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Freitag, 6. Januar 2017

Witching Waves, Köln, 03.10.16

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Konzert: Witching Waves
Ort: Tsunami Club, Köln
Datum: 03.10.2016
Dauer: gut 45 min
Zuschauer: gut 25



Im vergangenen Sommer war ich da, wo ich Ende Juli immer bin, in Ripley in Derbyshire. Und da es beim Indietracks so viele unbekannte Perlen zu entdecken gibt, darf man nicht normalen Festival-Regeln folgen und die ersten Bands des Tages streichen, es könnte sich um kommende Lieblingsgruppen handeln.


Witching Waves aus England spielten auch am Sonntagmittag, deren Platten kannte ich aber bereits, also hätte ich den Auftritt unter keinen Umständen verpasst. Nach dem kurzen aber schönen Konzert ging ich zum Merch und sprach Schlagzeugerin Emma an, ob sie sich ein Konzert in Köln vorstellen könne. Die Reaktion war freundlich aber verhalten, wenige Wochen später kam jedoch die konkrete Anfrage für ein Konzert im Oktober. Wir wurden uns schnell einig, auch wenn der 3. Oktober kein perfekter Termin für eine Veranstaltung ist.

Am Nachmittag traf ich Emma und Mark in der Stadt. Wegen des kurzen Vorlaufs und des schwierigen Termins hatte ich keine Vorgruppe für das englische Duo gesucht. Als wir beim Smalltalk über ihr Konzert in Freiburg am Vorabend sprachen, ihr erstes in Deutschland, erzählte Emma, der Veranstalter habe vorher mit ihnen gesprochen und ihnen mitgeteilt, daß Bands bei ihm mindestens 45 Minuten zu spielen hätten. Sie hatten aber nur ein Set von gut 20 Minuten. Also mußten sie improvisieren, ein Lied doppelt spielen, eines strecken. 


Ich wäre nie auf die Idee gekommen, daß die Auftrittszeiten ein Problem bei einem Konzert sein könnten. Dadurch, daß diese Diskussion aber schon in Freiburg stattgefunden hatte, war das Problem gelöst. Puh!

Am frühen Abend hatte sich die Band in den Backstage-Raum des Tsunami zurückgezogen. Als ich den beiden Getränke brachte, übten sie mit ausgestöpselter Gitarre (Mark) und Trommeln auf den Beinen (Emma) ein weiteres Lied ein. Sie nahmen die 45-Minuten-Regel also überaus ernst.


Meine Befürchtungen, was die Größe des Publikums anging, wurden leider erfüllt. Gerade mal 25 Zuschauer waren ins Tsunami gekommen. Für eine Band, die keiner kennen konnte, ist das objektiv an einem Feiertag aber wohl gar nicht schlecht; meine Wahrnehmung ist aber eben, daß eine solch tolle Band auch ein großes Publikum verdient.



Beim Indietracks hatten Emma und Mark noch mit Bassistin (Ruth) gespielt (es war ihr drittes Konzert), in Deutschland waren die beiden alleine. Emma und Mark singen beide, sie hinter dem Schlagzeug, er an der Gitarre. 

Sie begannen ihren Auftritt mit einem Instrumental-Stück, bevor mit Better run der erste von einigen Ohrwürmern folgte. Ich habe 2016 so oft Witching Waves gehört und liebe viele der Songs immer mehr. Better run und Seeing double sind aber immer noch meine Lieblinge. Obwohl sie zwei Platten und ein paar Singles und EPs haben, spielten Witching Waves (mindestens) drei neue Lieder. Alle drei waren toll, ganz besonders Disintegration gefiel mir ausgezeichnet!

Mal singt Emma, mal singt Mark, mal beide, immer ist eine Menge Energie in den Liedern.

Nach Seeing Double (es war das sechste von dreizehn Liedern), sagte Mark, sie seien jetzt normalerweise fertig. Aber heute gebe es ein "special long German set." Und es folgte ein zweites komplettes Konzert, der Abend in Köln war also der längste Witching Waves Auftritt bis dahin! 

Nachdem mit Barber das letzte eigene Lied gespielt war, fragte Mark, ob sie noch ein Rolling Stones Cover spielen sollten. Es wurde (I can't get no) satisfaction und klappt trotz kleinerer Textprobleme sehr gut.

Ja, natürlich hatten die Witching Waves ein größeres Publikum verdient, aber auch so war der Abend ein sehr schöner.

Setlist Witching Waves, Tsunami Club, Köln:

01: Instrumental
02: Better run
03: Best of me (neu)
04: Eye to eye
05: Inside outside (neu)
06: Seeing double
07: Disintegration (neu)
08: Sleepwalking
09: Creeping
10: Twister
11: Concrete
12: Barber
13: (I can't get no) satisfaction (The Rolling Stones Cover)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Witching Waves, Ripley, 31.07.16



Montag, 4. April 2016

Desperate Journalist, Köln, 30.03.16

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Konzert: Desperate Journalist (& Woog Riots)
Ort: Tsunami Club, Köln
Datum: 30.03.2016
Dauer: Desperate Journalist gut 50 min, Woog Riots knapp 40 min
Zuschauer: ca. 65



Über ein Konzert zu schreiben, das ich selbst veranstaltet habe, ist nicht ganz leicht, weil ich befangener bin als ein Mitglied der FIFA-Ethikkommission. Natürlich liebe ich die Bands, die ich einlade, sonst würde ich das ja nicht machen. In den letzten Monaten habe ich außerdem das Tsunami als tollen kleinen Club für Konzerte kennengelernt, in dem Bands ausgezeichnet klingen können. Was sollte da also schiefgehen? Das alte Theorie/Praxis-Spiel... Es kann eine ganze Menge in die Hose gehen.

Objektiv war da kein Risiko. Desperate Journalist sind eine der aufregendsten Bands, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe. Sängerin Jo Bevan klingt auf Platte toll, ist live aber um Längen eindrucksvoller. Die Songs der Band müssen sich vor nichts verstecken. Irgendwer sagte nach dem Konzert, Desperate Journalist wären vor 20 Jahren riesig geworden. Ob eine Band heute überdurchschnittlich bekannt und erfolgreich werden kann, hängt vermutlich hauptsächlich vom Glück ab. Desperate Journalist haben alles, um auf sehr viel größeren Bühnen als bisher zu spielen, brillante Musiker, eine charismatische Sängerin und einige riesige Hits! 


Nachdem ich die Band im letzten Juli beim Indietracks in Mittelengland kennengelernt hatte, schickte ich ihr eine Buchungsanfrage für etwas anderes, später im Jahr. Als dann eine Deutschland-Tour gebucht werden sollte, leitete mir ein Kölner Freund das Angebot weiter, das hiesige Konzert zu veranstalten. Meine Booker-Tätigkeit hatte mit einem Abend mit drei spanischen Indiepop-Bands im Januar angefangen, der dank der Gruppen ein großer Spaß und dank des Clubs alles andere als katastrophal war. Also ja. Ich hatte mir irgendwann vorgenommen, nur Bands zu veranstalten, in die ich mich beim Indietracks verliebt habe. Das passte also.

