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Sonntag, 1. September 2019

Desperate Journalist, Susteren, 31.08.19

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Konzert: Desperate Journalist
Ort: Raadhuisplein, Susteren (Koppelpop Festival)
Datum: 31.08.2019
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: 300 vielleicht



Eigentlich hatte ich über dieses Konzert schon vor einem Monat schreiben wollen, Desperate Journalist waren fürs Indietracks bestaätigt worden, also für das Festival, bei dem ich die Londoner Band 2015 kennengelernt hatte. Kurz vor dem Indietracks brach sich Schlagzeugerin Caz das Fußgelenk, die Band musste eine ganze Menge Sommertermine absagen. Der erste Auftritt nach der Zwangspause sollte ein Festival namens Koppelpop in Susteren sein. Weil ich sie nicht beim Indietracks sehen konnte, schien es mir eine gute Idee zu sein, das in Susteren nachzuholen, wo auch immer das sein möge.

Seit dem Konzert in Ripley 2015 ist eine Menge passiert. Desperate Journalist hatten damals gerade ihre erste Platte veröffentlicht (ich kaufte im Indietracks-Merch-Zelt das vorletzte Vinyl). Seitdem erschienen zwei weitere Alben, mehrere EPs und Singles, die Band trat dreimal in Köln auf, zwei der Konzerte konnte ich (mit)veranstalten. Seit ein paar Monaten ist die Band live um Gitarristin Charley Stone erweitert worden. Die allerdings verpasste das Live-Comeback, weil sie mit ihrer anderen Band Salad (ja, die!) vier Konzerte bei den Star Shaped Festivals spielt und das erste in Manchester an diesem Wochenende stattfand.

Abgeschreckt hatte mich vorher, daß das Koppelpop ein Gratis-Festival sein sollte. Mit solchen Veranstaltungen verbinde ich betrunkene Menschen, Rathausplätze und Coverbands. Aber nicht erfolgreich abgeschreckt, ich war irgendwann in Susteren, parkte 150 m von der Hauptbühne auf dem Rathausplatz und hörte als erstes ein Girls just wanna have fun Cover. Ach, es würde ja auch reichen, pünktlich zum Start von Desperate Journalist wieder da zu sein...

Die Londoner waren um 22:45 angesetzt. So richtig voll war der Rathausplatz da nicht mehr. Dadurch, daß das Koppelpop eher ein Nachbarschafts- oder Familienfest als ein Popfestival zu sein schien, waren wohl nicht viele Zuschauer gezielt wegen des Headliners aus England da. Aber das Publikum war musikaffin genug, um schnell von der Band da auf der Hauptbühne überzeugt zu sein. Es ging niemand. Und es war ein sehr angenehmes Publikum (dämliche Vorurteile).

Da ich über viel zu wenige meiner bisherigen DJ-Konzerte geschrieben habe - das in Susteren war mein achtes, glaube ich - hole ich etwas aus. Desperate Journalist sind Sängerin Jo, Gitarrist Rob, Schlagzeugerin Caz und Bassist Simon. Musikalisch bewegt sich die Band in der Schnittstelle zwischen Indiepop, Wave, Goth und der unfiesen Version von Indierock. Daher passen Desperate Journalist sowohl aufs Indietracks als auch aufs Wave Gothic Treffen (beide haben sie gespielt).

Das Konzert begann mit Murmuration vom letzten Album In search of the miraculous und mit technischen Problemen. Jos Mikro mit dem üblichen roten Kabel funktionierte nicht, sie sang lautlos. Erst mit dem Ersatzmikro, das neben ihr lag (und das der Conférencier vorher zum Anheizen des Publikums genutzt hatte) funktionierte es, Jo stieg irgendwann ins Lied ein. Erstaunlicherweise war Murmuration nur eines von vier Stücken vom neuen Album, vielleicht dem Ausfall von Charley geschuldet, vielleicht auch, weil es ein Konzert außerhalb jeder Tour war. Da ich Desperate Journalist in Köln und Münster mit In search... gesehen hatte und alles von ihnen mag, störte mich das gar nicht. Ganz im Gegenteil. Bei der Tour im Mai hatten DJ in Köln nichts vom heißgeliebten ersten Album gespielt, in Susteren gleich vier Songs - Happening, Control, das fantastische Cristina und Distance, das Jo singt und dazu nur von Robs Gitarre begleitet wird. Das Lied diente der Band auch dazu, einen Puffer zu haben, falls Caz' Fuß die Belastung eines ganzen Konzerts nicht hinbekommen sollte. Ich war froh, ich lieben Distance. Wobei das eine unsinnige Aussage ist, weil ich eh alles von denen mag.

