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Freitag, 1. Oktober 2010

Horsefeathers & Woodpigeon, Wien, 30.09.10

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Konzert: Woodpigeon, Horse Feathers
Datum: 30.09.10
Ort: rhiz, Wien

Zuschauer: 100

Dauer: Woodpigeon 40 Minuten, Horse Feathers 65 Minuten



Von Julius aus Wien:



Sollte dieser Abend auch nur halb so gut werden wie es das Lineup versprach, würde es ein Freudenfest werden. Die Amerikaner Horse Feathers hatten sich fürs rhiz angkündigt, mit im Gepäck Woodpigeon – Kanadier sind doch einfach die besten!

Gewohnt spät begann es auch, gut gefüllt und sehr wohlwollend begrüßte das Publikum Woodpigeon. Einmal hatte ich das kanadische Folk-Indie-Kollektiv bereits zu Buche stehen, ein sehr schöner Auftritt am letztjährigen Haldern hatte schon eine gewisse Erwartungshaltung bei mir aufgebaut... Dass diese gleich mal untergraben werden sollte und zwar von Bandleader Mark Hamilton persönlich, war eine schöne Überraschung. Er kam nämlich völlig alleine auf die Bühne. Das war zwar wohl auf der gesamten Tour mit den Horse Feathers so, aber mir bis dahin nicht bekannt.So stand dann also ein etwas untersetzter Kerl vor etwa 100 Leuten und spielte einfach mal drauf los. Nach dem ersten Song bedankte er sich für das zahlreiche Erscheinen und begann von seiner Mutter zu erzählen, die ja in Wien geboren sei. Er hätte ihr Geburtshaus auch schon besichtigt – Simmeringer Hauptstraße 102 für all die Ahnenforscher unter euch… Es könne auch gut sein, dass er in Wien noch unbekannte Verwandte habe, „so you don’t have to like my music. But remember, that we are still relatives.“ So schnell wird man also in die Familie Woodpigeon aufgenommen…Den folgenden Song „Knock Knock“ widmete er dann auch – ganz klassisch und guterzogen – seiner Mutter.

Da wo seine Ansprache vor dem Song geendet hatte, machte er auch weiter. Es folgte nämlich Familiengeschichte, Part II. Dass es in „Duck Duck Goose“ direkt darauf dann hieß „ some things in life you don't get to choose” passte wie die Faust aufs Auge bzw. wie die Waldtaube ins Baumdickhicht. Denn Mark Hamilton gab die Geschichte seines bürgerlichen Namens zum Besten. Dreimal wurde dieser geändert, um jeweils einen anderen Teil seiner Familie zufrieden zu stellen, wie ihn sein österreichischer Großvater darauf hin enterbte und wie er zu seinem heutigenNamen gelangt ist. „Mark Hamilton – the most usual name I ever had.“Bestens aufgelegt und charmant erzählte und sang sich Hamilton durch sein Set, das hauptsächlich aus Songs des neuen Albums „Die Stadtmuzikanten“ bestand, dankte den Horse Feathers dafür, dass es mit ihnen auf Tour so viel Spaß mache, mit „Don’t Fence Me In“, einem Cover des Klassikers, das Woodpigeon für einen kanadischen Nationalpark eingespielt hatten. Munter ging es weiter mit „Devotions“, als nächstes war Falco an der Reihe. Als Kind der 80er sei seine erste Musikkassette nun mal „Rock Me Amadeus“ gewesen und auch wenn er andere Songs („Jeanny“) furchtbar finde, hätte er seine Liebe zum Falken noch immer nicht verloren. Deshalb wolle er dem Wiener auch „Morningside“ widmen. Gesagt getan. Und wem wollte der gute Herr nun einen seiner Songs verehren?„This is a song about drowning. It’s for Vienna.“ Ok, vielleicht sollte ich meine Zuschreibung “charmant” nochmal überdenken, musikalisch geriet „…And As The Ship Went Down, You’d Never Look Finer“ wunderbar melancholisch und herzerwärmend.

