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Sonntag, 13. Oktober 2013

Anna von Hausswolff, Wien, 09.10.13

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Konzert: Anna von Hausswolff
Ort: Arena, Wien
Datum: 09.10.2013
Dauer: ca. 75 min
Zuschauer: ca. 100 



von Ursula von neulich als ich dachte

Nach beachtlichen vier Konzertabenden in Wien war es schon fast Zeit, die Heimreise anzutreten und das hiesige Konzertfeld an seinen Eigentümer Julius zurückzugeben. Am letzten Abend nahmen wir dann aber noch als zwölften Bandauftritt Anna von Hausswolffs Konzert mit. 

Wenn man in letzter Zeit Berichte beim Konzerttagebuch gelesen hat, ist man des Öfteren über den Namen der Schwedin gestolpert, ihr Album Ceremony wurde auch bereits im August 2012 bei Platten vor Gericht vorgestellt. In Österreich erscheint es dagegen erst 2013, was wohl erklärt, warum ihr Konzert auf der Homepage des Veranstaltungsortes Arena als „Geheimtipp unter Eingeweihten“ bezeichnet wurde. 

Als Geheimtipp unter Eingeweihten entpuppte sich dann aber erst einmal die Lage des Konzertsaals. Obwohl wir den auch nicht unbedingt selbsterklärenden Fußweg zwischen U-Bahn und Arena bereits von früheren Wien- und Konzertbesuchen kannten, standen wir nach unsere Ankunft vor der nicht trivialen Aufgabe, die konkrete Räumlichkeit auf dem dunklen, unübersichtlichen und unbeschilderten Gelände zu finden, das mehrere Konzert-Locations sowie Bars, Getränkestände sowie jede Menge düstere Nischen aufweist. 

Nach erfolgloser Suche folgten wir einfach den einzigen Besuchern außer uns, die keine Lederjacken trugen, um nicht doch zu den norwegischen Rockern von Bloodlights zu gelangen, deren Konzert ebenfalls irgendwo auf dem Gelände stattfand und das wir wenig später auch gut hören konnten. Anna von Hausswolff konnten wir, nachdem wir endlich den richtigen Raum gefunden hatten, ebenfalls bereits singen hören – beim Soundcheck. Das Konzert sollte, wie wir nun per Aushang erfuhren, nämlich erst um 22 Uhr beginnen, also hieß es zunächst warten, während sich nach und nach etwa 100 Besucher um uns versammelten. Der Auftrittsraum war mittlerweile ebenfalls zugänglich gemacht worden und erwies sich als sehr heruntergekommen. Dabei hätte die „Kirchenmusik“ der Künstlerin einen ganz anderen räumlichen Rahmen verdient. 

Irgendwann hatten wir dann genug gewartet, und die Künstlerin, die mit vollem Namen Anna Michaela Ebba Electra von Hausswolff heißt, betrat im bodenlangen schwarzen Samtkleid und in Begleitung von vier männlichen Musikern, die sie im Laufe des Abends nach und nach vorstellte, die Bühne – es handelte sich um Karl Vento und Joel Fabiansson (jeweils Gitarren), Ulrik Ording (Schlagzeug) und Filip Leyman (Synthesizer). Zunächst begann Anna an der Orgel jedoch allein, Epitaph of Theodor zu spielen, während die anderen Musiker erst nach und nach einsetzten. 

Die ersten drei gespielten Titel entsprachen dann dem Beginn ihres Albums Ceremony, was auch bedeutete, dass es circa 10 Minuten dauerte, bis die erste Note gesungen wurde. Die Mitmusiker verharrten manchmal minutenlang, bis sie wieder einen Einsatz hatten, die gespielten Titel waren generell lauter und prog-rockiger als in ihren Album-Versionen. Hinter mir wurde angemerkt, das sei ja alles ganz schön, es wäre aber noch besser, wenn es zehnmal so schnell gespielt würde – aber dann wären wir wohl bei einem Speed Metal-Konzert gewesen... 

Titel Nummer vier wurde auf der Setliste als Noise bezeichnet und ließ sich später per Internetrecherche nicht weiter zuordnen. Danach folgte Liturgy of light, das mit gewaltigem Rasseleinsatz eingeleitet wurde und für das Anna von ihrer Sitzbank an der Keyboard-Orgel aufstand, um den Song im Stehen mit Akustikgitarre vorzutragen. 

