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Sonntag, 7. Februar 2016

Verbena Pop, Köln, 29.01.16

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Konzert: Verbena Pop mit The Royal Landscaping Society, When Nalda Became Punk & Linda Guilala
Ort: Tsunami Club, Köln
Datum: 29.01.2016
Dauer: The Royal Landscaping Society knapp 40 min, WNBP knapp 45 min, Linda Guilala knapp 50 min
Zuschauer: etwa 70



Im Juli 2013 fuhr ich zum ersten Mal zum Indietracks Festival nach Ripley (Midlands). Ich hatte vorher jahrelang gezögert, dieses Minifestival zu besuchen, vor allem wegen der teuren Anreise. Wie saudoof das war, merkte ich nach meinen ersten paar Stunden Indietracks. Hier würde ich jetzt immer hinfahren und zahllose Lieblingsbands kennenlernen. 

Auf meinem ersten Indietracks spielten When Nalda Became Punk aus Vigo. Der Auftritt der höchstsympathischen Spanier begeisterte mich restlos. Später am Rande meines - nun ja - "How to create iconic indiepop album covers in Lego" - Workshops kamen wir ins Gespräch. Durch diesen Kontakt entstand die Idee, die Naldas (und eine zweite Band) irgendwann einmal nach Deutschland zu bekommen. 

2014 bei meinem zweiten Indietracks spielten The Royal Landscaping Society (Sevilla) und Linda Guilala (Vigo). Noch zwei neue Lieblinge! Und noch zwei Kandidaten für eine Köln-Konzert-Spinnerei.

Die stellte sich schnell als große Schnapsidee raus. Nach ersten Geprächen zeichnete sich ab, daß sich selbst die bescheidenen Vorstellungen der Spanier, nur die Reisekosten einspielen zu müssen, als utopisch herausstellten. Ein Freund rechnete mir vor, was eine Minitour mit zwei Bands kosten würde, ohne fremde (finanzielle) Hilfe würde das nicht funktionieren. Dummerweise funktionierte aber die auch nicht. Spanische Firmen, deutsche und spanische Kulturinstitute, Handelskammern, Fremdenverkehrsorganisationen, Lutscherhersteller... es kamen entweder keine Antworten* oder "viel Glück, tolle Idee, wir haben aber keine Etats" mails. Da auch die (gegen Werbung auf den Plakaten) angebotene Lutscherpackung keine Flugtickets gezahlt hätte, war ich reichlich desillusioniert. 

Und was hilft in solchen Momenten? Das Indietracks.

Gemeinsam mit Olaf aus Berlin stand ich Samstag oder Sonntag im Merchzelt und wartete auf den Überraschungsauftritt von Cris Romero, dem Sänger der Royal Landscaping Society. Im Publikum des Indietracks sind immer irre viele Musiker von Bands, die in den Vorjahren dort aufgetreten sind. Einige von denen spielen kleine akustische Konzerte im Verkaufszelt. Am Rande von Cris kurzem Auftritt erwähnte ich meine gescheiterten Bookingpläne. "Das wollte ich auch machen! Die Naldas und die Landscapers! Komm, lass uns das gemeinsam organisieren! Aber mit drei Bands. Linda Guilala als dritte?" Da Cris da war, sprachen wir ihn bei nächster Gelegenheit an, und verabredeten, den Rest mit den beiden anderen Bands bei Facebook zu besprechen. Mitte August stand die Idee. Die drei Gruppen waren begeistert, Clubs in Köln und Berlin, Flüge, alles fand sich. Einfach würde die Sache nicht werden. Drei Bands bedeutete elf Musiker. Und Billigflüge bedeuteten, daß Instrumente und Verstärker vor Ort geliehen werden mussten. Ich redete mir das damit schön, daß kommende Konzerte, die ich organisieren würde (die nächsten waren das schon in der Planung), viel weniger schlimm werden würden.

Und dann war es Freitag 18 Uhr und meine drei liebsten spanischen Bands standen im Tsunami und machten ihren Soundcheck... 

