Vor ungefähr vier Wochen hatte ich die Gelegenheit genutzt, um mir Dirk von Lowtzow zusammen mit Hans Nieswandt bei einer Podiumsdiskussion in Bochum anzuschauen. Es wurde lebhaft über den Sinn von Kunst und das Leben an sich gesprochen, wie Texte entstehen und was ein Bandgefüge so alles aushalten muß. Da mein Sohn gerade eine heftige Tocotronic-Phase durchlebt, kramte ich in alten Vinyl-Singles auf dem Dachboden und fand eine Split-Single der Tocos, die wir zur Unterschrift mitnahmen.
Es handelte sich um ein Werk aus dem Jahr 1996, und die zweite Seite enthält Songs der Band Chokebore. Nach dem Abend verschwand die Single zunächst wieder im Schrank, doch gestern musste ich sie dann nach zuvor 20 Jahren Tiefschlaf, innerhalb weniger Tage, zum zweiten Mal in die Tasche packen. Sänger der Band Chokebore, die 1994 sogar kurz mit Nirvana tourten, war Troy von Balthazar, der ein Konzert in der Düsseldorfer Kassette gab. Die Bar/Club/Kneipe ist eine der nettesten in Düsseldorf, regelmäßig finden hier Konzerte statt, meistens gratis, so auch gestern. Der vermeintliche Inhaber Sebastian verkündet dann auch um Punkt 21:00 Uhr mit fast militärischem Drill die Regeln des Abends: "Kein Gerede während der Show, draußen leise sein und bitte eine großzügige Spende für den Künstler am Ende." Troy steht daneben, wirkt wie der netteste Mensch der Welt und beginnt nahtlos mit einem wie er betont „Happy Song“. Davon hat er nun wirklich wenige im Angebot, um so mehr freue ich mich über den fast schwungvollen Beginn.
Troy hat hier vor zwei Jahren bereits ein Konzert gespielt, die meisten scheinen ihn zumindest zu kennen. Die „Kassette“ ist so gut wie voll. Nach dem Opener ein Mix aus Songs der neuen CD (Knights of something), alter Soloalben, und sogar einigen Chokebore-Songs. Besonders schön gerät auch ein Cover von Leonard Cohen (Who by fire), hier reduziert auf Gesang und E-Gitarre.
Troy spielt zwar Solo, doch eigentlich ist er eine komplette Band. Immer wieder loopt er mit den diversen Fußpedals seine eigene Gitarre, schichtet die Aufnahmen übereinander und erzeugt so einen vollen und runden Sound. Toll geraten dabei die Enden der Songs, die er wie von Geisterhand bis zur vollständigen Stille faded. Obwohl fast alle Stücke und Texte tieftraurig und fast depressive Inhalte haben, klingt die Show live einfach toll. Vielleicht will diese Art der Musik auch einfach nicht zu dem Bild des Künstlers auf der Bühne passen. Immer wieder bedankt er sich, lacht und scherzt, bevor er sich wieder mit geschlossenen Augen in einem Song verliert. Jeder einzelne davon wird anders dargeboten, nie kommt Langeweile auf. Auch wenn er behauptet die Songauswahl sei „random“, hier ist alles auf den Punkt geplant, jede Verzerrung, jeder Schönklang hat seinen Platz und wenn er nur Sekunden dauert.
Zwei Songs (Valentine, Wings) als lautstark geforderte Zugabe später ist dann leider schon Schluß. Sebastian sammelt fleißig für den Künstler und der Hut füllt sich schnell. Ein Gratiskonzert der Extraklasse mit einem Musiker der alle Facetten seiner Kunst beherrscht. Ein sentimentaler Genuss.
Konzert: Troy von Balthazar Ort: Oetinger Villa in Darmstadt Datum: 15. Mai 2016 Dauer: 60 min Zuschauer: etwa 40
(c) Christoph
Mit der Musik von Troy von Balthazar wird sich wohl für mich immerein auch aus persönlichen Gründen sehr aufwühlendes erstes Konzerterlebnis im Jubez (Karlsruhe) verbinden. Aber tatsächlich ist sein aktuelles Album Knights of Something wieder ein guter Grund, auch einen gewissen Weg auf sich zu nehmen, um Troy live auf der Bühne dabei zu sehen, wie er diese Art von Musik verfertigt. Die gewisse typische Struktur vieler Songs ist dabei zwar wie mit einem Echtheitssiegel versehen, aber für mich immer noch nicht ausgereizt, sondern faszinierend. Besonders, wie bestimmte Stücke überraschend einen Klammergriff um mein Herz legen. Dabei an der Oberfläche unendlich deprimierend und aussichtslos scheinen, aber auf wundersame Weise Trost spenden.
Trotzdem war die Entscheidung für einen Besuch in der Oetinger Villa in Darmstadt im Finale ein ziemlicher Krimi. Für etwa 110 km brauchen öffentliche Verkehrsmittel hier nämlich über drei Stunden bzw. auf der Rückfahrt die halbe Nacht (*). Dann aber zeichnete sich ab, dass es ein sehr seltenes Konzerttagebuchler Treffen geben könnte und ich holte meinen Mann mit ins Boot. Mit dem Auto wäre es im Zeitaufwand ok, zumal wir die Hauptverkehrszeit auf der A5 vermeiden würden. Der Plan ging dann auch (zum Glück!) bestens auf (x). Als wir 21 Uhr ankamen, war noch kaum jemand da, aber es füllte sich langsam und Troy hatte Zeit, fast jeden einzelnen zu begrüßen und zu bitten, ein paar Sätze in sein Diktafon zu sprechen. What is your favorite animal oder What makes you happy and Why? Inzwischen waren Oliver und Christoph auch angekommen (die wußten, dass es nicht vor 21:45 Uhr losgehen würde) und wir hatten Westerwälder Keramik und Römertöpfe gewürdigt und entschieden, dass die TVB-Bühnendeko mit Lämpchen echt schau aussieht. Als dann kurz nach 22 Uhr das Licht erlosch, ging das Konzert auch (endlich) los.
Der Auftakt wurde von Troy als Happy song eingeordnet und uns wurde attestiert You look pretty. Tatsächlich schien er richtig gut gelaunt zu sein und war im Verlauf des Konzertes mitunter geradezu spitzbübisch: My brain sounds like this... Schließlich war die Stimmung seiner Meinung nach reif für ein Lied vom neusten Album, nämlich das erste: Surfer. Bis dahin waren seine Hauptzutaten E-Gitarre, Verzerrung und Stimme gewesen. Im nächsten Song Tiger vs Pideon nutzte er dann eine kleine Klaviatur auf dem Boden und ohne durch die Fesseln der Gitarre gebunden zu sein, artete es in einen regelrecht expressionistischen Tanz aus. Anschließend war es Zeit für ein wenig Augen schließen meinerseits, denn Astrid ist wohl der mir liebste der neuen Songs. Er selbst kündigte ihn als Terrible mess song an (er würde ihm live ständig anders misslingen) und lachte tatsächlich das erste Mal ganz offen dabei (bis dahin war die gute Laune mehr so zwischen den Zeilen aufgeblitzt).
