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Donnerstag, 15. September 2011

The Subways, Koblenz, 15.09.11

4 Kommentare

Konzert: The Subways (Telekom Street Gigs)
Ort: Fort Asterstein, Koblenz
Datum: 15.09.2011
Zuschauer: vielleicht 1.000
Dauer: 65 min


Mit den Subways fing hier alles an: unseren ersten Bericht schrieben wir vor knapp fünf Jahren über einen Auftritt der Engländer in einem absurden Club in Duisburg. Seitdem sehen wir (bzw. ich) uns die drei Briten immer wieder an, weil ihre Shows wild und punkig sind und enorm viel Spaß machen.

Vor ein paar Wochen sah ich eine Fernsehwerbung, die einen Telekom Street Gig mit den Subways in einem Fort Asterstein in Koblenz ankündigte. Obwohl ich mich in Koblenz etwas auskenne, hatte ich von diesem Teil der preußischen Befestigungsanlage der Garnisonsstadt noch nie gehört. Das Fort - glaubt man der hübschen aber wenig ausführlichen Homepage seines Fördervereins - war auch viele Jahre aus dem Koblenzer Bewußtsein quasi verschwunden. Welcher Glücksfall jetzt schuld daran war, daß ein aufmerksamer Eventscout das Fort für diesen Abend entdeckte, weiß ich nicht, jedenfalls bescherte der uns einen der schönsten Konzertorte, in dem ich seit langem war.

Fort Asterstein ist eine Baustelle, Schilder am Eingang wiesen darauf hin, daß der Eintritt auf eigenes Risiko erfolge. Der runde Bau erinnert vage an ein römisches Amphitheater oder eine Stierkampfarena.

Solche von einem Unternehmen organisierten Veranstaltungen sind in der Regel ja eines nicht: dezent. Das Fort und alles Drumherum war hier allerdings zurückhaltend vom Sponsoren dekoriert. Die magentafarbene Beleuchtung der Rundbögen und Fenster zum Innenraum und einige wenige Werbeschilder störten wirklich nicht, der Veranstalter hatte viel Geld in die Hand genommen (u.a. für die Zeltkonstruktion Modell Sony-Center, die Regenschutz bieten sollte), dieses aber sehr stilvoll eingesetzt. So kann man das durchaus machen!

Auch mit der Auswahl der Band konnte man nichts falsch machen. Vor fünf Jahren, als ihr erstes Album erschien, haben sich Billy, Charlotte und Josh durch intensives Touren in Deutschland eine feste Fanbasis erspielt, die bis heute existiert.Während andere Bands dieser Generation sich die kleiner werdenden Säle schönreden müssen, werden die Spielstätten bei den Engländern größer. Im Oktober spielen sie zum Beispiel im Capitol in Offenbach (da war Morrissey) oder im Kölner E-Werk. Irgendetwas scheinen die drei also richtig zu machen. Dabei scheinen die Bedingungen auch für sie nicht leichter geworden zu sein, denn offenbar fehlte für die Produktion des neuen Albums Geld. Die Subways nutzen dafür Pledgemusic, einen fabelhaften Service, der es Bands ermöglicht, Geld für Projekte bei Fans einzusammeln. Die Finanzierer zahlen den Preis für die Platte vorab (bzw. an dem Zeitpunkt, an dem genug Geld zusammen ist). Im Gegenzug erhalten sie die Platte vorab, können aber auch gegen Aufpreis Besonderheiten kaufen, die Instrumente der Band, Privatkonzerte beispielsweise. Die Subways informierten mit Videos und mails regelmäßig über den Stand der Produktion, so erzeugt man echte Fannähe!

Da ich das Album so mitpro... äh finanziert habe, bekam ich gestern den Download-Link zur Platte. Vor dem Konzert hatte ich aber nicht mehr Gelegenheit, es komplett zu hören.

Nach zwei Vorgruppen (Vierkanttretlager bekam ich nur noch am Ende mit, The Toyotas aus Wuppertal spielten trockenen 77er Punk) begannen die Subways um acht Uhr - und es war gleich wieder, wie bei meinen letzten Konzerten mit ihnen vor zweieinhalb Jahren (das ging so weit in Detail, daß Charlotte sogar das gleiche Glitzerkleid anhatte). Wenn Bassistin Charlotte und Gitarrist Billy nicht singen, hüpfen sie von rechts nach links über die Bühne, klettern auf Joshs Schlagzeug, springen runter - und legen dabei vermutlich mehr Kilometer zurück als mancher Fußballer während eines Spiels.

Der Start bestand aus Stücken aus den beiden ersten Alben. Nach Mary (Billys Mutter, der er das Lied widmete, sie sehe dem Livestream zu) spielten die Subways
das erste Lied vom neuen Album. We don't need money to have a good time könnte auch von der zweiten Platte All or nothing stammen, es ist kein Überlied wie die Gassenhauer vom Debüt, aber wirklich nicht verkehrt. Das zweite, kurz später, Money dagegen war nicht schrecklich spannend. Vermutlich befürchtete das die Band auch, denn anschließend folgten mit I want to hear what you have got to say und Rock & roll queen zwei ihrer größten Hits, die auch nach fünf Jahren immer noch grandiose Livelieder sind!

Das nächste neue Stück Celebrity gefiel mir wieder deutlich besser als Money, es hielt das Tempo des Konzerts wieder hoch - das sollte sich bis zum Ende nicht mehr ändern. Naja, fast nicht. Denn bei Turaround stoppte die Band plötzlich. "Charlotte spielt erst weiter, wenn ihr einen großen Circle Pit bildet. Charlotte steht auf Circle Pits." Also entstand auf Fort Asterstein kurzzeitig etwas Metal-Flair, und die Mitte des Platzes lief im Kreis.

Nach einer knappen Stunden verschwand die Band in den Gemäuern, um für zwei
Zugaben zurückzukommen. Und da er es bis dahin nicht getan hatte, zog Billy beim abschließenden It's a party das Shirt aus und sprang in die Menge. Glücklicherweise war das Publikum sehr subwayserprobt und wußte, was kommt.

Auch wenn die Subways auf Platte bei mir kaum noch stattfinden, war auch dieses Konzert wieder ein großer Spaß. Mit Abstand das beste war allerdings die grandiose Location. Sollten in Fort Asterstein zukünftig keine Konzerte mehr stattfinden, wäre das eine große Verschwendung!