Die kleinen Pannen (das Pedal für die Bassdrum hatte der Verleiher vergessen, die Diskussionen zwischen zwei Experten und google, was genau "TRS to XLR cables" sind und wofür man die braucht, hatte so lange gedauert, daß wir die bestellten Jutebeutel nicht mehr abholen konnten, den Drucker aber auch nicht telefonisch erreichen konnten, damit er den Karton irgendwo draußen abstellt) endeten pünktlich vor Konzertbeginn - und um kurz nach neun begannen The Royal Landscaping Society ihr Set vor wundervoll vielen Leuten. Die Landscapers sind Cris, María, David und Juan Luis. Wäre die Band zweieinhalb Jahrzehnte vorher entstanden, hätte sie vermutlich Singles bei Sarah Records veröffentlicht. Neben Einflüssen wie den Field Mice oder Brighter klingen aber auch New Order immer wieder aus den wundervollen Stücken der Andalusier raus, das wurde mir live ganz deutlich.

The Royal Landscaping Society spielte alle Songs ihrer grandiosen Debüt-EP (die sie am Merch-Tisch als Button mit Downlod-Code verkaufte, physisch ist sie lange ausverkauft) und zwei mir unbekannte Lieder (San Sebastían und There's nothing left to look forward to). Während unserer Planungen und Absprachen hatten die Landscapers und die Naldas überlegt, daß es ja ein wenig doof sei, einen spanischen Indiepop-Abend zu veranstalten, bei dem zwei der Bands nur englische Songs spielten. Die Royal Landscaping Society coverte also einen Popklassiker aus ihrer Heimat, Perlas ensangrentades von Alaska y Dinarama, mit When Nalda Became Punk Sängerin Elena als Gast.

Ich bin parteiisch... Ich habe den Auftritt der Band geliebt! Gottseidank war die Resonanz auch richtig gut. Ich hatte zwar keine Angst vor enttäuschtem Publikum, schließlich hatte ich alle drei Gruppen schon auf Bühnen gesehen, beruhigend war es aber trotzdem!


Setlist The Royal Landscaping Society, Verbena Pop, Köln:

01: Clean
02: Friends and lovers
03: There's nothing left to look forward to
04: Lalala
05: San Sebastián
06: Perlas ensangrentadas (Alaska y Dinarama Cover) (mit Elena Sestelo)
07: Goodbye
08: Frost
09: Early sunrays



Nach kurzem Umbau kam die nächste Band mit tollem Namen, When Nalda Became Punk. Die Naldas - Elena, Roberto, Antonio und Bruno - haben 2013 eine atemberaubend schöne Debütplatte (A farewell to youth), 2014 die fast noch bessere EP Indiepop or whatever (mit vier Hits, u.a. Song for Carrie Mathison) veröffentlicht. Meine heimlichen Lieblinge sind aber das Lied über Elenas und Antonios Dackel Truffaut, the dog und die Single When Nalda Became Punk.

Als das Quartett aus Vigo begann, tanzten einige im Saal. Uff! Auch die kamen also gut an. Ganz ehrlich... wenn die Naldas halbgute Lieder singen würden, würde man sie trotzdem lieben, weil die Musiker so unglaublich sympathisch sind. Ich hatte mich 2013 nicht nur in die Musik sondern auch in die Band verliebt. Aber ihre Lieder sind ganz und gar toll!


Elena und die drei Jungs noch einmal zu sehen, war also jede überwundene Widrigkeit wert!


Die vier aus Vigo spielten Stücke von ihrer Platte und ihrer EP und zwei neue Lieder (Long before und New year's day). Antonio kündigte an, daß später im Jahr eine 10" Platte erscheinen werde (juchuuu!). Als ich nachmittags Cris (einem ausgemachten Field Mice Fan) den Einlaß-Stempel gezeigt hatte (mit meiner Lego-Version des Sensitive-Covers), freuten sich die Naldas besonders und stempelten ihre Setlisten ab. Warum, zeigte sich Mitte des Konzerts. Ich hatte auf ein Cover gehofft. Die Band hat vor ein paar Monaten ein Belle & Sebastian Konzert gespielt und Lieder jeder Platte unserer gemeinsamen Lieblinge aus Glasgow gecovert. Für die Minitour hatten sie sich Emma's house von den Field Mice ausgesucht, herrlich!

