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Freitag, 19. Juli 2013

Vanille, Paris, 16.07.13

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Concert: Vanille
Lieu: Le Baron
Date: 16.07.2013, 24 h
Spectateurs: environ 100
Durée du concert: 35 minutes



La glace à la vanille. Tout le monde connait et aime ça. La jeune chanteuse française Vanille n'est pas encore aussi connue, mais vu son talent et son charme, elle sera peut-être dans toutes les bouches (et oreilles) bientôt. J'avais découvert cette jolie fille brune un peu par hasard au Vieux Léon quand elle a partagé le plateau avec Lilimarche, une autre jeune française douée.

Cela m'avait plu, j'avais bien aimé la fraicheur et la nonchalance de Vanille et je voulais la revoir en concert. Ce mardi16 juillet j'en eu l'occasion. La musicienne était programmé au bar branchouille le Baron et comme ce n'est  pas très loin de chez moi, j'y passe assez souvent s'il y a un concert qui m'intéresse.




Le Baron était  bien rempli, malgré la chaleur estivale et les vacances qui ont déjà commencé. Les gens présents ont eu envie de faire la fête et depuis le début il y avait quelques filles qui dansaient passionnément. Normal, parce que les morceaux de Vanille sont bien rock'n roll et entrainants et son merveilleux guitariste Philippe Almosnino ( Les Wampas, Benjamin Biolay, Keren Ann) possède un jeu très groovy, bluesy et funky pour faire bouger les gens. Vanille chantait quasiment uniquement en français (mis à part un morceau en espagnol) et ça lui va bien. Ces paroles sont un peu insolentes et rebelles et montrent une fille qui sait bien ce qu'elle veut (et ce qu'elle ne veut pas aussi, c'est à dire être juste une poupée, une jolie fille sage et mignonne). 

En revanche, je n'ai aucune idée de qui est cette mysterieuse Emma ("ou que tu sois, je ne t'oublie pas") dont Vanille parlait dans son deuxième morceau. C'est un véritable petit tube (un peu country), entêtant, mélodieux et parfait pour reprendre les paroles en chœur ("Emma sombre sombre dans l'ennuie, Emma s'évade dans la nuit"). Un titre festif et chaleureux qui reste collé dans l'oreille pour longtemps ("lalalalala...").



Pas mal non plus "Je ne suis pas celle", un morceau qui swinge et qui dit "je marche a l'envers et je rêve au galop, je ne suis pas celle qu'il te faut."

Très à la Rolling Stone et bluesy "c'est le diable qui m'approche", et mélodiquement parfois pas très loin de Julien Clerc (j'ai toujours bien aimé Julien Clerc) le suivant "Tambour".



Puis elle enchainait avec un doux morceau mélancolique en espagnol, qui devient très festif, intense et flamenco à la fin. 

Puis vint le temps des deux meilleurs chansons du set, avec la petite merveille "Quand tu t'es sauvé" (quelle belle mélodie, quelle jolie ambiance!) en premier. Une fois de plus Philippe jouait des petites séquences formidables avec sa guitare électrique. Un peu dans le même style et également très sympa: "Balade".

La fin du set fut plus rock: "oh oui", titre rapide et rentre-dedans et puis le survolté "I Get Along" qui parlait des beaux mecs anglais à Londres que Vanille adore. Ça parlait aussi des glaces à la vanille d'ailleurs... (et des Happy Mondays).



Chouette concert de Vanille! Son goûteux mélange entre rock'n roll, pop 60ies, brit pop et chanson français est à surveiller.
Setlist:
01: Garçon
02: Emma
03: Pas Celle
04: Dibale
05: Tambour
06: Nacumbca 
07: Sauvé
08: Balade
09: Oh Oui!
10: I Get Along



Samstag, 7. Juli 2012

Exotica, Paris, 25.06.12

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Konzert: Exotica

Ort: Le Baron, Paris
Datum: 25.06.2012
Zuschauer: etwa 200
Konzertdauer: ungefähr 40 Minuten


Mit Exotica werden Höchstwerte bei der Coolitude erreicht. Wir reden hier von Hochglanzpop mit starkem elektronischen Einschlag, 80 er Jahre Parfum und überwigend französischem Gesang. Eine Art Indie Version von Mainstream Künstlern wie Mylene Farmer oder Jeanne Mass, aber auch Sandra oder Alphaville. Sängerin ist die ehemalige Koko von Napoo Chanteuse Clara Cometti, die nach wie vor kindlich naiv und sehr hoch singt und damit der ganzen Sache ihren Stempel aufdrückt. Gemeinsam mit dem Chateau Marmont Mitglied Julien Galner und etwas Hilfe von dem bärenstarken Bassisten Lionel Flairs bildet sie Exotica und fängt nun an, die allererste EP auch live zu vermarkten.



Natürlich bedurfte es dafür eines coolen Ortes und der war mit der Nobeldisco Le Baron auch schnell gefunden. Wichtige Leute drängelten sich vor dem Eingang und begehrten um Einlass. Ich schien Pech zu haben, meinen Namen fand man nicht auf der Liste. Ich warte daraufhin einen Moment und setzte mich auf eine Steintreppe nebenan, als plötzlich die Einlasserin auf mich zukam und mir sagte, daß sie nun doch meinen Namen entdeckt hatte. Ich konnte nun rein und sicherte mir ein Sitzplätzchen auf einem der roten Sofas.

