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um
12:27
Konzert: Sigur Rós
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival)
Datum: 31.08.2013
Dauer: gut 100 min
Das End Of The Road Festival in Süd-West England hat eine merkwürdige Bühnenverteilung. Die Bühnen selbst sind zwar bunt geschmückt, sonst aber nicht ungewöhnlich. Es gibt ein Zirkuszelt, eine kleinere Bühne im Wald, eine weitere in einem kleineren Zelt. Die offene Hauptbühne liegt allerdings am Fuße einer stark abfallenden Wiese, die voll mit dicken Steinbrocken ist (Stonehenge ist nicht weit). Weil so englische Nächte sehr düster sein können und der Acker unbeleuchtet war, war der Weg zu den Headlinern ähmmm... steinig.
Aber er lohnte sich immer. Den ersten Tag beendete dort eine große Musikrevue von David Byrne und St. Vincent, den letzten eine hervorragende Show der schottischen Lieblinge Belle & Sebastian. Der Samstag gehörte Sigur Rós - und der Auftritt der Isländer war zwar nicht so spektakulär wie der des Talking Head Sängers Byrne oder die Sigur Rós Tour vor ein paar Jahren, bei der ich sie erstmals im Palladium gesehen hatte, er war aber durch und durch wunderbar und passte perfekt zu Festival und Atmosphäre.
Die Bühne war wie bei allen folgenden Konzerten im Herbst mit hunderten Glühbirnen dekoriert, die auf verschieden hohen Ständern montiert waren. Das war in den großen Hallen stimmungsvoll, in der Dunkelheit des Festivals aber ungleich schöner.
Bis auf die Phantasie-Uniformen und die vielen Lampen verzichteten Sigur Rós ansonsten auf Bühnendeko. Es gab aber auch keinen Platz mehr. Alles andere hatte musikalischen Wert - die unzähligen Glöckchen, die vielen Instrumente und die Streicher und Bläser im Bühnenhintergrund.

Auch wenn mein Sigur Rós Konzert in der ausgezeichneten Akustik der Rockhal im luxemburgischen Esch hervorragend war (und ich mir nur schwer vorstellen kann, daß eines der anderen Konzerte der Hallentour besser war), war der Auftritt beim End Of The Road Festival magischer (na gut, da sind mir die Gäule durchgegangen. "Magisch" ist ein Begriff, der in Konzertberichten nichts zu suchen hat. Weil aber der Isländer an Trolle und Elfen glaubt, lasse ich ihn mir durchgehen. Kommt aber nicht wieder vor, versprochen!). Die Setlist mit Olsen Olsen, E-bow (beste Lieder!) und Svefn-g-englar war besser als sonstwo und nahezu perfekt (nur fehlte Ágætis byrjun, das sie dann in der Rockhal spielten), der schwarze Himmel und die andächtig und staunend zuguckenden Zuschauer (ohne Mitklatsch-Krankheit) der Rahmen, den ein solches Konzert verdiente.
Am Ende von langen Festival Tagen fällt es mir schwer, noch genügend aufnahmefähig zu sein. Daß mich beim End Of The Road alle drei Headliner so sehr packten, lag auch daran, wie angenehm in jeder Hinsicht die Festivaltage vorher waren. Es lag aber natürlich vor allem an der Brillanz der Künstler!
