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Donnerstag, 11. April 2013

Mumford & Sons, Kopenhagen, 08.04.2013

2 Kommentare
Konzert: Mumford & Sons
Ort: Falconer Hall, Kopenhagen
Datum: 08.04.2013
Support: Half Moon Run, Mystery Jets
Zuschauer: 10.000+ (?); ausverkauft
Dauer: Mumford & Sons (90min), Mystery Jets (40min), Half Moon Run (30min)



Man wünsche sich zurück in das Jahr 2007. Beneidenswerte Mitmenschen werden vielleicht das Glück gehabt haben, irgendwo in London an der richtigen Straßenecke vorbeigekommen zu sein oder in dem richtigen Pub gesessen zu sein, als Marcus Mumford und seine Jungs ihre ersten musikalischen Gehversuche in der Londoner Musikszene unternahmen. Heute sind Mumford & Sons lange kein Geheimtipp mehr – vor allem in der britischen Heimat und den Staaten füllen sie riesige Stadien und ihr erst zweites Album „Babel“ errang wie erwartet im letzten Herbst global Spitzenpositionen. Vermeintlich clevererweise beschlossen eine Freundin und ich die kleinstmögliche Venue der bereits im letzten Herbst verkündeten Europatour auszuwählen und so verschlug es uns nach Kopenhagen. So wie das im Leben häufiger mal ist, wurden unsere Pläne durchkreuzt, als die zunächst geplante „kleine“ Venue mit etwa 2.500 Leuten auf ein im Internet mit einer Kapazität von 21.000 Menschen ausgewiesenes Konferenzzentrum hochverlegt wurde. Schön für die, die noch keine Karte hatten – für uns doch eher schade. Nichtsdestotrotz machten wir uns hochmotiviert morgens um 5 Uhr auf den Weg gen Norden und waren auch schnelle 11h49min später schon mit dem Zug in Kopenhagen und wurden erstmal mit Schnee begrüßt. Noch ziemlich fertig von der umständlichen Anreise, beschlossen wir es am nächsten Tag, dem Tag des Konzerts, etwas ruhiger angehen zu lassen, wurden aber dann doch früher als geplant von den Sonnenstrahlen nach draußen gelockt. Kopenhagen präsentierte sich von seiner schönsten Seite und wir durchquerten trotz bevorstehendem Konzert die halbe Stadt und vertrieben so effektiv die Pre-Gig-Nervosität. Laut wie gewohnt eher undekorativem Musicglue-Ticket-Voucher sollte der Einlass um 20Uhr stattfinden – glücklicherweise waren wir bereits kurz nach 19 Uhr an der Falconer Hall, um dann feststellen zu müssen, dass die Türen bereits weit offenstanden – kurze Verwirrung bzw. Bestürzung, aber nachdem es ausnahmsweise beim Einlass keine Probleme gab – außer das uns schon wieder das Ticket abgenommen wurde – standen wir dann relativ entspannt in der zweiten Reihe. Kleiner Funfact: in Dänemark ist es nicht einmal gestattet seine Jacken über die Absperrung zu hängen – allerdings wurde ich noch nie zuvor so höflich darauf hingewiesen. Diese höfliche und freundliche Art der Dänen machte sich allgemein positiv während des Konzerts bemerkbar. Man hätte annehmen können, dass es deshalb sehr ruhig zu gehen würde, aber ganz im Gegenteil ging es spätestens bei Mumford & Sons ordentlich ab – und das ganz ohne nerviges Drängeln oder Schubsen. Eine meines Erachtens ebenso berichtenswerte Anekdote ist die, das das dänische Publikum es schaffte, mit höflicher Bestimmtheit zwei vermutlich amerikanische Vordrängler einfach wieder zum Gehen zu bewegen, da diese sich vollkommen zu recht schämten, als sie merkten, dass sie mit der „Wir suchen ja nur nach unseren Freunden, bleiben aber dann einen Meter neben oder noch besser direkt vor euch stehen“-Nummer hier nicht durchkommen. Chapeau!


Da meine Begleitung bereits ein Mumford & Sons-Konzert der aktuellen Tour mitgemacht hatte, wusste ich leider schon, dass uns 2 Vorbands bevorstehen. Nichts gegen Vorbands im Allgemeinen, denn prinzipiell hat jeder eine Chance verdient, aber meine Konzentrationsspanne ist einfach nach einer Vorband schon leicht strapaziert, von meiner Geduld und meinen schmerzenden Füßen mal ganz abgesehen. Die erste Supportband des Abends waren „Half Moon Run“ aus Montreal. Sympathische Jungs, die ihre Musik mit viel Begeisterung vortrugen und Sänger Devon mit seiner Stimme schlichtweg beeindruckte – insgesamt wirklich unterhaltsam und es folgte verdienter Zuspruch aus dem Publikum. Meiner Meinung nach auch gut passend zum Hauptprogramm, was für mich grundsätzlich schon einmal Grund zur Begeisterung ist, da man so oft Supportbands überstehen muss, die einfach so ganz und gar nicht zum Hauptact passen. Für mich bemerkenswert, wenn auch nicht genau überprüfbar – aber anscheinend wechselt man bei Mumford & Sons fast bei jeder Show das Vorprogramm – sehr lobenswert!


Die von meiner Begleitung aufgestellte Theorie, dass bisher die zweite Supportband immer (jedenfalls in Barcelona und Luxemburg) schlecht war, sollte sich auch für mich persönlich an diesem Abend wieder bestätigen. Die „Mystery Jets“ waren mir schon länger ein Begriff, da ich sie vor einigen Jahren bereits im Vorprogramm sehen/ertragen durfte. Ich bin mir nicht genau sicher, wann oder wo das war, aber es blieb ein negativer Nachgeschmack. Nichtsdestotrotz war ich der zweiten Begegnung offen gegenüber getreten und war leider dieses Mal auch ganz und gar nicht begeistert. Das Publikum zeigte sich in der Mehrheit auch nach ein paar Songs ziemlich gelangweilt. Rein musikalisch möchte ich die „Mystery Jets“ gar nicht zu sehr kritisieren, auch wenn es textlich und melodisch eindeutig Einfallsreicheres gibt – das Schlimmste für mich die gefühlten 4 Mitklatsch-/Mitsingsongs bei etwa 8 Liedern insgesamt – und die geschmacklich strittigen Bühnenoutfits in fragwürdigem Cowboy-/Amerikalook. Da bleibt mir persönlich nur eine Frage: „Warum?!“


Die Stimmung in der Falconer Hall war erstaunlicherweise ungetrübt – vermutlich wieder dank der Tatsache, dass die Dänen einfach unerschütterlich freundlich sind oder vielleicht auch dank der tollen Bühnendekoration. Neben Banner und Satellitenschüsselscheinwerfern war der gesamte Saal Little-Lion-Man-getreu reihenweise mit Lichterketten dekoriert, die sich bis zu den Rängen hin über das Publikum erstreckten und bevor die Show überhaupt begonnen hatte, für die passende Atmosphäre sorgten.



