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Dienstag, 27. November 2012

Crooked Fingers & Horse Feathers, Berlin, 26.11.12

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Konzert: Crooked Fingers & Horse Feathers
Ort: Monarch, Berlin
Datum: 26.11.2012
Dauer: Crooked Fingers 40 min, Horse Feathers 70 min
Zuschauer: ca. 80-100


Wenn man alles richtig machen will, fast zwanghaft, so misslingt es leider oftmals. So geschehen auch an diesem Montag in Berlin. Ich musste ja unbedingt die Akkus meiner Kamera neu aufladen - und habe diese dann doch auf dem Küchentisch liegen gelassen. Das fiel mir aber erst auf, als der Point of no return überschritten war. Innerlich hoffte ich auf all die Smartphones um mich herum, die ich bitten wollte, mir doch mit ein paar Bildern auszuhelfen. Aber wohin ging heute Abend die Reise? Zu den Horse Feathers, welche ich schon seit Jahren kenne (radioparadise.com sei Dank!). Endlich sollte ich sie nun live erleben. So lernte ich auch zugleich den Monarch kennen. Ein kleiner aber feiner Indie-Schuppen mit rustikalem Charme direkt am Kottbusser Tor. Kreuzberg ist mehr und mehr die Hauptadresse für besondere und schöne Konzert(t)räume.

In der Ecke des Monarch erwartete mich eine Mini-Winzig-Bühne, welche aber charmant vollgestellt war. Zu erst betraten die Crooked Fingers die Bühne - an diesem Abend bestehend aus Eric Bachmann nebst Liz Durrett. Seine Akustikgitarre wirkte ein wenig klein für den wuchtigen und muskulösen Mann, aber es hatte nichts peinliches an sich. Schließe ich die Augen bei ihrer Musik, so kommen mir unendliche Highways und die endlose Weite der amerikanischen Provinz vor Augen. Dabei habe ich gar keine Ahnung, wie es in Wirklichkeit in North Carolina aussieht. Bei einem Lied muss Eric selbst schmunzeln: Er würde es sonst schneller spielen, hat aber vorher noch sechs Currywürste gegessen. Ich glaube es ihm gerne. Seine 60er-Jahre Brille gefällt mir gut. Noch besser aber das Zusammenspiel mit Liz. Ihre wundervolle Stimme erinnert mich an jemanden, den ich sehr mag. Ich brauche ein bisschen Zeit, bis ich das richtig zuordnen kann: Anna Ternheim. Kurz bevor das Duett zu Sleep All Summer beginnt, dringt das Moloch Berlin mit Sirenenlärm ein, auch scheint das Instrument von Liz zu streiken, und selbst beherztes Schütteln löst das Problem nicht. Eric versucht sie dabei mit "You have the power - you are american" anzustacheln. Ohne Erfolg. Die Gitarre bleibt stumm. Es ist auch so ein tolles Lied und Eric´s und Liz Stimme ergänzen sich herrlich. "Why won´t you fall back in love with me". Mich ergreift es. Für ihre erklatschte Zugabe verlassen beide die Bühne und singen ohne jegliche Verstärker. Lieben Dank an das tolle Publikum an diesem Abend, dass es so gut gelang. Verdient gibt es tosenden Applaus am Ende ihres Sets. 


 

