Konzert mit Michelle Blades und Dark Rooms Ort: Karlsruhe Datum: 5. August 2013 Dauer: 30 min + 35 min Zuschauer: 20
Manchmal sind Sachen ganz einfach. Wie Michelle Blades zuzusagen. Ich hatte sie schon in Paris kennengelernt (wenn auch nicht spielen gesehen) - ich versprach mir einen temperamentvollen Abend und dachte fast gar nicht vorher darüber nach.
Foto von Guido
Dann wurde es aber doch etwas anders. Genau vorher passend ein absolut euphorisierender Bericht von Oliver aus Paris: Dark Rooms sind seine neue Lieblingsband. Für mich waren sie bis dahin mitreisende Musiker im Pack mit Michelle... Das klang ja nun doppelt vielversprechend.
Am Montag war dann alles ganz entspannt. Zeit zum aufbauen und Sound checken, Zeit zum genüsslichen Essen und die Gäste kamen diesmal alle erst kurz vor knapp.
Dann begannen Michelle mit Gitarre und Gesang, Victor Peynichou am Bass und Daniel Hart am Schlagzeug ein elektrisierendes Set. Viele unerwartete Tempo- und Stimmungswechsel und dazu die Stimme von Michelle, die von strahlend klar über dunkel und auch rauh und verletzt alles zu bieten hat.
Foto von Guido
Das Publikum hatte sie mit ihren Charme sowieso sofort um den Finger gewickelt. Alle gingen mit und dankten jeweils mit feurigem Applaus.
Nach einer kleinen Umbaupause übernahmen Daniel und Rachel die kleine Bühne. Verstörende Geigenklänge und ein Hingebungsvoll singender Daniel wurden von Synthie und Paukenschlägen hochgepeitscht und dann wieder in der Stille allein gelassen.
Foto von Guido
Ein hoch emotionaler Abend und auch für mich ein überraschendes ankommen mit der Musik von Dark Rooms. Was für eine tolle Band mir da fast aus versehen ins Haus gekullert war.
Foto von Guido
Anschließend lag ich mir mit unseren ältesten Konzertbesucherin (eine fast 90jährige Nachbarin) im Arm - der es soooo gut gefallen hatte, dass sie sich unbedingt mit unserer ersten Umarmung bei mir bedanken musste.
Konzert: Oliver Peel Session # 45 mit Malvina Meinier & Michelle Blades
Ort: Oliviers Wohnzimmer, 3. Pariser Arrondissement
Datum: 30.03.2013
Zuschauer: etwa 40
Konzertdauer: pro Artist etwa 45 Minuten
Fast 6 Monate lang keine Oliver Peel Session, eine solch ausgedehnte Pause gab es in der Historie dieser Veranstaltung seit 2008 nicht mehr. Aber die Umstände haben sich geändert seit sich im Juli 2012 ein Nachbar lautstark beschwert hat und die Sessions nicht mehr in unserem eigenen Wohnzimmer (bzw. auf der Dachterrasse) stattfinden können. Ich muss nun immer Freunde und Bekannte anbetteln, ob sie mir nicht ihren Salon zur Verfügung stellen, da bleibt die Spontaneität natürlich etwas auf der Strecke.
Freundlicherweise hat mir ein netter Franzose namens Olivier (ausgerechnet ein Namensvetter, schon witzig!) angeboten, in seinem geräumigen und stilvollen Keller eine Homeshow zu veranstalten und da ich bereits ein mal bei ihm als Gast eines solches Konzert war, wußte ich, daß er Platz hat und sich die Räumlichkeiten bestens eignen.
4 Tage vor der Session war Olivier aber gar nicht gut drauf, er klagte am Telefon über Fieber und eine schmerzhafte Nasennebenhöhlenentzündung. Meine bange Frage, ob wir canceln sollen, verneinte er aber glücklicherweise.
Gecancelt werden musste aber schließlich der Auftritt des weiblichen französischen Duos Boy And The Echo Choir, die ich als Headliner der Session engagiert hatte. Die Mädels hatten zwar angefragt, was wir aufbieten können, um ein verstärktes Konzert durchzuführen, daß sie aber große Profiboxen und einen Mixtabel brauchten, hatte ich nicht erwartet. Einen Tag vor der Session erfuhr ich erst von diesen hohen technischen Anforderungen. Es folgte eine schlaflose Nacht, in der ich permanent darüber grübelte, wo ich so plötzlich solche Boxen herkriegen könnte und am nächsten morgen leider die Übereinkunft, die Geschichte zu annulieren. Für alle Beteiligten schade, aber manchmal ist eben Pech im Spiel.
