Donnerstag, 31. März 2011

Arbouretum, Paris, 28.03.11


Konzert: Arbouretum & The Last Morning Soundtrack

Ort: La Maroquinerie, Paris

Datum: 28.03.2011
Zuschauer: höchstens 70 (Kapazität Maroquinerie 500), schade!
Konzertdauer: Arbouretum etwa 75 Minuten



Saftiger, steinschwerer, psychedelischer Bluesrock. Mit dem Stil der Amerikaner Arbouretum konnten Mädchen anscheinend nichts anfangen, denn das sehr spärlich erschienene Publikum bestand zu 85 Prozent aus Männern. Typen mit Vollbärten und wuscheligen Haaren, also genau passend zum Look der Band, die auf der Bühne stand, bevölkerten die Maroquinerie an jenem Montagabend.

Drei Besucher jenseits der vierzig waren besonders wild drauf und tanzten in der ersten Reihe unermüdlich zu den staubtrockenen Rhythmen von Arbouretum (nicht zu verwechseln mit Arborea! ) ab. Sie schienen wie in Trance, rissen die Hände nach oben, spielten Luftgitarre, bewegten sich headbangend vor und zurück und hüpften rum, als hätten sie Sprungfedern unter den Füßen. Man konnte von Glück reden, daß diese drei Komiker heute da waren, denn ansonsten wäre die gespenstische Leere in der Maroquinerie noch wesentlich deutlicher aufgefallen. Vielleicht gab es zu viele Konkurrenzveranstaltungen, in anderen Locations spielten u.a. die Shout Out Louds, Miles Kanes (der von den Rasclas und den Last Shadow Puppets), oder auch Immanu El.

Aber sei's drum, wir Männer ließen uns den Spaß an Arbouretum nicht nehmen. War irgendwie auch mal schön, ohne die ganzen heißen Weiber im Publikum, ein richtig zünftiger Herrenabend, so wie man (n) ihn öfter veranstalten sollte. Was wollen wir denn auch eigentlich mit den Weibern? Sollen sie doch shoppen gehen, oder sich die Augenbrauen zupfen, diese arroganten Ziegen!

Wir ließen es uns unterdessen heute richtig besorgen. Das Schlagzeug knallte tonnenschwer, die Gitarren jaulten bluesig, die Orgel klimperte hypnotisch und Sänger Dave Heumann hatte eine wirklich geile Stimme. Die Amis klangen ein wenig wie die frühen (und tollen!) Black Keys, oder auch die Gutter Twins. Oft gab es minutenlange Gitarrensoli (wer mag sowas nicht? haltet eure verfluchten Schnautzen, ihr habt keine Ahnung!), brachiale Schlagzeugsalven und Lieder, die anscheinend nie enden wollten. Die Band steigerte sich regelrecht in hypnotische Zustände, rockte was das Zeug hielt und stachelte vor allem unsere drei Komiker in der ersten Reihe saumäßig auf. Heavy, trocken, laut, genauso muß guter Rock klingen. Über eine Stunde ging das so, immer roh, immer wuchtig, bevor mit einer herzerweichenden Ballade abgeschlossen wurde.... kam keine Spur kitschig rüber, sondern balsamierte vielmehr die geschundenen Seelen der geplagten Großstädter, die einmütig mit der Zunge schnalzten und allesamt angaben, ein starkes Konzert gesehen zu haben, das ohne Zugabe dafür aber mit Umarmungen der drei Komiker seitens des Drummers endete.

Bewundernswert, daß die Band gespielt hat, als sei der Raum richtig voll gewesen. Sie gaben wirklich alles und das kann man neben dem hochkarätigen Set gar nicht hoch genug einschätzen!

Gut auch die Vorgruppe The Last Morning Soundtrack aus der französischen Bretagne. Arrangements aus Samt und Seide, wundervolle Harmonien zwischen Akustikgitarre, Piano und Cello und ein wehklagender Gesang, der an Damien Rice oder Chris Garneau erinnerte. Von denen wird man noch hören! Ihr erstes Album ist gerade erst erschienen.

Setlist Arbouretum, La Maroquinerie, Paris, siehe Foto.



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