Setlist The Subways, Fort Asterstein, Koblenz:

01: Oh yeah
02: Young for eternity
03: Obsession
04: Alright
05: Mary
06: We don't need money to have a good time (neu)
07: Shake! Shake!
08: I won't let you down
09: Money (neu)
10: I want to hear what you have got to say
11: Rock & roll queen
12: Celebrity (neu)
13: Girls & boys
14: Turnaround
15: With you

16: At 1 am (Z)
17: It's a party (neu) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Interview mit den Subways 2008
- The Subways, Wiesbaden, 08.02.09
- The Subways, Frankfurt, 05.11.08
- The Subways, Köln, 29.02.08
- The Subways, Duisburg, 23.09.06



Freitag, 17. April 2009

The Subways, Paris, 16.04.09

3 Kommentare

Konzert: The Subways
(Soirée Custom)
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 16.04.2009
Zuschauer: ausverkauft



Nein, ich war am gleichen Tag nicht auf zwei Konzerten gleichzeitig! Harry Potter bin ich nicht, aber Freunde attestieren mir oft, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Konkreter gesagt: Das Konzert der Subways habe ich nicht gesehen, da ich bei Camera Obscura war. Da aber beide Locations nicht allzu weit auseinanderliegen bin ich mal auf Verdacht am Nouveau Casino vorbeigelatscht, sah junge, wartende Fans und einen riesigen roten Bus vor dem Ausgang und habe messerscharf daraus gefolgert, daß gleich Billy und Charlotte rauskommen müßten. War dann auch so! Ich war plötzlich als Fotograf gefragt und lichtete die jungen Leute mit ihren Idolen ab. Und die Setlist habe ich auch abgestaubt. Soll ein großartiges Konzerte gewesen sein., mit Crowdsurfen und allem drum und dran. Sagt zumindest Vanessa und die geht auf viele Gigs. "Eines der besten, die ich je gesehen habe!", berichtete sie freudestrahlend. Na dann...

Setlist The Subways, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Kalifornia
02: Young For Eternity
03: Holiday
04: Obsession
05: Oh Yeah
06: All Or Nothing
07: Alright
08: Mary
09: Always Tomorrow
10: Shake! Shake!
11: I Won't Let U Down
12: I Want To Hear What You Have Got To Say
13: Turnaround
14: With You
15: This Is The Club For People Who Hate People

16: Strawberry Blonde (Z)
17: Girls & Boys (Z)
18: Rock'n Roll Queen (Z)

- Mehr Fotos von der Aftershow der Subways kommen sehr bald hierhin




Sonntag, 8. Februar 2009

The Subways, Wiesbaden, 08.02.09

3 Kommentare

Konzert: The Subways
Ort: Schlachthof Wiesbaden
Datum: 08.02.2009
Zuschauer: etwa zu 3/4 voll
Dauer: 75 min.


Ich hatte lange überlegt, ob ich nach Wiesbaden fahren sollte, weil ich Kopfschmerzen und schlechte Laune hatte. Gegen die Laune sind die Subways das richtige Rezept, gegen den dröhnenden Kopf nicht so richtig. Am Ende siegte was auch immer, Vernunft und Neugierde jedenfalls nicht, denn auf ihrer All or nothing Tour hatte ich die jungen Engländer bereits im November in der Batschkapp in Frankfurt gesehen. Ich war also um Viertel nach acht im Schlachthof, in dem bereits die Vorgruppe spielte. Besonders voll war das Gebäude nicht. Auch wenn die Subways durch ihr fleißiges Touren am Anfang ihrer Karriere sich auch in Deutschland ein festes Stammpublikum erspielt haben, das treu zu ihren Konzerten geht, waren die beiden Konzerte in der Batschkapp in November, ein reguläres (ausverkauft) und ein Nachholkonzert (keine Ahnung, wie voll), vermutlich der Grund, daß diesmal die Bude nicht voll war.

Die Vorgruppe spielte also noch... Mit noch besserem
Timing hätte ich One Fine Day ganz verpasst, so mußte ich vier Lieder ertragen, die aber immerhin ein paar Worte darüber rechtfertigen. Die Band aus Hamburg war musikalisch vollkommen belanglos, kompensierte das aber durch ekelhafte Rockstar/Posen, die ich selten so fies erlebt habe. In meiner Nähe stand einer der Gitarristen, der sich wohl bei Billy Talent oder einer ähnlich schrecklichen Band wähnte. Zumindest poste er, als ginge es darum, möglichst klischeehaft auszusehen. Sänger Marten ließ sich hinterher feiern, als hätte er gerade einen Jahrhundertgig hingelegt. Manchmal kann so ein Selbstbild arg trügerisch sein... Auf ihrer myspace-Seite schreiben die Hamburger: "One Fine Day haben den Herbst des Lebens zwar noch lange nicht in Sichtweite, aber sie denken schon mal weise voraus und verzichten dankend auf ein genormtes Dasein aus Job, Familie, Reihenhaus, wie es die so eben ermittelten 87% der bundesdeutschen Bevölkerung - wenn auch nicht ganz freiwillig - bevorzugen." Ob das so eine gute Idee ist?

Immerhin kamen One Fine Day recht gut an - ein williges Publikum!

Weil die Zuschauer im Schnitt recht jung waren (dazu später mehr), fing der Hauptteil des Abends angenehm früh an. Um zehn nach neun begannen nämlich bereits die Subways. Erst kam Gitarrist Billy, kurz nach ihm Bassistin Charlotte. Komplettiert werden die Garagenrocker durch Schlagzeuger Josh. Sieht und spricht man die drei Engländer in Zivil, ahnt man nicht, in was sie sich auf der Bühne verwandeln. Vor allem der zierlichen Charlotte traut man ihre Wildheit nicht zu, das andauernde Hüpfen über die riesige Bühne, das wilde Haarschütteln.

Billy und Charlotte, die früher ein Paar waren, stehen eigentlich nur am Mikro, wenn sie singen. Ansonsten rennen sie hin und her, als würden sie verfolgt! Der Rennstil der Bassistin hat sich allerdings verändert. Das Springbock-Gehüpfe, das ich sonst so
köstlich fand, fehlte fast komplett. Aber das verringerte nicht ihre Bewegungen und Rennereien, die fanden nun nur anders statt.

Bevor mich darauf nachher Vorgruppenfans- oder -mitglieder ansprechen: natürlich post auch Billy wie ein Weltmeister. Und natürlich kommt von ihm auch dauernd "Wiesbaden, are you crazy?". Aber bei den Subways ist zum einem ein ordentliches Liedfundament vorhanden, und meine Toleranz zum anderen viel höher, weil es irgendwie zu ihnen passt, und die Band ganz schrecklich nett ist.