20 Minuten später ging es los und es war musikalisch wie erwartet. Synthetisch, massiv eightielastig und sinnlich. Sängerin Clara trug ein auffälliges Klitzerkleid und Tänzerinnenschuhe und brachte so ordentlich Glamour in den Laden, der nun immer voller wurde. Der Bass von Flairs futschte extrem funkig, während Juline eher unschinbar hinter seinem Keboard werkelte. Mit Kitsch wurde nicht gespart, aber das gab der ganzen Sache seine spezielle Note. Die Titel waren catchy und tanzbar, keine Frage! Und die Stimme von Clara fand ich schon bei Koko von Napoo ziemlich geil. Ich verbrachte also eine gute Zeit und hatte richtig Spaß an Stücken wie Conte d'Ete und dem potentiellen Hit Désorbitée.


Am Ende wurde es allerdings ziemlich ungemütlich im Baron, da drängten tussige Russinen in den Laden, orderten Champagner als gäbe es keine Krise und vertrieben mich von meinem samtenen Sitzplatz. Egal, ich wollte nach Ende des Konzertes eh schnell raus aus dem Schuppen...

Setlist Exotica, Le Baron, Paris:

01: Conte d'Eté
02: Femme Chai
03: Manimal
04: Spectrum
05: Reprise
06: Désorbitée
07: Si Je Suis Partie




Donnerstag, 14. Juni 2012

Purity Ring, Paris, 11.06.12

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Konzert: Purity Ring
Ort: Le Baron, Paris

Datum: 11.06.2012

Zuschauer: es war sehr voll im Baron, vielleicht 250 Leute?
Konzertdauer: 45-50 Minuten

Kunst oder Käse?


Die Frage stellte ich mir beim Konzert der blutjungen Megan James alias Purity Ring im exklusiven Priser Nightclub Le Baron. Es war ein kurioser Auftritt, gespickt mit abgefahrenen Gimmicks und einer ganz besonderen Atmosphäre. Das kleine, intime Baron mit seinen roten Boudoir- Lämpchen und dem anrüchigen Ambiente war wohl genau der richtige Rahmen für diese avantgardistische, mysteriöse, märchenhafte Show.


An jenem Montag abend war es gar nicht so leicht reinzukommen. Normalerweise läuft der Zugang zum Baron über kostenfreie Gästelistenplätze, für die man sich vorher online eintragen muss. Das stellte noch nie ein Problem dar, ich wurde jeweils sehr zügig vorgemerkt und konnte dann problemlos eintreten. Dieses Mal schien das Interesse aber wirklich riesig zu sein und man antwortete auf meine Mail mit einer Ablehnung: "tut uns leid, die Liste ist schon voll!"

Neugierig wie ich bin, wollte ich mich aber nicht auf diese Weise abspeisen lassen und begab mich einfach gegen 24 Uhr (im Baron geht es immer so spät los) zu dem von außen völlig unscheinbaren Nachtclub. Der Türsteher knurrte was von: "wie bitte? sie stehen nicht auf der Liste?", aber als ich ihm sagen konnte, daß ich für das Konzert von Purity Ring komme, ließ er mich passieren.



Drinnen mixte noch ein weiblicher DJ, aber auf der winzigen Bühne war bereits ein kurioser Gabentisch mit bunten kleinen Lämpchen aufgebaut. Rechts davon stand ein riesiger Gong. Ob dieses Instrumentariums war mir sofort klar, daß dies heute eine ungewöhnliche und bizarre Show werden würde.

Die Leute tröpfelten nun immer stärker ein und der Raum füllte sich merklich. Ich saß derweil vorne auf meinem roten Barhocker und harrte der Dinge die da kommen würden. Wie ich hinterher feststellen konnte, saß ich am gleichen Tisch wie die Künstler Corin und Megan. Corin Roddick spielt die elektronischen Drums, Megan James ist die Sängerin und haut wie eine Gestörte auf den Gong.



Gegen 0 Uhr 30 ging es los. Megan schlängelte sich an mir vorbei und baute sich vor dem Gong auf, Megan James gesellte sich hinter den bunten Gabentisch mit den kleinen Lichtlein. Megan bat unverzüglich das Publikum näher zu kommen. Die Leute nahmen dies nur allzu wörtlich und bauten sich direkt vor den Künstlern auf. Die meisten stellen sich mit dem Bauch an den Gabentisch zu Corin und ein Mädel stand auf lediglich 10 Zentimeter (!) Distanz zu Megan. Dies war der Musikerin dann aber doch zu nah und recht unwirsch schob sie das Mädchen mit der Hand zurück.

Ein wabernder, gothischer Elektrosound ertönte und die Assoziationen zu Fever Ray und Zola Jesus schoßen mir sofort in meine Bloggerbirne. Das 80 er Jahre Synthierevival ebbt halt eben nicht ab, sondern entwickelt immer neue Blüten. Liegt mit Sicherheit auch daran, daß die Musiker des heutigen Abends mit ihren 21 bzw 24 Jahren die Achtziger nicht wie ich live erlebt haben. Für sie ist das noch Neuland, hier können sie sich austoben und experimentieren. Leichte Kost war das für mich indess nicht, denn der Gesang von Megan hatte viele Halleffekte, die Stücke klangen wie gesampelt und echte Songstrukturen waren auch eher rar gesät. Es glitzerte, pluckerte, waberte aus allen Ecken, die Texte konnte ich bei diesem Soundcocktail gar nicht verstehen.

Das Publikum schien das alles trotzdem wahnsinnig toll zu finden, die jungen Leute, die da vorne rumstanden, wirkten restlos begeistert. Ich selbst war hin und her gerissen. Einerseits will ich mich trotz meiner Vorliebe für Folk und handgemachte Musik, neuen synthetischen musikalischen Tendenzen nicht verschließen, andererseits bin ich nicht gewillt, alles toll zu finden, was von der trendigen Musikpresse, allen voran Pitchfork Media, gehypt wird.

