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Sonntag, 17. April 2011

Noah And The Whale, Köln, 17.04.11

5 Kommentare

Konzert: Noah And The Whale
Ort: Luxor, Köln
Datum: 17.04.2011
Zuschauer: fast ausverkauft
Dauer: Noah And The Whale gut 80 min, Exlovers 30 min


Ich entdecke neue Musik - Bands oder Künstler - gerne live. Wer den Test nicht besteht, den muß ich
auch nicht auf Platte hören. Dummerweise bin ich gestern von diesem ungeschriebenen Gesetz abgewichen und habe mir das neue, mittlerweile dritte Noah And The Whale Album gekauft und freudestrahlend gehört. Zumindest bis die Musik einsetzte. Anderthalbmal habe ich seitdem Last night on earth laufen lassen, meine Enttäuschung ist unverändert groß. Mein Jammern über die zweite Platte, die mir viel zu weinerlich war und ein Konzeptalbum über Charlie Finks Trennung von Laura Marling war (vermutlich eher umgekehrt), erscheint mir heute unglaublich albern, zum einen, weil The first days of spring objektiv gut ist, zum anderen, weil sie so viel besser als die neue ist. Lange Rede, kurzer Sinn: ich habe seit gestern einige Male überlegt, nicht zum Konzert zu fahren.

Daß ich doch hingedüst bin, lag auch an der Vorgruppe Exlovers, die ich auch gestern erstmals gehört habe. Exlovers stammen aus London und bezeichnen sich selbst als
Shoegaze Dream-Pop Band. Die wenigen Stücke, die man bisher kaufen kann, haben mir sehr zugesagt, sie klangen zwar ein gutes Stück popiger als The Pains Of Being Pure At Heart, hatten aber einigen Charme.

Als ich abgehetzt im Luxor ankam, hatten die Londoner schon begonnen, bereits seit einer Viertelstunde. Beginn 20 Uhr stimmte nämlich wirklich. Na toll! Die Exlovers gefielen mir dann auch, wobei meine Euphorie vorher übertrieben war. Exlovers sind ein Quintett, veröffentlichen im Herbst ihr Debüt und waren nach einer halben Stunde durch.

Das Luxor war mittlerweile ziemlich voll, vermutlich aber nicht ausverkauft. Weil ab halb neun umgebaut wurde, konnte die Hauptgruppe bereits um kurz vor neun auf
die Bühne. Während die fünf Musiker auf ihre Positionen gingen, lief eine Introstück vom Band, ich denke, es war das Instrumentallied Paradise stars vom aktuellen Album. Noah And The Whale bestehen nach diversen Besetzungswechseln zur Zeit aus Sänger Charlie Fink, Geiger Tom Hobden (der exakt die gleiche Frisur hat), Bassist Matt Owens ("Urby Whale"), der als Kind Schauspieler war, Keyboarder Fred Abbott und Schlagzeuger Jack Hamson.

Obwohl wir hier schon über sieben Konzerte der Band seit 2008 geschrieben haben, habe ich Noah And The Whale noch nie richtig gesehen, lediglich einmal in Haldern und als Vorgruppe von Phoenix. Auch wenn das Kurzauftritte waren, reichten sie, mich von den Livequalitäten der Band zu überzeugen. Charlie Finks charismatische Stimme ist sicher das Besondere der Gruppe; auch live funktioniert das prima. Während sie den wundervollen Liedern der ersten Alben den letzten Pepp verleiht, kann sie die Schwächen der neuen Stücke nicht wegsingen. Songs wie Old joy, Wild thing oder L.I.F.E.G.O.E.S.O.N. sind mir viel zu flach und haben mit Perlen wie Jocasta, Shape of my heart oder Blue skies, oder wie sie alle heißen, nicht mehr viel gemein. Wie schade! Meine Theorie, ohne je ein Interview mit der Band gelesen zu haben, lautet, daß Charlie Fink nach dem Ausstieg von Laura Marling aus Band und dem Rest, zunächst seine tiefe Trauer mit The first days of spring verarbeitet hat
(I have nothing, My broken heart...), um dann, neu verliebt, ohne den so schönen Weltschmerz fröhlich zu dichten. Diese ersten drei Stücke der Platte sind doch nicht anders zu erklären, oder?

Ich übertreibe natürlich, zumindest etwas. Denn live fehlen den Liedern die fiesesten Komponenten der Studioversionen, die Gospelchorgesänge und auch ansatzweise der Eurodiscobeat. Trotzdem stammten die schlechtesten Lieder des heutigen Abends ausnahmslos von Last night on earth.

Auch die besten Lieder waren leicht zu erkennen. Das waren nämlich die, die durch rhythmisches Klatschen aus dem Saal markiert wurden. Je besser, desto lauter der Klatschmarsch. Einzig Shape of my heart blieb dieses Schicksal erspart, es war damit
das Highlight des Konzerts! Aber auch unter den Neuheiten waren nicht nur blinde Hühner. Just before we met gefiel mir gut. Der Rest war und ist beim besten Willen nichts für mich. L.I.F.E.G.O.E.S.O.N. erinnerte mich an Kid Rock, unter Wild things steht bei meiner Mitschrift "fies!" und The line kann auch das Just can't get enough Keyboard-Sample nicht retten.

Daß der Abend aber trotzdem kein vollkommener Flop war, lag an den vielen gute Liedern, die das gut achtzigminütige Programm noch enthielt. Die Hälfte brillant, die andere Hälfte nicht, ergibt im Schnitt eben doch noch ein okayes Konzert. Der Fairness halber will ich aber erwähnen, daß ich sicher nicht die Mehrheitsmeinung vertrete, die Stimmung im Luxor war nämlich ausgezeichnet. Selbst bei Old joy. Bitte! Aber ich höre jetzt damit auf, ich will Noah And The Whale ja weiterhin mögen. Ich gönne es ihm nicht, aber vielleicht erlebt Charlie ja bald wieder Herzschmerz. Das Album dann kaufe ich wieder blind!