Nach einer Viertelstunden kommen die Horse Feathers zu fünft auf die Bühne. Es fällt direkt auf, dass Justin Ringle eine junge Band um sich gescharrt hat. Zuletzt haben mich Einar Stray beeindruckt, die ich ähnlich alt einschätzen würde. Die Stimme von Justin hört sich vertraut an, kenne ich sie doch schon seit 2006 oder 2007. Damals auf einem tollen kanadischen Radiosender, dem ich viele Inspirationen zu verdanken habe. Das Schlagzeug wird mal gepinselt, mal geklöppelt, mal geschlagen. Vielleicht manchmal einen Tick zu dominant - erstickt es doch   Justin´s anfangs leise Stimme. Die Streicher nutzen ihre Chance und fordern auch nach mehr Power bei der Tontechnik. Trotz dessen wirkt es nicht überladen. Für seine Möglichkeiten bietet das Monarch einen ordentlichen Klang. Die Musiker wechseln fleissig ihre Instrumente. Dustin Dybvig zwischen Schlagzeug und E-Piano, Nathan Crockett zwischen Violine, Mandoline und der tollen singenden Säge. Ein schöner Moment ist, als auch Angie Kuzma ihre Violine zur Seite legt und zusammen mit Nathan die Sägen singen lässt. Die Zuschauer schauen allesamt zufrieden und wie sagte Oliver Peel so schön in seinem Konzertbericht von seinem Pariser Wohnzimmerkonzert: beseelt. Ja - das trifft es sehr gut. Eine kleine heile Welt. Die Fensterscheiben des Monarch beschlagen immer mehr und so fällt es leicht das triste Berlin im November der tollen Wohnzimmeratmosphäre des Monarch einzutauschen. Ein paar Mädchen malen an den Scheiben herum. Die Band wirkt noch so unverdorben. So ganz anders als die typischen Party-Party-People. Mit Finch On Saturday kommt das Lied, mit welchem ich die Band und die Stimme von Justin kennenlernte. Großartig! Die Streicher, das Schlagzeug, die Akustikgitarre und zwischendrin immer mal Mandoline und Banjo - eine tolle Mischung, an der ich mich nicht satt hören kann. Nach 1/2 Stunde rinnt Justin der Schweiß über das Gesicht - seiner Einschätzung nach herrschen auf der Bühne so um die 150 Grad (Fahrenheit). Die Band versteht es eine dramatische Energie aufzubauen, die sich dann im Laufe der Zeit doch wieder friedlich mit uns versöhnt.

Die Horse Feathers sind eine begnadete Live-Band. Es würde mich nicht wundern, wenn sie bald größere Säle füllen würden. Verdient hätten sie es.


An diesem Abend blieben wohl sämtliche Smartphones in den Taschen. Ein Kompliment für die Bands.

Setlist Horse Feathers, Monarch, Berlin: 

01: Working Poor 
02: Dustbowl 
03: Belly of June 
04: Last Waltz 
05: Starving Robins 
06: Bird On A Leash 
07: Finch On Saturday 
08: Fit Against the Country 
09: Where I´ll Be 
10: The Drought 
11: Curs in the Weeds 
12: Better Company 
13: Cascades 

14: New Song (Z)

Donnerstag, 4. August 2011

Zu Hause bei Horse Feathers und Scout Niblett, Portland, 03.08.11

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Zu Hause bei Horse Feathers und Scout Niblett
Ort: South East und North Portland, Oregon, USA
Datum: 03.08.11


Musikfans wissen es, Portland/Oregon ist eine der wichtigsten amerikanischen Städte der Indieszene. Die Shins wohnen hier im Nordwesten der USA, aber auch die Decemberists, The Thermals, Laura Gibson, Laura Veirs und viele andere mehr.

Grund genug, für mich im Rahmen meiner Amerika-Reise herauszufinden, was die Anziehungskraft dieser 500.000 Einwohner-Stadt ausmacht. Die liberale Haltung der Einwohner mag eine Ursache sein, die die Musiker anlockt, die andere ganz einfach die vergleichweise günstigen Preise. Wohnungen, ja sogar kleine charmante Häuschen aus Holz, sind erschwinglich und der ideale Rückzugsort, um kreativ zu sein.

Meine Frau und ich hatten das besondere Glück, bei zwei wichtigen Vertretern der lokalen Szene auf einen Kaffee eingeladen zu sein. Zunächst führten uns Justin und Nathan von Horse Feathers durch ihre Räume und zeigten uns auch stolz ihr neu eingerichtetes Studio. Sie arbeiten zur Zeit an einem neuen Album und Justin sang gerade mit seiner markanten Stimme ein paar Zeilen, als uns ein Mitbewohner eintreten liess. Alte Vinylalben an der Wand (unter anderem eine Scheibe von Leonhard Cohen) trugen zum Ambiente des Ortes bei.

