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Dienstag, 3. April 2012

Soko, Wiesbaden, 02.04.12

3 Kommentare

Konzert: Soko
Ort: Schlachthof (Räucherkammer), Wiesbaden
Datum: 02.04.2012
Zuschauer: fast ausverkauft (250 vielleicht)

Dauer: Soko 78 min, Luke Rathborne 30 min



Einer der ersten interne Konzerttagebuch-Hypes vor fünf Jahren war die Französin Stéphanie Sokolinski, Soko, deren erste Konzerte Oliver in Paris 2007 erlebte und euphorisch beschrieb (Foto, Archiv). Mit ihrer EP Not sokute, vor allem dem Stück I'll kill her eroberte die Sängerin auch schnell Herzen außerhalb ihres Heimatlandes. 2008 begann 1live den Hit zu spielen, ich erinnere mich noch an meinen Anruf bei Oliver, als "I'll kieeeell her" durchs Radio niedlichte.

Das sehr stilsichere Forum des Haldern-Festivals wurde auch Soko aufmerksam, dann auch schnell dessen Macher, und Soko erschien auf der Haldern-Pop-Tour im Mai 2008, die u.a. in der Frankfurter Batschkapp Station machte. Es sah bis dahin nach einer glanzvollen Karriere aus, jeder war dem Charme der jungen Frau erlegen und erwartete das erste Album. Das kam allerdings nie - Soko widmete sich ihrer Schauspielkarriere und schien den Ausflug in die Musik nicht zum weiteren Broterwerb ausgemacht zu haben. Sie tanzte nur einen Sommer, schien es. Im November 2009 dann plötzlich ein Lebenszeichen, Oliver schickte einen Konzerttermin im Baron, das Konzert fand allerdings wohl nicht - oder ohne ihn statt. Ein Album war auch nicht zu erwarten.

Im Sommer vergangenen Jahres passierte dann das Wunder, I thought I was an alien wurde angekündigt. Wie gut, daß ich so selten Wette, diese Platte hätte mich ruiniert. Das Debüt mit Französin und Alien auf dem Cover erschien dann Anfang des Jahres und überraschte mich als deutlich besser als erwartet. Der lange Anlauf hatte sich offenbar gelohnt.

Obwohl ich ihr Konzert von 2008 musikalisch ernüchternd empfand (was durch Stéphanies Charme zwar wettgemacht wurde), bestand kein Zweifel, daß ich dieses, was? Comeback? sehen muß.

Kurz vor Abfahrt nach Wiesbaden erhielt ich ein mail, daß das Kölner Konzert am Dienstag im Gebäude 9 ausverkauft sei. Und auch die viel kleinere Räucherkammer des Schlachthofs war bereits gut gefüllt, als ich ein paar Minuten vor neun ankam. Der einzig erreichbare Platz war etwa in Saalmitte unter einer Reihe Scheinwerfer, was sich nicht als gute Idee herausstellen sollte.

Um neun fing Sokos New Yorker Support Luke Rathborne an. Der junge Mann hatte eine Gitarre umgeschnallt und trug ein paar erste Stücke vor, die bei mir nicht weiter hängenblieben. "Disney-Club Version von Pete Doherty", hatte ich mir notiert und den Sänger nach seiner Begeisterung dafür, daß er in Berlin nur Leute getroffen hätte, die nicht arbeiten würden, was er "cool" fand, für sechzehn gehalten. Diese Wirkung hatte der Fuchs wohl erahnt, plötzlich machte er auf böse und Drogen und den ganzen Rockstar Kram. Jemand rauchte, er forderte, dieses Zeug doch nach vorne zu geben und nahm einen Zug. Irgendwie wurde ich aber den Verdacht nicht los, daß es eine Zigarette war, die er da gereicht bekam. Ein Stück spielte Luke am Klavier, fünf Nummern zu ruhig und lang, da fing ich an, mich zu langweilen. Einen Knüller hatte er aber noch auf Lager.

Nach einer halben Stunde ging er zu seiner Gitarre, schien sie stimmen zu wollen, ging dann aber durch die Bühnentür nach draußen, nicht ohne die ordentlich zuzuknallen. War das so divenhaft geplant, wie es wirkte? Es war zumindest das beste Stück Rock'n'roll des Vorprogramms! Naja, da war auch noch der Spruch über die Eindrücke seiner Tour in Frankreich. Franzosen seien Feiglinge. "Historically they surrender much." So macht man sich Freunde, junger Rockstar.

Soko (Französin) erschien um zehn vor zehn. Sie konnte aber noch nicht beginnen und musste ihre Mähne weglegen. "I've got too much hair." Es folgte gleich die Vorwarnung, daß sie kaum Stimme habe und sehr angeschlagen sei. "Darf man hier rauchen? Nein? Dann bitte ich euch, auch nicht zu rauchen, das belastet meine Stimme zu sehr." Sie bat auch um einen leisen Saal, all das aber in einem charmanten und sehr netten Ton, vollkommen frei von Allüren. Der Veranstalter kam ihrem Wunsch nach Ruhe nach, indem er die laute Klimaanlage abschaltete, die offenbar von Schiffsdieselmotoren betrieben wird. Ganz praktisch für die Leute hinten, die dadurch ihre angeregten Gespräche nicht unterbrechen mussten.

Soko begann mit einem ersten Knüller, Treat your woman right, begleitet nur von einem sehr leisen Schlagzeug und einer Geige. Im Mittelpunkt stand ausschließlich Stéphanies (heute) brüchige Stimme. Welch ein wundervoller Beginn!

Das folgende I just want to make it new with you unterlegte Soko mit einem Beat vom Band. Dazu kam ein nach Richard Sanderson aussehender Gitarrist auf die Bühne, Soko spielte Bass.

Stéphanies Musik klingt viel reifer als vor fünf Jahren. Shitty song oder I'll kill her sind heute nur noch schwer vorstellbar. Von ihrem Humor, ihrer Freakigkeit hat sie aber zwischen den Liedern nichts eingebüßt. "Wenn ich keine schwache Musikerin wäre, wäre ich wohl Comedian geworden." Als beim dritten Stück das Keyboard falsch klang sagte sie "it happens! - Well it never happened before." Richtig drehte sie auf, als sie das neue Lied Little mermaid man ankündigte. Ob wir den Arielle-Song kennten und singen könnten? Unser Disney-Wissen sei wohl nicht toll. Sie hatte trotzdem großen Spaß und animierte zum Mitsingen eines Lala-Refrains.

Soko spielte neben Stücken vom Album auch allerlei neue Sachen. Trapped in freedom stellte sie als Lied von der zweiten Platte vor. "Ich habe gerade erst das erste veröffentlicht, habe aber in den letzten sechs Jahren zig Lieder geschrieben." Wenn sie nicht alle Hits bereits für I thought I was an alien verbraucht hat, klingt das vielversprechend.

Mittlerweile wurde es unerträglich heiß im Saal. Menschen, die Körpernähe suchten, die Scheinwerfer, die fehlende Schiffsbelüftung sorgten für sommerliche Temperaturen. Irgendwann half nur die Flucht nach hinten zum Luftzug.

Soko hat viel mehr Talent, als ich es vor ein paar Jahren gedacht hatte. Ihre Musik lebt nicht von ihrem niedlichen Akzent und der lustigen Englisch-Version von früher. Ihre Lieder sind abwechslungsreich,
I've been alone too long beispielweise wird irgendwann sehr laut.

