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Freitag, 3. Januar 2014

Sigur Rós, End Of The Road Festival, 31.08.13

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Konzert: Sigur Rós
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival)
Datum: 31.08.2013
Dauer: gut 100 min 



Das End Of The Road Festival in Süd-West England hat eine merkwürdige Bühnenverteilung. Die Bühnen selbst sind zwar bunt geschmückt, sonst aber nicht ungewöhnlich. Es gibt ein Zirkuszelt, eine kleinere Bühne im Wald, eine weitere in einem kleineren Zelt. Die offene Hauptbühne liegt allerdings am Fuße einer stark abfallenden Wiese, die voll mit dicken Steinbrocken ist (Stonehenge ist nicht weit). Weil so englische Nächte sehr düster sein können und der Acker unbeleuchtet war, war der Weg zu den Headlinern ähmmm... steinig.

Aber er lohnte sich immer. Den ersten Tag beendete dort eine große Musikrevue von David Byrne und St. Vincent, den letzten eine hervorragende Show der schottischen Lieblinge Belle & Sebastian. Der Samstag gehörte Sigur Rós - und der Auftritt der Isländer war zwar nicht so spektakulär wie der des Talking Head Sängers Byrne oder die Sigur Rós Tour vor ein paar Jahren, bei der ich sie erstmals im Palladium gesehen hatte, er war aber durch und durch wunderbar und passte perfekt zu Festival und Atmosphäre.

Die Bühne war wie bei allen folgenden Konzerten im Herbst mit hunderten Glühbirnen dekoriert, die auf verschieden hohen Ständern montiert waren. Das war in den großen Hallen stimmungsvoll, in der Dunkelheit des Festivals aber ungleich schöner. 


Bis auf die Phantasie-Uniformen und die vielen Lampen verzichteten Sigur Rós ansonsten auf Bühnendeko. Es gab aber auch keinen Platz mehr. Alles andere hatte musikalischen Wert - die unzähligen Glöckchen, die vielen Instrumente und die Streicher und Bläser im Bühnenhintergrund. 


Auch wenn mein Sigur Rós Konzert in der ausgezeichneten Akustik der Rockhal im luxemburgischen Esch hervorragend war (und ich mir nur schwer vorstellen kann, daß eines der anderen Konzerte der Hallentour besser war), war der Auftritt beim End Of The Road Festival magischer (na gut, da sind mir die Gäule durchgegangen. "Magisch" ist ein Begriff, der in Konzertberichten nichts zu suchen hat. Weil aber der Isländer an Trolle und Elfen glaubt, lasse ich ihn mir durchgehen. Kommt aber nicht wieder vor, versprochen!). Die Setlist mit Olsen Olsen, E-bow (beste Lieder!) und Svefn-g-englar war besser als sonstwo und nahezu perfekt (nur fehlte Ágætis byrjun, das sie dann in der Rockhal spielten), der schwarze Himmel und die andächtig und staunend zuguckenden Zuschauer (ohne Mitklatsch-Krankheit) der Rahmen, den ein solches Konzert verdiente. 

Am Ende von langen Festival Tagen fällt es mir schwer, noch genügend aufnahmefähig zu sein. Daß mich beim End Of The Road alle drei Headliner so sehr packten, lag auch daran, wie angenehm in jeder Hinsicht die Festivaltage vorher waren. Es lag aber natürlich vor allem an der Brillanz der Künstler!

Setlist Sigur Rós, End Of The Road Festival:

01: Yfirborð
02: Brennisteinn
03: Glósóli 
04: Vaka
05: E-bow 
06: Sæglópur
07: Hrafntinna
08: Varúð
09: Hoppípolla - Með Blóðnasir
10: Olsen Olsen
11: Kveikur
12: Festival 

13: Svefn-g-englar (Z)
14: Popplagið (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Sigur Rós, Frankfurt, 24.11.13
- Sigur Rós, Düsseldorf, 25.11.13
- Sigur Rós, Esch-sur-Alzette, 23.11.13
- Sigur Rós, Rom, 28.07.13
- Sigur Rós, Best Kept Secret Festival, 23.06.13
- Sigur Rós, Wien, 04.09.12
- Sigur Rós, Paris, 15.11.08
- Sigur Rós, Köln, 11.08.08



Dienstag, 31. Dezember 2013

Wolf Alice, End Of The Road Festival, 30.08.13

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Konzert: Wolf Alice
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival), England
Datum: 30.08.2013
Dauer: 35 min



Vom End Of The Road Festival hatte ich seit Jahren nur Gutes gehört. Da das Festival aber irgendwo mitten in England und von allen Flughäfen schwer erreichbar zu sein schien, blieb es bei Bewunderung aus der Ferne. 

Die Lage in der Mitte von Nichts war dann auch der Hauptgrund für unsere späte Anreise. Die ersten Bands, die wir unbedingt angucken wollten, hatten wir verpasst oder nur halb gesehen. Für Serafina Steer, die auf der Bühne zwischen Pfauen spielte, fehlte mir die Muße, sodaß Wolf Alice auf der Tipi Tent Bühne mein erstes richtiges Konzert des Wochenendes waren. Mir sagte die Band aus Nord London vorher nichts - das war allerdings nur halbpeinlich, da Wolf Alice erst drei Singles veröffentlicht hatten (Leaving you, Bros und Fluffy) - ihre Debüt EP Blush erschien im Oktober.

Die Band besteht aus Sängerin Ellie Rowsell, Joff Odie, Theo Ellis und Joel Amey. Zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass. Eigentlich nicht weiter aufregend. Aber der kurze Auftritt der jungen Briten überzeugte mich restlos! Mal, wie bei She klingen die Gitarren nach The xx, Fluffy erinnert nicht nur englische Muiskjournalisten an Elastica und Blush schließlich ist einer der tollsten Pop-Songs, die ich 2013 gehört habe. 


Im Gegensatz zu vielen anderen Konzerten des Wochenendes war das Tipi-Tent (das keines ist, aber an eines angrenzt) nicht vollkommen überfüllt. Ich bin sicher, daß sich das ändert. Irgendwo habe ich vor ein paar Wochen gelesen, Wolf Alice sei eine der meist-bebloggten (oder sogar die meist-beschriebene) Band Englands. Keine Ahnung, ob das stimmen mag. Aber Wolf Alice sind eine der spannendsten Gruppen, die ich dieses Jahr kennengelernt habe. Und bei aller nötigen Bescheidenheit: das heißt schon etwas.

Guter Vorsatz für 2014: Wolf Alice wiedersehen!