Setlist Sigur Rós, End Of The Road Festival:
01:
Yfirborð
02: Brennisteinn
03: Glósóli
04: Vaka
05: E-bow
06: Sæglópur
07: Hrafntinna
08: Varúð
09: Hoppípolla - Með Blóðnasir
10: Olsen Olsen
11: Kveikur
12: Festival
13: Svefn-g-englar (Z)
14: Popplagið (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Sigur Rós, Frankfurt, 24.11.13
- Sigur Rós, Düsseldorf, 25.11.13
- Sigur Rós, Esch-sur-Alzette, 23.11.13
- Sigur Rós, Rom, 28.07.13
- Sigur Rós, Best Kept Secret Festival, 23.06.13
- Sigur Rós, Wien, 04.09.12
- Sigur Rós, Paris, 15.11.08
- Sigur Rós, Köln, 11.08.08
um
17:32
Konzert: Wolf Alice
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival), England
Datum: 30.08.2013
Dauer: 35 min
Vom End Of The Road Festival hatte ich seit Jahren nur Gutes gehört. Da das Festival aber irgendwo mitten in England und von allen Flughäfen schwer erreichbar zu sein schien, blieb es bei Bewunderung aus der Ferne.
Die Lage in der Mitte von Nichts war dann auch der Hauptgrund für unsere späte Anreise. Die ersten Bands, die wir unbedingt angucken wollten, hatten wir verpasst oder nur halb gesehen. Für Serafina Steer, die auf der Bühne zwischen Pfauen spielte, fehlte mir die Muße, sodaß Wolf Alice auf der Tipi Tent Bühne mein erstes richtiges Konzert des Wochenendes waren. Mir sagte die Band aus Nord London vorher nichts - das war allerdings nur halbpeinlich, da Wolf Alice erst drei Singles veröffentlicht hatten (Leaving you, Bros und Fluffy) - ihre Debüt EP Blush erschien im Oktober.
Die Band besteht aus Sängerin Ellie Rowsell, Joff Odie, Theo Ellis und Joel Amey. Zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass. Eigentlich nicht weiter aufregend. Aber der kurze Auftritt der jungen Briten überzeugte mich restlos! Mal, wie bei She klingen die Gitarren nach The xx, Fluffy erinnert nicht nur englische Muiskjournalisten an Elastica und Blush schließlich ist einer der tollsten Pop-Songs, die ich 2013 gehört habe.
Im Gegensatz zu vielen anderen Konzerten des Wochenendes war das Tipi-Tent (das keines ist, aber an eines angrenzt) nicht vollkommen überfüllt. Ich bin sicher, daß sich das ändert. Irgendwo habe ich vor ein paar Wochen gelesen, Wolf Alice sei eine der meist-bebloggten (oder sogar die meist-beschriebene) Band Englands. Keine Ahnung, ob das stimmen mag. Aber Wolf Alice sind eine der spannendsten Gruppen, die ich dieses Jahr kennengelernt habe. Und bei aller nötigen Bescheidenheit: das heißt schon etwas.
Guter Vorsatz für 2014: Wolf Alice wiedersehen!
Setlist Wolf Alice, End Of The Road Festival:
01: Baby
02: Lighters
03: Your love's whore
04: Leaving you
05: Bros
06: You're a germ
07: April 29th
08: Blush
09: She
10: Fluffy
um
18:06
Konzert: Daughter
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival)
Datum: 31.08.2013
Dauer: knapp 60 min
"I love you!" - "I love you, too!" - "I love you more!"
Daughter-Sängerin Elena Tonra hatte große Mühe, ernst zu bleiben, als die Liebesbekundigungen im Publikum immer absurdere Formen annahmen. Daughter werden stetig größer, dies wurde auch beim End Of The Road Festival deutlich. Das Trio aus London, das live seit ein paar Monaten von einem zusätzlichen Gitarristen / Keyboarder unterstützt wird (Luke), hatte zuletzt The National auf deren US-Tour supportet und spielte am End Of The Road Samstag zur Primetime unmittelbar vor dem Headliner Sigur Rós auf der Garden Stage. Ich habe einige Konzerte am Wochenende auf dieser wunderschönen Bühne gesehen, keines war so überlaufen wie das von Daughter.