Setlist Noah And The Whale, Luxor, Köln:

01: Intro: Paradise stars
02: Blue skies
03: Tonight's the kind of night
04: Give a little love
05: Give it all back
06: Love of an orchestra
07: Life is life
08: Jocasta
09: Just me before we met
10: The line
11: I have nothing
12: My door is always open
13: Wild thing
14: Rocks and daggers
15: Shape of my heart
16: Waiting for my chance
17: The first days of spring

18: Old joy (Z)
19: L.I.F.E.G.O.E.S.O.N. (Z)
20: 5 years time (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Noah And The Whale, Paris, 08.12.09
- Noah And The Whale, Köln, 14.11.09
- Noah And The Whale, Paris, 18.09.09
- Noah And The Whale, Berlin, 16.09.09
- Noah And The Whale, Haldern, 14.08.09
- Noah And The Whale, Paris, 20.11.08
- Noah And The Whale, Paris, 28.03.08



Mittwoch, 9. Dezember 2009

Noah & The Whale, Paris, 08.12.09

0 Kommentare

Konzert: Noah & The Whale

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 08.12.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 65 Minuten


An einem graunen und verregneten Dezembertag, an dem Mädchen mit ausgeprägtem Gruppie- Gen zu Julian "The Strokes" Casablancas ins Bataclan gegangen sind, Leute mit martialischen (sadistischen?, masochistischen?) Neigungen bei den filigranen (lol) Rammstein in Bercy waren und Nerds zu Battles ins Elysée Montmartre getigert sind, zog es die netten Mädchen und die romatischen Jungs zu Noah & The Whale in die Maroquinerie. Obwohl weder nett, noch Mädchen und schon gar nicht Romantiker, fand ich mich bei Letztgenannten wieder.

Die Maroquinerie war schon sehr gut gefüllt, als ich gegen 20 Uhr 10 eintraf. Da wird immer wieder über die Krise der Musikindustrie berichtet und in Paris sind am gleichen Abend mindestens drei Konzerte restlos ausverkauft. Da wundert man sich schon ein wenig über die allgegenwärtige Jammerei...

Bis Noah & The Whale aber an den Start gingen, musste ich mich noch eine Weile gedulden. Zunächst spielten nämlich noch aus Bordeaux stammende Franzosen und die waren gar nicht mal so schlecht mit ihrem britisch klingenden Retro Sound. Sehen konnte ich sie allerdings kaum, denn überall standen Leute rum, die mir die Sicht auf die Bühne versperrten. Und wie hießen sie überhaupt?

Die angespannte Platzsituation änderte sich natürlich auch in der Folge nicht, denn die jungen Girlies in den ersten Reihen dachten gar nich daran, ihre attraktiven Plätze aufzugeben. Schließlich wollten sie Sänger Charlie Fink und die anderen Bandmitglieder von Noah & The Whale aus nächster Nähe anhimmeln. Stellte sich bloß die Frage, ob Charlie überhaupt wieder bereit ist, mit anderen Mädels zu flirten, nachdem seine letzte Beziehung (war das wirklich mit Laura Marling?) in die Brüche gegangen ist und er auf dem aktuellen Album The First Days Of Spring Krisenbewältigung betreibt. Kaum ein Song, in dem es nicht um sein gebrochenes Herz, die daraus resultierende Einsamkeit und die Hoffnung, daß die Auserwählte zu ihm zurückkomt, geht. Aber Herzschmerz und andere schwierige Lebenssituationen waren schon immer ein idealer Nährboden für gute Popsongs und so verhält es sich auch mit dem neuen Material von Noah & The Whale. In den Stücken steckt jede Menge Dramatik, Zerissenheit und Melancholie, aber auch Hoffnung, Schönheit und Romantik. Wesentlich komplexer sind sie geworden, die vier jungen Männer aus London. Statt kurzen knackigen Popsongs wie auf dem ersten Album, servieren sie nun aufwändig gestaltete Liedstrukturen, bei denen es oft am Anfang ruhig und leise zugeht, bevor sich am Ende die ganze Spannung entlädt und laute Gitarren um die Wette heulen. Noah & The Whale goes Potsrock! Die neuen A Silver Mount Zion sind sie natürlich deshalb noch nicht, aber der Wandel ist schon frappierend. Zum Glück vergessen sie aber die kleinen feinen Melodien nicht, die ihren Sound so charmant klingen lässt. Schade insofern, daß heute in der Maroquinerie die Tonqualität nicht sehr gut war. Der Sound war übersteuert, es gab zu viele dumpfe Bässe und die Violine hörte man vor allem zu Beginn kaum. Es ist aber auch gar nicht so leicht, pompös arrangierte Stücke wie Love Of an Orchestra live perfekt umzusetzen. Es fehlte an weiblichen Stimmen, um den Chorgesang der Platte nachzubilden und so war der Song leider nur mittelmäßig gelungen. Es gab aber auch einige sehr postive Momente. Blue Skies ließ es nicht an Dramatik mangeln und Stranger sorgte auch textlich für Erheiterung. Als Charlie die Anfansgzeilen "Last night I slept with a stranger" intonierte, johlten ein paar Mädels laut auf (was sie sich wohl erhofften?) Mit Abstand bestes Stück eines Sets, in dem neben einer elektrischen Zahnbürste auch die Pedal Steel Gitarre zum Einsatz kam und Tom Hobden seine Geige links liegen ließ, um Piano zu spielen, war aber The First Days Of Spring. Ein fulminanter, grandios aufgebauter Postrock Song, bei dem am Ende alle Zügel gelockert wurden und Charlie auf die Knie sank.

Auch die einzige Zugabe wußte zu überzeugen. My Broken Heart glänzte vor allem durch die wundervolle Geigenmelodie, die Tom sehr virtuos aufs Parkett zauberte.