Überraschend für mich begann das Set gleich mit der eigentlich letzten Zugabe
Rock & Roll Queen. Schön, daß sie da variieren. Ansonsten beinhaltete das Programm keine Überraschungen und glich dem von Frankfurt. Nachdem ich sie jetzt einige Male gehört habe, sind einige Lieder der zweiten Platte All or nothing sehr vertraut und reichen fast an die Überhits des Debüts heran. Aber es ist auch nicht abzustreiten, daß das zweite Album insgesamt schwächer als Young for eternity ist.

So gefielen mir
Turnaround und vor allem der Bonustrack der Platte This is the club for people who hate people nicht sonderlich. Die alten Lieder, die sie spielten, waren alle toll!

Billy feuerte das Publikum immer wieder an, nötig war das aber nicht, weil die Stimmung großartig war und es hunderte von Crowd surfern gab (keine besonders
große Übertreibung). Billy vergab Wiesbaden in Sachen Verrücktheit eine 9,1 von 10. Nur zwei im Saal waren deutlich verrückter. Einer war der Sänger, denn zur letzten Zugabe Oh yeah stieg er auf die irrsinnig hohen Boxentürme und sprang aus gut 3,50 m über den gigantisch breiten Fotograben ins Publikum. Kopfüber. Richtig dicht standen die Leute in der Mitte wegen des Pogens auch nicht, die Aktion war also ein Wahnsinns-Stunt. Aber es ging gut, Billy kletterte auf den zweiten Turm und hüpfte wieder! Unfassbar!

Noch verrückter waren da nur ein oder zwei Väter im Publikum, die mit zwei kleinen Mädchen, die vielleicht sechs und zehn waren, ziemlich weit vorne standen. Immerhin hatten die Kinder bei den Subways zaghaft in den Ohren steckende Schaumstoffstopfen. Bei der Vorgruppe (Namen schon vergessen, puh!), musste der Vater sie aber in den Schallschatten eines Pfostens schieben. Sensationell... Was denken sich solche Leute?

Aber zurück zu den Subways! Nach 75 Minuten war
Schluß. Das Konzert war die Wiesbadenpremiere und der Abschluß der Deutschland Tour. Meine Laune hat der Abend sehr gut getan, meinen Kopfschmerzen nicht geschadet. Natürlich kann man die Subways als unoriginell bezeichnen, die die Musik von vor ein paar Jahren weiterhin spielen. Wenn es so mitreißend gemacht ist und solche Stimmung verbreitet, ist mir das aber vollkommen egal. Die Band macht Freude! Und solange Billy immer trifft, wenn er springt, werde ich sie mir sicher noch oft ansehen. Die Rock & Roll Queen und ihre Kumpels.

Setlist The Subways, Schlachthof, Wiesbaden:

01: Rock & Roll Queen
02: Young for eternity
03: Obsession
04: All or nothing
05: Kalifornia
06: Alright
07: Mary
08: Always tomorrow
09: Shake shake
10: I won't let you down
11: I want to hear what you have got to say
12: With you
13: This is the club for people who hate people
14: Turnaround

15: Strawberry blonde (Z)
16: Girls & boys (Z)
17: Oh yeah (Z)

Links:

- The Subways im November 2008 in der Batschkapp in Frankfurt
- im Februar 2008 in Köln
- und 2006 in Duisburg
- Interview mit Charlotte und Billy
- mehr Fotos von den Subways aus Wisbaden
- Bilder vom Konzert in der Batschkapp





Donnerstag, 6. November 2008

The Subways, Frankfurt, 05.11.08

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Konzert: The Subways (& Blackmarket, Twin Atlantic)

Ort: Batschkapp, Frankfurt
Datum: 05.11.2008
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: The Subways ca. 60 min, Twin Atlantic 35 min, Blackmarket 40 min


Nachdem ich gestern in Köln mit den Blood Red Shoes quasi ihre Geschwister im Geiste gesehen hatte, standen heute die Subways auf dem Programm. Die dreiköpfige Band aus Hertfordshire hatte nach längerer Zwangspause im
Frühling eine Art Comeback gefeiert, ihre zweite Platte (All or nothing) veröffentlicht und wieder Konzerte gespielt. Nach zweijähriger Pause zwischen Alben ist es normalerweise albern, von einem Comeback zu sprechen, hier lag der Fall jedoch anders. Eine Operation, die das Risiko barg, daß er nie wieder hätte singen können, stoppte Sänger Billy Lunn, nachdem die Band gerade ihre lange Tour zum erfolgreichen Debüt beendet hatte: Ich hatte eine Halsoperation und konnte monatelang weder singen noch sprechen. Daher liebe ich es jetzt so sehr, auf Tour zu sein und zu reden, zu singen und Gitarre zu spielen. Gesagt zu bekommen, daß ich das nicht darf, war die schlimmste Sache der Welt!

Der Eingriff verlief ohne die befürchteten Folgen, sodaß die Subways mit ordentlicher Verspätung ihr zweites Album aufnehmen konnten. Gut drei Monate vor dessen Veröffentlichung hatte ich die Gelegenheit, viele der neuen Lieder bei einem Konzert im Kölner Luxor zu hören. Seit Juni gibt es All or nothing und jetzt betouren die Subways Deutschland mit den neuen Stücken.

In der Batschkapp in Frankfurt war ich erst einmal. Die recht große und sehr sachlich geschnittene Halle gefällt mir gut, weil sie den richtigen Konzertcharme versprüht. Als erstes fiel mir auf, daß die Bühne nicht mit Gittern abgesperrt war. Eine schöne Idee, aber auch eine mutige, wenn man schon einmal ein Konzert der Engländer
gesehen hat. Auch als mutig empfand ich die Ansetzung von zwei Vorgruppen an einem Mittwoch. Da wird morgen manche in der Schule fehlen...