Auch wenn der Liebeswettbewerb Elena einen kurzen Moment aus der Fassung gebracht hat und sie das Ende des gerade gespielten Amsterdam verpatzte ("always good to end a song with a wrong note"), ist Daughter der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen. Die Band ist neben der Bühne charmant und fröhlich wie vor einem Jahr. Die großen Hallen, die steigende Zahl derjenigen, die etwas von ihr wollen, haben keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Und auf der Bühne waren Elena, Igor und Remi von Beginn an, bzw. seitdem ich ihre Konzerte sehe, hoch professionell.
Auch dieses Konzert hätte man wieder mitschneiden und verkaufen können - trotz der falschen Note am Ende von Amsterdam. Daughter schaffen es ein ums andere Mal, ihre komplexen Songstrukturen mit den wechselnden Rhythmen und Lautstärken perfekt live umzusetzen, ohne dabei zu "werkstreu" zu sein.
Viele Überraschungen bot das einstündige Konzert nicht, ich hatte auch keine neuen Lieder oder eines ihrer Cover erwartet. Das Trio dauertourt seit einem Jahr, da scheint nicht viel Gelegenheit zu sein, neue Musik zu schreiben. Vielleicht spielen Daughter dann im November z.B. ihr Get lucky Cover.
Bestes Lied? Still! Was sonst? Und dann Home, Youth, Tomorrow, Candles und die anderen Lieblinge.
Die Voraussetzungen für dieses Konzert waren für mich nicht besonders gut. Ich hatte Daughter so oft gesehen, kam abgehetzt von Warpaint rübergeeilt, die gerade ihr Set beendet hatten und musste sofort nach der letzten Note zurückhasten, um nichts von Sigur Rós zu verpassen. Und trotzdem war das Konzert das erwartetete Highlight. Daughter und ich, wir sind noch lange nicht am Ende der Straße angekommen.
Setlist Daughter, End Of The Road Festival:
01: Still
02: Amsterdam
03: Love
04: Landfill
05: Smother
06: Winter
07: Candles
08: Human
09: Tomorrow
10: Youth
11: Home
Links:
- aus unserem Daughter-Archiv:
- Daughter, Mannheim, 31.05.13
- Daughter, Frankfurt, 16.04.13
- Daughter, Köln, 08.04.13
- Daughter, Brüssel, 04.04.13
- Daughter, Luxemburg, 10.11.12
- Daughter, Paris, 07.11.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12
um
12:48
Konzert:Damien Jurado (Folk singer & Birthday guesser)
Ort:Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival)
Datum: 01.09.2013
Dauer:50 min
"Die Musik ist ja toll, da muß ich den Typen nicht mögen," dachte ich mir, als ein sehr mürrisch aussehender Damien Jurado mit einem hässlichen Pullover- Strickjacken-Dings auf einem Plastik-Klappstuhl Platz nahm und sein 50 minütiges Programm startete.
Zwei Lieder lang hielt der Mann aus Seattle meine Vorurteile aufrecht, dann wurde er komisch. Nach Sheets ("is he still coming around like an injured bird needing a nest?") lobte er wie alle die wundervolle Garden Stage mit ihren Pfau-Gastgebern und wies darauf hin, daß es hinterher einen Merch-Verkauf gebe. "We're selling some peacock babies after the show. We... - I mean I.", um auf die leere Bühne hinter sich zu zeigen. "My band."
Er hätte gerne Gummistiefel mitgebracht, habe aber so große Füße, daß es dafür keine gebe. Als jemand etwas entgegnete und Damien dies nicht verstand fielen dem Amerikaner die ersten kulturellen Unterschiede auf. "You invented a language I don't even know."