Für einen Rathausplatz klang das Konzert überraschend ok, auch das Publikum war viel angenehmer und aufmerksamer als befürchtet. Als besonderen Bonus spielten Desperate Journalist eine Stunde und damit ein ganz normales Konzert. Mit Zugabe (Resolution). 

Oh, es war wieder toll! Daß Desperate Journalist live immer noch besser werden, merke ich bei jedem Konzert. Ich hoffe, es kommt bald ein nächstes dazu!

Setlist Desperate Journalist, Koppelpop, Susteren:

01: Murmuration
02: Why are you so boring?
03: Jonatan
04: Hollow
05: Happening
06: Cedars
07: Be kind
08: Lacking in your love
09: Control
10: Distance
11: Cristina
12: Satellite

13: Resolution (Z) 

Links:

- Desperate Journalist, Darmstadt, 08.04.17
- Desperate Journalist, York, 05.08.16
- Desperate Journalist, Köln, 30.03.16
- Desperate Journalist, Ripley, 25.07.15


Sonntag, 9. April 2017

Desperate Journalist, Darmstadt, 08.04.17

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Konzert: Desperate Journalist (& Dynarchy)
Ort: Tag & Nacht Studio, Darmstadt (Bedroomdisco)
Datum: 08.04.2017
Dauer: Desperate Journalist gut 55 min, Dynarchy gut 40 min
Zuschauer: ca. 120




Die Bedroomdisco in Darmstadt ist ein großartiger Musik-Gemischtwarenladen, den man gar nicht genug loben kann. Besonders das Golden Leaves Festival im Herbst (das es seit 2012 gibt) und die Wohnzimmerkonzerte sind fantastisch!


In Wohnzimmern finden diese Konzerte wohl kaum noch statt, dafür ist der Rahmen zu groß geworden. Die Gewinner der Tickets erfahren erst kurz vorher, wo sie stattfinden. Das Tag & Nacht Studio als Auftrittsort für Desperate Journalist sagte mir nichts, "Studio" ist schließlich dehnbar. Auf die naheliegendste Antwort, es könne sich um ein Tonstudio handeln, war ich nicht gekommen. Da das Wetter schön war, hatten die Veranstalter kurzerhand entschieden, statt im Studio im Hof spielen zu lassen. Dadurch konnte ein ganzer Schwung weiterer Zuschauer zugelassen werden.

Desperate Journalist! Seit 2015 verfolge ich die Band aus London und ihren steigenden Erfolg. Live hatte ich das Quartett erstmals (natürlich) auf dem Indietracks gesehen. Das nächste Konzert war schon ein selbst veranstaltetes im Tsunami-Club in Köln und dann zuletzt im letzten Sommer in York. 

Vor zwei Wochen erschien Grow up, das zweite Album der Desperate Journalists, das in England hervorragende Kritiken erhielt. Die Vorabsingles liefen regelmäßig im britischen Radio und wurden dort besprochen. Grow up passt also. Am deutlichsten zeigte sich das wohl vor ein paar Tagen, als die Band ihr bisher größtes eigenes Konzert in der Scala in London spielten, zu dem rund 550 Leute kamen. 