Zu Stéphanies Talenten gehört allerdings nicht das Schlagzeugspiel. Zwar bestritt sie Trapped in freedom an den Trommeln (und spielte gleichzeitig Gitarre), sie trommelte aber ordentlich am Rhythmus vorbei.

Das waren die Freak-Momente. Im Mittelpunkt standen aber die wirklich guten Stücke. First love never dies zum Beispiel. Oder
We might be dead by tomorrow- Selbst Happy hippie birthday, das mir auf Platte nicht so sehr gefällt, begeisterte mich. Dazu sangen zwei Frauen (eine hatte Geburtstag) auf der Bühne Background.


Ähnlich plötzlich wie ihr Support beendete auch Stéphanie ihren Auftritt. "Ich hatte gebeten, daß nicht geraucht wird, es rauchen aber immer noch Leute. Das tut meiner Stimme zu sehr weh. Das ist jetzt das letzte Lied" - sehr freundlich und ohne Zickerei. Ich muß wohl einiges an meinem Bild von Soko, daß zwischen 2007 und 2011 entstanden ist, korrigieren. Die tanzt mehr als nur einen Sommer.

Viel mehr zu Musik findet ihr im Konzertbericht von Markus vom Berliner Auftritt!

Setlist Soko, Schlachthof, Wiesbaden:

01: Treat your woman right
02: I just want to make it new with you
03: People always look better in the sun, pt. 1
04: Trapped in freedom (neu)
05: Why don't you eat me now you can
06: Little mermaid man (neu?)
07: I've been alone too long
08: We might be dead by tomorrow
09: Don't you touch me
10: Destruction of the disguisting ugly hate
11: I never meant to hurt you (?)
12: Margot (neu) (?)
13: First love never dies
14: I thought I was an alien
15: Happy hippie birthday
16: You have a power on me

Links:

- aus unserem Archiv:
- Soko, Berlin, 31.03.12
- Soko, Frankfurt, 11.05.08
- Soko, Paris, 04.10.07
- Soko, Paris, 31.05.07
- Soko, Paris, 02.05.07



Soko, Berlin, 31.03.12

2 Kommentare

Konzert:SoKo
Ort: Bi Nuu (ehemals Kato), Berlin

Datum: 31.03.2012

Zuschauer: ausverkauft ca. 650

Konzertdauer: knapp 2 Stunden

Bericht von Markus aus Berlin*


Mit dem neuen Namen Bi Nuu (ehemals Kato) konnte ich bis heute kaum etwas anfangen - erinnerte mich viel mehr an eine billige China-Bude als an einen interessanten Veranstaltungsort. Erst als mich eine Arbeitskollegin darauf hinwies, dass es wohl ans englische Be New angelehnt sein könnte, bin ich langsam vom Imbiss-Gedanken weg. Insgeheim hoffe ich, dass der Name noch mal überdacht wird. Das Bi Nuu liegt direkt unter den Gleisen der U1 am Schlesischen Tor - einen Steinwurf vom Magnet Club, Comet Club und Lido entfernt.

Als ich endlich das Bi Nuu erreiche, ist Luke Rathborne mit seinem Set schon fast durch. Das kurze Reinhören, reicht mir nicht aus, um darüber viele Worte zu verlieren. Das schon reichlich vorhandene Publikum applaudiert mehr als artig. Insgesamt sollen 650 Gäste zum schon lange ausverkauften Konzert von SoKo gekommen sein. Eine beachtliche Zahl für eine Sängerin, die vor fünf Jahren mit einem myspace-Liedchen bekannt wurde - dann aber bis 2012 brauchte, um ihr Debüt-Album fertigzustellen. Andere Künstler sind über so lange Zeit längst in Vergessenheit geraten - aber SoKo scheint ein Liebling der Musikredaktionen zu sein, die im Vorfeld für ordentlich Promotion und Hype gesorgt haben. Und von diesem Hype habe ich mich auch anstecken lassen und ihr Album direkt nach der Veröffentlichung Anfang März gekauft.

Die mittlerweile 25jährige Französin lebt nach den Stationen London, Seattle und New York nun in Los Angeles. Man könnte den Eindruck gewinnen, als wäre sie ein ruheloser Geist.

Eine halbstündige Pause nutze ich für den Versuch mir einen guten Platz im Publikum zu organisieren. Das ist gar nicht so einfach, denn das Bi Nuu ist alles andere als groß - zumindest nicht für die Anzahl der Gäste. So steht man schon recht dicht an dicht und ich bin nur im hinteren Drittel des Saales gelandet. Um kurz vor neun kommt SoKo auf die Bühne. Ganz alleine - ohne Band. Sie strahlt und fängt an leise zu singen. Das Publikum um mich herum scheint wenig interessiert. Was machen die nur hier? Gab´s die Tickets irgendwo zu gewinnen? Mir fällt sofort auf: SoKo kann singen - sogar sehr schön und so zerbrechlich! Als zweites Lied kommt direkt eines meiner Lieblingslieder - Treat Your Woman Right. Ich wäre so gerne vorne an der Bühne - es ist so schön sie live singen zu hören. Ihre mittlerweile auch auf die Bühne gekommene Band schafft es dezent sich ihrer Stimme und Gitarre unterzuordnen. Wie eine brennende Kerze, die bei zu viel Wind ausgehen würde, so erlebe ich SoKo auf der Bühne. Sie schafft eine wunderbare Atmosphäre, die einzigartig ist. Bei dem Titelstück ihres Albums „I Thought I Was An Alien“ kommt all ihre Tragik zur Geltung - sie fühlt sich im Leben alleine (gelassen). Im Alter von fünf Jahren verlor sie ihren Vater, der im Ehebett neben ihrer Mutter starb. Sie zog sich in ihrem Leben zurück - suchte bewusst die Isolation und ihre eigene Gedankenwelt. Und so fühlt sie sich wie eine Außerirdische auf der Suche nach sich selbst - wie eine Raumfahrerin, die doch nur zu sich selbst finden möchte. Ich bin nicht einfach bei einem Konzert einer großartigen Künstlerin gelandet, sondern sie führt das Publikum gekonnt wie die Leiterin einer Selbsthilfegruppe für all die verletzen Seelen auf der Welt. Und diese versammelten sich auch im Bi Nuu. Auf dem unheimlich berührenden Album fühlt man dieses Alleinsein und ihre Isolation. Auf der Bühne genießt sie es sichtlich, nicht mehr alleine mit ihren Gedanken und Gefühlen zu stehen, sondern diese mit allen teilen zu können. Sie lacht viel - redet unheimlich gerne mit dem Publikum und bezieht dieses ständig mit ein. Der dauerhafte Geräuschpegel der Unterhaltungen um mich herum nervt mich irgendwann so gewaltig, dass ich mich auf den Weg weiter nach vorne mache - etwas was fast unmöglich ist und viel Ärger auf mich zieht - aber ich habe nur die Wahl zwischen nach Hause gehen und das weitere Konzert zu verpassen, oder mich zu Menschen zu gesellen, die sich wirklich für das Konzert interessieren. Meine Mission ist erfolgreich - wenn auch nicht leicht. Nach vorne und hinten habe ich 5 cm Luft. Tiefes Einatmen schafft immer mal wieder Körperkontakt.


Das erste Drittel des Konzerts ist vorüber - es ist soo schön. Ganz anders als ich es dachte - sehr intim. Keine Spur von der ihr manchmal vorgeworfenen Arroganz - ganz im Gegenteil - ich erlebe eine zutiefst mit ihrer Musik verbundene junge Frau, die dieses Gefühl offen und ehrlich teilen will und alles dafür tut, damit sie auch verstanden wird.