Kurz nachdem das fix war, mailte ich mit Silvana von den Woog Riots, einer irre tollen Darmstädter Elektro-Pop-Band. Die Woog Riots hatte ich beim Indietracks 2013 leider verpasst, hatte das aber zwei Monate später in Darmstadt (deutsche Midlands) nachgeholt und toll gefunden. Wir waren uns schnell einig, daß sie die perfekte Ergänzung zu Desperate Journalist wären. Also wenigstens im Prinzip. Denn am nächsten Tag spielte der 1. FC Köln gegen Darmstadt 98. Da ich langsam wieder verlernen möchte, wie sich Abstiege anfühlen, machte ich meine Konzertzusage davon abhängig, daß Köln in Darmstadt nicht verlieren dürfte. Das Spiel endete wie üblich 0:0, ich hatte also meine zweite Band fürs zweite Konzert.


Die Woog Riots waren ursprünglich eine fünfköpfige Band, sind seit Jahren aber ein Duo, bestehend aus Silvana Battisti und Marc Herbert. Keyboard und Bass. So wie Elektrobands also instrumentiert sind. Was Silvana neben ihrem Keyboard aber nach und nach an Instrumenten hervorzauberte, war phänomenal. Schon beim Soundcheck ging mein Herz auf, als sie nach einem Stuhl fragte, weil sie eine singende Säge spielen werde. Das wundervollste aller Instrumente! Also das wundervollste jedenfalls nach dem (der?) Omatone, einer großen Musiknote aus Plastik, die am Hals wie ein Sylophone gespielt wird und deren Mund die Töne dann verzerrt. Omatones sehen wie Spielzeuge aus. Ich habe mir vor einigen Jahren eine (eines?) in einem Museumshop gekauft, hatte aber nie gedacht, daß man mit dem lustigen japanischen Quatsch auch ernsthaft Musik machen kann. 

Die Omatone war Teil der Instrumentierung bei Alan Rusbridger vom gleichnamigen neuen Album der Hessen. Alan Rusbridger ist der ehemalige Chefredakteur des Guardian, in dessen Zeit die Auswertung der Wikileaks-Dokumente fiel. Damals sollte der Guardian die Festplatten mit den Wikileaks-Daten der Regierung übergeben, ließ sie aber lieber (unter Aufsicht staatlicher Stellen) vernichten. Ich weiß ansonsten nicht viel über den Mann. Wer erreicht, daß Doctor ihn in einer Wikileaks-Verfilmung darstellt und von den Woog Riots ein Album und einen Song (mit Omatone) gewidmet bekommt, muß ein verflucht glücklicher Mensch sein. Vermutlich ist Rusbridger auch Leicester City Fan. 

Vom neuen (bereits fünften!) Album des Duos stammten einige Titel, das großartige Moscow Domodedovo, das eine andere Wikileaks-Seite beschreibt, den Aufenthalt von Edward Snowden auf dem Moskauer Flughafen, The zombie system, Gentrification, Popsongs mit Botschaften, tanzbare Gesellschaftskritik quasi. Mein Liebling von den neuen Sachen war wohl neben DME Emma Momoka (mit singender Säge!). Oder doch Rain am Ende? Am meisten hatte ich aber von einem der alten Hits. People working with computers war bis zum Wochenende mein Dauerohrwurm! Warum kennt nicht jeder die Woog Riots? Warum kann jemand wie ich diese großartige Band buchen? Wenn ich musikalischer wäre, würde ich Lieder über solche Mißstände schreiben!

Auch bei den Woog Riots war ich vorher sicher, daß sie toll sind. Dann zu sehen, daß das Publikum tanzt und sich offenbar auch amüsiert, war aber schon ein wenig beruhigend. Uff! Veranstalter kleben bei Konzerten gerne an Vorgruppen das Label "special guest", um sie aufzuwerten. Für mich waren die Woog Riots auch besondere Gäste - aber im wörtlichen Sinne. Wenn ich Konzerte mache, möchte ich Bands haben, die keinen Support brauchen. Da aber zwei Gruppen besser als eine sind, spielt vorher eben noch eine andere tolle Band.


Setlist Woog Riots, Tsunami, Köln:

01: Alvin Toffler
02: Alan Rusbridger
03: Last beat
04: Moscow Domodedovo
05: George Harrison
06: From Lo-Fi to disco
07: People working with computers
08: The zombie system
09: Gentrification
10: Emma Momoka
11: Friends of mine (Adam Green Cover)
12: Rain

Desperate Journalist hatten beim Indietracks auf der Indoor-Stage gespielt, die eine Lok-Werkstatt ist und den Charme eine Lagerhalle hat - leider auch deren Sound. Der Soundmann des Tsunami hatte zwar keine Blechdach-Halle zu beschallen, sehr viel einfacher ist der Job in dem Kellerclub aber vermutlich auch nicht. Er schaffte es aber im kurzen Soundcheck, daß Desperate Journalist wirklich hervorragend klangen.

Warum die Musik der Band mit dem wundervollen Namen so gut ist, hat viele Gründe. Die Melodien sind grandios, Hits wie Happening, Control, Cristina phänomenal. Ganz besonders ist aber Jos Stimme. Vermutlich wäre Happening mit einer anderen Sängerin auch ein gutes Lied. Aber ein Knüller ist es eben so! Und daß da nicht aus einem Stimmchen im Studio etwas für die Platten gezaubert wurde, zeigte Jo beim ersten Stück Control. Wow! Ich hatte das schon erlebt, die Wirkung war gleich. Welch eine super Band.

Neben (und hinter) Jo spielen Gitarrist Rob Hardy, Bassist Simon Drowner und Schlagzeugerin Caz Hellbent. Jos Stimme und ihr Bühneverhalten verführen dazu, nur sie zu beobachten. Sie spielt kein Instrument, was bei Musikern oft zu komischen Ersatzhandlungen führt. Jo löst dieses Instrument-fehlt-Dilemma eleganter als die anderen. Sie wickelt sich das Mikrokabel wie Ketten um den Hals. Das Kabel in Köln war rot und wirkungsvoll. Auch wenn das ein tolles Schauspiel ist, sind ihre Kollegen genauso sehenswert. 


"Warum spielen die nicht viel größer?" fragte mich ein Freund nach Control. Wenn die Band nicht alles falsch macht, wird sie das hoffentlich! Ich hätte gerne mehr für das Konzert geworben, sehr viel mehr Leute hätten verdient gehabt, den ersten Deutschland-Auftritt der Londoner zu sehen!

Desperate Journalist spielten vor allem Stücke des im vergangenen Jahr erschienenen (und auf Vinyl ausverkauften) Debüts. Leave me von der EP Good luck, die nach der Platte erschienen war und Wait von der Vor-Album EP Cristina.

Als letztes Lied spielte die Band Organ mit Elizabeth my dear von den Stone Roses als Einleitung, fabelhaft, und als Zugabe die B-Seite Kitten, die eine eigene Jutetasche hat. 


"Never apologize, never explain." Also kann ich auch von diesem Konzert schwärmen, puh!