 Erfreulicherweise wurden die Umbaupausen auch möglichst kurz gehalten und kurz nachdem das Publikum kollektiv durch Rufe und Klatschen signalisierte, dass wir jetzt bereit waren, ging es auch schon los. Ohne großes Gehabe betraten Marcus und seine 3 „Sons“ die Bühne, begleitet von diversen Musikern, die eine Streichersektion auf der einen Seite und eine Bläsersektion auf der anderen Seite bilden sollten. Trotz der Vielzahl von Musikern, die sich nun auf der Bühne befanden, waren immer noch einige Instrumente unbesetzt – dieses Mysterium sollte sich aber im Laufe des Konzerts aufklären. Selten wurde ich direkt von Anfang an so in ein Set hineingezogen und war selten direkt so abgrundtief begeistert, wie bei Mumford & Sons an diesem Abend. Als die ersten Töne der Gitarre erklungen und spätestens als Marcus die ersten Worte des Openers „Babel“ mit seiner fast schon magischen Stimme vortrug, war ich wie weggetreten und vollkommen bei dem, was sich auf der Bühne abspielte. Mumford & Sons waren von Beginn an mit voller Energie und voller Begeisterung da und brachten ihre Lieder genauso energetisch und kraftvoll auf die Bühne, wie sie es verdient haben. Sämtliche dänische Zurückhaltung des Publikums war verflogen und alle sangen jede einzelne Silbe so mit, als ging es um ihr Überleben. Als dann bereits als zweiter Song „I will wait“ den Raum erfüllte, war bei mir einfach alles zu spät und ich war so hin und weg, dass es mir zum zweiten Mal in meinem Leben passierte, dass ich meine Kamera vor Begeisterung mit voller Wucht aus meiner Hand schleuderte. Zum Glück ist nichts passiert, aber ich denke das beschreibt den Moment sehr treffend und eben diese Stimmung hielt bei mir den Großteil des Sets an. Mumford & Sons verstanden es kunstvoll erst das hohe Tempo des Anfangs mit „Below my Feet“ und „White Blank Page“ zu erhalten, mit „Holland Road“ etwas herauszunehmen und das Publikum zu einem wundervollen Moment der Stille bei „Timshel“ inspirieren. Dramaturgische Perfektion, da danach mit „Little Lion Man“ wiederum vollkommene Ekstase im Saal ausbrach und so die Stimmung des Publikums perfekt gelenkt wurde.


 
Das Set bot eine ausgewogene Mischung von älteren Songs des Debüts „Sigh No More“ und den Songs des letzten Albums „Babel“ und enthielt einfach alles, was ein gutes Konzert ausmachen sollte. Musikalische Perfektion von „Thistle & Weeds“, über „Roll away your stone“ zu „The Cave“, pure Spielfreude und Begeisterung von grundauf sympathischen Alleskönnern (souveräner Wechsel von Keyboard zu Klavier, von Kontrabass zu Drums etc.) , die trotz ihres enormen Erfolgs am Boden geblieben zu sein scheinen. Obwohl meiner Meinung nach nach „The Cave“ hätte bereits Schluss sein können, wurde dem Publikum noch eine gemeinsame Performance des The Band Songs „The Weight“ geboten, zu dem sich beide Supportbands auf der Bühne einfanden, Ein gelungener Abschluss eines tollen Konzerts, der den „Mumford & Sons-Spirit“ treffend auf den Punkt brachte.


Jeglicher Skepsis aufgrund der Hallengröße, den 2 Vorbands und der Gefahr zu trotz, dass Mumford & Sons mittlerweile den Pfad der größenwahnsinnigen Stadionbands beschritten haben könnten, lieferten Marcus und seine Jungs eine grandiose Show, die mir Tage später noch Ohrwürmer und wohlige Schauer in Erinnerung an die unglaubliche Stimme Mr. Mumfords beschert. Fuck yeah, Mumford & Sons, fuck yeah.

Setlist: Mumford & Sons, Falconer Hall, 08.04.2013 


01: Babel
02: I will wait
03: Below my feet
04: White Blank Page
05: Holland Road
06: Timshel
07: Little Lion Man
08: Lover of the light
09: Thistle & Weeds
10: Ghosts that we knew
11: Awake my soul
12: Roll away your stone
13: Dust Bowl Dance

14: Whispers in the dark (Z)
15: The Cave (Z)
16: The Weight (Z) (The Band Cover)


Mittwoch, 27. Juni 2012

Mumford & Sons, Hurricane Festival, 23.06.12

2 Kommentare

Konzert: Mumford & Sons
Ort: Hurricane Festival, Scheeßel
Datum: 23.06.2012
Dauer: 70 min


von Ursula (neulich als ich dachte) und Dirk (Platten vor Gericht)

Bei jeder Erwähnung der Band Mumford & Sons muss ich an ein Zitat von Liam denken, der über diese Band einmal sinngemäß sagte, der Sinn des Rockstardaseins sei doch, cool zu sein, und nicht, sich anzuziehen wie Amish People.

Zugegebenermaßen war der Amish-Eindruck am Samstagabend beim Hurricane
weniger intensiv als sonst: Herr Mumford selbst trug ein schickes Sakko, seine Band bevorzugte eher Jeanslook. Auch der andere Gallagher lag mit seiner (scherzhaften) Vermutung falsch: Marcus Mumford, die rechte Hand im Gips, nutzte die linke, um gelegentlich auf die Pauke zu hauen und stand mit den Füßen fest auf den Brettern der Blue Stage. Seine Aufgaben an Gitarre und Schlagzeug wurden von zwei Gastmusikern übernommen. Viel Manpower also bei Mumford & Sons, denn fünf weitere Musiker bedienten Blas- und Streichinstrumente.

Auf einer mit Satellitenschüsseln dekorierten Bühne wurden uns neben den bekannten Songs des Debütalbums „Sigh No More“ auch Titel aus der neuen, im September erscheinenden Platte dargeboten: „Below My Feet“, „Ghosts That We Knew“ und „Whispers In The Dark“.

Mumford & Sons ist eine weitere Band, deren Bekanntheit ich offensichtlich völlig falsch eingeschätzt hatte. Zum Auftritt war wesentlich mehr Publikum gekommen als zu den vorausgegangenen Band, und nachdem etliche der Liedanfänge bejubelt und
beklatscht wurden, waren die Leute auch nicht aus Langeweile gekommen. Zu „Timshel“ wurden sogar Feuerzeuge und Wunderkerzen gezündet.