Im Hof des Tag & Nacht Studios waren keine 500 aber immerhin gut 120 Zuschauer. Um kurz nach acht begann zunächst eine lokale Vorgruppe. Nein, Unsinn! Dynarchy kommen zwar aus Mainz, klangen aber überhaupt nicht nach 0815-Support. Stilistisch erinnern Dynarchy offenbar an London Grammar, die ich bisher ignoriert habe, daher ist das Hörensagenwissen. Da London Grammar aber so eindeutig von Daughter beeinflusst wurden und ich die immer mal wieder in den Dynarchy-Liedern raushörte, scheint der Vergleich nicht ganz falsch zu sein. Ähnliche Musik machen auch Kafka Tamura, die ich sehr schätze. Diese tollen verträumt-sphärischen Gitarren, dazu die elektrischen Beats und die leicht soulige Stimme von Sängerin Nadjana Gaffron, das hat eine ganze Menge Charme und sicher auch Potential.


Nadjana spielt auch Bass und Keyboard, dazu kommen Gitarrist Daniel Schmidt Schlagzeuger Ruben Hartwig, der dem Frühling nicht richtig traute und T-Shirt und Schal trug. Die neun Lieder plus Zugabe stammten zum Großteil vom Debüt der Band, das bereits 2015 erschienen ist und sich lohnt! 

Setlist Dynarchy, Bedroomdisco, Darmstadt:

01: Lumina
02: Warrior
03: Lay me down
04: Gravity
05: Aleph
06: Blossom
07: Moving
08: Iceland
09: Kyra

10: Mantra of courage (Z) 


Im August in York hatten Desperate Journalist schon vier neue Lieder gespielt, eines davon war I try not to, mit dem sie auch heute begannen. Dabei war der Ton noch etwas zurückhaltend leise, trotz der guten Soundanlage des Tonstudios hörte es sich nach angezogener Handbremse an. Das gab sich aber glücklicherweise schnell, denn Desperate Journalist sind eine Band, die man am besten laut hört. Die Konzerte der vier Musiker sind gerade deshalb so toll, weil die Lieder so druckvoll gespielt werden. Hauptschuld daran hat natürlich Jo Bevans irre tolle Stimme aber es wäre idiotisch, sich nur auf die zu konzentrieren, weil da drei fabelhafte Musiker neben der kurzhaarigen Sängerin auf der Bühne stehen: Schlagzeugerin Caz Hellbert, Gitarrist Robert Hardy und Bassist Simon Drowner. 



Einen Unterschied zwischen dem ersten Album und Grow up hört man live besonders gut, die treibenden Beats vieler der Lieder. Bei Why are you so boring? ist das besonders deutlich. Dadurch sind Desperate Journalist einen Tick popiger geworden als auf dem ersten Album. Die wavigen Gitarre und Bass dazu - und Jos Stimme - verhindern aber, daß es ein zu krasser Stilwechsel wird. 



Nach I try not to und dem grandiosen Happening vom Debüt spielten die Londoner Hollow, eine der Vorabsingles, die immer besser wird, je öfter ich sie höre. Dann Why are you so boring? und Lacking in your love. Mit zwei Alben und einer EP (bisher) hat die Band mittlerweile ein Repertoire, das Nur-Hits-Konzerte ermöglicht. Mal kurz rausgehen, um eine zu rauchen (gut, das ist bei Open-Air-Konzerten eh nicht so relevant), geht nicht mehr.

DJ spielten fast das ganze neue Album. Und jedes Lied hat totale Liveberechtigung, sie sind alle toll. Zwar waren die offensichtlichen (Hollow, Resolution) besonders gut, aber die nahmen sich alle nichts. Be kind ("I don't wanna be kind", darüber freue ich mich bei jedem Hören). Dazwischen kamen immer mal wieder Stücke der ersten Platte - auch da die Hits, Cristina, Happening, Control und Distance in einer neuen Version mit ähnlichem Beat wie bei einigen der neuen Songs.



Zur ersten Zugabe kamen erst nur Rob und Jo zurück. Da mußte man nicht lange überlegen, welches Lied das werden würde, Radiating, das letzte Lied der Platte ist eine mit Klavier instrumentierte Ballade. Klavier gab es keins, also spielte Rob Gitarre. Die Version gefiel mir auch so hervorragend! Danach kamen die beiden anderen zurück und spielten das logische Abschlußlied Resolution (über Neujahrsvorsätze). Gottseidank hörten sie aber das "sie haben mein Lieblingslied Organ nicht gespielt" neben mir und beendeten damit das Konzert.