Zum Glück hatte ich mit Malvina Meinier eine zweite Künstlerin gebucht und da die Amerikanerin Michelle Blades ihre WG-Genossin ist, konnte Letztgenannte zudem als "Edel-Joker" gewonnen werden.
Das Line-Up war also zum mit der Zunge schnalzen und spätestens im nächsten Jahr werden mir die schlafmützigen Pariser Blogger auf die Schulter klopfen und sagen: "Mensch Oliver, du hattest Malvina und Michelle schon wieder als Erste auf dem Schirm!" Dann wird es aber vermutlich schwierig werden, sie für Wohnzimmerkonzerte zu gewinnen, weil die Venues deutlich größer werden dürften.
Aber hören wir auf in die Kristalkugel zu blicken und uns selbst zu beweihräuchern und erinnern und erst einmal an diese wundervollen Auftritte im Keller von Olivier.
Es war wieder einmal ein solch stressiger Tag vorher, weil es erst oben geschilderte Absage gab und ich mit meiner Frau dann auch noch 1 1/2 mit dem Auto (eine schwachsinnige Idee!) durch den schlimmsten Pariser Verkehr fuhr, um vom 17. ins 3. Arrondissement zu kommen. Eigentlich keine weite Strecke, aber der Verkehr in Paris ist diabolisch, vor allem am Wochenende. Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig vor den Künstlern einzutreffen, kippte Chips in Plastikteller, schnitt Salami in Scheibchen, trug Bier in den Keller und rödelte von oben nach unten und zurück. Hektik pur! Und meine Frau suchte derweil ewig lange nach einem Parkpatz. Ohne sie bin ich einfach aufgeschmissen mit meinen zwei linken Händen! (aber es ging dann doch irgendwie...)
Die letzten zwei Stunden vor den Sessions sind sowieso grundsätzlich schrecklich, sobald aber die Musiker und die ersten Gäste eintrudeln, das erste Beruhigungsbier die Kehle runtergelaufen ist und alles seine geplanten Wege geht, sinkt mein Puls wieder und Glücksgefühle stellen sich ein. So war es auch am letzten Samstag und ich stellte zufrieden fest, daß sich ungefähr 40 Leutchen im Kellergewölbe eingefunden hatten.
Malvina und ihr Lebens- und Musikpartner Marius standen auf der improvisierten Bühne bereit und nachdem ich sie mittels einer kurzen Rede meinem Publikum vorgestellt hatte, ließen sie ihren traumhaften Schwebesound auf das Publikum los. Das Kellergewölbe erwies sich als hervorragender Resonanzkörper, der Sound kam intensiv und druckvoll aus den Boxen. Malvina sang zum Steine erweichen schön und Marius kredenzte einen Orgelsound, der perfekt zu dem Stück passte. Es hieß Drawing Roads und ist auf einem Sampler des kleinen Pariser Labels Midnight Special Records enthalten.
Stilitisch ein ziemlich Bruch mit dem fast klassischen Kammerpop, den Malvina auf ihrem ersten, in Eigenregie releasten Album, gepflegt hatte. Statt Cello, Violinen und klassischem Piano gab es nun pluckernde Beats, vibrierende Synthies und artifizielle Geräusche. Für die Fans des Albums ungewohnt und gewöhnungsbedürftig, letztlich aber keineswegs abschreckend, denn Malvinas sensationelle Stimme klang mindestens genauso kraftvoll, kristallklar und hoch wie bisher. Falls es wirklich möglich ist, Glas mittels seiner Stimme zum Bersten zu bringen, dann dürfte die fragile Französin das schaffen. Wahnsinn wie sie singt, wie sie Vokale ziehen kann, welche atemberaubende Höhen sie erklimmt!