So empfand ich dann schließlich den Gig von Purity Ring mit gemischten Gefühlen. Es gab durchaus euphorisierende, hypnotische Momente, Sequenzen in denen mich die kristallklare Stimme von Megan bezauberte und der Glitzersound traumhafte Assoziationen auslöste. Dann aber gab es auch Passagen, die ich eher als kitschig und käsig empfand und mich der künstliche Sound mit seiner Kühle verschreckte.


Schwer einzuschätzen also das Ganze. Wer neugierig geworden ist, sollte sich zumindest die Keytracks Lofticries und Obedear mal anhören, oder gleich das Album Shrines kaufen.

Das Potential für Purity Ring dürfte zumindest im Jahr 2102 groß sein, ihre Musik liegt voll im Trend, das heutige Zuschauerinteresse belegte dies eindrucksvoll.


Also was denn jetzt? Kunst oder Käse? Beides!




Dienstag, 17. April 2012

Lizzie And The Yes Men, Paris, 16.04.12

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Konzert: Lizzie And The Yes Men
Ort: Le Baron, Pris
Datum: 16.04.2012
Konzertdauer: etwa 45 Minuten



Das Musikgeschäft ist kein Ponyhof. Diese Erfahrung mussten heute auch die trendigen Engländer Lizzie And The Yes Men machen, die extra für den kleinen, aber feinen Gig von London nach Paris gekommen waren und dies per Bus, der 8 Stunden für die Strecke hin und auch wieder zurück braucht.

Aber es galt, sich und die unfassbar ohrwurmigen Songs in der französischen Metropole bekannt zu machen. Da muss man gewisse Stapazen auf sich nehmen
und sich vor fremden Publikum von seiner Schokoladenseite präsentieren. Und das taten die Londoner auch.


Das, was die blonde und sehr blauäugige Sängerin Lizzie und ihre Jungs da ablieferten war wahrlich alles andere als schlecht, um nicht zu sagen: super! Surf Pop sollte das sein, so habe ich es irgendwo gelesen. Mir kam eher der Filmemacher Tarantino in den Sinn, denn die schmissige Musik der Briten hätte ich mir perfekt in Pulp Fiction vorstellen können. Aber auch die Supremes und 60ies Pop passten als Referenz sehr gut. Und auch eine Spur Franz Ferdinand und Bands vom Postcard Records Label wie z.B. Orange Juice gab es im Soundbild von Lizzie herauszuhören.

Auf jeden Fall klangen die Songs sehr frisch, und Lizzie erwies sich als exzellente Frontfrau mit Charisma, Energie und viel Charme. Mit ihrem Glitzertop, dem Lederröckchen und den Ballerinas war sie sexy und schick aber nicht vulgär angezogen, während ihre Bandkollegen alle mit weißen Hemden und Krawatten aufliefen. Eine stilvolle Gruppe, die aber nicht nur durch ihre Eleganz, sondern auch sehr packende Songs zu glänzen wußte. Zwei bis drei Lieder waren definitiv potentielle Hits. The Broadwalk war sogar so grandios, daß ich ins Schwärmen geriet. The Last Shadow Puppetsche Gitarren + eine super Pfeifmelodie + das Sixties- Parfüm, dagegen war kein Kraut gewachsen. Ein Hammer!

Lizzie And The Yes Men The Broadwalk by LOTTAROXAGENCY

Aber auch The Loneliness hatte einen berauschenden Vorwärstdrang, eine unwiderstehliche Melodie und einen wunderbar sehnsüchtigen Gesang zu bieten.

Lizzie & The Yes Men - The Loneliness by LOTTAROXAGENCY


Etwa 45 Minuten legten sich die Engländer trotz der späten Uhrzeit udn den Reisestrapazen voll ins Zeug, schienen sich zu amüsieren wie Bolle und machten mich verdammt neugierig auf Tonträger. Zu kaufen gab es aber nichts. Bisher gibt es wohl nur in England erhältliche Singles, während das Debüt-Album erst in ein paar Wochen erscheinen soll. Ich werde es mir zulegen, soviel ist klar!!

Tolle Entdeckung!

Setlist Lizzie And The Yes Men, Paris, 16.04.12:


01: Intro
02: Misdemeanour
03: Take What I Can Get
04: You And I Both Know
05: Trouble
06: Nasty Boy
07: Let Me Go
08: Baby No No
09: Deserts
10: The Loneliness
11: The Broadwalk



Freitag, 10. Februar 2012

Grimes, Paris, 08.02.12

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Konzert: Grimes
Ort: Le Baron
Datum: 08.02.2012
Zuschauer: viele, vielleicht 150
Konzertdauer: 45-50


Claire Boucher aka Grimes erschien bei diesen bitterkalten Temperaturen im Pelzmantel (Kunstfell sehr wahrscheinlich, Tierschützer cool bleiben!) und abgewetzten Springerstiefeln auf der Bühne des noblen Pariser Nightclubs Le Baron und legte diesen und ihre Mütze erst im Laufe ihres Sets ab. Eisige Temperaturen wird sie aus ihrer kanadischen Heimat Vancouver (bzw. Montreal, wo sie inzwischen lebt) kennen, Konzerte in Paris, noch dazu in einer Disco, waren Neuland für sie. Eine kleiner bis mittelgroßer Hype wird schon um das neue Wunderkind des Elektropop betrieben und zumindest bei einigen Stücken wurde klar, warum die lolitahafte Claire so hoch gehandelt wird. Vanessa beispielsweise war ein Ohrwurm erster Güte und auch Crystal Ball kam catchy und perlend rüber. Eine Hitmaschine im Stile einer Austra ist Grimes aber nicht. Bei ihr gab es auch viele experimentelle Phasen, massenweise übereinander geloopte Stimmen und schräge Noten. Radioatauglich war höchstens die Hälfte ihres Sets, der Rest eher was fürs Indievolk. Teilweise spricht man stilistisch von ihrer Musik auch als New Age, Witch House oder K-Pop (was immer das sein mag) und erfreulich ist, daß aus dem Elektrobereich endlich mal wieder eine Frau kommt, die definitiv nicht nach Fever Ray oder Zola Jesus klingt. Eher schon nach Austra, Crystal Castles oder Enya (!), wobei das Ganze doch schon erfreulich eigen ist.