Ben Lovett schmierte ihnen zusätzlich Honig um den Mund, indem er erklärte, er habe selten ein derart ruhiges und aufmerksames Festivalpublikum erlebt, und dass er auch beim vorangegangenen Auftritt von Florence and the Machine beeindruckt gewesen sei, wie respektvoll wir alle zugehört hätten.

Außerdem probierte die Band auch ihre äußerst begrenzten Deutschkenntnisse an uns aus, so bekamen wir zunächst gesagt, „Ted hat heute Geburtstag“, um nach einer Publikumsdarbietung von „Zum Geburtstag viel Glück“ zu erfahren, dass dieser Satz bei jedem Konzert in Deutschland geäußert wird, weil er zu den wenigen gehört, die sie beherrschen. Wir wurden auch zu zukünftigen Geburtstagsfeiern anlässlich des neuen Albums eingeladen.

Setlist Mumford & Sons, Hurricane Festival, Scheeßel:

01: Lover's Eyes
02: Little Lion Man
03: Winter Winds
04: White Blank Page
05: Timshel
06: Below My Feet
07: Roll Away Your Stone
08: Lover of the Light
09: Thistle & Weeds
10: Ghosts That We Knew
11: Awake My Soul
12: Dust Bowl Dance
13: Whispers In The Dark
14: The Cave

Links:

- aus unserem Archiv:
- Mumford And Sons, Paris, 24.09.10
- Mumford And Sons, Haldern, 13.08.10
- Mumford And Sons, Paris, 21.02.10
- Mumford And Sons, München, 02.11.09
- Mumford And Sons, Paris, 24.04.08


Samstag, 25. September 2010

Mumford & Sons, Paris, 24.09.10

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Konzert: Mumford & Sons

Ort: Le Trabendo, Paris
Datum: 24.09.2010
Zuschauer: seit Wochen restlos ausverkauft (800)
Konzertdauer: etwa 70-75 Minuten


Live report en français ci -dessous!


Musée Mécanique, die vor ein paar Monaten in meinem Wohnzimmer akustisch vom Leder gezogen haben im Point Ephémère, Karel Elson (singende Geliebte von Jack White; nein nicht der von Looking For Freedom!) in der Boule Noire und Mumford & Sons im Trabendo, in Paris steppte musikalisch mal wieder der Berliner Bär.

Ob ich mich für das richtige Konzert entschieden habe, erfahrt ihr morgen. Stay tuned!

So, hier der ausführliche Bericht:

In München tobt die Wies'n und die Engländer Mumford & Sons liefern in Paris den passenden Soundtrack zum bayrischen Sauf-und Angebertreff. Verkehrte Welt oder Folgen der Globalisierung? Schwer zu sagen, aber angelsächsische Mitgröhlsongs, die die Welt begeisterten, gab es ja schon seit ich ein kleiner Junge bin. Damals waren die Pogues aus Irland schwer angesagt und vor ein paar Jahren die Kaiser Chiefs aus Leeds. 2010 ist aber ohne jeden Zweifel das Jahr von Mumford & Sons. Die Jungs um Bandleader Marcus Mumford räumten ab, wo immer sie auftraten. Beim Glastonbury Festival, in Haldern am Niederrhein oder in Leeds/Reading. Am besten läuft es also für sie in ihrer Heimat England und in Deutschland. Logisch, dort wird ja auch am meisten gesoffen...

In Paris hingegen backen die Senkrechtstarter kleinere Brötchen. Das maximal 800 Zuschauer fassende Trabendo ist zwar seit ein paar Wochen restlos ausverkauft, aber ohne die Schlachtenbummler aus England hätte es für die Franzosen sicherlich noch Plätzchen an der Abendkasse gegeben. Man erkennt die Briten schon von weitem. Feiste, häßliche Gesichter, Typen mit kurzgeschorenen Haaren und Frauen, die rumlaufen, als gingen sie zum Table Dance. Auffällig wie gut die Franzosen demgegenüber aussehen. Als der liebe Gott Schönheit, Stil und guten Geschmack verteilt hat, hat er Frankreich besonders großzügig bedacht und die Engländer vergessen. "Viva le (eigetlich la) France" rief deshalb wohl auch Marcus Mumford während des Konzertes mehrfach schmunzelnd aus. Der temperamentvolle Sänger merkte schon sehr schnell, daß hier und heute viele seiner Landsleute da waren, die er (auf nette Weise) ein wenig ärgern wollte. Ohne die angereisten Briten wäre es allerdings viel leiser und weniger stimmungsvoll geworden, denn beim Mitsingen englischer Texte sollte man nicht auf die Franzosen zählen.

Sowohl Briten, als auch Franzosen (und deutsche Krautfresser wie ich) sahen ein mitreißendes Set, das den Saal schnell in ein Tollhause verwandelte. Kein Wunder, denn das Songmaterial ist so eingängig und partytauglich, daß man den Leuten schon Valium geben müsste, um das Mitgegröhle und Dauerschunkeln zu stoppen. Für Indiestreber wie mich ist es ja schon irgendwie beängstigend, daß jetzt jeder dahergelaufene Depp auf Mumford & Sons abfährt, aber ich wäre der Letzte, der den Jungs den Erfolg nicht gönnen würde. Die fünf Lausbuben sind nämlich so nett, bescheiden und höflich geblieben, wie man sich das wünscht. Immer wieder artige Ansagen an das Publikum, wie froh und geehrt man doch sei, hier spielen zu dürfen, vereinzelte Sätze auf französisch, um den guten Willen zu zeigen, die Landessprache zu erlernen und viel Geschmunzel zwischen den Songs. Songs, die natürlich in der Mehrzahl vom vielgepriesenen Debüt Sigh No More stammten, aber auch 2 neue Kompositionen, die dann sicherlich auf dem Nachfolger Platz finden werden. Stilistisch ist keine Änderung zu befürchten, getreu der Devise "Never change a winning team (music style)".

Nicht weiter verwunderlich, daß bereits jetzt schon zu Klassikern gewordene Gassenhauer wie Little Lion Man, White Blank Page und die letzte Zugabe The Cave auch heute wieder die großen Abräumer waren. Rampensau Marcus läuft bei diesen sich im Tempo und Rhythmus steigernden Nummern regelmäßig zu Hochform auf. Am Ende sieht man ihn immer mit weit aufgerissenem Mund, die Gitarre zwischen seine strammen Schenkel geklemmt und die Menge aufpeitschend wie ein Animateur im Club Robinson. Ein Teufelskerl, der spielerisch von der Gitarre zur Mandoline und sogar zum Schlagzeug wechselt. Wenn er trommelt, bleibt kein Auge trocken. Er vermöbelt sein Fell wie ein Bessener und wirkt dann immer auf mich wie ein zünftiger Bayer. Ich könnte ihn mir perfekt mit einer Krachledernen und rot-weißem Karohemd beim Fingerhakeln vorstellen.