Vor dem letzten Song bat Hamilton dann Mitglieder der Horse Feathers auf die Bühne und so, wieder zu einem Kollektiv gewachsen, fand der Kanadier auch seinen Charme wieder. „Thank you for coming. This song is for you.“ Und mit “True Love Will Find You in The End” endete einerseits die “dedicated to”-Orgie, andererseit sauch Woodpigeons Auftritt. Ein sehr schöner und unterhaltsamer. Sollte Hamilton eines Tages wieder die Simmeringer Hauptstraße sein Heim nennen, hätte Wien da sicher nichts dagegen!

Setlist Woodpigeon, rhiz, Wien:

01: Die Stadtmuzikanten
02: Knock Knock
03: Duck Duck Goose
04: Oberkampf
05: Our Love is as Tall as the Calgary Tower
06: Don’t Fence Me In
07:Morningside
08: …And As The Ship Went Down, You’d Never Look Finer
09: True Love Will Find You In The End


Weniger redselig gaben sich die Horse Feathers, dafür geriet das Konzert selbst umso intensiver. Kurze irritierte Blicke nach oben gab es nur bei der ersten U-Bahn, die über dem rhiz verkehrte, aber sofort hatten sich die vier aus Oregon wieder in ihre Arbeit vertieft, die ihnen wunderbar konzentriert und hingebungsvoll von derHand ging. Drei Alben hat man schon abgeliefert, die man auch alle an diesem Abend berücksichtigte, vor allem aber das aktuelle „Thistled Spring“.

Den Werken der Band rund um Justin Ringle wird ja nachgesagt, die Jahreszeiten, in denen sie entstanden, abzubilden. Sollte das so sein, hat man auf „Thistled Spring“ eine erleichterte, erwachende Stimmung eingefangen, die den Frühling in all seiner Vielfalt einfängt. Nun haben wir aber leider Herbst und so wurde auch reichlich von „House With No Name“ gespielt. Zum Beispiel der – wenn man so sagen will – „Hit“ „Curse In TheWeeds“ gegen Ende. Ein nettes Zwiegespräch zwischen Ringle und einem aus Portland mitgereisten Fan der Band sorgte dann noch für ein wenig Gelächter, grundsätzlich war das Konzert aber mehr etwas zum träumerischen Genießen als eines der Marke Woodpigeon. Zwei Zugaben später hatten die Horse Feathers eine neue Stadt, ja ein neues Land in ihrem Tourarchiv zu ergänzen, das Konzert war nach einer guten Stunde zu Ende. Wir hatten einen Abend mit zwei Bands verlebt, die beide Musik ähnlichen Einschlags machen, live aber jeweils einen anderen Zugang wählen. DaWoodpigeon bzw. Hamilton, der zwischen den Songs die Melancholie ablegt und erheiternde Kommentare abliefert, da Horse Feathers, die ihre Auftritte so in sichgeschlossen wie möglich gestalten wollen, die Kraft ihrer Songs alleine für sich sprechen lassen. Zwei Konzepte, zweimal tolles Konzert. Meinen ersten Satz müsste ich wohl überarbeiten. Es war nicht halb so gut wie erwartet, sondern doppelt so gut. Zu gut,um wahr zu sein!

Setlist Horse Feathers, rhiz, Wien

01: Working Poor
02:Dustbowl
03:Belly of June
04: Mother's Sick
05: Helen
06: Falling Through the Roof
07: Cascades
08: Starving Robins
09: In Our Blood
10: Thistled Spring
11: Orphan Girl
12: Heathen's Kiss
13: Curse in the Weeds

14: Finch on Saturday (Z)
15: Vernonia Blues (Z)


Anmerkung: Bei den Fotos handelt es sich um Archivbilder von Oliver Peel.

