Dienstag, 18. November 2014

Courtney Barnett, Köln, 17.11.14


Konzert: Courtney Barnett
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 17.11.2014
Dauer: gut 65 min
Zuschauer: fast ausverkauft



Daß ich auch am Montagabend wieder in einem vollen, krachigen Club stehen musste und nicht gemütlich auf dem Sofa liegen und die neue Auto. Motor, Sport lesen durfte, habe ich der kanadischen Band Islands zu verdanken. Und meinem schlechten Gedächtnis. Islands kamen mir bekannt vor, als ich über dem Lineup des Primavera-Festivals brütete und meinen Tag plante. Ich war überzeugt, die Band 2007 beim Wireless-Festival gesehen zu haben und gemocht zu haben. Als ich am Primavera-Samstag vor der Bühne stand und der Gruppe zuhörte, wunderte ich mich über meinen schlechten Musikgeschmack. Die wollte ich unbedingt sehen? Erstaunlich!

In Barcelona wollte ich sie nach zwei Liedern nicht mehr hören. Auf der Nachbarbühne begann ein paar Augenblicke später Courtney Barnett, die ich für eine Folktante hielt und eigentlich nicht hatte sehen wollen. Aber besser als Islands wäre sie sicher, also wechselte ich Plätze und wurde in der kommende Dreiviertelstunde umwerfend gut unterhalten! Die Folktante entpuppte sich als Band, die ein knackiges, enorm packendes Konzert spielte, das viele als das (zweit)beste des Festivals empfanden.*



Courtney Barnett ist Australierin und veröffemtlichte 2012 und 2013 zwei EPs (die als A sea of split peas noch einmal aufgelegt wurden). Ihren Stil kann ich auch nach einem halben Jahr noch nicht beschreiben. Mit Folk hat die Musik der damals drei, heute vier Musiker jedenfalls nichts zu tun. Auch nichts mit Singer-Songwriter-Zeugs. In die Kategorie passten vielleicht die letzte Zugabe Depreston, die Courtney solo spielte. Depreston (oder doch Depressed, wie ich ursprüglich verstanden hatte?) wird auf dem ersten - die Sängerin sagte, auf dem nächsten - Album erscheinen. Auch einige andere Stücke waren mir neu und erscheinen vermutlich auf dem Debüt. 

Alle Lieder - alt und neu - hatten gemeinsam, daß sie mitreißend melodiös und toll instrumentiert sind. Die vier Musiker (neu für mich war der Keyboarder) schmetterten uns ein Stück nach dem anderen dicht hintereinander um die Ohren. Lance jr. und Canned tomatoes (whole) verschmolzen zu einem Lied. Es war flott, es war laut und es war wundervoll! Auch wenn es nicht von großem musikalischem Sachverstand zeugt, die immer gleiche (noch dazu unbekannte) Referenzband zu bemühen, auch Courtney Barnett erinnerte mich ein wenig an die fabelhaften Babies um Kevin Morby.

Was mir mit offenem Mund beim Barcelona-Konzert gar nicht richtig aufgefallen war, ist Courtneys fabelhafte Stimme. Die Stücke funktionierten vermutlich auch von anderen gesungen gut, aber ihr Gesang macht auch einen guten Teil des Reizes aus. Leider waren für mich die Stimmen der anderen kaum auszumachen. Beim Primavera spielte mehrstimmiger Gesang eine deutlich größere Rolle. Vielleicht war dies heute der großen Lautstärke des Konzerts geschuldet (lauter als Thurston Moore am Vorabend).

Am Ende fragte die Sängerin, was sie sich denn morgens noch in Köln angucken solle. Hoffentlich war der Dom-Tipp so gut, daß sie schnell wiederkommt. Das Konzert war ein Knüller und Knüller sehe ich gerne wieder!

Die Einleitungs-Islands waren übrigens The Little Ones. Warum mein Gedächtnis da so viel Phantasie entwickelt hat, weiß ich wirklich nicht. Aber es hat seinen Zweck erfüllt.

Setlist Courtney Barnett, Studio 672, Köln:

01: David
02: Lance jr.
03: Canned tomatoes (whole)
04: Scotty says
05: Don't apply compression gently
06: ? (neu)
07: Out of the woodwork
08: Anonymous club
09: Are you looking after yourself?
10: Blah
11: Pedicure (neu)
12: Avant gardener
13: History eraser

14: Depreston (neu) (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Courtney Barnett, Barcelona, 31.05.14

* ...Slowdive 

Fotos: Archiv (Barcelona)


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