Auch ein Cohen Cover passte natürlich perfekt und bewies Troys These You are in the wrong concert for happy songs. Anschließend gab es tatsächlich ein kleines Disaster und Abbruch des Songs über eine (deprimierende) Fahrradtour durch Berlin. Statt dessen den (von mir sehr geliebten) Klassiker The Tigers. Zu meiner großen Überraschung führte der Text hier zu andauernden Heiterkeitsausbrüchen im Publikum. Er ist auch wirklich schwarzhumorig, aber war für mich bis dahin immer mehr so ein schwarzes Loch von Song gewesen. Nach einem gelungenen zweiten Versuch und einem akustischen (sogar ohne Mikro) Chokebore song war es Zeit, auch die gesammelten Audio-Schnipsel unterzubringen. Da huschte das Lächeln von Gesicht zu Gesicht beim wieder erkennen. Und so schwangen wir auf die Zielgeraden mit Smarter und anschließend einem fast tänzerischen Klangteppich (sehr geiles Stück) und einem Chokebore Song, der eine halsbrecherische Nacht-Fahrt einen Hawaianischen Berg hinab zum Anlass hatte. Klar musste es Zugaben geben. Und zwar sehr schön Tropical und Wings (als süßes Betthupferl verabreicht). Und da war sie wieder, die trostreiche Gewissheit, an diesem Abend genau das richtige getan zu haben.
Setlist:
01: Real strong love 02: Tone clusters 03: Surfer 04: I block the sunlight out 05: Astrid 06: Who by fire (Leonard Cohen Cover) 07: Touch is meat 08: The tigers 09: Thugs 10: One easy pieces (Chokebore) 11: Infinity face 12: Smarter 13: Heroic little sisters 14: Manic high 15: Valentine (Chokebore)
16: Tropical (Z) 17: Wings (Z)
(*) Es gibt noch die frühere Standardverbindung mit dem IC von Karlsruhe nach Frankfurt über Darmstadt, wo es akzeptable 75 min sind (die aber gegen 68 min bis in 20km weiter nördlich liegende Frankfurt auf der Schwesterstrecke auch nicht arg gut aussehen). Leider sehr selten und am Pfingssonntag das letzte Mal 17:10 Uhr. (x) Allerdings erwies sich aber auch meine Entscheidung nicht mit Öffis zu fahren nachträglich als sehr weise. Die hing nämlich daran, die Rückfahrt mit einem Bus 22:06 Uhr zu beginnen (das war die
einzige, wo von der Nacht noch ein Stück zum schlafen bleiben würde). Das Konzert begann 22:08 Uhr.
Konzerttermine: 15.05. Darmstadt, Oetinger Villa 16.05. Freiburg, Slow Club 17.05. Düsseldorf, Kassette 18.05. Namur, Belvedere 19.05. Liege, Le Hangar 20.05. Dour, tba 21.05. Offenbach, Hafen 2 22.05. Fribourg, Nouveau Monde 24.05. Wien, Rhiz 25.05. Prague, Potrvá 26.05. Berlin, Acud 27.05. Leipzig, Werk 2 28.05. Hamburg, Club Heim
Konzert: Troy von Balthazar Ort: Café Nun in Karlsruhe Datum: 12. April 2013 Zuschauer: 70 Dauer: 60 Minuten
Das Nuncafé hatte eingeladen auf Tee, Cola oder Wein, freundliche Gespräche, vorfreudig summende Atmosphäre und ... Musik. Ich hatte mich sehr auf Troy von Balthazar an diesem besonderen Ort in Karlsruhe gefreut. In der durchwachten Nacht auf den 12. April habe ich mir das Konzert dann aber definitiv ausgeredet. Unter Grippe und todmüde fühlte ich mich keinesfalls als Kandidatin für Radfahren im eisigen Wind, sondern als klassischen Fall für Vitamin C und frühabendliche Bettruhe.
Aber ... Auf den Abend suchte ich nach Wegen ins Nuncafé - dringlich. Troy würde der beste Arzt sein! Vitamine hin oder her - es ging ja im Grunde um mein trauriges Herz. Es klappte mit einer Fahrt im Auto kurz vor knapp und dann auch mit einem (letzen) freien Stuhl.
Bemerkenswert bei Konzerten im Nuncafé ist stets die für jeden Abend extra entworfene und umgesetzte Bühnendekoration. Diesmal wurde Troys roter Vorhang von vielen kindliche Figuren kommentiert, in denen jeder etwas eigenes finden konnte. Ein wirklicher Liebesdienst vonHannegret Lindner und Josia Ehniss für den Künstler und das Publikum gleichermaßen.
Christoph hat sehr treffend in Worten ausgedrückt, was mit einem passiert, wenn man Troy von Balthazar musizierend erlebt. Er ist ein so unscheinbarer stiller und freundlicher Mensch (Typ Jugendpfarrer). Dann steht er auf der Bühne mit wenigen und einfachen Hilfsmitteln und wird zu einem Mittler zwischen Himmel und Erde. Er hat diese Aura, die nichts mit Macht und Unterwerfung anderer zu tun hat, die aber nichtsdestotrotz unglaublich kraftvoll ist im Zeugnis des Mensch seins und wegen der sich ihm das Publikum freiwillig unterwirft.
Auch an diesem Abend, der im Ablauf dem bei Christoph beschriebenen glich, lauschte das ganze Café andächtig, klatschte zwischen den Titeln auffordernd und freundlich nachdem auch der jeweils letzte Ton ganz verklungen war. Als Troy schließlich auf den Stuhl stieg zu Tigers, dessen Worte sich mir so sehr auf dem letzten Konzert eingeprägt hatten, da fing es tatsächlich an zu kochen im Raum und es gab kein Halten mehr.
Für mein persönliches Fazit des Abends leihe ich mir von anderen wohlgesetzte Worte:
Bruno Stephan Scherer Dem Tag, der Mühe enthoben Geschenk des Abends Musik. ... Licht und Töne bauen die Brücke des Lebens hinüber, herüber.
Tatsächlich war es ein sehr heilsamer Abend im Nuncafé, der mich wieder erinnert hat an eine einfach Weisheit, die mich auch schon vor vielen Jahren durch schwierige Wasser gebracht hat:
Hilde Domin Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten.
Das war das, was ich in den Bildern der Deko und der Musik des Abends gefunden und mitgenommen habe.
Konzert: Troy Von Balthazar & The Loodies (Bedroomdisco) Ort: Café Hoppenworth & Ploch, Frankfurt Datum: 13.04.2013 Zuschauer: ca. 120 Dauer: Troy Von Balthazar gut 60 min, The Loodies 47 min
"I do make friends easily.
I put them to work like machines for me.
They're always home and always free" oder "You're just like the rest of us, you're colorless" sang Troy Von Balthazar mit leidender Stimme, bevor er etwas anderes ankündigte. "Now I wanna play a sad song. The ones before were so happy!"
Wenn man den zierlichen Amerikaner nicht kennt, käme man nicht auf die Idee, den Urheber dieser schrecklich düsteren aber auch wunderschönen Musik vor sich zu haben. Als Troy vor seinem Auftritt in seiner komischen grünen Jacke durch das Café Hoppenworth & Ploch auf dem Campus der Frankfurter Universität lief, hätte man ihn auch für den Pastor der ESG halten können, zumindest aber für einen freundlichen, vielleicht ein wenig langweiligen Mann. Nicht für den Rockstar und Frontmann von Chokebore, der Band, die Nirvana auf ihrer letzten US-Tour supportet hat (und deren T-Shirts Kurt Cobain getragen hat).
Als sich Troy seine E-Gitarre umschnallte und Took some $$ von seinem 2006er Album begann und mit Hilfe seiner Loopmaschine und seiner außergewöhnlichen Stimme dieses wundervolle Stück vortrug, merkte man, daß der Versicherungsvertreter, der dieser schüchterne Mann auch hätte sein können, spätestens jetzt verschwunden war.