Wir erfuhren viel über Portland, drehten noch ein paar Runden um den Block und liessen die Musiker dann wieder weiterarbeiten.

Am Abend dann trafen wir uns spontan mit Scout Niblett in einem mexikanischen Restaurant in ihrer Nachbarschaft. Portland ist die Hochburg der veganen Küche und so gab es keine fetten Burger, sondern frische Salate und knackige Gemüse. Scout erzählte viel vom Leben auf der Tour, von der Schwierigkeit besonders in den USA als Indiemusiker um die Runden zu kommen und lud uns später noch auf einen Fair Trade Kaffee in ihr Häuschen ein, in dem es vor magischen Steinen nur so wimmelte. Dominiert wurde ein Raum von einem Piano, an dem ich Scout auch noch abknipste.

Die Fotos und mehr Infos gibt es später, nun muss ich ins Bett, meine Frau nervt mich schon.

Good night aus Portland!



Dienstag, 5. April 2011

Horse Feathers, Paris, 04.04.11

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Konzert: Horse Feathers

Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 36
Datum: 04.04.2011
Zuschauer: 37 glaube ich
Konzertdauer: satte 70 Minuten!


Als Catherine, die charmante Cellistin von Horse Feathers am Sonntag beim (öffentlichen) Konzert im Café de la Danse verkündete, daß sie am Montag einen freien Tag hätten und diesen zum ausgiebigen Sightseeing nutzen wollten, stockte mir kurz der Atem. Sie hatte doch wohl nicht vergessen, daß sie am 4. April abends etwas vor hatte? Nämlich zusammen mit Sänger und Songwriter Justin, dem Geiger Nathan und dem neuen Drummer Matthew eine Session in unserem Wohnzimmer zu spielen? Würde mein Traum etwa wie eine Seifenblase zerplatzen, weil Horse Feathers lieber auf dem Montmartre flanieren gehen wollen?

Nach der Show im Café de la Danse klärte sich aber alles auf. Nein, Catherine hatte die Oliver Peel Session nicht vergessen. Das Touristenprogramm würden sie tagsüber erledigen und abends dann wie geplant bei uns musizieren. Mir fiel ein Stein vom Herzen, zumal ich vorher keinerlei direkten Kontakt zur Band aufgenommen hatte. Ungewöhnlich, denn in der Regel gehen der Session unzählige E-Mails (im Fall von Eux Autres sagenhafte 58!) mit der auftreten Gruppe voraus. In diesem Falle aber hatte alles eine in Paris lebende Amerikanerin namens Colleen eingefädelt. Sie kannte Nathan, den Geiger von Horse Feathers, und leitete alle Informationen weiter. Ein Riesendank an sie! Und auch ihre Hauptsorge konnte zerstreut werden. Sie hatte ziemlich große Panik davor, daß unser Wohnzimmer bei einer solch tollen Band aus allen Nähten platzen würde und so versendete ich die Einladungsmails erst zwei Tage vorher, was eine gewisse Selektion bewirkte. Letztlich waren wir etwa 35 Leute und das war absolut ok so.

Wie die Session selbst war? Na absolut himmlisch und unbeschreiblich schön! Bloggerfreund Eike hat neulich in einem Konzertbericht den treffenden Ausdruck "beseelt" verwendet und diese Vokabel schien mir hier absolut passend. Es war in der Tat eine beseelte Session, die meine kühnsten Erwartungen noch übertraf. Wow!!

Obwohl es auch wieder ein paar Pannen gab. Schon beim ersten Lied riss ich Trottel die Gardine aus der Verankerung und das Ding hängt jetzt noch auf Halbmast. Und dann blieben auch noch zwei Leute nachts um 1 im Aufzug stecken, so daß wir einen Notdienst rufen mussten, um sie zu befreien.