Ihrer Biografie kann man entnehmen, daß sie bereits 4 Alben gemacht hat, wobei das erste Werk eine auf dreißig (!) Exemplare limitierte Kassette war. Visions nennt sich der aktuelle Output und davon spielte sie natürlich ein paar Tracks. Fragt mich aber bitte nicht nach einer Setlist, damit kann ich nicht dienen.

Was die Perfomance anbelangt war Claire Boucher beeindruckend. Ganz allein hinter ihren Maschinen tanzend, schaftte sie es, der künstlichen Musik echtes Leben und Gefühle einzuhauchen. Das Mädel hatte Power, war angrifflslustig, beseelt, ja fast besessen!

In der Gesellschaft einer äußerst charmanten Tischnachbarin verbrachte ich so eine knappe Stunde, bevor ich mir meine dicke Winterjacke schnappte und so schnell wie möglich aus dem Schickimicki-Laden rausrannte. Das Bier ist mir hier zu teuer (10 Euro die Flasche!) und das Stammpublikum, das nach den Konzerten eintrudelt, ist zum Gruseln...






Freitag, 17. Juni 2011

Pollyanna, Paris, 15.06.11

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Konzert: Pollyanna

Ort: Le Baron, Paris
Datum: 15.06.2011
Zuschauer: wie viele da waren, oder wie viele zugehört haben? = ein großer Unterschied!
Konzertdauer: halbe Stunde oder so


Mit Isabelle Casier aka Pollyanna in der Schickimicki-Disco Le Baron in Paris. Das hatten wir hier schon einmal auf dem Konzerttagebuch. Seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen, Isabelle hat viele neue Lieder geschrieben und auch ihren Drummer gewechselt.

Ansonsten ist aber, zumindest was das Baron anbetrifft, alles beim Alten geblieben. Immer noch die gleichen pflegelhaften Snobs im Publikum, die sich einen Scheißdreck darum kehren, wer gerade auf der Bühne spielt und nach wie vor kostet das kleine Fläschchen Bier 10 Euro. Für die Affenpisse, die in Frankreich als "bière" verkauft wird, eindeutig zu teuer. Ich glaube ich würde lieber elendig verdursten, als einen Zehner für ein Bierchen zu blechen. Vermutlich hat dies auch das blonde Dummchen, das als Kellnerin (Animierdame?) fungierte, durchschaut und deshalb mich und ein paar andere Mitbürger von unserem Tisch vertrieben und ein paar arrogante Arschlöcher stattdessen dorthin platziert. Diese aufschneiderischen Typen orderten dann im Anschluß eine Pulle Whiskey (+ Red Bull Light, pff!).

Mann, was für eine Schweinerei! Zumindest im Nachhinein sehe ich das so. Im Augenblick als die "Zwangsräumung" vollzogen wurde, war ich viel zu überrascht, um mich darüber aufzuregen oder mich zu beschweren. Ich saß da nämlich ganz gemütlich zusammen mit dem neuseeländischen Folkmusiker David Abel und drei anderen Leuten an einem der Tischchen und schaute mir das schöne Konzert von Pollyanna an. Da kam plötzlich die blonde Dumpfbacke von Kellnerin an und brabbelte irgendwas, was wir zunächst gar nicht verstanden. Wir glaubten erst, sie wolle nur, daß wir ein wenig zusammenrücken, damit sich noch andere Gäste dazusetzen können. Aber wir waren zu naiv und gutmütig und hätten nicht damit gerechnet, daß sie uns eiskalt vertreiben wollte. Es galt das Motto: wer nicht konsumiert, hat hier nichts zu suchen. Da standen wir dann plötzlich da wie die Deppen und mussten mit ansehen, wie vier auf wichtig machende Tunichtgute unsere Plätze einnahmen. Wohlgemerkt: im Bar- und Restaurantbetrieb ist es weltweit üblich, daß diejenigen privilegiert werden, die viel saufen und fressen und für Umsatz sorgen. Das ist an sich nicht zu beanstanden. Das Problem war lediglich im konkreten Falle, daß wir noch nicht einmal gefragt wurden, ob wir etwas bestellen möchten. Wir bekamen gar nicht die Gelegenheit dazu. Und mein Bekannter David hatte immerhin vorher eines dieser verfluchten Biere für 10 Euro getrunken, sich also im Sinne der Bargepflogenheiten regelkonform verhalten.

Schlimmer als dieses Ärgernis wog aber letztlich die Tatsache daß erneut so laut geschwätzt wurde, daß man das schöne Konzert von Isabelle nicht genießen konnnte. Sie musste viel lauter singen als üblich, um sich zu Gehör zu verschaffen und das ging auf Kosten des Wohlklangs. Ihr sanftes Timbre konnte nicht zur Entfaltung kommen, die feinen Nuancen und Subtilitäten konnte man nicht so gut heraushören. Ein Jammer! Denn die neuen Songs von Pollyanna sind wirklich gut. Hit The Road trägt die Bezeichnung Hit ja schon richtigerweise im Namen und Bruxelles ist eine der vielen einfühlsamen Folkballaden, von denen Isabelle inzwischen schon so einige auf ihrer Habenseite verbuchen kann.