Die erste der Supportbands erschien um 20:40 Uhr und bestand aus einem singenden Gitarristen, einem langhaarigen Schlagzeuger im selbstgebatikten T-Shirt und einem Bassisten, der vor allem dadurch auffiel, daß er eine Lieblingspose hatte, die er
bis zum Erbrechen (metaphorisch) zeigte. Er kippte beim Bassspiel in den Knien ein und streckte den Oberkörper zurück. Blackmarket stammen aus New York City. Die Band scheint recht frisch im Geschäft zu sein, denn viele Informationen über sie finden sich nicht im Netz (und bei lastfm haben sie 416 Hörer...). Das für eine amerikanische Band obligatorische Obama-Lobpreisen kam direkt am Anfang, Blackmarket konnte sich dann also auf ihre Musik konzentrieren - und die gefiel mir nicht. Staubtrockener, weitestegehend melodieloser, sehr harter Rock war noch nie meine Vorliebe. Das Angebot, eine CD der Gruppe zu bekommen, wenn man sich in ihren email-Verteiler aufnehmen ließ, fand ich sehr nett... für andere.

Der Bühnenaufbau für die nächste Band sah vielversprechender aus. Zunächst schleppte ein Roadie mit Kaputzenjacke und Wollzipfelmütze ein Keyboard herbei. Dann stimmte ein Kollege ein futuristisch
aussehendes E-Cello (ich denke, es war eines). Ich finde diese an Luigi Colani erinnernden Design-Streichinstrumente zwar ziemlich albern (bin aber auch kein Musiker). Die Vorstellung, daß Twin Atlantic ein Cello einsetzten, gefiel mir allerdings sehr. "We are Twin Atlantic from Scotland," machte mich noch neugieriger, bis dann ein wildes Heavy-Headbang-Gewitter losging. Mich erinnerte das an Biffy Clyro, die auch schon nicht meine musikalische Kragenweite sind. Auch wenn es nicht meine Musik ist, erschienen mir die Schotten im Vergleich der Krachbands mit Blackmarket aber deutlich talentierter und abwechslungsreicher. Was nichts daran änderte, daß ich mich schrecklich gelangweilt habe. Naja, zumindest die Musik erzeugte das bei mir.

Ganz lustig, aus verschiedenen Gründen, war, das Treiben auf der Bühne zu beobachten. Zum einen Headbangten die rechts vom Schlagzeug stehenden Bandmitglieder (Bassist Ross McNae und Gitarrist Barry McKenna) wie Furien über ihre Bühneecke, während Sänger Sam McTrusty (klingt nach einer Billigfondsgesellschaft) eher ruhig (und kurzhaarig) aussah. Schlagzeuger Craig Kneale prügelte währenddessen so wild auf seinem Schlagzeug rum, daß die Bassdrum Richtung Bar im hinteren Teil der
Batschkapp wanderte. Der arme Roadie, der versuchen wollte, das zu verhindern, mußte erst durch die beiden rechts stehenden Kumpels durchlaufen, um an die Trommel zu kommen. Das hatte sehr viel von Frogger und der Autobahn.

Ruhigere Teile der Lieder gefielen mir immer mal wieder, dann setzte aber immer, wenn ich mir etwas schöngehört hatte, ein infernalischer Lärm ein, der meinen zarten Wohlwollen wieder wegblasterte. Auch das Keyboard stellte sich nach und nach als Fake heraus. Es kam bei einem Lied kurz zum Einsatz. Das futuristische Cello spielte zwar in zwei Stücken eine etwas größere Rolle, diese ruhigeren Liedstellen wurden dann aber auch wieder durch höllischen Lärm beendet. Die Schotten, die wie Blackmarket zum ersten Mal in Deutschland spielten, werden sicher vielen gefallen haben, ich war erleichtert, als es vorbei war.

Um 22.35 Uhr wurde es dann wieder dunkel für die Hauptgruppe. Zu einer
Intromusik, ich glaube es war eine der zahlreichen Oxygène Versionen von Jean-Michel Jarre, tauchten dann Charlotte, Billy und Josh auf. Charlotte hat mittlerweile eine sehr strubbelige Frisur, zweckmäßig, wie sich nach dem ersten Lied zeigte, denn schon da waren ihre Haare vollkommen verschwitzt. Billy, Gitarrist und Sänger - und Ex-Freund der Bassistin - erschien gleich ohne Hemd. Ich wußte nach zwei Konzerten ja schon, was mich erwartete. Billy und Charlotte stehen am Mikro, wenn sie etwas singen. Sobald das vorbei ist, sie das betreffende Pedal getreten haben, hüpfen die beiden wie von der Tarantel gestochen über die Bühne. Seit meinem ersten Konzert 2006 frage ich mich, woran mich dabei Charlottes Lauf- und Hüpfstil erinnert. In der Batschkapp fiel es mir ein. Sie hüpft wie ein Springbok. Kopf runter und los. Pünktlich zum nächsten Singen stehen beide wieder an ihren Mikros, um dann wieder zu hüpfen. Es ist so herrlich!

Billy fände ich in jeder anderen Band vermutlich peinlich. Die wiederholten
"Frankfurt, let's get crazy!" Ansagen würden mich normalerweise sehr nerven. Aber der Kerl ist so furchtbar sympathisch, einer der nettesten Musiker, die ich bisher erlebt habe - und mit solch großer Begeisterung bei seiner Sache.

Die gute Stunde Programm ist eigentlich genauso schnell erzählt, wie sie mir während des Konzerts vorkam. Das Set war ausgewogen zwischen Liedern von beiden Platten. Die Titel vom Debüt sind mir viel vertrauter als die neuen
Stücke, erscheinen mir insgesamt aber auch weiterhin stärker zu sein, obwohl zum Beispiel Alright, Girls and boys oder Kalifornia echte Ohrwürmer sind. Young for eternity hatte aber bis auf wenige Ausnahmen nur solche Knüller, die auch live unverändert ziehen. So jung und schon so viele Evergreens, das ist beeindruckend.

Konzerte der Subways zählen (abgesehen von Gogol Bordello) zum denen mit der besten Stimmung. Da machte das in Frankfurt keine
Ausnahme. Es wurde getanzt, geschoben, gebrüllt, (aber nur vereinzelt gecrowdsurft). Man kann aber auch schwerlich still stehen, während Charlotte und Billy über die Bühne fegen.

Eine lustige Szene gab es bei Mary. Billy (beim Soundcheck hatte der Roadie sein Mikro mit "This is William's vocal" abgestimmt) hielt bei der Textzeile "just a bed and a TV" den letzten Ton sehr lange. Danach verschluckte oder räusperte er sich, was durch das Mikro per Echo verlängert
wurde, wie sein TV-Ton vorher offenbar auch. So ertappt mußte er erst einmal breit grinsen.