Beim nächsten Dialog mit jemandem aus dem Publikum fragte Damien nach dessen Namen. Was auch immer der ihm antwortete, den Sänger brachte es auf eine Idee. "Da wir in England sind: sind irgendwelche Nigels hier? Nigel? Nein? Bernies? Keine Bernies?" Irgendwer (Nigel?) entgegnete etwas. "I am a 'figgled bugger'? What's that? A figgled bugger? I don't understand you!" Und weil er gerade richtig in Schwung gekommen war, bot er einem Zuschauer vorne seine Freundschaft und ein kleines Quiz an. "Lass mich deinen Geburtstag raten." Der anfangs so introvertierte Sänger lief nun über die Bühne und hatte offensichtlich Spaß an der neuen Entertainer-Rolle. "Remove your glasses and let me see your eyes." "Du hast im... November Geburtstag? Das stimmt? Irre! Ok, jetzt noch den Tag. Hmm, twenty... fifth?" - "Ja!" - "Was? Ich werde verrückt! Damien Jurado, folk singer and birthday guesser!" Dazu hüpfte er wie ein Springbock über die Bühne. Aber sofort kam wieder der Mann durch, der die traurige Lieder schreibt. "Das stimmte doch, oder hast du gelogen? You were lying to me? Son of a bitch! The show is not over, yet but our friendship is!"
"You're ruining my sad show!"
Natürlich war sie nicht ruiniert und obwohl ich mich ein klein wenig schlecht fühlte, weil ich mich nicht dem Konzert angemessen verhielt sondern laut über Damiens Sprüche lachte, war der kurze Auftritt wundervoll! Ich hatte den Sänger bisher nicht gesehen und kannte auch bei weitem nicht alle Lieder. Aber die Musik packte mich gleich. Auch ohne die Kaspereien wäre es einer der vielen Kandidaten fürs Konzert des Festivals gewesen.
Das Set enthielt einige unveröffentlichte Stücke. Eines davon, Jericho Road war besonders großartig. Aber auch das vermutlich neue Lied danach (mit der Textzeile "don't waste your time") begeisterte mich sehr. Gemeinsam mit den Titel, die ich kannte, so sehr, daß ich mir den Amerikaner nicht mehr wie so oft vorher entgehen lassen werde, wenn er irgendwo in der Nähe spielt. Für ein versautes Konzert war es nämlich verflucht eindrucksvoll!
Setlist Damien Jurado, End Of The Road Festival:
01: Working title
02: Museum of flight
03: Sheets
04: Jericho Road (?)
05: ? ("don't waste your time" "there is work to be done")
06: Cloudy shoes
07: ? ("eternity begins")
08: Everything trying
09: Nothing in the news (?)
10: Rachel & Cali
11: Abilene
12: Let us all in
Links:
- aus unserem Archiv:
- Damien Jurado, Haldern, 11.08.12
- Damien Jurado, Paris, 14.03.12
- Damien Jurado, Paris, 11.09.10
um
01:12
Konzert: Belle & Sebastian
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival), England
Datum: 01.09.2013
Dauer: 90 min
Unter den vielen Lieblingsbands, die übers Lineup des End Of The Road Festivals verteilt waren, sind Belle & Sebastian mir die liebsten. Wenn ich nach den mir wichtigsten Künstlern gefragt werde (was nicht so oft passiert), kommen die Glasgower grundsätzlich in die Top 5 - als einzige noch aktive Band. Mich verbindet so viel mit ihrer Musik, alleine eine Liste mit all meinen bisherigen Belle & Sebastian Lieblingsstücken würde mich tagelang beschäftigen. Daß wahnsinnig viele von denen beim Wiedersehen auf einem Acker in North Dorset fehlten, machte das Konzert keinen Deut schlechter, als ich es mir erhofft hatte! Es war der letzte Glanzpunkt auf einem ohnehin strahlenden Festival.

Mit der B-Seite der 2000er Single Legal man, dem Instrumental-Stück Judy is a dick slap begann die Show. Neben den Stammitgliedern der Band (ohne Trompeter und Bassist Mick Cooke!) standen vier Streicher (u.a. Cellistin Sarah Wilson) und ein Bläser auf der Bühne. Als Mick-Ersatz spielte David McGowan (Teenage Fanclub - wenn ich mich nicht total verguckt habe) Trompete und Gitarre.