 
Setlist Wolf Alice, End Of The Road Festival:

01: Baby
02: Lighters
03: Your love's whore
04: Leaving you
05: Bros
06: You're a germ
07: April 29th
08: Blush
09: She
10: Fluffy



Mittwoch, 11. September 2013

Angel Olsen und Marika Hackman, End Of The Road Festival, Dorset, 31.08.und 01.09.13

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Konzerte: Angel Olsen und Marika Hackman
Ort: Larmer Tree Garden, End Of The Road Festival, North Dorset; Garden Stage (Angel), Tippi Tent (Marika)
Datum: Samstag 31. August (Angel Olsen), Sonntag 1. September (Marika Hackman)
Zuschauer: jeweils viele, vor der größeren Gardenstage allerdings mehr
Konzertdauer: Angel etwa eine Stunde, Marika etwa 40-45 Minuten


Zwischen Christoph und mir herrscht hinsichtlich der Berichterstattung über Festivals inzwischen ein leichter Dissens. Ich halte die Abtrennung einzelner Konzerte in separate, ausführliche Artikel nicht für zweckmäßig und den Umständen bei Festivals nicht angemessen, Christoph hält daran fest. Beide Varianten sind sicherlich vertretbar.

Im vorliegenden Fall möchte aber auch ich zwei junge Singer/Songwriterinnen abtrennen und nicht in eine Berichterstattung über einen ganzen Tag packen, weil man hier wunderbar Vergleiche anstellen kann. Bekanntlich soll man ja Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Und Angel Olsen und Marika Hackman sind sicherlich beide Äpfel (oder beide Birnen, ganz wie man will), also auf jeden Fall vergleichenswert, aber doch so anders.

Erst einmal die Gemeinsamkeiten: beide sind sie sehr jung, beide spielten sie beim End Of The Road Festival nur ganz allein auf der Akustikgitarre und beiden traue ich zu, in Zukunft noch deutlich bekannter zu werden.

Aber was sind die Unterschiede? Nun, beim End Of The Road Festival war zunächst einmal die Bühne nicht die gleiche für die Beiden. Angel durfte auf der Freiluftbühne Garden Stage spielen, Marika Hackman musste mit dem Tippi Tent vorlieb nehmen. Vorteil Angel also, wenngleich es gar nicht so leicht war, die Leute auf der ungleich größeren Garden Stage zu unterhalten. "Etwas dröge" nannte ein Zuschauer hinterher den Auftritt der Amerikanerin bisweilen, ich hingegen war durchgängig gefesselt. Und dies obwohl die recht pfundige (warum quetscht sie sich in ein zwar schönes, aber viel zu enges Kleid?) Olsen in der Tat fast immer den gleichen eindimensionalen Tunnelblick drauf hatte. Musikjournalisten werden sicherlich deshalb gleich schon wieder mit Nico kommen, die auch immer so abwesend geglotzt hat, da ich aber Nico live selbst nie gesehen habe, belasse ich es bei der Feststellung, daß Olsen traumversunken und weggetreten wirkte, wenn sie sang. Und wie sie sang! Himmlich! Lieblich, aber auch launisch greinend klang ihre Stimme und nicht selten dachte ich an Marissa Nadler mit ihrem morbiden Organ und den schwarzen, gothisch angehauchten Texten. Deutlich merkte man, daß Angel einen gewissen Hang zur Inszenierung, zum Drama hatte und hat, einen Zug, den ich bei Marika Hackman nicht ausmachen konnte. Die Blondine intonierte gleichbleibend weich, samt und angenehm, überraschte selten mit unangepassten Tönen. Ihre Musik war definitiv poppiger, weniger geerdet und auch weniger an klassische Folksängerinnen wie Vashti Bunjan oder Jude Sill angelehnt wie das bei Angel Olsen der Fall war. Beide beindruckten dennoch auf ihre ganz eigene Weise, bei beiden spürte man, daß sie persönliche Geschichten zu erzählen hatten.

Angel Olsen erzählte zum Beispiel vom Acrobat und das gleich im ersten gleichnamigen Song: "You are the crazy acrobat. You are the witch, I am your cat. I want to be a bit like you, I hope you don't mind... If i do." sang sie mit ihrer faszinierenden, oft langgezogenen Stimme und jodelte bei manchen Stellen fast. Ein düster wirkender Song, fast wie ein Klagegesang und dies bei herrlichstem Sonnenwetter auf der Garden Stage. Bei Angel Olsen passte auch, was Damien Jurado gesagt hatte: "meine Songs sind viel zu traurig für das schöne Wetter." Ein anderes schwermütiges Lied hieß dann schon gegen Ende Some Things Cosmic und das klang wirklich so verdammt nach Marissa Nadler, daß ich gaubte, die schwarzhaarige Amerikanerin vor mir zu haben. Zufall? Ich denke schon, ich denke nicht, daß da bewusst imitiert wurde. "I'm floating away" jodelte Angel, verzog aber weiterhin kaum eine Miene. Zwischen den Songs lächelte sie aber immer mal wieder und bewies auch Humor als sie zu sich selbst sagte, sie solle nicht fluchen.

Eine anziehende Persönlichkeit, diese Angel Olsen, aber auch ziemlich verstörend und mysteriös. Was sie dachte, wusste man nicht so recht und man fragte sich auch, warum sie so traurig. Sie gab und gibt einem Rätsel auf, das macht sie interessant, aber es ist kein Bluff, denn sie verfügt zweifelsohne über riesiges Talent.

Talent, daß man natürlich auch der schüchternen und (anscheinend) einfacher zu durchblickenden Marika Hackman attestieren kann. Ihre Stimme war einfach wundervoll weich und trostspendend, ganz natürlich, so wie man das auch von This Is The Kit oder auch Anna Ternheim her kennt und liebt. Bei ihr gab es kein Jodeln wie Angel Olsen, sie sang ihre Stücke ohne Ausreißer nach oben oder unten durch. Eintönig war die Angelegenheit deshalb noch lange nicht. Dafür sorgten schon allein die zahlreichen guten Songs. Diese stammten zum Großteil von dem wundervollen Machwerk That Iron Taste (eine EP? Ein kurzes Album? Hmm...), die man im Rough Trade Store auf der Anlage des Festivals kaufen konnte.

Man findet darauf solche Perlen wie Bath Is Black, Cannibal oder auch You Come Down, die beim End Of The Road freilich in einer abgespeckten Version geboten wurden, da Maricka eben nur die Akustikgitarre zur Verfügung stand. Am Ende musste die hübsche Marika zahlreiche Autogramme schreiben und ich liess sie auch noch kurz wissen, daß Paris sehnlich auf ein Konzert mit ihr wartet. Ich denke auch Köln und Berlin würden sie gerne und baldigst empfangen.





Fazit: Die zwei Damen werden beide ihren Weg gehen, davon bin ich überzeugt. Es spricht für die Güte des End Of The Road Festivals, daß sie die beiden Mädels für sich gewinnen konnten. Und es spielten ja noch viele anderen Talente wie z.B. Jessica Pratt oder Diana Jones, die ich aber beide leider nicht sehen konnte.