Die ersten Lieder spielte Troy Von Balthazar so - am rechten Rand der Bühne mit seiner E-Gitarre und geloopten Melodien. Seit einigen Jahren ist dieses Live-Aufnehmen von kleinen Liedteilen, die dann schichtweise die Stücke aufbauen ja weit verbreitet. Owen Pallett, Dear Reader und viele andere setzen diese Technik gerne ein. So perfekt wie beim Auftritt des aus Hawaii stammenden Sängers habe ich aber noch kein Geloope erlebt. Dabei loopte Troy nicht nur seine Gitarre sondern auch ein auf dem Boden liegendes Keyboard und Gesangsteile.
Noch viel großartiger - aber genauso unauffällig - war die Art, wie Troy seine Lieder beendete. Die meisten Titel ließ er ausfaden. Er spielte und sang sie immer leiser, benötigte keine Absprachen mit seinem Soundmann. Toll war das!
Das als traurig angekündigte Stück war Tone clusters - und es war unfassbar schön! Am Ende hob Von Balthazar den Arm in die Höhe und blickte (besonders) leidend nach oben. Danach setzte sich der Sänger auf einen Stuhl, knipste eine Tischleuchte an und spielte dort weiter. Zunächst lief aber eine Frauenstimme von Band, die das, was Troy eine Ecke später in seinem Song The tigers singen sollte, wiedergab. "I love the music but I hate the pain. I drink to keep the tigers away." Als der Amerikaner die Frauenstimme ablöste, sang er von einem Dämonen, der ihn begleitete und von seinem bedeutungslosen Leben. Draußen schien da noch die Sonne an diesem ersten schönen Tag des Jahres. Applause vom aktuellen Album spielte Troy auf einem "für einen Zwerg oder ein Kind gebauten" Klavier. Zeilen wie "we deserve an award for being so evil" zu einer Spielzeug-Piano Melodie, das fasst den Auftritt von Troy Von Balthazar gut zusammen.
Daß auch ein Lied, das Tropical heißt und von seiner Heimat Hawaii handelt, sich dann überhaupt nicht nach Sommer anhörte, war dann auch nicht mehr überraschend. In dem Stück heißt es eben nicht "I am tropical" sondern "I wanna be tropical." Und die wahnwitzig traurige Melodie, zu der ein lautes Metronom klackte, erinnerte an I Like Trains, über die Konstantin Gropper einmal sagte, daß seine Band dagegen nach Mallorcamusik klinge. Als sich Troy wieder hinstellte, spielte er die besten Lieder des Auftritts. Queen of what? von neuen Album beeindruckte mich sehr. Spektakulärer war nur noch das schon früh angekündigte The tigers, zu dem Troy (der eigentlich Bruno heißt bzw. als Bruno auf die Welt kam) auf den Verstärker stieg, einen kleinen Ghettoblaster und Schellen in die Hände nahm und sich wie ein Bobybuilder aufbaute. "I drink to keep the tigers away." Großartig!
Und dann gab es doch noch ein fröhliches Lied, für das sich Troy fast entschuldigte. "I wrote once a happy song. I woke up and there it was."
Ein wirklich eindrucksvoller Auftritt des enorm sympathisch wirkenden Manns, der in seinem Leben offenbar so viel mehr erlebt hat, als man ihm ansieht. "I wrote this song while I was living in my car," kündigte er die zweite Zugabe Wings an. Aber die Sitze seien bequem gewesen. Setlist Troy Von Balthazar, Bedroomdisco, Frankfurt: 01: Took some $$ 02: Tiger vs. pigeon 03: Rainbow 04: Communicate 05: Tone clusters 06: I block the sunlight out 07: White sailboat 08: Purple gold eye 09: Applause 10: Tropical 11: Magnified (?) 12: Zeros 13: Queen of what? 14: The tigers 15: Heroic little sisters 16: You, when you're drunk (Z) 17: Wings (Z)
Die Band, die ursprünglich vor Troy auftreten sollte, The Loodies aus Montréal, hatte den Auftritt des Hawaiianers auf einem Sofa links neben der Bühne angesehen. Als Chokebore mit Nirvana auf Tour waren, waren die Kanadier noch nicht auf der Welt, sie sind 18. Die Frisur des Sängers verdeutlichte dies. Sobald sie ihr erstes Lied angestimmt hatten und das irgendwann einen Bruch erlebte und herrlich dramatisch weiterging, standen die ersten Münder offen. Diese Musik stammt von so einer jungen Band? Mich erinnerten die Stücke der Loodies mal an ihre Landsleute Malajube, mal an British Sea Power.
Genauso großartig wie das erste Stück Hidden youth (sie treffend!) war Black waves, das auch von Debüt der Band stammt - oder das neue Lied, das sie als dritten Song spielten, und das noch keinen Text hat.
Womit ich mich etwas schwer tat, waren die Stimmen von Sänger Ludovic und Keyboarderin Lysandre Ménard, die gewöhnungsbedürftig sind. Je häufiger ich ihre Lieder auf Platte höre, desto besser gefallen sie mir. Beim Konzert überzeugten mich die Kompositionen und das professionelle Spiel der fünf Kanadier mehr. In dem Zusammenhang ist übrigens "Keyboarderin" Unsinn. Lysandre spielte so virtuos auf ihrem Nord-Piano, daß ich davon ausgehe, daß die junge Frau ausgebildete Pianistin ist. Auch ihre Begleiter klangen alle so, als könnten sie sofort jeden Part in Bands wie Arcade Fire, Sigur Ros oder Get Well Soon übernehmen. Wenn sie nicht alles falsch machen, werden die Loodies (im Indie Genre) Karriere machen!
Besonders toll wurde es immer, wenn Gitarrist Jérémy seine Gitarre wegstellte und zur Trompete griff! Er trug zwar am Anfang den schauderhaftesten Pulli, den ich je gesehen habe, spielt aber musikalisch eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu Troys Stücken endeten die der Loodies oft sehr plötzlich - das Konzert aber nicht. Auch die eigentliche Vorgruppe spielte zwei Zugaben, auch eine auf französisch, und wurden danach vom vollen Café gefeiert. Toll, toll, toll, wie stilsicher die Bedroomdisco-Macher den Abend wieder einmal zusammengestellt haben! Setlist The Loodies, Bedroomdisco, Frankfurt: 01: Hidden youth 02: The jugger 03: (instr.) (neu) 04: Coline 05: Black waves 06: Sunday 07: Hour of the wolf 08: Help me on 09: The anchor 10: ? 11: La petite mort (Z) 12: The thief (Z)
Konzert: Troy von Balthazar (& Julien Pras & Luis Francesco Arena & The Electric Fresco)
Ort: La Boule Noire,Paris
Datum: 20.03.2013
Zuschauer: etwa 200
Konzertdauer: Troy etwa 1 Stunde,Julien Pras 50 Minuten, die anderen beiden kürzer
Troy von Balthazar ist ein unglaubliches Phänomen. Ein Mann voller Widersprüche. Optisch wirkt er wie der typische kalifornische (oder besser hawaiianische) Sunnyboy und man könnte sich ihn auch perfekt als leichtlebigen Surfer vorstellen. Musikalisch hat sein Schaffen aber so rein gar nichts mit unbeschwertem Strandleben und der Leichtigkiet des Seins zu tun. Da klingt alles schwerst traurig, wolkenverhangen und tödlich melancholisch.