Ich bin parteiisch... Ich habe den Auftritt der Band geliebt! Aber scheinbar nicht nur ich!

Setlist When Nalda Became Punk, Verbena Pop, Köln:

01: When it'll come 
02: Indiepop or whatever 
03: DIY 
04: Before 5 
05: New year's day 
06: Song for Carrie Mathison 
07: Emma's house (The Field Mice Cover)
08: Daylight saving time 

09: Long before 
10: Sometimes 
11: When Nalda became punk

Ich hatte mich auf alle drei Bands gleich gefreut! Es war eine Tripel-Headliner-Show! Bei Linda Guilala kam aber eine kleine Gemeinheit dazu, die meine Vorfreude noch mal steigerte. Linda Guilala (auch aus Vigo) haben 2009 eine Platte (Bucles infinitos) und 2011 eine EP (Paranormal) veröffentlicht, die sehr schöne Popsongs enthalten. 2014 erschien die Xeristar EP, die stilistisch einen Bruch darstellte. Linda Guilala sind darauf viel noisiger. Aus den schönen Popsongs wurden grandiose Shoegaze-Stücke! Beim Indietracks 2014 hatte mich die Band komplett auf dem falschen Fuß erwischt und mit ihren lauten Gitarren umgehauen! Wobei "Gitarren" Unsinn ist, weil es nur eine gibt. Aber Gitarrist Bruno hatte immerhin zwei Verstärker.

Neben Bruno sind Linda Guilala Sängerin Eva und Schlagzeuger Iván. Eigentlich hätte man die Augen zu machen müssen und sich von der herrlichen Musik wegtreiben lassen müssen. Dann hätte man aber verpasst, wie Iván sein Schlagzeug verprügelte und Bruno vor ihm mit dem Rücken zum Publikum hin- und hertigerte. 

Die drei Linda Guilalas kannte ich vorher nur vom Mailen. Aber auch Eva, Iván und Bruno sind schrecklich nette Menschen!

Ich kannte wenige der Songs, die die drei Krachmacher spielten. Ein neues Album erscheint bald, viele der gespielten Stücke werden darauf enthalten sein. Ach, es war herrlich - genau so, wie ich es mir erhofft hatte!


Ich bin parteiisch... ja, ja. Wundervoll war es!

Setlist Linda Guilala, Verbena Pop, Köln:

01: Abisal
02: Miedo
03: Chicas guapas
04: No me veis
05: Ciudades pequeñas
06: Cosas nuevas
07: Verano
08: Abstinencia
09: Lo siento mucho
10: Accidente
11: Sábados de tormenta
12: Monstruo
13: Ultima vez

Erstaunlicherweise fühlte sich der Abend wie ein echtes Konzert an. Das lag natürlich nicht am hochstapelnden Veranstalter sondern an den drei fabelhaften Bands, die aus den widrigen Umständen (fremde Stadt, Anreise erst unmittelbar vorher, fremde Instrumente...) das beste machten. Vorher hatten sie sich zum Beispiel abgesprochen, wer welche Pedale mitbringt, um Reisekosten zu sparen. 

Richtig doof an dem Abend war eigentlich nur, daß das Konzert meine Ambitionen, Lieblingsbands nach Köln zu holen, nicht gebremst hat.

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Royal Landscaping Society, Ripley, 26.07.14
- When Nalda Became Punk, Ripley, 27.07.13
- Linda Guilala, Ripley, 26.07.14


* cheers, Radeberger!





Fotos: Claudia
Liner Notes:
Muchas gracias WNBP, Linda Guilala y The Royal Landscaping Society, Olaf, Tsunami, Philipp, Box & Mike, Laura & Nelle, Christina & Thomas, Claudia, Oliver, audiencia!

Dienstag, 30. Juli 2013

When Nalda Became Punk, Ripley, 27.07.13

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Konzert: When Nalda Became Punk
Ort: Indietracks Festival
Datum: 27.07.2013
Dauer: gut 40 min



Seit Jahren lockt mich das Indietracks Festival irgendwo mitten in England, und vermutlich wäre das auch noch eine Weile so weitergegangen, wenn ich nicht Anfang des Jahres bei einem Konzert im King Georg energisch darauf hingewiesen worden wäre, da gefälligst dieses Jahr hinzufahren. Das sei schließlich genau meine Musik, die da gespielt würde. Und da ich schon immer sehr gut damit fahre, Freunden mit ausgezeichnetem Geschmack blind in Musikfragen zu vertrauen, reservierte ich sofort ein Hotelzimmer vor Ort.