Frontier Ruckus, End Of The Road Festival, 01.09.13

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Konzert: Frontier Ruckus
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival)
Datum: 01.09.2013
Dauer: 45 min



"Wir haben nicht geschlafen. Wir sind aus Deutschland hierher gefahren und um vier Uhr angekommen." Und zwar nicht aus Aachen sondern aus Dresden, wo die Band aus Detroit beim Sound Of Bronkow am Freitag aufgetreten war (auch darüber haben wir berichtet). Sehr viel Aufwand für ein 45-minütiges Konzert an einem Sonntag um 11.45 Uhr.

Trockener Folk mit Banjo und Mundharmonika ist normalerweise nichts, für das ich mich nach einer kurzen Festivalnacht aufraffen kann, den nächsten langen Tag bereits mit der ersten Band zu eröffnen. Aber das bisherige End Of The Road Festival war so gut, warum sollten mich nicht auch Frontier Ruckus begeistern? 

Meine Vorurteile erwiesen sich schnell als Quatsch. Daß Sänger Matthew Milia seinen Kollegen Zachary Nichols vor dem ersten Lied als Belle & Sebastian Fan outete, war da sicher hilfreich, aber nicht der Grund, warum mich die drei Musiker aus Michigan so schnell in ihren Bann gezogen haben. Die melancholischen, sehr poetischen Lieder, die phänomenal schön mit Gitarre, Banjo, singender Säge, Trompete, Keyboard und Melodica intrumentiert waren, hatten nichts mit meinem Vorurteil von einem Huckleberry-Finn-Bluesfolk zu tun. Frontier Ruckus spielen stattdessen einen Folk-Pop, der an Bands wie Okkervil River erinnert.


What you are, das mich nicht nur wegen der Mundharmonika an The river von Bruce Springsteen erinnerte, war eines der schönsten Stücke des Sets. Am meisten beeindruckte mich aber Eternity of dimming, das die schönste singende Säge enthielt, die ich je gehört habe und die die Melodie zu solchen Zeilen wie "an eternity of dimming, you turn to me, I’m slimming, the graininess is winning every night, clarity’s a rarity and it once was young and brimming" spielte. Frontier Ruckus kommen aus der Gegend um Detroit, dem sterbenden Industrieherz der USA. Daß man da keinen Miley Cyrus-Pop schreibt, liegt auf der Hand, die düstere Umgebung in solche Liedperlen zu verwandeln und die dann noch mit Trompete, Melodica und singender Säge in solche Schönheiten aufzufrischen, ist aber dann noch einmal ein weiterer Schritt - einer der herausragend gut funktionierte!



Dazu passte ganz wunderbar der kleine Pausenfüller, als Matthew seine Gitarre stimmen musste. Banjo-Spieler Matthew (der mit seiner Fönfrisur und dem buschigen Schnauz Trio mit vier Fäusten entsprungen zu sein schien) und Zachary stimmten Over the rainbow an und Zachs Säge übernahm Judy Garlands Gesangspart. Das hört sich fies-kitschig an und bei einem Band aus Detroit klischeehaft. Es war nichts davon, es war das schönste Stück Musik, das man sich vorstellen kann!



Weitere herausragende Lieder des kurzen Sets waren ein Stück über Ungeziefer (Silverfishes) oder das unfassbar bittere Dealerships

Nein, es war wirklich keine doofe Idee, so früh zum Festival aufzubrechen. Sie bescherte mir ein unverhofftes Konzerthighlight und die Erkenntnis, daß musikalische Vorurteile zwar oft helfen aber manchmal eben auch die Sicht zu sehr einschränken.

Setlist Frontier Ruckus, End Of The Road Festival:

01: The latter days
02: Mona and Emmy
03: Dealerships
04: Over the rainbow (Judy Garland Cover)
05: Eternity of dimming
06: Careening catalog immemorial
07: What you are
08: Splendid world
09: Silverfishes
10: Nerves of the nightmind

Links:

- aus unserem Archiv:
- Frontier Ruckus, Dresden, 30.08.13



Montag, 9. September 2013

Daughter, End Of The Road Festival, 31.08.13

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Konzert: Daughter
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival)
Datum: 31.08.2013
Dauer: knapp 60 min



"I love you!" - "I love you, too!" - "I love  you more!" 

Daughter-Sängerin Elena Tonra hatte große Mühe, ernst zu bleiben, als die Liebesbekundigungen im Publikum immer absurdere Formen annahmen. Daughter werden stetig größer, dies wurde auch beim End Of The Road Festival deutlich. Das Trio aus London, das live seit ein paar Monaten von einem zusätzlichen Gitarristen / Keyboarder unterstützt wird (Luke), hatte zuletzt The National auf deren US-Tour supportet und spielte am End Of The Road Samstag zur Primetime unmittelbar vor dem Headliner Sigur Rós auf der Garden Stage. Ich habe einige Konzerte am Wochenende auf dieser wunderschönen Bühne gesehen, keines war so überlaufen wie das von Daughter.

Auch wenn der Liebeswettbewerb Elena einen kurzen Moment aus der Fassung gebracht hat und sie das Ende des gerade gespielten Amsterdam verpatzte ("always good to end a song with a wrong note"), ist Daughter der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen. Die Band ist neben der Bühne charmant und fröhlich wie vor einem Jahr. Die großen Hallen, die steigende Zahl derjenigen, die etwas von ihr wollen, haben keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Und auf der Bühne waren Elena, Igor und Remi von Beginn an, bzw. seitdem ich ihre Konzerte sehe, hoch professionell. 

Auch dieses Konzert hätte man wieder mitschneiden und verkaufen können - trotz der falschen Note am Ende von Amsterdam. Daughter schaffen es ein ums andere Mal, ihre komplexen Songstrukturen mit den wechselnden Rhythmen und Lautstärken perfekt live umzusetzen, ohne dabei zu "werkstreu" zu sein. 

Viele Überraschungen bot das einstündige Konzert nicht, ich hatte auch keine neuen Lieder oder eines ihrer Cover erwartet. Das Trio dauertourt seit einem Jahr, da scheint nicht viel Gelegenheit zu sein, neue Musik zu schreiben. Vielleicht spielen Daughter dann im November z.B. ihr Get lucky Cover.


Bestes Lied? Still! Was sonst? Und dann Home, Youth, Tomorrow, Candles und die anderen Lieblinge. 

Die Voraussetzungen für dieses Konzert waren für mich nicht besonders gut. Ich hatte Daughter so oft gesehen, kam abgehetzt von Warpaint rübergeeilt, die gerade ihr Set beendet hatten und musste sofort nach der letzten Note zurückhasten, um nichts von Sigur Rós zu verpassen. Und trotzdem war das Konzert das erwartetete Highlight. Daughter und ich, wir sind noch lange nicht am Ende der Straße angekommen.