Die Musiker selbst jammten am Ende noch lange auf dem Fußboden und hätten wahrscheinlich noch die ganze Nacht weitergemacht, wenn nicht meine Frau zu verstehen gegeben hätte, daß sie morgens früh raus und zur Arbeit muß. Ich und die anderen sahen das ein, obwohl es wirklich immer gemütlicher wurde und ich mich mit Justin, dem Sänger von Horse Feathers, ganz blendend unterhielt (er erklärte mir unter anderem, daß deutsches Bier tausend mal besser sei als diese belgische Affenpisse
und er stehe besonders auf Hefeweizen).

Demnächst mehr!

Fotos: Archivbilder, aktuelle Pics in Kürze!

Topaktuelle Videos. Tausend Dank an Uschi-Darling!!





Setlist Horse Feathers, Oliver Peel Session # 36, Paris:

01: Waltz
02: Starving Robins
03: Dust Bowl
04: Belly Of June
05: Mother's Sick
06: Thistled Spring
07: Helen
08: Heathen's Kiss
09: The Drought
10: Cascades
11: Curs In The Weeds

12: Hardwood Pews

Link: Auf dem Klienicum gibt es einen ganz vorzügliche CD-Besprechung von Thistled Spring, klick!

Aus unserem Archiv:

Horse Feathers, Wien 30.09.10
Horse Feathers, Paris, 23.02.09




Sonntag, 10. Oktober 2010

Someone Still Loves You Boris Yeltsin u.a., Paris, 08.10.10

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Konzert: Someone Still Loves You Boris Yeltsin (Horse Feathers, Oh No Ono)
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 08.10.2010
Zuschauer: nichts sehr viele eigentlich
Konzertdauer: Horse Feathers 35 Minuten, Oh No Ono 40 Minuten, SSLYBY etwa eine Stunde


Es ist ein immer wieder vorkommenes Ärgernis, daß ruhige Folkacts bei Konzertabenden extrem früh angesetzt werden und nur kurz spielen dürfen. Vorrang haben grundsätzlich die Lärmmacher, egal ob sie musikalisch gut sind oder nicht. Die Veranstalter tragen hiermit dem Publikumsgeschmack Rechnung, denn die meisten Leute finden Folkbands und Singer/Songwriter langweilig. Ein gute Beispiel dafür, wie abgestumpft, überdreht und verdummt unsere Gesellschaft ist! Selbst studentisches Publikum ist nicht willens, eine Stunde lang stillzuhalten, zuzuhören und auch mal auf Texte zu achten. Es muss schon Bum-Tschak machen und der Beat entweder tanzbar, oder höllisch laut sein. Generation Lady Gaga! Bezeichnend, daß sogar der selbsternannte Plattenmeister Albert Koch Lobgesänge auf die wasserstoffblonde Heulboje anstimmt.

Auf den heutigen Abend bezogen: Das Konzert der vorzüglichen Horse Feathers habe ich verpasst. Entgegen üblicher Gewohnheiten wurde heute in der Flèche d'or bereits vor 21 Uhr angefangen. Horse Feathers, die mit Cello, Geige und Schlagzeug gekommen waren, hetzte man bereits um 20 Uhr 30 auf die Bühne und ließ sie gerade einmal 35 Minuten lang spielen. So etwas nennt man dann wohl Perlen vor die Säue geworfen! Sehr gerne hätte ich ihre warmen Folksongs und das Gillian Welch Cover Orphan Girl gehört, aber mir blieb nur ein Plausch mit den Musikern am Merchandising-Stand. Die Band selbst war natürlich auch enttäuscht, aber Degradierungen dieser Art sind viele Folkkünstler bereits gewohnt. Wenn ich bedenke, daß eine höchst mittelmäßige Band aus England (deren Namen ich schon wieder vergessen habe) heute einen prominenten Platz und mehr Spielzeit eingeräumt bekommen hatte, könnte ich mir glatt die Sackhaare einzeln ausreißen! Vor den belanglosen Briten waren die Dänen Oh No Ono an den Start gegangen und boten ein kurzweiliges Set psychedelisch angehauchter Rocksongs, vorgetragen von einem Sänger mit Pumuckl Frisur und Kastratenstimme. Wenn sie nicht relativ stark nach den verfluchten MGMT klängen, könnte ich mich glatt mit Oh No Ono anfreunden.