Setlist Desperate Journalist, Tsunami, Köln:

01: Control
02: O
03: Leave home
04: Remainder
05: Wait
06: Nothing
07: Eulogy
08: Heartbeats
09: Happening
10: Cristina
11: Distance
12: Organ (mit Intro Elizabeth my dear (Stone Roses Cover))

13: Kitten (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Desperate Journalist, Ripley, 25.07.15

- Woog Riots, Darmstadt, 19.09.13
- Woog Riots, Berlin, 22.05.08




Sonntag, 7. Februar 2016

Verbena Pop, Köln, 29.01.16

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Konzert: Verbena Pop mit The Royal Landscaping Society, When Nalda Became Punk & Linda Guilala
Ort: Tsunami Club, Köln
Datum: 29.01.2016
Dauer: The Royal Landscaping Society knapp 40 min, WNBP knapp 45 min, Linda Guilala knapp 50 min
Zuschauer: etwa 70



Im Juli 2013 fuhr ich zum ersten Mal zum Indietracks Festival nach Ripley (Midlands). Ich hatte vorher jahrelang gezögert, dieses Minifestival zu besuchen, vor allem wegen der teuren Anreise. Wie saudoof das war, merkte ich nach meinen ersten paar Stunden Indietracks. Hier würde ich jetzt immer hinfahren und zahllose Lieblingsbands kennenlernen. 

Auf meinem ersten Indietracks spielten When Nalda Became Punk aus Vigo. Der Auftritt der höchstsympathischen Spanier begeisterte mich restlos. Später am Rande meines - nun ja - "How to create iconic indiepop album covers in Lego" - Workshops kamen wir ins Gespräch. Durch diesen Kontakt entstand die Idee, die Naldas (und eine zweite Band) irgendwann einmal nach Deutschland zu bekommen. 

2014 bei meinem zweiten Indietracks spielten The Royal Landscaping Society (Sevilla) und Linda Guilala (Vigo). Noch zwei neue Lieblinge! Und noch zwei Kandidaten für eine Köln-Konzert-Spinnerei.

Die stellte sich schnell als große Schnapsidee raus. Nach ersten Geprächen zeichnete sich ab, daß sich selbst die bescheidenen Vorstellungen der Spanier, nur die Reisekosten einspielen zu müssen, als utopisch herausstellten. Ein Freund rechnete mir vor, was eine Minitour mit zwei Bands kosten würde, ohne fremde (finanzielle) Hilfe würde das nicht funktionieren. Dummerweise funktionierte aber die auch nicht. Spanische Firmen, deutsche und spanische Kulturinstitute, Handelskammern, Fremdenverkehrsorganisationen, Lutscherhersteller... es kamen entweder keine Antworten* oder "viel Glück, tolle Idee, wir haben aber keine Etats" mails. Da auch die (gegen Werbung auf den Plakaten) angebotene Lutscherpackung keine Flugtickets gezahlt hätte, war ich reichlich desillusioniert. 

Und was hilft in solchen Momenten? Das Indietracks.

Gemeinsam mit Olaf aus Berlin stand ich Samstag oder Sonntag im Merchzelt und wartete auf den Überraschungsauftritt von Cris Romero, dem Sänger der Royal Landscaping Society. Im Publikum des Indietracks sind immer irre viele Musiker von Bands, die in den Vorjahren dort aufgetreten sind. Einige von denen spielen kleine akustische Konzerte im Verkaufszelt. Am Rande von Cris kurzem Auftritt erwähnte ich meine gescheiterten Bookingpläne. "Das wollte ich auch machen! Die Naldas und die Landscapers! Komm, lass uns das gemeinsam organisieren! Aber mit drei Bands. Linda Guilala als dritte?" Da Cris da war, sprachen wir ihn bei nächster Gelegenheit an, und verabredeten, den Rest mit den beiden anderen Bands bei Facebook zu besprechen. Mitte August stand die Idee. Die drei Gruppen waren begeistert, Clubs in Köln und Berlin, Flüge, alles fand sich. Einfach würde die Sache nicht werden. Drei Bands bedeutete elf Musiker. Und Billigflüge bedeuteten, daß Instrumente und Verstärker vor Ort geliehen werden mussten. Ich redete mir das damit schön, daß kommende Konzerte, die ich organisieren würde (die nächsten waren das schon in der Planung), viel weniger schlimm werden würden.

Und dann war es Freitag 18 Uhr und meine drei liebsten spanischen Bands standen im Tsunami und machten ihren Soundcheck... 

Die kleinen Pannen (das Pedal für die Bassdrum hatte der Verleiher vergessen, die Diskussionen zwischen zwei Experten und google, was genau "TRS to XLR cables" sind und wofür man die braucht, hatte so lange gedauert, daß wir die bestellten Jutebeutel nicht mehr abholen konnten, den Drucker aber auch nicht telefonisch erreichen konnten, damit er den Karton irgendwo draußen abstellt) endeten pünktlich vor Konzertbeginn - und um kurz nach neun begannen The Royal Landscaping Society ihr Set vor wundervoll vielen Leuten. Die Landscapers sind Cris, María, David und Juan Luis. Wäre die Band zweieinhalb Jahrzehnte vorher entstanden, hätte sie vermutlich Singles bei Sarah Records veröffentlicht. Neben Einflüssen wie den Field Mice oder Brighter klingen aber auch New Order immer wieder aus den wundervollen Stücken der Andalusier raus, das wurde mir live ganz deutlich.

The Royal Landscaping Society spielte alle Songs ihrer grandiosen Debüt-EP (die sie am Merch-Tisch als Button mit Downlod-Code verkaufte, physisch ist sie lange ausverkauft) und zwei mir unbekannte Lieder (San Sebastían und There's nothing left to look forward to). Während unserer Planungen und Absprachen hatten die Landscapers und die Naldas überlegt, daß es ja ein wenig doof sei, einen spanischen Indiepop-Abend zu veranstalten, bei dem zwei der Bands nur englische Songs spielten. Die Royal Landscaping Society coverte also einen Popklassiker aus ihrer Heimat, Perlas ensangrentades von Alaska y Dinarama, mit When Nalda Became Punk Sängerin Elena als Gast.

Ich bin parteiisch... Ich habe den Auftritt der Band geliebt! Gottseidank war die Resonanz auch richtig gut. Ich hatte zwar keine Angst vor enttäuschtem Publikum, schließlich hatte ich alle drei Gruppen schon auf Bühnen gesehen, beruhigend war es aber trotzdem!


Setlist The Royal Landscaping Society, Verbena Pop, Köln:

01: Clean
02: Friends and lovers
03: There's nothing left to look forward to
04: Lalala
05: San Sebastián
06: Perlas ensangrentadas (Alaska y Dinarama Cover) (mit Elena Sestelo)
07: Goodbye
08: Frost
09: Early sunrays



Nach kurzem Umbau kam die nächste Band mit tollem Namen, When Nalda Became Punk. Die Naldas - Elena, Roberto, Antonio und Bruno - haben 2013 eine atemberaubend schöne Debütplatte (A farewell to youth), 2014 die fast noch bessere EP Indiepop or whatever (mit vier Hits, u.a. Song for Carrie Mathison) veröffentlicht. Meine heimlichen Lieblinge sind aber das Lied über Elenas und Antonios Dackel Truffaut, the dog und die Single When Nalda Became Punk.

Als das Quartett aus Vigo begann, tanzten einige im Saal. Uff! Auch die kamen also gut an. Ganz ehrlich... wenn die Naldas halbgute Lieder singen würden, würde man sie trotzdem lieben, weil die Musiker so unglaublich sympathisch sind. Ich hatte mich 2013 nicht nur in die Musik sondern auch in die Band verliebt. Aber ihre Lieder sind ganz und gar toll!