Setlist Daughter, End Of The Road Festival:

01: Still
02: Amsterdam
03: Love
04: Landfill
05: Smother
06: Winter
07: Candles
08: Human
09: Tomorrow
10: Youth
11: Home

Links:

- aus unserem Daughter-Archiv:
- Daughter, Mannheim, 31.05.13
- Daughter, Frankfurt, 16.04.13
- Daughter, Köln, 08.04.13
- Daughter, Brüssel, 04.04.13
- Daughter, Luxemburg, 10.11.12
- Daughter, Paris, 07.11.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12


Samstag, 7. September 2013

Savages, End Of The Road Festival, 30.08.13

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Konzert: Savages
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival)
Datum:30.08.2013
Dauer:60 min



Im Mai war ich ohne große Erwartungen zu Savages im Zoom in Frankfurt gefahren. Ich hatte eine der weiteren Bands erwartet, die sich mehr oder weniger erfolgreich an Vorbildern wie Siouxsie & The Banshees oder Joy Division abarbeiten, die mich aber damit keineswegs beeindrucken könnten. Habe ich ja alles (leider bis auf die Vorlagen) schon mal gesehen.

Der knapp einstündige Auftritt der vier Frauen erinnerte natürlich an allerlei alte Bands, er überzeugte mich aber restlos. Sängerin Jehnny Beth schaffte es locker, den Club in eine Art Post-Punk-Trance zu versetzen. Ihr düsterer Gesang, dazu die knallenden Begleitinstrumente und Jehnnys Tigern über die Bühne waren phänomenal! Ich mag bei weitem nicht jedes Lied auf der Debütplatte der in London ansässigen Band, live überzeugten Savages aber bis in die Spitzen unserer gemeinsamen Kurzhaarfrisuren.

Wenn ich zurückdenke, welche Bands, die ich 2013 erstmals gesehen habe, mich nachhaltig beeindruckt haben, fallen mir Motorama, Amatorski und eben Savages ein.

Obwohl die Anreise am Freitag beschwerlich war, David Byrne & St. Vincent gerade ein Konzert gespielt hatten, das nicht mehr zu übertreffen sein würde, überzeugten mich Savages schon wieder. Die vierköpfige Band spielte auf der zweitgrößten Bühne, die in einem großen blauen Zirkuszelt untergebracht ist. Da es mindestens sechs Eingangstunnel ins Zelt gab, musste man nie warten, um rein zu kommen, das - wie alles andere - war perfekt organisiert.


Savages begannen gegen 23.15 Uhr mit I am here von ihrem bislang einzigen Album Silence yourself. Und es funktionierte schon wieder. Das wundervolle Licht unterstützte die kühle Grundstimmung. Musik, Ausleuchtung, Band, Posen - es war wie ein Konzert in schwarz-weiß Anfang der 80er Jahre in einem Club in Berlin. Musikalisch machen Jehnnys Mitstreiterinnen einen hervorragenden Eindruck. Neben der Sängerin komplettieren Gemma Thompson (Gitarre), Ayse Hassan (Bass) und Fay Milton (Schlagzeug) Savages. Sie stehen nicht starr und hüftsteif im Hintergrund rum, sie fallen aber trotz ihres guten Spiels neben der wilden Sängerin nicht auf. Jehnny lief über die Bühne, setzte sich auf Monitor-Boxen, kletterte auf die großen Boxen-Türme und trieb die Musik mit ihrem Gesang wild an.

Das Konzert war etwas länger als die Headline-Show in Frankfurt, bestand aber aus den gleichen Songs in leicht abgewandelter Reihenfolge. Und es endete auch gleich. Jehnny lief an den Rand, zitierte den Text (das Manifest), der auf dem Albumcover abgedruckt ist und in das hypnotisch-klagende Fuckers mündet. "Don't let the fuckers get you down", immer und immer wieder.

Es war gut, es war wild, es war düster und es war vor allem enorm kurzweilig. Und es war auch wieder sehr irre. Jehnny sah androgyn wie beim Frankfurter Konzert aus. Sie hatte aber auch wieder extrem hohe Absätze an. Die hinderten die Sägerin nicht daran, von den hohen Boxentürmen aus mindestens 1,50 m Höhe runterzuspringen!

Setlist Savages, End Of The Road Festival:

01: I am here
02: Shup up
03: Give me a gun
04: City's full
05: Strife
06: Waiting for a sign
07: Flying to Berlin
08: She will
09: No face
10: Hit me
11: Husbands
12: Fuckers

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Savages, Frankfurt, 19.05.13
- Savages, Paris, 23.02.13


Mittwoch, 4. September 2013

Damien Jurado, End Of The Road Festival, 01.09.13

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Konzert:Damien Jurado (Folk singer & Birthday guesser)
Ort:Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival)
Datum: 01.09.2013
Dauer:50 min



"Die Musik ist ja toll, da muß ich den Typen nicht mögen," dachte ich mir, als ein sehr mürrisch aussehender Damien Jurado mit einem hässlichen Pullover- Strickjacken-Dings auf einem Plastik-Klappstuhl Platz nahm und sein 50 minütiges Programm startete.

Zwei Lieder lang hielt der Mann aus Seattle meine Vorurteile aufrecht, dann wurde er komisch. Nach Sheets ("is he still coming around like an injured bird needing a nest?") lobte er wie alle die wundervolle Garden Stage mit ihren Pfau-Gastgebern und wies darauf hin, daß es hinterher einen Merch-Verkauf gebe. "We're selling some peacock babies after the show. We... - I mean I.", um auf die leere Bühne hinter sich zu zeigen. "My band."

Er hätte gerne Gummistiefel mitgebracht, habe aber so große Füße, daß es dafür keine gebe. Als jemand etwas entgegnete und Damien dies nicht verstand fielen dem Amerikaner die ersten kulturellen Unterschiede auf. "You invented a language I don't even know."

Beim nächsten Dialog mit jemandem aus dem Publikum fragte Damien nach dessen Namen. Was auch immer der ihm antwortete, den Sänger brachte es auf eine Idee. "Da wir in England sind: sind irgendwelche Nigels hier? Nigel? Nein? Bernies? Keine Bernies?" Irgendwer (Nigel?) entgegnete etwas. "I am a 'figgled bugger'? What's that? A figgled bugger? I don't understand you!" Und weil er gerade richtig in Schwung gekommen war, bot er einem Zuschauer vorne seine Freundschaft und ein kleines Quiz an. "Lass mich deinen Geburtstag raten." Der anfangs so introvertierte Sänger lief nun über die Bühne und hatte offensichtlich Spaß an der neuen Entertainer-Rolle. "Remove your glasses and let me see your eyes." "Du hast im... November Geburtstag? Das stimmt? Irre! Ok, jetzt noch den Tag. Hmm, twenty... fifth?" - "Ja!" - "Was? Ich werde verrückt! Damien Jurado, folk singer and birthday guesser!" Dazu hüpfte er wie ein Springbock über die Bühne. Aber sofort kam wieder der Mann durch, der die traurige Lieder schreibt. "Das stimmte doch, oder hast du gelogen? You were lying to me? Son of a bitch! The show is not over, yet but our friendship is!"