Mit dem Bonus-Lied
This is the club for people who hate people endete der Hauptteil nach 50 Minuten. Natürlich war es das aber noch nicht. Zunächst erschien William wieder alleine und begann Strawberry blonde sehr ruhig mit der Gitarre. Erst später stiegen Schlagzeuger Josh und Charlotte (die einen Mini, ein glitzerndes Oberteil und Ballett-Schuhe trug) ein. Es folgte Girls and boys, der Hit vom aktuellen Album, bevor dann Rock and Roll Queen abräumte. Dabei hüpfte der Sänger dann endlich auch selbst ins Publikum und ließ sich gestenreich auf Händen bis weit nach hinten in den Saal tragen, kickte gegen die Discokugel und hatte mächtigen Spaß. Als er irgendwann wieder oben bei seinen Kollegen war, kam eine deutsche Strophe des Hits ("Du bist die Sonne, Du bist so cool, Frankfurt ist Rock and R0ll").

Ich mag nicht vergleichen, wer mir besser gefällt, Subways oder Blood Red Shoes. Beide Bands ähneln sich in einigen Merkmalen, sind aber musikalisch leicht anzugrenzen. Aber gemeinsam haben sie, daß sie mit relativ einfachen Mitteln großartige Konzerte spielen. So wie Dienstag und Mittwoch.

"See you next week", und die Subways waren verschwunden. "Next week", weil sie da ein Zusatzkonzert in der Batschkapp spielen (naja, fast, es ist am 22.11.).

Setlist: The Subways, Batschkapp, Frankfurt:

01: Kalifornia
02: Young for eternity
03: Oh yeah
04: All or nothing
05: Alright
06: Mary
07: Always tomorrow
08: Shake! Shake!
09: I won't let you down
10: I want to hear what you have got to say
11: Turnaround
12: With you
13: This is the club for people who hate people

14: Strawberry blonde (Z)
15: Girls & boys (Z)
16: Rock & Roll Queen (Z)

Subways Konzerte sind extrem empfehlenswert! Die meisten sind ausverkauft, für die hier gibt es wohl noch Tickets:

06.11.08 Live Music Hall Köln
15.11.08 Rohstofflager Zürich
18.11.08 Longhorn Stuttgart
19.11.08 Zeche Bochum
20.11.08 Skaters Palace Münster
23.11.08 Den Atelier Luxemburg


Links:

- The Subways im Februar 2008 in Köln
- und 2006 in Duisburg
- Interview mit Charlotte und Billy
- Bilder vom Konzert in der Batschkapp



Dienstag, 8. Juli 2008

Interview: The Subways

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Interview: The Subways
Ort: Backstageraum Luxor, Köln
Datum: 29.02.2008

Lange war es still um die Subways aus England, eine der flottesten Garagenbands der letzten Jahre. Vor zwei Wochen erschien das zweite Album der jungen Briten. Am Rande eines Vorabkonzerts in Köln hatte ich vor einiger Zeit Gelegenheit, mit Sänger Billy und Bassistin Charlotte über die lange Pause, die neue Platte und Tattoos zu reden:

Als ich ein paar Minuten vor dem verabredeten Interview-Termin mit den Subways im Luxor ankomme, sitzen die Bandmitglieder im Eingangsbereich, an den Tischen, an denen später T-Shirts verkauft werden, und sehen sich das frisch gedrehte Video der ersten Single aus dem neuen Album an. Sobald sie damit fertig sind, nehmen mich Sänger Billy und Bassistin Charlotte mit in den winzigen Backstageraum. Charlotte ist zwar furchtbar sympathisch aber ruhig und eher zurückhaltend, während Billy gleich von Beginn an lossprudelt, als seien wir seit langem Freunde und hätten uns wahnsinnig viel zu erzählen.

Einen unserer ersten Berichte haben wir über Euer Konzert in Duisburg vor zwei Jahren gemacht, in diesem Laden, der aussah wie Disneyland. Habt Ihr schon an ähnlich merkwürdigen Orten gespielt?

Billy: Einer der merkwürdigsten Gigs, die wir je gespielt haben, war in einem Club in London, einer der ersten Gigs, die wir in London gespielt haben. Der Raum war kleiner als der hier. Ich schwöre, da passten nur vier oder fünf Leute rein. Ich übertreibe nicht! Ein anderer... ah, Pancake Mountain, da versuchten all diese Kids auf die Bühne zu kommen und ich war verkleidet wie ein König, mit einem schweren Cape. Es gab sowieso ein paar komische Konzerte in den USA, zum Beispiel ein paar, bei denen die Leute saßen. Man sah, daß sie ausflippen wollten - und sie rockten dann im Sitzen. Normalerweise spielen wir ja vor schwitzenden Leuten, die ihre Hemden ausziehen und crowdsurfen. Das ist wie in einem Kino.

Die Queens of the Stone Age haben neulich in einem Bergwerk tief unter der Erde vor wenigen Zuschauern gespielt, die gesessen haben und Helme trugen...

Billy: Das klingt bizarr. QOTSA sind ganz klar eine der besten Rockbands der Welt. Wenn man bei denen nicht richtig rocken kann, ist das schon eine komische Sache.

Gibt es irgendwelche Orte, an denen Ihr gerne einmal spielen wollt? Ihr habt alle großen Festivals gespielt aber gibt es noch Traumorte für Konzerte?

Charlotte: Ich glaube, es gibt noch eine Menge Festivals, auf denen wir nicht aufgetreten sind. Wir haben noch nicht so viele in Deutschland gespielt. Dieses Jahr werden wir Hurricane/Southside spielen. Es wäre großartig Rock am Ring und Rock im Park zu spielen.
Billy: Rock am Ring haben wir immer im Fernsehen in England angeguckt, in der Phase, als wir als Band begonnen haben. Da kamen immer die Aufzeichnungen bei MTV2 mit all unseren Lieblingsbands. Wir haben dann gesagt: das wäre so cool, da mal zu spielen.
Charlotte: Wir waren auch noch nie in Skandinavien, haben da bisher auf keinem Festival gespielt, obwohl es so viele gute gibt, wie Roskilde.
Billy:
Über das Touren durch Skandinavien haben wir so viele phantastische Geschichten gehört. Darauf freue ich mich besonders. Was auch toll wäre, ist China oder so.
Charlotte: Ja! Der Ferne Osten! Wir waren in Japan aber Länder wie Thailand, Malaysia oder Dubai wären klasse.
Billy: Großartig! Oder Russland!

Ok, und welche Bands würdet ihr gerne einmal live sehen?