Setlist Oh No Ono, La Flèche d'or, Paris:

01: Sunshine
02: Helplessly Young
03: The Tea Party
04: Ba Ba Baba Ba Ba Well Anyway
05: Eleanor Speaks
06: Internet Warrior
07: Icicles
08: Am I Right?
09: The Wave Ballet
10: Keeping Warm In Cold Country
11: Practical Money Skills For Life
12: Miss Miss Moss
13: Fat Simon Says
14: Tomorrow Never Knows

Wenigstens die letzte Band des heutigen Abends entschädigte aber ein wenig für die erlittene Enttäuschung. Someone Still Loves You Boris Yeltsin spielten frisch und frei auf, gefielen mit kleinen sonnigen Gitarrenmelodien, catchy Refrains und indierockigen/popwerpoppigen Liedern im Stile der Posies und sorgten mit dieser Mixtur für gute Stimmung im Publikum. Besonders eine kleine amerikanische Delegation mt asiatischem Migrationshintergund (sagt man doch heutzutage so, oder?) ging zu jedem einzelnen Song ab wie ein Zäpfchen. Ich vermute stark, daß die Mädels und Jungs vorher in München beim Oktoberfest waren, denn sie ließen immer mal wieder aufgeschnappte Sprüche los wie: "Kein Alkohol ist auch keine Lösung" und das sexy Mädel der Truppe hatte eine echte Krachlederne an, zu der sie heiße schwarze Strümpfe trug.

Was mir sonst aufgefallen ist? Einer der beiden Sänger* von SSLYBY (der große) erinnerte mich optisch an Troy von Balthazar. Er hätte der jüngere Bruder sein können und auch die Art und Weise wie er eine Symbiose mit dem Mikro einging, ließ mich an den eleganten Hawaiianer denken...


Setlist Someone Still Loves You Bors Yeltsin
, Flèche d'or, Paris:

01: Banned (By The Man)
02: Everlyn
03: Gwyneth
04: Glue Girls
05: House Fire
06: Critical Drain
07: Made To Last
08: Dead Right
09: Back In The Saddle
10: Sink/Let It Sway
11: Modern Mystery
(12: Pangea) vorgesehen, aber nicht gespielt

Ausgewählte Konzerttermine von Someone Still Loves You Bors Yeltsin:

13.10.2010: Pretty Vacant, Düsseldorf
14.10.2010: Stuk, Leuven, Belgien
16.10.2010: Paradiso, Amsterdam
17.10.2010: Molotow, Hamburg
22.10.2010: Bang Bang Club, Berlin
23.10.2010: Hafen 2, Offenbach
24.10.2010: Jugendhaus West, Stuttgart

* richtig gelesen. SSLYBY haben zwei verschiedene Sänger, die jeweils eine Halbzeit lang (Fußballsprache) sangen.

Aus unserem Archiv:

SSLYBY, Wien, 03.10.2010
Someone Still Loves You Boris Yeltsin, Köln, 01.10.08
Someone Still Loves You Boris Yeltsin, Köln, 21.05.07

Horse Feathers, Paris, 23.02.09
Oh No Ono, Paris, 25.02.2010






Freitag, 1. Oktober 2010

Horsefeathers & Woodpigeon, Wien, 30.09.10

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Konzert: Woodpigeon, Horse Feathers
Datum: 30.09.10
Ort: rhiz, Wien

Zuschauer: 100

Dauer: Woodpigeon 40 Minuten, Horse Feathers 65 Minuten



Von Julius aus Wien:



Sollte dieser Abend auch nur halb so gut werden wie es das Lineup versprach, würde es ein Freudenfest werden. Die Amerikaner Horse Feathers hatten sich fürs rhiz angkündigt, mit im Gepäck Woodpigeon – Kanadier sind doch einfach die besten!

