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Donnerstag, 21. Februar 2008

Born Ruffians, Köln, 20.02.08

1 Kommentare

Konzert: Born Ruffians & Frictane
Ort: Tsunami Köln
Datum: 20.02.2008
Zuschauer: 25 (brutto)


Vor ein paar Tagen habe ich in einem Blog von einer neuen kanadischen Band gelesen, die für zwei Konzerte nach Deutschland käme, die Born Ruffians aus Toronto. In Köln sollten sie im (im guten Sinne) niedlichen Tsunami Club in der Südstadt spielen. Trotz meiner typischen Tsunami Anfahrtprobleme (die Gegend ist ein Treffpunkt für einsame Einbahnstraßenschilder und hat keinerlei legale Parkplätze) war ich vor dem angesetzten Beginn der Vorgruppe da, gemeinsam mit etwa fünf anderen. In den folgenden Minuten strömten dann noch eine Handvoll anderer Besucher in den kleinen Raum, sodaß um neun alle da waren (kein Witz). Da alle aber bloß 25 bedeutete, war man sich seitens der Bands und des Clubs offenbar nicht sicher, ob man anfangen solle, es wurde noch auf einen volleren Laden gewartet. Dabei war eigentlich klar, daß es das war - leider! Denn obwohl der Club toll ist, die Band vielversprechend klang und die Eintrittspreise überschaubar sind, lockt eine Gruppe, die zu sehr Geheimtip in Deutschland ist und trotz eines namhaften Labels (Warp) für mich nicht wahrnehmbar beworben wurde, an einem Mittwochabend nicht mehr Leute hinterm Fernseher her. Mein erstes Blood Red Shoes Konzert hat aber auch vor unter 30 Zuschauern im Gebäude 9 stattgefunden hatte, das nächste war im Palladium mit Tausenden Leuten.

Offensichtlich schätzte man das dann richtig ein und wartete nicht noch auf Zuschauerwunder, denn die wären ausgeblieben.

Der Pausen-DJ wurde vermutlich nach einem ganz merkwürdigen Prämienschlüssel bezahlt. Die wenigen Zuschauer kompensierte er nämlich mit viel weiter aufgerissenen Reglern, es war unerträglich laut. Daß die Leute trotzdem blieben, sprach für echtes Interesse an den Bands, eine Flucht wäre der erklärbarere Reflex gewesen.

Mit einem "hallo, wir sind F******* aus Köln," erlöste schließlich um Viertel nach
neun eine vierköpfige Vorgruppe den Raum, "F********" deshalb, weil beim besten Willen nicht zu verstehen war, wie sie hießen. Lokaler Support hieß zuletzt meist, daß der Name eh nicht wichtig ist, weil ich die Band entweder schnell wieder vergaß oder (schlimmer) schnell wieder vergessen wollte. Bei F******* war das aber anders, das wurde beim ersten Lied deutlich. Frictane, wie ich dann später der Kreideaufschrift auf der Clubtür entnahm, waren nämlich richtig gut. Und zwar gut im Sinne von "CD kaufe ich!" Auch hier war es für meinen Geschmack viel zu laut, ich mag eigentlich Konzerte, die Krach machen sehr gerne und kann viel ab, irgendwann wird es aber zu einer Qual.

Gleich das erste Lied war für mich das beste der Kölner. Allerdings machte auch der Rest des vielleicht vierzigminütigen Auftritts richtig Spaß! Die Gruppe besteht aus Sänger und Gitarrist Thomas, Gitarrist Christian, Bassist Matthias und Schlagzeuger Björn. Was mir am deutlichsten auffiel, waren die treibenden, teils militärisch klingenden Rhythmen, manches erinnerte mich an die Good Shoes (auch, weil sich beide Sänger ein wenig gleichen), manches an die Pixies und ab und zu waren auch Gang of Four Ähnlichkeiten ausmachbar. Aber eben bloß Ähnlichkeiten, es war eigen genug, um interessant zu sein, eine wirklich wohltuend gute Vorgruppe! Das war was für mich.

Setlist Fricane Tsunami Köln:

01: Fever
02: We where so young
03: The man who had no face
04: Sweetest thing
05: Good souls
06: When your body moves
07: Follow
08: If you like
09: Automatic love
10: Born a dancer


Als Frictane fertig waren, relativierte sich die Besucherzahl noch einmal dramatisch, denn offensichtlich gehörten zwei Drittel der Leute irgendwie zu ihnen. Das war zwar bei Blind Circus vor The Strange Death of Liberal England auch so, da hatten die Angehörigen allerdings kein Interesse an der Hauptgruppe, im Tsunami war das glücklicherweise anders, denn ein weiteres Ausdünnen des Raums hätte wehgetan. Die Born Ruffians, die vorher interessiert ihrem Support zugesehen hatten, packten ein zweites Mikro auf die Bühne, bauten ein wenig um. Am eifrigsten war dabei Bassist Mitch, der mit seinem Lockenkopf ein wenig (Achtung! Hier kommt ein ganz großer Übergang!) wie Mika aussah, der gestern den Brit Award gewann. Bild online schreibt dazu: "Die im Libanon geborene Sängerin Mika erhielt den Preis als beste Newcomerin." Relax, take it ieeeehhhiiisiiii! Köstlich!