Elena und die drei Jungs noch einmal zu sehen, war also jede überwundene Widrigkeit wert!


Die vier aus Vigo spielten Stücke von ihrer Platte und ihrer EP und zwei neue Lieder (Long before und New year's day). Antonio kündigte an, daß später im Jahr eine 10" Platte erscheinen werde (juchuuu!). Als ich nachmittags Cris (einem ausgemachten Field Mice Fan) den Einlaß-Stempel gezeigt hatte (mit meiner Lego-Version des Sensitive-Covers), freuten sich die Naldas besonders und stempelten ihre Setlisten ab. Warum, zeigte sich Mitte des Konzerts. Ich hatte auf ein Cover gehofft. Die Band hat vor ein paar Monaten ein Belle & Sebastian Konzert gespielt und Lieder jeder Platte unserer gemeinsamen Lieblinge aus Glasgow gecovert. Für die Minitour hatten sie sich Emma's house von den Field Mice ausgesucht, herrlich!

Ich bin parteiisch... Ich habe den Auftritt der Band geliebt! Aber scheinbar nicht nur ich!

Setlist When Nalda Became Punk, Verbena Pop, Köln:

01: When it'll come 
02: Indiepop or whatever 
03: DIY 
04: Before 5 
05: New year's day 
06: Song for Carrie Mathison 
07: Emma's house (The Field Mice Cover)
08: Daylight saving time 

09: Long before 
10: Sometimes 
11: When Nalda became punk

Ich hatte mich auf alle drei Bands gleich gefreut! Es war eine Tripel-Headliner-Show! Bei Linda Guilala kam aber eine kleine Gemeinheit dazu, die meine Vorfreude noch mal steigerte. Linda Guilala (auch aus Vigo) haben 2009 eine Platte (Bucles infinitos) und 2011 eine EP (Paranormal) veröffentlicht, die sehr schöne Popsongs enthalten. 2014 erschien die Xeristar EP, die stilistisch einen Bruch darstellte. Linda Guilala sind darauf viel noisiger. Aus den schönen Popsongs wurden grandiose Shoegaze-Stücke! Beim Indietracks 2014 hatte mich die Band komplett auf dem falschen Fuß erwischt und mit ihren lauten Gitarren umgehauen! Wobei "Gitarren" Unsinn ist, weil es nur eine gibt. Aber Gitarrist Bruno hatte immerhin zwei Verstärker.

Neben Bruno sind Linda Guilala Sängerin Eva und Schlagzeuger Iván. Eigentlich hätte man die Augen zu machen müssen und sich von der herrlichen Musik wegtreiben lassen müssen. Dann hätte man aber verpasst, wie Iván sein Schlagzeug verprügelte und Bruno vor ihm mit dem Rücken zum Publikum hin- und hertigerte. 

Die drei Linda Guilalas kannte ich vorher nur vom Mailen. Aber auch Eva, Iván und Bruno sind schrecklich nette Menschen!

Ich kannte wenige der Songs, die die drei Krachmacher spielten. Ein neues Album erscheint bald, viele der gespielten Stücke werden darauf enthalten sein. Ach, es war herrlich - genau so, wie ich es mir erhofft hatte!


Ich bin parteiisch... ja, ja. Wundervoll war es!

Setlist Linda Guilala, Verbena Pop, Köln:

01: Abisal
02: Miedo
03: Chicas guapas
04: No me veis
05: Ciudades pequeñas
06: Cosas nuevas
07: Verano
08: Abstinencia
09: Lo siento mucho
10: Accidente
11: Sábados de tormenta
12: Monstruo
13: Ultima vez

Erstaunlicherweise fühlte sich der Abend wie ein echtes Konzert an. Das lag natürlich nicht am hochstapelnden Veranstalter sondern an den drei fabelhaften Bands, die aus den widrigen Umständen (fremde Stadt, Anreise erst unmittelbar vorher, fremde Instrumente...) das beste machten. Vorher hatten sie sich zum Beispiel abgesprochen, wer welche Pedale mitbringt, um Reisekosten zu sparen. 

Richtig doof an dem Abend war eigentlich nur, daß das Konzert meine Ambitionen, Lieblingsbands nach Köln zu holen, nicht gebremst hat.

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Royal Landscaping Society, Ripley, 26.07.14
- When Nalda Became Punk, Ripley, 27.07.13
- Linda Guilala, Ripley, 26.07.14


* cheers, Radeberger!





Fotos: Claudia
Liner Notes:
Muchas gracias WNBP, Linda Guilala y The Royal Landscaping Society, Olaf, Tsunami, Philipp, Box & Mike, Laura & Nelle, Christina & Thomas, Claudia, Oliver, audiencia!

Samstag, 22. März 2014

coctail twins, Köln, 21.03.14

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Konzert: coctail twins
Ort: Tsunami, Köln
Datum: 21.03.2014
Dauer: gut 30 min
Zuschauer: sehr volles Tsunami



Vor ein paar Wochen tauchte bei Facebook ein erstes Lied einer neuen Band namens coctail twins auf. Leider wusste ich da, wer sich hinter dem Namen verbirgt. Leider, weil dadurch der Aha-Effekt weg war, erst das großartige Stück zu hören und dann zu erfahren, wer sich hinter coctail twins verbirgt. Hätte ich das Lied unbedarft gehört, wäre ich sicher gewesen, eine britische Band zu hören, die ich in einem der nächsten Sommer bei End Of The Road oder Primavera hören würde. Rooms made of dust trifft meinen Musikgeschmack auf den Punkt und füllt die Lücke zwischen Siouxsie and the Banshees (die alte Version, nicht die abgehalfterte von vor ein paar Jahren) und aktuellen Lieblingsbands wie Still Corners, Beach House oder Fear Of Men

Freitag erschien Our fears, die Debüt-EP der Kölner Band. Und wow, die Gruppe ist schon jetzt kein One-Hit-Wonder mehr!

Freitag fand auch das erste Konzert der coctail twins statt, als Support der italienischen Be Forest. Vor großem Publikum (mit großen Erwartungen) spielte das Trio eine knackige halbe Stunde und begeisterte mich sofort. 

Aber über 30 Minuten kann man natürlich sehr viel mehr schreiben.... Nachher also ausführlicher. Ist schließlich der erste Bericht von einem coctail twins Konzert. Aber ganz sicher nicht der letzte! Bitte wiederkommen!

Setlist coctail twins, Tsunami, Köln:


01: Waiting for the birds (dreamed)
02: Rooms made of dust
03: Perfume well
04: My house
05: Sometimes the waves
06: Curtains

Montag, 18. Mai 2009

Billie The Vision & The Dancers, Köln, 17.05.09

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Konzert: Billie The Vision & The Dancers
Ort: Tsunami, Köln
Datum: 17.05.2009
Zuschauer: gut 70
Dauer: genau 60 min


Auf Billie The Vision & The Dancers wurde ich bei last.fm aufmerksam. Die Band tauchte nämlich immer wieder in den Playlisten von Leuten mit gutem Musikgeschmack auf. Das tat die schwedische Gruppe live jedoch leider nicht. Bis zur jetzigen Tour spielten Billie The Vision & The Dancers lediglich sechs Konzerte in Deutschland, allerdings nur in schwedennahen Orten wie Bremen, Hamburg oder Oldenburg (Leipzig war zumindest im 17. Jhd nah an Schweden, sein König starb sogar in der Ecke).