Warum eigentlich fragt man sich? Und schiebt kurze Zeit später diese Frage wieder beiseite, weil man der Person Troy von Balthazar nicht zu Nahe treten und seine Privatsphäre respektieren will und weil man auch gar nicht wirklich das Mysterium um seine Person auflösen will. Lieber erhält man sich das Rätsel, benügt sich damit festzustellen, daß er ein sensibler und gefühlsbetonter Mann ist, der zufälligerweise in einem starken, drahtigen Körper steckt und hört seiner fragilen Musik zu.
Musik, die nie trauriger, allerdings auch nie schöner und nahegehender klang als an jenem 20. März in der Pariser Boule Noire. Etwa 60 Minuten lang hauchte der Hawaiianer seine suizidalen Songs theatralisch wie immer in sein Mikro, spielte dazu E- und ab und an akustische Gitarre und jagte mir damit ein riesiges Messer durchs Herz. Das war schonungslos emotional, schockierend trist, aber irgendwie auch wahnsinnig tröstlich. Auf einen für depressive Stimmungen anfälligen Menschen wie mich wirkten die Stücke wie Balsam auf die Seele, ich fühlte mich verstanden und in Geborgenheit.
Da es nicht übermäßig voll war, enstand eine sehr intime Atmosphäre, zumal diejenigen die da waren, in der Mehrzahl zu den Hardcorefans zählten. Die waren nicht rein zufällig hier, sondern verfolgen die Karriere des Hawaiianers schon seit Jahren. Florent Dupont (vom Chokebore Forum), Magali Boyer (die Fotografin eines feinen Bildbandes über den Musiker), Oliver Peel (keine Ahnung, wer das ist), all diese Leute wissen genau, daß der ex (?)-Chokebore Sänger ein Ausnahmekünstler ist. Wer sich einmal mit diesem Melancholiker beschäftigt hat, kommt von ihm nicht mehr so leicht los. Zu groß ist seine Klasse, zu stark sind seine Songs, zu charismatisch ist der Bursche. Einmal Fan, immer Fan.
Zu recht, denn man hat das Gefühl, daß sich der Musiker immer noch weiter verbessert, noch weiter reift, noch bessere Lieder schreibt.
"C'est un tube- das ist ein Hit" schrie ein etwas verrückter Fan während des Konzertes immer mal wieder rein, wenn ein altbekannter Song erklang (z.B. Heroic Litte Sisters, immer noch sagenhaft) Aber die Lieder von Troy sind nie kommerzielle Hits geworden, sie waren es immer nur aus Sicht der Indie-Leute. Textzeilen wie "My life has no meaning", I drink to keep the tigers away oder "Days Of Nothing" (von Chokebore) sind halt nicht sonderlich radiotauglich. Der Mainstream mag es happy und unbeschwert.
Dabei finde ich persönlich gerade die stark schwermütige Seite besonders anziehend. Kaum einer vermittelt sie so glaubwürdig wie von Balthazar, wobei der Künstler mit dem Thema nie zu schwülstig umgeht, sondern immer auch ein gewisses, sehr sympathisches Augenzwinkern erkennen lässt. Symptomatisch dafür war Troy's Kommentar: "So now I wanna play a sad song, because the others before were so happy".
Der "sad song" von dem der Ami sprach hieß dann Tone Clusters. Ich kannte das Stück vorher nicht, war aber von Anfang an total geplättet. Melancholischste Gitarren, fast wie bei Balladen von Interpol, erfüllten den Raum und tänzelten im Sample-Modus das ganze Stück über sehnsüchtig vor sich hin. Troy sang dazu Zeilen wie: I want you to remember me this way oder I want you to remember the falling face" und wer bis dahin noch nicht den perfekten Song für seine Beerdigung gefunden hatte, wurde hier fündig. Das war ganz großes Kino, an Gefühl und Intensität kaum zu übertreffen.
Dennoch war auch das übrige Set kaum schwächer, wenngleich mit Tone Clusters in der Tat der emotionale Höhepunkt erreicht worden war.
Hatte Troy die ersten sechs Songs stehend bestritten, ging er nun in sein "Wohnzimmer" und spielte ein paar Lieder lang sitzend weiter. Ein Teil der Bühne war tatsächlich wie ein kleines Wohnzimer eingerichtet, es gab einen Sessel, eine Stehlampe und einen roten Vorhang. Etwas karg, aber man konnte es sich da durchaus bequem machen. Troy hätte jetzt eigentlich Passagen aus seinem neuen Buch This Poem Does Not Please Her vorlesen können, aber das hielt er für zu "pretentious", zu abgehoben, so zumindest hatte er sich am Vortag beim tollen akutischen Showcase in der Boutique der Balades Sonores hierzu geäußert.
Es ging also mit Musik und keinem Buchvortrag weiter und wir hörten unter anderem nach dem Tigers- Intro mit unsäglich trister Frauenstimme das suizidale White Sailboat, ein sehr sanftes, absolut wundervolles Lied, in dem auch die Songzeile "I'm with the demon", dem Titel des aktuellen Albums, vorkam. Den Song Applause performte Troy auf seinem kleinen Piano, musikalisch toller fand ich allerdings Santiago, ein Lied mit treibenden, fast militärischen Ryhthmen, verführerischen Gitarrenparts und einem langgezogenen, sehnsuchtserfüllten Gesang mit psychedelischer Note. Ein Kracher!
Auch Queen Of What empfand ich als Highlight. In einer Stelle hieß es textlich: let's go back to my place and I will perform for you", was Troy vorher kurz damit erklärt hatte, daß er in einem einem kleinen fürchterlichen Appartement im 14. Pariser Arrondissement gelebt hatte ("a horrible, little flat"), in dem er allerdings "nice times" erlebte.
Zum Song Tigers, stellte sich von Balthazar mit einem kleinen Gettoblaster und Percusssions in der jeweiligen Hand auf einen Stuhl und trug ihn mit geschlossenen Augen vor.
Die Schlußphase dann noch einmal ganz groß. Real Strong Love war catchy as hell und das anfänglich elektronisch pluckernde Heroic Litte Sister so etwas wie Troys größter Hit, der nichts von seiner Strahlkraft verloren hat und heute in einer herrlichen, leicht abgewandelten Form präsentiert wurde.
Dann war aber auch schon Schluß, zumindest fast. Es gab als Zugabe noch das wundervolle Wings und viele nette und höfliche Worte des ungemein gut erzogenen Hawaiianers an das Publikum. Für ihn sei es nach wie vor seltsam, daß Leute klatschen würden, bekundete er ganz aufrichtig. Das sei ein merkwürdiges, aber schönes Gefühl.
Nun, Applaus hatte er sich redlich verdient, denn dieses etwa einstündige Konzert machte deutlich, daß Troy von Balthazar einer der ganz großen Singer-Songwriter unserer Zeit ist. Die stürmische Phase von Chokebore scheint vorbei, heute das war harmonisch rund und sagenhaft schön.
Rätselhaft bleibt von Balthazar trotzdem und das ist auch gut so. Er ist eben ein unglaubliches Phänomen!
