Sonntag, 1. September 2013

Anna von Hausswolff, End Of The Road Festival, 31.08.13


Konzert: Anna von Hausswolff
Ort: Larmer Tree Garden (End Of The Road Festival), England
Datum: 31.08.2013
Dauer: 45 min



von Thomas von My Favourite Chords

Das musikverrückte Publikum hatte es im liebevoll aufgemachten Programmheft des End Of The Road-Festivals schnell als Ärgernis ausgemacht: Anna von Hausswolffs Auftritt sollte sich zeitlich mit denen von Daughter und Warpaint überschneiden. Ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben, schien ich, den Samstagabend nicht zu überstehen. Warpaint waren zumindest an diesem Abend nicht in der Stimmung, mir unnötig Steine in den Weg zu legen. Die vier Kalifornierinnen probierten gleich fünf neue (größtenteils gitarrenfreie) Songs aus, wirkten bei diesem Experiment aber ungewöhnlich unsicher und nervös. Zudem haderten sie mit Technik und Bühnensound. Vielleicht auch deshalb ertönten die ersten düsteren Keyboard-Klänge Anna von Hausswolffs vor unerwartet vielen Zuschauern. 

Nach und nach setzten Gitarrenfeedback und wohl dosierte, harte Schläge auf dem Schlagzeug ein. Die Setlist war dieselbe wie die ihres Auftrittes beim Haldern Pop Festival. Aus dem meditativen Liturgy of Light entspann sich das spannungsgeladene Instrumentalstück Epitaph of Theodor, das das herausragendes Album Ceremony eröffnet. Wer dieses schätzt, weiß, dass sich das Warten auf den ersten Gesangston der 26-jährigen Schwedin auszahlt. Beeindruckend war dennoch, in welcher Seelenruhe diese kindlich-wirkende Gestalt die kräftigen und voluminösen Melodien im folgenden Deathbed auch in Konzertatmosphäre vorträgt. Als Daughter auf der Garden Stage zu spielen begannen, setzte von Hausswolff mit Mountains Crave ihren besten Song dagegen und zog so selbst die übrig-gebliebenen Daughters-Fans im Raum in ihren Bann. 

„Bevor wir diese Bühne betraten, waren wir nicht sicher, ob wir es hinbekommen, dass der Synthesizer wirklich nach einer Orgel klingt. Könnt ihr die Orgel hören?“, fragte von Hausswolff schüchtern lächelnd. Ceremony spielte sie komplett auf einer Göteborger Kirchenorgel ein, was die Reproduzierbarkeit im Rahmen eines Konzertes außerhalb von Kirchen erschwert. Ausgleichend verfügt von Hausswolff glücklicherweise über diese majestätisch-einnehmende Stimme, die Album wie Konzert zu einem einzigartigen Klangerlebnis macht. Ein zweiter Keyboarder erzeugte die charismatischen Bass-Drones ihres Albums, ein Schlagzeuger und zwei Gitarristen vervollständigten die (nicht optisch aber auf jeden Fall klanglich) perfekt harmonierende Band. Während die fünf Musiker ihre morbiden Hymnen in ohrenbetäubender Lautstärke wiedergaben, lächelte von Hausswolff immer wieder zufrieden über ihr Instrument. 

Darunter stampfte sie mit schweren, schwarzen Stiefeln permanent wie eine Wahnsinnige rhythmisch auf den Holzboden der Zeltbühne. "Ein Freund erzählte mir, dass ich mich in England auf Regen und Matsch vorbereiten soll. Deshalb trage ich mein Winter-Outfit", sagte die Musikerin entschuldigend. Ihr Outfit bescherte ihr gegenüber vielen Zuschauern den Vorteil, keinen Sonnenbrand ertragen zu müssen. Außerdem passte sie mit ihrer schwarz-orangenen Kutte wunderbar in die elfenhafte Natur des Festivals, in die sie unmittelbar, nachdem sie sich artig vor ihrem aufmerksamen Publikum verbeugt hatte, eilig verschwand, vermutlich um sich die letzten dreißig Minuten des Daughter-Auftritts nicht entgehen lassen. Diese hatten sich Hits wie Human und Youth aufgespart. Entgegen aller Befürchtungen verpasste ich also kaum einen musikalischen Höhepunkt des Festivalabends. 

Links:

- Anna von Hausswolff, Haldern-Pop Festival, 10.08.13

Foto: Archiv (Haldern)




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