Aus unserem Archiv:

Horse Feathers, Paris, 23.02.09
Woodpigeon, Haldern, 14.08.09
Woodpigeon, Paris, 16.02.09





Freitag, 14. August 2009

Woodpigeon, Haldern Pop Festival, 14.08.09

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Konzert: Woodpigeon

Ort: Spiegelzelt des Haldern Pop Festivals
Datum: 14.08.2009
Zuschauer: leider nicht sonderlich viele
Konzertdauer: ca. 40 Minuten


Die Woodpigeons sind eine ganz entzückende kanadische Indiepop Band. Obwohl eigentlich sind sie keine richtige Band, sondern das Projekt des Sängers, Gitarristen und Songschreibers Mark Hamilton, der regelmäßig etliche Musiker bei Konzerten um sich schart, um seine filigran arrangierten Kompositionen vorzutragen. Vor ein paar Monaten hatte ich sie in einem kleinen Pariser Club gesehen und war sehr angetan von der puren Schönheit des zarten Vortrages. Von der damaligen Besetzung waren neben dem "Chef" in Haldern aber nur noch die asiatische Geigerin und eine Backgroundsängerin dabei, an den anderen Positionen hatte man rochiert. Dennoch wirkte die Truppe eingespielt und harmonierte ganz hervorragend. Lediglich der Sound im Spiegelzelt ließ manchmal etwas zu wünschen übrig und so erlebten die Zuschauer ein gutes, aber nicht überragendes Konzert. Die Gruppe selbst war bester Dinge und erklärte bei der Ankündigung des Songs I Live A Lot Of Places, daß es ihnen sehr viel bedeute, an diesem hübschen Orte zu spielen. Wirkliche Sympathen, diese Kanadier, angeführt von einem rotbärtigen Typ, der mit seinen weißen Klamotten und der bunten Krawatte die Ausstrahlung eines Handelsvertreters der pharmazeutischen Industrie hatte. Aber ein trendiger Look und kesse Sprüche sind nicht die Sache von Woodpigeon. Sie überzeugen lieber mit ihrem reichlich vorhandenen Charme und ihren herzerweichenden Stücken, die ich wegen ihrer interessanten Strukturen zuweilen fast als Post-Indiepop bezeichnen würde.

Seht Euch Woodpiegon an, wenn sie in Eurer Nähe spielen. Alles was sie machen, ist dermaßen schön! Leisetreter mit großer Durchschlagskraft. Mein Herz haben sie mit ihren beiden Alben Songbook und Treasury Library Canada und ihren feinen Konzerten auf jeden Fall gebrochen!


Setlist Woodpigeon, Haldern Pop Festival 2009:

01: Death By Ninja (A Love Song)
02: Piano Pieces For Adult Beginners
03: I Live A Lot Of Places
04: Summerside
05: Mark Time
06: Edinburgh
07: Now You Like Me How
08: Knock Knock
09: Ship

Links:

- Woodpigeon am 16.02.09 in Paris
- Fotos folgen!




Dienstag, 17. Februar 2009

Essie Jain & Woodpigeon, Paris, 16.02.09

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Konzert: Essie Jain & Woodpigeon

Ort: Le Point Éphémère, Paris
Datum: 16.02.2009
Zuschauer: ca. 200
Konzertdauer: Woodpigeon: 35-40 Minuten, Essie Jain ca. 70 Minuten


[Am 22.09.15 forderte uns Essie Jain per mail auf, die Fotos ihres Auftritts zu entfernen. In neun Jahren mit mehr als 3.300 Konzertberichten ist dies eine Premiere. Wir finden Konzertberichte ohne Fotos stinklangweilig, werden Essies Aufforderung aber nachkommen, um eine angekündigte Meldung an google zu umgehen, die die Löscung des Konzertberichts bedeuten würde. Wir fotografieren niemals heimlich oder illegal und haben Fotopässe, wann immer dies für Bilder nötig ist. Wir schreiben aus Begeisterung für Livemusik und haben dadurch über unzählige Künstler geschrieben, die sonst zu wenig Aufmerksamkeit bekämen. Fotofreigaben für jede Vorgruppe bei Minikonzerten abzufragen, ist realitätsfremd und widerspricht unserer Idee von Konzerten.]