Setlist Troy von Balthazar, La Boule Noire, Paris
01: Took Some Dollars
02: Tiger Vs.Pigeon
03: Rainbow
04: Communicate
05: Tone Clusters
06: I Block The Sunlight Out
07: Intro: Keep The Tigers Away (Frauenstimme von Band)
Nachtrag: vorher waren noch ein paar französische Acts aufgetreten, die wie von Balthazar auf dem tollen Label Vicious Circle beheimatet sind, das an jenem Tage seinen 20. Geburtstag feierte. Meine Aufmerksamkeit galt aber ausschließlich dem Hawaiianer.
Ort: Jubez in Karlsruhe Datum: 28.11. 2012 Dauer: etwa 70 min Zuhörer: 30
The Tigers
I drink to keep the tigers away I sail my boat across the bay I do what I can to get through the day I drink to keep the tigers away my new car is gold and gray she always smiles I always pay I feel like hell but I look okay I drink to keep the tigers away {the tunnel at the end of the light the tunnel at the end of the light} I float above the bar like a Manta ray I always hoped I'd end up this way I love the music but I hate the pay I drink to keep the tigers away my only girl is a bird of prey I think she works for the C.I.A get me another beer, I think I'll stay I drink to keep the tigers away {the tunnel at the end of the light the tunnel at the end of the light}
Es gibt Tage, da fällt es schwer daran zu glauben, dass nur Zufall am Werk ist. Nun muss man ja nicht gleich Musik zur Religion erheben, aber sicher ist, dass Musik mitunter an innerste Regionen in uns rührt. Dabei kann sie uns aufwühlen, aber auch heilen und trösten. Und dann wird der Musiker doch zu so etwas ähnlichem wie einem Priester. So deute ich mir zumindest mein Erlebnis im Konzert von Troy von Balthazar.
An diesem Tag hatten wir zuvor gefeiert. Dafür gab es mehrfachen sehr guten Grund und es gab viele liebe Gäste, die die Freude mit uns teilen wollten. Eigentlich also ein froher Tag - insgeheim sogar ein triumphaler. Was sich bei mir jedoch nicht einstellen wollte, war das warme Gefühl der Zufriedenheit und des Glücks über erreichtes. Stattdessen wurden die Verletzungen und die mit streiten und kämpfen verlorene Zeit in ihrer Gesamtheit lähmend spürbar und machten mir das Herz unsäglich schwer. Eine blöde Situation, wenn einem der Verstand sagt, dass man doch nun bitte schön einfach mal stolz sein könnte und man keinem sagen kann, dass man sich am liebsten nur eine Bettdecke über den Kopf ziehen möchte um ungestört eine Runde zu heulen.
Dann saß ich im Jubez und wartete auf den Beginn des Konzertes. Was nicht stimmt. Ich war gar nicht richtig da, sondern in meinen widersprüchlichen Gedanken versunken. Dass ich bei der Feier auch etwas Wein getrunken hatte, machte meinen Kopf auch nicht gerade klarer. Es wunderte mich nicht mal richtig, dass Troy von Balthazar die Bühne betrat ohne dass die angekündigte Vorband gespielt hatte. Und dass er es zu einer Zeit tat als hätte die Vorband gespielt. 50 min Wartezeit waren mir einfach so durchgegangen...
Ganz unprätentiös betrat er die Bühne vor einem roten Samtvorhang, nahm seine Gitarre zur Hand und begann zu singen. Später wechselte er an ein Keyboard, das er auf den Schoß nahm. Und er verfremdete seine Stimme manchmal. Er loopte vor unseren Augen oder nutzte eingespielte Soundschnipsel, ein Megaphon und eine Rassel. Die Details sind mir nicht so richtig präsent. Präsent ist nur das Gefühl: der spricht statt meiner und für mich ... The tunnel at the end of the light... Trägt meine ganze Traurigkeit und Verzweiflung vor eine höhere Macht und klagt. All das Durcheinander in mir aus Genugtuung, Stolz, Wut und Traurigkeit kannte er genau und konnte es ausdrücken. Die Zeilen, die mich unvorbereitet am meisten trafen habe ich oben zitiert. Sie wurden einmal im Übergang als gesprochener Text (weibliche Stimme) eingespielt und später in einer regelrechten Beschwörungsperformance von ihm gesungen. Für alle anwesenden klar DER Höhepunkt des Abends - intensiv, fragil und kraftvoll in einem. Hier gibt es ein Video aus Paris, das auch im Jubez aufgenommen sein könnte. Es beginnt mit dem gesprochenem Text und zeigt auch die Performance von Tigers mit Rasseln und Ghettoblaster auf der Schulter.
Außer mir waren der Einladung ins Jubez leider zu wenige Menschen gefolgt. Die da waren, sind dem Jubez bestimmt eben so dankbar wie ich, dass es immer wieder so tolle Leute und Bands nach Karlsruhe holt. Denn es war mucksmäuschen still und es herrschte eine wahrhaft andächtige Atmosphäre. Und zwischen den Songs wurde der Meister euphorisch gefeiert. Man glaubt gar nicht, dass 30 etwas verlorene Leute in einem Raum für 100 Menschen so eine enthusiastische Stimmung verbreiten können. Über die Zusammensetzung habe ich hinterher noch etwas gerätselt. Denn es waren ganz überwiegend junge Männer da (und manche nicht ganz so junge). Und die Frauen konnte ich an einer Hand abzählen. Insofern war der Austausch über den Äther hinweg putzig, wo andernorts am gleichen Tag vom Publikum gesprochen wurde, das auch auf einem Linuxprogrammierer-Treffen passen würde (*). So in etwa kam das an dem Abend schon hin im Jubez. Nach etwas weniger als einer Stunde war zunächst Schluss, aber natürlich konnte sich Troy von Balthazar in dieser Atmophäre dem Wunsch nach mehr nicht entziehen und gab ausführlich Zugaben. Und nach dem Konzert war fast jeder vorn bei ihm, um ein paar persönliche Dankesworte zu sagen und meist auch den aktuellen Tonträger einzupacken, was den Künstler sichtlich freute.
Es wäre ein zu schönes und unrealistisches Ende, wenn ich nun sagen würde, ich ging erlöst und froh nach Hause.
Aber die Erfahrung, des verstanden werdens werde ich wohl noch lange als kostbares Gut an meinem Herzen tragen. Und - in jeder Situation - ist Troy von Balthazar ist ein lohnendes live Erlebnis!
(*) Interessant dabei auch: Am "anderen Ort" spielten Mono, die auch im Dezember noch im Jubez Station machen werden. Ich denke, ich werde dann mal schauen, wie es mit den Linux Programmierern an dem Termin in Karlsruhe aussieht ...
Konzerte: Josh T. Pearson (+ Lisa Germano) & Troy von Balthazar Orte: Le Café de la Danse (Josh), La Machine Du Moulin Rouge (Troy), Paris Datum: 15.04.11 Zuschauer: jeweils etwa 400-500
"Man soll nicht auf zwei Hochzeiten tanzen", so das Sprichwort.
Selbstredend, daß solch althergebrachte Weisheiten für mich nicht gelten. "Man kann nicht alles haben", auch diesen Spruch habe ich schon als Kind gehasst, ich wollte immer alles haben und dachte nicht daran, mich mit der Hälfte zu begnügen.
Gleichzeitig auf zwei Konzerten zu sein, ist aber selbst bei größtem Ehrgeiz nicht möglich. So musste ich dann zähneknirschend hinnehmen, daß ich von den Konzerten von Josh T. Pearson respektive Troy von Balthazar jweils nur die Hälfte mitbekam, weil die beiden Herren an relativ weit auseinanderliegenden Orten ihre schöne Kunst zur Schau stellten.