Also mußte ich nicht lange nachdenken, obwohl mir mein letzter Besuch im Tsunami in so schlechter Erinnerung geblieben war, daß ich keinen Fuß mehr in den Club setzen wollte (das war wie am Ende einer Beziehung, plötzlich kommen auch all die Kleinigkeiten hoch, die eigentlich nie schlimm waren: Musik vorher zwar gut aber zu laut, Parkplatzsituation so wie auf der Hohe Straße Samstag vor Weihnachten...). Heute war alles erstaunlich anders. Man kann parken, während des Konzerts herrschte Rauchverbot und die Musik vorher war toll und nicht ohrenbetäubend. Ich mochte das Tsunami wieder sehr.

Ich glaube, es war halb zehn, als die Musiker sich Richtung Bühne bewegten. Wer schon einmal im Tsunami war, weiß wie wenig Platz da für Bands ist. Daß Billie und Dancers zu siebt auftreten, hatte ich auch aufgeschnappt. Aber Ahnung, wie das funktionieren sollte, hatte ich nicht. Vorne standen vier Mikros, teilweise sehr niedrig aufgebaut, dahinter Schlagzeug und Percussions - und ganz wenig Platz.

Billie The Vision And The Dancers sind als Soloprojekt des Sängers Lars Lindquist entstanden, der nach den Aufnahmen des Debütalbums aber merkte, daß die Musik, die er sich wünscht, anders arrangiert sein müsste. Also suchte er musikalische Verstärkung und fand sie in diversen Freunden, die schließlich zur heutigen Band führten.

Auf dem Bühnchen standen dann neben Lars (der Minirock und -hemdchen trug) Trompeterin Frida Brattgå
rd (mit traumhaften Glitzerleggins und Puffärmelbluse!), Gitarrist Gustav Kronkvist (mit Assi-Palme), Gitarrist John Dunsö (rote Samtschlaghose und rote Weste), Percussionist Silvio Arismendi, Bassistin Mia Carlsson und Lars' Bruder Jon am Schlagzeug. Normalerweise gehört wohl auch Fia Janninge zur Band, sie war allerdings nicht dabei. Fia scheint allerdings keine Konkurrentin des aus Argentinien stammenden Trommlers Silvio zu sein, die Google-Suche fand gemeinsame Fotos der beiden mit (teilweise sehr kleinen) Kindern, die beiden verbindet wohl nicht nur ihr Instrument.

Das Tsunami war erstaunlich voll für eine Band, die erstmals in Köln - und dann gleich gegen einen aktuellen Hype auftrat (The Dø
- Oliver hat über dieses Duo bereits mehrfach aus Paris geschrieben). Sicherlich 70 Leute waren gekommen, und die meisten kannten die Band so gut, daß sie kräftig mitsangen.

Billie etc. haben 2008 ihr viertes Album bei ihrem eigenen Label Love Will Pay The Bills veröffentlicht. Auf der Band Webseite gibt es alle Lieder zum kostenlosen Download, man verpasst dann aber das wundervolle Artwork und die Chance, eine fabelhafte Band zu unterstützen!

Das Konzert bestand aus Liedern aller Platten, die zwei Dinge gemeinsam hatten: sie ließen die Leute feiern und sie handelten mehrheitlich von Pablo. Ich habe selten solch eine gute Stimmung bei einem kleinen Konzert erlebt! Die Fröhlichkeit und Freude der Band (die sich in den Lieder gar nicht unbedingt widerspiegelt), steckte sofort jeden an. Es gab keine Grüppchen von Leuten vor der Bar, alle standen vorne und feierten! Ganz ganz toll!

"Habt ihr uns schon mal gesehen?" eröffnete Lars. "Gut, dann kann ich die gleichen Ansagen machen, die kennt ihr ja nicht!" Auch wenn man sie schon zigmal gesehen hätte, es wären vor allem die sagenhaften Melodien, die Stimmung auf und vor der Bühne, die Inbrunst, mit der Lars und Kollegen vortrugen und die tolle Instrumentierung hängengeblieben. Da noch auf die Ansagen zu achten, wäre Luxus. Frida spielte neben Trompete auch bei einigen Liedern Akkordeon. Spätestens damit, und mit den Leggins hatte sie mich vollkommen erobert!

Es ist schwer (aber auch nicht nötig), Lieder hervorzuheben, da das einstündige Konzert keinerlei Hänger hatte. Einhellige Meinung hinterher war, daß die Band noch ewig hätte weiterspielen sollen! Trotzdem gab es ein paar besondere Knüller. Nightmares, die letzte Zugabe war außerordentlich toll, genau wie Summercat oder Absolutely, salutely oder Ask for more...

Lars sagte dann irgendwann, sie suchten eine neue deutsche Lieblingsstadt. Bisher sei Bremen ihr Favorit (sie haben da dreimal gespielt). Wenn wir gut wären, könnte Köln es werden. Mir ist das eigentlich gleich, ich habe einen neuen Live-Favoriten gefunden. Und dafür lohnen sich auch Touren in exotischere Städte, falls BTVATD nicht zurück nach Köln kämen. Daran habe ich aber auch keinen Zweifel, denn so begeistert, wie die Schweden aufgenommen wurden, kommen sie sicher wieder. Den Beweis dafür dokumentierte Lars dann auch per Handycam. Er machte Vorher/Nachher-Bilder von uns, um zu kontrollieren, wie wir uns amüsieren!

Meine Lieblingsszene war aber eine andere: Lars sang gerade den Refrain von I saw you on TV (" I need love"), hielt das Mikro lässig über die Schulter, in das Gustav dann "so much love" sang. Wundervoll! Wie alles an diesem Abend! Eine grandiose Band, die viel mehr Beachtung verdient!

Setlist Billie The Vision & The Dancers, Tsunami, Köln:

01: Groovy
02: Stay awake
03: A man from Argentina
04: My love
05: Someday somehow
06: Ghost
07: Ask for more
08: So you want me to bleed
09: I miss you
10: Absolutely, salutely
11: Summercat

12: Goodnight sweetheart (Z)
13: Vamos a Besarnos (Z)
14: I saw you on TV (Z)
15: Nightmares (Z)

Links:

- Konzertbesucher von Billie The Vision & The Dancers könnten auch mögen:
- The Hidden Cameras
- Jens Lekman
- Björn Kleinhenz
- die Shout Out Louds

Fotos folgen!




Donnerstag, 2. Oktober 2008

Someone Still Loves You Boris Yeltsin, Köln, 01.10.08

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Konzert: Someone Still Loves You Boris Yeltsin (& Periscope & It's Not Not)
Ort: Tsunami Club, Köln
Datum: 01.10.2008
Zuschauer: ca. 70


Die freie Parklücke 50 m vor dem Tsunami Club mitten im Kölner Süden hätte uns stutzig machen müssen. Hier treibt jemand ein bitterböses Spiel mit uns...