Für französische Fans junger weiblicher Folksängerinnnen fand wohl am gestrigen Sonntag das Konzert des Jahres statt und zwar im Grand Mix in Tourcoing im Norden des Landes. Dort gab es nämlich den spektakulären Doppelpack, bestehend aus der in New York lebenden Engländerin Essie Jain und der Amerikanerin Emily Jane White.

Den Parisern gönnte man dieses teuflich gute Damendoppel am heutigen Montag nicht und so war ausnahmsweise die Provinz bessser dran als die verwöhnte Metropole. In Paris wurden die "siamesischen Zwillinge" nämlich räumlich getrennt. Essie Jain trat im Point FMR auf, Emily Jane White in der Maroquinerie. Und die jeweiligen Begleitbands konnten sich wahrlich sehen und hören lassen! Emily Jane wurde von der vorzüglichen Mariee Sioux und der ebenfalls sehr talentierten Lonely Drifter Karen supportet, Essie Jain ihrerseits von den charmanten Woodpigeon. Allzu verständlich also, daß ich es enorm bedauerte, daß man nun einmal nicht an zwei Orten gleichzeitig sein kann! Ich bitte talentierte Forscher dieser Welt sich für dieses Problem mal etwas einfallen zu lassen! Vielleicht sollte man sich selbst klonen und seinen Doppelgänger dann zielgerichtet einsetzen...

Aber was hadere ich eigentlich mit dem Schicksal? Ist es etwas nichts, die tollen Woodpigeon live in Europa zu sehen? Aber selbstverständlich ist es das! Feinster Indiepop made in Canada ist ihr Markenzeichen und von dem in Frankreich erst Ende 2008 erschienen Album Songbook kann ich gar nicht genug bekommen, denn es erinnert an solch glänzende Künstler wie Sufjan Stevens, Belle & Sebastian und die Bowerbirds! Und schon legen sie nach und zwar mit Treasury Library Canada, dem feinen 2009 er Output. Über das neue Werk verfügte ich vor dem heutigen Konzert noch nicht, aber nachdem ich einige Kostproben live genießen durfte, zögerte ich nicht lange und griff hinterher beherzt zu!

Zu sechst waren sie auf der Bühne erschienen, 4 Frauen und 2 Männer, jeder Quotenbeauftragte dürfte sich über ein solches Verhältnis freuen und auch ich hatte gar nichts gegen die weibliche Dominanz einzuwenden! Stellen wir die aus dem kanadischen Calgary stammenden Musiker, von denen man wissen muß, daß sie als Kollektiv agieren, doch einmal vor. Wo wir schon beim ersten Problem wären, weil zum kompletten Line-Up eigentlich 8 Musiker gehören. Unproblematisch ist die Zuordnung des Namens Mark Hamilton. Der gehört zum "Chef" der Truppe, der sowohl die hübschen Lieder schreibt und singt, als auch Akustikgitarre spielt. Michael Gratton, der etatmäßige Bassist fehlte aber und auch einen Drummer gab es nicht, also streichen wir auch Daren Powell aus dem heutigen Line-Up. Bleibt als zweiter Mann in der Runde noch Peter Morsch, der im dunklen rechten Bühnerand agierte, aber sehr feine und effiziente Gitarrenmelodien auf der Elektrischen beisteuerte.

Nun zu den Damen und wenn ich mit ihnen später anfange, dann nicht aus Unhöflichkeit und fehlender Galanz, sondern weil die Klärung der Frage, welche Männer heute agierten, viel leichter war.