Begonnen hatte den Konzertabend des 15. April 2011 allerdings eine Dame. Lisa Germano hielt sich gegen 20 Uhr 15 im Café de la Danse am wundervollen Flügel bereit und ließ etwa 40 Minuten lang ihre Finger samtweich durch die Tasten gleiten. Ihre sehnsüchtigen Pianoballaden begleitete sie mit einer herzerweichenden Hauchstimme und schaffte es mit dieser Rezeptur tatsächlich, meinen überdrehten Puls deutlich nach unten zu fahren. Sie schien optisch vom Leben angegangen (kein Wunder, sie ist Jahrgang 1958), stimmlich war sie aber nach wie vor top. Zum Vortrag kamen Stücke von verschiedenen Werken ihrer umfangreichen Diskografie, vor allem vom aktuellen, noch nicht erschienenen Ouput und dem Vorgänger Magic Neighbor. Zwischen den Songs gab es immer mal wieder Erklärungen zur Entstehungsgeschichte der Stücke und auch ein paar Anekdoten, an die ich mich aber nicht mehr so genau erinnern kann (Alzheimer lässt grüßen!). Auf jeden Fall ging es in der witzigsten Szene um ihren bösen Nachbarn und auch eine Katze spielte in der Anekdote eine Rolle (oh je, Oliver, wo warst du mit deinen Gedanken, als sie das alles erzählte?).
Nach etwa 40 Minuten hatte die gute Lisa dann ausgeklimpert, schnappte sich die Setliste und ihr Glas Rotwein und überließ die Bühne dem Texaner Josh. T. Pearson, der in der Kabine schon mit den Hufen (ähem den Cowboy-Boots) scharrte.
Der hagere, hochaufgeschossene Bartträger ließ sich dann gegen 21 Uhr 15 auf der Bühne blicken, fragte zynisch, ob wir Pariser an einem Freitag abend nichts Besseres zu tun hätten, als einem traurigen Singer/Songwriter zuzuhören und legte mit einem Boney M Cover (!) los. The Rivers Of Babylon verhunzte er aber dreimal, weil er von Lachkrämpfen geplagt wurde und sein Manager Peter schüttelte am Bühnenrand schon entsetzt mit dem Kopf. Aber der verpatzte Start war (vermutlich) Teil der Show, die in der weiteren Folge wunderbar flutschte. Josh schafte es ganz alleine mit seine Akustikgitarre und seiner markanten Stimme, eine knisternde Atmosphäre zu kreieren und die Leute zum Schweigen und Zuhören zu bringen. Keiner muckte und dies obwohl die Stücke in der Regel mindestens 10 Minuten lang und oft sehr karg instrumentiert waren. In einzelnen Momenten kitzelte Josh die Saiten seiner Klampfe nur ganz leicht, bloß um kurz später perlende Riffs hinterherzujagen, die aufbrandeten wie eine hohe Welle im Meer. Tottraurig die Texte, in denen es um Trennungsschmerz, Einsamkeit und Depresisonen geht, Themen mit denen sich Josh in den letzten Jahren auseinandersetzen musste. Schmerzliche Erfahrungen, die allerdings der perfekte Näbroden für seine verzweifelten Bildhübsch-Songs waren und den Mann mit der Totenkopf Gürtelschnalle inspiriert haben. Aufgenommen wurden sie zum Großteil in Berlin, wo Josh ein paar Jahre lang lebte und wo er sogar eine deutsche Frau geheiratet hatte, von der inzwischen geschieden ist. In den letzten eineinhalb Jahren kampierte Pearson in Paris, genauer gesagt in der Wohnung über der Créperie West Country Girl. Der Patron Erwan Le Floch ließ ihn dort völlig mietfrei leben, ihm genügte es, daß der Texaner Akustik-Sessions in seinem Restaurant abhielt und famose Künstler aus Texas einlud, darunter Bosque Brown und Micah P. Hinson. Diese West Country Girl Night Sessions sind legendär geworden und inzwischen interessieren sich selbst britische Musikjournalisten genauestens für diese originellen Veranstaltungen, das Restaurant und die Pariser Vagabunden Zeit von Pearson (selbst Mojo berichtete).
Das Café de la Danse ist allerdings keine urige Crêperie und so war das heutige Konzert doch mit wesentlich mehr Druck verbunden, als die improvisierten Konzerte, die vor Augen von wohlwollenden Freuden stattfanden. Druck, dem Pearson nach den oben geschilderten anfänglichen Problemen auf beeindruckende Weise stand hielt. Dier Vortrag war intensiv, knisternd, packend und trotz der Länge der Stücke nie langweilig oger gar einschläfernd. Geradezu magisch, wie der baumlange Kerl das Publikum in seinen Bann zog.
Trotzdem: nach etwa 40 Minuten zog es mich weiter, denn ich wollte unbedingt noch das Ende des Konzertes von Troy von Balthazar mitbekommen. Ich rannte aus dem Café de la Danse Richtung U-Bahn, beeilte mich so gut wie ich konnte, kam aber dennoch mit massiver Verspätung in der Machine du Moulin Rouge an. Troy war bereits bei den Zugaben angelangt, aber die hatten es in sich und rechtfertigen die Hetzerei vollkommen. Wings ist eine der schönsten Balladen, die in den letzten Jahren geschrieben wurde. Der Hawaiianer trug dieses Kleinod mit solch brüchiger Falsett Stimme vor, daß sein Weltschmerz förmlich ertastbar war. Von Balthazar hatte Wings auch damals bei meiner Oliver Peel Session performt und schon zu diesem Zeitpunkt war ich hin und weg von dem Track, den man auf seinem aktuellen Album How To Live On Nothing finden kann. Der endgültig letzte Songs stammte dann allerdings vom ersten Solo Output des ehemaligen Chokebore Sängers. Heroic Little Sisters, fast schon ein Klassiker.
Hinterher hatte ich zumindest kurz die Gelegenheit mit Troy und seiner Begleitband, bestehend aus der französischen Bassistin Adeline und dem amerikanischen Drummer Christian (Chokebore), zu plaudern. Die drei Musiker waren vom Touren geschlaucht und urlaubsreif, was man verstehen kann, wenn man weiß, wie stark sie sich immer ins Zeug legen.
Setlist Troy von Balthazar, La Machine du Moulin Rouge, klick!
Konzert & Photoausstellung: Troy von Balthazar Ort: La Flaq, 36, rue Quincampoix, 75004 Paris Datum: 31.03.2011 Zuschauer: vielleicht 80
In Paris passiert im Moment auch abseits der ausgetrampelten Konzertpfade so einiges. Heute zum Beispiel postete der Wirt vom Pop In bei Facebook ein Foto, das Will Sheff und einen anderen Musiker von Okkervil River beim Abjammen in dem kleinen Pub zeigte (klick!). Okkervil River gratis und akustisch, auch nicht schlecht, oder? Und dann war in den letzten Tagen auch noch Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten in der Stadt. Die Leute von der Blogothèque waren ihm auf den Fersen und am 30. November spielte er völlig umsonst in der Cigale. Ähnlich aktiv wie die Blogothekler sind auch die Jungs von Le Cargo, insbesondere Wirbelwind Renaud. Auch er filmt Musiker an ungewöhnlichen Orten und hat erst diese Woche eine Session mit Dark Dark Dark gedreht.