Bei manchen Liedern macht die Band richtig Druck - es passt. Aber dann kommen wieder die leisen und auch verstörenden Töne - so auch Destruction Of The Disgusting Ugly Hate,
dass eine mitreissende Melodie hat und zum Mitwippen einlädt - aber der Text von Selbstmord handelt. Das ist der Spannungsbogen, der SoKo geschickt versteht zu halten. Sie schafft den Balanceakt, das Drama zu entdramatisieren, aber nicht im Banalen und Langweilen zu landen - im Gegenteil - sie ködert mich immer mehr. Mit jedem Lied rücken sich die Stühle im Selbsthilfekreis näher zusammen - und irgendwann landet man unvorhergesehen auf dem Teppich eng an eng.

Sie lacht viel und gerne - spielt bekannte und unbekannte Lieder. Statt das leider zu laute Publikum in Lautstärke zu übertönen, wie ich das zuletzt bei Sharon van Etten erlebt habe, bleibt sie sich treu. Bei
dem neuen Lied „Little Mermaid Man“ darf auch das Publikum mitsingen. Das sind Momente, die schnell kitschig oder peinlich werden könnten - nicht so bei SoKo - mit viel Charme (und den hat sie zur Genüge), nimmt sie uns die Angst vor unseren Gefühlen. Ohje - was habe ich geschrieben - und doch war es so für mich. Ein so schönes Lied. SoKo erzählt uns, dass ihre große Liebe einen Abend zuvor auch in Berlin war - aber er wollte sie nicht sehen. Sie liebt ihn noch immer, und dieses gebrochene Herz öffnet sie für uns mit First Love Never Die. Eine bittersüße Hymne auf all die verlorenen großen Lieben in der Welt.

SoKo müht sich sichtlich ab, dass Berliner Publikum komplett für sich gewinnen - und es gelingt ihr nur
zum Teil. Zu groß ist der Anteil im Saal, der sich wohl lieber unterhalten möchte - das frustriert sie. Dennoch - es gibt auch viele im Publikum, die sie so sehr rühren, dass SoKo dennoch nicht die Lust und die Hoffnung aufgibt. Drei junge Frauen dürfen als Backing-Vocals mit auf die Bühne - und sie stehen dort so, als würden sie das schon lange machen. SoKo stellt sie nicht bloß, sondern nimmt sie in ihre Kleinfamilie der Band herzlichst mit auf. Eine tolle Gabe so mit Menschen umgehen zu können.

Nach fast zwei Stunden ist das Konzert beendet. Sie hinterlässt mich mit dem Gefühl, dass ich von dieser Frau noch viel viel mehr hören möchte. Ein wenig Sorge habe ich, dass sie bei all der Fürsorglichkeit für ihr Publikum irgendwann einen Burn Out bekommen könnte - wie es typisch ist für all die Menschen, die sich zu sehr öffnen und um andere sorgen. Eine so tolle Leiterin unserer Selbsthilfegruppe wünsche ich mir bald wieder in Berlin. Nach dem Konzert war SoKo noch am Merchandising Stand und erfüllte geduldig jeden Wunsch nach Umarmung und Signierung...sie sah müde aus. Keine Überraschung.

Aus unserem Archiv:

Soko, Frankfurt, 11.05.08
Soko, Paris, 04.10.07
Soko, Paris, 31.05.07
Soko, Paris, 02.05.07

* Archivpics by Oliver Peel.



Montag, 12. Mai 2008

Loney, dear, Soko, White Rabbits & Guillemots, Frankfurt, 11.05.08

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Konzert: Loney, dear, Soko, White Rabbits & Guillemots (25 Jahre Haldern-Pop Tour)

Ort: Batschkapp, Frankfurt
Datum: 11.05.2008
Zuschauer: ca. 100
Konzertdauer: jeweils etwa 40 min.


Daß wir das Haldern Festival sehr schätzen, ist kein Geheimnis. Aber auch drumherum schaffen es die Verantwortlichen des Indie-Events vom Niederrhein immer wieder, interessante Veranstaltungen zu organisieren. Im März waren die großartigen Los Campesinos! bei Rock im Saal in Haldern, zum 25-jährigen Jubiläum von Haldern-Pop findet zur Zeit eine Tour von "Haldern-Bands" durch Clubs statt. Typische "Haldern-Bands" sind Indiepop-Gruppen, gerne mal ein wenig schrullig, vor allem aber musikalisch interessant und sehr liebenswert. Für Leute, die Musik ausschließlich durch große Radiosender beziehen, sind die Namen der Bands, die in Haldern oder bei solchen Touren auftreten, in der Regel vollkommen unbekannt - neben dem heißen Sommertag sicher ein Grund, warum höchstens 100 Zuschauer in die Frankfurter Batschkapp gekommen waren. Ich habe keine Ahnung, wie groß das Fassungsvermögen des Clubs ist, die Leute, die da waren, verliefen sich aber in dem gar nicht so großen Laden.

Man merkte den White Rabbits, die als erste angesetzt waren, richtig an, daß sie gerne noch gewartet hätten, ob nicht noch mehr Zuschauer kommen würden. Kurz vor acht guckten Bandmitglieder ein paarmal aus der Garderobe in den Raum, so wie
man mit der Fußspitze die Wassertemperatur in Schwimmbädern testet. Aber sie mußten hüpfen, der Zeitplan war mit vier Bands wenig flexibel. Ich hatte bisher von den New Yorkern keine Lieder gehört, ich war wegen Loney, dear und Soko (und trotz der Guillemots...) da. Den White Rabbits tat meine Ignoranz aber schon einmal unrecht. Beeindruckend bei der sechsköpfigen Band waren zunächst schon einmal die beiden Schlagzeuger. Das ist sicher nicht vollkommen ungewöhnlich, bei eher popiger Musik allerdings schon und gibt der Musik einen ganz besonderen Sound, eine Klangtiefe (klingt toll - in jeder Hinsicht). Neben den beiden Schlagzeugern (die aber nicht immer gleichzeitig spielten) gehörten ein singender Keyboarder, ein Bassist und zwei Gitarristen zu der amerikanischen Band. Der Keyboarder, Stephen Patterson, scheint der Hauptsänger der Gruppe zu sein. Einer der Gitarristen (Gregory Roberts) singt zwar auch, teils alleine, Stephens Anteile schienen mir aber deutlich höher. Die Musik der vielleicht nach Alice im Wunderland benannten Kaninchen ist schöner Indiepop, der uns gut unterhalten hat. Das erste Album der Band "Fort Nightly" brachte ihnen gute Kritiken ein, nachvollziehbar nach dem, was in der Batschkapp zu hören war. Bei zwei der Stücken kamen wir Assoziationen zu anderen (echten oder potentiellen) Haldern-Bands in den Kopf, ohne leider die Titel der Stücke zu kennen (auch wenn mittlerweile die Setlist im Kommentarteil steht). Eines der Lieder klang nach Afrobeat, also Paul Simon (oder in hip oder hype Vampire Weekend), eines, als wäre es ein Shout Out Louds Cover.

Die White Rabbits waren ein interessanter und
kurzweiliger 40-minütiger Auftakt, der ganz gut mehr Zuschauer vertragen hätte.