Billy (ohne nachzudenken): Sigur Ròs! Die habe ich mehrfach verpasst. Komisch, daß du das fragst. In den letzten Tagen habe ich genau darüber nachgedacht.
Ein Freund war bei Sigur Rós und hat erzählt, die Stimmung wäre einzigartig gewesen. Alle Zuschauer standen und sind mitgewippt. Sigur Rós hat für mich alles, was eine große Band ausmacht. Hoffentlich kann ich bald mal zu einem Konzert von ihnen gehen...
Charlotte: ...Björk...
Billy: ...und Smokey Robinson! Ich habe gehört, er wäre vor zwei Jahren auf Tour gewesen. Zu dem Zeitpunkt waren wir in New York und hatten eine Fernsehshow, daher hkonnte ich nicht hingehen. Meine Mutter hat mich zu seiner Musik gebracht, überhaupt zu Motown und RnB. Das ist jemand, den ich wirklich wahnsinnig gerne live erleben würde, um seine Stimme zu hören, ihn im Bühnenlicht zu sehen, weil ich ihn so lange schon bewundere, bestimmt seit 15 Jahren höre ich seine Platten.
Ähmmm... und Future Of The Left - Kennst du die?

Habe ich von gehört.

Billy: Ich habe die einmal gesehen und ich vergöttere ihr Album! Also... Future Of The Left habe ich in London in einem Raum, der nicht größer war, als der hier, erlebt, in der Buffalo Bar. Ich will sie irre gerne mal auf einer größeren Bühne oder auf einem Festival sehen. Was Future Of The Left machen, ist nicht bloß laute Rockmusik, das ist intelligente Musik mit lustigen Texten. Ich mag einfach Bands, die sich nicht so ernst nehmen und Spaß vermitteln.
Wir würden gerne mal einen unserer Songs, "Rock 'n' Roll Queen" z.B. in der Landessprache singen. Bei den Stücken der neuen Platte ist das schwierig, weil die Texte viel länger sind. Das würde ewig dauern, die zu übersetzen und zu singen.

Sind die neuen Lieder schon Teil Eures Live-Programms?

Charlotte: "Shake, shake", "California", "Boys & Girls" spielen wir seit einem, anderthalb Jahren.
Billy: "Alright" auch, mein Liebling von "All Or Nothing". Die neuen Sachen sind viel besser als die alten. Viele Bands finden es ja schwer, ein zweites Album zu schreiben, wir nicht, wir fanden das einfach.
Charlotte: Naja, einfach würde ich nicht sagen (lacht).
Billy: Nein, nein, nicht einfach... Aber wir hatten so viele Ideen, ganz merkwürdig. In solch einer kreativen Phase bekommst du sogar dann ein Zeitproblem. Wir hatten aber großartige Produzenten, die das in den Griff bekommen haben.

Also hat der Titel "All Or Nothing" nichts zu tun...

Billy: Mit den Small Faces?

Nein, damit, wie schwer es ist, ein zweites Album zu schreiben?

Billy: Uns fragt nämlich jeder, ob das mit den Small Faces zu tun hat: No! Wir hatten ein sehr schwieriges letztes Jahr. Ich hatte eine Halsoperation und konnte monatelang weder singen noch sprechen. Daher liebe ich es jetzt so sehr, auf Tour zu sein und zu reden, zu singen und Gitarre zu spielen. Gesagt zu bekommen, daß ich das nicht darf, war die schlimmste Sache der Welt! Die Ärzte hatten mir mitgeteilt, daß ich, wenn die Heilung schlecht verlaufe, nie wieder würde singen können. Davor hatte ich natürlich wahnsinnige Angst.
Als wir dann ins Studio gegangen sind, haben wir diese wirklich harten Lieder gespielt, nein, nicht hart, laut, wirklich dynamisch - solche Widescreen-Songs.
Die Texte sind wirklich...

(er unterbricht sich)
Ich sage dauernd "wirklich".

Charlotte: Ja, machst du.
Billy: Ok. Die Texte sind also wirklich emotional. Wir hatten keine Angst, persönliches einfließen zu lassen.
Am Tag, als wir LA verlassen haben, um mit den Studioaufnahmen zu beginnen, standen wir am Flughafen und uns war klar, daß wir jetzt entweder all unsere Energie in diese Platte stecken und daraus das beste Album der Welt machen oder genau an dieser Stelle aufhören.
Charlotte: Da kommt der Titel her. Das war unsere "All Or Nothing" Situation.

Die Distanz zwischen euren beiden Alben ist sehr groß...

Billy: Wir waren sehr jung, als wir "Young For Eternity" gemacht haben. Nach der Veröffentlichung sind wir dann verflucht lange auf Tour gewesen. Viele Bands unserer Generation waren nach dem ersten Album maximal acht Monate unterwegs. Wir sind um die Welt getourt. Wir waren monatelang in den USA, dann lange in Australien, in Japan, überall in Europa, endlos in Großbritannien. Irgendwann waren es dann zwei Jahre - alles mit der ersten Platte, obwohl wir eigentlich neue Songs hatten. Durch meine Halsgeschichte wurde diese Zeit dann noch einmal kräftig verlängert.
Aber egal, wie lange die Pause war, die Musik war uns zu wichtig, wir wollten das zweite Album machen. Irgendwie fühlten wir uns auch schuldig den Leuten gegenüber, die auf neue Lieder von uns gewartet haben.
Charlotte: Es war ja nicht so, daß wir die Platte nicht mehr machen wollten.
Die lange Dauer hat aber den Vorteil gehabt, daß einige Lieder erst entstanden sind, als wir schon im Studio waren.
Billy: Lieder, die wichtig für "All Or Nothing" sind, die aber wahrscheinlich nicht geschrieben worden wären, wenn wir unsere lange Pause nicht gehabt hätten. Das ist eine Chance, die Bands normalerweise nicht haben. Wir hatten Glück, Zeit zu haben, uns zurückzulehnen und über das Album nachzudenken.

Die lange Abwesenheit hat euch aber auch nicht geschadet, das Kölner Konzert war sehr schnell ausverkauft.