Und sein Kollege Micky Troy akustisch. Bitte sehr, brandaktuell:
Insofern auch nicht weiter verwunderlich, daß ich Renaud heute spätabend (gegen 23 Uhr) in einer neuen, sehr geschmackvoll dekorierten Bar names La Flaq unweit des Centre Pompidou traf. Er hatte mal wieder sehr früh spitz bekommen, daß Troy von Balthazar dort eine akustische Session spielen würde und das Ganze natürlich wieder für uns eingefangen. Zu dumm bloß, daß ich persönlich diesen kurzen Auftritt im wundervollen Gewölbekeller der Bar nicht gesehen habe. Mir ging es ohnehin in erster Linie darum, mir die Ausstellung der Pariser Fotografin Magali Boyer anzusehen, die von Balthazar seit über 5 Jahren auf Schritt und Tritt verfolgt und ihn unzählige Male abgeknipst hat. Selbst bei meiner Oliver Peel Session mit Troy war sie vor Ort, aber von dieser Veranstaltung schaffte es letztlich kein Bild in die Ausstellung.
Dennoch gab es etliche absolut hochkarätige Fotos zu sehen, bis auf eine einzige Ausnahme alle schlicht und elegant in schwarz-weiß gehalten. Die Vernissage lief unter dem Motto "Troy magnified by Magali Boyer" und man kann die Pics noch bis zum 23. April in aller Ruhe ansehen.
Troy selbst wird man dann aber wohl kaum dort antreffen, er war nur heute zur Feier des Tages da und zeigte sich gewohnt höflich und natürlich. Als ich in die Bar kam, saß er gerade an einem der urigen Holztische und unterhielt sich. "Hey man, nice to see you!", raunte er mir zu, als er mich wiedererkannte und wir plauderten ein wenig über seine aktuelle Tournee, die ihn neben Frankreich auch durch Deutschland führen wird. Mit dabei ist sein Drummer von Chokebore, der charismatische Christian Omar Madrigal Izzo, und auch die süße französische Backgroundsängerin Adeline Fargier, der ich heute zum ersten Mal überhaupt begegnete. Sie wohnt im kalifornischen Passadena und ist deshalb nicht so oft in Paris anzutreffen. Ein total nettes Mädel, keine Spur arrogant und nun ja... sie hat eine super Stimme!
Morgen geht es für Troy, Christian und Adeline in die schöne Bretagne nach Lorient und bald werden sie auch in Germany aufkreuzen. Geht hin, es lohnt sich!
Zwei nette Ereignisse noch zum Anschied: zum einen gab es in der Ausstellung ein Foto der Zuschauer beim Festival in Evreux, wo man auch mich erkennen kann und dieses Bildchen wird auch im offiziellen Büchlein zur Ausstellung (Kostenpunkt: 25 Euro) drin sein. Und zum anderen schenkte mir Troy sein erstes Buch 3 Girls. Ja, ja, Buch, nicht CD! Der Mann ist auch Schriftsteller und arbeitet gerade schon an seinem zweiten Opus. Eigentlich wollte er es schon fertig geschrieben haben, aber das scheiterte aus einem einfachen und sehr gut nachvollziehbaren Grund: "Yeah, Oliver, when I was in Hawaii I wanted to finish my book, but then I went swimming all the time, you know?"
Foto- Ausstellung Troy von Balthazar: La Flaq 36, rue Quincampoix 75004 Paris Bis zum 23. April
Deutsche Konzerttermine Troy von Balthazar:
04.04.2011: Thalia Kino, Dresden 05.04.2011: Babylon, Berlin 07.04.2011: Jubez, Karlsruhe
und:
15.04.2011: La Machine du Moulin Rouge, Paris
Anmerkung: das hervorragende zweite Foto stammt von Micky alias L'esprit d'escalier Mehr Fotos von dieser Show und einen französischen Bericht gibt es bei Le Cargo.
Konzert: Chokebore & The Black Keys & Caribou, u.a., Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats, Ort: Hipodrome d'Evreux, Normandie, Frankreich Datum: 27.06.10 Zuschauer: tausende, aber leider weniger als in den letzten Jahren
Weiber, Weiber, Weiber! Obwohl glücklich verheiratet und seit 15 Jahren absolut treu, kann ich nicht davon lassen, hübschen Mädchen hinterherzugucken. Bei Festivals ist der Augenschmaus besonders groß und ich bin nicht der einzige Mann, der vom Kopfumdrehen einen steifen Nacken bekommt. Ein kleiner Tiger Woods schlummert irgendwo in jedem von uns. Und umgekehrt ist es ja genauso, bloß, daß die Mädels diskreter und weniger plump die Männer auf den Festivalwiesen inspizieren. An diesem heißen Juni Samstag war ich für einen Tag eine Frau. Sozusagen. Meine Augen waren nämlich zumindest eine gute Stunde lang auf den Womanizer Troy von Balthazar, seines Zeichens Frontmann der hawaiianischen Grunge/Sadcore Band Chokebore gerichtet. Wie gebannt beobachtete ich die Mimik und die auffällige Körpersprache des höchst charismatischen Sängers und Gitarristen. Was für ein Heißsporn! Dabei ist er zwischen den Songs so unglaublich höflich und wohlerzogen. Nie kommt ihm ein vulgärer Spruch über die Lippen, immer ist er anständig, sympathisch und kommunikativ. Wehe aber einer der unzähligen saumäßig traurigen und oft saumäßig harten Lieder von Chokebore wird angestimmt! Dann erkennt man ihn nicht wieder! Sein Blick wird diabolisch, der Körper bebt vor lauter Spannung und die Gitarre wird zur Waffe. Er scheint meistens einen Kampf gegen sich selbst zu führen, wimmert, brüllt, winselt wie ein geschlagener Hund. Ein Wechselbad der Gefühle, auch für die Fans. Nur Elliott Smith (der Allergrößte unter den Melancholikern) und Conor Oberst singen ähnlich weinerlich und voller Selbstmitleid, so daß man am liebsten gleich mitheulen möchte. Ein Troy Bruno von Balthazar verweilt aber nie lange im Jammertal, sondern begehrt mit aller Macht gegen die Depression auf. So als wolle er ausdrücken: "Ich lasse mich nicht von Dir unterkriegen, du verfluchte Schwermut! Nicht ich! Ich bin ein Held, ein Siegertyp, auch wenn ich manchmal hadere wie dereinst Boris Becker, der wie ein kleines Kind fluchte und schrie: "Miiissssssttt! Ich spiele mir eine Scheiße zusammen! Und so etwas in einem Wimbledonfinale!"