Anschließend wurde es lustig. Auf dem Programm stand Soko, Stéphanie Sokolinski, über die Oliver schon mehrfach aus Paris geschrieben hat. Die Französin mit dem niedlichen Akzent ist seit einiger Zeit auch in Deutschland bekannt, ihr Hit "I'll kill her" läuft sogar im Radio (ok, zumindest in 1live abends). Ich kannte von ihr bisher die eine veröffentlichte EP, auf der neben "I'll kieeeelll her" noch vier andere Lieder sind. Eines davon war dann auch das erste Stück des Konzerts, "Shitty day" (oder "S***** day", damit wir keine Probleme mit der Altersfreigabe bekommen), ein niedliches Popstück. "Niedlich" ist ohnehin die passende Zusammenfassung für Sokos 40 Minuten. Musikalisch war Soko sicher keine Offenbarung, ihr Charme, ihr
Spaß, untermalt von Dauerlachen, machten das aber wett. Soko hatte einen zusätzlichen Musiker dabei (Jean?), der Gitarre spielte, mitsang und Geräusche mit Händen, Füßen und seinem Mund machte. Schon gleich am Anfang wünschte sich eine Frau aus dem Publikum ein Lied. Soko fragte, ob sie nicht mitsingen wolle, sie solle doch auf die Bühne kommen, später komme aber noch etwas Einfacheres, da müsse sie dann mitmachen.

Die Ansagen und die quirlige Art der jungen Pariserin waren wirklich sehr reizend, dem konnte ich mich kaum entziehen, daher verstehe ich meinen Pariser Bloggerkumpel nur zu gut, daß er mit seit langem von Soko vorschwärmt. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, daß Mando Diao oder die Hives (beliebig fortsetzbar) ein Lied mit "It's a shit song but I like it" ansagen. Das Stück, das Soko meinte, ist "My little green scooter", das auf ihrer Myspace-Seite zu hören ist.

Ihr war es auf der Bühne zu hell. Mit "Mister light no more job, free time!" und einem
Tänzchen löste sie das Problem bevor sie "Why would you lie" anstimmte. Dazu war Schlagzeuger von Loney, dear als Unterstützung auf die Bühne gekommen. Soko hatte auch schon eines der Lieder an den Drums bestritten, für "Why would you lie" brauchte sie aber offenbar einen professionelleren Schlagzeuger. Zusätzlich erschien aber während des Stücks auch Loney. dear Sänger (und Mastermind) Emil auf der Bühne und schnippte und sang mit, was Stéphanie vollkommen überraschte und zu dem ein oder anderen Lachanfall brachte. Niedlich eben...

Danach der nächste Gastauftritt. "The next song is called 'My little baby cat'" sagte sie,
schaltete eine Katzenlampe an ihrem Keyboard an und bat die Frau aus dem Publikum nach oben, um als Refrain "Miao" zu singen. Auch das war sehr amüsant, auch wenn es "My little baby cat" sicher in keine Jahrescharts bringt.

Etwas später klappte ihre Gitarre nicht, was sie zu einem improvisierten Liedchen mit der Zeile "I break my guitar" brachte, das sie einmal angefangen habe und irgendwann weiterschreiben werde. Nachdem sie das als Pausenfüller gespielt hatte (und erklärt hatte, daß sie alles kaputtmache), ging es mit "
I wanna look like a tiger" weiter. Danach - wie passend - sagte sie lachend, sie habe sich gerade einen Schneidezahn am Mikro kaputtgehauen! Vor lauter Kaputtmachen, Lachen und Erzählen hatte die Pariserin ihr Zeitgefühl vollkommen verloren. Sie bakam nach einer Weile einen Hinweis, daß sie jetzt enden müsse. Ob "I'll kill her" eigentlich noch vorgesehen war, weiß ich nicht, als Abschluß folgte nach der Mahnung jedenfalls "I will never love you more" und ihr Hit, den sie wohl selbst nicht mehr hören und singen mag, blieb ungespielt. Sehr, sehr witzig alles, das Gesamtkunstwerk Soko.

Setlist Soko, Haldern-Pop Tour, Batschkapp, Frankfurt:

01: Shitty day
02: Ali Gator
03: I never meant to hurt me (neu)
04: My little green scooter
05: I think I'm pregnant
06: Why would you lie?
07: Baby cat
08: Nervous breakdown
09: People are mean, people are bad
10: I wanna look like a tiger
11: ??? (I won't forget about you)
12: I will never love you more


Anschließend wurde die Musik wieder anspruchsvoller, trotz der vielen Nananananahhh Passagen in den Texten. Aber auch für die liebe ich Loney, dear so
sehr. Ich habe Probleme mit beegeehaftem Gesang, das führt eigentlich zu schnellem Ausschalten des Radios oder Fernsehers. Bei den Nordschweden klappte dieser Schutzmechanismus überhaupt nicht - und wie dankbar bin ich dafür! Denn Emil Svanängen (der Loney, dear ist - das ist ein Projekt- und keine Bandname) schreibt wunderschöne Poplieder (nananananaaaahhh), die ich immer wieder hören kann und mag.

Soweit ich mich erinnere hatte Emil die gleichen Musiker dabei, die er im vergangenen Jahr in Haldern mit auf die Bühne gebracht hatte, seine Keyboarderin, einen zweiten Keyboarder, einen Bassisten und den Schlagzeuger.
Das Set begann mit "Life has been this low" von "The year of river fontana", seinem ersten noch selbstveröffentlichten Album. Ach - und es war wieder so schön.

Mit "Le fever" und "Won't you do" folgten zwei Stücke von der dritten Platte "Sologne" (nananananaaahhh), bevor drei Lieder von der letzten, bei Sub Pop erschienenen CD "Loney, noir" folgten, die Hits "Saturday waits", "I am
John" und "Carrying a stone (nanananahhh). Zwischen diesen drei Lieblingsliedern kam aber etwas ganz Neues, ein Stück namens "Everything", das erst einmal Probleme bereitete. Sie hätten es zwar geübt, sagte Emil, nachdem sie den ersten Versuch abbrechen mussten, dann gab er aber seiner Band ein paar Anweisungen auf Schwedisch. "Ola, Du mußt bitte die Bassdrum weniger laut spielen, Malin, sing bitte lalala." - Nein, nein, dafür reicht mein Schwedisch leider nicht, mitbekommen habe ich nur, daß Emil seinen Kollegen etwas vorsang (einen nanananaaah-Part!). Der zweite Versuch klang sehr schön, das Üben hatte sich also gelohnt! Leider war es mit "Ignorant boy, beautiful girl" auch schon wieder viel zu schnell vorbei!

Emil hatte hinterher aber am Merchandising Stand noch die gute Nachricht, daß Loney, dear auch beim Festival im August freitags im Zelt auftreten! Juchuu und nananahh!

Setlist Loney, dear, Haldern-Pop Tour, Batschkapp, Frankfurt:

01: Life has been this low
02: Le fever
03: Won't you do
04: Saturday waits
05: Everything
06: I am John
07: Carrying a stone
08: Ignorant boy, beautiful girl

Die nachfolgenden Künstler, die Guillemots (der Namensgeber ist ein kauziger Vogel...), und ich verstehen uns nicht richtig gut. So etwas gibt es ja. Schon beim ersten Treffen waren wir uns nicht sympathisch (das war ein Haldern-Festival). Das nächste mal begegnete mir Sänger Fyfe Dangerfield (keine Wortwitze!) auf einer Anna Ternheim Maxi als Co-Sänger einer zauberhaften "A lover's dream" Version. Das versöhnte. Allerdings erschien dann die neue Platte der Band ("Red"), die (nicht nur mich) kräftig kalt ließ. Aber da der Abend nicht mehr schlecht werden konnte, hörten wir uns die Vögel noch an. Über eine knappe Dreiviertelstunde und gutgelaunt waren die Guillemots auch gut hörbar. Bis auf zwei Stücke hat mich aber nichts vom Hocker gerissen. "Trains to Brasil" war sehr nett und das solo von Fyfe vorgetragene und offenbar neue "Faster than the setting sun" (keine Ahnung, ob ich den Refrain richtig verstanden habe) gefiel mir auch gut. Allerdings gab es auch echte Scheußlichkeiten. "Last kiss" von "Red" klang wie Portishead für ganz arme. Oh je, war das schrecklich! Oder "Kriss Kross" am Ende... Schwere Kost für mein Ohr - auch für Augen, denn Fyfe trug da bereits eine fesche Sonnenbrille, im sehr dunklen Raum.

