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Montag, 11. Mai 2015

Marika Hackman, Köln, 10.05.15

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Konzert: Marika Hackman
Ort: Blue Shell, Köln
Datum: 10.05.2015
Dauer: Marika Hackman 55 min, Mari Mana gut 35 min
Zuschauer: etwa 40



Ihr werde immer wieder vorgeworfen, daß sie während eines Konzerts grimmig gucke, sagte Marika Hackman nach den ersten beiden Liedern am Sonntagabend. Das liege an der "sad, disturbing nature" ihrer Songs. Dazu sehe ein Lächeln einfach dämlich aus. Sie lachte dabei. Ohnehin schien die Britin viel Spaß an ihrem ersten eigenen Konzert in Köln zu haben, obwohl das Blue Shell schrecklich leer geblieben war. Dabei hatte die Sängerin aus Brighton 2013 Laura Marling im Stollwerck supportet und sollte damit in Köln nicht mehr unbekannt sein. 

Ich war ehrlich gesagt auch nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee sein würde, den Abend im Blue Shell zu verbringen oder ob ich mich nicht langweilen würde. Ich hatte Marika Hackman noch nicht gesehen. Beim End Of The Road Festival 2013 hatte ich ihrem Auftritt im überfüllten Tipi Zelt (das keines war - lange Geschichte) wegen der lustigen Bo Ningen aus Japan, die parallel spielten, ausgelassen.

Marikas im Februar erschienene Debüt-Platte We slept at last kannte ich auch nicht, es hätte also durchaus ein Ausflug sein können, den ich bereut hätte. Wurde es aber nicht. Gleich mit den ersten Lieder hatte mich* die Frau in der Jogging-Hose und dem Sweatshirt.** Spätestens beim vierten Lied (Deep green) war ich begeistert. Immer wieder erstaunlich, wie sehr man mit einer Gitarre und einer guten Stimme fesseln kann. Jedenfalls dann, wenn das Talent zum guten Songwriting ebenfalls reich vorhanden ist.

Marika wechselte zwischen zwei akusischen und zwei elektrischen Gitarren. Mir gefielen die Stücke mit E-Gitarre besser (Deep green, Animal fear), dachte ich. Zwei der größten Knüller des Abends (Skin, Ophelia) spielte die Britin aber auf einem der akustischen Instrumente. 

Marika Hackmans Texte sind allerbeste Unterhaltung, sofern man nicht allzu lebensbejahend ist. Die Geschichten hinter Zeilen wie "Lovers are unkind", "I'm a broken ship, a sinking mast" oder "I have no head, the forest floor is my bed, the leaves that fall I use as a blanket, for my bones are as cold as lead" mag ich mir gar nicht näher ausmalen. Der Wald-Text stammt aus Monday afternoon, einem weiteren "dieser Mitklatsch-Lieder", wie Marika einleitete. Das Liebeslied handelt davon, in den Wald zu gehen, um die Liebe zu finden und beim Warten zu sterben. "Lay on your back, breathe it in, the sickly sweet of my rotting skin", kommt auch nicht in jedem romantischen Song vor. Während sie das Album geschrieben habe, habe sie so schlecht geschlafen, daß sie sich selbst ein Schlaflied geschrieben habe. Auch das (Claude's girl) spielte sie in dem kurzen aber extrem schönen Konzert.

Marika Hackman covert immer wieder fremde Stücke. Auf einer ihrer EPs ist auch eine Version von Burgundy von Warpaint. Leider spielte sie das nicht, stattdessen '81 von Joanna Newsom. Aber auch das war gelungen, kam allerdings nicht an die eigenen Songs ran.

Nach 55 Minuten war Schluß. Eine Zugabe spielte die Britin trotz sehr gewogenem Publikum nicht.

Natürlich war es eine gute Idee, den Abend im Blue Shell zu verbringen. Die morbiden Träume, die er verursachen wird, nehme ich dafür gerne hin.

Setlist Marika Hackman, Blue Shell, Köln:

01: Retina television
02: Drown
03: Cannibal
04: Deep green
05: Next year
06: Itchy teeth
07: Monday afternoon
08: Animal fear
09: Claude's girl
10: Ophelia
11: '81 (Joanna Newsom Cover)
12: Before I sleep
13: Let me in
14: Skin
15: Cinnamon

Links:

- aus unserem Archiv:
- Marika Hackman, Larmer Tree Gardens, 01.09.13


 

* Musikjournalisten-Sprache
** auf dem Land auch Sweetshirt


mehr Fotos später



Mittwoch, 11. September 2013

Angel Olsen und Marika Hackman, End Of The Road Festival, Dorset, 31.08.und 01.09.13

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Konzerte: Angel Olsen und Marika Hackman
Ort: Larmer Tree Garden, End Of The Road Festival, North Dorset; Garden Stage (Angel), Tippi Tent (Marika)
Datum: Samstag 31. August (Angel Olsen), Sonntag 1. September (Marika Hackman)
Zuschauer: jeweils viele, vor der größeren Gardenstage allerdings mehr
Konzertdauer: Angel etwa eine Stunde, Marika etwa 40-45 Minuten


Zwischen Christoph und mir herrscht hinsichtlich der Berichterstattung über Festivals inzwischen ein leichter Dissens. Ich halte die Abtrennung einzelner Konzerte in separate, ausführliche Artikel nicht für zweckmäßig und den Umständen bei Festivals nicht angemessen, Christoph hält daran fest. Beide Varianten sind sicherlich vertretbar.

Im vorliegenden Fall möchte aber auch ich zwei junge Singer/Songwriterinnen abtrennen und nicht in eine Berichterstattung über einen ganzen Tag packen, weil man hier wunderbar Vergleiche anstellen kann. Bekanntlich soll man ja Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Und Angel Olsen und Marika Hackman sind sicherlich beide Äpfel (oder beide Birnen, ganz wie man will), also auf jeden Fall vergleichenswert, aber doch so anders.