Gewohnt spät begann es auch, gut gefüllt und sehr wohlwollend begrüßte das Publikum Woodpigeon. Einmal hatte ich das kanadische Folk-Indie-Kollektiv bereits zu Buche stehen, ein sehr schöner Auftritt am letztjährigen Haldern hatte schon eine gewisse Erwartungshaltung bei mir aufgebaut... Dass diese gleich mal untergraben werden sollte und zwar von Bandleader Mark Hamilton persönlich, war eine schöne Überraschung. Er kam nämlich völlig alleine auf die Bühne. Das war zwar wohl auf der gesamten Tour mit den Horse Feathers so, aber mir bis dahin nicht bekannt.So stand dann also ein etwas untersetzter Kerl vor etwa 100 Leuten und spielte einfach mal drauf los. Nach dem ersten Song bedankte er sich für das zahlreiche Erscheinen und begann von seiner Mutter zu erzählen, die ja in Wien geboren sei. Er hätte ihr Geburtshaus auch schon besichtigt – Simmeringer Hauptstraße 102 für all die Ahnenforscher unter euch… Es könne auch gut sein, dass er in Wien noch unbekannte Verwandte habe, „so you don’t have to like my music. But remember, that we are still relatives.“ So schnell wird man also in die Familie Woodpigeon aufgenommen…Den folgenden Song „Knock Knock“ widmete er dann auch – ganz klassisch und guterzogen – seiner Mutter.

Da wo seine Ansprache vor dem Song geendet hatte, machte er auch weiter. Es folgte nämlich Familiengeschichte, Part II. Dass es in „Duck Duck Goose“ direkt darauf dann hieß „ some things in life you don't get to choose” passte wie die Faust aufs Auge bzw. wie die Waldtaube ins Baumdickhicht. Denn Mark Hamilton gab die Geschichte seines bürgerlichen Namens zum Besten. Dreimal wurde dieser geändert, um jeweils einen anderen Teil seiner Familie zufrieden zu stellen, wie ihn sein österreichischer Großvater darauf hin enterbte und wie er zu seinem heutigenNamen gelangt ist. „Mark Hamilton – the most usual name I ever had.“Bestens aufgelegt und charmant erzählte und sang sich Hamilton durch sein Set, das hauptsächlich aus Songs des neuen Albums „Die Stadtmuzikanten“ bestand, dankte den Horse Feathers dafür, dass es mit ihnen auf Tour so viel Spaß mache, mit „Don’t Fence Me In“, einem Cover des Klassikers, das Woodpigeon für einen kanadischen Nationalpark eingespielt hatten. Munter ging es weiter mit „Devotions“, als nächstes war Falco an der Reihe. Als Kind der 80er sei seine erste Musikkassette nun mal „Rock Me Amadeus“ gewesen und auch wenn er andere Songs („Jeanny“) furchtbar finde, hätte er seine Liebe zum Falken noch immer nicht verloren. Deshalb wolle er dem Wiener auch „Morningside“ widmen. Gesagt getan. Und wem wollte der gute Herr nun einen seiner Songs verehren?„This is a song about drowning. It’s for Vienna.“ Ok, vielleicht sollte ich meine Zuschreibung “charmant” nochmal überdenken, musikalisch geriet „…And As The Ship Went Down, You’d Never Look Finer“ wunderbar melancholisch und herzerwärmend.