Charlotte: Das konnten wir gar nicht glauben, als wir das gehört haben!
Billy: Die Leute erinnern sich noch an uns?
Charlotte: Auch die Konzerte in Großbritannien waren schnell ausverkauft, damit hätten wir nie gerechnet.
Billy: Also kommen immer mehr Termine dazu. Das alles liegt vermutlich an der sehr langen Tour damals, die uns eine feste Fanbasis geschaffen hat. Bands wie Biffy Clyro haben das vorgemacht. Die haben sich durch viele Konzerte eine Gruppe an Leuten aufgebaut, die zu den nächsten Konzerten auch wieder kommen. Das ist der Old-School-Weg für Rockmusiker.
Wir sind so erleichtert, daß wir für die Leute noch irgendwie relevant sind, auch in Deutschland. Wir mögen das Land sehr, daher waren wir so oft hier. (theatralisch:) I love you, Germany! (lacht)

A propos... Kennt ihr deutsche Bands?

Billy: Die Beatsteaks, von denen bin ich großer Fan! Dann erinnere ich mich noch an eine Band namens Guano Apes. Es gibt so viele!
(lachend) Ich kann mich nicht erinnern!
Wir suchen in allen Ländern, in denen wir auftreten, einheimische Supportbands. Zuletzt erinnere ich mich an Suzie Rock. Wir, vor allem Josh, snd total begeistert von Gruppen, die in ihrer eigenen Sprache Musik machen. Also gucken wir immer nach Bands, die in ihrer Muttersprache singen, das ist aber so verdammt schwer. Wenn ihr uns supporten wollte, schickt uns mails!
(zu Charlotte) Wir sollten auch mal auf Deutsch singen!

Wen würdet ihr gerne mal supporten?

Charlotte: Muse, meine Lieblingsband.

Oder gibt es Bands, mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?

Billy: Mew aus Dänemark! Ich bin riesiger Fan ihres Albums "Frengers", aber auch das letzte "And the glass handed kites" ist fantastisch! Mew sind unglaublich! Ich habe sogar ein Mew Tattoo hier. Hier, guck mal! (Billy zieht das T-Shirt hoch und zeigt sein Tattoo...)
156 ist mein Lieblingslied. Dann Biffy Clyro, Future Of The Left, Annie aus Schweden*, Death Cab For Cutie...

Die sind toll!

Billy: Das ist eine der Bands, die wir nie live gesehen haben. Kings Of Leon, Gott, ich würde es lieben, mit denen zusammenzuarbeiten!
Charlotte: Das ist doch schon eine gute Liste!

Wie ist das mit Cover Songs? Ihr habt keine im Live-Repertoire, oder?

Billy: Nein! Charlotte hasst Cover Songs!
Charlotte: Ich hasse die nicht.
Billy: Sie hasst es, Cover zu spielen. Wenn, müsste es etwas komplett Neues sein, keine 1:1 Kopie, ein Song von Kylie oder ein Motown Stück.

Mögt ihr denn selbst gecovert werden?

Charlotte: Ja, das wäre schon cool zu sehen, was andere aus unseren Liedern machen.
Billy: Eine der größten französischen Bands hat "Rock 'n' Roll Queen" gecovert, Indochine heißen die.

Die kenne ich gut, das war meine Lieblingsband beim Schüleraustausch in Frankreich. Vielen Dank für das nette Interview und viel Erfolg für die Platte!

* "Annie from Sweden" hat er gesagt. Die kenne ich nicht. Wikipedia kennt aber eine singende Annie aus Norwegen.



Samstag, 1. März 2008

The Subways, Köln, 29.02.09

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Konzert: The Subways
Ort: Luxor, Köln
Datum: 29.02.2008
Zuschauer: restlos ausverkauft


Lange war es sehr ruhig um die Subways. 2006 hatte ich die Gelegenheit, die jungen Engländer in Duisburg zu sehen. Das Konzert war trotz des abenteuerlichen Phantasialand-Ambientes im Pulp eines der großartigsten, die ich bisher gesehen habe, weil die knackigen Hits der Debütplatte wahnwitzig energisch gespielt wurden, ein Konzert ohne jede Atempause.

Nach der Veröffentlichung von "Young for Eternity" tourten die drei aus Welwyn Garden City bei London irre lange durch die Welt. Sie spielten sehr früh in ihrer Karriere Festivals wie Glastonbury oder Leeds und Reading, wurden dann aber durch
eine Erkrankung der Stimmbänder von Sänger Billy zu einer längeren Pause gezwungen. "Es bestand das Risiko, daß ich nie wieder singen kann." Die Zeit der Erholung half ihnen dann aber, wie sie mir vor dem Konzert sagten, nach dem ersten Album auf dem Boden zu bleiben und in Ruhe ein zweites Album vorzubereiten. Obwohl die Auszeit lang war und seitdem viele neue Bands aufgetaucht sind, sind die Subways nicht vergessen worden, denn das Kölner Konzert war schon lange ausverkauft, obwohl es eigentlich aus heiterem Himmel kam, denn die zweite Platte "All or Nothing" erscheint erst im Juni. Auch eine Single gibt es noch nicht - sie existiert schon, erscheint aber erst Ende März.

"Wir spielen nur wenige Lieder von der ersten Platte, das meiste sind neue Songs," sagte Billy noch, bevor die beiden in den Tourbus gingen, um mit einslive zu sprechen, was bei mir ein schlechtes Gefühl hinterließ, weil ich vorher ordentlich über das schwer hörbare deutsche Radio gelästert hatte...

Kurz vor neun kam ich dann wieder im Luxor an. Um acht war Einlaß, um neun sollte es losgehen. Und wie das bei ausverkauften Abenden in diesem Club so ist, war es grausam, in Bereiche zu kommen, in denen man die Bühne zumindest erahnen kann. Glücklicherweise standen noch zig Leute an der Garderobe an, daß es zumindest ein paar Lücken in der Masse aus Menschen gab. Die, die es auf die Tanzfläche geschafft hatten, gingen gleich bei der Vorgruppe mächtig ab - oder wurden von denen, die rockten, hin- und hergeworfen, es war ein heftigeres Getanze als bei den Arctic Monkeys im Palladium. Leider kann man, wenn man im Luxor spät kommt und
trotzdem etwas sehen will, nicht verhindern, einen Platz mit garantierten blauen Flecken zu haben.

Die Vorgruppe - 5 Bugs aus Berlin - machte zwar riesig Stimmung, war aber nicht mein Fall. In den letzten zwei Wochen habe ich zu viele brillante Bands gesehen, um mich von dem harten Rock der fünf Männer begeistern zu lassen. Aber es passte zu den Subways, und die Stimmung war ganz prima. 5 Bugs spielten 25 Minuten und
ließen dabei keinen Rockstarspruch aus ("Seid Ihr heiß? Oder muß ich fragen 'Are you hot?'").