"Eure Tickets bitte! Und jetzt müsst ihr bitte jeder ein Formular ausfüllen, Name, Anschrift und Unterschrift!" "Ähh. wieso?" "Ihr müsst Mitglied im Raucherclub werden, um reinzukommen!" "Wir haben Konzertkarten gekauft und wollen rein, wir wollen in keinen Raucherclub" "Wenn ihr das nicht ausfüllt, könnt ihr nicht rein! Ok, es reicht, wenn das einer ausfüllt..." "Nein, wir wir wollen bloß das Konzert sehen. Sonst möchten wir die Tickets zurückgeben" "Na gut, dann geht ausnahmsweise so rein." Die Frauen, die sich nach uns angestellt hatten, füllten nach kurzem Einwand ("Aber ich rauche doch gar nicht!") brav das Formular mit allen Angaben aus, wie wahrscheinlich die meisten der (in der Regel) nichtrauchenden Zuschauer im Tsunami-Club in der Kölner Südstadt. Ein Club, den ich mal sehr gerne mochte.

Ich bin wirklich sehr toleranter Nichtraucher und habe schon viele Abende in Qualmwolken verbracht. Seit in vielen Clubs Rauchverbot herrscht, sind Abende aber unbestritten viel angenehmer.
Wenn allerdings keines herrscht, akzeptiere ich das auch. Dann stinkt es (und man) zwar mehr, es ändert sich jedoch nichts im Vergleich zu früher. Aber Mitglied in einem Raucherclub zu werden, damit die pfiffige Idee irgendeines Gesetzeslückensuchers umgesetzt und das Rauchverbot umgangen wird, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Das Bett in Frankfurt ist auch hier unübertroffen. Der kleine Club mit dem doofen Namen und tollen Programm weist darauf hin, daß das Rauchverbot in Kneipen unter 75 m² gekippt wurde. Weil man aber so gute Erfahrungen mit Nichtrauchen während der Konzerte gemacht hat und von vielen Besuchern gelobt wurde, bittet das Bett, auch weiterhin erst nach dem Konzert zu rauchen.

Die Skrupel, nicht jedem, der nett fragt, glaich Adresse, Name, email-Adresse, Handynummer, Kontodaten, Kreditkartennummer und PIN-Nummer zu geben,
hatten aber offenbar nicht viele, der Raucherclub Tsunami, bekam sicher 70 neue Mitglieder.

Wir waren also dann drinnen, kamen nicht auf die böse Idee, uns beim Ordnungsamt als Schwarz-Konzertgänger anzuzeigen und erlebten kurz danach die erste
Vorgruppe, It's Not Not aus Barcelona, die wohl ganz spontan zusätzlich auf dem Roster erscheinen waren. Die Tanzfläche war sehr leer, als die vollbärtigen Spanier begannen. Einige ihrer Ausrüstungsgegenstände hatten sie jenseits der kleinen Bühne aufgebaut. Dies geschah aber wohl nicht aus Platzmangel sondern schien zum Konzept zu gehören. Sänger Joel tanzte und hüpfte quer durch den Saal, drehte einem Zuschauer die Baseballkappe um, zog sie sich beim nächsten Vorbeitanzen ganz auf, nahm sich die Brille eines anderen Gasts und setzte die auf und jagte vielen mit dieser sehr eindringlichen Performance offenbar Angst ein. Musikalisch war es ähnlich wild, begeisterte mich aber nicht. Man kann die Musik vielleicht als Folkpunk bezeichnen, man mußte sie aber nicht mögen.

Die zweite Band des Abends hatte ich neulich als Vorgruppe von Jonquil im schönen Motoki Wohnzimmer erlebt. Damals hatten Periscope aus Köln ein recht leises Set gespielt und die Besucher begeistert. "Wir spielen für gewöhnlich alles was lauter," hatte da eines der Periscope Mitglieder erklärt. Im Tsunami stimmte das, sie spielten eine Ecke lauter, was dazu führte, daß mir viele Wiedererkennungseffekte fehlten. Es war sicher ein guter Auftritt, mir gefiel die ruhige Art des Wohnzimmerkonzerts allerdings besser. Wobei ich gar nicht bestreiten will, daß meine Laune und Müdigkeit mich auch weniger begeisterungsfähig machten als vor einem Monat in Ehrenfeld. Aber - da bin ich sicher - Periscope werde ich nicht zum letzten Mal gesehen haben!

Someone Still Loves You Boris Yeltsin ging dann ziemlich an mir vorbei. Nicht daß die Band schlecht wäre. Vor anderthalb Jahren hatte ich SSLYBY im Gebäude 9 erlebt
und war begeistert. Wie so oft, habe ich aber auch die Amerikaner danach etwas aus dem Auge und Ohr verloren und mich wenig mit ihrer Musik beschäftigt. Als ich dann nach längerer Zeit kürzlich wieder ihre zweite Platte Pershing gehört habe, fehlte mir ein wenig die große Begeisterung vom Frühling 2007. Keine Frage, SSLYBY machen schönen Indie-Pop. Im Tsunami hat es mich aber nicht vom Hocker gerissen. Auch hier war es sicher eine Kombination aus Müdigkeit, Aufnahme-Überlastung durch drei Bands mitten in der Woche und was auch immer. Aber es war im Ergebnis ein Konzertabend, an den ich mich sicher nicht mehr lange erinnern werde, daran konnten auch SSLYBY nichts ändern - auch ihre Instrumentenwechsel nicht, die mich im Gebäude 9 begeistert hatten.

Links:

- Someone Still Loves You Boris Yeltsin im Gebäude 9 (im Mai 2007)
- Periscope in Köln (September 08)
- die Fotos



Donnerstag, 21. Februar 2008

Born Ruffians, Köln, 20.02.08

1 Kommentare

Konzert: Born Ruffians & Frictane
Ort: Tsunami Köln
Datum: 20.02.2008
Zuschauer: 25 (brutto)


Vor ein paar Tagen habe ich in einem Blog von einer neuen kanadischen Band gelesen, die für zwei Konzerte nach Deutschland käme, die Born Ruffians aus Toronto. In Köln sollten sie im (im guten Sinne) niedlichen Tsunami Club in der Südstadt spielen. Trotz meiner typischen Tsunami Anfahrtprobleme (die Gegend ist ein Treffpunkt für einsame Einbahnstraßenschilder und hat keinerlei legale Parkplätze) war ich vor dem angesetzten Beginn der Vorgruppe da, gemeinsam mit etwa fünf anderen. In den folgenden Minuten strömten dann noch eine Handvoll anderer Besucher in den kleinen Raum, sodaß um neun alle da waren (kein Witz). Da alle aber bloß 25 bedeutete, war man sich seitens der Bands und des Clubs offenbar nicht sicher, ob man anfangen solle, es wurde noch auf einen volleren Laden gewartet. Dabei war eigentlich klar, daß es das war - leider! Denn obwohl der Club toll ist, die Band vielversprechend klang und die Eintrittspreise überschaubar sind, lockt eine Gruppe, die zu sehr Geheimtip in Deutschland ist und trotz eines namhaften Labels (Warp) für mich nicht wahrnehmbar beworben wurde, an einem Mittwochabend nicht mehr Leute hinterm Fernseher her. Mein erstes Blood Red Shoes Konzert hat aber auch vor unter 30 Zuschauern im Gebäude 9 stattgefunden hatte, das nächste war im Palladium mit Tausenden Leuten.

Offensichtlich schätzte man das dann richtig ein und wartete nicht noch auf Zuschauerwunder, denn die wären ausgeblieben.

