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Montag, 23. Juli 2012

Melt! Festival 2012, Ferropolis, 13.07-15.07.12

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Festival Melt! 2012
Ort: Ferropolis, Sachsen-Anhalt
Datum: 13.07.-15.07.2012
Zuschauer: 20.000


Kurze Anmerkung (von Oliver Peel): Zur Zeit sind wir mittendrin in der Berichterstattung über das tolle Phono-Pop Festival. Glücklicherweise haben wir aber auch eine ausführliche Zusammenfassung über das diesjährige Melt! bekommen und die wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten, selbst wenn das Festival seit einer Woche schon wieder Geschichte ist.


Text und Fotos* von Martin K, vielen Dank! Ein Dank für die Übermittlung und Kontaktaufnahme geht auch an Gudrun!

Das Melt! gehört ohne Frage zu den ganz besonderen Festivals in Deutschland. Das liegt nicht nur an der ausgewogenen Mischung von über 130 Acts aus dem Spektrum Elektro, Indie und Alternative, sondern vor allem auch an dem bunten Publikum und der sagenhaften Location im sachsen-anhaltinischen Ferropolis.

Bereits bei der Ankunft wird man von der Faszination dieses Ortes hingerissen. Mitten in den Dübener Heide eines ehemaligen Braunkohletagebaus erhebt sich die Szenerie eines sonst als Freiluftmuseum genutztes Areals mit Maschinen der Superlative. Vier große Abraumbagger bis zu 140 Meter groß säumen das Gelände und bilden eine einzigartige Kulisse, die als „Stadt aus Eisen“ bezeichnet wird. Aber auch das Publikum trägt zu der Einzigartigkeit bei. Ich habe selten so viele bunte, originell-kreativ gekleidete Besucher gesehen, bei denen der „Assianteil“ auf ein Minimum reduziert zu sein scheint. Dafür sprechen auch die Zahlen: Trotz des großen Andrangs – die Tickets waren bereits im April ausverkauft – ist die Besucherzahl auf 20.000 limitiert, von denen 40% aus dem Ausland, vor allem Skandinavien, den Niederlanden und Großbritannien, kommen. Wer solche Anfahrtswege und Planungszeiträume in Kauf nimmt, hat auch genug Energie, sich angemessen darauf vorzubereiten. Wir sind bereits am Donnerstag aus Berlin angereist, was sich als guter Schachzug herausgestellt hat. Zum einen hatte wir dadurch mehr als genug Zeit, um unseren selbstkonstruierten Pavillon bestehend aus vor Ort gekauften Holzlatten und einer 4x8m-Plane windsicher aufzubauen (Dauer: 3 h). Zum anderen konnte wir dadurch noch genügend Platz reservieren, um die erwarteten sieben Zelte unserer Gruppe unterzukriegen. Gegen Mitternacht waren wir mit dem Aufbau fertig und brachen zu einer ersten Erkundungstour in Richtung Festivalgelände auf. Rein kamen wir allerdings noch nicht, da wir vergessen hatten, Extratickets für die Pre-Party (u.a. mit WhoMadeWho) zu besorgen. Uns blieb also nur ein kurzer Blick und der 2-Kilometer Fußmarsch zurück zum Zeltlager.


Am nächsten Tag ging es aber endlich los. Nach mehr als einer Stunde Anstehen haben wir zwar den Auftritt von The Vaccines verpasst, sind dafür zufällig zum Auftritt der Band The Cast of Cheers im Introzelt gestolpert. Die vier Iren haben mit ihren harten Post Rock/Indie-Klängen ordentlich eingeheizt, was nach der langen Warterei eine willkommene Abwechslung war. In einem noch mäßig gefüllten Zelt hatte man allen Platz der Welt, um in guter Indierock-Manier einen gebührenden Einstand ins Festival zu feiern. Nach dem Auftritt ging es weiter zur Main Stage, wo The Rapture (Foto by Oliver Peel)) ihren neuen, zarteren Indie/Elekto-Sound zum Besten gaben. Stücke, wie „In the Grace of Your Love“ oder „Sail Away“ kamen beim Publikum und bei uns sehr gut an, so dass die Stunde wieder viel zu schnell zu Ende war. Das Gelände füllte sich währenddessen immer weiter und so mussten wir zusehen, dass wir zu dem nächsten Act kommen, den wir unter keinen Umständen verpassen wollten: Brandt Brauer Frick auf der Melt! Selektor Stage. Das Line-Up dieser Bühne wurde in diesem Jahr von Modeselektor ausgewählt und mit dem Trio aus Berlin haben sie auf jeden Fall eine erstklassige Wahl getroffen. Obwohl sie auf dem Melt! „nur“ ein DJ-Set spielten, entstammen alle Sounds selbstaufgenommenen instrumentalen und akustischen Klängen, die sich durch geschicktes Loopen zu einem harten, aber noch gut tanzbaren Elektro-Sound verbinden. Sieben große Subwoofer-Würfel halfen dabei, den Bass in Richtung Publikum am Strand vom Gremminer See zu blasen. Nach dieser sportlichen Höchstleistung brauchten wir erstmal eine Verschnaufpause, die uns sogleich bei dem Sing- and Songwriter Duo Boy (Foto by Oliver Peel) im Introzelt erwartete. In erwartet ruhiger Manier präsentierten sie bekannte Lieder, wie „Skin“ oder „Little Numbers“ und erlaubten uns somit, mal ein Bier komplett ohne „Tanzverluste“ zu trinken. Nach diesen fröhlich-ruhigen Klängen ging es wieder Richtung Main Stage, nicht aber vorher ohne bei den zahlreichen Fressbuden vorbeizuschauen. Dabei lauschten wir erst von fern, dann von nah dem Elektrokünstler Caribou, der seine psychedelischen Elektroklänge zum Besten gab. Der Doktor der Mathematik (!) sampelt und mixte in sich gekehrt und zusammen mit einer Rhythmuskombo Werke, wie „Odessa“ oder „Sun“ und gehört damit zu einem meiner persönlichen Highlights des Abends.

