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Donnerstag, 17. März 2011

Wild Moccasins & Diver, Wien, 14.03.11

3 Kommentare

Konzert: Wild Moccasins & Diver
Ort: rhiz, Wien
Datum: 14.03.2011
Besucher: hm, 100?
Dauer: Diver ca. 35 Minuten, Wild Moccasins eine knappe Stunde


Die Wild Moccasins sind bis jetzt eine meiner Entdeckungen des Jahres. Wobei das Possesivpronomen da eigentlich nichts verloren hat, diese Entdeckung habe ich Andrei von den dendritic shows zu verdanken, der diesen Tipp vermutlich wieder von jemand anderem gesteckt bekommen haben wird. Whatever - diese Band hat mich die ersten Frühlingstage begleitet und auch schon so manchen kalten Wintertag, der 14.03. fiel in die Kategorie 'Frühling' und hatte auch nach Verschwinden der Sonne ein Highlight zu bieten: Wild Moccasins im rhiz.

Als ich gegen zehn dort eintraf, war das mir mit Abstand liebste der Gürtellokale bereits sehr gut gefüllt. Zuerst dachte ich ja kurz, Deckchair Orange hätten kurzfristig den Support übernommen, weil ich deren gesamte Band unter den Leuten erspähte, aber das war wohl eher so eine Art Betriebsausflug. Oder sind DCO vielleicht sogar abseits der Bühne noch Freunde? In der Post-Oasis-Ära soll ja tatsächlich so einiges möglich sein...

Diver waren mir an diesem Abend eh lieber, von denen an dieser Stelle ja schon einmal berichtet wurde. WUK und rhiz sind dann dimensionell doch ein wenig auseinander, weswegen mir zweiter Auftritt noch besser gefiel. Eröffnet wurde der Auftritt der drei Mann-Band wieder mit Illusions, einem Song, den ich im Februar noch den Kings of Convenience zugeschrieben hatte, so sehr klang der nach denen. Sorry liebe Diver - aber es soll einem nichts Schlimmeres passieren, als mit den Norwegern verglichen zu werden.

Auch die anderen Songs, fast alle auf der kürzlich erschienen EP drauf, wussten zu überzeugen, am Besten gefiel mir Paralyzed mit der Mundharmonika-Begleitung. Wenn sich Diver, die im Sinne der DÖF aus Berlin, München und Wien stammen, mit den hoffentlich folgenden Machenschaften noch ein wenig von den großen Vorbildern (in Interviews werden da Bon Iver, Bob Dylan und eben KoC genannt) emanzipieren, kann man sich durchaus sehr Gutes erwarten. Eine große Zukunft kann man in Zeiten wie diesen sowieso keinem im Musikbusiness prophezeien.

Die EP habe ich hernach auch erworben, die ganzen Bewerbungen bezüglich "selbstgenäht" hatten mich neugierig gemacht. Und im WUK hatte ich keine mehr bekommen. Im Endeffekt hatte man zwei hübsch bedruckte Pappestückchen an den Rändern zusammengenäht. Das nennt man Marketing...

Aber es geht ja weniger um die Verpackung, als um den Inhalt und der ist sehr gut, schwermütig und ruhig. Wild Moccasins machen dagegen sehr lebhafte Musik.
Sogar der U-Bahn-Zeitung, die gewöhnlich eher selten auf Konzerte unseres Zuschnitts hinweist, war die texanische Band eine Ankündigung mit Bild wert. Es geschehen noch Zeichen und Wunder...

Fünfköpfig standen die Wild Moccasins dann auf der Bühne, Energiebündel Zahira Gutierrez sang, hin und wieder unterstützt von ihrem Adjutanten Cody Swann.
Ein Album und eine EP hat man bereits herausgebracht, die im Wesentlichen das gesamte Set trugen. Song vier war bereits mein Liebling, Late Night Television, ein flottes Stück der ganz reizenden Art, eine Einladung zum Tanz per se. Der folgten allerdings noch nicht so viele. Zahira begrüßte dann Wien, bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen, der Bassist zupfte im Hintergrund die Melodie der Kleinen Nachtmusik. Ein Wolfgang Amadeus-Cover sozusagen. Erntete auch zustimmende Lacher.

Am Nachmittag hatten They Shoot Music (das Wiener Pendant zu Vincent Moon's Take-Away Shows) eine Session mit Wild Moccasins am Gelände von Schloss Schönbrunn aufgezeichnet, das dürfte wohl kreativ gefruchtet haben.
Aber an Kreativität mangelt es den fünf lebensfreudigen Südstaatlern sowieso nicht, besonders Skin Collision Past ist ein herzliches, fröhlich-beschwingtes und dabei
ausgenommen vielfältiges Album.

Live geht zwar ein wenig von den Details der Songs verloren, die Wild Moccasins tauschen hier Perfektionismus gegen Spielfreude und das ist wohl eine richtige, auf jeden Fall aber tanzbare Entscheidung.