"You're ruining my sad show!"

Natürlich war sie nicht ruiniert und obwohl ich mich ein klein wenig schlecht fühlte, weil ich mich nicht dem Konzert angemessen verhielt sondern laut über Damiens Sprüche lachte, war der kurze Auftritt wundervoll! Ich hatte den Sänger bisher nicht gesehen und kannte auch bei weitem nicht alle Lieder. Aber die Musik packte mich gleich. Auch ohne die Kaspereien wäre es einer der vielen Kandidaten fürs Konzert des Festivals gewesen. 

Das Set enthielt einige unveröffentlichte Stücke. Eines davon, Jericho Road war besonders großartig. Aber auch das vermutlich neue Lied danach (mit der Textzeile "don't waste your time") begeisterte mich sehr. Gemeinsam mit den Titel, die ich kannte, so sehr, daß ich mir den Amerikaner nicht mehr wie so oft vorher entgehen lassen werde, wenn er irgendwo in der Nähe spielt. Für ein versautes Konzert war es nämlich verflucht eindrucksvoll!

Setlist Damien Jurado, End Of The Road Festival:

01: Working title
02: Museum of flight
03: Sheets
04: Jericho Road (?)
05: ? ("don't waste your time" "there is work to be done")
06: Cloudy shoes
07: ? ("eternity begins")
08: Everything trying
09: Nothing in the news (?)
10: Rachel & Cali
11: Abilene
12: Let us all in

Links:

- aus unserem Archiv:
- Damien Jurado, Haldern, 11.08.12
- Damien Jurado, Paris, 14.03.12
- Damien Jurado, Paris, 11.09.10



Belle & Sebastian, End Of The Road Festival, 01.09.13

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Konzert: Belle & Sebastian
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival), England
Datum: 01.09.2013
Dauer: 90 min



Unter den vielen Lieblingsbands, die übers Lineup des End Of The Road Festivals verteilt waren, sind Belle & Sebastian mir die liebsten. Wenn ich nach den mir wichtigsten Künstlern gefragt werde (was nicht so oft passiert), kommen die Glasgower grundsätzlich in die Top 5 - als einzige noch aktive Band. Mich verbindet so viel mit ihrer Musik, alleine eine Liste mit all meinen bisherigen Belle & Sebastian Lieblingsstücken würde mich tagelang beschäftigen. Daß wahnsinnig viele von denen beim Wiedersehen auf einem Acker in North Dorset fehlten, machte das Konzert keinen Deut schlechter, als ich es mir erhofft hatte! Es war der letzte Glanzpunkt auf einem ohnehin strahlenden Festival. 


Mit der B-Seite der 2000er Single Legal man, dem Instrumental-Stück Judy is a dick slap begann die Show. Neben den Stammitgliedern der Band (ohne Trompeter und Bassist Mick Cooke!) standen vier Streicher (u.a. Cellistin Sarah Wilson) und ein Bläser auf der Bühne. Als Mick-Ersatz spielte David McGowan (Teenage Fanclub - wenn ich mich nicht total verguckt habe) Trompete und Gitarre.



Es folgte I'm a cuckoo von Dear catastrophe waitress in einer am Ende abgewandelten Version. Ich glaube, es gab eine andere Strophe am Schluß. Die nächsten Stücke gehören alle regelmäßig zum Programm von Belle & Sebastian Konzerten. Another sunny day, das von Stevie Jackson gesungene To be myself completely und Sukie in the graveyard (alle von The life pursuit) und Piazza, New York catcher spielen die Schotten oft. Allerdings fand ich die Version des Lieds über den Baseball-Spieler (Indie-Wissen: Stuart Murdoch ist Fan der Boston Red Sox) ein wenig lahm und zu sehr abgespeckt, dabei ist das Stück einer meiner Lieblinge. Stuart Murdoch hatte beim "Q & A" beim Bowlie 2010 sehr desillusionierend erklärt, wie Setlisten entstehen. "Ich schreibe die am Tag des Konzerts und schreibe die Songs auf, auf die ich Lust habe. Manche spielen wir immer, weil sie gut funktionieren." Offenbar gehörten diese dazu.


Eines der nicht oft gespielten Lieder kam sehr zu meiner Freude danach. The model von der beigen Platte (Fold your hand child, you walk like a peasant), die wie ich finde immer ein wenig unterschätzt wird, mag ich wahnsinnig gerne, hatte es aber noch nie gehört. 

Etwas später folgte Your cover's blown von der Books EP, das durch einen neuen Remix auf der gerade erschienenen Raritätensammlung The third eye center seine Renaissance erlebt. Ob es nun an der Wiederveröffentlichung lag oder ob Your cover's blown ein heimlicher Liebling ist, der Titel kam wahnsinnig gut an und war eines der besten Stücke des Konzerts.


Der Höhepunkt war allerdings das ganz kurze und unendlich schöne Simple things von The boy with the arab strap ("from the green album," wie Stuart Murdoch sagte). Hatte ich mich beschwert, daß meine Lieblinge (Like Dylan in the movies, Fox in the snow, I fought in a war, Belle & Sebastian, Dog on wheels, Lazy line painter Jane, This is just a modern rock song, My wandering days are over, State I am in, Expectations...) nicht gespielt wurden? Spätestens damit war das vergessen, für mich die schönsten anderthalb Minuten des Festivals.



Bei Boy with the arab strap rief Stuart Murdoch (Indie-Wissen: Lieblingskäse Wensleydale Cheese) Tanzwillige aus dem Publikum nach oben, etwas, was B&S seit einiger Zeit machen. Ich war dafür gerade leider zu weit weg, konnte auch nicht erkennen, ob einer meiner Freunde auf die Bühne gerufen wurde. Erzählt davon hat keiner.



Danach ging alles furchbar schnell - viel zu schnell - vorbei. Legal man (das ich nicht so gerne mag), das wundervolle Judy and the dream of horses und die einzige Zugabe Get me away I'm dying - und das Konzert war vorbei. Die Band hatte es eilig, sie war zum Signieren im Roughtrade Zelt eingeteilt.



Schlecht an dem Konzert war eigentlich nur eines. Ich habe wieder unendliche Lust, Belle & Sebastian Konzerte zu sehen und hoffe sehr, daß es nicht wieder zwei Jahre dauert.

