Mittwoch, 23. Mai 2007

Windmill, Jeremy Warmsley & Milenasong, Paris, 22.05.07

Konzert: Windmill & Jeremy Warmsley & Milenasong
Datum: 22.05.2007
Ort: Le Divan Du Monde
Zuschauer: 60 vielleicht


Heute steppte in Paris musikalisch so richtig der Bär! So traten die wiederformierten Smashing Pumpkins im ausverkauften Grand Rex auf, die kanadische Kultband Do Make Say Think (ähnliche Liga wie A Silver Mt. Zion) gab sich in der Maroquinerie die Ehre und die Senkrechtstarker von den Bishops versprühten ihren 60s Charme im Nouveau Casino.

Auf Anraten meines fachkundigen Blogger-Freundes Eike hatte ich mich jedoch in das stimmungsvolle Divan Du Monde zu Windmill begeben. Eike hatte mir vor ein paar Wochen schon von der britischen Band vorgeschwärmt und mich gebeten, ihr hochgelobtes Debütalbum "Puddle City Racing Lights" für ihn zu kaufen. Zu meiner Überraschung und Freude bekam ich die heiße Ware aber bereits vorab in der Fnac in die Hände...

So war ich dann auch als einer der Wenigen durch mehrfaches Durchhören der CD gut auf das Konzert vorbereitet.

Vor Windmill traten aber zunächst noch zwei andere Künstler in dem wunderbaren, barartigen Raum auf. Als Allererste durfte Milenasong ran. Wie ich von zwei netten Mädchen, die mit mir einen der gemütlichen Kaffeehaustische teilten, erfuhr, lebt die Sängerin, die hinter dem Namen steckt, in Berlin. Allerdings ist die brünette Sirene keine Deutsche, sondern stammt wohl aus Norwegen. Dies ist zwar auf ihrer MySpace Seite nicht so explizit beschrieben, aber die Einflüsse, die sie für ihre Musik angibt, deuten doch deutlich darauf hin. Wer nennt sonst schon Edvard Munch und Ozeane und vor allem Fjorde als Inspirationsquelle?

Entsprechend weltentrückt und experimentell war dann auch der Stil der Sängerin, die von einem Herren an der Gitarre begleitet wurde. Sofort kamen mir Assoziationen zu anderen "verrückten" Skandinavierinnen in den Sinn, vor allem natürlich Björk. Aber auch CocoRosie scheint nicht so abwegig zu sein. Dennoch, man muß etwas weiter suchen, um ähnliche Künstlerinnen zu finden. Kennt jemand hier Mia Doi Todd? Wenn nicht, dann sage ich nur kurz, daß sie ebenfalls einen schwarzen, depressiven Folk spielt. Oder kennt jemand Marissa Nadler? Nein? Dann lest ihr den Blog nicht regelmäßig, denn ich habe kürzlich über die Sängerin berichtet ;-) Mit Marissa Nadler hat MilenaSong das sirenhafte gemein, diesen Gesang, der fast wie ein Echo ins Mikro gehaucht wird. Nur dass das hier heute eine Spur experimenteller war. Mir hat es auf jeden Fall nicht schlecht gefallen, aber bevor ich mir die CD "Not sure yet" in Ruhe ansehen konnte, wurde sie schon wieder von dem Merchandising Stand abgeräumt...

Als Nächster durfte der Brite Jeremy Warmsley zeigen, was er kann. Und das ist einiges, ich hatte das Gefühl ein großes musikalisches Talent vor mir zu haben, das mit Sicherheit noch für so einige Furore in der Musikwelt sorgen wird. Das Problem war bloß, daß ich seinen Stil nicht wirklich mochte. Das Set erinnerte an Rufus Wainwright, einen anderen Wunderknaben, dessen Talent, ja Genie, ich nicht bestreite, der mir aber eine Spur zu schwülstig-barock ist. Wenn ich schon Namen in die Runde werfe: Patrick Wolf könnte man auch nennen, zumal auch Jeremy Warmsley elektronische Elemente in seinen modernen Folk mit einbezieht. Das Debütalbum von Hern Warmsley, der übrigens lustigerweise zur Hälfte Franzose ist (mütterlicherseits) ist bereits erschienen, es heißt "The art of fiction" und dürfte all denjenigen gefallen, die die von mir zuvor genannten Künstler schätzen.

Dann war die Stunde von Windmill gekommen. Es begann auch gleich mit einer lustigen Einlage, denn die fünf Musiker zogen mit aufgespannten weißen Regenschirmen auf die Bühne! Damit hatten sie schon einmal die Lacher auf ihrer Seite. Während das Publikum noch ein wenig die Schirme bewunderte, legte Sänger Matthew Thomas Dillon gleich los und gab eine kurze Acapella-Nummer zum Besten. Sofort wurde deutlich, welch unglaubliche Stimme der Mann hat. Sehr hoch und vollkommen schräg! Auch hier mag ein Vergleich zu bekannten Bands behilflich sein, ich denke da an Mercury Rev, die Flaming Lips, Clap Your Hands Say Yeah oder die Talking Heads. Genannte Gruppen, sind dann auch als Einfluss angegeben. Eigentlich erstaunlich, daß Windmill aus England kommen, schien mir doch dieser kauzige Stil etwas typisch Amerikanisches zu sein. Sei es drum, jeder bezieht seine Einflüsse daher, wo er will. Schließlich gibt es ja auch (leider) deutschen Hip Hop, oder gar Reggae (Gentleman, brrr.)...