In der Pause nach dem Konzert konnten wir unseren Stehplatz dann noch etwas verbessern, so dass wir nur wenige Meter vor der Bühne standen als gegen 00:30 Uhr Bloc Party (Foto by Oliver Peel) heraustrat. Sie waren wahrscheinlich der rockigste Act des gesamten Festivals und so ließen wir uns leicht zum ausgiebigem Pogen in der Masse hinreißen. Die Auswahl der Lieder war dabei sehr gemixt. Eingangshit war die offizielle Melt!-Hymne „Octopus“, die bereits dem neuen Album entspringt und dessen gesetztes Erscheinungsdatum der Sänger gefühlte 10-mal erwähnte. Werke vom ersten Album (e.g. „This Modern Love“) waren aber ebenso dabei, wie das Rihanna-Cover „We found love“. Als zum Schluss noch das Stück „Helicopter“ anklang, hielt es auch den letzten nicht mehr auf seinem Platz und der einsetzende Regen spielte nur noch eine Nebenrolle. Nach diesem, eher rockigen Teil des Festivals zog es uns auf die zweitgrößte Gemini-Stage, wo uns allerdings Frittenbude statt Knife Party erwartete. Es hatte wohl ein Slottausch gegeben. Da die Stimmung recht gut war, sind wir geblieben. Allerdings sagte mir die politische Grundstimmung der Band durch Parolen, wie „Scheiß Deutschland“ überhaupt nicht zu. Damit klang der erste Tag des Festivals aus.


Am Samstagmorgen wurden wir um 10 Uhr früh jäh durch einen Sturm jäh aus dem Schlaf gerissen. Als wir heraustraten waren fast alle Pavillons auf dem Zeltplatz eingestürzt oder flogen auf das offene Feld. Unsere Konstruktion Marke Eigenbau hielt erstaunlicherweise, was uns zu einem Sammelpunkt im Schutz vor dem Regen machte. Wir mussten lediglich die Spanngurte nachziehen. Nachmittags klarte es dann wieder auf und so brachen wir zu ähnlicher Zeit wir tags zuvor auf, was ein großer Fehler war, denn wieder hieß es eine Stunde warten. Blood Red Shoes waren damit schon durch. Nach dem Einlass gingen wir direkt zur Main Stage, wo wir den letzten Liedern von Citizens lauschten. Den nächsten Auftritt von Casper haben wir nur aus der Ferne verfolgt. Er gehörte nicht zu meinen Favoriten. Ich muss jedoch anerkennend zugeben, dass er mit seiner enormen Energie und dem Mix aus Indie und Rapgesängen das anfangs skeptische Publikum erfolgreich zum Tanzen gebracht. Dass seine gesamte Combo in der selben „T-Shirt-Uniform“ auftraten, mutete zwar etwas amüsant an, hat aber auf die Performance keinen großen Einfluss gehabt. Dass wir gegen Ende des Konzerts dann doch noch in die Menschenmassen gingen, hatte aber eine anderen Grund: Wir wollten uns gut positionieren für den nächsten Act: Two Door Cinema Club (Foto by Oliver Peel). Die Iren sind ja in letzter Zeit sehr gehyped worden, habe aber trotzdem ihr Versprechen gehalten. Die wohlklingende Kombination aus melodiösen Gitarrenriffs im Indierhythmus und der klaren Stimme des Sängers haben jeden von vorn bis hinten mitgerissen. Die Stimmung war ausgelassen und heiter. Dies übertrug sich scheinbar auch auf das Publikum. Ich habe selten so wenig Schubser und Durchdrängler erlebt wie auf diesem Konzert. Nach dieser ausgelassenen Stimmung haben wir erstmal eine musikalische Pause eingelegt. Jemanden aus unserer Gruppe ging es nicht so gut und so zog es uns in das Shisha-Zelt, wo wir erstmal gepflegt chillen waren. Erst nach Mitternach ging es weiter, als eine der Main Acts des Festivals, Modeselektor, auf die Main Stage traten. Mit einer phänomenalen Lichtshow im Dauerbass-Elektro heizten sie dem Publikum und legten mit Champagnerdusche und Kissenschlacht showtechnisch sogar noch einen drauf. Allerdings war ich froh, meine Ohrstöpsel mitgebracht zu haben, da Bass und Lautstärke einfach hammerhart waren. Einige aus unsere Gruppe sind bereits während des ersten Stückes nach hinten gegangen. Wer nach dem Konzerts noch mit seines ursprünglichen Gruppe zusammen war, hat auch meiner Meinung nach nicht richtig abgetanzt! Wer Modeselektor kennt, hatte sicher seinen großen Spaß. Wer aber eher Stücke aus der Zeit mit Apparat (erschienen unter dem Namen Moderat) erwartete, wurde hier definitiv eines besseren belehrt. Modeselektor ist und bleibt ein Elektro-Duo, bei dem man nach Elektro-Slang gut „eins auf die Fresse“ kriegen kann. Nach dem 1,5-Stunden Auftritt hatte man den Workout für die nächste Woche absolviert. Auf dem Weg nach draußen schauten wir noch im Introzelt vorbei. Was dort jedoch ablief, ist mit schockierend noch vorsichtig ausgedrückt. Ein Bodybuilder namens Rummelsnuff präsentierte dort mit offenem Oberkörper und roboterhaften Armbewegung seine Musik, die stark an Rammstein mit Elektoelementen erinnerte. Nach nur wenigen Minuten mussten wir diese Bühne wieder verlassen. Ausklang haben wir auf dem Sleepless Floor gefunden, wo wir noch ein paar Stunden zu den (Remix)-Klängen von Oliver Koletzki abtanzten – ein perfekter Ausklang nach einem durchmischten Tag!