Womit wir wieder beim Oktoberfest wären. Sagte ich nicht, daß Mumford & Sons den Soundtrack zur Wies'n (auf der ich noch nie war, obwohl mich mein Vater dort immer hinschleppen wollte) geschrieben haben?

Pour nos lecteurs français:

En ce temps-ci la fête de la bière à Munich bat son plein et le jeune groupe anglais Mumford & Sons qui se produisit ce soir au Trabendo a d'une certaine manière écrit la bande-son pour cette joyeuse fête bavaroise. Des chansons folk/rock qui se chantent en choeur, des refrains que tout le monde retient, dotés d'une rhytmique qui fait bouger toute la salle! Une formule avec laquelle Marcus Mumford et ses quatre acolytes ont rafflé la mise dans tous les festivals d'été. Triomphant à Glastonbury, Haldern-Pop en Allemagne et plus récemment à Leeds/Reading ce jeune quintette est le groupe qui monte. Dans leur Angleterre natale et en Allemagne, ils jouent désormais dans des salles gigantesques (3.500 pour leur concert au Palladium de Cologne le 27/09) mais à Paris ils doivent se satisfaire du Trabendo (capacité 800). La salle affiche complet, mais les spectateurs anglais venus spécialement pour l'occasion n'y étaient pas pour rien! Sans les fans britanniques, les Parisiens auraient pu peut-être trouver encore des places au guichet. Les Anglais, on les reconnaît de loin ce soir. Visages un peu grossiers, cheveux courts pour les mecs, mèches colorées et vêtements un brin trop vulgaires et bling-bling pour les filles. Dieu a favorisé les Francais quand il a distribué le style, la beauté et le bon gôut! N'empêche que sans les Anglais il n'y aurait pas eu cette ambiance surchauffée ce soir et peu de gens auraient repris les paroles en choeur. Marcus Mumford, leader charismatique et plein de tempérament du groupe, a vite remarqué qu'il y avait beaucoup des compatriotes dans la salle. C'est peut-être pour cela et pour se moquer gentillement qu'il repeta à plusieures reprises: "Vive le France!". Il a beaucoup d'humour ce Marcus. Un mec drôle, naturel, attachant et surtout un musicien hors norme. Sans le moindre problème il change entre guitare acoustique, mandoline et même batterie! Et quand il joue de la batterie, cela s'entend! Il frappait comme un beau diable avec toute sa force et remua toute la salle!!

Dans un set bien équilibré (on y trouva notamment deux nouveautés) et sans faute, quelques morceaux que l'on peut dejà considérer comme des classiques se distinguent: Little Lion Lion Man, White Blank Page et le dernier rappel The Cave ont fait mouche et n'ont laissé aucun doute sur le fait que Mumford & Sons ne tarderont pas à conquérir ici aussi un plus large public et à se produire dans des salles plus généreuses!

Comme quoi, la musique de ces gars sympas et doués ne marche pas seulement pour la fête de la bière!

Un triomphe!


Setlist Mumford & Sons, Le Trabendo, Paris:

01: Sigh No More
02: Awake My Soul
03: Roll Away Your Stone
04: Winter Winds
05: Timshel
06: Nothing
07: I Gave You All
08: Little Lion Man
09: Lover Of The Light
10: Thistle & Weeds
11: New One
12: White Blank Page
13: Dust Bowl Dance

14: After The Storm
15: Whispers In The Dark
16: The Cave

Aus unserem Archiv:

- Mumford & Sons, Haldern Pop Festival, 13.08.2010
- Mumford & Sons, Paris, 21.02.10
- Mumford & Sons, München, 02.11.09
- Mumford & Sons, Paris, 24.04.08
- Marcus Mumford zusammen mit Laura Marling, Paris, 19.04.08

Ausgewählte Konzerttermine Mumford & Sons (ohne Gewähr):

26.09.2010: Heineken Music Hall, Amsterdam
27.09.2010: Palladium, Köln
28.09.2010: C-Hall, Berlin
30.09.2010: Circque Royal, Brüssel




Sonntag, 22. August 2010

Mumford & Sons, Haldern-Festival, 13.08.10

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Konzert: Mumford & Sons

Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 13.08.2010
Dauer: 60 min
Erster Konzertbericht bei uns: 24.04.08 (Paris)


Der Kommentar von Christoph:

Blöder Mainstream-Kram! Selbst bei SWR 3 laufen Mumford & Sons mittlerweile hoch und runter und natürlich spielen die Engländer demnächst im Palladium. Als echter indie Indie-Hörer gilt es, so etwas zu verachten!

Dummerweise ist die Truppe um Marcus Mumford so verdammt gut, daß man sie nicht ignorieren kann. Ich habe lange gebraucht, die Engländer zu sehen, obwohl mir mein Pariser Kollege Oliver seit 2 1/2 Jahren von den Musikern aus dem Umfeld von Laura Marling vorschwärmt. Daß der Haldern-Auftritt der Folkpop Band gut werden würde, dachte ich mir. Daß die Gruppe allerdings die danach folgenden Beirut so locker an die Wand spielen würden, hatte ich nicht erwartet.

Bei solch brillanter Musik macht es gar nichts, diese mit lalala-Radio-Hörern zu teilen. Schließlich wird der durchschnittliche deutsche Musikgeschmack so ein wenig besser.