Freunde sind die Guillemots und ich nicht geworden. Allerdings bin ich auch nicht reflexartig aus dem Saal gelaufen. Ein Erfolg.

Setlist Guillemots, Haldern-Pop Tour, Batschkapp, Frankfurt:

01: Get over it
02: Clarion
03: Don't look down
04: Falling out of reach
05: Last kiss
06: Trains to Brasil
07: Faster than the setting sun (?)
08: Made up love song #43
09: Kriss Kross

Ein schöner Abend, interessante Bands, viel Unterhaltung. Wieder einmal etwas mit Haldern im Namen, das Spaß gemacht hat. Die Haldern-Tour macht noch folgende Stationen:

12.05.08 Berlin - Lido
13.05.08 Hamburg - Übel & Gefährlich
14.05.08 Haldern - Saal Tepferdt

Links:

- aus unserem Archiv:
- Soko, Paris, 04.10.07

- Soko, Paris, 31.05.07
- Soko, Paris, 02.05.07
- Loney, dear, Paris, 12.11.07
- Loney, dear, Haldern, 04.08.07
- Loney, dear, Paris, 15.05.07
- Guillemots, Paris, 19.02.07
- Guillemots, Paris, 11.11.06

- mehr Fotos



Samstag, 29. März 2008

Noah And The Whale, Paris, 28.03.2008

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Konzert: Noah And The Whale und Thomas Tantrum

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 28.03.2008
Zuschauer: ca. 300



"In Paris ist es doof, die Musikszene ist bei weitem nicht so spannend wie in England!"

Solche Klagen höre ich öfter von unzufriedenen französischen Indie-Konzertgängern. Vor allem diejenigen, die britischen Indie-Rock bevorzugen, beschweren sich über den Standortnachteil. Dabei ist Paris eigentlich gar nicht so schlecht, wenn es darum geht, aufstrebende englische Bands früh an die Seine zu holen. Man schaue sich nur an, wer alles bein im letzten November stattfindenden Festival des Inrocks auftrat: Lightspeed Champion, Foals, The Twang, Cajun Dance Party, Joe Lean And The Jing Jang Jong, Teenagers, These New Puritans, Blood Red Shoes und vor allem Johnny Flynn and The Sussex Wit.

Johnny Flynn hebe ich deshalb besonders hervor, weil er die neue britische Generation des Indie -Folks hervorragend verkörpert. Er hat zwar mit Sicherheit Bob Dylan und Neil Young gehört, wurde aber aufgrund seines jungen Alters ebenso von US-Indie Bands wie den Pixies und den Talking Heads beeinflusst, genau wie Arcade Fire und Clap Your Hands Say Yeah auch.

Noah And The Whale nun, sind nicht zufällig Top- Freunde von Johnny Flynn bei MySpace. Musikalische Vorlieben schweißen eben zusammen. Interessant auch: Laura Marling, die erst siebzehnjährige britische Folk-Sängerin findet sich auch unter den Top-Friends. Und diese Laura Marling hatte beim Festival des Inrocks einen Kurzauftritt. Drei Lieder durfte sie vor dem roten Vorhang in der Pause vortragen. Eigentlich sollte die junge Frau auch heute bei Noah And The Whale dabei sein, sie gehört nämlich zur Band.

Auf der Bühne gab es aber zunächst keine Dame, die Männer waren erst einmal unter sich. Als da wären: Der kappetragende Sänger und Gitarrist Charlie Fink, sein smarter Bruder Doug am Schlagzeug, der mit einer seltsamen Clownhose erschienene Bassist Matt und der sehr jung wirkende Geiger Tom. Allesamt nette Typen, im Falle des Sängers etwas verrückt und zerstreut, was ihn allein dadurch schon in eine gewisse Nähe zu Adam Green brachte. Und auch die Stimme von Charlie war derjenigen von Adam nicht unähnlich, kein Wunder also, daß Noah And The Whale den New Yorker auf der anstehenden UK-Tour supporten werden.

Toll an dem Stil der jungen Engländer waren die plötzlichen Tempobeschleunigen , die aus heiterem Himmel kamen. Tom fiedelte in diesen Fällen wie ein Wilder los, der hütchentragende Matt, der neben dem Bass auch noch unter anderem das Glockenspiel betätigte, wippte im Takt und Charlie (der auch Ukulele spielte) ging mit seiner Gitarre in die Knie. Den Drummer Doug sah man logischerweise etwas weniger, aber er stand in einer Szene im Mittelpunkt des Interesses. "Doug spielt hier gerade sein vorerst letztes Konzert für uns, er muß bald seine Medizinprüfungen absolvieren. Aber gleichzeitig Arzt und Schlagzeuger zu sein, ist das nicht sexy?" Derjenige, der die Frage in den Raum stellte, war der drollige Matt, der dies alles in einem nicht schlechten französisch vortrug.

Eine sympathische Band also, die etliche flotte und beschwingte Lieder zu bieten hatte. Und am Ende gab es sogar noch den vielumjubelten Gastauftritt von Stéphanie "Soko" Sokolinski, die bei den letzten beiden Liedern im Background mitsang, über beide Ohren grinste und munter im Takt mitklatschte.

Noah and The Whale, dies Band muß man im Auge behalten!

Setlist Noah And The Whale, La Flèche d'or, Paris:

01. Give A Little Love
02. Peaceful, The World Lays Me Down
03. Mary
04. Jocasta
05. 5 Years Time
06. Rocks And Daggers


Thomas Tantrum waren im Anschluß dann etwas weniger überzeugend, auch wenn ihre blonde Frontfrau Megan Thomas zweifellos ein Hingucker war. Ihr mitunter recht düsterer Garagen-Punk Pop in der Tradition von Siouxie and The Banshees hat man so ähnlich in den lezten Jahren schon von beispielsweise Be Your Own Pet gehört. Dennoch sollte man auch diese aufstrebende englische Band nicht ohne weiteres übergehen, denn die charmante Note, die sie ihrem Punk-Pop beimischen, ist nicht zu leugnen. Ich bleibe auch hier am Ball.

Setlist Thomas Tantrum, La Flèche d'or, Paris:

01: What What What
02: Rage Against The T...
03: Shake It! Shake It!
04: Swan Lake
05: Warm Horse
06: Work-It
07: Zig A Zig
08: Why The English
09: Are...
10: Pshandy

Zuschauer von Noah And The Whale könnten ebenfalls mögen:

- Johnny Flynn in Paris
- Jeremy Warmsley in Paris



Freitag, 5. Oktober 2007

Soko, Sharko, u.a., Paris, 04.10.07

2 Kommentare

Konzert: Soko, Sharko, Euros Childs & The Rodeo

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 04.10.2007
Zuschauer: sehr voll, ca. 500


Die Flèche d'or ist ja schon ein dufter Laden, der Eintritt ist gratis, die Mädchen hübsch und das musikalische Programm oft auch nicht von schlechten Eltern. Wenn die Anreise doch bloß nicht so beschwerlich wäre! Die U-Bahnstation Gambetta ist für mich mehr als einen Katzensprung entfernt und wenn man an der Haltestelle aussteigt, muß man auch noch einen nicht gerade kurzen Fußweg in Kauf nehmen...