Der Sonntag war dann wieder ruhiger und kürzer, da wir bereits in der Nacht wieder zurück nach Berlin mussten. Los ging es mit Lana del Rey (Foto by Oliver Peel), die sich mit ihrer künstlich, divenhaften Art und nicht immer tonsicher einige Lacher im Publikum abholen musste. Trotzdem war das Gemini-Zelt rappelvoll und viele konnten die Lieder mitsingen. Es war für uns übrigens das erste Mal, das wir pünktlich zu einem geplanten Konzert auf dem Gelände waren. Yay! Danach haben wir uns eher langsam angehen lassen und den Indie-Klängen von The Jezabels und dem Elektrohammer von Riton gelauscht. Ersteres war auf jeden Fall hörenswert, aber nicht unbedingt weltbewegend. Bei Riton hat mir das Publikum nicht wirklich zugesagt: Zu viele Poser, die sicher eher stumpf zu immer gleichmäßigen Beats bewegten. Ich bin bei beiden nicht bis zu Ende geblieben.

Die Durststrecke hatte aber ein Ende, als The Whitest Boys Alive auf die Main Stage kamen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die „alten Herren“ so eine klasse Stimmung bei dem eher jungen Publikum erzeugen konnten, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte. Der angenehm leichte Offbeat und die wohldosierten Synthesizerklänge machen den Sound zu einem individuellen Klang. Hits, wie „Burning“ oder „Intentions“, versetzten jeden in Bewegung und animierten scheinbar viele, sich das ein oder andere Tütchen Gras anzustecken. Passivrauchen war angesagt! Als letzten Höhepunkt des dreitägigen Musikmarathons kam dann das französische Elektroduo Justice auf die Bühne. In ähnlich imposanter Manier wie Modeselektor an selber Stelle tags zuvor, nur etwas sympathischer, präsentierten sie ihre Hits „Dance“ oder „Genesis“ und man hatte den Eindruck, dass das Publikum einer der letzten Gelegenheit zum Abtanzen nicht einfach so verstreichen lassen wollte. Mit ungefähr 5 Meter vor der Bühne standen wir fast im Zentrum des Geschehens und ich kam aus dem Schwitzen und Hüpfen gar nicht mehr heraus. Im Gegensatz zu Modeselektor, wo fast die ganze Zeit ein konstant harter Beat vorherrschte, gab es bei Justice immer abwechselnd ruhige Phasen, wo sich das Lied aufbaute, und intensive, energiegeladene Refrains, so dass sich musikalischer Genuss und sportliche Betätigung in optimaler Weise miteinander verbanden. Als dann der letzte Ton verklungen war, machten wir uns zügig auf in Richtung Auto, da einige von uns aufgrund verschiedener Termine am Morgen wieder in Berlin sein mussten.


Damit ging das Melt!-Festival schon wieder zu Ende. Es war eine schöne Zeit mit vielen neuen musikalischen Eindrücken. Die Kulisse und die Leute mit ihren kreativen Kostümen werde ich nicht vergessen. Ich komme im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder. Dann hoffentlich mit besserem Wetter!


* wenn im Text nicht anders gekennzeichnet



Donnerstag, 31. Juli 2008

Björk, Battles u.a., Melt! Festival, 20.07.08

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Konzert: Björk, Battles u.a.
Ort: Ferropolis (Melt! Festival)
Datum: 20.07.2008


Neben vielen anderen Dingen findet man auch das berühmte Bauhaus in Dessau. Der Stil der Bauhausschule zeichnete sich durch Klarheit und Geradlinigkeit aus. Durch Einfachheit und Schlichtheit in Form und Funktion wollten die Bauhausmeister (so nannte man die Lehrer und Professoren) die Trennung von Kunst und Produktion aufheben. Kunst als Gebrauchsgegenstand. Ist ihnen gelungen, möchte ich sagen. Dann kamen die Nazis und mit dem Bauhaus war Schluß.


2008 sollte Björk in unmittelbarer Nähe Dessaus mit einem visuell beeindruckenden Melt! Festival 18. - 20.07.2008Liveset die Kunst in ihre “Ursprungsform” zurücksetzen. Aber dazu später. Vorher unterhielten uns Get well soon, NeonNeon, die Battles und Hot Chip mehr oder weniger gut.

Weniger gut taten dies NeonNeon und Hot Chip. Letztere find ich völlig überwertet und eine reine Modeerscheinung mit bereits angebrochenem Verfallsdatum. Erstere kannte ich bis dato noch nicht, und so freute ich mich vor Beginn des Sets auf ein Kennenlernen.

Bei den ersten Klängen des instrumentalen Intros dachte ich gleich: “Survivor (ja, die mit dem Rocky Theme), Foreigner, Harold Faltermeyer (ja, Axel F. Theme)”. Alles schreckliche Bands bzw. Produzenten aus längst vergangenen Tagen. Das Umhängekeyboard inbegriffen. Bei NeonNeon tauchte es auf. Will man sowas noch hören und sehen? Ich weiss es nicht…

In der Folgezeit wurde es nicht besser. Peter Gabriel und Marillion, alles scheint möglich, auch Bongo und Calypsorasseln. Als Special guest tauchte später noch DJ Superstar auf. Jetzt wurde es richtig belanglos. “You are amazing” gröllte er uns zu. “You are not”, möchte man antworten. Wir haben uns mittlerweile auf die Treppen im hinteren Bereich zurückgezogen. Der schweinchenrosa Farbklecks (DJ Superstar hatte ein neonrosa Oberteil an - zumindest leuchtete es aus der Entfernung so) auf der Bühne rannte noch ein wenig hin und her, dann war Schluss.Melt! Festival 18. - 20.07.2008

Fazit des Auftritts: die Portion gebratene Nudeln vom Asia-Mann war gar nicht mal so übel!

Get well soon hoben anschliessend das Niveau um ein Vielfaches und sind das erste Highlight des Tages. Gut zu sehen, dass die Umsetzung der komplexen Songs wunderbar funktioniert. Das erzeugt bei uns auch vor dieser grossen Festivalbühne eine Gänsehaut. Sehr beeindruckend. Das schafft nicht jeder Musiker. Grosses Kompliment! Get well soon sind eine unbedingte Liveempfehlung. Es waren intensive 35 Minuten, die den Sonntagsbesuch alleine gerechtfertigt hätten.