Desperate Journalist werden noch weiter wachsen, und es ist sehr verdient!

Setlist Desperate Journalist, Bedroomdisco, Darmstadt:

01: I try not to
02: Happening
03: Hollow
04: Why are you so boring?
05: Lacking in your love

06: Be kind
07: Control
08: Your genius
09: Distance
10: Cristina
11: All over

12: Radiating (Z)
13: Resolution (Z)
14: Organ (Z)

Links:

- aus unserem wachsenden Desperate-Journalist-Archiv:
-
Desperate Journalist, York, 05.08.16
- Desperate Journalist, Köln, 30.03.16 
- Desperate Journalist, Ripley, 25.07.15 

Tourdaten Desperate Journalist:

09.04. Freiburg, Slow Club
11.04. Stuttgart, Goldmarks

12.04. Köln, Blue Shell
13.04. Hamburg, Grüner Jäger
14.04. Leipzig, Ilses Erika
15.04. Bremen, Lagerhaus




Montag, 8. August 2016

Desperate Journalist, York, 05.08.16

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Konzert: Desperate Journalist
Ort: Fibbers, York
Datum: 05.08.2016
Dauer: 35 min
Zuschauer: leider wenige



Mein schönstes Mitbringsel vom letztjährigen Indietracks-Festival war eine neue Lieblingsband. Ich hatte mir Desperate Journalist zwar schon vorher auf meine Festival-Todo-Liste geschrieben, war aber trotzdem vollkommen überrascht, wie toll die Londoner Band live war. Ihr erstes Album ist das beste, das ich seit Ewigkeiten gehört habe. Im März waren Desperate Journalist Teil meines zweiten eigenen Konzerts und waren auch da wieder wundervoll.


Daß Desperate Journalist während meines England-Urlaubs in meiner Nähe spielen würden, war eine schöne Fügung! Während und nach dem Indietracks spielten Desperate Journalist als "very special guests" von Chameleons Vox u.a. in London, Brighton, Bristol und Glasgow. Und - für mich zeit- und räumlich perfekt - in York. 


York ist eine wunderschöne alte Stadt, dominiert vom Münster, in das [Besserwisser-Fakt], wäre es ein Aquarium, fünf ausgewachsene Blauwale passten. Das Fibbers dagegen ist ein moderner Club, der zwar innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern aber auf der anderen Flußseite liegt. Anders als viele dieser kleineren britischen Musikclubs liegt der Livebereich im Fibbers nicht im ersten Stock, die Bar war stattdessen vor und rechts der Bühne. Die Tanzfläche vor der eigentlichen Bühne liegt etwas niedriger, rechts und links davon waren Geländer, dahinter einige Sitzecken. Als ich ankam, spielte die erste Band des Abends bereits. Ich hatte in nichts von Berlin Black reingehört, merkte aber sofort, daß das nichts für mich war. Berlin Black klangen ansatzweise wavig (das war gut), der Sänger wie der von Camouflage (das war auch noch gut), dazu kamen aber fiese Rock-Gitarren und noch fiesere Posen. Das war nichts. Aber ich war ja auch nicht wegen der ersten Band da.


Desperate Journalist gingen bereits um fünf nach acht auf die Bühne. Der Club war da noch viel zu leer; diejenigen, die da waren, standen vor allem an der Bar oder oben hinter den Geländern. 


Das Konzert begann mit etwas Neuem. Daß Desperate Journalist ein neues Album aufgenommen haben, hatte ich mitbekommen. Aber das Konzert gleich mit etwas Unbekanntem beginnen? Das ist souverän! Wobei die Band das vermutlich viel pragmatischer sieht. "Wir wollen nicht, daß es langweilig wird", sagte mir Schlagzeugerin Caz hinterher. Außerdem (mein Pragmatismus) kannte der durchschnittliche Chameleons-Vox-Zuschauer ja eh nichts von Desperate Journalist, daher war für ihn alles neu. 


