Donnerstag, 7. März 2013

Motorama, Wiesbaden, 06.03.13



Konzert: Motorama mit Support Cunt Cunt Chanel
Ort: Kreativfabrik, Wiesbaden
Datum: 06.03.2013
Zuschauer: wohl 100
Dauer:  30 min und etwas länger als 55 min


Ein als Rockband getarnter Fußballclub also: Motorama. So stand es jedenfalls auf den T-Shirts - dem einzig verfügbaren Merch der Band: Fußballclub Motorama aus Rostov am Don (wobei nur Motorama in lateinischen Lettern für deutsches Publikum einfach zu lesen war, der Rest in kyrillischen Buchstaben auf russisch).

Das war ein lang vorfreudig erwarteter Abend und er hatte sich auch ein Stück weit ohne mein Zutun dazu gefügt als sich zeigte, dass ich die Nacht vom 6. März sowieso in Frankfurt bleiben musste. Das einzige Luxusproblem war, ob ich mich für Sea+Air oder Motorama entscheide. Tatsächlich nicht so leicht. Motorama gewann dann mit zwei Argumenten: ich treffe die anderen Verrückten und ich sehe die Band, über die alle zittrige Knie bekommen auch mal selbst.


Das Treffen der Musikenthusiasten klappte dann auch prima. Und wieder musste ich feststellen, die langen Umbaupausen vergehen beim quatschen irgendwie wie von selbst... Ist doch irgendwie schade, häufig allein zu sein bei Konzerten. 

Dieser Abend begann sogar ziemlich pünktlich mit Cunt Cunt Chanel. Er betrat auffällig geschminkt die Bühne und werkelte hinter seinem Tisch voller Vezerrerkrams, Computer und sang in zwei Mikros herzerweichend seine Anklage an die Welt. Einerseits war er mir sympathisch und ich auch seiner Musik gegenüber aufgeschlossen. Wie er den  Monitor immer im Auge behielt, um alles richtig zu machen und sich auch immer wieder versicherte, dass alles so ankam wie es soll. Oder wie er die Büchse mit Drehschaltern wie eine Brottasche um den Hals nahm. Es sprach eine Unsicherheit aus seinem Auftreten, die als Provokanz getarnt war. Warum er uns seinen Bettpartner der letzten Nacht unbedingt unter die Nase reiben musste, zähle ich z.B. dazu. Außerdem war mir das Set viel zu laut.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass er noch besser herausfindet, wo sein Platz in der Welt ist und daraus Musik macht, die mich noch mehr fesselt, als der Vorgeschmack gestern abend, wenn er dran bleibt.


Der Umbau zu Motorama brauchte etwas Zeit. Als alles fast fertig war, stand der Rechts-außen-Gitarrist noch gefühlte 10 min meditierend am Rand (als würde er im Geiste das Set schon einmal durchspielen). Die Band legte dann ohne Ansage los und die recht gut gefüllte Kreativfabrik war wirklich im Bann, obwohl es kaum Interaktion gab (außer ein "Danke" ab und zu). Es war faszinierend zuzusehen und zuzuhören, wenngleich ich die Begeisterung von Christoph und Oliver nicht ganz teilen kann. Es war auch viel lauter, als die Musik in dem Raum brauchte.


Der charismatische Sänger bewegte sich immer wieder überraschend und ekstatisch, während die Bassistin (direkt vor mir) maximal auf die Zehenspitzen ging. Leider gab es (sicher nur ein oder zwei) rücksichtslose Raucher, die mich dann kurz vor Ende des Sets vertrieben haben. Das fand ich schade, weil die Kreativfabrik eigentlich voll der nette Ort ist und dort alle sehr freundlich und rücksichtsvoll waren.

Ich bin schon neugierig auf die Berichte aus den anderen Konzertorten in den nächsten Tagen.



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