Neben Mitch bestehen die Born Ruffians aus Schlagzeuger Steve und Gitarrist und
Sänger Luke, der ein wenig zu groß für die Bühne war, ich wartete den ganzen Abend darauf, daß er sich seinen Kopf an der zwei Zentimeter entfernten Box stößt. Die Kanadier begann aus dem Soundcheck heraus, rhythmischer zu werden, Luke nahm sich dann ein au dem Boden liegendes Mikro und brummelte etwas, das dann in das erste Stück mündete. Stilistisch erinnerten mich die Born Ruffians (wie Oliver) vor allem an hörbarere Clap Your Hands Say Yeah. Die Melodien sind von häufigen Tempo- und Rhythmus-Brüchen geprägt, der Gesang besteht aus vielen Oh-oh-oh-Passagen, dazwischen schrieen Bassist Mitch und Schlagzeuger Steve in ihre Mikros. Definitiv also kein kanadischer Indie-Pop sondern experimenteller Indie-Rock. Die Lieder der Band klingen interessant, der Auftritt war sehr unterhaltsam, eine neue Lieblingsgruppe ist das aber leider nicht, weil es mir auf Dauer vermutlich zu anstrengend wird.

Stücke kannte ich vorher keine, daher weiß ich nicht, was die Jungs aus Toronto gespielt haben. Das kurzweilige Set endete um kurz nach elf nach etwa fünfzig Minuten mit einer Zugabe. Die Born Ruffians waren zum ersten Mal in Köln, es würde mich aber überraschen, wenn das der letzte Auftritt gewesen wäre.

Links:

- die Born Ruffians in Paris
- ein paar Fotos



Montag, 18. Februar 2008

Born Ruffians, Paris, 18.02.08

5 Kommentare

Konzert: Born Ruffians
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 18.02.2008
Zuschauer: circa. 150



In Paris erfreut sich bei Landstreichern eine bestimmte Masche besonderer Beliebtheit: Ein entgegenkommender Gammler (Mann, Frau) läßt urplötzlich einen Ring auf die Straße fallen und tut so, als habe er den angeblichen Wertgegenstand gerade gefunden. Den arglosen Touris wird anschließend das gute Stück gezeigt und gegen einen kleinen Obolus darf man den Ring dann behalten, "er sei wertvoll und werde einem Glück bringen"...


Als heute wieder ein Kerl dieses Zauberstück versuchte und sich nach dem vermeintlichen Schmuck bückte, winkte ich gleich schon ab, frei nach dem Motto: "Laß stecken (oder besser liegen), Alter!"

Ich war gerade am Champ de Mars spazieren und ging weiter Richtung Eiffelturm und Seine. Auch dort wurde ich verzaubert, diesmal allerdings von keinem Landstreicher, sondern von der herrlichen Abendsonne, die auf den Fluß glitzernde Sterne projezierte. Ich genoß den Anblick und reckte meinen Hals den letzten intensiven Strahlen entgegen. Auf meinen Kopfhörern lief gerade "Louise" von Syd Matters, ein Stück von profunder Schönheit und Reinheit, das mit der Sonne eine Traumhochzeit einging. Für ein paar Minuten war mein Glück vollkommen...

Mein Weg führte mich dann noch weiter in Richtung des "Maison de la radio", wo heute abend der sonore Moderator Bernard Lenoir wieder musikalische Gäste im Studio 106 empfangen würde. Diesmal geladen: Nada Surf.

In einem Anflug von Größenwahnsinn dachte ich mir folgendes: "Bernard, laß doch mal jüngere und talentiertere Leute ran; Leute wie mich z.B., ich würde gerne Deine leicht verstaubte Sendung übernehmen und das Programm bestimmen." "Wen würde ich dann so einladen?", fragte ich mich in meinen Tagträumen weiter. Würden die Born Ruffians in meine Sendung passen? Hmm, vielleicht schon, aber von den Qualitäten der Kanadier müßte ich mir erst einmal einen eigenen Eindruck verschaffen. Es sollen schließlich nur handverlesene Musiker zu meinen Oliver Peel Sessions kommen!