Ein insgesamt guter Auftritt einer jungen Band mit viel Potential, das noch nicht vollends ausgeschöpft wurde. Die werden uns in Zukunft noch viel Freude bereiten, dessen bin ich mir sicher!


Setlist Noah & The Whale, La Maroquinerie, Paris, 8/12/09*:

01: Slow Glass
02: Give A Little Love
03: Blue Skies
04: Jocasta
05: Love Of An Orchestra
06: Rocks And Daggers
07: Our Window
08: My Door Is Always Open
09: Stranger
10: The First Days Of Spring

11: My Broken Heart

* erneut wurde 5 Years Time ausgelassen. Richtig so! Ein Hit, richtig, aber so etwas brauchen nur Mainstreamhörer. Stattdessen haben Noah & The Whale nun richtig gute, komplexe Songs. Ein Tralala- Sommerhit wie 5 Years Time passt nicht mehr zu der erwachsen gewordenen Band...

Aus unserem Archiv:

Noah & The Whale, Paris, 18.09.09
Noah And The Whale, Haldern, 14.08.09
Noah And The Whale, Paris, 20.11.08
Noah And The Whale, Paris, 28.03.08




Samstag, 14. November 2009

Phoenix, Köln, 14.11.09

6 Kommentare

Konzert: Phoenix (& Noah And The Whale)
Ort: E-Werk, Köln
Datum: 14.11.2009
Zuschauer: sehr ausverkauft
Dauer: Phoenix 80 min, Noah And The Whale 30 min


Ach, wie wenig bin ich doch wohl mit dem Herzen dabei, wenn es um Konzerte geht! Echte Hingabe zu einer Band, die einem etwas bedeutet, habe ich noch nie gezeigt. Spontan nachmittags zu entscheiden, zu einem Auftritt von Musikern zu fahren, die abends ihre Kunst, die fundermentaler Bestandteil ihres Lebens ist, teilen, wird dieser Kunst nicht gerecht. Das ist mir heute abend wieder drastisch vor Augen geführt worden, als ich nach Ende des Phoenix-Konzerts aus dem E-Werk kam. Denn ich habe mich noch nie am Abend vorher in den kalten Eingang des Palladiums gesetzt, um Sonntag da in die erste Reihe zu kommen. So wie die zehn oder zwanzig echten Fans, die da auf ihre Jonas Brothers warten...

Andererseits bin ich nicht ganz unzufrieden damit, mein Herzblut nicht nur einer einzigen Band zu spenden. Denn Einseitigkeit verschließt den Blick auf Interessantes, das Aufmerksamkeit verdient. Wie Phoenix, die französische Band, die ich bisher aus anderen Gründen zu wenig beachtet hatte. Auf meiner To-do-Liste stehen die Musiker aus Versailles schon lange, obwohl ich ihre Musik wieso auch
immer nicht oft höre. Natürlich kenne ich einige Stücke, vertraut ist mir Phoenix bislang aber kaum. Da ich der Meinung bin, daß man eine Band ohnehin am besten live kennenlernt, und, da kommt sie wieder, meine alte Liebe für Vorgruppen, die fabelhaften Noah And The Whale im Vorprogramm auftreten sollten, entschied ich kurzfristig, doch ins E-Werk zu fahren.

S
pontaneität und ausverkauften Konzerte passen nicht gut zusammen; ich hatte aber Glück, noch eine Karte zu bekommen, ohne einen der Schwarzhändler zu unterstützen. Durch die langen Schlangen vor den Einlaß kam ich spät. Das erste Stück der Londoner Vorgruppe lief schon - noch - als ich vorne ankam. Ich bekam aber abgehetzt nur noch die letzten Textfetzen mit, glaube aber Slow glass vom zweiten Album der Band erkannt zu haben. Das im August erschienene My broken heart / She left me* ist ein Konzeptalbum übers Verlassenwerden. Im Gegensatz zum 2008er Debüt braucht die Platte deutlich länger, um ihre Qualitäten zu offenbaren. Ich habe häufig Probleme mit Konzeptalben, weil sie mir zu einseitig erscheinen. Aber wenn man aus den Zeilen "you left me, come back, my heart broke" so viele wundervolle Lieder machen kann, verdient man jeden Respekt!

In Haldern im Sommer - da hatte ich Noah And The Whale endlich erstmals sehen können - hatte mich noch verstört, daß die Band um Sänger Charlie Fink fast nur (damals noch) unveröffentlichte Stücke
gespielt hatte. Es war ein Auftritt, auf den viele sehr lange gewartet hatten. Dann kam aber nur einer der überragenden Hits der ersten Platte; das enttäuschte viele, auch mich.

Heute funktionierten die neuen Lieder bei mir deutlich besser. Nicht nur bei mir, Noah And The Whale kamen gut an, glaube ich, obwohl ihre Musik ja nicht viel mit der von Phoenix zu tun hat. Ganz besonders toll gefiel mir das viele Leben, das auf der Bühne stattfand. In den vielen fast schon Postrock-Passagen, boten die Engländer eine große Show! Ganz besonders herrlich dabei war wieder Bassist Urby Whale, der als Kind Schauspieler war.**

Die halbe Stunde Auftritt war natürlich viel zu kurz, enthielt viel zu wenige der Hits des ersten Albums - dafür aber einen der schönsten, nämlich Give a little love. Aber auch die anderen Lieder, vor allem Blue skies ("this is a song for anyone with a broken heart") und
The first days of spring ("If I'm still here hoping that one day you may come back").

Wie gerne hätte ich Noah And The Whale mit ihrer ersten Platte gesehen - oder endlich mal über volle Konzertlänge. Aber in der Not...