Setlist Belle & Sebastian, End Of The Road Festival:

01: Judy is a dick slap
02: I'm a cuckoo
03: Another sunny day
04: The stars of track and field
05: I want the world to stop
06: To be myself completely
07: Sukie in the graveyard
08: Piazza, New York catcher
09: The model
10: If you're feeling sinister
11: Your cover's blown
12: I didn't see it coming
13: Simple things
14: The boy with the arab strap
15: Legal man
16: Judy and the dream of horses

17: Get me away from here, I'm dying

Links:

- aus unserem Archiv:
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10 
- mehr Fotos von Belle & Sebastian beim End Of The Road Festival


Dienstag, 3. September 2013

Jens Lekman, End Of The Road Festival, 01.09.13

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Konzert: Jens Lekman
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival), England
Datum: 01.09.2013
Dauer: 50 min

 

Drei der vier Bühnen des End Of The Road waren zwar schön dekoriert, aber ansonsten nichts Besonderes, verglichen mit denen anderer Festivals. Bühnen halt. Die größte, die Woods Stage liegt am Fuße eines Hügels auf einem Feld, die (Zirkus-) Zelt-Bühne oben am Hang und die Tipi-Tent-Stage in einem normalen rechteckigen Festzelt, das an ein paar namensgebenden Tipis angrenzte, in denen eine Kneipe untergebracht war. Die vierte Bühne, die Garden-Stage, lag ein wenig abseits davon in einer Gartenanlage. Der Zuschauerbereich wurde auf der einen Seite von hohen Bäumen, auf der anderen von Hecken begrenzt, dazwischen ein kleiner viktorianische Rundbau und eine Theaterbühne, deren konkave Rückwand mit verblassenden Malereien dekoriert ist. 


An der Bühne hing ein großer Deko-Pfau, dessen Schnabel eine Schallplatte abspielt. Im Gegensatz zu dem Bären, der Plakate, Taschen und T-Shirts des Festivals zierte, ist der Pfau nicht wegen seiner Niedlichkeit als Deko-Objekt gewählt, den Raum vor der Bühne müssen sich die Zuschauer nämlich mit einer ganzen Menge Pfauen teilen. Die leben da und wunderten sich vermutlich, falls ein Pfau sich wundert, was für komische Menschen drei Tage lang zu Besuch waren, auf ihrer Wiese saßen und merkwürdigem Krach zuhörten.

"Merkwürdiger Krach" wird sich J Mascis nicht unbedingt gedacht haben, als er nach Konzertbeginn von Jens Lekman kurz den Kopf durch die Bühnentür steckte, ganz offensichtlich war die Musik des Schweden trotzdem überhaupt nichts für ihn. Er ging nach wenigen Sekunden wieder. Dem Rest des vollgestopften Platzes gefiel es umso besser. Überall in den ersten Reihen sah man strahlende Gesichter, mitsingende und mitwippende Menschen (und einen Mann mit Hasenohren und Hasenschnurrbart).

Ich hatte Jens Lekman schon gesehen, dreimal sogar, was für einen Künstler, der nicht häufig in Deutschland spielt ok ist, mag am liebsten seine älteren Lieder (von denen er kaum eines spielte), empfand das Konzert aber trotzdem als eines der ganz besonderen des Festivals. 



Die Band an Jens' Seite war vermutlich die vom letzten Konzert in Frankfurt im Dezember. Ob der Keyboarder damals schon dabei war, weiß ich nicht, an die Bassistin mit ihren Rockstar-Gesten, deren grundsätzliche Ekligkeit* von ihrem sonnigen Lachen weggestrahlt wurden und die Geigerin mit dem verschmitzten Lächeln erinnerte ich mich gut.



Auch die meisten Geschichten, die der Schwede erzählte, kannte ich bereits. Die von der Überlegung, eine Freundin in Australien zu heiraten, um dort bleiben zu dürfen oder die von Kirsten Dunst, der er in Göteborg vergeblich hinterhersalkte. Aber sie sind auch zu gut, um sie zu verändern oder zu verschweigen.


Die Kombination aus fröhlichen Liedern, lachenden Musikern, Konfetti und den oft trübsinnigen Texten ist vermutlich das, was mich so sehr an Jens Lekmans Musik begeistert. Zu viel Schmalz manchmal? Die scheußlichen Eurodisco-Rhythmen als Übergang zwischen Into eternity und Sipping on the sweet nectar? Geschenkt! Nichts davon kann auch nur ein wenig gegen Jens' anstinken, wenn er bei The opposite of Hallelujah Luftglockenspiel spielt. Oder einen Knüller wie Black cab singt!

Oh, das war ein wunderschönes Konzert. Daß J Mascis es sich nicht ansehen wollte, wird Jens Lekman verkraften. Schließlich mag ihn ja Kirsten Dunst. Aber jetzt wiederhole ich mich.

Setlist Jens Lekman, End Of The Road Festival:

01: Every little hair knows your name (Intro)
02: Golden key
03: The opposite of Hallelujah
04: An argument with myself
05: Waiting for Kirsten
06: Black cab
07: I know what love isn't
08: The end of the world is bigger than love
09: Into eternity
10: Sipping on the sweet nectar
11: Maple leaves

Links:

- aus unserem Archiv:
- Jens Lekman, Frankfurt, 01.12.12
- Jens Lekman, Düsseldorf, 15.10.11
- Jens Lekman, Frankfurt, 24.02.08

* die der Gesten



Sonntag, 1. September 2013

Anna von Hausswolff, End Of The Road Festival, 31.08.13

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Konzert: Anna von Hausswolff
Ort: Larmer Tree Garden (End Of The Road Festival), England
Datum: 31.08.2013
Dauer: 45 min



von Thomas von My Favourite Chords

Das musikverrückte Publikum hatte es im liebevoll aufgemachten Programmheft des End Of The Road-Festivals schnell als Ärgernis ausgemacht: Anna von Hausswolffs Auftritt sollte sich zeitlich mit denen von Daughter und Warpaint überschneiden. Ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben, schien ich, den Samstagabend nicht zu überstehen. Warpaint waren zumindest an diesem Abend nicht in der Stimmung, mir unnötig Steine in den Weg zu legen. Die vier Kalifornierinnen probierten gleich fünf neue (größtenteils gitarrenfreie) Songs aus, wirkten bei diesem Experiment aber ungewöhnlich unsicher und nervös. Zudem haderten sie mit Technik und Bühnensound. Vielleicht auch deshalb ertönten die ersten düsteren Keyboard-Klänge Anna von Hausswolffs vor unerwartet vielen Zuschauern. 