Die Gelegenheit das Können der Born Ruffians zu überprüfen, bot sich schon heute abend in der angesagten Flèche d'or. Hier spielte die Musik und nicht bei France Inter. Die Amerikaner von Nada Surf sind nett, keine Frage, aber nicht neu und aufregend. "Let the new bands play the new stuff, don't play the old shit like The Stones" - Dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von einem Journalisten des britischen NME, der nicht selten seine Leute direkt von London in die Pariser Flèche d'or schickt, um zu bestaunen, was sich bei den geliebt/gehassten Frogs musikalisch so tut. Und der Spruch mit dem "new stuff" fiel übrigens in einer sehr interessanten, gestern ausgestrahlten Fernsehreportage über die Pariser Indie-Konzertszene. Fazit der Reportage: wer hipp ist und Ahnung hat, geht wie Johnny "Razorlight" Borrell und Carl und Pete in das winzige Shebeen (hier spielt der Pariser Nachwuchs), ins Truskel (in dem winzigen Irish Pub erschienen u.a. schon die Rakes, Franz Ferdinand und Bloc Party zur Aftershow), oder ins Pop In (eine von den Huspuppies gerne frequentierte Kneipe mit angeschlosssenem Konzertkeller). Oder aber gleich in die Fléche d'or, wo sich schon die Blood Red Shoes, die Good Shoes und Caribou die Klinke in die Hand gaben. Caribou? Ja, genau dieser leicht nerdige Naturwissenschaftler aus Ontario, Kanada. Ontario, Kanada? Aber da kommen die Born Ruffians doch auch her! Genauer gesagt aus Toronto, der Hauptstadt der Region (aber nicht des Landes, das ist bekanntlich Ottawa, warum auch immer...). Und da das heute aufspielende Trio aus dieser Ecke des Landes stammt, haben sie auch Wind davon bekommen, daß Vincent Moon, der hütchentragende Pariser, der hinter der genialen Blogothèque steckt, schon mit Caribou eines der inzwischen legendären "Concerts à emporter" (Konzerte zum Mitnehmen) gedreht hat. Ich werde zufällig Zeuge eines Gespräches zwischen Vincent (der in Wirklichkeit natürlich nicht so heißt) und Steve, dem Schlagzeuger der Born Ruffians, das nach dem Konzert stattfand und erfahre, daß die Blogothèque auch mit den Born Ruffians etwas machen möchte (wow!). Zuvor hatten die drei Newcomer gut 30 Minuten lang einen prima Eindruck hinterlassen. Schade, daß zu jenem frühen Zeitpunkt (20 Uhr 20) noch nicht sehr viele Konzertgänger da waren, aber die wenigen "Pünktlichkommer" bekamen einen interessanten Einblick in die erfrischende musikalische Welt der Kanadier. Unbekümmerter, zackiger und leicht schräger Indie-Pop, Konzertkunkie, was willst Du eigentlich mehr? Wer ein Herz für nerdige Kauze wie Clap Your Hands Say Yeah!, Los Campesinos!, Hot Club de Paris, Dartz! oder auch die gehypten Vampire Weekend hat, sollte auch bei den Born Ruffians auf seine Kosten kommen. Da wird jedes Gitarrenriff nur kurz angerissen, das Schlagzeug wirbelt stakkatisch und der Gesang ist schräg und nicht immer tontreffend. Nicht zu vergessen auch die Handclaps und die im Chor angestimmten spitzen Schreie. Kein Wunder, daß sich das angesagte Label Warp (Maximo Park, Grizzly Bear, Battles) die Dienste der Burschen gesichert hat und sie auch bei der Talentmesse Souh By Southwest im texanischen Austin drei Tage hintereinander spielen dürfen. Es geht also im Moment mächtig rund für die Musiker und so war es nicht weiter verwunderlich, daß sie heute über einen leichten Jetlag klagten. Merkte man aber eigentlich überhaupt nicht und Kraft für 35 flotte und kurzweilige Minuten hatten sie allemal.

Hier gilt es also am Ball zu bleiben, auch für Christoph und Christina! Ja, ich kann eine Empfehlung für die Born Ruffians aussprechen. Köln, 20. Februar, Tusnami-Club. Hingehen! Sich verzaubern lassen! Und nicht auf den Trick mit dem gefunden Ring reinfallen, falls sich die Masche bis Köln rumgesprochen haben sollte!

Setlist Born Ruffians, Flèche d'or, Paris:

01: Red Yellow & Blue
02: Barnacle Goose
03: Hedonistic Me
04: This Sentence Will Ruin/Save Your Life
05: I Need A Life
06: Knife (Grizzly Bear Cover)
07: Badonkadonkey
08: Kurt Vonnegut
09: Hummingbird

Konzertdauer: 30-35 Minuten.

Konzerttermine Born Ruffians in Deutschland:

19. Feb. 2008: Bang Bang Club, Berlin
20. Feb. 2008: Tsunami, Köln

Hingehen!




 

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