Nachdem die Regenschirme zusammengeklappt waren und die Acapella- Version verhallt war, konnte es dann richtig losgehen. "Asthmatic" wurde zum Aufgalopp gespielt, ein stimmungsvolles Lied, mit Piano, lieblichen Chören (die heute von Tracey Browns eingesungen wurden) und natürlich der unverkennbaren Stimme von Matthew. Ich fragte mich mehrfach im Verlauf des Abends, wie der Brillenträger so hoch kam. Wie macht der das? Einfach verblüffend, auch wenn das mit Sicherheit nicht jedem gefallen wird.

Was ich mich noch fragte: wo hatte Mitsängerin und Keyboarderin Tracey ihre Jeans her? Völlig durchlöchert war das gute Stück! Nicht das mich so etwas in Zeiten eines David Beckham schockieren könnte, aber ihre Jeans schlug wirklich alle Rekorde, ihre Knie sagten mir buchstäblich "Hallo". Soll jetzt aber nicht von ihrer wunderbaren, warmen Stimme ablenken und schon gar nicht von ihrem äußerst liebenswürdigem Wesen. Zur Band gehörte desweiteren auch noch ein Bassist, eine blonde Cellistin, die die wunderbaren Streicherparts besorgte und ein Drummer, der in einem "Käfig aus Glas" saß! Nein, nein, ich erzähle keinen Blödsinn, Porl Rider, so heißt er, saß wirklich hinter Plexiglas, warum weiß kein Mensch. Vielleicht ist er bissig, oder wirft mit seinen Drumsticks nach den anderen? Aber Scherz bei Seite, es handelte sich wohl eher um eine weitere Showeinlage...

Keine Show, oder zumindest nicht gespielt, schien mir das Wimmern und Klagen in der Stimme von Sänger Matthew zu sein. Mit Inbrunst trug er so melancholisch-schöne Titel wie das tolle "Boarding Lounges" vor. Nach dem ebenfalls traurigen "Newsflash" war die Band dann aber der Meinung, das es jetzt mal an der Zeit sein, einen "happy" Song zu spielen, nämlich den Opener des Albums "Tokyo Moon". Dieses Stück sorgte dann auch für Stimmung und gute Laune unter allen Anwesenden, bevor mit "The Planning Stopped" wieder mächtig auf die Tränendrüse gedrückt wurde. Das schmachtende Element wurde vor allem durch das wundervolle Cello-Spiel verstärkt. Ich schloß meine Augen und ließ mich von der Stimmung gleiten, es war für mich ein Highlight des Konzerts gekommen. Ähnlich gerührt war ich dann noch einmal gegen Ende, als die Ballade "Fashion House" erklang. "How you gonna pay the bills" hieß es da unter anderem, das ging schon unter die Haut.

Abgeschlossen wurde das gelungene Konzert dann von "Shutters", einem Stück, das angeblich in sieben Minuten geschrieben wurde, extra für die japanische Edition des Albums. Dafür war es aber eigentlich gar nicht so schlecht!

Merkt euch den Namen: Windmill!

Setlist Windmill:

00: Spectacle (45 second acapella)
01: Asthmatic
02: Fluorescent Lights
03: Boarding Lounges
04: Newsflash
05: Tokyo Moon
06: The Planning Stopped
07: Tilting Trains
08: Fit
09: Plastic Pre-Flight Seats
10: Replace Me
11: Fashion House
12: Schutters

Keine Zugabe übrigens, es wurde durchgespielt, bis sie kein Lied mehr hatten...

von Oliver



9 Kommentare :

Christina hat gesagt…

Klingt gut...auch wenn ich Windmill nicht kenne. Aber ich werde auf jeden Fall mal reinhören!

Magali hat gesagt…

oh, Jeremy Warmsley. Den find ich auch toll (haha und ich war ja auch auf'm Patrick Wolf konzert, deine Beschreibung passt perfekt;) ). Hoffe der gibt sich auch igrenwann mal in Deutschland die Ehre..

E. hat gesagt…

ist mir natürlich eine freude, dass du windmill all den genannten vorgezogen hast. zurecht, wie ich lesen durfte. ich hoffe auf ein konzert bei uns. und danke dir für den bericht!

Christoph hat gesagt…

Argggh, Ihr seid alle zu früh! Das war ja alles noch bilderlos (und linklos, aber das kommt leider häufiger vor)!

E. hat gesagt…

ja, schiete, denn die fotos sind richtig was wert! dank auch an dich christoph für deine arbeit!

Christina hat gesagt…

MIT Foto von der Hose ist es gleich noch viel beeindruckender ;-)

Christoph hat gesagt…

Vielen Dank Eike! Aber ich trage ja nur zusammen.

Die Hose ist wirklich... eindrucksvoll. Oder retro, wenn ich eine coolere Sprache benutzte.

Anonym hat gesagt…

also du warst nicht bei den Smashing Pumpkins, ich auch nicht ich muss jetzt viel lernen :s

oliver r. hat gesagt…

Ich hate vergessen zu erwähnen, daß an jenem Tage auch Rufus Wainwright im Trianon aufgetreten ist, es war also wirklich eine Menge geboten...

 

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