Es folgte I'm a cuckoo von Dear catastrophe waitress in einer am Ende abgewandelten Version. Ich glaube, es gab eine andere Strophe am Schluß. Die nächsten Stücke gehören alle regelmäßig zum Programm von Belle & Sebastian Konzerten. Another sunny day, das von Stevie Jackson gesungene To be myself completely und Sukie in the graveyard (alle von The life pursuit) und Piazza, New York catcher spielen die Schotten oft. Allerdings fand ich die Version des Lieds über den Baseball-Spieler (Indie-Wissen: Stuart Murdoch ist Fan der Boston Red Sox) ein wenig lahm und zu sehr abgespeckt, dabei ist das Stück einer meiner Lieblinge. Stuart Murdoch hatte beim "Q & A" beim Bowlie 2010 sehr desillusionierend erklärt, wie Setlisten entstehen. "Ich schreibe die am Tag des Konzerts und schreibe die Songs auf, auf die ich Lust habe. Manche spielen wir immer, weil sie gut funktionieren." Offenbar gehörten diese dazu.

Eines der nicht oft gespielten Lieder kam sehr zu meiner Freude danach. The model von der beigen Platte (Fold your hand child, you walk like a peasant), die wie ich finde immer ein wenig unterschätzt wird, mag ich wahnsinnig gerne, hatte es aber noch nie gehört.
Etwas später folgte Your cover's blown von der Books EP, das durch einen neuen Remix auf der gerade erschienenen Raritätensammlung The third eye center seine Renaissance erlebt. Ob es nun an der Wiederveröffentlichung lag oder ob Your cover's blown ein heimlicher Liebling ist, der Titel kam wahnsinnig gut an und war eines der besten Stücke des Konzerts.
Der Höhepunkt war allerdings das ganz kurze und unendlich schöne Simple things von The boy with the arab strap ("from the green album," wie Stuart Murdoch sagte). Hatte ich mich beschwert, daß meine Lieblinge (Like Dylan in the movies, Fox in the snow, I fought in a war, Belle & Sebastian, Dog on wheels, Lazy line painter Jane, This is just a modern rock song, My wandering days are over, State I am in, Expectations...) nicht gespielt wurden? Spätestens damit war das vergessen, für mich die schönsten anderthalb Minuten des Festivals.
Bei Boy with the arab strap rief Stuart Murdoch (Indie-Wissen: Lieblingskäse Wensleydale Cheese) Tanzwillige aus dem Publikum nach oben, etwas, was B&S seit einiger Zeit machen. Ich war dafür gerade leider zu weit weg, konnte auch nicht erkennen, ob einer meiner Freunde auf die Bühne gerufen wurde. Erzählt davon hat keiner.
Danach ging alles furchbar schnell - viel zu schnell - vorbei. Legal man (das ich nicht so gerne mag), das wundervolle Judy and the dream of horses und die einzige Zugabe Get me away I'm dying - und das Konzert war vorbei. Die Band hatte es eilig, sie war zum Signieren im Roughtrade Zelt eingeteilt.
Schlecht an dem Konzert war eigentlich nur eines. Ich habe wieder unendliche Lust, Belle & Sebastian Konzerte zu sehen und hoffe sehr, daß es nicht wieder zwei Jahre dauert.