Der Pausen-DJ wurde vermutlich nach einem ganz merkwürdigen Prämienschlüssel bezahlt. Die wenigen Zuschauer kompensierte er nämlich mit viel weiter aufgerissenen Reglern, es war unerträglich laut. Daß die Leute trotzdem blieben, sprach für echtes Interesse an den Bands, eine Flucht wäre der erklärbarere Reflex gewesen.

Mit einem "hallo, wir sind F******* aus Köln," erlöste schließlich um Viertel nach
neun eine vierköpfige Vorgruppe den Raum, "F********" deshalb, weil beim besten Willen nicht zu verstehen war, wie sie hießen. Lokaler Support hieß zuletzt meist, daß der Name eh nicht wichtig ist, weil ich die Band entweder schnell wieder vergaß oder (schlimmer) schnell wieder vergessen wollte. Bei F******* war das aber anders, das wurde beim ersten Lied deutlich. Frictane, wie ich dann später der Kreideaufschrift auf der Clubtür entnahm, waren nämlich richtig gut. Und zwar gut im Sinne von "CD kaufe ich!" Auch hier war es für meinen Geschmack viel zu laut, ich mag eigentlich Konzerte, die Krach machen sehr gerne und kann viel ab, irgendwann wird es aber zu einer Qual.

Gleich das erste Lied war für mich das beste der Kölner. Allerdings machte auch der Rest des vielleicht vierzigminütigen Auftritts richtig Spaß! Die Gruppe besteht aus Sänger und Gitarrist Thomas, Gitarrist Christian, Bassist Matthias und Schlagzeuger Björn. Was mir am deutlichsten auffiel, waren die treibenden, teils militärisch klingenden Rhythmen, manches erinnerte mich an die Good Shoes (auch, weil sich beide Sänger ein wenig gleichen), manches an die Pixies und ab und zu waren auch Gang of Four Ähnlichkeiten ausmachbar. Aber eben bloß Ähnlichkeiten, es war eigen genug, um interessant zu sein, eine wirklich wohltuend gute Vorgruppe! Das war was für mich.

Setlist Fricane Tsunami Köln:

01: Fever
02: We where so young
03: The man who had no face
04: Sweetest thing
05: Good souls
06: When your body moves
07: Follow
08: If you like
09: Automatic love
10: Born a dancer


Als Frictane fertig waren, relativierte sich die Besucherzahl noch einmal dramatisch, denn offensichtlich gehörten zwei Drittel der Leute irgendwie zu ihnen. Das war zwar bei Blind Circus vor The Strange Death of Liberal England auch so, da hatten die Angehörigen allerdings kein Interesse an der Hauptgruppe, im Tsunami war das glücklicherweise anders, denn ein weiteres Ausdünnen des Raums hätte wehgetan. Die Born Ruffians, die vorher interessiert ihrem Support zugesehen hatten, packten ein zweites Mikro auf die Bühne, bauten ein wenig um. Am eifrigsten war dabei Bassist Mitch, der mit seinem Lockenkopf ein wenig (Achtung! Hier kommt ein ganz großer Übergang!) wie Mika aussah, der gestern den Brit Award gewann. Bild online schreibt dazu: "Die im Libanon geborene Sängerin Mika erhielt den Preis als beste Newcomerin." Relax, take it ieeeehhhiiisiiii! Köstlich!

Neben Mitch bestehen die Born Ruffians aus Schlagzeuger Steve und Gitarrist und
Sänger Luke, der ein wenig zu groß für die Bühne war, ich wartete den ganzen Abend darauf, daß er sich seinen Kopf an der zwei Zentimeter entfernten Box stößt. Die Kanadier begann aus dem Soundcheck heraus, rhythmischer zu werden, Luke nahm sich dann ein au dem Boden liegendes Mikro und brummelte etwas, das dann in das erste Stück mündete. Stilistisch erinnerten mich die Born Ruffians (wie Oliver) vor allem an hörbarere Clap Your Hands Say Yeah. Die Melodien sind von häufigen Tempo- und Rhythmus-Brüchen geprägt, der Gesang besteht aus vielen Oh-oh-oh-Passagen, dazwischen schrieen Bassist Mitch und Schlagzeuger Steve in ihre Mikros. Definitiv also kein kanadischer Indie-Pop sondern experimenteller Indie-Rock. Die Lieder der Band klingen interessant, der Auftritt war sehr unterhaltsam, eine neue Lieblingsgruppe ist das aber leider nicht, weil es mir auf Dauer vermutlich zu anstrengend wird.

Stücke kannte ich vorher keine, daher weiß ich nicht, was die Jungs aus Toronto gespielt haben. Das kurzweilige Set endete um kurz nach elf nach etwa fünfzig Minuten mit einer Zugabe. Die Born Ruffians waren zum ersten Mal in Köln, es würde mich aber überraschen, wenn das der letzte Auftritt gewesen wäre.

Links:

- die Born Ruffians in Paris
- ein paar Fotos



Freitag, 14. September 2007

Overschmidt & Suzie Kerstgens, Köln, 13.09.07

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Konzert: Overschmidt & Suzie Kerstgens
Ort: Tsunami-Club, Köln
Datum: 13.09.2007
Zuschauer: ganz gut gefüllt


"And it seems to me you lived your life like a candle in the wind, never fading with the sunset when the rain set in. And your footsteps will always fall here along England's greenest hills. Your candle's burned out long before your legend ever will." Daß mich diese Zeilen einmal so verzücken, hätte ich mir bis eben in meinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. Aber die Verpackung macht's, habe ich heute gemerkt. Und mit den richtigen Musikern wird selbst der scheußlichste Song zu einen großen Knaller. "Candle in the wind" war eine von zehn grandiosen Cover-Versionen, die die Herren Overschmidt an ihrem ersten Tanzabend im Tsunami-Club zum besten gaben.

Die drei Overschmidts, Alex, Jens und Daniel (ehemals Angelika Express und Katze), veranstalten eine Partyreihe, zu der sie jeweils Gäste einladen, die dann mit ihnen gemeinsam "Lieblingslieder" vortragen. Gast der ersten Ausgabe war Suzie Kerstgens, die wundervolle Klee-Sängerin.

Glücklicherweise war das Konzert spät angesetzt, sodaß ich es doch noch schaffte, rechtzeitig im Tsunami zu sein, ein großes Glück, wie sich schnell herausstellte. Suzie (mit Glitzerstiefeln und Glitzerstirnband und aufgemaltem Ingo-Lenßen-Schnurrbart!)
und die Overschmidts baten uns, viel mitzusingen, wir würden die Lieder auch sicher erkennen. Sollten wir das nicht, würden sie sie wohl schlecht vortragen oder unsere Plattensammlung wäre schlecht.

Das Eröffnungslied war an den den ersten Gitarrentakten zu erkennen, "Blue Hotel" von Chris Isaak. Dabei war für mich erstaunlich, wie tief Suzies Stimme sein kann. Das Cover war sehr "werksnah" aber natürlich viel unterhaltsamer als das Original. Daß
nach wahrscheinlich wenigen Proben keine mitschnittreifen, auswendig vorgetragenen Lieder rauskommen würden, war vollkommen klar. Das war auch nicht der Anspruch des Abends. Es sollte eben unterhalten - das tat es - und zwar nach allen Regeln der Kunst. Trotz dieses improvisierten Charakters waren einige Stücke so brillant, daß ich liebend gerne einen Mitschnitt hätte. "Psycho killers" war absolut fabelhaft, "Cry me a river", vor dem Suzie panische Angst hatte und dann überrascht war, was ihre Begleiter alles an Geräuschen erzeugten, war toll. Erstaunlich, das kann ja ein gutes Lied sein! Schade, daß sie nicht auch noch "Toxic" gespielt haben. Überhaupt hätte ich noch stundenlang anderen Coverversionen zuhören mögen.