Sowieso seltsam und gleichzeitig ungemein faszinierend, wieso ausgerechnet ein blendend aussehender Sunnyboy wie Troy so traurig und verzweifelt sein kann. Man nimmt ihm seine Seelenpein dennoch ungeprüft ab, soviel Wut und Frustration kann man einfach nicht spielen. Oder aber Troy hat das Talent eines Hollywood Schauspielers. Alles ist möglich bei diesem ungekrönten Superstar der Indiemusikszene. Warum ist er eigentlich so unbekannt? Warum spielen Chokebore nicht im Stade de France wie die verfluchten Typen von Muse? Sind die Hawaiianer etwa nicht die famoseste Rockband der Welt? So dufte, daß Kurt Cobain himself Fan von ihnen gewesen sein soll? Hardcore Fans von Chokebore (und davon gibt es ein paar, selbst wenn es nicht allzuviele sind) wissen die Antwort. Klar ist das die beste Band der Welt! Man frage nur Florent, der sich seit Jahren um das Chokebore-Forum kümmert (auch in der Zeit, in der die Gruppe auf Eis lag) und natürlich heute auch wieder mit dabei war. Eine eingeschworene Anhängergemeinde haben die "alten Herren" also, aber Mainstream werden sie sicherlich nie werden. Zu wenig Kompromisse an die Massentauglichkeit machen die vier Mitvierziger und das ist auch gut so. Dennoch haben sie etliche Lieder, die als catchy zu bezeichnen sind (Days Of Nothing, You Are The Sunshine Of My Life, It Could Ruin Your Day etc.) ohne daß man aber wie bei fiesen Stadionrockern wie Muse oder Green Day mitgröhlen oder gar mitklatschen könnte. Pogo tanzen hingegen schon eher. Am Ende ging hier wirklich ziemlich der Punk ab und Troy gab noch einmal alles, strauchelte theatralisch über den Boden, schrie wie am Spieß und schleuderte wild mit seiner Gitarre durch die Gegend, bevor er nett lächelnd und "winke winke" machend mit seinen Jungs von der Bühne schlich. Eine Zugabe gab es noch, dann war Sense. Was für ein granatenhaftes Konzert! Oder wie der Franzose sagen würde: "Quel concert! Put... de sa mère!"
Setlist Chokebore, Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats, Evreux (merci à Florent!!):
01: Narrow 02: Little Dream 03: Thin As Clouds 04: Alaska 05: Days Of Nothing 06: Popular Modern Themes 07: Lawsuit 08: Bad Things 09: Police 10: One Easy Pieces 11: You Are The Sunshine Of My Life 12: Coat
13: It Could Ruin Your Day
Es gab natürlich noch ein paar andere Bands beim Festival in Evreux. Viele kannte ich allerdings gar nicht.TV Glory, Shining, FM Belfast, wem sagen solche Namen schon etwas? Da hat man beim Line-Up im Gegensatz zu den letzten Jahren wo Headliner wie Franz Ferdinand, Gossip oder die Kaiser Chiefs aufgeboten wurden, doch deutliche Abstriche gemacht. Ein paar bekannte Formationen gab es aber doch: Caribou: Elektro-Pop mit Grips, vorgetragen von einem nerdigen Vierer, der bühnentechnisch ganz kompakt aufgestellt war. Vorne links Ober-Caribou Dan Snaith, der ähnlich wie ein Konstantin Gropper ein Solokünstler mit Live Bandbegleitung ist und alle Fäden zusammenhält, rechts von ihm ein energischer Trommler und im Windschatten dahinter ein Bassist und ein Gitarrist. Die vier lieferten sich einen Wettkampf, wer am ehesten dem Klischeebild des einsamen, aber genialen Mathegenies entspricht, derart uncool wirkten sie. Einem Teil des Publikums gefielen sie trotzdem und wenn man sich auf die synthetische Musik einließ, konnte man in der Tat abtauchen und sich treiben lassen. Ich hingegen schwitzte bei über 30 Grad wie ein Blöder und wäre am liebsten Baden gegangen oder so. (witzigerweise heißt das aktuelle Album von Caribou Swim, das passt!) Da kein Schwimmbad oder See in der Nähe war, verweilte ich aber bei den Kritikerlieblingen und konnte dem ein oder anderen Song etwas abgewinnen. Zum wirklichen Fan werde ich aber wohl nie, weil die Kerle ihre verfluchten Gitarren nicht einsetzten, wie sich das für richtige Männer gehört. Ich hörte nur Computerklänge und zuweilen zwei Schlagzeuge auf einmal. Ein paar Titel kannte ich, so z. B. Melody Day vom Album Andorra oder auch Odessa vom neuen Longplayer. Innovativ und ideenreich sind Caribou ja, aber es gibt charismaterische Bands. Live also am besten mit geschlossenen Augen genießen...
The Jim Jones Revue: Was war das denn für ein Käse? Wild posende alte Herren, die klangen als hätten sie Jerry Lee Lewis oder Elvis mit der Muttermilch aufgesogen?! Vermutlich sollte das bluesiger Gargenrock oder Rockabilly sein und die jungen Leute im Publikum fanden das so stark, daß sie das Crowdsurfen anfingen, mir wurde es nach 5 Liedern aber zu bunt und ich ging eine Runde pinkeln. Pfui Teufel! Äh, ich meine natürlich den Zustand der Stehklos in Evreux. Obwohl...
Dan Auerbach sieht mit gestutztem Bart und kürzeren Haaren gar nicht so übel aus! Da fragt man sich, warum der Sänger und Gitarrist der Black Keys früher immer wie ein Waldschrat rumgelaufen ist. Wollte er sein wahres Gesicht verstecken? Wie auch immer, die Black Keys haben jedenfalls gerockt wie damals, als ich sie 2006 in der Pariser Cigale gesehen habe und von dem rohen, staubtrocken Bluesrock sehr angetan war. Seitdem sind sie Album für Album die Karriereleiter kontinuierlich heraufgeklettert, Dan Auerbach hat ein vielgelobtes Solowerk veröffentlicht und mit Brothers gibt es einen aktuellen Output. Um die neuen Stücken live umzusetzen, kamen heute zwei zusätzliche Musiker mit hinzu.Wozu genau die da waren, wußte ich allerdings nicht so recht, denn die Black Keys machen schon als Duo einen Höllenlärm und brauchen eigentlich keine Verstärkung, um ein Festivalgelände in Wallung zu versetzen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, daß ich die neuen Tracks vom aktuellen Opus Brothers vorher nicht kannte und so war es auch nicht weiter verwunderlich, daß mich ein altes Lied am Ende am meisten packte. Your Touch ist so herrlich auf den Punkt gespielt und so kompromisslos hart, daß ich noch eimal richtig in Fahrt kam.
The Black Keys sind cool, schaut sie euch an, wenn sie in eurer Nähe aufkreuzen!
Suicidal Tendencies: Genau das Gegenteil empfehle ich für Leute mit Geschmack, wenn Suicidal Tendencies in eurer Stadt spielen. Ein einziges Gehaue und Gesteche, feiste Typen die mit Football Shirts rumhüpfen wie verfluchte Rapper und mit diesem Käse natürlich beim Publikum super ankommen. Schauderhaft! Aber so ist das eben bei Festivals, da gewinnen immer die Krachmacher und Bulldozer die Sympathien und mir wurde hinterher zugetragen, daß am Ende jede Menge Leute auf die Bühne geholt wurden. Da war ich zusammen mit meinen beiden Kumpels längst schon im Auto Richtung Paris unterwegs. Wir waren uns einig: Chokebore allein waren die Anreise wert!
Aus unserem Archiv:
Chokebore, Paris, 19.02.2010 Chokebore, Brüssel, 20.02.2010 (bei Christophs Bericht blieb es leider bei einer Einleitung. Das Konzert hat ihm die Sprache verschlagen, gell? Chokebore, München, 16.02.2010 von Eike vom Klienicum
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
Wir sind: Oliver Peel aus Paris Christoph aus nicht weit von Köln Julius aus Wien Gudrun aus Karlsruhe Tanita aus Mainz Jens aus Stuttgart Ursula aus Frankfurt Michael aus Chemnitz Dirk aus Mönchengladbach Vielen Dank unseren Gastautoren!
Willst Du mitmachen? Oder hast Du Anregungen? Über Kommentare (auch kritische) freuen wir uns sehr.