I try not to klang gut, ich war aber zu überrascht, um genauer darauf zu achten. Danach kamen vier alte Lieblinge. O, Happening, Nothing und Control. Vier riesige Kracher. Die vier - Sängerin Jo Bevan, Schlagzeugerin Caz Hellbent, Gitarrist Robert Ormond Hardy und Bassist Simon D Rowner - sind ähnlich wie die vier Hits. Sie sind eine hervorragende Liveband und werden immer besser. Auch wenn vor allem die Debüt-LP schon hervorragend ist, sind DJ live noch besser als auf Platte. Voraussetzung dafür ist Jos wunderbare Stimme. Man läuft da immer ein wenig Gefahr, die anderen etwas zu vergessen. Aber das wäre fahrlässig. Diese Gitarren! Und der tolle Bass. Mein heimlicher Held diesmal war die aus Paris stammende Schlagzeugerin. Caz hatte die größte Szene des Abends. Bei einem weiteren neuen Stück (Lacking) zählte sie den Takt mit ihren Drumsticks an, schlug die aber auch in der Folge immer weiter, auch als Robert schon mit seiner Gitarre spielte. Dieses Stilmittel habe ich noch nie gesehen, wenigstens nicht bewußt. 

Lacking fing sehr langsam an, war sehr sehr schön. Irgendwann wurde das Lied lauter. Lacking war beim ersten Hören das beste der neuen Lieder. Es wäre auch auf der Debütplatte einer meiner großen Lieblinge!


Bei den beiden neuen blieb es nicht. Ein anderes war (nein hieß) Boring, es ist das bisher fröhlichste Lied der Band. "Unser popigstes Stück", gab mir Caz hinterher recht. Auch so etwas können sie! Gets better war das letzte neue. Dabei war der Schrei-Ausbruch von Jo Bevan bemerkenswert.


Jos Eigenart beim Singen ist ihr Umgang mit dem Mikrokabel. Ich weiß nicht, ob die Idee, ein rotes Kabel zu benutzen, im März im Tsunami entstanden ist. Da gab es wenigstens eins. Jo wickelt sich das Kabel wie Ketten um den Hals. Da die Band stets in schwarz (mit ganz wenig weiß) gekleidet ist (Caz hatte dazu eine rote Krawatte an), ist das rote Kabel ein stylisher Kontrast. Aber nötig hätten sie das nicht, die Songs würden auch mit Minipli und Hawaii-Hemden beeindrucken.


Nach den drei neuen Liedern Boring, Lacking und Gets better beendete Cristina das Konzert. Daß der Auftritt, der fast zur Hälfte aus neuem Material bestand, genauso gut wie meine beiden ersten war, beruhigt mich enorm! Die Londoner werden mir also auch weiterhin großen Spaß machen, hoffentlich dann auch wieder in Deutschland...

Setlist Desperate Journalist, Fibbers, York:

01: I try not to (neu)
02: O
03: Happening
04: Nothing
05: Control
06: Boring (neu)
07: Lacking (neu)
08: Gets better (neu)
09: Cristina

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Desperate Journalist, Köln, 30.03.16 
- Desperate Journalist, Ripley, 25.07.15


Montag, 4. April 2016

Desperate Journalist, Köln, 30.03.16

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Konzert: Desperate Journalist (& Woog Riots)
Ort: Tsunami Club, Köln
Datum: 30.03.2016
Dauer: Desperate Journalist gut 50 min, Woog Riots knapp 40 min
Zuschauer: ca. 65



Über ein Konzert zu schreiben, das ich selbst veranstaltet habe, ist nicht ganz leicht, weil ich befangener bin als ein Mitglied der FIFA-Ethikkommission. Natürlich liebe ich die Bands, die ich einlade, sonst würde ich das ja nicht machen. In den letzten Monaten habe ich außerdem das Tsunami als tollen kleinen Club für Konzerte kennengelernt, in dem Bands ausgezeichnet klingen können. Was sollte da also schiefgehen? Das alte Theorie/Praxis-Spiel... Es kann eine ganze Menge in die Hose gehen.