Setlist Noah And The Whale, E-Werk, Köln:

01: Slow glass (wahrscheinlich)
02: Give a little love
03: Blue skies
04: Love of an orchestra
05: Rocks and daggers
06: The first days of spring

Phoenix haben 2009 ihr viertes Studioalbum mit dem ambitionierten Namen Wolfgang Amadeus Phoenix veröffentlicht. Von dem stammte auch der Auftakttitel Lisztomania, ein gutes Poplied mit charmantem französischen Akzent. Ich brauchte
aber einen Moment, um von etwas von dem Stück mitzubekommen, weil ich zunächst nur lautes Gekreische und Geschreie rechts von mir hörte. Es war wie bei den Kooks oder anderen Frauen-Lieblingsbands! Großartige Stimmung im proppenvollen E-Werk!

Das Gute, das ich über die Livequalitäten von Phoenix gehört hatte, ist vollkommen berechtigt, die Franzosen liefern eine mitreißende Show ab. Besonders Frontmann Thomas Mars ist ein großer Entertainer, der Vergleiche mit seinen Kollegen bei den Kaiser Chiefs oder Hives nicht scheuen muß. Schon beim
dritten Lied (Lasso***) verließ er die Bühne und sang vor der ersten Reihe weiter. Fabelhaft! A propos... Lasso ist eine Hit! Und eine Mitsingnummer.

Ich stand ganz vorne am Rand, zwar nicht direkt vor dem Boxenturm aber auch sicher nicht akustisch optimal. Trotz eingesetzter Ohrstöpsel wurde es manchmal richtiggehend schmerzhaft, wenn die Bassdrum einsetzte. Richtig schlimm war das Love like a sunset Duo. Vor allem die Geräusche bei Teil eins, die wohl auf Platte Motorgeräusche darstellen, waren unerträglich. Ich mußte mir die geschützten Ohren noch zusätzlich zuhalten; das machten alle in meiner Umgebung. Auch hinten war das Konzert laut, vermutlich aber deutlich besser
auszuhalten. Vorne hatte sich beim Soundcheck wohl niemand mal testweise aufgehalten. Das rächte sich übel.

Love like a sunset stellte wegen der langen Instrumentalphase eine Bruch im Set dar. Die beiden Teile waren mittig angesetzt und boten Thomas die Gelegenheit einer kurzen Pause. Die nächste Unterbrechung gab es nach Too young, dem Lied aus Lost in translation. Denn da wurde Geburtstag gefeiert. Cedric (Plancy? - wenn ich das richtig mitbekommen habe) aus dem Bandumfeld bekam einen Kuchen und wir wurden gebeten, ihm ein Ständchen auf Deutsch zu bringen. Sehr sympathisch!

Nach einer Stunde war erst einmal Schluß. Zu den Zugaben kam neben Thomas nur einer der Gitarristen. Sehr zurückgenommen und akustisch sang der Franzose
Everything is everything und Love for granted vom 2004er Album Alphabetical. Letzte Zugabe war 1901, die erste Single der aktuellen Platte, die in den USA richtigen Chart-Erfolg hatte (Platz 13 der Alternative Charts) und Phoenix Auftritte bei David Letterman oder Conan O'Brien beschert hatte.

Thomas hatten die 80 Minuten wohl noch nicht ausgelastet, ihm war noch nach Klettern. Gegen Ende
der Zugaben stieg der Sänger aus dem Zuschauerraum oben auf den Balkon rechts. Wow! Das stellt alle Klettereien von Ricky Wilson von den Kaiser Chiefs locker in den Schatten!

Ein gutes Konzert! Die Vorschußlorbeeren zur Livequalität der Versailler sind voll und ganz berechtigt! Mir ist Phoenix manchmal zu poppig, ich bereue aber nicht, sie mir live angesehen zu haben!

Setlist Phoenix, E-Werk, Köln:

01: Lisztomania
02: Long distance call
03: Lasso
04: Run run run
05: Fences
06: Girlfriend
07: Armistice
08: Love like a sunset part I
09: Love like a sunset part II
10: Rally
11: Too young
[Geburtstagsständchen]
12: Consolation prizes
13: Rome
14: Funky squaredance

15: Everything is everything (Z)
16: Love for granted (Z)
17: If I ever feel better (Z)
18: 1901 (Z)

Konzerttermine Phoenix:

15.11.09: Theaterfabrik, München (mit Noah And The Whale) - ausverkauft
17.11.09: Zapata, Stuttgart (mit Noah And The Whale)
18.11.09: Cocoon Club, Frankfurt(mit Noah And The Whale) - ausverkauft
19.11.09: FZW, Dortmund (mit Friska Viljor) - ausverkauft
20.11.09: Alte Feuerwache, Mannheim (mit Noah And The Whale)
21.11.09: Huxleys, Berlin (mit Noah And The Whale) - ausverkauft

Links:

- aus unserem Archiv:
- Noah And The Whale, Haldern, 14.08.09
- Noah And The Whale, Paris, 20.11.08
- Noah And The Whale, Paris, 28.03.08



* fälschlicherweise wird die Platte oft auch mit ihrem Arbeitstitel The first days of spring genannt
** unter seinem echten Namen Matthew Owens
*** Konzerttagebuch-Trivia: bereits mein zweites Konzert im E-Werk, bei dem ich ein Lied namens Lasso erlebt habe - damit ist das E-Werk das einzige Konzerthaus, in dem in meiner Gegenwart über Lassos gesungen wurde




Samstag, 19. September 2009

Noah & The Whale, Paris, 18.09.09

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Konzert: Noah & The Whale (Blue Roses)

Ort: Le Café de la danse
Datum: 18.09.2009
Zuschauer: mindestens 450, gerammelt voller Laden.
Konzertdauer: Noah & The Whale knapp 80 Minuten, Blue Roses 30 Minuten



Mein viertes Konzert von Noah & The Whale war sicherlich nicht mein schlechtestes. Bei drückender Schwüle im vollgepackten Café de la danse servierten die fünf jungen Briten eine Mischung aus neuen und alten Songs und variierten wunderbar Tempo und Lautstärke. So schafften sie es zumindest phasenweise, den ansonsten oft hüfststeifen Laden ein wenig aufzuwirbeln und eine Atmosphäre enstehen zu lassen, die man in einem Tanzcafé (Café de la danse) dem Namen nach erwarten darf.