Nach und nach setzten Gitarrenfeedback und wohl dosierte, harte Schläge auf dem Schlagzeug ein. Die Setlist war dieselbe wie die ihres Auftrittes beim Haldern Pop Festival. Aus dem meditativen Liturgy of Light entspann sich das spannungsgeladene Instrumentalstück Epitaph of Theodor, das das herausragendes Album Ceremony eröffnet. Wer dieses schätzt, weiß, dass sich das Warten auf den ersten Gesangston der 26-jährigen Schwedin auszahlt. Beeindruckend war dennoch, in welcher Seelenruhe diese kindlich-wirkende Gestalt die kräftigen und voluminösen Melodien im folgenden Deathbed auch in Konzertatmosphäre vorträgt. Als Daughter auf der Garden Stage zu spielen begannen, setzte von Hausswolff mit Mountains Crave ihren besten Song dagegen und zog so selbst die übrig-gebliebenen Daughters-Fans im Raum in ihren Bann. 

„Bevor wir diese Bühne betraten, waren wir nicht sicher, ob wir es hinbekommen, dass der Synthesizer wirklich nach einer Orgel klingt. Könnt ihr die Orgel hören?“, fragte von Hausswolff schüchtern lächelnd. Ceremony spielte sie komplett auf einer Göteborger Kirchenorgel ein, was die Reproduzierbarkeit im Rahmen eines Konzertes außerhalb von Kirchen erschwert. Ausgleichend verfügt von Hausswolff glücklicherweise über diese majestätisch-einnehmende Stimme, die Album wie Konzert zu einem einzigartigen Klangerlebnis macht. Ein zweiter Keyboarder erzeugte die charismatischen Bass-Drones ihres Albums, ein Schlagzeuger und zwei Gitarristen vervollständigten die (nicht optisch aber auf jeden Fall klanglich) perfekt harmonierende Band. Während die fünf Musiker ihre morbiden Hymnen in ohrenbetäubender Lautstärke wiedergaben, lächelte von Hausswolff immer wieder zufrieden über ihr Instrument. 

Darunter stampfte sie mit schweren, schwarzen Stiefeln permanent wie eine Wahnsinnige rhythmisch auf den Holzboden der Zeltbühne. "Ein Freund erzählte mir, dass ich mich in England auf Regen und Matsch vorbereiten soll. Deshalb trage ich mein Winter-Outfit", sagte die Musikerin entschuldigend. Ihr Outfit bescherte ihr gegenüber vielen Zuschauern den Vorteil, keinen Sonnenbrand ertragen zu müssen. Außerdem passte sie mit ihrer schwarz-orangenen Kutte wunderbar in die elfenhafte Natur des Festivals, in die sie unmittelbar, nachdem sie sich artig vor ihrem aufmerksamen Publikum verbeugt hatte, eilig verschwand, vermutlich um sich die letzten dreißig Minuten des Daughter-Auftritts nicht entgehen lassen. Diese hatten sich Hits wie Human und Youth aufgespart. Entgegen aller Befürchtungen verpasste ich also kaum einen musikalischen Höhepunkt des Festivalabends. 

Links:

- Anna von Hausswolff, Haldern-Pop Festival, 10.08.13

Foto: Archiv (Haldern)




Warpaint, End Of The Road Festival, 31.08.13

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Konzert: Warpaint
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival), England
Datum: 31.08.2013
Dauer: gut 55 min



Am Nachmittag sprach ich kurz mit Elena Tonra von Daughter. "Das wird nachher ein ganz schöner Streß. Ihr fangt unmittelbar nach Warpaint an, da muß ich rennen!" - "Guck auf alle Fälle Warpaint bis zum Schluß und komm erst danach zu uns, ok?! Was siehst du dir danach an? Sigur Rós?" - "Ja!" - "Gut! Und anschließend dann doch auch Polica, oder?" - "Ja!" - "Sehr gute Wahl!"




Probleme, wie sie mir der Samstagabend bereitet haben, sind normalen Menschen kaum zu vermitteln. Aber dafür gibt es ja Tagebücher.

Daughter und Warpaint sind die beiden neuen Bands der letzten Jahre, die auf mich den nachhaltigsten Eindruck gemacht haben. Ihre EPs und Platten gehören zu meinen Lieblingen, die Konzerte waren aber noch einmal eine Ecke packender. Und obwohl ich beide Bands in den letzten zwei Jahren sehr oft gesehen habe, waren beide der Hauptgrund, zum End Of The Road Festival zu fahren.

Da es gleich weitergeht, hier vorab eine Kurzversion!

Warpaint begannen mit Verspätung. Das hatte ich bei Festivals bei den Amerikanerinnen schon mehrfach erlebt. "Frauenband aus LA", da bimmeln bei mir sofort Diva-Alarmglocken. Da die vier Musikerinnen aber grundsätzlich ihren Soundcheck selbst machen und auch sonst vollkommen unverzickt wirken, lagen diese Verzögerungen wohl an technischen Problemen oder dem Streben nach perfektem Sound. 

Als es losging und der erste alte Liebling (Bees) gespielt war, folgten insgesamt vier neue Lieder. In einem kurzen, knapp einstündigen Set bei einem Festival auf der Hauptbühne eine mutige Entscheidung. Ich kann nicht einschätzen, wie groß Warpaint in Großbritannien sind und wie viele Zuschauer sie gut kannten und enttäuscht wurden, daß viele "Hits" fehlten (in der ersten Reihe standen zwei Leute mit Warpaint Tattoos), da mir die neuen Lieder auf Anhieb so gut gefielen, daß ich keinerlei Sorgen habe, das neue Album nicht zu mögen, war es ein sehr gutes Konzert, das aber nicht an Clubshows rankommt, wie die in der Brotfabrik oder der KulturKirche 2010 und 2011.

Ungewöhnlich unter den neuen Liedern waren High, das komplett ohne Gitarren auskommt - Theresa und Emily sangen und spielten Keyboard. Love is to die (Theresa wieder am Keyboard) hat einen Bruch und Melodiewechsel am Ende, gefiel mir insgesamt sehr gut. Am meisten Eindruck hinterlassen hat aber No way out, das sehr lahm anfing und einen komischen off-beat Rhythmus hatte, bis es plötzlich Fahrt aufnimmt und mit dem immer wiederkehrenden Refrain wahnsinnig gut wird! Neben Elephants in einer neuen Langversion und dem viel zu selten gespielten Krimson war das mein Liebling des kurzen Sets. 

Setlist Warpaint, End Of The Road Festival:

01: Bees
02: Keep it (?) (neu)
03: High (neu)
04: Undertow
05: Love is to die (neu)
06: No way out (neu)
07: Elephants
08: Krimson
09: Baby (Emily solo)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Warpaint, Rüsselheim, 20.07.12
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Prag, 10.07.12
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10
- unser Interview mit Warpaint (Stella)


Samstag, 31. August 2013

David Byrne & St. Vincent, Larmer Tree Gardens, 30.08.13

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Konzert: David Byrne & St. Vincent
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of  The Road Festival), England
Datum: 30.08.2013
Dauer: gut 80 min




Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte dieses Konzert auch in einem Musical-Theater oder auf einem Kreuzfahrtschiff stattfinden können. St. Vincent, die (früher sehr verhutschelte) amerikanische Sängerin im Coctail-Kleidchen, David Byrne, die Musiklegende im weißen Dinnerjacket mit schwarzem Hemd und weißen Hosenträger und dazu die NDR Bigband mit zig Bläsern, die gemeinsam mit den beiden Sängern raffinierte Choreographien, die man sonst nur von amerikanischen Marching Bands in College-Football-Stadien kennt, aufführten. Klingt weder nach einem Headliner eines exzellent besetzten Indiefestivals noch nach einem guten Konzert. 