Der Kommentar von Oliver Peel:

Wenn man Mumford And Suns die Verwendung des Wörtchens "Heart" untersagen würde, dann hätten die temperamentvollen Engländer Probleme, Texte für ihre Songs hinzubekommen. Da strotzt es in jedem einzelnen Lied nur so vor Herzen. Man kommt locker auf 20 oder mehr "Hearts" auf dem gefeierten Debütalbum Sigh No More. Auch sonst trieft der Schmalz aus allen Ecken und Enden. "You are the mother, the mother of your baby child, the one to whom you gave your life", heißt es beispielsweise auf Timshel. Viel schwülstiger geht es nimmer, zumindest nicht in Indiekreisen. Nur Schlagersänger-und Bands schreiben ähnlich kitschige Texte. Und dennoch nimmt man diesen bodenständig und aufrichtig wirkenden jungen Burschen ihre nach außen getragene Herzlichkeit, ihr Herzblut ab. Wenn Marcus Mumford mit seiner whiskeygetränkten Stimme loslegt, die Gitarre zwischen seine strammen Beine nimmt (ich könnte ihn mir gut mit bayrischer Lederhose vorstellen!) und mit der Klampfe wie eine Hexe auf ihrem Besenstiel über die Bühne düst, dann bleibt wirklich kein Auge trocken. Vielleicht sind Mumford & Sons einfach Theaterschauspieler, von denen der Professor verlangt hat, ein in Musik vertontes Stück zum Thema "Inbrunst und Herzblut" aufzuführen. Die Prüfung würden sie auf jeden Fall locker bestehen! Irgendwie erschienen mir die Jungs in Haldern wie eine folkigere Variante der Kaiser Chiefs. Kirmesmusik mit Herz. Oder so. Da ich aber die Kaiser Chiefs mochte und mag, war das kein großes Problem für mich. Nicht zu sehr auf die Qualität der Texte achten und einfach Mitgröhlen-bzw. Mithüpfen war wohl nicht nur meine Devise. "But it was not your fault but mine. It was your heart on the line, I really fucked it up this time, didn't I, my dear." (aus Little Lion Man), mit solchen im Chor geschmetterten Refrainzeilen steckten die Herzblutler das Halderner Publikum ganz locker in ihre Hosentasche. Die Masche muß auch schon beim Glastonbury Festival gezogen haben, zumindest wenn man den euphorischen Berichten im NME glauben schenken darf. Kernaussage der Fans: "Die meinen das so wie es singen." - Na dann ist ja gut!

Highlighst hervorzuheben ist nicht einfach, alle Songs wurden von der Meute euphorisch aufgenommen, aber die stärkste Phase dürfte der Auftritt wohl gehabt haben, als die hintereinander weg gespielten White Blank Page und Little Lion Man die Festivalwiese so richtig schön ducheinanderwirbelte. Der Refrain von White Blank Page war so eingängig, daß ihn das Publikum nach Verklingen des Liedes noch minutenlang mitsummte. Die Band war gezwungen zu warten, bevor sie mit dem Programm weitermachen konnte, bedankte sich bei ihren Fans aber auf ihre Weise. Sie klatschten ihnen gerührt Beifall, so wie man das nach Abpfiff von Fußbalspielen her kennt.

Ich glaube wirklich, daß Mumford & Sons so nett und aufrichtig sind, wie sie sich geben. Kann der Dackelblick von Marcus Mumford etwa lügen? Selbst Laura Marling konnte da nicht widerstehen...

Setlist Mumford & Sons, Haldern-Pop Festival:
01: Sigh no more
02: Awake my soul
03: Winter winds
04: Roll away your stone
05: Nothing is written
06: White blank page
07: Little lion man
08: Lover of the light
09: Thistle & weeds
10: Timshel
11: The cave
12: Dust bowl

Links:

- Mumford & Sons, Paris, 21.02.10
- Mumford & Sons, München, 02.11.09
- Mumford & Sons, Paris, 24.04.08
- Marcus Mumford zusammen mit Laura Marling, Paris, 19.04.08




Montag, 22. Februar 2010

Tune-Yards & Mumford & Sons, Paris, 21.02.10

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Konzert: Tune-Yards & Mumford & Sons (Mugison)

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 21.02.2010
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: Tune-Yards etwa 40 Minuten, Mumford & Sons circa 70 Minuten



Marcus Mumford hat wirklich gut lachen. Überall, wo er mit seiner Band auftritt, räumt er auf ganzer Linie ab und dann ist der Glückspilz auch noch mit der reizenden Laura Marling zusammen! Die war heute im Publikum und sah genau wie die Pariser und zahlreiche Engländer ein unglaublich schmissiges und stimmungsvolles Konzert einer spielfreudigen Band. Die junge Folksängerin hat trotzdem kaum jemand erkannt. Sie hat nun braunes, langes Haar und sieht ganz anders aus als vor 2 Jahren, als sie zusammen mit Marcus Mumford beim Festival "Les femmes s'en mêlent" an gleicher Stelle mit kurzen blonden Haaren auftrat.

Wer einen ausführlicheren Bericht wünscht:

Die Engländer haben uns Deutsche tatsächlich zum häßlichsten Volk der Welt auserkoren (Platz 20 von 20 Ländern). Sich selbst wählen sie großzügig auf Platz sieben, noch vor den Franzosen, die sie auf Platz 9 einstufen. Na, haben die eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Gucken die eigentlich ab und zu mal in den Spiegel?* Allein die Zähne der Briten sind oft so schlecht, daß man sich gruseln kann. Von den bleichen, häßlichen Gesichtern und den Mädchen, die trotz 20 Kilo Übergewicht bauchfreie Tops tragen, die den Blick auf einen käseweißen Schwabbelbauch preisgeben, will ich lieber erst gar nicht reden...

Schon auf dem Flur der Pariser Maroquinerie wird englisch gesprochen. In Horden sind die Angelsachsen gekommen, um Mumford & Sons, die neuen Helden der Indie/Folkszene, zu bewundern. Man sieht etliche tussig aufgestytlte Frauen, die man ansonsten in Paris nicht trifft, zumindest nicht in der Maroquinerie. Natürlich sind es Engländerinnen. Wer sonst würde seine Haare weißblond färben und Klamotten tragen, die teilweise vulgär, teilweise wahnsinnig altmodisch sind? Irgendwie trutschig. Und Jarvis Cocker (auf einem alten Archivfoto), der bekanntlich in Paris lebt, behauptete allen Ernstes in einem Interview: "I think english women are sexier than french woman." Hmm, ich möchte da leise widersprechen, Jarvis...

Aber lassen wir doch am besten diese Feindseeligkeiten und Klischees! Ist doch albern, oder nicht? Deutsche sind ordentlich, Franzosen romantisch, Italiener chaotisch, alles Käse, stimmt's? Bin ich ordentlich? pünktlich? fleißig? diszipliniert? Ein Frühaufsteher? Trenne ich den Müll richtig? Nein, nein und nochmal nein! Und dennoch steht in meinem Pass: Nationalität: Deutsch. Meine Frau, ja die ist in der Tat immer super organisiert! Ordentlich und pünktlich, auch, ja (fleißig eher nicht, aber gehen wir nicht zu sehr in die Details). Und was steht in ihrem Pass: Nationalität: Französisch. Siehste mal!