Dadurch, daß die Lieder nicht angesagt wurden (bzw. nur angedeutet wurden - "Bei dem nächsten Lied waren wir uns nicht sicher, ob es mit einem oder zwei 'o's geschrieben wird" bei "Losing my religion"), war es enorm spannend, was als
nächstes kommen würde. Weil die Titel in der Regel älter waren (zielgruppenorientiert), überraschte mich besonders "Salvador" von Jamie T., für mich der Höhepunkt des Abends. Das war absolut perfekt, ich hatte auch den Eindruck, daß Suzie das Lied wirklich mag. Vielleicht sollten Klee "Salvador" irgendwann als B-Seite aufnehmen.

Klee wurde auch zitiert, der letzte Song war nämlich "Gold" und wurde wie alles andere gefeiert. Zugaben hatten die vier Musiker nicht geprobt, daher wurden noch einmal Lieder von vorher auf Wunsch wiederholt. Dabei wagte sich die Coverband noch einmal an "Cry me a river", das beim zweiten Durchlauf auch vollkommen perfekt war.

Klee und Umfeld haben mich schon ein paarmal vom Hocker gerissen, Suzies Auftritt heute reiht sich nahtlos in diese sensationellen Konzerte ein. Das war ganz sicher ein einmaliges Konzerterlebnis und allerbeste Unterhaltung!

Setlist Overschmidt & Suzie Kerstgens:

01: Blue Hotel (Chris Isaak Cover)
02: Moonlight shadow (Mike Oldfield Cover)
03: Smalltown boy (Bronski Beat Cover)
04: Psycho killers (Talking Heads Cover)
05: A message to you Rudy (The Specials Cover)
06: Losing my religion (REM Cover)
07: Candle in the wind (Elton John Cover)
08: Cry me a river (Justin Timberlake Cover)
09: Salvador (Jamie T. Cover)
10: Gold (Klee Cover)

11: Blue Hotel (Chris Isaak Cover) (Z)
12: Cry me a river (Justin Timberlake Cover) (Z)
13: Salvador (Jamie T. Cover) (Z)

Alle Fotos: Leif Strehlow. Vielen Dank!





Mittwoch, 11. Juli 2007

Erase Errata, Köln, 10.07.07

4 Kommentare

Konzert: Erase Errata

Ort: Tsunami Club, Köln
Datum: 10.07.2007
Zuschauer: ca. 100, sehr voll


"Erase Errata, Support: Endearment" stand auf meiner Karte für das heutige Konzert. Und Beginn 22 Uhr. Das erste klang gut, nämlich nach einer erwähnenswerten Vorgruppe, das zweite schlecht, weil nach einer kurzen Nacht.

Meine Hoffnung bezüglich der Vorgruppe wich schnell Ernüchterung: Endearment aus Köln war eine Band, die mich nicht vom Hocker gerissen hat. Die Pferde-T-Shirts tragende Band spielte punkige Lieder, die sehr nach England 1977 klangen. Also nicht furchtbar originell. Modernstes Element war ein Basslauf bei "City", den ich genauso vor drei Wochen bei Tokyo Police Club gehört habe. Vielleicht wäre mein Eindruck besser, wenn die Band einen Sänger hätte. Daß der Bassist den Gesangspart übernimmt, kann nur eine Behelfslösung sein.

Nach sicher mehr als 30 Minuten war die Vorgruppe durch, und in Bühnennähe wurde es voller. Da ich weiß, daß meine einspaarundneunzig Größe anderen ordentlich die Sicht nehmen kann, habe ich mich nicht mittig vor die Bühne gestellt sondern an den Rand, so daß ich zwar gut sehen aber auch niemanden zustellen würde. Pünktlich zum ersten Lied hatte aber eine Zweimeterfrau mit Nasenring Modell Pamplona, die vorher noch neben mir stand, diese Hemmungen nicht und stellte sich unmittelbar vor mich. Da es mittlerweile so eng war, daß nicht viel Platz zum Ausweichen da war, war ich glücklich, eine kleine Sichtlücke neben der Riesin gefunden zu haben. Genau die baute aber dann der nächste 1,95 Typ zielsicher zu. Ich stand dann zwar noch in unmittelbarer Bühnennähe - aber hinter einen Sichtschutz. Vermutlich war heute in Köln eine Konferenz rücksichtsloser Großgewachsener. Der tolle Platz und die Tatsache, daß der große Mann auch ab Mitte des Konzerts während der Lieder pfiff, die er sicher gar nicht kannte, hatten mir die Stimmung reichlich verhagelt aber sie (die Stimmung) reichte noch, um ein gutes Konzert zu genießen.

Erase Errata zeigten ihrer Vorgruppe schnell, wie Postpunk* geht. Die drei Frauen (Sängerin Jenny Hoyston, Bassistin Ellie Erickson und Schlagzeugerin Bianca Sparta) machten von Beginn an ordentlich Krach. Auch wenn die Band deutlich härter als naheliegende Vergleiche wie The Organ spielen, geht das nicht auf Kosten der Hörbarkeit der Lieder. Besonders die letzte Platte "Nightlife" enthält viele melodiöse Stücke. Von "Nightlife" stammte auch der Großteil des Sets, zwei Lieder stammten vom Vorgänger "At Crystal Palace" - und der Rest war mir unbekannt.

Leider war das Konzert unglaublich schnell vorbei. Also lag ich auch mit meiner zweiten Annahme falsch. Nach knapp 30 Minuten - und einer Zugabe (die aber in den 30 Minuten enthalten war) - trat Schlagzeugerin Bianca noch einmal ans Mikro und sagte: "We'd love to play more songs but actually we don't have more songs." Mir kommt das ein wenig merkwürdig vor, da die Band von ihrer ersten Platte "Other animals" nichts gespielt hat. Vielleicht ist aber auch das Gedächtnis zu schlecht. Als ich Ellie & Jenny nach dem Konzert nach der Zugabe gefragt habe, die nicht auf der Setlist stand, waren beide vollkommen unsicher, wie das Lied denn eigentlich heiße. Sie einigten sich dann auf "Owls", das 2003 veröffentlich wurde. Sei's drum, das Konzert war musikalisch toll, Erase Errata können mir The Organ nicht ersetzen, sind aber eine Band, die ich immer wieder gerne höre und hören werde.

Setlist Erase Errata Köln:

01: Dark cruisin
02: Money
03: Driving test
04: Hotel suicide
05: Cloud warrior
06: Star dust
07: Beacon
08: Wasteland
09: New song laut setlist
10: Tax driver
11: Rider
12: Trilogy

13: Owls (Z)

Links:

- Erase Errata in Paris 2006
- mehr schlechte Fotos mit Hinterköpfen

* In diesem angeblich ach so großen Internet findet sich kein Foto von einem Postboten mit bunten Haaren. Grrrr.




 

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