Bei den jungen Frauen fange ich mit der Geigerin an, einer Japanerin. Foon Yap dürfte die heißen, denn wer sonst sollte "crown princess of the stringed instruments + eyeshadow sein? Obwohl: Es gab doch noch eine andere Dame heute an einem string= Streichinstrument und zwar eine Cellistin. Wo ist die denn aufgeführt in der Member Liste bei MySpace, bitteschön??
Fahren wir fort. Kenna Burima ist sowohl bei MySpace als auch bei Wikipedia weit oben geführt. "Pianos, singings, drunken confessions", kann man als Beschreibung lesen. Hmm, an einem Piano betätigten sich heute zwei Mädels, eine davon war schwarzhaarig, spielte auch Flöte und hatte ein wunderbares Lächeln. Ob das wohl Annalea Sordi war, bei der auch noch das Akkordeon als Instrument aufgelistet wird? Wahrscheinlich schon, selbst wenn heute kein Akkordeon zum Einsatz kam, wohl aber eine Querflöte. Also wer ist jetzt Kenna? Das Mädchen mit dem bunten Hippikleid? Und wer ist schließlich AJ Benoit, lediglich beschrieben mit "the most beautiful singings we've ever heard?" - Hach, verflixt, das ist alles ziemlich kompliziert, ihr merkt es schon!

Aber es hat wohl Tradition, daß die kanadische Band es dem interessierten Hörer nicht leicht macht, denn wie kommt man ansonsten auf den Namen Woodpigeon Divided By Antelope Equals Squirrel, den ihr Gründer Mark Hamilton ursprünglich für sein Projekt benutzte? Gut, daß man sich inwischen auf Woodpigeon beschränkt hat!

So unübersichtlich das Ganze auf den ersten Blick erscheint, so harmonisch war es in Wirklichkeit. Herrliche Chorgesänge aus drei weiblichen Kehlen, die den weichen und warmen Gesang von Mark auf Flügeln trug, reduzierte, aber dennoch hochmelodische Gitarrenparts und äußerst wohlklingende Streicherarrangements sorgten nämlich für einen Hörgenuß erster Qualität! Einfach traumhaft, wie hier alles passte und die Musiker miteinander nonverbal kommunizierten. Sie ließen den betörten Zuschauer teilhaben an ihrer stimmigen Darbietung und verwöhnten mit unwiderstehlichem Charme und großzügig verteilten strahlenden Lächeln. Ich schwebte dahin und war auch von den neuen, mir bis dato unbekannten Liedern unmittelbar angetan. Oberkampf (ein szeniges Viertel in Paris) z.B., ließ die Sonne aufgehen und brachte mich ins Schwärmen. Trotz der vielen Musiker wurde alles dezent dargeboten, für überbordende Oppulenz war kein Platz und die Lieder hatten Raum zum Atmen. Auch die Akustik war ganz vorzüglich, was ja leider keine Selbstverständlichkeit ist. Die neuen Titel, allen voran Knock Knock gingen runter wie Öl, aber dann, zum Abschluß des logischerweise recht kurzen Sets wurde es seltsam. Was hörte ich da? Das Stück kannte ich doch?! - Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Haaren, das war doch... klar, Abba! Lay All Your Love on Me! Wer mich kennt, weiß, daß ich Abba schon immer gehasst habe, aber in der psychedelisch angehauchten Version der Woodpigeons war selbst ein solch käsiger Klassiker ein besonderes Erlebnis. Der Text blieb natürlich genauso stumpf und platt wie eh und jeh, aber das Ende hatte es ganz besonders in sich. Die beiden Streicherinnen fiedelten um die Wette und brachten eine ungeheure Dramatik in die Geschichte, das war schlicht und einfach atemberaubend!

Und auch die Zugabe war ein besonderes Bonbon, weil hierzu die bezaubernde Essie Jain mit hinzukam. Der Titel allerdings äußerst depressiv: The sadest song in the world! So tieftraurig war er dann aber eigentlich gar nicht, er gab mir eher gute Laune, wie im Übrigen das gesamte Konzert der reizenden Kanadier.

Eine tolle Vorgrruppe, die mit Sicherheit bald selbst Konzerte als Headliner geben wird, auch in Europa. Ich habe ihnen auf jeden Fall schon einmal gesagt, daß sie beim Haldern Pop Festival im August perfekt im Spiegelzelt aufgehoben wären! Man wird sie am Niederrhein mit offenen Armen empfangen, genauso wie am 18. Februar in der Prinzenbar in Hamburg und am 19. Februar im Berliner Schokoladen, davon bin ich überzeugt!