Im Anschluss Battles. Das Programmheftchen schreibt irgendwas von Rock 3.0. Dies und die Tatsache das sie aus New York kommen, lassen mich gespannt ihrem Auftritt entgegensehen. Ich werde schnell überrascht, die Rowdies bauen keinen einzigen Mikrofonständer auf. Mikrofone brauchen die Battles . Bis auf zwei, drei Songs ist ihr Set instrumental. Und sehr laut. Und sehr wuchtig.

Gitarre trifft Keyboard. Und das zweimal. Ergänzt werden Ian Williams und Tyonday Braxton durch Drummer John Stanier und Bassist Dave Konopka. Das die Band aus New York kommt, hört man ihr an. Experimentell und innovativ klingt ihr Auftritt. TV on the Radio plus Technobeats, Atari Teenage Riot mit weniger Punk ist mein erster Kategorisierungsvorschlag. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob ich das stehenlassen kann, zu einzigartig ist das, was die Battles präsentieren. Das Schlagzeug ist weit am Bühnenrand aufgebaut, die Keyboards direkt daneben. Die Band ist der Frontmann.Melt! Festival 18. - 20.07.2008

Bei Björk ist die Rollenverteilung wieder klassisch. Hier die Sängerin, dort die Band, bzw. die Begleitmusiker. Eine neunköpfige Bläserkapelle steht auf der Bühne. Dazu zwei Keyboarder. Und mittendrin die kleine Isländerin.

Die Show ist sensationell. Hätte man von Björk was anderes erwarten sollen? Grosse Fahnen und vier riesen-LCD Monitore gestalten das Bühnenbild. Das Licht ist abwechselnd blau, gelb und rot. Die Bühne wird dabei indirekt ausgeleuchtet, kaum Spots, wenig Helligkeit. Alles wirkt sehr sphärisch.

Für alle DigiKamFotoknipser machte das die Sache nicht einfach. Gut ausgelichtete Bilder werden wohl eher die Ausnahme bleiben. Und wenn ich das richtig gesehen habe, Pressefotografen wurden nicht vor die Bühne gelassen.Melt! Festival 18. - 20.07.2008

Die Lichtfarben spiegeln sich in den Fahnen und in Björks Kostümkleid wider. Die Blaskapelle (übrigens allesamt Frauen) sieht aus wie eine Mischung aus schweizer Garde und Wächter des Traumlandes. Es passt perfekt. Zeitweise erinnert alles an ein Musical oder eine fantastische Märchenshow.

Das Set ist zweigeteilt. Die erste halbe Stunde gehört schwerpunktmässig den Blasinstrumenten, Björk hat ihre Songs entsprechend umarrangiert. Es ist eine eher ruhige Phase, mehr zum zuhören als zum mitgehen. Das geht eher im zweiten Teil, der aus den tanzbareren, elektronischen Songs zusammengestellt ist. Björks Musikspektrum scheint unbegrenzt. “I’d like to intrrrrrrroducing the band,” sagte Björk vor kurz vor Ende mit diesem wunderbar rollendem rrrr. “Keyboarrrrrrds …..” da, schon wieder. Kann es einen smarteren Englischakzent geben? Nach einer guten Stunde ist der Hauptteil vorbei, es folgt ein kleiner Zugabenblock. “I live by the ocean…” erkenne ich sofort. Eigentlich habe ich in den letzten 12 Jahren wenig Björk gehört, aber “The Ancor song” blieb haften. Grandios! Das Konzert ist ein würdiger Abschluss eines Tages, an dem es keinen einzigen Regentropfen gab.

Am nächsten Morgen treffe ich Los Campensinos! im Frühstücksraum unseres Hotels. Ihren Auftritt hatte ich am Sonntag nicht ganz mitbekommen. Sie sehen müde aus. Sie essen ein wenig, schmieren sich Lunchpakete für unterwegs und nehmen eine Wasserflasche vom Büffettisch mit. Haben wohl Nachdurst…

von Frank von Pretty Paracetamol



Sonntag, 27. Juli 2008

Interview: Blood Red Shoes, Melt! Festival

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Wir hatten sehr konservativ geplant. Zwei Stunden Reserve sollten genügen, rechtzeitig zu unserem Interview-Termin mit den Blood Red Shoes auf dem Melt! Gelände zu sein. Bis zur Parkplatz-Anfahrt funktionierte alles ganz ausgezeichnet, dann standen wir. Und schwitzten. Meine Ruhe verließ mich langsam aber stetig. Irgendwann hüpften Oliver und ich aus dem Wagen und schafften es rennend und mit sehr viel Glück rechtzeitig nach Ferropolis. Bis sich dann die nächste Schwierigkeit einstellte. Beide Kontaktpersonen, bei denen ich mich melden sollte, standen um fünf vor sechs auch noch im Stau. Schließlich erreichte ich dann Tourmanager Nick telefonisch, der versprach, uns im Pressezelt abzuholen.

Mit Laura-Mary Carter und Steven Ansell im Schlepptau kam der sehr nette und entspannt wirkende Tourmanager wirklich kurz später, um dann mit uns in den Backstagebereich zu gehen. Die beiden Künstler waren furchtbar müde und schienen
erst nicht sonderlich begeistert davon, ein Interview führen zu müssen. Hinter der Bühne fingen dann andere Leute Steven ab, der ihnen offenbar auch einen Termin versprochen hatte. Der Sänger klinkte sich dann aus, sodaß wir bei furchtbarem Krach auf der Hauptbühne, Laura-Mary auf Hockern in einer stylishen Lounge sprachen. Die Gitarristin der Blood Red Shoes taute schnell auf und sprach mit uns über vergangene Konzerte, Rage Against The Machine und Artwork-Design.

Das vollständige Interview findet Ihr hier!





Montag, 21. Juli 2008

Los Campesinos!, Melt! Festival, 20.07.08

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Konzert: Los Campesinos!

Ort: Melt! Festival, Ferropolis, Gräfenhainichen

Datum: 20.07.2008

Zuschauer: ein paar Hundert
Dauer: ca. 40 min


Weil ich Sonntag zurückfahren musste, war beim Blick auf die "Running Order" auf der Melt! Homepage mit der schönen Möglichkeit, alles wegklicken zu können, was man nicht sehen würde, klar, daß für mich nur ein Bandkästchen übrigbliebe... Los Campesinos! aus Cardiff, die Gruppe, die mir in den vergangenen zwölf Monaten so viel Freude gemacht hatte. Im März hatte ich die Campesinos zuletzt in Haldern und Köln gesehen, eine viel zu lange Zeit, wenn man bedenkt, wie süchtig ich nach ihrer Musik bin.