Was meine Ausführungen eigentlich mit dem Konzert zu tun haben? Auf den ersten Blick nicht so viel, wer allerdings in der Maroquinerie war, wird so einige Dialoge zwischen Marcus Mumford, seinen Bandkumpels und dem französischen Publikum mitbekommen haben, in denen es um ähnliche Klischees ging. "Hey, this joke was quite funny for a french man!" rief Marcus in einer witzigen Szene einem Franzosen entgegen, der einen kleinen Witz gemacht hatte. Bekanntlicherweise necken sich Engländer und Franzosen auch gerne einmal. Engländer halten Franzosen für arrogant und blasiert, Franzosen die Engländer für unkultiviert und... schwul! Ohne Witz! Die ehemalige französische Premierministerin Edith Cresson hat folgenden Spruch einmal öffentlich gebracht: "Die englischen Männer sind fast alle schwul!" Da fasst man sich natürlich an den Kopf. Zu heiß gebadet Frau Cresson? Geht's noch gut? Aber mal zurück zu Marcus Mumford. Der bekannte etwa in der Mitte des fulminanten Konzertes offenherzig: "Irgendwie fühle ich mich außerhalb von England wie ein Wichser, wie ein Idiot. In London selbst fällt mir das weniger auf ("everytime when I'm outside of england, I feel like a wanker"). Dann faselte er davon, daß er ein "proud english man" sei, ruderte dann aber auch immer wieder zurück und ergänzte schmunzelnd: "I'm just joking. We really like Paris and France. It's our first gig in France!" Da log er allerdings. Vor zwei Jahren hatten Mumford & Sons schon einmal im Baron gespielt (ich war dabei) und Marcus hat Laura Marling bereits beim Festival "Les femmes 'en mêlent" begleitet, ebenfalls 2008.

Die britische Band war außerdem so clever, gleich mehrere Male den Banjospieler Winston Marshall zu Wort kommen zu lassen, der in einem sehr ordentlichen französisch kleine amüsante Geschichten erzählte. Dass zum Beispiel der Kontrabassist Ted Twane heute in Pigalle auf Vergnügen aus war, aber nicht genug Geld dabei gehabt hatte, um sich so richtig zu amüsieren. Wie das wohl gemeint war? Hat den Basser etwa eine Hure angesprochen und er stotternd geantwortet: "Tut mir Leid, bin ein armer, englischer Indiemusiker und habe nicht genug Kohle, Baby? Man weiß es nicht so genau...

Aber all dies waren nur lustige Untermalungen des hervorragenden musikalischen Programms, das keineswegs zu kurz kam. Mumford & Sons hatten naämlich von Beginn an keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß sie es verdienen, etliche Konzerte auszuverkaufen und immer bekannter zu werden, auch außerhalb des UK. Mit seiner urwüchsigen Kraft und seiner verrauchten, whiskygetränkten Stimme hatte Marcus schon beim Opener Sigh No More klar gemacht, daß er und seine Jungs die Maroquinerie im Sturm nehmen wollen. Seine Gesangeskumpels unterstützten ihn hierbei tatkräftig. Mit weit aufgerissenen Mündern schmetterten sie die stimmungsvollen Refrains aus voller Kehle und entwickelten einen unglaublichen Dampf. Der brechend volle Saal kochte schon nach ein paar Minuten Spielzeit. Nicht nur die Engländer im Publikum sangen die Texte mit. Die Stimmung hätte nicht besser sein können. Das angeschlagene Tempo war über weite Strecken sehr hoch, eigentlich ungewöhnlich für eine Band die in die Schublade "Folk" gesteckt wird. Es gibt sicherlich nur wenige Rockgruppen, die dermaßen zugkräftig auftreten wie Mumford & Sons. Ab und zu gab es natürlich auch einmal eine Ballade fürs Herz und beim Gitarrestimmen ließen sich die Jungs auch ordentlich Zeit zum Verschnaufen. Breit grinsend erklärte Marcus: "Meine Klampfe ist eigentlich perfekt gestimmt, ich muß nur einmal Luft holen." Wer ihn zuvor am Schlagzeug gesehen hatte, wunderte sich darüber nicht. Zweimal hatte er sich hinter die Schießbude begeben und dabei dermaßen aufs Fell eingeprügelt, daß es einem den Atem verschlug. Wie ein Gestörter trommelte er auf das arme Gerät ein und es war eigentlich ein Wunder, daß die Stöcke nicht brachen. Was für ein Heißsporn, dieser Marcus! Er schien urwüchsige Kräfte zu haben und mindestens 200 % zu geben. Die Akustische unter den Arm geklemmt, hüpfte er manchmal wie bei einem Rodeoritt auf einem wilden Bullen über die Bühne. Es war allerdings auch schön, seine Mimik bei den Balladen zu beobachten. Romantischen Blickes streichelte er seine Klampfe und sang herzerweichende Texte. Kein Wunder, daß da Laura Marling dahinschmilzt! Die Chanteuse war allerdings wie erwähnt heute nur im Publikum, aber sicherlich stolz auf ihren großen Teddybären.

Im Set war sogar Platz für einen neuen Song, ich denke es ist das Stück, daß in der Setlist als Untitled gekennzeichnet ist. Und auch das Finale war absolut berauschend. Der Dust Bowl Dance beendete fabelhaft den offiziellen Teil, bevor die vier Mannsbilder unter tosendem Applaus zurückkamen und die Countryballade Whispers in The Dark vortrugen. Aber was heißt schon Ballade? Nach verhaltenem Beginn wurde die Nummer immer schneller, lauter und intensiver, bevor am Ende alle Fesseln gelockert wurden und Mumford & Sons abrockten wie Hölle. Ein Wahnsinnskonzert!

Ach so. Ein Vorprogramm gab es auch. Die mit Kriegsbemalung, einer Ukulele und einem Bassisten auflaufende Amerikanerin Merill Garbus, die unter dem Moiniker tUnE-yArDs firmiert, glänzte mit afrikanisch angehauchten Trommelrhythmen und einem gesampelten Jodelgesang (welche Sprache war das?? meistens englisch, aber sonst?) mit dem sie am Ende des Sets das Publikum in der Maroquinerie mächtig aufheizte. Das war schon sehr speziell und nicht jedermanns Sache. Die Meinungen gingen hinterher weit auseinander. Sie reichten von unfassbar nervig bis zu famos. Möge sich jeder sein eigenes Bild machen.

Den Isländer Mugison schließlich, habe ich komplett verpasst. Ich hatte meinen Freunden von den Boutiques Sonores versprochen, am CD Verkaufsstand auszuhelfen. Letztlich verkaufte ich aber keine einzige CD, sondern hielt nur Schwätzchen und ließ mich von Uschi auf eine Cola einladen. Ich bin schon ein Schlingel...