Abe irgendwie ging das alles so ziemlich unter und von Lied zu Lied strömten mehr Leute in die Nobeldisco und erzeugten auch noch mehr Lärm.

Fast hatte ich den Eindruck, daß Isabelle deshalb bereits nach einer halbe Stunde das Handtuch warf und mit einem Abba Cover (Lay All Your Love On Me) abschloß. Sie hatte kaum noch die Zeit, ihren Kram zusammenzupacken, da wurde die winzige Tanzfläche schon von vergnügungssüchtigen Menschen heimgesucht und wenn man hinterher jemanden gefragt hätte, wer denn vorhin aufgetreten war, hätte man sicherlich nur ein desinteressiertes Achselzucken als Antwort bekommen.

Fazit: Pollyanna immer wieder gerne, beim Baron bin ich mir da nicht so sicher. Vielleicht sollte ich da einfach nicht mehr hingehen. Ja, genau, so mach' ich das. Ich geh' da nicht mehr hin.



Freitag, 15. April 2011

Anything Maria, Paris, 11.04.11

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Konzert: Anything Maria

Ort: Le Baron, Paris

Datum: 11.04.11

Konzertdauer: etwa 40 Minuten



Die Deutschen können nicht flirten, stand in diesen Tagen in der französischen Kulturzeitschrift Les Inrockuptibles geschrieben.

Nicht nett sowas. Ich meine ich könnte ja auch hingehen und sagen, Franzosen seien alle impotent oder so. Aber das machen die Froschfresser gerne. Uns Germanen als plump, banausenhaft, schwerfällig, humorlos und ohne Geschmack , sprich als das genaue Gegneteil von ihnen selbst hinzustellen. Diese Klischees pflegen sie gerne, genau wie das Vorurteil, der deutsche Fußball sei kampfbetont, aber technisch schwach und unattraktiv. Mussten die Franzosen ja auch nach der letzten WM 2010 revidieren und voller Neid anerkennen, daß wir den schönsten Fußball gespielt haben und ihre Mannschaft peinlich schlecht war. Auch bezüglich der deutschen Frauen ist das Urteil oft vernichtend. Sie seien fett, rasierten sich nicht unter den Achseln und liefen alle mit Birkenstock-Sandalen rum. Erst kürzlich meinte Konzertfotografenzar Robert Gil die wuchtbrummige englische Soulsängerin Adele sehe für ihn wie die typische Deutsche aus. Mich konnte er damit freilich schwerlich verletzen, schließlich ist meine Frau Französin.

Aber trotz dieser Sticheleien habe ich den Eindruck, daß man in Frankreich Deutschland und die Deutschen (falls es so etwas überhaupt gibt in einem Land von 80 Millionen Individuen) gerne mag. Und um Berlin beneiden uns die Pariser ungemein. Die günstigen Mieten und Preise, die Kultur, das Nachtleben, viele würden gerne sofort von der Seine an die Spree ziehen, um davon zu profitieren.

Eine die dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt und nach Berlin rübergemacht hat, ist die Französin Sophie Gontier, die als Musikerin unter dem Pseudonym Anything Maria in Erscheinung tritt. In der deutschen Hauptstadt hat sie in Clubs und Cafes Bühnenerfahrung gesammelt und an ihrer Kunstfigur Maria gearbeitet. Inzwischen ist sie in Paris gestrandet und spielt sich langsam aber sicher aus dem Underground nach oben. Ihre Shows sind engergiegeladen, provokativ, körperbetont und sehr sexy. Dabei fühlt sich sich eigentlich eher dem weiblichen Geschlecht hingezogen, wobei wir wieder bei dem obigen Thema der Klischees wären. Warum dürfen lesbische Frauen eigentlich nicht feminin sein, hochhackige Schuhe tragen, sich die Lippen schminken? Natürlich dürfen sie das! Wäre doch auch engstirnig und verbohrt, wenn man sie sich nur mit kurzer, knabenhafter Frisur und ohne Make-Up vorstellen könnte.



Und Anything Maria ist ohnehin keine Musikerin die in Schubladen gepresst werden möchte. Sie setzt sich künstlerlisch keine Grenzen, vereint viele Stile, ist sowohl eine Art französsiche Antwort auf Gitarrenheldinnen PJ Harvey oder Scout Niblett, als auch eine Verteterin des Elektropop-Genres wie eine Peaches oder Ellen Allien. Letzteres prädestinierte sie dann auch dazu, wie heute in einer Discothek zu spielen. Im Baron, einer der nobelsten Adressen in Paris.

Ein selektiver Laden, der als Schickimicki Hochburg verschrien ist und über den die Indiegemeinde gerne derbe lästert. Ein paar der Vorwürfe mögen zutreffen, aber letztlich bin ich schon oft hier hingekommen, hatte nie Probleme den Einlasser zu passieren (obwohl ich nie gestylt ankam) und wurde stets höflich und nett empfangen. Beschweren kann ich mich eigentlich über niemanden hier, die Bedienungen sind zuvorkommend, der Programmgestalter (ein Deutscher!) offen für viele verschiedene Musikstile und die DJs richtig gut. Es ist ihnen untersagt, Techno zu spielen, sie dürfen nur Oldies, Rock, Pop und Folk auflegen, was sehr wohltuend ist.