Weitaus unangenehmer ist aber die häufig anzutreffende Überfüllung des hippen Ladens und die damit unweigerlich verbundenen Schlangen vor der Tür. Gerade wenn das Programm attraktiv ist, stehen die Leute meilenweit an. Und heute war das Line-Up nun einmal sehr ansehnlich: Soko, Euros Childs, Sharko und zum Abschluß auch noch The Rodeo, Musikfan, was willst Du eigentlich mehr für Dein nicht bezahltes Eintrittsgeld?

Zum Glück löste sich aber heute die zunächst bedrohlich aussehende Menschenansammlung recht schnell auf und ich konnte pünktlich zu Soko Stellung vor der schönen Bühne mit dem goldenen Bilderrahmen beziehen. Wer unseren Blog regelmäßig liest, kennt die Pariser Band ja schon und weiß, daß es keinem Zusammenhang mit der Krimiserie gibt. Vielmehr ist Soko das höchst unterhaltsame Projekt der süßen Stéphanie Sokolinski, die sich bei ihren Live-Auftritten von ständig wechselnden männlichen Partnern unter die Arme greifen läßt. Heute hieß der Glückliche an ihrer Seite übrigens Robin Le Duc, von der Band Robin Le Duc & The Pacemakers, den ich auch schon im Vorprogramm zu Constance Verluca gesehen hatte. Alles irgendwie eine große Familie in Paris, nicht umsonst gibt es in der schönen Metropole eine Band, die sich Tahity Boy And The Palmtree Family nennt und die - ähnlich wie die kanadische Broken Social Scene - Mitglieder von anderen Bands wie z.B. Hopper, Syd Matters, Los Chicros unter ihrem Dach vereint.

Stéphanie ist also nie alleine unterwegs, obwohl sie die treibende Kraft hinter Soko ist. Und dass sie Energie hat, stellt sie in schöner Regelmäßigkeit unter Beweis, auch wenn sie anscheinend mit ihrem Äußeren nicht immer zufrieden ist: "i hate my face today, i think i look so shitty... my hair are crazy, i look disgusting..." ("Shitty Day"). Aber, aber Stéphanie, natürlich siehst Du nie "shitty" aus,im Gegenteil, immer wenn ich Dich live beobachtete, warst Du bezaubernd! Und ich bin wohl nicht der Einzige, der dem Charme der frechen brünetten Dame mit dem unwiderstehlichen Akzent erlegen ist, über 770 000 (!) Profilaufrufe bei MySpace sprechen eine deutliche Sprache. Die Popularität kommt aber auch nicht von ungefähr, mit Soko hat man schließlich immer einen Heidenspaß. Beispiel gefällig? - Baby Cat, ein neuer Titel, den man auch auf der MySpace Seite finden kann. "So, ihr übernehmt jetzt mal den "Miau-Part", immer wenn das Wort "Baby Cat" fällt, will ich Euch hören!", werden wir angewiesen und leisten Stéphanie nur allzugern Folge. "This is the Story of the Baby Cat-Miau, Baby Cat-Miau", klappt doch!

Auch sonst klappt Vieles, "The Dandy Cowboys", z.B, ein witziger Country-Song, den man auch auf der bei i-tunes erhältlichen Ep "Not Sokute" hören kann, oder natürlich "I'll Kill Her", fast schon ein Klassiker. Wer die zitierte EP allerdings schon in-und auswendig kennt, erfreute sich vielleicht noch mehr an neuen Stücken, der Ballade "Hide And Seek beispielsweise, oder dem urkomischen "I Think I'm Pregnant (I'm Fat And Heavy"), bei dem sich Stéphanie fragte, wie es denn sein kann, daß sie schwanger sei, sie habe doch schon mit 13 die Pille genommen und mit niemandem außer ihren eigenen Händen Sex gehabt...

Antworten auf diese Fragen liefert das Lied dann am Ende gleich selbst, aber wenn man schon mal "Ex-Boyfriends" hatte, erscheint eine ungewollte Schwangerschaft ja ohnehin nicht völlig abwegig...

Ganz und gar nicht abwegig ist im Übrigen, daß das Album von Soko ein Knüller wird! Nachdem, was ich live so hören durfte, darf man da auf ein höchst abwechslungsreiches und unterhaltsames Werk gespannt sein!

Setlist Soko:

01: Shitty Day
02: People Always Look Better In The Sun
03: Baby Cat
04: The Dandy Cowboys
05: My Wet Dream
06: "I Shared My Life With You" (You're My Enemy Now)
07: I'll Kill Her
08: Hide & Seek
09: I Think I'm Pregnant (I'm Fat And Heavy)
10: The Way I Feel Inside
11: My Ex-Boyfriends

Neue Konzertermine von Soko in Deutschland und der Schweiz:

07.05.2008: Zürich (Abart)
08.05.2008: München (Kleine Elserhalle)
09.05.2008: Dresden (Beatpol)
11.05.2008: Frankfurt (Batschkapp)
12.05.2008: Berlin (Lido)
13.05.2008: Hamburg (Übel & Gefährlich)
14.05.2008: Haldern (Saal Tepferdt)
09.08.2008: Haldern, Haldern Pop Festival 2008
16.08.2008: Hamburg (Dockville)

Den nachfolgenden Waliser Euros Childs konnte man schon vorher kurz auf der Bühne bewundern, bei einem Titel von Soko leistete er nämlich gesangliche Unterstützung. Bekleidet mit einem nachtblauen The Longcut T-Shirt und begleitet von seiner Band, machte sich der ehemalige Gorky's Zygotic Mynci Vorstand daran, die gute Stimmung, für die Soko gesorgt hatten, nicht abreißen zu lassen. Und das gelang ihm auch recht gut, vor allem mit der früh gebrachten Single-Auskoppelung "Horse Riding", die man auch dem bereits dritten Album "The Miracle Inn" finden kann. Ein schwungvoller Ritt im Übrigen, dieses "Horse Riding", man fühlte sich glatt ein wenig an Paul Mc Cartney erinnert. Ansonsten kamen mir auch die Beach Boys in den Sinn, oder die Kinks und - wie so oft wenn Pop mit psychedelischem Einschlag vorliegt - die Flaming Lips und Mercury Rev.

Vom aktuellen Opus stammten mit "Ali Day" und dem Titeltrack "The Miracle Inn" auch zwei weitere Glanzlichter, während das relaxte und sonnige "Costa Rita" von "Chops" entnommen war. Am coolsten und heute irgendwie am passendsten war jedoch das abschließende "My Country Girl", das den ähnlich lautenden Song von Primal Scream um Längen schlägt!

