Dienstag, 3. November 2015

Apparat, New Fall Festival + ELECTRI_CITY Konferenz Düsseldorf, 29+30.10.2015


Konzert: Apparat, New Fall Festival, ELECTRI_CITY Konferenz
Ort: Düsseldorf, Robert Schumann Saal, NRW Forum
Datum: 30.10.2015
Dauer: 80 min
Zuschauer: 800


Apparat, das musikalische Projekt von Sascha Ring gastierte im Rahmen des New Fall Festivals in Kooperation mit der gleichzeitig stattfindenden ELECTRI_CITY Konferenz im Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf.

Die Konferenz besuchte ich am Nachmittag spontan, ich hielt sie nach kurzer Sichtung der Webseite für ein launiges Fantreffen mit nerdigem Charakter. Doch weit gefehlt: Hier waren echte Wissenschaftler am Werk, die vor größtenteils anderen Wissenschaftlern über ihre Arbeit am Projekt der Band Kraftwerk referierten. 


Das war spannend, teilweise lustig und vor allem interessant, kam es doch im Anschluss an jeden Vortrag doch noch zur Konfrontation mit langjährigen Fans, die es zum Beispiel gar nicht wissenschaftlich fanden, wenn man die Fanszene von Kraftwerk in Ermangelung anderer verwertbarer Quellen anhand von You-tube und Facebook-Kommentaren definieren wollte. 

Ein toll gelaunter und gut gekleideter Peter Hook (Joy Division, New Order) plauderte im Anschluss freizügig aus seinem bewegten Leben und wie es sich anfühlt, wenn der eigene Sohn auf der Bühne neben einem steht und genauso Bass spielt wie man selber früher. 


Danach gab er noch bereitwillig Autogramme und zeigte so gar keine Starallüren, die man vielleicht hätte erwarten können. Später lockerte sich bei Freibier und kleinen Snacks die Runde nochmals und bei einem von Klaus Fiehe geleiteten Podiumsgespräch wurde die Bedeutung von "Düsseldorf für die elektronische Musik" im allgemeinen beleuchtet. Hans Nieswandt und Thomas Venker plauderten locker mit dem Autor des Buches Electr_city (Rüdiger Esch) und der Produzentenlegende Mark Reeder über alte und neue Zeiten in der Musik. Ob dabei Düsseldorf wirklich einen größeren Einfluss hatte, außer das die KlingKlang Studios eben dort standen und Kraftwerk eigentlich überhaupt keinen Bezug zu den sonstigen Musikern der Stadt pflegten, blieb letztlich unklar.

Fakt ist aber, dass mit Apparat mit Sicherheit einer der interessantesten Künstler der aktuellen elektronischen Musik vertreten ist, jedoch die anderen Live-Acts der Konferenz (mit Heaven 17 und Michael Rother) mehr der geschichtlichen Aufarbeitung verschrieben waren. Apparat füllen mit ihrem Equipment die nicht gerade kleine Bühne des Saals fast vollständig. Dahinter eine ebenso imposante Leinwand die den ganzen Set über live produzierte Filme zeigen sollte. Diese wurden von einem imposanten Gebilde mit Monitoren und Kameras verfremdet und direkt an den Beamer weitergeleitet. 


Leider war es ansonsten auf der Bühne so dunkel, dass man diesen und viele andere Prozesse kaum verfolgen konnte. Das war umso bedauerlicher, da extrem viele Instrumente zum Einsatz kamen. Von Blockflöte bis zu Geige und Kontrabass war alles vertreten. In der Mitte Sascha Ring am Keyboard, mit Gitarre und selten auch mit Gesang. Das ganze beginnt mit sphärischen Stücken, noch ohne Bass und Beat, der Tourname "Soundtracks" scheint wirklich Programm zu sein. 


Nervig erweisen sich die Strobolichter auf dem Boden der Bühne, sie zielen leider genau in Augenhöhe in die bestuhlten Reihen und unterbrechen so leider oft den Genuss der Musik, da man sich halbblind abwenden muss. Die Stille und Ehrfurcht des Publikums ist etwas übertrieben, erst nach ca.45 Minuten bricht der erste Applaus los und die Musiker sind sichtlich erleichtert. Zum Ende des rechten kurzen Sets hin schwillt der Sound immer mehr an, jetzt werden die Stücke fast tanzbar, und durch jetzt eingesetzte Schlaginstrumente auch rhythmischer. Nach einer kurzen Zugabe ist dann auch schon das Ende erreicht, die Band verbeugt sich artig und tritt ab.


Eine Show wie diese zeigt wie innovativ deutsche Musik sein kann und daher ist es auch kein Wunder das Apparat damit in der ganzen Welt ausverkaufte Theater bespielen können. Im eigenen Land gilt man da eher noch als Exot, Nils Frahm teilt ein ähnliches "Schicksal". Genau dies war auch in der Talkrunde immer wieder Thema, egal ob Nirvana in Seattle oder Kraftwerk in Düsseldorf. Im eigenen Land haben es die Propheten immer schwerer.


Es bleibt ein tolles Konzept, teilweise ohne Eintritt bekam man viel Prominenz und geballtes Wissen auf der Konferenz geboten. Abends dann noch ausgewählte Künstler die nicht jede Woche in NRW zu bewundern sind. Eingebettet in das ohnehin sehenswerte New Fall Festival entsteht so in Düsseldorf hoffentlich eine neue "Düsseldorfer Schule".


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