Laura Groves, die unter dem Namen Blue Roses firmiert, hatte zuvor mit einer Geigerin (und Glockenspielerin!) und einem Multiinstrumentalisten (der trotzdem fast nichts zu tun hatte) nicht nur mit ihrem betörenden Augenaufschlag, sondern vor allem mit ihrer lieblichen Stimme gepunktet. Die 21 jährige Engländerin spielte abwechselnd Piano und Akustikgitarre und erinnerte nicht nur deshalb an Cherilyn MacNeil von Dear Reader. Ich habe mir ihr Album zugelegt, damit ich mir ihre Musik anhören kann, ohne ständig von ihrem entzückenden Äußeren abgelenkt zu werden. Während des Konzertes konnte ich nämlich nicht anders, als die brünette Dame permanent anzuglotzen. Ich war nicht der einzige (Mann)...

Morgen mehr Infos und die Fotos.

Setlist Blue Roses, Café de la danse, Paris:

01: Greatest Thoughts
02: I Am Leaving
03: Doubtful Comforts
04: Coast
05: Rebecca
06: I Wish

Setlist Noah & The Whale, Café de la danse, Paris:

01: Give A Little Love
02: Blue Skies
03: Shape Of My Heart
04: Love Of An Orchestra
05: Slow Glass
06: Our Window
07: Tow Bodies One Heart
08: Five Years Time
09: Rocks And Daggers
10: Stranger
11: I Have Nothing
12: My Door Is Always Open
13: The First Days Of Spring

14: Hold My Hand
15: Jocasta
16: My Broken Heart

Links:

- hervorragende Fotos von Robert Gil. Blue Roses hier; Noah & The Whale da
- Le Hiboo hat (hier!) einen kurzen Bericht auf französisch und ein wunderbares Video von einer Session von Blue Roses. Sie spielt Coast auf den Treppenstufen vor einer Kirche. Charmant!




Noah & The Whale, Berlin, 16.09.09

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Konzert: Noah and the Whale (Blue Roses)

Ort: Fritzclub im Postbahnhof, Berlin
Datum: 16.09.2009
Zuschauer: angenehm, ca. 300
Konzertdauer: Blue Roses 30 min, Noah and the Whale 90 min


von Hannes aus Berlin

Dies ist der Konzertbericht eines weißen, mitteleuropäischen 21 Jahre alten, tontechnisch affinem Studenten, welcher der oberen Mittelschicht zugehören kann, da er finanziell über seine Eltern abgesichert ist. Zu seiner Verfassung ist zu sagen, dass er und seine Freundin, die Liebe seines Lebens, vergangene Woche nach zweieinhalb Jahren beschlossen haben, den dritten Beziehungsversuch zu beenden. Nun ist er das erste Mal nach fast 6 Jahren auf sich alleine gestellt und nimmt die Welt dementsprechend wahr. Im Vorfeld hat er sich zwei Alben der Band besorgt und während er so dies und das tat, in die Musik hineingehört. Dabei fiel ihm sofort "5 Years Time" auf - der Song wurde schon öfter in der Disko gespielt und er hatte verhalten dazu getanzt. Pünktlich um 9 Uhr verließ er dann die Welt von Steven King und dem letzten Gefecht, in der er sich seit seinem Aufbruch zu Hause befand, um in die von Laura Groves als Blue Roses einzutreten. Was für eine Melodiegewalt! Treffsicher nimmt die Dame dort oben jeden Bogen und verleiht den Songs mit ihrer seidigen Stimme Gefühle der besonderen Art. Nur vor einem einzigen Song lässt sie eine kleine Unsicherheit durchschimmern - herzerweichend, zum Glück doch nicht vom Band. Nach einer wunderschön ausführlichen Umbaupause dann endlich Noah. Mit Rückkopplungen seitens der Geige hat nun also jeder mitbekommen, dass es wieder los geht. Gut. Aber so wirklich wollen da keine Funken springen. Das Konzert ist nett, es gibt Applaus. Ausdruckslos spielt Sänger Charlie die Songs runter. Die Band hält gegen. Ab und zu mal etwas lauter mit mehr Gitarre, dann etwas leiser mit weniger Gitarre, aber mehr schönem Männerchor (nicht ganz so schön wie bei den Fleet Foxes, aber hey!) und zwischendurch ist es etwas plätschernd. Höhepunkt des Konzertes: Eine elektrische Zahnbürste auf dem Boden. Wow. Etwas enttäuscht ist er ja schon, der Schreiber, aber vielleicht liegt es ja auch einfach an seinem Gemütszustand. Gegen 23.30 Uhr geht es dann wieder in die U-Bahn und zu Steven King.




Freitag, 14. August 2009

Noah And The Whale, Haldern-Festival, 14.08.09

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Konzert: Noah And The Whale
Ort: Haldern-Festival
Datum: 14.08.2009
Zuschauer: sehr viele
Dauer: 45 min


Das erste Konzert von Noah And The Whale in Deutschland! Mein Mitblogger Oliver hat die Engländer in Paris mehrfach gesehen und mich jedes Mal extrem neidisch gemacht. Nicht nur weil ich die anderen Bands, die mich dieses Jahr in Haldern besonders interessierten, schon live gesehen hatte, freute ich mich auf Noah And The Whale eigentlich am meisten. Durch Oliver angesteckt hatte ich irgendwann das Album der Gruppe aus einen Londoner Randbezirk angehört und mich anfangs langsam, dann heftig in den Folkpop mit der prägnanten Stimme von Charlie Fink verliebt und die Platte in der Folge immer wieder gehört.

Lieder wie Shape of my heart, 2 atoms in a molecule, 5 years time oder Do what you do gehören zum besten, was mir mein iPod in den letzten Monaten vorgespielt hat!

