Dienstag, 5. März 2013

Michelle Blades, Paris, 03.03.2013


Konzert: Michelle Blades (mit Malvina Meinier und Cassandra Jetten)
Ort: La Fabrique Balades Sonores, Paris 
Datum:  03.03.2013
Zuschauer: etwa 30
Konzertdauer: circa 35 Minuten

Also diese kleinen feinen Showcase in dem winzigen Plattenladen der Balades Sonores sind einfach immer wieder entzückend! In schöner Regelmäßigkeit finden hier in der sogenannten "Fabrique" zwischen CD- und Vinylregalen intimste Akustikkonzerte statt, bei denen Musiker aus der ganzen Welt umsonst und ohne Sicherheitsabstand und Schnörkel zeigen, was sie können. In der Vergangenheit waren schon Größen wie Mariee Sioux, Françoiz Breut oder Dawn Landes hier, heute nun also Michelle Blades.


 
  
Michelle ist eine wahre Globetrotterin. In Panama geboren, in Amerika aufgewachsen und seit Januar 2013 in Paris lebend, kennt sie sich sowohl mit der hispanischen, der angelsächsischen als auch der französischen  Kultur aus. Dies zeigt sich auch in ihren sehr nahegehenden Songs, in denen man diese Einflüsse heraushören kann. Zwar singt sie nie (oder so gut wie nie) auf spanisch, aber ihr Gitarrenspiel hat durchaus manchmal leichte Elemente des Flamenco. Von der amerikanischen Musikkultur hat sie eine leicht bluesige Note übernommen und den tadellosen Akzent, von Paris bzw. Frankreich zumindest schon die heutige Gastmusikerin Malvina Meinier, die etwas Casio spielte und im Chor mitsang. Dritte Musikerin auf der schönen alten Holztruhe war die blonde Amerikanerin Cassandra Jetten, die ebenfalls in Paris lebt und heute wesentlich zu den wundervollen Harmoniegesängen beitrug.

 
Blades spielte abwechselnd Gitarre und Banjo und sang höchst variabel und facettenreich. Die Songs sind in den letzten Jahren entstanden, manche waren neuer, andere gehörten schon seit einer Weile zum Repertoire. Auf Facebook kann man immer schön verfolgen, woran sie gerade arbeitet. Regelmäßig stellt sie kleine Amateurvideos von ihren Songs ins Netz und kürzlich sah man dort auch Mitschnitte von einem sehr rockigen und elektrischen Konzert, daß sie  in La Java gegeben hatte.


Heute ging hingegen alles ruhiger zu. Das sehr angenehme Publikum war mucksmäuschenstill, als Michelle ihre Lieder vortrug, so daß man noch jedes noch so kleine Detail gut hören konnte. Dennoch gab Michelle auch diesmal nicht durchgängig die Leisetreterin, ihr südamerikanisches Talent sorgte immer wieder für Ausbrüche.

In vollen Zügen ergötzte ich mich an ihrer Lieblichkeit, ihrer Anmut , aber auch ihrem Feuer.

 


Herrlich warm und betörend ihr Timbre, herzbewegend ihr Gitarrenspiel, beeindruckend ihr Talent, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Ich war wirklich hin und weg und erfreute mich an jedem einzelnen Lied. Dieser Gratis Showcase war für mich so viel wert wie für andere Leute ein Madonna Konzert für das sie über hundert Euro ausgegeben haben. Musikfans, die lieber ins Stadion gehen, ist es sicherlich nicht so leicht zu vermitteln, wieso ich mich so sehr für ein kleines Akustikkonzert begeistern kann, aber andere, die auch schon an den Freuden dieser intimen Gigs teilhaben konnten, verstehen mich sicherlich nur allzu gut.

An was mich das Ganze musikalisch erinnerte? Hmm. An Devendra Banhart vielleicht, Patrick Watson, Alela Diane, Ora Cogan, Grizzly Bear, die die drei Mädels absolut wundervoll coverten (Alligator), vor allem aber an Michelle Blades selbst. Fantastisch, wieviel eigene Persönlichkeit sie in jedes einzelne Stück legte. Egal ob die Kompositionen La Verité, Like Wild Flowers oder Persephone in Heels hießen, alle waren sie besonders.







Die Zugabe mit Hasti Kusuma schoß mir endgültig alle Lampen aus, das ziemlich lange Stück fesselte mich total und am Ende schlotterten mir regelrecht die Knie. Ich schaffte es gerade noch, die Künsterlin, die genau vor mir agiert hatte, zu ihrem Konzert zu beglückwünschen. Sie hatte extra für mich ziemlich zu Beginn ein kurzes, aber wundervolles Lied zu dem Gedenken des dreißigjährigen Suizides der Dichterin Silvia Plath erklingen lassen, weil ich ihr per e-mail mitgeteilt hatte, daß mich dieses Lied, in das ein paar Verse eines Gedichtes von Plath eingebunden waren, sehr bewegt hat.


Allzu gerne hätte ich auch noch Tonträger von Michelle erworben, aber die hat sie alle in den USA gelassen. Man kann die Lieder bei Bandcamp hören, oder auf Youtube anschauen. Die Sachen auf Bandcamp klingen allerdings ganz anders, als was man in La Fabrique hören konnte. Die Videos eignen sich da viel eher.

Setlist

01: Untitled
02: Bit My Pretty Heart In Two
03: William Death's Lament
04: Alligator (Grizzly Bear)
05: La Vérité
06: Like Wildflowers
07: Persephone In Heels
08: Nature Boy

09: Hasti Kususma



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