Im Gepäck hatte sie auch zwei neue Kompositionen Peek Out und Thick Throat, aber am beeindruckendsten blieb wohl ihre Perle vom Album, Covered In Silence. Ein fantastisches Lied, das auch in der Elektroversion zu gefallen wusste. Besonders als der Refrain einsetzte und synthetische Glöckchen die Stimme wie auf einem weichen Kissen betteten, wurden Glanzlichter gesetzt. Das Björk Cover Unravel war ebenfalls wunderschön. Malvina setzte hier ihre Stimme ganz variabel und sehr berührend ein. Spärliche Eletroklänge bildeten den Hintergrund. während Meinier den Text sang:
While You Are Away
My Heart Comes undone
slowly nravels
in a ball of yrn
the devil collects it
with a grin
our love
in a ball of yarn
he'll never return it
so when you come back
we'll have to make new love
Beonders die mehrfach wiederholet Zeile "he'll never return it", war zum Umfallen schön.
Abschließend gab es auch noch eine neue Elektroversion des Titeltracks des Albums The Wise One.
Dann folgte Teil 2, nämlich die klassische Variante am Piano. Eigentlich sollte diese laut Plan nur ein einizes Lied lang dauern. Weil mich Bath Noises aber so begeisterte, wurde ich kess und fing an, mir zunächst noch Covered in Silence und dann noch das zweiteilige Winterlied En Attendant L'Hiver und Hiver zu wünschen.
Malvina am Klavier war einfach eine Wucht. Die klassisch ausgebildete Französin spielte mit einer Leichtigkeit, Flüssigkeit und Eleganz, daß es einem den Atem verschlug. Keiner im Kellergewölbe muckte, alle hörten sie wie gebannt hin. Ihr wundervolle Stimme kam nun besonders gut zur Geltung und ich hätte am liebsten noch weitere 15 Stücke gehört. Aber etwa 45 Minuten Spielzeit am Stück sollten bei Homeshows nicht überschritten werden, sonst werden die Gäste quängelig. Die Leutchen wollen sich eben bewegen, essen, trinken, rauchen flirten, vielleicht eine Eroberung abknutschen.
Für einige Gäste war gerade dieser letzte Abschnitt das Beste am Konzert, für andere war der elektronische Teil toller.
Setlist Malvina Meinier, Oliver Peel Session # 45, Paris:
01: Drawing Roads
02: Peek Out
03: Covered In Silence
04: Thick Throat
05: Unravel (Björk Cover)
06:The Wise One
07: Bath Noises
08: Covered In Silence
09: En Attendant L'Hiver
10: Hiver
Gleich geht es hier mit Michelle Blades weiter, stay tuned!
Konzert: Michelle Blades (mit Malvina Meinier und Cassandra Jetten)
Ort: La Fabrique Balades Sonores, Paris
Datum: 03.03.2013
Zuschauer: etwa 30
Konzertdauer: circa 35 Minuten
Also diese kleinen feinen Showcase in dem winzigen Plattenladen der Balades Sonores sind einfach immer wieder entzückend! In schöner Regelmäßigkeit finden hier in der sogenannten "Fabrique" zwischen CD- und Vinylregalen intimste Akustikkonzerte statt, bei denen Musiker aus der ganzen Welt umsonst und ohne Sicherheitsabstand und Schnörkel zeigen, was sie können. In der Vergangenheit waren schon Größen wie Mariee Sioux, Françoiz Breut oder Dawn Landes hier, heute nun also Michelle Blades.
Michelle ist eine wahre Globetrotterin. In Panama geboren, in Amerika aufgewachsen und seit Januar 2013 in Paris lebend, kennt sie sich sowohl mit der hispanischen, der angelsächsischen als auch der französischen Kultur aus. Dies zeigt sich auch in ihren sehr nahegehenden Songs, in denen man diese Einflüsse heraushören kann. Zwar singt sie nie (oder so gut wie nie) auf spanisch, aber ihr Gitarrenspiel hat durchaus manchmal leichte Elemente des Flamenco. Von der amerikanischen Musikkultur hat sie eine leicht bluesige Note übernommen und den tadellosen Akzent, von Paris bzw. Frankreich zumindest schon die heutige Gastmusikerin Malvina Meinier, die etwas Casio spielte und im Chor mitsang. Dritte Musikerin auf der schönen alten Holztruhe war die blonde Amerikanerin Cassandra Jetten, die ebenfalls in Paris lebt und heute wesentlich zu den wundervollen Harmoniegesängen beitrug.