Auf der Hauptbühne hatte Owen Pallett gerade ein atemberaubend schönes Konzert beendet. Die Stimmung passte also, das Wetter auch! Sollte das Haldern-Forum
irgendwie repräsentativ sein, gehörten Noah And The Whale zu den Acts, auf die man sich am meisten freute. Das zeigte sich in der großen Anzahl an Leuten vor der Bühne.

Neben den beiden Fink-Brüdern Charlie (Gesang und Gitarre und beigefarbenes Hemd mit Blümchenranken) und Doug (Schlagzeug) spielten ein bärtiger Gitarrist, ein eigentlich wie Charlies Bruder aussehender Geiger und Bassist Urby Whale, der als Kind (unter dem Namen
Matthew Owens) Schauspieler war und u.a. in einer Thomas Hardy Verfilmung mit Catherine Zeta-Jones und Clive Owen mitgespielt hat.

Wie gut dann das Konzert begann! Give a little love war zwar langsamer als die Albumversion, aber dennoch sehr eindringlich und gut! Beim gemeinsamen Nenner der meisten Haldern 2009 Bands, der besonderen Stimme der Sänger, machte Charlie Fink keine Ausnahme. Eine gute Portion der Güte seiner Band hängt an
seinem Gesang. Aber auch das exzellente Songwriting und die Instrumentierung mit Geige bilden wichtige Säulen. Dieses Gegeige am Ende des Auftaktsongs konnte ganz besonders viel!

Ich war extrem euphorisiert!

Völlig in Ordnung, daß nach diesem ersten Liebling vom Debüt ein neues Stück folgte! Blue skies wird Ende August auf The first days of spring, dem Nachfolger, erscheinen. Blue skies ist eine Ecke ruhiger und auch langweiliger als die Knüllersongs von Peaceful, the world
lays me down. Aber eine Mischung aus neuen und alten Lieder ist ja auch spannend! So folgte dann nämlich mit Jocasta wieder etwas vom Erstling und mit Love of an orchestra ein noch nicht erschienener Titel.

Aber wieso auch immer spielte die Band dann nur noch Lieder des neuen Albums, die ja eigentlich noch niemand (legal) kennen kann. Eine gewagte Strategie für ein erstes und vor allem so herbeigesehntes* Konzert!

Was hätte das grandios sein können, wenn sich Noah And The Whale ihrem deutschen Publikum auch mit einigen der liebgewonnenen alten Stücke vorgestellt hätten, zumindest mit 5 years time, ihrem größten Hit bisher! Ich fühlte mich als Fan nicht richtig ernstgenommen, es war eher, als spielten sie für sich, nicht für uns.

Statt grandios war es also bloß sehr gut. Aber dieser Unterschied war beim
diesjährigen Haldern-Festival durchaus relevant. Denn sehr gut ist eben nur durchschnittlich, wenn vieles andere großartig ist... Trotzdem sehe ich mir die Noahs bei nächster Gelegenheit wieder an! Aus einer doofen Setlist wird ja noch keine schlechte Band.

Unter einem Schulaufsatz hätte wohl "Thema verfehlt" gestanden. Der Schreibstil und die Schrift hätten aber Bestnoten bekommen.

Setlist Noah And The Whale, Haldern-Festival:

01: Give a little love
02: Blue skies (neu)
03: Jocasta
04: Love of an orchestra (neu)
05: Slow glass (neu)
06: Our window (neu)
07: My door is always open (neu)
08: Stranger (neu)
09: The first day of spring (neu)

Links:

- Noah And The Whale, Paris, 20.11.08
- Noah And The Whale, Paris, 28.03.08
- mehr Fotos von Noah And The Whale vom Haldern-Festival


* gut, das wussten sie vermutlich nicht



Freitag, 21. November 2008

Noah & The Whale, Paris, 20.11.08

0 Kommentare

Konzert: Noah & The Whale

Ort: La Maroquinerie, Paris (Inrocks Indie Club)
Datum: 20.11.2008
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft
Konzertdauer: Noah & The Whale circa 45 Minuten, also ziemlich kurz...



"Das klingt irgendwie nach Kermit der Frosch!"

Der Witzbold, der diesen Kommentar unter ein YouTube-Video von Noah & The Whale gesetzt hatte, war damit gar nicht mal so im Unrecht! Die Stimme des Bandsängers Charlie Fink weist nämlich in der Tat Ähnlichkeiten zu den quakigen Tönen des grünen Geschöpfes aus der Muppetshow auf!

Wenn man sich dem Thema etwas ernsthafter zuwendet, kommt einem überdies ziemlich schnell der Name Adam Green in den Sinn, der von Noah & The Whale bereits supportet wurde. Genau wie bei Adam erstaunt bei Charlie diese Altherrenstimme aus einem jugendlichen Engelsgesicht, die man den beiden Milchbubis gar nicht zutrauen würde. Als wären sie zusammen auf die Bauchrednerschule gegangen, fast so klingen Adam und Charlie.

Meine ersten Live- Eindrücke von Noah & The Whale hatte ich bereits im März 2008 gesammelt. Damals waren die jungen Engländern zum ersten Mal in der Stadt der Liebe und wurden gleich am Bahnhof von den Dokumentarfilmern der kultigen Pariser Blogothèque in Beschlag genommen. Kaum eine aufstrebende, neue Band entgeht den Fängen des Oberblogotheklers Vincent Moon, der immer sehr früh an dem nächsten Hype dran ist und sofort die Kamera auf die Musiker hält, sei es auf der Straße, in einem Hinterhof, oder einem kleinen Lebensmittelladen. So entstanden im März also drei Episoden mit Noah & The Whale, die ich am Ende meines Berichtes verlinkt habe.