Objektiv war da kein Risiko. Desperate Journalist sind eine der aufregendsten Bands, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe. Sängerin Jo Bevan klingt auf Platte toll, ist live aber um Längen eindrucksvoller. Die Songs der Band müssen sich vor nichts verstecken. Irgendwer sagte nach dem Konzert, Desperate Journalist wären vor 20 Jahren riesig geworden. Ob eine Band heute überdurchschnittlich bekannt und erfolgreich werden kann, hängt vermutlich hauptsächlich vom Glück ab. Desperate Journalist haben alles, um auf sehr viel größeren Bühnen als bisher zu spielen, brillante Musiker, eine charismatische Sängerin und einige riesige Hits! 


Nachdem ich die Band im letzten Juli beim Indietracks in Mittelengland kennengelernt hatte, schickte ich ihr eine Buchungsanfrage für etwas anderes, später im Jahr. Als dann eine Deutschland-Tour gebucht werden sollte, leitete mir ein Kölner Freund das Angebot weiter, das hiesige Konzert zu veranstalten. Meine Booker-Tätigkeit hatte mit einem Abend mit drei spanischen Indiepop-Bands im Januar angefangen, der dank der Gruppen ein großer Spaß und dank des Clubs alles andere als katastrophal war. Also ja. Ich hatte mir irgendwann vorgenommen, nur Bands zu veranstalten, in die ich mich beim Indietracks verliebt habe. Das passte also.

Kurz nachdem das fix war, mailte ich mit Silvana von den Woog Riots, einer irre tollen Darmstädter Elektro-Pop-Band. Die Woog Riots hatte ich beim Indietracks 2013 leider verpasst, hatte das aber zwei Monate später in Darmstadt (deutsche Midlands) nachgeholt und toll gefunden. Wir waren uns schnell einig, daß sie die perfekte Ergänzung zu Desperate Journalist wären. Also wenigstens im Prinzip. Denn am nächsten Tag spielte der 1. FC Köln gegen Darmstadt 98. Da ich langsam wieder verlernen möchte, wie sich Abstiege anfühlen, machte ich meine Konzertzusage davon abhängig, daß Köln in Darmstadt nicht verlieren dürfte. Das Spiel endete wie üblich 0:0, ich hatte also meine zweite Band fürs zweite Konzert.


Die Woog Riots waren ursprünglich eine fünfköpfige Band, sind seit Jahren aber ein Duo, bestehend aus Silvana Battisti und Marc Herbert. Keyboard und Bass. So wie Elektrobands also instrumentiert sind. Was Silvana neben ihrem Keyboard aber nach und nach an Instrumenten hervorzauberte, war phänomenal. Schon beim Soundcheck ging mein Herz auf, als sie nach einem Stuhl fragte, weil sie eine singende Säge spielen werde. Das wundervollste aller Instrumente! Also das wundervollste jedenfalls nach dem (der?) Omatone, einer großen Musiknote aus Plastik, die am Hals wie ein Sylophone gespielt wird und deren Mund die Töne dann verzerrt. Omatones sehen wie Spielzeuge aus. Ich habe mir vor einigen Jahren eine (eines?) in einem Museumshop gekauft, hatte aber nie gedacht, daß man mit dem lustigen japanischen Quatsch auch ernsthaft Musik machen kann. 

Die Omatone war Teil der Instrumentierung bei Alan Rusbridger vom gleichnamigen neuen Album der Hessen. Alan Rusbridger ist der ehemalige Chefredakteur des Guardian, in dessen Zeit die Auswertung der Wikileaks-Dokumente fiel. Damals sollte der Guardian die Festplatten mit den Wikileaks-Daten der Regierung übergeben, ließ sie aber lieber (unter Aufsicht staatlicher Stellen) vernichten. Ich weiß ansonsten nicht viel über den Mann. Wer erreicht, daß Doctor ihn in einer Wikileaks-Verfilmung darstellt und von den Woog Riots ein Album und einen Song (mit Omatone) gewidmet bekommt, muß ein verflucht glücklicher Mensch sein. Vermutlich ist Rusbridger auch Leicester City Fan. 