Blades spielte abwechselnd Gitarre und Banjo und sang höchst variabel und facettenreich. Die Songs sind in den letzten Jahren entstanden, manche waren neuer, andere gehörten schon seit einer Weile zum Repertoire. Auf Facebook kann man immer schön verfolgen, woran sie gerade arbeitet. Regelmäßig stellt sie kleine Amateurvideos von ihren Songs ins Netz und kürzlich sah man dort auch Mitschnitte von einem sehr rockigen und elektrischen Konzert, daß sie in La Java gegeben hatte.
Heute ging hingegen alles ruhiger zu. Das sehr angenehme Publikum war mucksmäuschenstill, als Michelle ihre Lieder vortrug, so daß man noch jedes noch so kleine Detail gut hören konnte. Dennoch gab Michelle auch diesmal nicht durchgängig die Leisetreterin, ihr südamerikanisches Talent sorgte immer wieder für Ausbrüche.
In vollen Zügen ergötzte ich mich an ihrer Lieblichkeit, ihrer Anmut , aber auch ihrem Feuer.
Herrlich warm und betörend ihr Timbre, herzbewegend ihr Gitarrenspiel, beeindruckend ihr Talent, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen.Ich war wirklich hin und weg und erfreute mich an jedem einzelnen Lied. Dieser Gratis Showcase war für mich so viel wert wie für andere Leute ein Madonna Konzert für das sie über hundert Euro ausgegeben haben. Musikfans, die lieber ins Stadion gehen, ist es sicherlich nicht so leicht zu vermitteln, wieso ich mich so sehr für ein kleines Akustikkonzert begeistern kann, aber andere, die auch schon an den Freuden dieser intimen Gigs teilhaben konnten, verstehen mich sicherlich nur allzu gut.
An was mich das Ganze musikalisch erinnerte? Hmm. An Devendra Banhart vielleicht, Patrick Watson, Alela Diane, Ora Cogan, Grizzly Bear, die die drei Mädels absolut wundervoll coverten (Alligator), vor allem aber an Michelle Blades selbst. Fantastisch, wieviel eigene Persönlichkeit sie in jedes einzelne Stück legte. Egal ob die Kompositionen La Verité, Like Wild Flowers oder Persephone in Heels hießen, alle waren sie besonders.
Die Zugabe mit Hasti Kusuma schoß mir endgültig alle Lampen aus, das ziemlich lange Stück fesselte mich total und am Ende schlotterten mir regelrecht die Knie. Ich schaffte es gerade noch, die Künsterlin, die genau vor mir agiert hatte, zu ihrem Konzert zu beglückwünschen. Sie hatte extra für mich ziemlich zu Beginn ein kurzes, aber wundervolles Lied zu dem Gedenken des dreißigjährigen Suizides der Dichterin Silvia Plath erklingen lassen, weil ich ihr per e-mail mitgeteilt hatte, daß mich dieses Lied, in das ein paar Verse eines Gedichtes von Plath eingebunden waren, sehr bewegt hat.
Allzu gerne hätte ich auch noch Tonträger von Michelle erworben, aber die hat sie alle in den USA gelassen. Man kann die Lieder bei Bandcamp hören, oder auf Youtube anschauen. Die Sachen auf Bandcamp klingen allerdings ganz anders, als was man in La Fabrique hören konnte. Die Videos eignen sich da viel eher.
Ein Konzertbericht vom 19. Juli, geschrieben am 8. Dezember?
Nun ja, ihr dürft gerne darüber schmunzeln. Ich aber nehme mir diese Freiheit raus, schließlich veröffentlichen auch Leute ihre Bestenliste für 2012 im November.
Zudem: das Konzert von Malvina Meinier war absolut denkwürdig, großartig, ja episch! Und ich hätte auch schon längst darüber berichtet, wenn nicht die Sommerferien dazwischen gekommen wären. Blablabla, alles Ausreden, ich weiß. Jetzt aber endlich der Bericht. Los geht's!
Der 19. Juli 2012. Meiner Erinnerung nach ein ziemlich heißer Tag in einem ansonsten verregneten Juli. Die Sommerferien standen vor der Haustür. Open Air Festivals liefen hüben wie drüben und in den Pariser Konzertclubs war schon die Saure-Gurken-Zeit angebrochen.