Das "normale" Pariser Publikum, also diejenigen, die nicht das Glück hatten ,bei der Enstehung dieser Epsioden live dabei zu sein, konnten die Briten dann am 28. März in der Flèche d'or erleben. Ich war damals auch zugegen und bekam genau wie die anderen Besucher ein frisches, stimmungsvolles Konzert geboten, das Lust auf mehr machte. Im August beim Haldern Pop sollte es dann eigentlich die zweite Begegnung mit Charlie Fink & Co geben, aber daraus wurde nichts, denn die ihrerseits als Ersatz verpflichtete Gruppe, muste kurzfristig absagen. Inwischen waren schon drei weitere Monate vergangen und heute also endlich das zweite Paris-Konzert von und mit den Folkküken.

Bevor die Jungs loslegen konnten, nudelten aber noch die ziemlich langweiligen und belanglosen Londoner Operahouse ihr Programm herunter.

Gegen 21 Uhr 45 war aber schließlich die Zeit für den Headliner des heutigen Inrocks-Indie Clubs gekommen. Allzu gerne hätte ich die niedliche Laura Marling auf der Bühne gesehen, die auf dem Debütalbum Peaceful, The World Lays Me Down bei fast jedem Lied mehr oder weniger dominant mitzwitschert. Aber im Rampenlicht standen leider ausschließlich junge Männer. Gleich vor mir agierte der jugendlich und sanftmütig wirkende Geiger Tom Hobden, am anderen Bühnerand der rothaarige Hütchenträger und Bassist Matt "Urby Whale" Owens und in der Mitte der Gitarrist und Sänger Charlie Fink. Dessen Bruder Doug Fink trommelte hinter ihm was seine feuerroten Drumsticks hergaben.

Es war warm in der Maroquinerie und deshalb entledigte ich mich sofort meines Bundeswehrparkas und packte ihn gleich vor die Füße des Geigers. Vincent Moon, der rechts neben mir stand und Im Laufe des Abends bei jedem Lied abging wie ein Wilder, sah das, hielt das für eine gute Idee und machte sich auch obenrum frei (ich rede nur von dem Mantel!). Ämusiert sah ich, wie der bärtige Kerl, der ebenfalls einen grünen BW-Parka dabei hatte, sein Secondhand-Militärteil auf meines packte und mich anzwinkerte, so als wolle er sagen: "Dürfen wir dann aber nach dem Konzert nicht verwechseln!"...

Der Dokumentarfilmer Vincent (der bürgerlich einen anderen Vor-und Nachnamen hat), beweist wirklich immer wieder ein gutes Händchen mit der Auswahl seiner Bands. Er war früh an Jonquil dran, auch an den Bowerbirds, Bon Iver und so vielen anderen. Also Geschmack hat er auf jeden Fall und wenn er aufkreuzt, kann man davon ausgehen, daß das Konzert gut wird. (Gleiches wurde mir übrigens auch schon nachgesagt, aber lassen wir diese Eitelkeiten!)

Und gut wurde es in der Tat, allerdings auch recht kurz! Gerade einmal 45 Minütchen gönnten uns Noah & The Whale ihren Launemachenden und charmanten Folk-Pop, der mit seiner sonnigen Note ganz im Gegensatz zu dem tristen Novemberwettter stand. Die Single Shape Of My Heart war das erste Highlight eines erfreulicherweise konstant gutklassigen Konzertes und an den grinsenden Mienen der Besucher konnte man ablesen, daß sie ihren Spaß hatten. Modern, und trotz klassischer Folkeinflüsse frisch und unverbraucht , schmetterten die jungschen Kerle ihre Ohrwürmer und besonders die Einlagen an der flott gespielten Fiedel brachten Stimmung in das Ganze. Da machte es auch nichts, daß Charlie's Stimme manchmal leicht schief klang, wichtig war das charmante, spontane und schwungvolle Element. Noah & The Whale stehen mit ihrer Musik an der Spitze eines neuen Trends, der endlich auch einmal gute, junge englische Folkbands an die Oberfläche spült. Neben oder auch zusammen mit ihnen agieren Bands und Nachwuchskünstler wie Johnny Flynn, Laura Marling und ihre tolle Begleitband Mumford and Sons und Jay Jay Pistolet (Fans von Noah & The Whale empfehle ich- falls noch nicht geschehen- sich unbedingt mit den von mir genannten Künstlern zu beschäftigen!) mit zunehmendem Erfolg auf englischen und inzwischen auch kontinentaleuropäischen Bühnen.

Es macht aber auch wirklich Spaß, diesen jungen Hüpfern zuzuhören -und zu sehen und wenn sie dann - wie im Falle von Noah & The Whale- noch so famose Songs wie Five Years Time zu bieten zu haben, das Charlie an der Ukulele vortrug, dann sieht man ihnen auch nach, daß ihre Shows noch arg kurz sind.

Dieses Five Years Time ist wirklich ein natürliches Antidepressivum par excellence. "Sun, sun, sun", oder "fun, fun, fun", auch ohne die liebliche Stimme von Laura Marling macht das Laune und es werden bei solchen Textstellen Erinnerungen an die Beach Boys wach. Für ein paar Minuten fühlt sich dann nicht im novemberlich grauen Paris, sondern an einen sonnigen Strand in Kalifornien versetzt. Da pfeift man gerne die Strophen mit und wenn man jetzt noch einen Cocktail und ein hübsches Mädel im Arm gehabt hätte, wäre das Glück perfekt gewesen! Aber auch ohne Alk und ein fesches Weib hatte man heute Abend seinen Spaß. Noah und seinem Waal sei Dank! Vielleicht lässt sich der Meeressäuger ja auch einmal vor Eurer Küste blicken, dann solltet ihr mit dem Kauf der Konzertkarte aber nicht zu lange zögern!