Und so taute das Publikum langsam auf, wippten anfangs nur einzelne Zehen, konnte man bei Skin Collision Past schon ganze Körper in Bewegung sehen.
Schön so - die letzten vier Songs waren diesbezüglich die ausgelassensten. Vor den großen Glasfenstern hatten sich auch einige Schaulustige eingefunden, die zwar eher weniger hörten, dafür optisch mehr geboten bekamen. Nach Fruit Tea verabschiedete sich die Band dann schnell von der Bühne, die nach Beifallsbekundungen aber auch schnell wieder betreten wurde. Shiny Strings von der EP, einer der wenigen Songs, auf denen Cody die Hauptstimme übernimmt, wurde somit der Schlusspunkt eines ausgelassenen Konzerts, das hoffentlich alle U-Bahn-Zeitungsleser (gibt natürlich niemand zu, dass er den Müll liest - ich hab mir ja eigentlich auch nur sagen lassen, dass Wild Moccasins darin erwähnt werden...), den Anhang von Diver und auch Deckchair Orange überzeugt hat. Fotos gibts leider keine - die superhippen Bloggerknipser waren entweder zu hip für das rhiz, beim Friseur oder noch im Post-Wochenendmodus. Deshalb zeigen wir euch lieber, wie es ausschaut, wenn Wild Moccasins in Washington spielen:

Wild Moccasins @ Walter's on Washington from James Ha on Vimeo.



Setlist Wild Moccasins, Wien, 14.03.11:*

01: 80's song
02: It's Health & My Own
03: Calendar
04: Late Night Television
05: Spanish & Jazz
06: Born Blonde
07: Psychic China
08: Funk song
09: Skin Collision Past
10: Zylophone
11: My Favourite Die
12: Fruit Tea

13: Shiny Strings (Z)

* Danke an Alexander für die Hilfe bei der Setlist!

Foto#1 stammt von den Kollegen von They Shoot Music, die vor dem Konzert eine Session mit Wild Moccasins aufgezeichnet haben.
Foto#2 stammt von ink.music.
Foto#3 stammt von den Wild Moccasins, geschossen in Schönbrunn.
Foto #4 is dedicated to Oliver Peel, taken by Wild Moccasins.

Aus unserem Archiv:

- She Keeps Bees & Wild Moccasins, Paris, 05.02.11
- Francis International Airport & Diver, Wien, 02.02.11



Sonntag, 6. März 2011

She Keeps Bees & Wild Moccasins, 05.03.11

1 Kommentare

Konzert: She Keeps Bees & Wild Moccasins (Tornado)
Ort: L'International, Paris
Datum: 05.03.2011
Zuschauer: sauviele



So, jetzt ist hier mal Schluss mit Süßwarenpop à la Those Dancing Days. Zumindest vorübergehend. She Keeps Bees aus Brooklyn gastierten in Paris und boten saftigen Rock ohne Schnörkel und Chichi. Die hatte ich Christoph mal gegönnt, aber der hätte wahrscheinlich mit der bluesig-rohen Darbietung nix anfangen können. Zu wenig Honig für ihn, trotz der Bienen im Namen. Egal. Ich zumindest ließ mir gerne von Jessica und Andy den Arsch aufreißen. Eine Rockröhre am Fender Stratocaster und ein Bursche hinter den Drums, mehr brauchte es nicht, um für gehörigen Lärm zu sorgen. Das banausenhafte Samstag-Abend Publikum gröhlte mit, ohne zu wissen, wer da eigentlich spielt. Deppen. Gesindel. Gutdurchesser. Und eine Arschgeige von Fotograf vor mir, der hunderttausend Fotos geschossen hat und mir permanent die Sicht versperrte. Ich hätte ihm am liebsten seine Canon über die Rübe gezogen.

Dennoch ließ ich mir meinen Spaß am Auftritt von She Keeps Bees nicht nehmen. Schließlich war es mein erstes Konzert von und mit Jessica und Andy und das wollte ich so gut es geht genießen. Durch geschicktes Lückenausnutzen (man könnte auch sagen: vordrängeln), war es mir gelungen, in die allererste Reihe zu gelangen. Und das ist in einem kleinen Laden wie dem International unbezahlbar, denn wenn es wie heute proppenvoll ist, sieht man hinten und an den Seiten so gut wie nichts. Wäre sehr schade gewesen, Jessica Larrabee nicht aus nächster Nähe zu beobachten, denn sie hat ein bildhübsches Gesicht und ein unverschämt charmantes Lächeln, mit dem sie nicht geizte. Bestens gelaunt war sie zu später Stunde (etwa 23 Uhr 30) auf der Bühne erschienen und gab von Anfang bis Ende Vollgas. Ihr Drummer, Produzent und Lover Andy saß unterdessen ganz relaxt hinter seiner Schießbude und teilte aus wie ein Preisboxer.