Vom neuen (bereits fünften!) Album des Duos stammten einige Titel, das großartige Moscow Domodedovo, das eine andere Wikileaks-Seite beschreibt, den Aufenthalt von Edward Snowden auf dem Moskauer Flughafen, The zombie system, Gentrification, Popsongs mit Botschaften, tanzbare Gesellschaftskritik quasi. Mein Liebling von den neuen Sachen war wohl neben DME Emma Momoka (mit singender Säge!). Oder doch Rain am Ende? Am meisten hatte ich aber von einem der alten Hits. People working with computers war bis zum Wochenende mein Dauerohrwurm! Warum kennt nicht jeder die Woog Riots? Warum kann jemand wie ich diese großartige Band buchen? Wenn ich musikalischer wäre, würde ich Lieder über solche Mißstände schreiben!

Auch bei den Woog Riots war ich vorher sicher, daß sie toll sind. Dann zu sehen, daß das Publikum tanzt und sich offenbar auch amüsiert, war aber schon ein wenig beruhigend. Uff! Veranstalter kleben bei Konzerten gerne an Vorgruppen das Label "special guest", um sie aufzuwerten. Für mich waren die Woog Riots auch besondere Gäste - aber im wörtlichen Sinne. Wenn ich Konzerte mache, möchte ich Bands haben, die keinen Support brauchen. Da aber zwei Gruppen besser als eine sind, spielt vorher eben noch eine andere tolle Band.


Setlist Woog Riots, Tsunami, Köln:

01: Alvin Toffler
02: Alan Rusbridger
03: Last beat
04: Moscow Domodedovo
05: George Harrison
06: From Lo-Fi to disco
07: People working with computers
08: The zombie system
09: Gentrification
10: Emma Momoka
11: Friends of mine (Adam Green Cover)
12: Rain

Desperate Journalist hatten beim Indietracks auf der Indoor-Stage gespielt, die eine Lok-Werkstatt ist und den Charme eine Lagerhalle hat - leider auch deren Sound. Der Soundmann des Tsunami hatte zwar keine Blechdach-Halle zu beschallen, sehr viel einfacher ist der Job in dem Kellerclub aber vermutlich auch nicht. Er schaffte es aber im kurzen Soundcheck, daß Desperate Journalist wirklich hervorragend klangen.

Warum die Musik der Band mit dem wundervollen Namen so gut ist, hat viele Gründe. Die Melodien sind grandios, Hits wie Happening, Control, Cristina phänomenal. Ganz besonders ist aber Jos Stimme. Vermutlich wäre Happening mit einer anderen Sängerin auch ein gutes Lied. Aber ein Knüller ist es eben so! Und daß da nicht aus einem Stimmchen im Studio etwas für die Platten gezaubert wurde, zeigte Jo beim ersten Stück Control. Wow! Ich hatte das schon erlebt, die Wirkung war gleich. Welch eine super Band.

Neben (und hinter) Jo spielen Gitarrist Rob Hardy, Bassist Simon Drowner und Schlagzeugerin Caz Hellbent. Jos Stimme und ihr Bühneverhalten verführen dazu, nur sie zu beobachten. Sie spielt kein Instrument, was bei Musikern oft zu komischen Ersatzhandlungen führt. Jo löst dieses Instrument-fehlt-Dilemma eleganter als die anderen. Sie wickelt sich das Mikrokabel wie Ketten um den Hals. Das Kabel in Köln war rot und wirkungsvoll. Auch wenn das ein tolles Schauspiel ist, sind ihre Kollegen genauso sehenswert. 


"Warum spielen die nicht viel größer?" fragte mich ein Freund nach Control. Wenn die Band nicht alles falsch macht, wird sie das hoffentlich! Ich hätte gerne mehr für das Konzert geworben, sehr viel mehr Leute hätten verdient gehabt, den ersten Deutschland-Auftritt der Londoner zu sehen!