Erst einmal die Gemeinsamkeiten: beide sind sie sehr jung, beide spielten sie beim End Of The Road Festival nur ganz allein auf der Akustikgitarre und beiden traue ich zu, in Zukunft noch deutlich bekannter zu werden.

Aber was sind die Unterschiede? Nun, beim End Of The Road Festival war zunächst einmal die Bühne nicht die gleiche für die Beiden. Angel durfte auf der Freiluftbühne Garden Stage spielen, Marika Hackman musste mit dem Tippi Tent vorlieb nehmen. Vorteil Angel also, wenngleich es gar nicht so leicht war, die Leute auf der ungleich größeren Garden Stage zu unterhalten. "Etwas dröge" nannte ein Zuschauer hinterher den Auftritt der Amerikanerin bisweilen, ich hingegen war durchgängig gefesselt. Und dies obwohl die recht pfundige (warum quetscht sie sich in ein zwar schönes, aber viel zu enges Kleid?) Olsen in der Tat fast immer den gleichen eindimensionalen Tunnelblick drauf hatte. Musikjournalisten werden sicherlich deshalb gleich schon wieder mit Nico kommen, die auch immer so abwesend geglotzt hat, da ich aber Nico live selbst nie gesehen habe, belasse ich es bei der Feststellung, daß Olsen traumversunken und weggetreten wirkte, wenn sie sang. Und wie sie sang! Himmlich! Lieblich, aber auch launisch greinend klang ihre Stimme und nicht selten dachte ich an Marissa Nadler mit ihrem morbiden Organ und den schwarzen, gothisch angehauchten Texten. Deutlich merkte man, daß Angel einen gewissen Hang zur Inszenierung, zum Drama hatte und hat, einen Zug, den ich bei Marika Hackman nicht ausmachen konnte. Die Blondine intonierte gleichbleibend weich, samt und angenehm, überraschte selten mit unangepassten Tönen. Ihre Musik war definitiv poppiger, weniger geerdet und auch weniger an klassische Folksängerinnen wie Vashti Bunjan oder Jude Sill angelehnt wie das bei Angel Olsen der Fall war. Beide beindruckten dennoch auf ihre ganz eigene Weise, bei beiden spürte man, daß sie persönliche Geschichten zu erzählen hatten.

Angel Olsen erzählte zum Beispiel vom Acrobat und das gleich im ersten gleichnamigen Song: "You are the crazy acrobat. You are the witch, I am your cat. I want to be a bit like you, I hope you don't mind... If i do." sang sie mit ihrer faszinierenden, oft langgezogenen Stimme und jodelte bei manchen Stellen fast. Ein düster wirkender Song, fast wie ein Klagegesang und dies bei herrlichstem Sonnenwetter auf der Garden Stage. Bei Angel Olsen passte auch, was Damien Jurado gesagt hatte: "meine Songs sind viel zu traurig für das schöne Wetter." Ein anderes schwermütiges Lied hieß dann schon gegen Ende Some Things Cosmic und das klang wirklich so verdammt nach Marissa Nadler, daß ich gaubte, die schwarzhaarige Amerikanerin vor mir zu haben. Zufall? Ich denke schon, ich denke nicht, daß da bewusst imitiert wurde. "I'm floating away" jodelte Angel, verzog aber weiterhin kaum eine Miene. Zwischen den Songs lächelte sie aber immer mal wieder und bewies auch Humor als sie zu sich selbst sagte, sie solle nicht fluchen.

Eine anziehende Persönlichkeit, diese Angel Olsen, aber auch ziemlich verstörend und mysteriös. Was sie dachte, wusste man nicht so recht und man fragte sich auch, warum sie so traurig. Sie gab und gibt einem Rätsel auf, das macht sie interessant, aber es ist kein Bluff, denn sie verfügt zweifelsohne über riesiges Talent.

Talent, daß man natürlich auch der schüchternen und (anscheinend) einfacher zu durchblickenden Marika Hackman attestieren kann. Ihre Stimme war einfach wundervoll weich und trostspendend, ganz natürlich, so wie man das auch von This Is The Kit oder auch Anna Ternheim her kennt und liebt. Bei ihr gab es kein Jodeln wie Angel Olsen, sie sang ihre Stücke ohne Ausreißer nach oben oder unten durch. Eintönig war die Angelegenheit deshalb noch lange nicht. Dafür sorgten schon allein die zahlreichen guten Songs. Diese stammten zum Großteil von dem wundervollen Machwerk That Iron Taste (eine EP? Ein kurzes Album? Hmm...), die man im Rough Trade Store auf der Anlage des Festivals kaufen konnte.

Man findet darauf solche Perlen wie Bath Is Black, Cannibal oder auch You Come Down, die beim End Of The Road freilich in einer abgespeckten Version geboten wurden, da Maricka eben nur die Akustikgitarre zur Verfügung stand. Am Ende musste die hübsche Marika zahlreiche Autogramme schreiben und ich liess sie auch noch kurz wissen, daß Paris sehnlich auf ein Konzert mit ihr wartet. Ich denke auch Köln und Berlin würden sie gerne und baldigst empfangen.





Fazit: Die zwei Damen werden beide ihren Weg gehen, davon bin ich überzeugt. Es spricht für die Güte des End Of The Road Festivals, daß sie die beiden Mädels für sich gewinnen konnten. Und es spielten ja noch viele anderen Talente wie z.B. Jessica Pratt oder Diana Jones, die ich aber beide leider nicht sehen konnte.


 

Konzerttagebuch © 2010

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