Setlist Euros Childs:

01: Her Ways
02: Horse Riding
03: First Time I Saw You
04: Ali Day
05: The Miracle Inn
06: Costa Rita (kein Tippfehler!)
07: Chop Chop
08: My Country Girl

Ziemlich schnell mußte Euros Childs dann die Bühne für die Belgier Sharko räumen, die heute Headliner zu sein schienen. Die Mehrheit der Leute, die ich befragte, gaben zumindest Sharko als Grund für ihr Erscheinen an. Besonders die weiblichen Fans standen dicht an dicht, als die dreiköpfige Band erschien. Angeführt wird das Trio von David Bartholomé, einem Typen mit Fußballermatte auf dem Kopf und nicht besonders sexy aussehenden Wanderschuhen an den Füßen. Was finden die Weiber also an diesem Typen? Für mich hat er irgendwie die Ausstrahlung eines Pornodarstellers aus den frühen 1980er Jahren. Auch der ganz in rot gekleidete Gitarrist Teuk Henri (was für ein Name!) ist nicht gerade das, was man in Bayern als fesch bezeichnet, nur Drummer Julien Paschal hat noch am Ehesten was von einem Weiberhelden.

Was macht also die Anziehungskraft von Sharko aus? Die namentliche Nähe zu Frankreichs Präsidenten (Sarko)? - Wohl kaum! Vielmehr ist es wohl die unglaublich eindringliche Stimme von David Bartholomé, die begeistert. Zumindest diejenigen begeistert, die früher auf Police standen und auch heute noch Sting mögen. Einfach verblüffend, diese stimmliche Ähnlichkeit! Ich muß zugeben, daß auch ich nicht völlig unbeeindruckt von dem Goldkehlchen an der Spitze von Sharko war. Aber irgend etwas störte mich an den Belgiern. Wenn sie da "Excellent "(I'm Special) singen und das Publikum auffordern, den Refrain mitzugröhlen, ist das doch arg anbiedernd, oder etwa nicht? Und überhaupt: mitgröhlen ist scheiße! Das dürfen nur die Kaiser Chiefs und ein paar andere Auserwählte, aber Belgier? - Stimmt, ich bin unfair, aber Stadionrock ist nunmal nicht mein Fall und davon hat Sharko zweifelsohne manchmal etwas. Die Tatsache, daß Lockenkopf David, der im Übrigen nicht nur sang, sondern auch markante Bassläufe spielte, einen Bartresen erstürmte und von dort die Massen aufpuschte, unterstrich das stadionhafte noch einmal eindrucksvoll. Allerdings kann man nicht abstreiten, daß die Show sehr gut ankam, die Stimmung war ganz ausgezeichnet. "No Contest", i'm the best sangen die Belgier dann auch konsequenterweise und zumindest ihre eingefleischten Fans teilten diese Meinung. Ich persönlich war hinterher unschlüssig, was ich vom Auftritt von Sharko halten sollte. War das jetzt feister, auf Melancholie getrimmter Rock, oder doch irgendwie mitreißend und gut? Der unbestrittene Hit "I Went Down" läßt mich in meinem Urteil schwanken, ich kriege diesen verdammten Ohrwurm nämlich nicht mehr aus meinem Ohr hinaus!


Setlist Sharko:

01: Minute
02: Sugarboy
03: Motels
04: Spotlite
05: Excellent
06: Sweet
07: Protection
08: No Contest
09: Rip Off
10: Trip
11: I Went Down

12: Radio 1 (Z)

Nach dem Auftritt von Sharko leerte sich die Flèche d'or dann merklich, viele wollten noch die letzte U-Bahn kriegen, um nicht auf die Leihfahrräder, die die Stadt Paris zur Verfügung stellt, angewiesen zu sein. Auch ich wankte kurz, blieb aber dann doch noch, um die von mir sehr geschätzten The Rodeo nicht zu verpassen. Und diese Entscheidung stellte sich schnell als goldrichtig heraus! The Rodeo ist ein Neben-(oder inzwischen Haupt?) Projekt von Dorothée, der Rockröhre, die auch bei Hopper singt. Die charmante dunkelhaarige Dame machte dann auch sofort klar, daß mit ihr nicht zu scherzen ist: "I'm Rude" war die deutliche Ansage. Dorothée hat aber viele Gesichter, sie ist nicht nur grob und vorlaut, sondern, wenn es sein muß, auch sanft und einfühlsam. Musikalische Vorbilder sind Karen Dalton, Cat Power, oder Joanna Newsom, was ihre Verwurzelung im Folk deutlich macht. The Rodeo bringt aber frischen Wind in die manchmal verstaubte Szene und eine Französin, die amerikanischen Folk und Blues singt, das ist doch was Tolles! Zumal, wenn so viele vorzügliche Lieder im Set auftauchen. "Your Love Is Huge" und "People Know" seien hier nur exemplarisch genannt. Noch einen Zacken schärfer war allerdings das abschließende Winterlands, das mich mit seinem herzzereißenden Text ("no more pain") und seiner innewohnenden zarten Melancholie so richtig ins Herz traf. Wow, was für ein Ende eines ohnehin schon sehr gelungenen Sets! Wann kommt endlich ein Album, oder zumindest eine Ep von The Rodeo auf den Markt? Ich halte meinen Geldschein jedenfalls gezückt!

01: I'm Rude (solo)
02: I Could
03: Hard To Say/I'm Gonna Leave You
04: People Now
05: Feel The Fire
06: Your Love Is Huge
07: Little Soldier
08: Cha Cha Cha
09: High Resolution World
10: Winterlands




Freitag, 1. Juni 2007

Anna Ternheim, Paris, 31.05.07

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Konzert: Anna Ternheim
Datum: 31.05.2007
Ort: Le Point Éphémère, Paris
Zuschauer: gut besucht, aber wohl nicht ausverkauft


Meine platonische Liebesbeziehung zu Anna Ternheim begann vor 2-3 Jahren, als ich zum ersten Mal das Lied "To Be Gone" gehört habe. Es war auf dem Sampler eines Musikmagazins enthalten und gelangte so auf meinen iPod und ziemlich schnell auch in mein Herz. So einprägsam und schön das Lied aber auch war, so zwiespältig waren zunächst meine Gefühle, denn ich hielt das Ganze in gewisser Weise für lediglich hübsch gemachten Kaffehaus-Pop. Das Debütalbum "Somebody Outside" verfestigte die ersten Eindrücke. Alles sehr schön, aber irgendwie eine Spur zu poppig für meinen Geschmack. Das sollte sich mit dem ersten Konzert, bei dem ich Anna live sah, schlagartig ändern. Damals trat sie im Café de la danse komplett unplugged auf und trug nur auf der Gitarre (und ab und zu hinter dem Klavier) wundervoll intime Lieder vor. Auch ihre Sprachgewandheit und Schlagfertigkeit verblüfften mich. In sehr ordentlichem französisch kommentierte sie immer wieder Inhalte ihrer Lieder, in dem es meistens um komplizierte Liebesbeziehungen geht. Sie lobte den damaligen Konzertsaal als "tres jolie", also sehr schön, worauf sie von einem französischen Charmeur im Publikum zu hören bekam: "Toi, tu es beaucoup plus jolie que la salle." (Du bist viel schöner als der Raum hier). Daraufhin gab es ein kurzes Schweigen, Anna trat ans Mikro und konterte sehr schlagfertig auf französisch, den genauen Wortlaut kann ich leider nicht mehr widergeben, aber sie begann ihren Konter auf jedem Fall mit dem Wort "Ecoute", also, hör mal gut zu, was für einige Lacher sorgte.

Seitdem ist etwas Zeit ins Land gegangen, ich habe Anna erneut live gesehen, beim Festival in Evreux 2006 und im Divan Du Monde, Ende letzten Jahres, als sie bereits ihr neues Album "Seperation Road" im Gepäck hatte...