* auf dem Archivfoto sieht man die Engländerin Hazel O'Connor, die nicht unbedingt als bildhübsch zu bezeichnen ist. Abwerten möchte ich sie deshalb auf keinen Fall, sie war sehr warmherzig und liebenswürdig und das ist natürlich viel wichtiger als Äußerlichkeiten.
*und mit einer Französin verheiratet ist bzw. war, ich weiß nicht, ob sie noch zusammen sind
.


Setlist Mumford & Sons, La Maroquinerie, Paris:


01: Sigh No More
02: Awake My Soul
03: Little Lion Man
04: White Blank Page
05: Lover Of The Light
06: Timshel
07: Thistle & Weeds
08: Untitled
09: The Cave
10: Roll Away Your Stone
11: Dust Bowl Dance

12: Whispers In The Dark

Achtung: Wer ein Konzert von Mumford & Sons in Deutschland sehen möchte, sollte sich beeilen. Tickets gehen weg wie frisch gezapftes Bier an einem heißen Sommerabend. In England ist ohnehin alles ausverkauft.

Deutsche Konzerttermine von Mumford & Sons (ohne Gewähr):

14.04.2010: E- Werk, Köln
15.04.2010: Astra, Berlin
16.04.2010: Backstage Halle, München
18.04.2010: Übel & Gefährlich, Hamburg


Aus unserem Archiv:

Mumford & Sons, München, 02.11.2009
Mumford And Sons, Paris, 24.04.08
Marcus Mumford zusammen mit Laura Marling, Paris, 19.04.08

Links:

- super Videos vom Konzert von Mumford & Sons bei le-hiboo.com. Klick!



Sonntag, 8. November 2009

Mumford & Sons,München, 02.11.09

2 Kommentare
Konzert: Mumford & Sons
Ort: Atomic Café, München
Datum: 02.11.2009
Zuschauer: so einige, aber es fehlten echte Kerle im Auditorium (Zitat Eike)
Konzertdauer: eine gute Stunde




Text und Fotos von Eike. Erstveröffentlichung auf dem Klienicum, klick!




unterhaltsamer abend, fürwahr. mumford & sons standen auf der bühne des atomic café und machten schnell deutlich, dass sich hier eine geschulte, junge band einfand, die noch weder die freude am spiel als auch nicht den kontakt zum publikum verloren hat. erfrischend die ansagen und die kommunikation zwischen den einzelnen titeln des eine gute stunde füllenden sets. im rund allerorten zufriedenheit auf den zumeist unter dreißig jahren beanspruchten gesichtern. eng an eng stand man in den ersten zehn reihen, danach etwas windschiefe lockerheit unter den vielen amazon gewinnern, deren einsatz via mail traf oder jenen, die als freunde mitschlurfen durften. so kungelten denn die vorgeblich eingeschworen mit karohemd und/oder lässig geneigtem mützchen (so hässlich) und die anderen, die zum teil noch nie von der londoner band gehört hatten, ein wenig um die besten plätze. doch nicht einmal unmut kam auf, als sich die band ob des champions league disasters der bayern zu anfang des jahrtausends lächerlich machten. echte kerle fehlten im auditorium. spätestens als die vier briten sich beklagten, dass sie keinerlei kontakte zu deutschen "fraulein" hergestellt bekämen, wäre es an der zeit gewesen, den insulanern einzuheizen. denn vorzeigbare bubis mit backenbartbehaarung und traurigem sitz der hosen haben wir doch allemal. ob es denen allerdings gelänge, auch so enthusiastisch und unverwerflich krawallig musik zu machen, die den folk mit voller wucht trifft und den rock 'n' roll auf knallendem bass und geschredderter gitarr' schraffiert, bezweifeln manche. in welcher tradition man stehen muss, und die briten sind da gut bestückt, überlass ich dem leser, um solcherart scheunenparty zu feiern, aber einen neuzeitlichen zugang gibt es allemal. die fleet foxes, kolportiert man, wären eine referenz. doch ganz so weit möchte der geneigte hörer nicht gehen, da die harmoniegesänge des quartetts keinswegs so gestochen kommen, wie es die amerikanischen kollegen tönen lassen können. grobschlächtiger möchte man meinen, weniger am wetzstein massiert. nur der melodien wegen braucht man sich auf dem eiland jenseits des kanals nicht zu schämen. lauter memorabler stoff. dass sich der vor allem vom aktuellen album rekrutiert, versteht sich von selbst, da im vorhinein, bis auf eps und 7", nichts aktenkundig wurde, was die qualitätskontrolle von marcus mumford, country winston, ben lovett und ted dwane passierte hätte. so goutierte die runde das aufgeregte "winter winds" mit flinker guitar und dem allgegenwärtigen banjo nebst gänsehaut-harmoniegesang, "the cave", das so anmutig beginnt, "sigh no more", das im breitwandgesang an der spitze ins programm geführt wurde und sofort für aufmerksam sorgte, das hüpfende "little lion man" mit dem energischen gesang, "dust bowl dance", dem ich verfalle, noch bevor der dritte, vierte ton im keyboard versinkt. der schweiss ran, die socken brannten, bühnenbilder wären beim vorletzten stomp gestürzt, doch die burschten brachten ihren auftritt sauber inklusive schlagzeugeinsatz (für eingeweihte) nach hause. im abgang der dank, im wiederkehren auch. ein lied und wieder dank und abgang. dass sich die vier für "sister" noch einmal einfanden, verdankten sie einem aufgewiegelten publikum, einer münchner runde, wie man sie doch eher selten vorfindet. der flott/betulich rhythmus, der wechsel von laut auf leise und das charisma manches der bandmitglieder glühten unterkühlte hauptstädter auf. dicht an dicht mit ihren fans brachten mumford & sons ein akustisches ständchen, das, wie sie glaubhaft versicherten, garantiert der letzte akt sein würde. in einer perfekten inszenierung.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Mumford And Sons, Scheeßel, 23.06.12
- Mumford And Sons, Paris, 24.09.10
- Mumford And Sons, Haldern, 13.08.10
- Mumford And Sons, Paris, 21.02.10

- Mumford And Sons, Paris, 24.04.08 
 


Freitag, 25. April 2008

Laura Marling, Paris, 24.04.08

1 Kommentare


Konzert: Laura Marling

Ort: Le Baron, Paris
Datum: 24.04.2008
Zuschauer: kann ich schlecht schätzen, vielleicht 150?



"Tell Laura I Love Her"


An diese Schmonzette von Ray Peterson aus dem Jahre 1960 (zalreiche Mal gecovert, sogar von Rex Gildo!) mußte ich oft beim Auftritt der blutjungen Engländerin Laura Marling im Pariser Nobelclub Baron denken. Ja, ich geb's ja zu, ich bin schon ein wenig verschossen in dieses Mädchen und somit wahrscheinlich befangen, was mein musikalisches Urteil betrifft.