Setlist Belle & Sebastian, End Of The Road Festival:
01: Judy is a dick slap
02: I'm a cuckoo
03: Another sunny day
04: The stars of track and field
05: I want the world to stop
06: To be myself completely
07: Sukie in the graveyard
08: Piazza, New York catcher
09: The model
10: If you're feeling sinister
11: Your cover's blown
12: I didn't see it coming
13: Simple things
14: The boy with the arab strap
15: Legal man
16: Judy and the dream of horses
17: Get me away from here, I'm dying
Links:
- aus unserem Archiv:
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10
- mehr Fotos von Belle & Sebastian beim End Of The Road Festival
um
18:32
Konzert: Jens Lekman
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival), England
Datum: 01.09.2013
Dauer: 50 min
Drei der vier Bühnen des End Of The Road waren zwar schön dekoriert, aber ansonsten nichts Besonderes, verglichen mit denen anderer Festivals. Bühnen halt. Die größte, die Woods Stage liegt am Fuße eines Hügels auf einem Feld, die (Zirkus-) Zelt-Bühne oben am Hang und die Tipi-Tent-Stage in einem normalen rechteckigen Festzelt, das an ein paar namensgebenden Tipis angrenzte, in denen eine Kneipe untergebracht war. Die vierte Bühne, die Garden-Stage, lag ein wenig abseits davon in einer Gartenanlage. Der Zuschauerbereich wurde auf der einen Seite von hohen Bäumen, auf der anderen von Hecken begrenzt, dazwischen ein kleiner viktorianische Rundbau und eine Theaterbühne, deren konkave Rückwand mit verblassenden Malereien dekoriert ist.

An der Bühne hing ein großer Deko-Pfau, dessen Schnabel eine Schallplatte abspielt. Im Gegensatz zu dem Bären, der Plakate, Taschen und T-Shirts des Festivals zierte, ist der Pfau nicht wegen seiner Niedlichkeit als Deko-Objekt gewählt, den Raum vor der Bühne müssen sich die Zuschauer nämlich mit einer ganzen Menge Pfauen teilen. Die leben da und wunderten sich vermutlich, falls ein Pfau sich wundert, was für komische Menschen drei Tage lang zu Besuch waren, auf ihrer Wiese saßen und merkwürdigem Krach zuhörten.

"Merkwürdiger Krach" wird sich J Mascis nicht unbedingt gedacht haben, als er nach Konzertbeginn von Jens Lekman kurz den Kopf durch die Bühnentür steckte, ganz offensichtlich war die Musik des Schweden trotzdem überhaupt nichts für ihn. Er ging nach wenigen Sekunden wieder. Dem Rest des vollgestopften Platzes gefiel es umso besser. Überall in den ersten Reihen sah man strahlende Gesichter, mitsingende und mitwippende Menschen (und einen Mann mit Hasenohren und Hasenschnurrbart).
Ich hatte Jens Lekman schon gesehen, dreimal sogar, was für einen Künstler, der nicht häufig in Deutschland spielt ok ist, mag am liebsten seine älteren Lieder (von denen er kaum eines spielte), empfand das Konzert aber trotzdem als eines der ganz besonderen des Festivals.
Die Band an Jens' Seite war vermutlich die vom letzten Konzert in Frankfurt im Dezember. Ob der Keyboarder damals schon dabei war, weiß ich nicht, an die Bassistin mit ihren Rockstar-Gesten, deren grundsätzliche Ekligkeit* von ihrem sonnigen Lachen weggestrahlt wurden und die Geigerin mit dem verschmitzten Lächeln erinnerte ich mich gut.
Auch die meisten Geschichten, die der Schwede erzählte, kannte ich bereits. Die von der Überlegung, eine Freundin in Australien zu heiraten, um dort bleiben zu dürfen oder die von Kirsten Dunst, der er in Göteborg vergeblich hinterhersalkte. Aber sie sind auch zu gut, um sie zu verändern oder zu verschweigen.
Die Kombination aus fröhlichen Liedern, lachenden Musikern, Konfetti und den oft trübsinnigen Texten ist vermutlich das, was mich so sehr an Jens Lekmans Musik begeistert. Zu viel Schmalz manchmal? Die scheußlichen Eurodisco-Rhythmen als Übergang zwischen Into eternity und Sipping on the sweet nectar? Geschenkt! Nichts davon kann auch nur ein wenig gegen Jens' anstinken, wenn er bei The opposite of Hallelujah Luftglockenspiel spielt. Oder einen Knüller wie Black cab singt!