Los Campesinos'! Melt! Bestätigung* war dann auch der Hauptgrund, ein Ticket für
das Festival zu kaufen, die Gelegenheiten sie 2008 zu sehen sind schließlich rar.

Melt!-Freitag und -Samstag waren so, daß ich Sonntag morgen am liebsten bereits zu Hause gewesen wäre. Mit Kultur (dem Bauhaus und der Meisterhaussiedlung in Dessau) versuchten wir, die letzten Tage in Staus, Regen, vor leeren Bühnen oder langen Schlangen und inkompetenten Ordnern zu vergessen
und bauten langsam so etwas wie verzweifelten Optimismus auf. Um den letzten Festivaltag komplett genießen zu können (...), waren wir pünktlich um 15 Uhr vor dem breiten Nebeneingang, denn dem Programmheft hatten wir "doors: 15.00" entnommen. Mit uns kam Bus um Bus an (Freitag wäre das toll gewesen!), die drei orientierungs- und motivationslosen Ordner schien die größer werdende Menschenmenge allerdings nicht sonderlich zu beeindrucken. Um halb vier, an der Anzahl der Ordner hatte sich nichts geändert..., wurden dann tröpfchenweise die wartenden Besucher reingelassen. Ich hatte uns eigentlich auch noch beim Beginn von Los Campesinos! vor der Tür erwartet.

Auf der Mainstage führten Gareth, Tom, Neil und Ollie gerade den Soundcheck durch, vor einer Handvoll Leuten und Sonnenschein. Ellen, Harriet und Aleksandra liessen
sich mit ihren Instrumenten Zeit, hatten dafür aber Mühe in die Outfits gesteckt. Während Ellen gewohnt cool wirkte, sah Harriet mit einem bunten Kleid und einem altrosa Strickoberteil darüber hinreißend englisch aus. Größter Blickfang war jedoch Aleksandras rotes Kleid mit güldener Gürtelschnalle. Oh ha! Die vier Campesinos!-Jungs waren mit oder ohne (Ollie) uni T-Shirts und Hemden bzw. rotem Kaputzenpulli eher zurückhaltend gekleidet.

Gut, daß wir uns für die Musik interessieren, denn die war alles andere als zurückhaltend. Überraschend war da, was die Waliser spielten nicht, weder die Songauswahl noch die Reihenfolge variierte. Wenn man den aufregenden Songs mit all diesen tollen Instrumenten so zuhört und zusieht, ist das aber vollkommen egal. Viele Keyboards,
Glockenspiele, eine sehr schöne neue rot-bräunliche Melodika (die alte war mintgrün - offenbar hatte Aleksandra in der Zwischenzeit Geburtstag) - traumhaft!

Am Beginn von Los Campesinos! Konzerten steht "
Broken heartbeats sound like breakbeats", das in "Don't tell me to do the math(s)" übergeht. Anfangs war Aleks' Stimme leider ein wenig leise, Gareth allerdings schon in Hochform. Mit einer Hand in der Tasche spielte er mit der anderen die Glockenspielpassagen.

Es folgte der Robotersong "Death to Los Campesinos!" mit den herrlich schrägen
Geigeneinlagen und dem abwechselnden Gesang von Aleksandra und Gareth, wobei sein Gesang immer mehr ins Schreien abgleitet.

Vor der Bühnen hatten sich zwar mittlerweile mehr Leute eingefunden, leider aber viel zu wenige für das, was geboten wurde. Als nächstes zum Beispiel das Lied mit dem längsten Refrain, der auch Titel ist,
"This is how you spell, 'Hahaha, we destroyed the hopes and dreams of a generation of faux-romantics'". Das Lied endet auf "I am pleased" - oh ja, das galt auch fü mich!

Danach folgte mein erster Liebling von "Hold on now, youngster..." mit der traurigen Zeile "Deer die with their eyes wide open". Beim anschließenden Hit "The international Tweexcore underground" gab es zwar einige Tonprobleme mit ungeplanten Rückkopplungen, leider aber keine so spektakuläre Textänderung wie damals in Köln, als Lukas Podolski in das Lied eingebaut wurde.

Meine Lieblingsszene kam dann beim Lied über Liebe und Festivals "Knee deep at ATP", als Gareth die Zeile "and
every sentence that I spoke began and ended in ellipsis" damit untermalte, daß er die Ellipses mit dem Finger nachmalte (hier sollten jetzt welche hin). "Knee deep" geht live in "My year in lists" über, das ich erst nicht mochte aber jetzt immer mehr liebe.

Das Set dann mit drei Liedern der Liga "We throw parties you throw knives", "You! Me! Dancing!" und "Sweet dreams, sweet cheeks" beenden zu können, ist ein Luxus, den sich nicht jede junge Band leisten kann. Alle drei kamen - wie überhaupt alles - wahnsinnig gut an. "You! Me! Dancing!" fing wieder einmal mit dem kurzen eingebauten Pavement Cover an, "wasn't the question you asked me...", "Box Elder", bevor das eigentliche Lied losging. Und dann wurde auch umgetextet. Aus "Bis" aus der Liste der Dance Heroes wurde "Kenickie", was mir erst nicht aufgefallen ist. Künftig sollte man also besser auf die Texte achten, was bei Los Campesinos! wegen der überaus fabelhaften Lyrics ohnehin keine schlechte Idee ist. Die Dance Heroes der Leute auf dem Melt! waren da zweifelsfrei die sieben Wahlwaliser oben auf der Bühne, denn der ganze Platz zappelte in der Sonne.

