bedeutete. Rebirth und Nothing new heißen zwei der Lieder der neuen Platte. Nothing new trifft es aus meiner Sicht besser.

Auch die alten Lieder der Briten waren nichts, was man nicht schon ähnlich gehört hätte. Aber sie waren eben gut (Get away, The wall, Georgia!). Die neuen, von denen ich viele erstmals hörte, fielen da nicht ab. Sehr schön war zum Beispiel das erwähnte Rebirth, unaufgeregt wie die ganze Band.

Yuck sind keine Band, die irgendwann einmal groß werden. Aber sie werden mir sicher ganz regelmäßig weiter Spaß machen! 



Und weil auch ihnen vermutlich aufgefallen war, daß sie viel zu jung im Vergleich zu den anderen Künstlern waren (sie traten nach Grant Hart und vor The Fall auf), coverten Yuck noch Age of consent vom zweiten New Order Album Power, Corruption & Lies von 1983. Aber auch ohne hätten die Londoner gut ins Wochenende gepasst. Auch mit ihnen hatten die Festival-Macher ein stilsicheres Händchen bewiesen!

Setlist Yuck, Week-End Fest #3, Köln:

01: Middle sea
02: Holing out
03: Lose my breath
04: Out of time
05: Get away
06: Rebirth
07: Nothing new
08: The wall
09: Memorial fields
10: Georgia
11: Age of consent (New Order Cover)
12: Operation

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Yuck, Paris, 05.11.11
- Yuck, Haldern, 11.08.11


Mittwoch, 1. Januar 2014

The Pastels, Köln, 14.12.13

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Konzert: The Pastels
Ort: Stadthalle Mülheim, Köln (Week-End Fest #3)
Datum: 14.12.2013
Dauer: 63 min



Wenn man Kindern ein Spielzeug in die Hand gibt und dann wieder wegnimmt, wollen sie es viel stärker besitzen als Kinder, die es nicht schon kurz hatten, sagt mir mein Sozialpsychologie-Halbwissen aus einer sehr fernen Vergangenheit. Prinzip der Knappheit, oder so. Als ich die ersten Line-Up Gerüchte übers Week-End Fest zugeraunt bekam, waren die Pastels dabei, als das erste Plakat bei Facebook auftauchten, fehlten sie. Da fühlte ich mich wie die ersten Kinder. Glücklicherweise war es ein Fehlalarm, die Glasgower Lieblinge kamen zum Festival in Köln, meine Einleitung hatte ich trotzdem.


Die Pastels sind eine Band, die mich seit vielen Jahren begeistert, die ich aber erst im Juli beim fabelhaften Indietracks Festival zum ersten Mal live sehen konnte. Das Konzert an der Swanwick Junction war wie die Musik der Pastels selbst. Immer mal wieder ein wenig schief, schrullig, aber vor allem durch und durch wundervoll!

Natürlich war das Week-End Fest ausgezeichnet besetzt, neben Robert Forster freute ich mich aber vor allem auf die Glasgower. Der Saal war am zweiten Tag bestuhlt. Das passte zu den Bands, die Samstag auftraten, stellt den Dauerkonzertgänger aber vor Probleme, bedeutet zum Beispiel ein sehr frühes Anreisen. Auch empfinde ich sitzende Konzerte als anstrengender als im Stehen verbrachte. Festivals ohne Sitzgelegenheiten sind Mist, aber nur Sitzen nimmt mir die Aufmerksamkeit.

Vor den Pastels hatte Mirel Wagner aus Finnland mit ihrem sehr schönen, ruhigen Programm eröffnet (folgt), um kurz vor halb neun traten dann die Schotten auf. Und sie begannen so famos unaufgeregt wie im Sommer: mit dem mehr als sechs Minuten langen Instrumentalstück Slow summits, das für mich eines der schönsten Lieder des Jahres ist! 


Sechs Minuten Querflöte zu Beginn, wow! Auch die nächsten Stücke enthalten viele Flöten und stammen vom Album Slow Summits, in ihnen singt aber Stephen Pastel. Wrong light, Summer rain oder Check my heart (das Lied aus dem Trailer des Festivals - "that's really sweet of them" - Stephen) sind wie gute Freunde, ich habe sie seit Erscheinen des Albums unzählige Male gehört. Vermutlich sind die Pastels wie so oft eine meiner fünf meistgehörten Bands des Jahres.