Doch im Théâtre de Ménilmontant fand noch eine Veranstaltung statt, die mich brennend interessierte. Eine meiner Entdeckungen des Jahres, die rotblonde Amerikanerin Rachael Wellington alias Kinrisu sollt dort auftreten und danach die französische Pianistin Malvina Meinier zusammen mit einem Streichertrio und einem Frauenchor, gebildet aus Andrea Perdue, Michelle Blades und Cassandra Jetten (Foto rechts), allesamt aus den USA aber mit Wohnsitz in Frankreich.
Kinrisu war wie erwartet großartig, begeisterte mit ihrer Kleinmädchenstimme, ihren irren Texten und ihrem innovativen Fickerpicking und leitete perfekt in den Hauptteil ein, der etwa 15 Minuten später beginnen sollte.
Ich bestellte mir ein Bier an der Bar, setzte mich dann auf einen Hocker in der Nähe der Bühne und harrte der Dinge die da kommen würden. Vorbereitet hatte ich mich zu Hause vorher nicht, ich ging ganz unbeleckt in dieses Konzert, kannte die Musik von Malvina Meinier bis dato noch nicht.
Die Band betrat die Bühne und nahm ihre Plätze ein. Malvina positionierte sich rechts hinter ihren Flügel, ihr Freund Marius stand hinter einem Apple Notebook, Andrea Perdue, Cassandra Jetten und Michelle Blades links von ihm. Vorne links saßen zwei Violinisten und eine Cellistin.
Es konnte losgehen. Der Zauber der absolut himmlischen Musik entfaltete sich quasi unmittelbar. Die Stimme von Malvina war so was von schön, daß man es kaum beschreiben konnte. Sie schwebte förmlich durch den Raum. In Kombination mit den Streichern und den zarten Pianoklängen war das unwiderstehlich. Ich hörte mein Herz pochen, es klopfte ganz laut gegen meinen Brustkorb, meine Hände wurden feucht. Die Cellistin strich samtweich durch ihre Saiten und Malvina erreichte gesanglich höchste Höhen. Sigur Rós waren ein Scheißdreck dagegen. Das hier war der Inbegriff von Anmut, Stil, Eleganz und Wohlklang. Die Musik war so wundervoll, daß ich mich am liebsten in sie hineingelegt hätte.
Bei Wise One sang Malvina fast wie eine My Brightest Diamond, die berührenden Zeilen: "you are already dead in my mind", es war zum Steineerweichen. An kristallener Klarheit war der Gesang nicht zu überteffen und das dramatische Pianospiel untermalte ihn auf das Beste.
Bei Covered In Silence wurde das Tempo verlangsamt. Das Klavier schritt ganz gemächlich und repetitiv voran, wurde aber von Minute zu Minute intensiver und lauter, bis die Streicher einsetzten und das Tempo plötzlich sehr lebhaft wurde. Ein meisterliches Arrangement, das mir den Atem, ja den Verstand raubte!
Ich konnte es nicht fassen, ich saß in einem recht gammeligen Theater, aus der Küche drangen etwas unangenehme Gerüche und auf der Bühne präsentierte sich eines der größten Talente, das ich je gesehen hatte. Wie konnte es sein, daß sich noch nicht die gesamte französische Musikpresse auf sie gestürzt hatte? Ich war sprachlos, wusste aber insgeheim, daß ich hier bei etwas ganz Großem dabei war, von dem ich noch Jahre später schwärmen würde. Innerlich kostete ich schon meinen Triumph aus, wenn ich Leuten aus der Musikszene gegenüber damit angeben könnte, Malvina schon 2012 live gesehen zu haben. Sie würden erst auf sie stoßen, wenn der ganze Medienrummel und der kometenhafte Aufstieg längst begonnen hat. Denn seien wir mal realistisch, ein solches Talent wie Malvina Meinier hat man nicht für immer für sich alleine.
Ich wusste also, daß jede Minute des Konzertes kostbar war, wusste auch, in welch privilegierter Situation ich mich befand. "Oliver, das alte Trüffelschwein", immer wieder kam mir dieser Spruch in meinen albern Kopf, "Oliver, das alte Trüffelschwein".
Nach einer halben Stunde Konzert war ich ohnehin schon besinnungslos, war hoffungslos dem Schwebesound der Malvina Meinier und ihrer Band verfallen, betete, dieses Konzert möge nie zu Ende gehen. Ich wollte bei besonders himmlischen Passagen die Zeit anhalten und sagen: "Stop! Jetzt möchte ich sterben, das ist der richtige Moment, besser kann es nicht werden." Man soll schließlich aufhören, wenn es am schönsten ist...