Leider folgte schon das Schlußlied - aber nicht ohne Knaller, denn bei "
Sweet dreams, sweet cheeks" kletterte Gareth von der Bühne und sang auf dem großen Platz weiter, schnell umringt von einigen tanzenden Zuhörern. Wieder zurück auf der Bühne drehte der Sänger einige Monitorboxen hochkant, damit zum Abschluß Tom, Neil, Aleksandra und Gareth auf den Boxen "one blink for yes, two blinks for no" singen konnten. Wundervoll! Daß ich diese Band liebe, dürfte nicht zu verheimlichen sein. Sonntagmittag haben die sieben diese Liebe wieder ganz kräftig aufgefrischt und damit einen der wenigen (aber fetten) Pluspunkte unter mein erstes Melt! gesetzt.

Setlist Los Campesinos!, Melt! Festival, Ferropolis:

01: Broken heartbeats sound like breakbeats
02: Don't tell me to do the math(s)
03: Death to Los Campesinos!
04: This is how you spell, "Hahaha, we destroyed the hopes and dreams of a generation of faux-romantics"
05: Drop it doe eyes
06: The international Tweexcore underground
07: Knee deep at ATP
08: My years in lists
09:
We throw parties you throw knives
10: You! Me! Dancing!
11: Sweet dreams, sweet cheeks

Links:

- aus unserem Archiv:
- Los Campesinos!, Paris, 04.03.08
- Los Campesinos!, Paris, 03.03.08
- Los Campesinos!, Haldern, 01.03.08
- Los Campesinos!, Köln, 27.02.08
- Los Campesinos!, Paris, 11.11.07
- Los Campesinos!, Brüssel, 04.11.07
- Los Campesinos!, London, 17.06.07
- Fotos vom Melt! Auftritt von LC!

* Satzzeichenalarm...


Franz Ferdinand, Melt! Festival, 19.07.08

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Konzert: Franz Ferdinand

Ort: Hauptbühne des Melt! Festivals, Gräfenhainichen
Datum: 19.07.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: 70 Minuten


Mit Franz Ferdinand standen um 0 Uhr 30 die uneingeschränkten Headliner des Melt Festivals auf dem Programm. Eigentlich hätten die Schotten schon um Mitternacht starten sollen, aber heftige Regenfälle brachten den Zeitplan auch am heutigen Samstag mächtig durcheinander. Meine Bloggerfreunde Christina und Christoph waren davon so genervt, dass sie sich völlig durchnässt schon vorher auf den Heimweg gemacht hatten. Ich hatte den beiden gegenüber einen klaren Vorteil: anstatt am früheren Abend Notwist bei strömenden Regen auf der Hauptbühne zu
verfolgen, hatte ich gegen 22 Uhr das geschützte Gemini Zelt gewählt, um mir die australischen Newcomer Operator Please! anzusehen. Eine weise Entscheidung!

Dennoch war auch ich durchnässt, denn die riesigen
Pfützen auf dem Gelände konnte keiner ohne weiteres umschiffen!

Ein riesiger Pulk von Fotografen wartete schließlich vor der Converse Main Stage auf Einlass in den Graben vor der Bühne. Dann endlich war es soweit: „da sind sie!" jubilierte ich meiner Frau entgegen, mit der ich gemeinsam schon etliche Franz Ferdinand Festivalauftritte absolviert hatte. Allerdings lagen die letzten schon mindestens zwei Jahre zurück und somit war das heute für uns so eine Art Wiedersehen mit guten alten Bekannten.

Altbewährt ging es auch musikalisch los: schon an dem ersten prägnanten
Gitarrenriff war „Michael", der Klassiker vom ersten Album zu erkennen, der das Set solide eröffnete. Die Jungs aus Glasgow wollten wohl auf Nummer sicher gehen und die Fans nicht gleich mit neuem Material überfordern. Auch Lied zwei war deshalb konsequenterweise alt, „Come On Home" mit seiner markanten Synthielinie kannte auch jeder. Dann noch ein zackiges „The Fallen" hinterher und die Fotografenschar musste wie es international üblich ist, nach drei Songs den Platz vor der Bühne räumen.

„Wir freuen uns hier auf dem Melt! zu sein" meinte der deutschsprachige Gitarrist
Nicholas McCarthy und Chef Alex Kapranos fügte noch hinzu: „Thanks for staying and defying the nasty climate. We should tell the elements to fuck off now!"

Recht hatte der in schicker schwarzer Lederjacke erschienene Bandleader, das Scheiß-Wetter, das auf dem Melt! herrschte, konnte einem wirklich die Laune verderben...

Aber als Muntermacher und Stimmungsaufheller gab es ja jetzt Franz Ferdinand. Die schottische Allzweckwaffe schlechthin, die es in den letzten 5 Jahren immer irgendwie geschafft hat, jedes Festival in Schwung zu bringen. Kritiker lästerten aber schon früh über eine zu
einstudiert wirkende Choreografie und zu wenig Überraschungen. Irgendwo hatte ich sogar gelesen, dass Franz Ferdinand etwas Roboterhaftes hätten.

Die Lästermäuler gehen damit vielleicht ein wenig weit, aber völlig von der Hand zu weisen ist der einstudierte Charakter der Darbietungen sicherlich nicht. Andererseits gab es natürlich auch nie Skandale, abgesagte Konzerte, oder miese Auftritte, die Veranstalter haben somit mit den Glasgowern regelmäßig sichere Zugnummern an der Hand.

Dass hier und heute aber nicht nur routiniert alte Hits abgefeiert wurden, bewiesen die schlanken Herren auf der Bühne allerdings nachdem sie mit „Dark Of The Matinee"
den Reigen bekannter Klassiker vorerst beendeten und den ersten bisher unveröffentlichten Song auspackten.

„Kiss me" croonte Alex Kaparanos, der inzwischen sein Lederjäckchen abgelegt hatte und später dann „Oh you Girls never know, how you make a boy feel". Nie gehört! Das war es also, das erste neue Lied, das sich mit Sicherheit genau wie das dritte Album anschicken wird, die Charts
weltweit zu erobern. Eine Midtempo-Nummer mit sehr einprägsamen Refrain, die einem sicherlich schon nach dem dritten Durchlauf nicht mehr aus dem Gehörgang gehen wird.