Wie üblich ging es heute gegen 0 Uhr 15 los. Und wie üblich gab es ein paar respektlose Leute, die sich einen feuchten Kehricht um den Künstler auf der Bühne scherten und einfach laut mit ihren Freunden plauderten. Anything Maria ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Mit ihrer gewohnten weißen Gesichtsschminke (Kriegsbemalung?) und einem hübschen weißen Kleid erscheinen, zog sie ihre Show professionell durch. Die Französin hat eine erstaunliche Bühnenpräsenz und ein enormes Charisma. Elegant wie sie Gitarre spielte, lasziv wie sie ihre Hände und Arme einsetzte, beindruckend wie sie sang und performte. Sie bezog auch wie immer die Zuschauer mit ein, fixierte ein paar Besucher mit ihren stechend blauen Augen und zeigte sich bewegungsfreudig und immer in Action. Sophie ist keine Sängerin, die stur hinter ihrem Mikro verweilt. Sie zieht es weg von der Bühne, hin zu den Leuten. Manche guckten ganz verdutzt als die Blondine ihnen plötzlich ganz nahe kam. Aber das gehört zum Spektakel der Ex-Berlinerin dazu. Alles ein wenig verrucht, aggressiv, sündig, zweideutig. Sie spielt mit den Zuschauern, liebt es sie aufzurütteln, sie zu verblüffen.

Tanzfreudig wurde Anything Maria immer dann, wenn ihre Songs elektronisch wurden und wummernde Bässe aus den Verstärkern dröhnten. Dann tigerte sie hüftschwingend los, wie zu dem Indie Hit Cook Him Up, bei dem sie sich als männermordendes Vamp gerierte und zu Beginn sogar eine kleine Geschichte erzählte, die als Intro diente. Auch bei Holy Kiss, der nächsten Single, wippte sie im pluckernden Beat mit und gab Gas ohne Ende.

Aber auch die gitarrenlastigen Stücke wie beispielsweise der Opener Esctastic Pessismist hatten Biss und Angriffslust, faszinierten druch rasiermesserscharfe Riffs und einen kraftvollen, bisweilen hysterischen Gesang, dem dennoch eine melancholische, verletzliche Note innewohnte.

35 Minuten gab Sophie Gontier alles und dies unter wahrlich nicht leichten Bedingungen. Selten habe ich im Baron Musiker gesehen, die sich so gut an die dortigen Verhältnisse anpassen konnten.

Ich bleibe bei Anything Maria am Ball, sie faszinert mich, obwohl ihre Musik nicht unbedingt meinem herkömmlichen Beuteschema entspricht.



Setlist Anything Maria, Le Baron, Paris

01: Ecstatic Pessimist
02: White Silence
03: Cook Him Up
04: This Is Not A Pipe
05: Wild Hearts
06: Holy Kiss

Nützliche Adressen:





Donnerstag, 3. März 2011

Norman Palm, Paris, 28.02.11

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Konzert: Norman Palm
Ort: Le Baron, Paris
Datum: 28.02.11, 24 Uhr 15
Zuschauer: etwa 200?
Konzertdauer: gute dreiviertel Stunde


Schlechter Musikgeschmack kann fatale Folgen haben. Ich bin sicher, daß KTG nicht wegen seines höchstwahrscheinlich nicht ordnungsgemäß erworbenen Mediziner-Titels, sondern wegen seiner Vorliebe für AC/DC zurücktreten musste. Frau Merkel musste da einfach einschreiten. Sie hat ihm sicherlich gesagt: "KT, ist nicht so tragisch, daß deine Lizenz zum Operieren auf merkwürdige Weise zu stande kam, aber jemanden der AC/DC mag, kann ich auf Dauer nicht halten. Sorry."

Ohnehin seltsam, daß die Medien Politiker immer öfter zu Popstars hochsterilisieren. "Barack Obama ist dein neuester Kontakt bei Flickr", oder "Obama möchte mit dir auf Facebook befreundet sein", das kam mir damals schon spanisch vor. In welcher Band spielt denn dieser Barack Obama?, wollte ich damals schon immer gerne wissen.

Nein, Popstars gibt es in der Politik nicht, die gibt es nur auf dem Konzerttagebuch.de. Deshalb liest uns meine Mutti auch so gern. Und Norman Palm aus Berlin ist in der Tat ein lupenreiner Popstar. Ja, was denn? Wer widerspracht da? Hey, Norman ist bei Cityslang unter Vertrag und somit Labelkollege von Win Butler und Marcus Mumford, alles klar? Und bei Cityslang gibt es nur Asse. Schön, daß Norman trotzdem der nette Junge von nebenan geblieben ist. Obwohl nebenan bei ihm auch Mexico City heißen kann, wo er der Liebe wegen immer mal wieder hinreist. Ein Globetrotter, dieser sympathische Bursche, der in Paris die schönen Künste studiert hat, dort seine Diplomarbeit mit dem Vergnügen verknüpfte und im Zuge dessen sein wunderbares Booklet für sein erstes Album Songs von Hand gestaltete. Und sage niemand, er hätte die Zeichnungen und Skizzen nicht selbst angefertigt! Ach und wenn schon. Falls ein Geisterzeichner seine Finger im Spiel gehabt haben sollte (Wahrscheinlichkeit=0), würde ich Norman trotzdem mögen. Zumal es auf seinem zweiten Album Shore to Shore, welches er in Frankreich gerade promotet, überhaupt nicht mehr um den Erstling Songs und um auf Leinwand projezierte Bilder aus dem feinen Büchlein, sondern vielmehr um tollen, Laune machenden Gitarrenpop mit Elektroeinschlag geht, mit dem Norman am Montag nacht in Paris die Leute begeistert hat.