Desperate Journalist spielten vor allem Stücke des im vergangenen Jahr erschienenen (und auf Vinyl ausverkauften) Debüts. Leave me von der EP Good luck, die nach der Platte erschienen war und Wait von der Vor-Album EP Cristina.

Als letztes Lied spielte die Band Organ mit Elizabeth my dear von den Stone Roses als Einleitung, fabelhaft, und als Zugabe die B-Seite Kitten, die eine eigene Jutetasche hat. 


"Never apologize, never explain." Also kann ich auch von diesem Konzert schwärmen, puh!

Setlist Desperate Journalist, Tsunami, Köln:

01: Control
02: O
03: Leave home
04: Remainder
05: Wait
06: Nothing
07: Eulogy
08: Heartbeats
09: Happening
10: Cristina
11: Distance
12: Organ (mit Intro Elizabeth my dear (Stone Roses Cover))

13: Kitten (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Desperate Journalist, Ripley, 25.07.15

- Woog Riots, Darmstadt, 19.09.13
- Woog Riots, Berlin, 22.05.08




Sonntag, 26. Juli 2015

Desperate Journalist, Ripley, 25.07.15

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Konzert: Desperate Journalist
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks Festival)
Datum: 25.07.2015
Dauer: 40 min
Zuschauer: ca. 500



Kurz vor ihrem Auftritt standen angeschlagend aussehende Desperate Journalist noch am Süßigkeitenstand und tranken Espresso. Als sie dann später auf der Bühne der Lok-Reparatur Halle ihr 40-minütiges Set begannen, hatte das Koffein offenbar gewirkt. Das Konzert, auf das ich mich am zweiten Tag am meisten gefreut hatte, wurde auch das beste.

Desperate Journalist kommen aus London und bestehen seit 2013. Im gleichen Jahr veröffentlichten sie ihre erste EP Christina, 2014 erschien dann das Debütalbum Desperate Journalist.

Die Band besteht aus Sängerin Jo Bevan, Gitarrist Rob Hardy, Bassist Simon Drowner und Schlagzeugerin Caz Hellbent.

Obwohl die Halle nicht perfekt für Bands ist, bei denen der Liveklang wichtig ist, und sie bei Charme-Wettbewerben auch keinen Preis gewinnen würde, packte mich das Konzert sofort. Frontfrau Jo hat eine enorme Ausstrahlung. Sie machte keine große Ansagen und spielte stattdessen mit dem Mikrokabel und legte es sich wie ein Kettenarrangement um den Hals, war aber deutlich der Mittelpunkt der Halle. Jos Stimme ist live deutlich präsenter und rockiger als auf Platte. Wenn ich den Satz hier schon lese, stellen sich schreckliche Assoziationen ein, aber vollkommen zu unrecht! Ich dachte während der ersten Stücke immer mal wieder an Wolf Alice, die grob einen ähnlich rockigen Ansatz live haben.


Die meisten Stücke stammten vom Album, dazu kamen Wait und Christina von der EP, ein Stück, das eventuell neu ist (Phase?) und zum Abschluß die Single Organ, die als Einleitung das kurze Stone Roses Cover Elizabeth my dear hatte. Wow! 


An diesem Auftritt gefiel mir wirklich alles (Susanne, Du hast recht, auch ihre Frisur war die beste bisher)! Deshalb ist das Indietracks so toll, es bleibt jedes Jahr eine echte Perle (die Band, nicht die Sängerin!) hängen. Und wegen allem anderen natürlich.

Hätte ich die Kommentare des immer wieder extrem zu empfehlenden Magazins Platten vor Gericht Ende 2014 intensiver verfolgt, wäre ich aber auch schon früher auf Desperate Journalist aufmerksam geworden:

Dienstag, 30 Dezember, 2014 Dirk hat gesagt…
Das Album sollte sich Christoph auf jeden Fall anhören.


 



Setlist Desperate Journalist, Indietracks, Ripley:

01: Control
02: O
03: Remainder
04: Nothing
05: Phase
06: Heartbeats
07: Wait
08: Happening
09: Christina
10: Organ

Links:

- mehr Fotos (flickR)



 

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