Beim Umbau tauchten dann Crowdsurfer auf - zu Hintergrundberieselung! Die Umbau-Tätigkeiten bestanden vor allem aus dem Wegräumen aller überflüssigen
Sachen von der Bühne, um möglichst viel Platz zu schaffen. Joshs Schlagzeug stand ungewöhnlich weit hinten für eine dreiköpfige Gruppe. Der Grund dafür war mir noch aus Duisburg in Erinnerung. So nett Charlotte und Billy auch jenseits der Bühne sind, stehen sie darauf, sind sie aufgedreht. als ginge es um Leben und Tod. Wenn sie singen, stehen sie vor ihren Mikros. Aber sobald sie nicht an den Platz gebunden sind, rasen beide wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, ohne dabei schlecht zu spielen. Vor allem die zierliche Charlotte am Bass legt während eines knapp einstündigen Konzerts eindrucksvolle Strecken zurück.

Der Beginn des Auftritts war "Kalifornia", eines der neuen Lieder, das sie aber schon
im letzten Jahr bei Konzerten gespielt haben. Ich kannte nicht eines der neuen Stücke, hatte nichts bei Youtube angesehen. "Kalifornia" gefiel mir auf Anhieb. Es ist kein Ohrwurm wie "With you" oder mein Liebling "I want to hear what you have got to say" aber es überzeugte mich sofort.

Anschließend kamen immer mal wieder alte Lieder, der Schwerpunkt lag aber eindeutig bei den unveröffentlichen Songs.

Billy, der Sänger und Gitarrist, und Schlagzeuger Josh kamen mit nacktem Oberkörper auf die Bühne. Charlotte trug einen roten Minirock und ein schwarze
Oberteil. Und sie rannten eben unfassbar viel. Schlagzeuger Josh muß sich wahnsinnig ärgern, daß sein Instrument das nicht zuläßt. Er war aber auch ruckzuck durchgeschwitzt. Daß ein Publikum, daß schon in Pausen abgeht wie sonst etwas, das nicht kaltließ, war klar. Und es war sehr heftig.

Von den neuen Stücken haben mir neben "Kalifornia" vor allem "Allright", "
I won't let you down" und "Always tomorrow" gefallen. Ich gehe davon aus, daß kaum jemand schon etwas von den neuen Sachen kannte. Das merkte man aber nicht. Sobald ein Song startete, tanzte alles!

Die Subways haben definitiv nichts eingebüßt von ihren alten Live-Qualitäten. "Wir hatten Angst, unseren Sexappeal verloren zu haben, wenn wir den je hatten," rief Billy während des Konzerts. Da ist nichts verloren gegangen, keine Sorge!

Bei "Turnaround" kam eine kurze Vorwarnung, dann sprang Billy ins Publikum und
ließ sich ein paar mal über die Tanzfläche tragen. Bei dritten Sprung hatte er eine Bierflasche mitgenommen und trank beim Crowdsurfen!

Eine Dreiviertelstunde spielten die Subways und schlossen zunächst mit "With you." Aber nur kurz. Denn selbstverständlich gab es Zugaben, dabei zunächst etwas Neues, die kommende Single "Girls and boys", auch ein
Hit, gar keine Frage! Zum Abschluß dann noch "Rock & roll queen", um allen Beteiligten den Rest zu geben.

Auch wenn es extrem anstrengend war, haben mich die Drei live wieder vollkommen begeistert! Ich bin unsicher, ob ich schon einmal eine aufregendere Liveband, die diese Musik macht, erlebt habe. Für mich sind die Subways bei all den Garagenbands die Referenz schlechthin. Ich bin vollkommen sicher, daß "All or nothing" ein Hit wird, weil es viele enthält.

Setlist The Subways Luxor, Köln:

01: Kalifornia (neu)
02: Oh yeah
03: Allright (neu)
04: Shake shake (neu)
05: Mary
06: I won't let you down (neu)
07: Obsession (neu)
08: I want to hear what you have got to say
09: Turnaround (neu)
10: Always tomorrow (neu)
11: With you

12: Girls and boys (neu) (Z)
13: Rock & roll queen (Z)




Links:

- The Subways 2006 im Pulp in Duisburg
- Fotos vom Konzert im Luxor
- ein ausführliches Interview mit Charlotte und Billy


Sonntag, 24. September 2006

The Subways, 23.09.2006, Pulp Duisburg

1 Kommentare


Großartiges Konzert in lustiger Kulisse

Das "Eventschloß" Pulp in Duisburg ist eine Kombination aus Disco, Club, Restaurant und Phantasialand. Alles ist im amerikanischen Ritterstil gebaut und dekoriert, es fehlen leider nur ein paar Gespenstereffekte. Das Konzert fand dann auch in einem Saal statt, der wohl wie ein Kellergewölbe dekoriert sein sollte (mit Pappmasché-Stalagtiten an der Decke).

Vorgruppe: Leo Can Dive aus Duisburg. Local Boys waren bisher immer grausam. Das hier ging recht gut: Nette deutsche Indieband, die offenbar gerne die Strokes mag. Aber die mag ich ja auch.

The Subways (20.45 bis 21.45): Unfassbares Konzert. So viel Energie hat keine andere Liveband. Gitarrist Billy und Bassistin Charlotte sind von einer Ecke in die andere gerannt und gehüpft. Billy und Schlagzeuger Josh mehrfach mit mächtig viel Anlauf ins Publikum gehüpft (das erinnerte an Sprünge vom 3er Brett). Billy stand ab und zu auf dem Schlagzeug.

Setlist:
01: With you
02: Young for eternity
03: City pavement
04: I want to hear what you've got to say
05: Girls & boys (neu)
06: Lines of light (kurz)
07: Oh yeah
08: Holiday
09: Fighting the road (neu)
10: 1 am
11: California (neu)
12: Somewhere

13: Mary (Zugabe)
14: Rock'n'roll queen (Zugabe)

Das Konzert war das drittletzte 2006, da die Subways jetzt am zweiten Album arbeiten, das in guten Radiosendern laufen wird. Gute Radiosender sind die, die keinen Popscheiß spielen (wie Robbie Williams), laut Billy.

Fazit:
9,5. Keine Frage. Keine Minuspunkte bei der Band. Das Publikum gäbe Abzüge, weil rhythmisches Klatschen mit etwa gleichrhythmischen "Subways, Subways"-Rufen eher nach dem MSV klangen.

 

Konzerttagebuch © 2010

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