Links:

- Woodpigeon Knock Knock live End Of The Road Festival 2008
- Woodpigeon Oberkampf


In den Genuß, die niedliche Essie Jain zu sehen, kam man also schon am Ende
des Programms von Woodpigeon, obwohl die blonde Engländerin lediglich ein wenig Percussions und Backgroundgesang beisteuerte. Aber selbst das hatte Charme.

Rund 15 Minuten später kam die Pianistin dann für ihre eigene große Show zurück auf die Bühne. Aber sie war nicht ganz alleine, sie hatte nämlich einen Musiker mitgebracht, der je nach Bedarf Trompete (davon hatte er zwei verschiedene Modelle zur Auswahl), Akustik-oder
E-Gitarre spielte. Mit einem Augenzwinkern stellte Essie ihn (ich glaube er hieß Jon) im Laufe des Sets als "relativ talentiert" vor. Er mache das alles schon sehr ordentlich, vor allem, wenn man bedenke, daß sie ihm viel zumute. Innerhalb kurzer Vorbereitungszeit hätte er sich Vieles aneignen müssen. Er lächelte zufrieden. Ja, die beiden harmonierten gut zusammen, auch ohne Augenkontakt. Der wurde immer nur zwischen den wundervollen Kompositionen der Wahl - New Yorkerin hergestellt. Man sprach sich kurz ab,
welches Lied als nächstes angestimmt werde und konzentrierte sich dann wieder auf seinen jeweiligen Part. Um sich zu merken, wie weit man im Programm fortgeschritten war, hatte Essie keine herkömmliche Setliste auf einem
Blatt Papier dabei,
sondern schaute immer mal wieder in ihr kleines schwarzes Moleskine - Notizbuch, wo sie die Titel fein säuberlich notiert hatte. Ein ordentliches Mädchen, dieses Fräulein Jain, die man sich auch gut als Jura-Studentin vorstellen könnte. Klassisch elegant ihr Outfit; ein kleines Schwarzes, dazu flache rote Schuhe, die passend auf die roten Blumenohrringe abgestimmt waren, eine Kette, ein elegantes feines Armband und eine Uhr. Mehr brauchte sie nicht, um Stil und Klasse auszustrahlen. Sehr gediegen auch ihr traumhaft schöner Gesang, der so rein und klar wie ein Gebirgsfluß war. Eine Stimme wie aus
Samt und Seide, die eine leicht soulige Klangfarbe hat und mitunter auch in tiefere Tonlagen abgleitet.
Dazu das gefühlvolle und dezente Pianospiel und schon nach zwei Minuten ihres Vortrages schien die Harmonie perfekt zu sein. Man hatte nicht den Eindruck, daß in der nächsten Stunde irgend etwas diesen Wohlklang hätte stören können, außer vielleicht plappernde Zuschauer, die es aber heute glücklicherweise nicht gab. Aber plötzlich passiert etwas Unvorbereitetes: Mitten im ersten Lied, gab es ein pluckerndes Geräusch und Essie stoppte vor Schreck ihren Vortrag - "Wow, so etwas habe ich ja noch nie erlebt!", amusierte sie sich.
Kennt man ja eigentlich sonst nur von harten Rockbands, daß Gitarren in Flammen aufgehen oder Ähnliches. Mir ist das noch nie passiert. Na, das ist ja ein toller Auftakt!" , seufzte sie auf, aber ihr anschließendes Lächeln verriet, daß sie ganz gelassen blieb und die kleine Panne sogar zu genießen schien. Trotzdem wechselte sie erst einmal Lied und Instrument und griff zur Akustikgitarre. Nachdem dies perfekt geklappt hatte, widmete sie sich wieder dem zuvor schuldlos verpatzten Pianostück und meisterte es nun mit Bravour. Von nun an lief alles fast beängstigend reibungslos.
Jeden Ton traf die Süße und ihr Klavierspiel war einfach
wundervoll. Lediglich an der elektrischen Gitarre fühlte sie sich nicht 100 % ig sicher. Sie spiele diese eher wie einen Bass, erklärte sie den Zuschauern, überzeugte aber auch in dieser Hinsicht. Und letztlich ging es bei ihrem Auftritt ohnehin überwiegend um ihre betörende Stimme,
die so Ruhe - und Trost spendend wie kaum etwas auf der Welt ist. Wenn sie bei dem Stück Understand "I'm
not hopeless" sang, dann nahm man ihr das trotz der stark melancholischen Note ab. Understand, dem ersten Album We Made This Ourselves entnommen, hatte Essie schon einmal in einer dieser berühmt-berüchtigten Sessions mit der Blogothèque in New York eingespielt und an die Blogothèque,
die in Paris ihren Ursprung nahm, konnte sich die Künstlerin auch noch gut erinnern. "Die machen so
viele tolle Sachen!", lobte sie das Team um Dokumentarfilmer Vincent Moon, obwohl heute keiner von ihnen dazu sein schien. Ob sich die flinken Kerle schon wieder auf andere Rohdiamanten der Indie-Szene stürzen und Essie deshalb nun links liegen lassen? Wollen wir das mal nicht unterstellen,
aber falls es so wäre, würden sie die musikalische
Weiterentwicklung verpassen, die sie auf dem zweiten Album The In Between konsequent vorangetrieben hat. Stärker instrumentiert und etwas flotter sind ihre neuen Stücke, weniger kontemplativ. Here We Go z.B. ist richtiggehend schwungvoll und dynamisch, auch wenn es die kesse Blondine nicht darauf abgesehen hat, tanzbare Songs zu schreiben. "Ihr Armen, müßt die ganze Zeit stehen, obwohl man zu meinen Liedern gar nicht tanzen kann", drückte sie ihr Bedauern aus. Aber das war unnötig,
denn man konnte durchaus etwas mitwippen und
Konzerte im Sitzen mißfallen mir grundsätzlich, selbst dann wenn wie heute solch gefühlvolle und ruhige Balladen wie Glory oder Please ertönten.