Oh, das war ein wunderschönes Konzert. Daß J Mascis es sich nicht ansehen wollte, wird Jens Lekman verkraften. Schließlich mag ihn ja Kirsten Dunst. Aber jetzt wiederhole ich mich.
Setlist Jens Lekman, End Of The Road Festival:
01: Every little hair knows your name (Intro)
02: Golden key
03: The opposite of Hallelujah
04: An argument with myself
05: Waiting for Kirsten
06: Black cab
07: I know what love isn't
08: The end of the world is bigger than love
09: Into eternity
10: Sipping on the sweet nectar
11: Maple leaves
Links:
- aus unserem Archiv:
- Jens Lekman, Frankfurt, 01.12.12
- Jens Lekman, Düsseldorf, 15.10.11
- Jens Lekman, Frankfurt, 24.02.08
* die der Gesten
um
11:42
Konzert: David Byrne & St. Vincent
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival), England
Datum: 30.08.2013
Dauer: gut 80 min
Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte dieses Konzert auch in einem Musical-Theater oder auf einem Kreuzfahrtschiff stattfinden können. St. Vincent, die (früher sehr verhutschelte) amerikanische Sängerin im Coctail-Kleidchen, David Byrne, die Musiklegende im weißen Dinnerjacket mit schwarzem Hemd und weißen Hosenträger und dazu die NDR Bigband mit zig Bläsern, die gemeinsam mit den beiden Sängern raffinierte Choreographien, die man sonst nur von amerikanischen Marching Bands in College-Football-Stadien kennt, aufführten. Klingt weder nach einem Headliner eines exzellent besetzten Indiefestivals noch nach einem guten Konzert.
Aber das war es. Wobei "gutes Konzert" der Show überhaupt nicht gerecht wird.
Ich hatte erst sehr spät gemerkt, wie sehr ich mich eigentlich auf diesen Auftritt freue. Zu viele andere Knüller - die meisten aktuellen Lieblingsbands - sind im Lineup des End Of The Road Festivals (heute Warpaint und Daughter, gestern Allo Darlin' und Savages, morgen Jens Lekman und Belle & Sebastian und zig andere). Daß diese außergewöhnliche Kooperation zwischen dem Talking Heads Sänger und der jungen Amerikanerin auch grandios zu werden versprach, kam mir erst vor ein paar Tagen in den Sinn. Daher keine Chance, das zu verpassen!
Als ich zur Woods Stage, der großen Bühne des Festivals kam, zwitscherten von Band Vogelgeräusche. Eine erste Talking Heads Verbeugung. Auf der Bühne lagen allerlei Instrumente. Posaunen, Trompeten, ein Saxophon, Gitarren und in der Mitte ein Sousaphon!
Punkt halb zehn kamen von überall Musiker, alle sehr chic gekleidet und stellten sich hinter die beiden Sänger. Elf meine ich gezählt zu haben. Bis auf einen Keyboarder und den Schlagzeuger alles Blasmusiker. "Brass attack", beschrieb Annie Clark das irgendwann.
Alle Lieder waren voll durchchoreographiert. Alle Bewegungen schienen geplant und oft geprobt. So etwas kann man schrecklich finden, mir geht das meist so. Aber selbst wenn man die offensichtliche Ironie dahinter ausblendet, hätte dies dem Konzert gestanden! Im Gegensatz zu seiner Kollegin trug David Byrne ein Headset-Mikro (so ein Dings, das Fernsehmoderatoren vor dem Mund haben). Er konnte als wandern, über die Bühne tänzeln, sich zu unser aller Freude oft zum Affen machen - und er schien das zu genießen! Bei einigen Liedern bewegten sich die Musiker in festen Figuren über die Bühne. Es erinnerte oft an die schrecklichen Folkloretänze bei olympischen Eröffnungsfeiern. Nur eben in gut.
Die Zugabe The party (ein St. Vincent Stück) mündete zum Beispiel darin, daß die (ihre Instrumente spielenden) Musiker sich walzertanzend drehten.