Vor dem letzten Song bat Hamilton dann Mitglieder der Horse Feathers auf die Bühne und so, wieder zu einem Kollektiv gewachsen, fand der Kanadier auch seinen Charme wieder. „Thank you for coming. This song is for you.“ Und mit “True Love Will Find You in The End” endete einerseits die “dedicated to”-Orgie, andererseit sauch Woodpigeons Auftritt. Ein sehr schöner und unterhaltsamer. Sollte Hamilton eines Tages wieder die Simmeringer Hauptstraße sein Heim nennen, hätte Wien da sicher nichts dagegen!

Setlist Woodpigeon, rhiz, Wien:

01: Die Stadtmuzikanten
02: Knock Knock
03: Duck Duck Goose
04: Oberkampf
05: Our Love is as Tall as the Calgary Tower
06: Don’t Fence Me In
07:Morningside
08: …And As The Ship Went Down, You’d Never Look Finer
09: True Love Will Find You In The End


Weniger redselig gaben sich die Horse Feathers, dafür geriet das Konzert selbst umso intensiver. Kurze irritierte Blicke nach oben gab es nur bei der ersten U-Bahn, die über dem rhiz verkehrte, aber sofort hatten sich die vier aus Oregon wieder in ihre Arbeit vertieft, die ihnen wunderbar konzentriert und hingebungsvoll von derHand ging. Drei Alben hat man schon abgeliefert, die man auch alle an diesem Abend berücksichtigte, vor allem aber das aktuelle „Thistled Spring“.

Den Werken der Band rund um Justin Ringle wird ja nachgesagt, die Jahreszeiten, in denen sie entstanden, abzubilden. Sollte das so sein, hat man auf „Thistled Spring“ eine erleichterte, erwachende Stimmung eingefangen, die den Frühling in all seiner Vielfalt einfängt. Nun haben wir aber leider Herbst und so wurde auch reichlich von „House With No Name“ gespielt. Zum Beispiel der – wenn man so sagen will – „Hit“ „Curse In TheWeeds“ gegen Ende. Ein nettes Zwiegespräch zwischen Ringle und einem aus Portland mitgereisten Fan der Band sorgte dann noch für ein wenig Gelächter, grundsätzlich war das Konzert aber mehr etwas zum träumerischen Genießen als eines der Marke Woodpigeon. Zwei Zugaben später hatten die Horse Feathers eine neue Stadt, ja ein neues Land in ihrem Tourarchiv zu ergänzen, das Konzert war nach einer guten Stunde zu Ende. Wir hatten einen Abend mit zwei Bands verlebt, die beide Musik ähnlichen Einschlags machen, live aber jeweils einen anderen Zugang wählen. DaWoodpigeon bzw. Hamilton, der zwischen den Songs die Melancholie ablegt und erheiternde Kommentare abliefert, da Horse Feathers, die ihre Auftritte so in sichgeschlossen wie möglich gestalten wollen, die Kraft ihrer Songs alleine für sich sprechen lassen. Zwei Konzepte, zweimal tolles Konzert. Meinen ersten Satz müsste ich wohl überarbeiten. Es war nicht halb so gut wie erwartet, sondern doppelt so gut. Zu gut,um wahr zu sein!

Setlist Horse Feathers, rhiz, Wien

01: Working Poor
02:Dustbowl
03:Belly of June
04: Mother's Sick
05: Helen
06: Falling Through the Roof
07: Cascades
08: Starving Robins
09: In Our Blood
10: Thistled Spring
11: Orphan Girl
12: Heathen's Kiss
13: Curse in the Weeds

14: Finch on Saturday (Z)
15: Vernonia Blues (Z)


Anmerkung: Bei den Fotos handelt es sich um Archivbilder von Oliver Peel.