Sehr ohrwurmig ist und war natürlich auch „Do You Wanna", die erste Singleauskopplung vom 2. Album „You Could Have It So Much Better". Das Problem ist bloß, dass
ich diesen Schunkler, der beim Publikum immer sehr gut ankommt, nie so richtig mochte.

Anders verhält es sich da schon mit dem stark beatlesken „Walk Away", der ersten (zumindest halben) Ballade des Sets. Ich schätzte das Lied schon immer und es ist auch noch nicht totgenudelt, genausowenig wie der nach wie vor grösste Hit „Take Me Out" zu dem das tapfere Publikum mitsang und auch mittanzte.

Davor allerdings hatten FF den zweiten nagelneuen Titel präsentiert. Ein Stück, das
als Ballade anfängt, im Verlauf aber massiv beschleunigt und eindeutige Hitchancen hat.

Vom dritten Neuling („A Found A New Way") des abends will ich das mit den Hitchancen nicht unbedingt behaupten, obwohl vermutlich viele den ungewohnt hohen Falsett-Gesang von Aleks und den starken elektronischen
Anstrich cool finden werden. Bei mir löste das Lied, das gleich nach „Take Me Out" kam, allerdings unangenehme Assoziationen zu den Scissor Sisters aus.

Mit dem unbekannten Material war aber noch längst nicht Schluss, denn nach dem ewig in die Länge gezogenen „40 Ft" gab es noch einen unverschämt fetzigen Knaller, dessen Namen ich allerdings nicht weiss und als vorletztes Lied es Abends ertönte ein erneut stark elektronisch angehauchtes Lied, in dem die Textzeile „ Turn It Off" auftauchte.

Der Abschluss mit „This Fire" war dann wieder altbewährt
und hätte nicht besser und schmissiger ausfallen können. Zweifelsohne das Highlight eines guten und soliden Konzertes, das Nicholas am Ende als „geil" bezeichnete. Das lass ich dann mal so stehen, obwohl die Bezeichnung eher auf die unverdrossenen Holländerinnen gepasst hätte, die in den Pfützen neben mir wild abtanzten, schlechtes Wetter hin oder her...

Setlist Franz Ferdinand, Melt! Festival:

01: Michael
02: Come on Home
03: The Fallen
04: Dark Of the Matinee
05: Katherine Kiss Me
(neu)
06: Do You Want To
07: Walk Away
08: Bite hard (neu)
09: Take Me Out
10: Ulysses
(neu)
11: 40 Ft
12: What she came for (?) (neu)
13: Outsiders
14: Turn It On (neu)
15: This Fire



Operator Please, Melt! Festival, 19.07.08

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Konzert: Operator Please!

Ort: Gemini Stage, Melt! Festival Gräfenhainichen
Datum: 19.07.2008
Zuschauer: viele, da man in dem Zelt vor dem Regen geschützt war
Konzertdauer: knapp 40 Minuten


Um 21 Uhr am heutigen Samstag sollten eigentlich Friendly Fires (auf der Gemini Stage) parallel zu Notwist (auf der Hauptbühne) spielen.

Das ärgerte mich etwas, denn ich wollte beide Bands sehen. Allerdings gab es die Möglichkeit , nach dem Ende von Friendly Fires schnell rüberzusprinten, denn Notwist wurde ursprünglich eine Spielzeit von 1 Stunde eingeräumt, während sich die jungen Engländer von Friendly Fires mit 35 Minuten begnügen sollten. Es kam aber alles ganz anders. Nach lediglich einem Song von Friendly Fires gab es einen solch gewaltigen Regenschauer, dass auf der Gemini Stage wegen eines Stromausfalls abgebrochen werden musste. Und Notwist hatten auf der Hauptbühne noch nicht einmal angefangen. Der ganze Zeitplan kam durcheinander...

Irgendwann konnten die Friendly Fires dann aber weitermachen und brachten das Konzert auch ohne weitere Zwischenfälle zu Ende. Auf der Hauptbühne hatten Notwist immer noch nicht angefangen und auf der
Gemini Stage ließen nun Operator Please! ein wenig auf sich warten. Ich hatte also die Gelegenheit, kurz mal Richtung Hauptbühne zu laufen und die ersten drei Songs von Notwist anzuhören, die nun endlich begonnen hatten.

Danach ging es aber sofort wieder rüber in das
regengeschützte Zelt, die Gemini Stage. Den blutjungen Australiern von Operator Please! konnte das Unwetter nur recht sein, „ihr“ Zelt war nämlich jetzt voll!

Die Senkrechtstarter nutzten ihre Chance und zeigten von Beginn an, dass man mit ihnen in Zukunft rechnen muss. Hochexplosiv und irre schnell starteten die Küken in ihr
flottes Set, stellten sich auf deutsch als: „Wir sind Operator Please!" vor und jagten polternde Basslinien, hochmelodische Turbo-Geigen, ein wuchtiges Schlagzeug und heulende Gitarren quer durchs Zelt. Der Laden bebte!

Fast 20 Minuten lang ging ein jugendlich ungestümer Donnerhagel hernieder, initiiert von der wuchtbrummigen Sängerin und Gitarristin Amanda, die mehr Energie als 10 kräftige Möbelpacker zusammen hat. Taylor, die süße blonde Geigerin mit dem niedlichen Lächeln, bildete den perfekten Gegenpol zu der
Wucht von Amanda, ihre grazilen und sinnlichen Bewegungen gepaart mit ihrem enorm schnellen Violinenspiel, brachten Subtilität und Finesse in die Sache.

Auf keinen Fall vergessen darf man aber den Bassisten mit dem Popperscheitel und
den engen Jeans. Mit seinen markanten und präzisen Bassläufen würde er noch bei den Arctic Monkeys eine gute Figur machen. Den extrem jung aussehenden blonden Schlagzeuger (er ist 18, sieht aber aus wie 16) sah man leider zu selten, er war meistens von der kräftigen Amanda verdeckt.