Nach Summer rain kam die erste Überraschung in Form eines Covers. Als Yo La Tengo im März in Glasgow auftraten, baten sie Stephen, mit ihnen Different drum zu singen, das sie (die Pastels) 1990 als Single veröffentlicht hatten. "It's a song we started playing years ago and then we stopped playing it," bis Yo La Tengo kamen. Er habe das da verpatzt und wolle es jetzt richtigstellen. Yo La Tengo kamen zwar leider nicht dazu, das Cover gelang aber gut und war toll!


 
Mit dem herrlich-schönen Secret music, von Schlagzeugerin Katrina Mitchell* gesungen, folgte ein weiteres Lied vom 2013er Album, bevor das Set älter wurde. Die Pastels spielten zwar noch Come to the dance von Slow summits, die zweite Konzerthälfte gehörte aber den Lieder der 80er und 90er Jahre. Und damit einigen ganz großen Lieblingen! Classic line-up, Thru' your heart oder die Riesenhits Baby honey und Nothing to be done zum Schluß - hach!



Ich weiß nie, wie Musik wie die der Pastels bei Menschen ankommt, die sie vorher nicht kannten, kann mir aber schlecht vorstellen, daß der nicht auf den ersten Blick sichtbare Charme sich schnell erschließt. Dafür sind die Lieder zu speziell, der Gesang zu schief und spröde. Sie sind eben wie ihre Heimatstadt, in die man sich auch Hals über Kopf verliebt, ohne so recht zu wissen warum. In der Mülheimer Stadthalle kamen die Pastels herorragend an, allerdings war das Auditorium dort ein ausgesuchtes Fachpublikum, dem die Band nicht neu war. 

Ganz besonders gefeiert wurde das ewig lange Baby honey (10 min mindestens!), das die Band zweimal beginnen musste, weil der erste Start verpatzt war, als es dann lief, wollte es gar nicht mehr aufhören. Wunderbar!



Einer meiner Lieblinge unter Lieblingen, Nothing to be done, beendete das großartige Konzert. Es hat Jahre gedauert, bis ich die Pastels zum ersten Mal sehen konnte, dann gleich zweimal innerhalb von fünf Monaten. Das war ein gutes Konzertjahr!

Und Conférencier Dave Doughman von Swearing at Motorists konnte dann auch die vieldiskutierte Frage klären, wie die Band nun eigentlich heiße. Er habe die deutsche Aussprache der Festivalmacher belächelt. The Pahhhstels, dabei heiße es doch Pastelllls. Stephen McRobbie habe ihm geantwortet: "actually it's Pahhhstels!"

Setlist The Pastels, Week-End Fest #3, Stadthalle Mülheim:

01: Slow summits
02: Wrong light
03: Check my heart
04: Summer rain
05: Different drum (Mike Newsmith Cover)
06: Secret music
07: Thru' your heart
08: Come to the dance
09: Fragile gang
10: Classic line-up
11: Baby honey
12: Love is getting better (The Groove Cover)
13: Nothing to be done 

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Pastels, Ripley, 27.07.13

* die Pastels waren in Köln: Stephen McRobbie ("Pastel") Gesang, Katrina Mitchell Schlagzeug, Alison Mitchell Trompete und Keyboard, Tom Crossley Flöte und Keyboard, John Hogarty Gitarre und Gerard Love (Teenage Fanclub) Bass




Samstag, 14. Dezember 2013

Grant Hart, Köln, 13.12.13

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Konzert: Grant Hart
Ort: Stadthalle Mülheim, Köln (Week-End Fest #3)
Datum: 13.12.2013
Dauer: 55 min
Zuschauer: gut 1.000




Ich hasse Festivals. Wenn die Musik und nicht die Party im Mittelpunkt stehen soll, sind Festivals eine schlechte Form, Bands zu gucken. Denn die spielen dort meist kurz, parallel, im Regen oder mit miesem Sound. Und bei den liebsten Künstlern stehen grundsätzlich ein paar 16jährige Betrunkene nebenan und machen gegenseitig Handyfotos.

Daß das Week-End Fest in der ollen Mülheimer Stadthalle anders sein würde, war vorher schon klar. Vielleicht heißt das Ding daher auch Fest ohne "ival" hinten. Zwei Tage, einmal drei, einmal vier Bands, keine von denen eine der typischen Gruppen, die man im Sommer fünfmal im Umkreis von 150 km um Köln hätte sehen können und vor allem keine, die irgendwie im Verdacht steht, daß es an diesem Wochenende nicht in erster Linie um die Musik gehe.