Aber das war es. Wobei "gutes Konzert" der Show überhaupt nicht gerecht wird.

Ich hatte erst sehr spät gemerkt, wie sehr ich mich eigentlich auf diesen Auftritt freue. Zu viele andere Knüller - die meisten aktuellen Lieblingsbands - sind im Lineup des End Of The Road Festivals (heute Warpaint und Daughter, gestern Allo Darlin' und Savages, morgen Jens Lekman und Belle & Sebastian und zig andere). Daß diese außergewöhnliche Kooperation zwischen dem Talking Heads Sänger und der jungen Amerikanerin auch grandios zu werden versprach, kam mir erst vor ein paar Tagen in den Sinn. Daher keine Chance, das zu verpassen!


Als ich zur Woods Stage, der großen Bühne des Festivals kam, zwitscherten von Band Vogelgeräusche. Eine erste Talking Heads Verbeugung. Auf der Bühne lagen allerlei Instrumente. Posaunen, Trompeten, ein Saxophon, Gitarren und in der Mitte ein Sousaphon!


Punkt halb zehn kamen von überall Musiker, alle sehr chic gekleidet und stellten sich hinter die beiden Sänger. Elf meine ich gezählt zu haben. Bis auf einen Keyboarder und den Schlagzeuger alles Blasmusiker. "Brass attack", beschrieb Annie Clark das irgendwann. 

Alle Lieder waren voll durchchoreographiert. Alle Bewegungen schienen geplant und oft geprobt. So etwas kann man schrecklich finden, mir geht das meist so. Aber selbst wenn man die offensichtliche Ironie dahinter ausblendet, hätte dies dem Konzert gestanden! Im Gegensatz zu seiner Kollegin trug David Byrne ein Headset-Mikro (so ein Dings, das Fernsehmoderatoren vor dem Mund haben). Er konnte als wandern, über die Bühne tänzeln, sich zu unser aller Freude oft zum Affen machen - und er schien das zu genießen! Bei einigen Liedern bewegten sich die Musiker in festen Figuren über die Bühne. Es erinnerte oft an die schrecklichen Folkloretänze bei olympischen Eröffnungsfeiern. Nur eben in gut.

Die Zugabe The party (ein St. Vincent Stück) mündete zum Beispiel darin, daß die (ihre Instrumente spielenden) Musiker sich walzertanzend drehten.


Das Programm ähnelte dem von vielen der letzten Auftritte. Eine solch komplett koordinierte Show erfordert das. Weil ihre gemeinsamen Konzerte in Theatern offenbar viel länger sind, gab es eine abgespeckte Festival-Version, die immer noch 80 min lang war. Die Stücke waren also die bekannte Mischung aus Solo-Liedern der beiden, gemeinsamen Titeln und Talking Heads-Songs.


Wenn das ein oder andere Lied ein wenig schwächer war, machte es all das, was auf der Bühne passierte wieder spannend. Allerdings haben gemeinsame neuere Songs es ja auch nicht leicht gegen Konkurrenten wie Wild wild life auf der gleichen Setlist. Es waren aber auch nur wenige unspannendere Stücke, die mir vielleicht auch einfach zu unvertraut sind.


Vertraut waren mir die fünf Talking Heads Songs. Ich bin zwar nicht mit dieser Band groß geworden, habe sie erst ab Naked, ihrer letzten Platte "live" miterlebt, trotzdem haben viele ihrer Lieder meine Jugend musikalisch geprägt.  Viele, viele Jahre später erst Tina Weymouth und Chris Frantz als Tom Tom Club (u.a. mit Psycho Killers) zu sehen und jetzt David Byrne, ist ein schöner Zufall und war musikalisch beide Male brillant. Bei This must be the place führte David einen herrlich verrückten Ausdruckstanz auf. Wild wild life steigerte die kollektive Talking Heads Begeisterung, die in Burning down the house richtig ausbrach. Bei Road to nowhere, der zweiten Zugabe nach der Walzer-Tanz-Party, brachen alle Dämme. Jeder, wirklich jeder brüllte vom ersten Ton an mit. Atemberaubend! Jetzt kann noch kommen, was wolle. Den einen weltbewegenden Moment hatte das Festival schon. Und das Jahr!

Mein Vorfreude-Alarm hatte recht. Das Konzert war fabelhaft! Und natürlich war das vollkommen zurecht einer der drei Headliner! Sigur Rós werden sich heute sehr strecken müssen, um auch nur annähernd an die Blasmusik-Polonaisen von Annie und David ranzukommen!

Bei aller Brillanz stachen zwei Sachen noch heraus. Als die Band zur Zugabe erschien, kamen sie nicht alle gleichzeitig. Einer der Musiker nach dem anderen kam zurück auf die Bühne und spielte den immer gleichen Ton, der durch die wachsende Zahl der Blasinstrumente immer fetter wurde aber auch monoton (haha) blieb. Das war das Intro zu The party - und es war wundervoll!


Nach Road to nowhere, das weitestgehend als Polonaise aufgeführt wurde, ging die Band auch so von der Bühne und spielte instrumental weiter. Man hörte also die immer leiser werdende Musik aus dem Hintergrund. Ich bin sicher, sie haben bis in den Bus weitergespielt. 


Zwischendurch hatte es fies und kalt geregnet und mich ein dämlicher Kleinkünstler, der doofe farbverändernde Kugeln an Schnüren durch die Luft drehte, was ich im Augenwinkel sah, genervt. Aber das prallte alles an dem großen Spektakel vorne ab!

Setlist David Byrne & St. Vincent, End Of The Road Festival:

01: Who
02: Weekend in the dust
03: Strange overtones (David Byrne & Brian Eno)
04: Marrow (St. Vincent)
05: This must be the place (Talking Heads)
06: The forest awakes
07: Like humans do (David Byrne)
08: Lightning
09: Wild wild life (Talking Heads)
10: Cheerleader (St. Vincent)
11: Lazy (David Byrne)
12: I should watch TV
13: Northern lights (St. Vincent)
14: The one who broke your heart
15: Cruel (St. Vincent)
16: Burning down the house (Talking Heads)

17: The party (St. Vincent) (Z)
18: Road to nowhere (Talking Heads) (Z)

Links:

- mehr Fotos
 




 

Konzerttagebuch © 2010

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