Vor Anna Ternheim sorgten aber erst einmal die Franzosen von Soko für gute Stimmung, die mit ihrer EP "Not Sokute" einen Volltreffer gelandet haben, die CD ist im Moment vergriffen! Wenn man ihnen so zuhört, weiß man auch wieso, denn diese überaus amüsanten Folk-Pop Nummern gehen einem nicht so schnell aus dem Ohr, wenn man sie einmal da drin hat. Soko, das ist die schnuckelige Brünette Stephanie und ein männlicher Begleiter an der Gitarre, diesmal übrigens ein anderer als das letzte Mal in der Maroquinerie. Ich kannte den Musiker, habe ihn erst kürzlich in der Band von Syd Matters gesehen und auch bei Los Chicros kommt er zum Einsatz. Quirlig wie immer wirbelte Stephanie über die Bühne, stampfte zuweilen energisch mit den Füßen auf den Boden und machte dabei ordentlich Lärm, denn wie immer trug sie Cowboy-Stiefel. Manchmal kam mir das Set ein wenig wie eine Parodie auf die Country Stars Johnny Cash, oder Bob Dylan vor, aber das Anliegen ist wohl eher Country-Musik modern und mit viel Witz zu interpretieren, als die Vorbilder zu verhohnepiepeln. Überraschenderweise wurde einige nagelneue Lieder geboten, die nicht auf der Ep vertreten sind und mir deshalb unbekannt waren. "The Dandy Cowboys" ( "You are the man, i'm the girl, we look good together, you with your hat,me with my boots"...) und vor allem natürlich "I kill her" pfeifen ja schon die Spatzen von den Dächern. Gerade das letzgenannte Lied über die Mordgelüste hinsichtlich der Nebenbuhlerin hat das Zeug zum Hit des Jahres 2007. Der Text ist zum Schreien komisch, von dem niedlichen französischen Akzent ganz zu schweigen!

Nach 10 kurzweiligen Liedern war dann Schluß und ich freue mich schon auf ihr nächstes Konzert. Geht mal auf ihre MySpace Seite, sie spielen auch ein paar Konzerte in Holland auf Festivals im Sommer...

Setlist Soko Paris

01: People Always Look Better In The Sun
02: Hide And Seek (Will you ever find me?)
03: The Dandy Cowboys
04: I Feel Like A Whore (When I See You In My Dreams)
05: I Was So Drunk
06: I Kill Her
07: As Tears Goes By (Rolling Stones Cover)
08: I Share My LIfe With You
09: My Ex-Boyfriends
10: Souvenirs (Gone With The Wind)

Anmerkung: Bei den Liedern 4, 8 und 10 bin ich mir hinsichtlich der exakten Titelbezeichnung nicht sicher.

Die darauffolgende Umbaupause schien ewig zu dauern, zumindest konnte ich es kaum erwarten, Anna so schnell wie möglich wiederzusehen. Ein Schlagzeugset wurde hereingetragen, zwei elektrische Pianos und zwei Gitarren. Dann wurde der Saal und die Bühne in dichten Nebel eingehüllt, so daß man kaum seine Hand vor den Augen sehen konnte. Die Musiker bezogen ihre Plätze, Anna, deren Silhouette ich gerade so erkennen konnte, schnallte sich die Gitarre um und los gings... Und gleich die erste Überraschung: ich kannte das Lied nicht, obwohl ich glubte, das gesamte Repertoire aus dem eff-eff zu beherrschen. "All I Want Is You" hieß es in dem gewohnt schönen Stück, vielleicht ist das ja auch ganz einfach der Titel? - Kann schon sein...

"Girl Laying Down" zu erkennen, schien mir schon leichter und jetzt konnte ich auch endlich Fräulein Ternheim besser sehen, weil sich der Nebel gelegt hatte. Wie eigentlich immer, war die Blondine komplett in schwarz gekleidet, schwarze, enge Jeans, schwarzes Top, Schuhe, etc... Selbst der Nagellack war black! Auch ihre Lieder sind düster, melancholisch, aber doch immer mit einem gewissen Maß an Hoffnung, man vermag oft das Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

"Kennt jemand mein erstes Album" fragte die Schwedin in die Runde. "Ich", sagte ich etwas vorlaut, "ich hab alles von Dir". Das ging allerdings unter, weil auch noch ein paar ander mit "moi" antworteten...

Folgerichtig kamen dann auch "Better Be", das live immer etwas anders interpretiert wird (es ist besser!), als auf Platte und "Bring Down Like I". Auch das etwas später gespielte "I Follow You Tonight" stammte vom Debüt-Album. "Das Lied handelt darüber, daß man sich in einer Bar verliebt und glaubt, die Liebe seines Lebens getroffen zu haben." "Hat jemand von Euch die Liebe seines Lebens in einer Bar getroffen?"- Betretenes Schweigen... Auch immer schön: China Girl, die Cover-Version des Hits von David Bowie, die man auf einer der alten EPs, oder auf den Bonus-Versionen des ersten Albums finden kann. Bei dem wundervollen "Tribute To Linn" setzte sich Anna hinter das Piano und wirkte richtiggehend erleichtert, als sie das Stück gemeistert hatte. Sie meinte anschließend, Gitarre spielen könne sie, ihr Klavierspiel sei jedoch stark von der Tagesform abhängig. Hmm. dann hab ich sie noch nie in schlechter Form gesehen...

Das Lied "Lover's Dream" fand dann ohne Unterstützung von Fyfe Dangerfield von den Guillemots statt. Dazu Anna: "das nächste Mal bringe ich ihn mit, verprochen!" - Akzeptiert, kam aber ohnehin gut. Wie auch "My Secret" und vor allem das abschließende "Shoreline", Lieder, mit denen man immer auf meine Tränendrüse drücken kann. Daß nichts Salziges meine Wange runterkullerte, lag vor allem daran, daß der Drummer, der gleich vor mir spielte, sich während der Stücke kaputtlachte, warum auch immer.Überhaupt war der Schlagzeuger gut drauf, er sorgte dafür, daß das heute kein reiner Liederabend wurde, sondern phasenweise richtig die Post abging. Ehrlich, manchmal wurde hier wild gerockt, kaum zu glauben, aber wahr! Eine der insgesamt vier Zugaben kam dann besonders gut an, ich rede von "A French Love", weil hier einige Songzeilen auf französisch gesungen werden, "Il ne m'aime pas", heißt es da unter anderem, also schon wieder so eine komplizierte Liebesaffäre...

Meine (wie gesagt platonische) Liebe zu Anna Ternheim ist aber eigentlich gar nicht so schwierig. Sie ist schlichtweg bedingungslos. "Halfway To Five Points"? - No,.... Sweden: 10 Points!

01: Bridges
02: Girl Laying Down
03: No Subtle Man
04: Better Be
05: Bring Down Like I
06: Such A Lonely Soul
07: Wedding Song
08: I Follow You Tonight
09: China Girl
10: Tribute To Linn
11: To Be Gone
12: Lovers' Dream
13: My Secret
14: Shoreline

15:
Bridges (Z)
16: A French Love (Z)
17: Halfway To Five Points (Z)

18: The Ones They Blame (Z)

von Oliver

Links:

- mehr Fotos!
- Anna Ternheim in Paris
- Anna Ternheim in Köln
- Video: "Today is a good day" aus Köln
- Video: "Such a lonely soul" aus Köln
- Video: "To be gone" aus Köln
- Video: "Feels like sand" aus Köln



 

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