Robert Forster, die wundervollen Pastels, Mirel Wagner und die Young Marble Giants am Samstag und The Fall und Yuck am Freitag. Den Eröffnungspart hatte aber Grant Hart, der Drummer von Hüsker Dü. Obwohl der Amerikaner und seine Exband sehr große Legenden sind (ich benutze das fiese Wort jetzt letztmalig, versuche ich), war mir Grant Hart vorher am wenigsten wichtig. Der 45-Minuten-Stau auf der Fahrt ließ mich daher sehr ruhig. Wenn ich wegen Parkplatzsuche und der lästigen Einlaßkontrolle ein paar Lieder verpassen würde, mein Gott, es kommt ja noch genug. 

Ich schaffte es pünktlich, weil wie alles andere das Parken und der Einlaß herrlich entspannt waren. Mein letztes Konzert in der Stadthalle hatte ich im April 1993 gesehen (Anne Clark, die uns aufforderte, uns hinzusetzen - tolles Konzert!), der Saal kam mir aber vertraut vor. Als der Swearing At Motorists Sänger Dave Doughman im Anzug und mit gutem Deutsch den Hüsker Dü Mann ankündigte, war der Raum noch nicht sonderlich voll. Der Auftritt, der mir nicht wichtig gewesen war, entpuppte sich schnell als erster Knüller!



Grant Hart schluffte auf die Bühne (in viel zu großen Schuhen, wie ich später erzählt bekam), zog sich eine Stirnlampe um, nahm seine Gitarre und stimme Awake, arise! von seinem im Sommer erschienenen Album Argument. Die Lampe und seine Aufforderung mitzusingen, waren etwas ungewöhnlich, gut. Aber das wahre Ausmaß seiner Exzentrik kam erst beim anschließenden Shin, shine, shine zum Vorschein. "Habt ihr Haustiere? Warum habt ihr die nicht mitgebracht? Das wäre doch sehr schön gewesen!" 


Nach ein paar Stücken zog Grant die Grubenleuchte ab. An seiner Liveshow änderte sich sonst nichts. Der Amerikaner spielte nur mit seiner Gitarre Song um Song von seinen Soloplatten, von Hüsker Dü oder Nova Mob. Gegen Ende jeden Lieds ging Grant zu den beiden Verstärkern rechts und spielte die letzten paar Töne dort. Die anderen Mikros, das Keyboard und das Schlagzeug auf der Bühne schienen schon für Yuck aufgebaut zu sein. Nach einem der ersten Liedern sprach Grant Hart von jemandem, dessen Namen ich vergessen habe, den wir aber auch nicht kennten. Es kam dann kein Gast (zumindest keiner, den wir sehen konnten). Als er irgendwann einen "imaginary friend" ankündigte, dachte ich auch, daß das nbicht unbedingt einer sein würde, von dem das Publikum auch etwas hätte. 


Wie schon bei meiner Vorabbewertung des Konzerts lag ich falsch. Der Gast war echt. Robert Forster, der Samstag mit Streichern Lieder der Go-Betweens spielen wird, kam dazu und spielte mit Grant Hart dessen Solostück 2541. Ein wunderbarer Moment! Die beiden Musiker passen scheinbar überhaupt nicht zueinander, ihr gemeinsamer Auftritt war großartig!

My regrets sollte das Konzert beschließen. "Ich spiele zu dem Zeitpunkt immer das eine oder das andere. Welches wollt ihr? Das andere? Ok." Grant bekam danach signalisiert, noch Zeit zu haben und spielte mit You're a soldier und Never talking to you zwei weitere Hüsker Dü-Stücke.

Der Auftritt des Amerikaners war erstaunlich unterhaltsam. Nicht hip aber gut. So wie das ganze Fest!

Berichte von Yuck und The Fall und dem ganzen Samstags-Rest am Sonntag!

Setlist Grant Hart, Week-End Fest, Köln:

01: Awake, arise
02: Shine, shine, shine 
03: Is the sky the limit
04: Admiral of the sea (Nova Mob)
05: So far from heaven
06: Pink turns to blue (Hüsker Dü)
07: Back from somewhere (Hüsker Dü)
08: She floated away (Hüsker Dü)
09: Remains to be seen
10: 2541 (mit Robert Forster)
11: The girl who lives on Heaven Hill (Hüsker Dü)
12: California Zephyr
13: Where you gonna land (next time you fall off of your mountain) (Nova Mob)
14: My regrets
15: You're a soldier (Hüsker Dü)
16: Never talking to you again (Hüsker Dü)



 

Konzerttagebuch © 2010

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