Setlist Noah & The Whale, La Maroquinerie, Paris:

01: Love Of An Orchestra
02: 2 Atoms In A Molecule
03: Shape Of My Heart
04: Give A Little Love
05: Jocasta
06: Mary
07: Rocks & Daggers
08: Five Years Time
09: First Day Of Spring

10: Girlfriend In A Coma (The Smiths Cover) (Z)

Review Noah and The Whale am 28.03.2008 in der Pariser Flèche d'or hier
- Fotos von Noah and The Whale @ La Maroquinerie hier
- Meine berühmt-berüchtigten (oder so) Fotos von der Aftershow hier
- Videos von Noah and The Whale: 2 Bodies 1 Heart, charmant mit Laura Marling, angucken!, 5 Years Time, mit Ukulele und erneut mit Laura Marling, allein deshalb gut!, Shape Of My Heart,
- Drei Videoepisoden mit der Blogothèque, Epidose 1 gedreht u.a. am Pariser Gare Du Nord, Episode 2, Episode 3




Samstag, 29. März 2008

Noah And The Whale, Paris, 28.03.2008

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Konzert: Noah And The Whale und Thomas Tantrum

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 28.03.2008
Zuschauer: ca. 300



"In Paris ist es doof, die Musikszene ist bei weitem nicht so spannend wie in England!"

Solche Klagen höre ich öfter von unzufriedenen französischen Indie-Konzertgängern. Vor allem diejenigen, die britischen Indie-Rock bevorzugen, beschweren sich über den Standortnachteil. Dabei ist Paris eigentlich gar nicht so schlecht, wenn es darum geht, aufstrebende englische Bands früh an die Seine zu holen. Man schaue sich nur an, wer alles bein im letzten November stattfindenden Festival des Inrocks auftrat: Lightspeed Champion, Foals, The Twang, Cajun Dance Party, Joe Lean And The Jing Jang Jong, Teenagers, These New Puritans, Blood Red Shoes und vor allem Johnny Flynn and The Sussex Wit.

Johnny Flynn hebe ich deshalb besonders hervor, weil er die neue britische Generation des Indie -Folks hervorragend verkörpert. Er hat zwar mit Sicherheit Bob Dylan und Neil Young gehört, wurde aber aufgrund seines jungen Alters ebenso von US-Indie Bands wie den Pixies und den Talking Heads beeinflusst, genau wie Arcade Fire und Clap Your Hands Say Yeah auch.

Noah And The Whale nun, sind nicht zufällig Top- Freunde von Johnny Flynn bei MySpace. Musikalische Vorlieben schweißen eben zusammen. Interessant auch: Laura Marling, die erst siebzehnjährige britische Folk-Sängerin findet sich auch unter den Top-Friends. Und diese Laura Marling hatte beim Festival des Inrocks einen Kurzauftritt. Drei Lieder durfte sie vor dem roten Vorhang in der Pause vortragen. Eigentlich sollte die junge Frau auch heute bei Noah And The Whale dabei sein, sie gehört nämlich zur Band.

Auf der Bühne gab es aber zunächst keine Dame, die Männer waren erst einmal unter sich. Als da wären: Der kappetragende Sänger und Gitarrist Charlie Fink, sein smarter Bruder Doug am Schlagzeug, der mit einer seltsamen Clownhose erschienene Bassist Matt und der sehr jung wirkende Geiger Tom. Allesamt nette Typen, im Falle des Sängers etwas verrückt und zerstreut, was ihn allein dadurch schon in eine gewisse Nähe zu Adam Green brachte. Und auch die Stimme von Charlie war derjenigen von Adam nicht unähnlich, kein Wunder also, daß Noah And The Whale den New Yorker auf der anstehenden UK-Tour supporten werden.

Toll an dem Stil der jungen Engländer waren die plötzlichen Tempobeschleunigen , die aus heiterem Himmel kamen. Tom fiedelte in diesen Fällen wie ein Wilder los, der hütchentragende Matt, der neben dem Bass auch noch unter anderem das Glockenspiel betätigte, wippte im Takt und Charlie (der auch Ukulele spielte) ging mit seiner Gitarre in die Knie. Den Drummer Doug sah man logischerweise etwas weniger, aber er stand in einer Szene im Mittelpunkt des Interesses. "Doug spielt hier gerade sein vorerst letztes Konzert für uns, er muß bald seine Medizinprüfungen absolvieren. Aber gleichzeitig Arzt und Schlagzeuger zu sein, ist das nicht sexy?" Derjenige, der die Frage in den Raum stellte, war der drollige Matt, der dies alles in einem nicht schlechten französisch vortrug.

Eine sympathische Band also, die etliche flotte und beschwingte Lieder zu bieten hatte. Und am Ende gab es sogar noch den vielumjubelten Gastauftritt von Stéphanie "Soko" Sokolinski, die bei den letzten beiden Liedern im Background mitsang, über beide Ohren grinste und munter im Takt mitklatschte.

Noah and The Whale, dies Band muß man im Auge behalten!

Setlist Noah And The Whale, La Flèche d'or, Paris:

01. Give A Little Love
02. Peaceful, The World Lays Me Down
03. Mary
04. Jocasta
05. 5 Years Time
06. Rocks And Daggers


Thomas Tantrum waren im Anschluß dann etwas weniger überzeugend, auch wenn ihre blonde Frontfrau Megan Thomas zweifellos ein Hingucker war. Ihr mitunter recht düsterer Garagen-Punk Pop in der Tradition von Siouxie and The Banshees hat man so ähnlich in den lezten Jahren schon von beispielsweise Be Your Own Pet gehört. Dennoch sollte man auch diese aufstrebende englische Band nicht ohne weiteres übergehen, denn die charmante Note, die sie ihrem Punk-Pop beimischen, ist nicht zu leugnen. Ich bleibe auch hier am Ball.

Setlist Thomas Tantrum, La Flèche d'or, Paris:

01: What What What
02: Rage Against The T...
03: Shake It! Shake It!
04: Swan Lake
05: Warm Horse
06: Work-It
07: Zig A Zig
08: Why The English
09: Are...
10: Pshandy

Zuschauer von Noah And The Whale könnten ebenfalls mögen:

- Johnny Flynn in Paris
- Jeremy Warmsley in Paris



 

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