Das Indietracks Festival ist das Paradies für Indiepop-Fans schlechthin. Das war mir schon klar. Wie toll es würde, wie viele großartige, mir vorher vollkommen unbekannte Bands ich für mich entdecken würde, hatte ich nicht geahnt. Nicht ansatzweise.

Am ersten Abend spielten drei Bands auf der Open Air Bühne. Big Wave (mit schiefem Gesang und nettem Pop), The Tuts, eine wahnsinnig junge Mädchenband in violetten Alufolien-Miniröcken, die unterhaltsam aber nicht wahnsinnig toll waren, aber vermutlich die meisten T-Shirts des Wochenendes verkauft haben und bis aus Glasgow, die zu toll waren, um das nicht mit einem eigenen Bericht zu würdigen.

Der Samstag begann schon früh mit einigen wunderbaren Auftritten. Der erste riesige Knüller waren aber um 17 Uhr When Nalda Became Punk aus Vigo in Spanien. Deren Album A Farewell To Youth kannte ich vor dem Festival - eine Ausnahme - daher waren die Spanier eine der wenigen vorher bereits gesetzten Bands.


WNBP war zunächst das Solo-Projekt der Sängerin Elena Sestelo, die Band entstand, nachdem Roberto Cibeira dazu kam. Begleitet wurden die beiden von Keyboarder Antonio und (Gast)-Bassist Bruno Murmura (der sonst in der Band Milknaut spielt). Die vier standen nebeneinander, einen Schlagzeuger gab es nicht, dessenPart übernahm Antonios Drumcomputer.


Das Set begann mit dem Instrumentalstück My headache is gone, das die Platte abschließt, aber nicht auf der Hülle genannt wird. Ich glaube, schon da war ich der Band hemmungslos verfallen. Die wundervollen Melodien, Elenas toller Gesang - herrlich!


Dabei sind die Lieder nur auf den ersten Blick fröhliche Popmusik. Summer, you and me handelt beispielsweise von unsicherer Zukunft, Joblosigkeit - und der Konstante, daß Spanien in all diesen Sommern wenigstens die Fußballendspiele gewann.

Oh, ich hätte dieser Band stundenlang zuhören und zusehen können! Alleine für dieses Konzert hätte sich der Ausflug in die englische Walachei gelohnt (aber das werde ich noch bei einigen anderen Berichten sagen)! 


Alle Stücke waren wundervoll! Die Höhepunkte waren aber Before 5, When I'll come und der Band-Mottosong When Nalda Became Punk (so was liebe ich eh!). 



Erstaunlich, daß der Indietracks-Auftritt erst der zweite auf einem Festival war. When Nalda Became Punk hatten vorher nur beim Madrid Popfest gespielt. Auch in Deutschland waren die Spanier noch nie - etwas, das sich ganz dringend ändern sollte! Über ihren Auftritt beim Madrid Popfest hat die Band ürigens ein Lied geschrieben (Indiepop ?), das ans Indietracks angepasst wurde. Elena versprach aber einen eigenen Song über das Wochenende in Ripley!

Es gab viele fabelhafte Konzerte am Wochenende. Dieses war für mich eines der zwei, drei besten! Bis hoffentlich bald, WNBP!

Setlist When Nalda Became Punk, Indietracks Festival:

01: My headache is gone
02: Moderns you should stay home
03: Summer, you and me
04: Satellites
05: DIY
06: Before 5
07: Indiepop (?)
08: When Nalda Became Punk
09: Sometimes
10: When I'll come

Links:

- mehr Photos von When Nalda Became Punk beim Indietracks Festival 



* das hat mir mindestens zwei Allzeit-Lieblingskünstler beschert - "hier hör' die Kassette, du wirst es lieben" (Hazel O'Connor) oder "Christoph, kauf sofort die CD von The Organ, das wird deine neue Lieblingsband"



 

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