Aber ich bin nicht der Einzige der für die kurzhaarige Blondine schwärmt. Chris, ein 42 jähriger Engländer aus Manchester, ist extra für dieses kurze Privatkonzert nach Paris gekommen! Von London aus reiste er mit dem Eurostar an, den Konzerttermin hatte er auf der MySpace Seite von Laura erfahren. Schon witzig, da spielt eine Engländerin in einem winzigen Club in Paris, den oft noch nicht einmal Einheimische kennen und ein Brite steht pünktlich auf der Matte! Überpünktlich sogar, denn um 23 Uhr - wie eigentlich angekündigt - ließen die Gorillas am Eingang noch niemanden in den plüschig-kitschigen Raum eintreten. Auf französisch erklärte ich dem Mann mit dem Lockenkopf, der sich später als Chris vorstellte, daß wir bestimmt noch eine gute Stunde auf den Auftritt von Laura Marling warten müßten. Und so war es dann auch, erst kurz vor 24 Uhr wurden wir eingelassen, obwohl sich unsere Namen nicht auf der Gästeliste befanden. Mein französischer Freund Philippe, der inzwischen eingetroffen war und sich eingeschrieben hatte, behauptete einfach kess, das wir seine Gäste seien. Und schwupps, waren wir drin!

Unmittelbar vor der winzigen Bühne befanden sich urgemütliche rote Sofasitze und in diese ließen wir uns entspannt fallen. Die kleine Laura saß gleich hinter uns und wartete mit einem Glas Rotwein in der Hand auf die Gäste, die sie mitgebracht hatte und die supporten durften. Und das waren Mumford And Sons. An deren Spitze agierte der junge kräftige Mann als Sänger und Multiinstrumentalist , der Laura kürzlich auch schon in der Maroquinerie begleitet hatte. Ich glaube der Naturbursche, der mit seiner kurzen schwarzen Weste und dem stämmigen Körperbau ein wenig wie ein Handwerker aussieht, heißt Marcus, sicher bin ich mir da aber nicht. Alleine war er nicht, es gab auch noch einen Kappe tragenden Pianisten, einen im Chor laut mitsingenden Kontrabassisten und einen Banjospieler in der Band. Die Stimme von Marcus (wenn er denn so heißt) war außergewöhnlich, er hat ein veritables Reibeisenkehlchen. Dementsprechend versoffen und verraucht hörte sich sein Gesang an und das gefiel mir auf Anhieb. Die gespielten Lieder (ein gutes halbes Dutzend) waren außerordentlich flott und treibend, was auch daran lag, daß Marcus mit dem Fuß die Trommelpedale bediente. Man konnte prima mitklatschen und die Stimmung hätte nicht besser sein können. Auch die Band hatte sichtlich Spaß, obwohl sie heute schon touristische Strapazen hinter sich hatte, die Jungs waren von Notre-Dame zu Fuß zu dem nicht weit von den Champs-Elysées entfernt liegenden Club gekommen. Energie hatten sie aber wie junge Stiere, sie legten einen Schunkler nach dem anderen auf das 70er Jahre Disko-Parkett.

Danach stieß Laura hinzu. Immer noch ihr Glas Rotwein in der Hand haltend, ergriff sie das Mikro und legte an der Gitarre los. Laut Setlist, die ich schon sehr früh zu Gesicht bekommen hatte, weil sie an dem Mischpult des Toningenieurs klebte, der gleich neben mir agierte, war der Albumtitel Shine vorgesehen. Den ließ sie aber aus und brachte stattdessen die Singleauskopplung Ghosts. Ein wunderschönes Lied, aber mein persönlicher Favorit kam an zweiter Stelle: Bei My Manic And I stiegen mir vor Ergriffenheit die Tränen in die Augen. Mit welcher Reife das unglaublich jung aussehende Persönchen diesen traurig-schönen Titel vortrug, war einfach atemberaubend. "If he wants to die in a lake in Geneva, the mountains can cover the shape of his nose. If he wants to die where nobody can see him, the beauty of his death will carry on so I don't believe him." Was sollte ich da machen, wenn die Erbin von Sandy "Fairport Convention" Denny mich so um ihre zarten Finger wickelt? Ich taumelte vor Glück und war nicht mehr Herr meiner Sinne...

Wer aber glaubt, Laura würde nur lahm an ihrer Gitarre (oder der Ukulele) rumkratzen und traurige Balladen vortragen, sah sich getäuscht. Ihre Kompositionen sind teilweise sehr flott und gerade der Tempowechsel bei dem Titeltrack des Albums Alas I Cannot Swim kommt völlig überraschend. Interessanterweise ist Laura aber schon wieder ihrer Zeit voraus, denn obwohl ihr Debüt erst diese Woche in Frankreich erschienen ist, spielte sie bereits zwei neue Lieder, Dora und Blackberry Stone, die sich vorzüglich in den Rest des leider viel zu kurzen Sets einfügten. Nach circa. 30 Minuten war nämlich schon Schluß. Die hatten es aber in sich und der Engländer Chris war vollkommen begeistert, sein Kommentar: "My new favorite location" und "What a talent!"

Recht hatte er und ich gab ihm auch noch folgendes auf den Weg ( der Glückliche wird Laura im Mai in Liverpool wiedersehen!) :

Tell Laura I Love Her!!!

Vorgesehene Setlist Laura Marling, Le Baron, Paris:

01: Shine
02: Ghosts
03: My Manic And I
04: Dora
05: Blackberry Stone
06: I'm A Fly
07: Cross Your Fingers
08: Alas I Cannot Swim

Tatsächlich gespielte Setlist Laura Marling, Le Baron, Paris:

01: Ghosts
02: My Manic And I
03: You're No God
04: Dora
05: Blackberry Stone
06: I'm A Fly
07: Cross Your Fingers
08: Alas I Cannot Swim

Links:

- Laura Marling in der Pariser Maroquinerie, April 2008
- Video von Laura in guter Qualität, live bei BBC2 (15.03.2008) von "Cross Your Fingers"
- Offizieller Videoclip von "My Manic And I"
- Ghosts von Laura Marling
- Marcus Mumford live im Amsterdamer Paradiso

Konzertbesucher von Laura Marling könnten auch mögen:

- Noah And The Whale in Paris 2008
- Johnny Flynn And The Sussex Wit in Paris, November 2007
- Nina Nastasia in Paris 2008
- Alela Diane in Paris 2008
- Emily Jane White in Paris 2008
- Soko, zuletzt im Oktober 2007

- Mehr Fotos von Laura Marling hier



 

Konzerttagebuch © 2010

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