Bath Noises ("I am still in love with you") und En Attendant L'Hiver 2 kamen noch gegen Ende. Das Warten auf den Winter, im Juli passte das und heute ist er da, der Winter. Die Musik von Malvina Meinier passt perfekt zu ihm. Das ist nämlich Musik, die das Herz mehr wärmt, als jede dicke Deke oder der längste Schal. Mit dem Album The Wise One würde ich mich am liebsten zwei Wochen in einer einsamen Skihütte einschließen und es andächtig immer wieder und wieder hören, bis ich den Zustand des vollkommenen Glücks erfahren habe.
Das war ein sensationelles Konzert, daß ich nie vergessen werde, sofern mich Herr Alzheimer verschont!
Setlist Malvina Meinier, Théâtre de Ménilmontant, Paris
01: 24 02: The Miracle 03: The Wise One 04: Covered In Silence 05: Bath Noises 06: En Attendant L'Hiver 2 07: Grace In A Dive 08: Now, You Just Watched Me
Hört euch hier ganz komfortabel das ganze Album an!
Michelle Blades & Andrea Perdue (Helluvah) Ort: L'International, Paris Datum: 02.07.12 Zuschauer: vielleicht 80
Michelle Blades ist ein interessantes Mädel. Sie stammt aus Panama, wuchs dann aber in den USA auf und hat deshalb vielfältige Wurzeln. Das hispanische Element spürt man nach wie vor deutlich in ihrer anmutigen Musik, die sie auf ihrer schönen Ukulele zelebriert.
Aufmerksam geworden bin ich auf sie durch einen lesenwerten Beitrag auf dem Klienicum, auf dem Bloggerkönig Eike über ihr Label River Jones Music und die auf ihm vertretenen Künstler referiert. Entsprechend überrascht und erfreut war ich deshalb, als ich hörte, daß Michelle Blades im Pariser Gratisclub International auftreten sollte.
Nach einer tollen Einleitung auf Harmonium, Ukulele und Keyboard durch die entzückende Andrea Perdue, die erst kürzlich eine sehr schöne Oliver Peel Session eingespielt hatte, trat Michelle mit einer reinen Mädchenband an. Insgesamt vier hübsche Grazien teilten sich die recht kleine Bühne, es war ein erfreulicher Anblick. In der Mitte mit dem pfiffigen roten Sixties-Kleid die Sängerin mit ihrer Ukulele. Die Kolleginnnen (darunter Andrea Perdue, die auf dem gleichen französischen Label, Camaraderie Limited vertreten ist) bildeten den Chor und eines der Mädchen (eine groß gewachsene Französin in grünem Kleid) spielete auch etwas Keyboard.
Sofort fiel die eigenwillige Stimme von Michelle auf. Ziemlich rauchig, fest und wandelbar. Live weniger lieblich als auf den Studioversionen, eher bluesiger, kehliger. Und Temperament hatte das zierliche Persönchen! Sie dirigiertd wie ein Simon Rattle ihre Mädchenband, nahm dabei oft ihre Zeigefinger zur Hilfe und bezog auch das Publikum mit ein. Wer aber glaubte, so ein nett und lieb aussehendes Mädchen würde auch überaus nette Musik ohne Ecken und Kanten machen, sah sich getäuscht. Das hier war kein lieblicher Kleinmädchenfolk, sondern ein eigenwilliges un eigenständiges Projekt mit vielen Ideen, fernab von konventioneller Schmalspurkost.
Einzelne Songs kann ich aber nicht benennen oder hervorheben. Wie auf der Webpage des International vermerkt war, ging es heute auch um den Relase der Ep &, die aber nur 3 Lieder enthält, so daß natürlich auch anderes Material gespielt wurde. Absolut wundervoll und im höchsten Maße betörend finde ich das Album Mariana, das man auf der Seite von River Jones Music Label anhören kann. Ich stelle es deshalb unter meinen Bericht. Also bitte alle mal merken: Michelle Blades!Ist was für Fans von Devendra Banhart, Antony and The Johnsons, Laura Gibson und Coco Rosie.
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
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