Aus unserem Archiv:

Horse Feathers, Paris, 23.02.09
Woodpigeon, Haldern, 14.08.09
Woodpigeon, Paris, 16.02.09





Mittwoch, 25. Februar 2009

War On Drugs & Elliott Brood & Horse Feathers, Paris, 24.02.09

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Konzert: War On Drugs & Elliott Brood & Horse Feather
s
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 24.02.2009
Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: Horse Feathers ca. 35 Minuten, Elliott Brood ca. 45 Minuten, War On Drugs ca. 55 Minuten



Wir haben auf dem Konzerttagebuch ja schon oft über die Ungerechtigkeiten des Musikbusiness gejammert und uns darüber beklagt, daß es viele vorzügliche Musiker gibt, die nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen würden. Selten aber war unsere Jammerei so berechtigt wie heute!

Gleich drei hervorragende Acts wurden nämlich heute im Rahmen des Festivals Les Nuits de L'Alligator auf die Bühne der Maroquinerie geschickt und trotzdem war der recht kleine Laden alles andere als ausverkauft. Es gab sogar etliche Leute, die überschüssige Einladungen hatten, die sie bei Gewinnspielen ergattert hatten und nicht los wurden.

Sei's drum, "wer nicht will, der hat schon!", hat mein Vater immer gesagt. Blieben die Genießer und Connaisseure bester Folkmusik halt eben unter sich!

Und zum Genießen war bereits die erste Gruppe, die heuer aufspielte und zwar Horse Feathers aus Portland, Oregan. Horse Feathers werden angeführt von dem bärtigen Akustikgitarristen Justin Ringle und seine filigranen Kompositionen werden im Studio und auch live umgesetzt von einer Cellistin und einem Violinisten. Auf CD sind das Heather und Peter Broderick (im Übrigen selbst tolle Musiker), auf der Tour Catherine O'Dell und Nathan Crockett.

Die drei Musiker verzückten mich ganz außerordentlich, denn die Stimme von Justin war wunderschön, leicht brüchig, aber sehr berührend und die Streicher harmonierten ganz vorzüglich zusammen. Die Cellistin schien noch recht jung zu sein, sie erinnerte mich angenehm an eine frühere Kommilitonin, die ich sehr mochte. Sie spielte sehr gefühlvoll und einfühlsam und sorgte damit für ein wohliges Schaudern in meiner Rückgengegend. Aber auch der Geiger war vorzüglich, ebenfalls ein junger und hübscher Bursche, der bei einem Lied sogar auf der singenden Säge brillierte. Gespielt wurden Songs von beiden bisher verfügbaren Alben, also Words Are Dead (2007) und House With No Name (2008). In der ersten Hälfte ließen mich Working Poor und Curs In The Weeds besonders hellhörig werden, aber der zweite Teil war fast noch schöner. Da wurden nämlich hintereinander die brillianten Stücke Different Gray und vor allem Heathen's Kiss performt. Die traumhafte Ballade Different Gray ist eigentlich tottraurig und ist in diesem tiefmelancholischen Stil wohl nur noch von Anthony und seinen Johnsons zu toppen, während Heathens' Kiss forscher und eindringlicher ist, an manchen Stellen wirkte Justins Stimme gar anklagend, am Ende wird sie aber dann doch wieder sanfter, bevor noch einmal lautere Töne angeschlagen werden. Die Intrumentierung erinnerte mich an Bon Iver und das ist ja wahrlich keine schlechte Referenz!

Horse Feathers - muß man sich unbemerkt merken! Wundervoll!

Setlist Horse Feathers,
La Maroquinerie, Festival Les nuits de L'Alligator, Paris:

01: Helen
02: Finch On Saturday
03: Working Poor
04: Curs In The Weeds
05: Mother's Sick
06: Albina
07: Walking & Running
08: Different Gray
09: Heathen's Kiss
10: Ride To Ride



Setlist Elliott Brood, La Maroquinerie, Festival Les nuits de L'Alligator, Paris:

01: Twill
02: Garden River
03: Acer
04: Wolfgang
05: Without Again
06: The Bridge
07: The Valley Town
08: Cadillac Dust
09: Write It All Down For You
10: Fingers And Tongues

Berichte über Elliott Brood und War On Drugs folgen in Kürze hier.




 

Konzerttagebuch © 2010

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