Das gespielte Songmaterial war mir unbekannt. Obwohl ich vor allem durch wohlwollende Besprechungen auf dem Klienicum auf She Keeps Bees aufmerksam geworden war, hatte ich bis zum heutigen Tage keine CD der beiden New Yorker im Regal.
Bislang stehen zwei Longplayer (Minisink Hotel 2006, Nests 2008) und zwei EPs (Shhh Ep 2007 und Revival 2009) auf der Habenseite, im Laufe dieses Jahres soll dann das dritte Werk Dig On erscheinen, von dem heute auch bereits ein paar Songs performt wurden. Alles klang roh, stripped to the bone und direkt und verfehlte nicht seine stimulierende Wirkung. Meine Müdigkeit war wie weggeblasen und wurde postwended durch Adrenalinstöße ersetzt. Keine Frage: was She Keeps Bees da boten, war aggressiv und brachial. Ich hätte fast Lust gehabt, ein wenig Pogo zu tanzen und Rumzuschreien wie ein gesenktes Schwein. Man darf nicht vergessen, daß ich als junger Mensch Death Metal gehört habe (ich Held, ich!) und irgendwo schlummert noch ein nicht unbedeutendes Aggressionspotential in mir (ich Rambo, ich!). Trotzdem blieb ich ruhig, obwohl ein paar Leute richtig nervten.

Ich beachtete sie nicht und konzentrierte mich stattdessen auf die Musik, die frontal und punktgenau serviert wurde. Bluesig und leicht verraucht sang Jessie die Lyrics der oft sehr kurzen Stücke. Schwüle Wüstensand- Atmosphäre breitete sich aus, die Spannung der Lieder war kisternd und es war klar, daß auch schleppend beginnende Stücke irgendwann ausbrechen würden. In diesen Momenten drehte Jessica gesanglich voll auf und keifte wie eine Furie, während Andy hinten cool as fuck seine Felle vermöbelte. Das Ganze erinnerte mich an die frühen Black Keys, weniger an die oft zitierten White Stripes und schon gar nicht an die aktuelle PJ Harvey.
Auch Cat Power passte als Referenz nicht. Stattdessen sah ich eher Parallelen zu Liela Moss und The Duke Spirit, der Band Of Skulls oder den Raveonettes.

Zwei Lieder performte Jessica sogar a'cappella und greinte tief und bluesgetränkt.

Dann war Schluß. Zumindest was das International anbelangt. Handverlesene Gäste wie ich kamen nämlich noch in den Genuß eines sehr späten Privatkonzertes mit She Keeps Bees in der Crêperie von Erwan Le Floch in Saint Ambroise. Davon berichte ich in einem anderen Post.

Ein paar Worte gilt es aber noch zu den vor She Keeps Bees auftretenden Wild Moccasins zu sagen, denn die fünfköpfige Band aus Texas wusste mit ihrem Powerpop und der rassigen, hyperaktiven Sängerin Zahira Gutierrez (die sich prima mit dem Sänger Cody Swann ergänzte) zu gefallen. Zu dumm nur, daß es vor der Bühne so dermaßen voll war, das es für mich keine Möglichkeit gab, nahe am Geschehen zu sein. Die Leute trampelten sich halb tot, es drangen immer mehr und mehr vergnügungsgsüchtige Mitbürger in den Laden und ließen die Temperaturen auf gefühlte 55 Grad Celsius steigen. Ich musste mich mit dem undankbaren Platz auf der Treppe begnügen, sah die Gruppe nur von der Seite und kam auch nicht in den Genuß eines normalen Sounds. Was ich aber hörte, machte total Laune und ich habe es nicht bereut, die CD skincollisionpast erworben zu haben. Die ist dermaßen frisch und perlend, das gibt es gar nicht!

Tornado aus Frankreich hingegen waren öde und langweilten mich gräßlich.



Konzerttermine Wild Mocassins (ohne Gewähr):

06.03.11: Kaffe und Kuchen Matinee, Az Achen, Achen
07.03.11: Halle, Heidelberg
08.03.11: Gasthaus Sutter, Zweibrücken
09.03.11: La Brasserie du.., Lausanne, Schweiz
10.03.11: Sinkkasten, Frankfurt
11.03.11: Swamp, Freiburg
12.03.11: Zwölf Zehn, Stuttgart
13.03.11: Asta-Kneipe, Rosenheim
14.03.11: rhiz, Wien
15.03.11: Paris Syndrom, Leipzig
16.03.11: Bang Bang Club, Berlin
17.03.11: Kulturhaus III & 70, Hamburg
20.03.11: Prinz Willy, Kiel
22.03.11: Café Glocksee, Hannover
23.03.11: Druckluft, Oberhausen
24.03.11: Hafen 2, Offenbach
26.03.11: d:qliq, Luxemburg

Lesenswert: Blogger-Dr. Freiherr von und zu Eike vom Klienicum zu She Keeps Bees mit Link zu einem Interview. Klick! (@ Eike: Jessica lässt dir schöne Grüße aurichten ("How do you spell his name? Eike? What a nice guy! He is so supportive for many many years now")








 

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