Ein attraktives Publikum hatte sich zu später Stunde eingefunden. Etliche bildhübsche Mädchen mit makellosen Beinen und Papis Kreditkarte hatten es sich auf den roten Sofas bequem gemacht und warteten Cocktails oder Bier schlürfend auf den Beginn der Show. Auch Norman und seine finnischen Bandmitglieder tranken erst einmal was und stießen gemütlich auf den schönen Abend an. Ich selbst saß auf dem Trockenen. Nicht weil ich dem Alkohol für immer und ewig abgeschworen hätte, sondern weil mir die Drinks hier zu teuer waren. 15 Euro für ein Bier (stimmt das? oder sind es nur 10?), sind mir einfach zu heftig und als Normalsterblicher hatte ich auch keine Gutscheine wie der Popstar Norman Palm und seine Bandkollegen. Dennoch fühlte ich mich pudelwohl, denn die äußerst attraktive Ehefrau des Keyboarders Janne saß neben mir und ihre wundervollen blauen Augen strahlten (Selbstermahung: Oliver, jetzt beruhig' dich wieder!).

Um O Uhr 15 ging es dann auch los. Das Powertrio erfeute von Beginn an mit feinen Gitarrenmelodien und modernen Synthiebeats über die Norman mit seiner tollen Stimme (irgendwo zwischen Erlend Oye, Destroyer und dem Kalifornier Bart Davenport anzusiedeln) drübersang. Gesanglich hat er klare Fortschritte gemacht, sein vokales Repertoire schien mir breiter gefächert und nuancenreicher als früher, sein Falsett noch geschliffener. Die drei Musiker verstanden es glänzend, Folk mit Elektropop zu verbinden und gleichzeitig fröhliche, aber auch nachdenkliche, melancholische Töne anzuschlagen. Die Musik von Norman höre ich immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, er ist in der Lage meinen Serotoninausstoß zu befördern, aber auch sentimentale Gefühle zu wecken. Vor allem aber: diese unverschämt packenden Melodien! Man höre Smile, einen Schmachtsong par excellence, der dennoch ohne zu viel Kitsch auskommt. Oder aber den lässigen Countrysong Landslide, der zum Mitwippen einlud. Oder auch Easy, einen ohrwurmigen Synthiesong mit 80 er Jahre-Perfüm und pluckernden Beats.

Kein Wunder, daß irgendwann zwei Mädels anfingen, die winzige Tanzfläche zu stürmen und ausgelassen abzutanzen. "Make the pretty girls dance", der Berliner hatte verstanden, worauf es heute abend ankam! Als das wunderbare Set vorbei war, gab es ohnehin kein Halten mehr. Vergnügungssüchtige Beauties bevölkerten den Dance Floor und jammten zu 80 er Jahre Trashnummer wie Chinese Eyes von Fancy oder anderen Klassikern des Italo Disco Genres total ab. Als eine Nummer von den Smiths lief, brach ich auf. Nicht, weil ich die alte Band von Morrissey nicht mag, sondern weil man gehen soll wenn es am schönsten ist. Außerdem hatte ich Angst, daß sie erneut eine Italo Disco Scheußlichkeit spielen würde. Beim Mitsingen, wäre dann aufgeflogen, daß ich von diesem Kram noch tonnenweise Platten bei mir zu Hause rumfliegen habe. Ein schlechter Musikgeschmack kann bekanntlich fatale Folgen haben!



Aus unserem Archiv:

Norman Palm, Paris, 30.09.09
Norman Palm, Rennes, 21.03.09




Dienstag, 7. September 2010

Karaocake, Paris, 06.09.10

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Konzert: Karaocake

Ort: le Baron, Paris
Datum: 06.09.2010
Zuschauer: keine Ahnung
Konzertdauer: ungefähr 45 Minuten

Chronique en français ci-dessous


Für den heutigen 6. September hatte ich mir zwei Konzerte herausgesucht, bei denen man sich auf eine Liste setzen lassen musste. Zum Konzert von Coco Rosie beim Radiosender France Inter kam ich , genau wie etwa 30 andere Pechvögel (Glückspilze?), nicht rein, aber im Nobelclub Baron lief es besser für mich. Die Pariser Elektro Popband Karaocake spielte dort und zeigte ein wundervolles Set voller dreampoppiger Sahnebonbons.

Bevor ich in den Genuß des Gratiskonzertes kam, musste ich aber erst einmal Geduld beweisen. Mindestens 30, wenn nicht gar 40 zähe Minuten saß ich vor meinem Tischchen und glotzte Löcher in die Luft. Der DJ spielte funkige Oldies und erst ganz allmählich tröpfelten die Leute ein. Als es um 0 Uhr 20 los ging, war der puffartige Club (diese roten Lämpchen überall) bei weitem nicht voll. Komischerweise änderte sich das schlagartig, als Karaocake mit ihrem Program durch waren, da drängelten sich die Damen der Schickeria mit ihren Stöckelschuhen auf der kleinen Tanzfläche...