Das Programm ähnelte dem von vielen der letzten Auftritte. Eine solch komplett koordinierte Show erfordert das. Weil ihre gemeinsamen Konzerte in Theatern offenbar viel länger sind, gab es eine abgespeckte Festival-Version, die immer noch 80 min lang war. Die Stücke waren also die bekannte Mischung aus Solo-Liedern der beiden, gemeinsamen Titeln und Talking Heads-Songs.
Wenn das ein oder andere Lied ein wenig schwächer war, machte es all das, was auf der Bühne passierte wieder spannend. Allerdings haben gemeinsame neuere Songs es ja auch nicht leicht gegen Konkurrenten wie Wild wild life auf der gleichen Setlist. Es waren aber auch nur wenige unspannendere Stücke, die mir vielleicht auch einfach zu unvertraut sind.

Vertraut waren mir die fünf Talking Heads Songs. Ich bin zwar nicht mit dieser Band groß geworden, habe sie erst ab Naked, ihrer letzten Platte "live" miterlebt, trotzdem haben viele ihrer Lieder meine Jugend musikalisch geprägt. Viele, viele Jahre später erst Tina Weymouth und Chris Frantz als Tom Tom Club (u.a. mit Psycho Killers) zu sehen und jetzt David Byrne, ist ein schöner Zufall und war musikalisch beide Male brillant. Bei This must be the place führte David einen herrlich verrückten Ausdruckstanz auf. Wild wild life steigerte die kollektive Talking Heads Begeisterung, die in Burning down the house richtig ausbrach. Bei Road to nowhere, der zweiten Zugabe nach der Walzer-Tanz-Party, brachen alle Dämme. Jeder, wirklich jeder brüllte vom ersten Ton an mit. Atemberaubend! Jetzt kann noch kommen, was wolle. Den einen weltbewegenden Moment hatte das Festival schon. Und das Jahr!

Mein Vorfreude-Alarm hatte recht. Das Konzert war fabelhaft! Und natürlich war das vollkommen zurecht einer der drei Headliner! Sigur Rós werden sich heute sehr strecken müssen, um auch nur annähernd an die Blasmusik-Polonaisen von Annie und David ranzukommen!
Bei aller Brillanz stachen zwei Sachen noch heraus. Als die Band zur Zugabe erschien, kamen sie nicht alle gleichzeitig. Einer der Musiker nach dem anderen kam zurück auf die Bühne und spielte den immer gleichen Ton, der durch die wachsende Zahl der Blasinstrumente immer fetter wurde aber auch monoton (haha) blieb. Das war das Intro zu The party - und es war wundervoll!
Nach Road to nowhere, das weitestgehend als Polonaise aufgeführt wurde, ging die Band auch so von der Bühne und spielte instrumental weiter. Man hörte also die immer leiser werdende Musik aus dem Hintergrund. Ich bin sicher, sie haben bis in den Bus weitergespielt.
Zwischendurch hatte es fies und kalt geregnet und mich ein dämlicher Kleinkünstler, der doofe farbverändernde Kugeln an Schnüren durch die Luft drehte, was ich im Augenwinkel sah, genervt. Aber das prallte alles an dem großen Spektakel vorne ab!
Setlist David Byrne & St. Vincent, End Of The Road Festival:
01: Who
02: Weekend in the dust
03: Strange overtones (David Byrne & Brian Eno)
04: Marrow (St. Vincent)
05: This must be the place (Talking Heads)
06: The forest awakes
07: Like humans do (David Byrne)
08: Lightning
09: Wild wild life (Talking Heads)
10: Cheerleader (St. Vincent)
11: Lazy (David Byrne)
12: I should watch TV
13: Northern lights (St. Vincent)
14: The one who broke your heart
15: Cruel (St. Vincent)
16: Burning down the house (Talking Heads)
17: The party (St. Vincent) (Z)
18: Road to nowhere (Talking Heads) (Z)
Links:
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