Wenn mich jemand fragt, was denn das schönste Stück des Abends gewesen sei, bin ich kaum in der Lage, dies zu beantworten, so ausgewogen und gleichmäßig war die ganze Sache. Oder soll ich mich doch auf Do It festlegen? Dieses Stück wurde laut Aussage der Künstlerin einmal von einem Fan nach einem ihrer früheren Konzerte vermisst und die Kritik nahm sich die Pianistin zu Herzen und bemüht sich von
nun an, den für ihre Verhältnisse recht stark instrumentierten Song immer zu spielen. Aber es gab so viele tolle Stücke zu genießen auch Weight Off Me könnte man da nennen und so viele andere mehr. Am Ende war sich die gebürtige Britin sicher, eigentlich alles gespielt zu haben, was sie auf der Pfanne hat. Sie guckte noch einmal in ihr Büchlein, ging die Liste durch und konstatierte: "Hmm, mehr Songs habe ich einfach nicht!" Natürlich flunkerte sie da ein wenig, denn Musiker haben ständig neue Lieder in der Pipeline und einen
davon gab es heute sogar sozusagen in einer Art Weltpremiere. Das Stück, daß bisher unveröffentlicht ist, hieß glaube ich, Standing in The Light.

Dann schenkte sie dem Publikum noch einmal ihr bezaubernstes Lächeln, umarmte erleichtert ihren männlichen Begleitmusiker und entschwand im Dunkeln. Komm bald zurück Essie, Paris liebt dich! Und Deutschland auch, dort gibt sie demnächst einige Konzerte! Hingehen ist erste Bürgerpflicht für all diejenigen, die an der Stelle eines Herzens, keinen Pflasterstein haben!


- Mehr Fotos von Essie Jain [wären] hier







 

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