Mein Unbill über diese typischen Begleitumstände im Baron verflog aber, als das französische Trio angefangen hatte und mich von Beginn an verzauberte. Karaocake bestehen aus der Sängerin und Songschreiberin Camille Chambon, dem Gitarristen (Bassisten) und Arrangeur Domotic und Charlotte Sampling (ein Mann namens Tom Gagnaire übrigens). Die drei jungen Künstler haben erst kürzlich für Aufsehen in der Indieszene gesorgt, als sie nämlich Ende August Au Revoir Simone im Nouveau Casino supporten durften. Und an Au Revoir Simone wird man auch desöfteren erinnert, wenn man Karaocake hört. Unschuldiger, höchst lieblicher Frauengesang, zarte, dreampoppige Keybordklänge und Songs, die sich ziemlich schnell im Ohr einnisten. Ihr größter Ohrwurm ist ohne Frage die vom Debütalbum Rows & Stitches ausgekoppelte Single It Doesn't Take A Whole Week, die bei mir in den Sommerferien rauf-und runterlief. Der Refrain ist unwiderstehlich und die Melodie unfassbar catchy. Diese Nummer spielten die Franzosen recht früh, aber damit hatten sie ihr Pulver längst noch nicht verschossen. Sie sind mehr als ein One Hit Wonder, legen es aber nicht auf Teufel komm raus darauf an, eingängig zu sein. Dezentere Stücke wie Bodies &Minds oder Brooklyn Bridge bewiesen dies. Verhuschte, sahnig gerührte Slows zum Abträumen. Löblich auch, wie abwechslunsgreich das Konzert war, welches wunderbar Stilrichtungen wie Dreampop, 60ies Pop und New Wave miteinander vereinte. Hier klang keineswegs jeder Song gleich, was auch maßgeblich an Domotic lag, der mal Gitarre, mal auf markante Weise Bass spielte (z.B. bei Change Of Plans) und zusamen mit seinem Kollegen Charlotte Sampling hübsche Chorgesänge beisteuerte. In den basslastigen Momenten wurde ich wohlig an die Young Marble Giants erinnert, wahrlich keine schlechte Referenz!

Der Abschluß noch einmal ohrwurmig. Medication hat sicherlich das Potential zur zweiten Single. Nach schleppendem Beginn bekam die Nummer richtig Dampf unter den Hintern und erfreute mit erfrischenden Songzeilen wie "We shall be allright for medication, drinking wine straight from the bottle "und einem ahaha-Singalong vom Feinsten.

Karaocake sind toll, genau wie ihr Label Clapping Music, das unter anderem auch solch innovative Bands wie Yeti Lane, François Virot und Clara Clara beheimatet.

Setlist Karaokake, Le Baron, Paris (merci à Camille):

01: High And High
02: Bodies & Minds
03: It Doesn't Take A Whole Week
04: Brooklyn Bridge
06: Never Sure
07: Change Of Plans
08: Homeland
09: Inwards
10: Medication

Pour nos lecteurs français:

Au début j'avais prevu d'aller à deux concerts qui marchent sur invitation: d'abord la Black Session avec Coco Rosie chez France Inter et ensuite le concert de Karaocake au club très select le Baron. Mais pour Coco Rosie il n'y avait rien à faire cette fois-ci. Une queue de 30 personnes attendaient devant la porte de la Maison de Radio France pour obtenir une place de dernière minute (en général,ça marche), mais comme il y avait beaucoup trop de monde, ils m'ont pas laissé entrer...


Mais pour le deuxième concert j'ai eu plus de chance! Au Baron les videurs commencent à me connaître et en plus j'étais sur la liste! Pas de problème pour passer donc et ça valait le coup! Karocake, c'est un trio de pop électronique français, emmené par l'attachante chanteuse et compositrice Camille Chambon, qui s'entoure de deux garcons, Domotic (guitare, basse, clavier) et Charlotte Sampling (clavier, et oui c'est un garçon qui se cache sous ce pseudo!) pour présenter leurs comptines douces amères en live. L'attente fut longue, mais à minuit 20 le rideau se levait enfin! Le groupe m'a aussitôt séduit avec ses chansons envoûtantes, rêveuses et entêtantes. Le tube It Doesn't Take A Whole Week qu'ils ont joué en troisième position p.ex. est imparable! Une voix très jolie et innocente, des nappes de synthé de toute beauté et un refrain irrésistible, ce morceau qui est sorti également en 45 tour vinyle a tout pour plaire. Mais les Karaocake ont aussi des morceaux moins directs, mais tout aussi passionnants. Leur style, qui est parfois proche de Au Revoir Simone (pas étonnant, vu qu'ils les ont soutenu en premiere partie au Nouveau Casino récemment!) est simple, mais loin d'être banal ou commercial. Il est rafraichissant de constater qu'ils varient leur répertoire (entre dream pop, pop 60ies ou New Wave) et aucune chanson ne ressemble vraiment aux autres. J'ai particulièrement aimé les titres avec plus de basse (joué par Domotic), puisque ils m'ont fait penser aux cultissimes Young Marble Giants, un de mes groupes préférés.

Dommage qu'il n'y ait pas eu encore un peu plus de gens pour écouter, la grande foule arriva bizarrement plus tard, et pourtant Karaocake, qui sont signé sur le super label Clapping Music ,est un groupe à suivre de très près! Allez les voir en concert, ça vaut le détour!

Shows à venir de Karaocake:

16 Sep 2010: Cave au poètes, Roubaix
5 Oct 2010: Point FMR, Paris
7 Oct 2010: 6 par 4, Laval
22 Oct 2010: 4 ècluses, Dunkerque
29 Oct 2010 Festival Novosonic Dijon
30 Oct 2010: Violon Dingue, Nantes
5 Nov 2010: Le Sainteux, Bordeaux
12 Nov La Lune Des Pirates, Amiens
20 Nov 2010: Au Bout Du Monde, Limoges
8 Dec 2010: L'Epicentre, Cherbourg
10 Dec 2010: Salle Ockegheim, Tours


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