Zu den Songs:

Die ersten Lieder, darunter die Singleauskopplung „Get What You Want“ und das schmissige „Yes Yes“ (bei dem in der Mitte auf deutsch von 1 bis 8 gezählt wurde) kamen allesamt in atembraubendem Speed daher, bevor mit 6/8 zum ersten und
einzigen Mal der Fuß vom Gaspedal genommen wurde. Amanda zeigte hier besonders genau, welch schöne soulig-punkige Stimme sie hat und Taylor fiedelte mich in den siebten Himmel. Toll!

Nach 6/8 dann eine riesige Überraschung, es gab nämlich ein Cover der Hip Hop
Band Salt'N'Pepa. Taylor entledigte sich ihrer Geige und legte zusammen mit Amanda ein scharfes Tänzchen aufs Parkett. So lasse ich mir Hip Hop gefallen!

Auch das Finale war noch einmal fulminant, mit den Hits „Leave It Alone“ und „Just A Song About Ping Pong“ schossen die jungen Australier den Vogel ab und gewannen die Herzen der Festivalbesucher im Sturm.

Ein kleiner Triumph!

Setlist Operator Please!, Melt! Festival:

01: Get what you want
02: Terminal Disease
O3: Ghost
04: Icicle
05: Yes Yes
06: 6/8
07: Push It (
Salt'N'Pepa Cover)
08: Cringe
09: Leave It Alone
10: Just A Song About Ping Pong
11: Zero Zero

Links:

- aus unserem Archiv:
- Operator Please, Köln, 18.03.08
- Operator Please, Paris, 21.02.08
- Operator Please, Paris, 17.10.07
- mehr Fotos von Operator Please beim Melt! Festival
- Interview mit Operator Please folgt!









The Notwist, Melt! Festival, 19.07.08

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Konzert: The Notwist
Ort: Melt! Festival, Ferropolis, Gräfenhainichen
Datum: 19.07.2008
Zuschauer: mehrere Tausend


Mit der Sicherheit im Rücken, in naher Zukunft ein besonderes Notwist Konzert zu sehen (am 23.08. in Hamburg), hätte mich das Regenchaos am Melt! Samstag eigentlich nicht aus der Ruhe bringen sollen. Diesmal war der Wolkenbruch besonders perfide. Kaum hatten The Notwist (persönlich) den Soundcheck weitestgehend beendet, kam der Weltuntergang. Als Besucher war man davon nicht weiter überrascht und harrte der Dinge. Den Veranstalter erwischten die Wassermassen offenbar vollkommen unvorbereitet, denn es wurde ein wenig hektisch und panisch auf der Bühne. Dummerweise fiel der Regen nämlich nicht im 90° Winkel auf den Boden, er wählte einen flacheren Anflug, schnurstracks auf die teuren Instrumente der bayerischen Band zu. Und auf Scheinwerfer und alles andere, was nass gefährlich oder kaputt ist.

Also räumte man alles schön wieder weg, ließ den riesigen
Träger runter, an denen die Hauptscheinwerfer hingen und umklebte diese mit aufgeschnittenen Müllbeuteln. Mit aufgeschnittenen Müllbeuteln!

Leider hatte der Regen weitere Steigerungsmöglichkeiten, die alle noch so gut geschützten Zuschauer panikartig unter Bierzelte und ähnlich nützliche Dinge flüchten liessen. Nach irre langer Zeit unter einer winzigen Plane wagten wir uns wieder in den normal gewordenen Regen und harrten der Dinge. Eine Stunde nach dem ursprünglich angesetzten Termin konnten The Notwist dann wirklich beginnen. Aber viel Lust hatte ich nicht mehr...

Instrumente und Band (und deren Frisuren) hatten offenbar nicht unter dem
Dauerregen gelitten, denn schon "Boneless" war hervorragend. Wie das übliche Programm war das Stück vom aktuellen Album "The Devil, You + Me" spannend arrangiert und klanglich brillant. Wie es die Brüder Acher, ihr neuer Schlagzeuger Andi Haberl* und vor allem Geräuschmacher Martin Gretschmann verstehen, live, vor allem unter diesen mehr als widrigen (oder sollte es "weniger als widrigen" heißen?) Umständen komplexe Soundstrukturen zu erschaffen, zeigt das Genie der Weilheimer. Trotz meiner unangemessen niedrigen Aufmerksamkeit packte mich der perfekte Klang, der all die kleinen Ziepen und Tschirps klar herausstellte.

Nach "Boneless" folgte mit "Pick up the phone" einer der vielen Hits von "Neon golden". Dabei Martin Gretschmann zu beobachten, wie er Geräusche und Effekte erzeugt, war ein wirkliches Erlebnis. Mit zwei was-auch-immer-Dingern in den Händen sah er aus, als spiele er an einer Spielekonsole (haha!). "Neon golden" dominierte das Set, das ahnten wir da aber noch nicht. Von der vorletzten Platte kam nämlich auch das folgende "This room", bevor ein älterer Titel folgte, den ich aufgrund einer schlecht sortierten Plattensammlung nicht erkannte. Es war "Puzzle" von "12" von 1995.

Im Anschluß daran das zweite Stück der neuen Platte, "Gloomy planets", bevor mit "Neon golden" und vor allem den daraus hervorgehenden "The pilot" die größten Momente des Auftritts folgten. Und dann war es vorbei. Ganz unvermittelt nach
gerade mal 40 Minuten. Hinterher wurde dann bekannt, daß auch The Notwist wegen der Regenpause aufgefordert wurden, das Set zu verkürzen. Ein weiterer organisatorischer Glanzpunkt.

Als Appetitanreger war der Auftritt sehr gelungen, nur viel zu kurz. Bei meinem nächsten Notwist Konzert werde ich sicher auch mehr Lieder von "The Devil, You + Me" hören. Allerdings glaube ich nicht, daß die Band extrovertierter als in Ferropolis sein wird. Es wirkte alles sehr verschüchtert, die wenigen Ansagen von Markus Acher beschränkten sich auf ein paar Tausenddanks.

Setlist The Notwist, Melt! Festival, Ferropolis:

01: Boneless
02: Pick up the phone
03: This room
04: Puzzle
05: Gloomy planets
06: Neon golden
07: Pilot



 

Konzerttagebuch © 2010

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