Anna selbst wirkte häufig in sich selbst und ihre Musik versunken, wobei man außer vielen blonden Haaren wenig von ihr sehen konnte – ein bisschen war es manchmal, als säße „Cousin It“ aus der Addams Family an der Orgel. Sie machte aber gelegentlich sehr liebenswürdige Zwischenansagen: Sie freue sich so, in Wien und hier zu sein, was bei ihr gar nicht phrasenhaft, sondern aufrichtig und nett klang. Auch für ihre Mitmusiker hatte sie viele freundliche Worte und berichtete, dass sie mit Carl schon seit 12 Jahren musiziere. Die beiden hatten zusammen ihre erste Band, aber nur drei Songs, die das Publikum irgendwann nicht mehr hören konnte – da ihnen keine weiteren einfielen, besiegelte dieses Problem das Ende des Projekts. Filip ist ebenfalls ein alter Bekannter, Produzent des Albums und Synthesizer-Guru. Die anderen Bandkollegen sind neu, aber genießen ebenfalls Annas Sympathie. Und auch den Soundmann erwähnte sie später noch gesondert als großartigen Kollegen. 

Wenn Anna einmal nicht die Haare im Gesicht hatte, glühten die Fotoapparate in den ersten beiden Reihen. Hier hatten sich beinahe ausschließlich Männer eingefunden, die ihre zum Teil gewaltigen Kameraobjektive ohne Unterlass auf die hübsche blonde Schwedin richteten – sie wurde an dem Abend sicherlich einige tausend Mal fotografiert. 

Das nun folgende Lied – auf der Setliste als New song bezeichnet – ist noch titellos und wir wurden eingeladen, später am Merchandise-Stand auf Zetteln Titelvorschläge einzureichen. 

Nach Funeral for my future children verbeugte sich die Band und verließ die Bühne, kam aber mehr oder weniger sofort wieder zurück. Anna erklärte, es sei manchmal „awkward“ an einem neuen Ort aufzutreten, das sei heute aber gar nicht der Fall. Danach bekamen wir noch eine extrem lange Version von Come wander with me (anscheinend eine Coverversion eines Songs aus der Serie Twilight Zone von Jeff Alexander und Antony Wilson) zu hören und wurden nach einem rund 75minütigen Konzert eingeladen, uns zu Gesprächen mit Anna und Band am Merchandise-Stand einzufinden. 

Ich war als Begleitung bei dem Konzert, und nicht, weil ich selbst unbedingt hinwollte, und so überrascht es auch nicht, dass mich die Livedarbietung von Musik, die ich schon auf CD eher schwierig anzuhören finde, ebenfalls nicht überzeugen konnte. Wer wie ich keine Freundin des niemals endenden Instrumentalteils ist, ist bei einem Anna von Hausswolff-Konzert sicherlich falsch. Dennoch eine sehr sympathische Musikerin. Vielleicht macht sie ja eines Tages ein Popalbum und erweitert ihre Kate Bush-Anklänge, dann kann ich mich eventuell auch begeistern. 

Mein Begleiter, halt, die Begleitung war ja ich, also: Der Hauptkonzertbesucher fand das Konzert übrigens sehr gut. 

Setlist Anna von Hausswolff, Arena, Wien: 

01: Epitaph of Theodor 
02: Deathbed 
03: Mountains crave 
04: Noise 
05: Liturgy of light 
06: New song 
07: Sova 
08: Funeral for my future children 

09: Come wander with me (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Anna von Hausswolff, Frankfurt, 24.09.13
- Anna von Hausswolff, End Of The Road Festival, 31.08.13
- Anna von Hausswolff, Haldern Festival,10.08.13


Fotos: Dirk von Platten vor Gericht

 


Mittwoch, 25. September 2013

Anna von Hausswolff, Frankfurt, 24.09.13*

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Konzert: Anna von Hausswolff
Ort: Mousonturm (Studio), Frankfurt
Datum: 24.09.2013
Dauer: 85 min
Zuschauer: knapp 100 (recht voller Raum) 



Beim Haldern-Pop Festival Anfang August hatte ich mich vor allem auf den Auftritt der Schwedin Anna von Hausswolff gefreut. Ihre beiden Alben - vor allem das von mir oft gehörte Ceremony, das im Juni bei City Slang erschienen ist, begeistern mich immer wieder. Vor Haldern war ich trotz meiner Vorfreude aber skeptisch, ob die Musikerin den Kirchen-Sound, die schweren Orgel-Breitseiten live umsetzen könnte. Sie konnte - und wie! Manche Stücke waren mehr Postrock als Düsterpop und ließen nicht nur mich mit offenem Mund zurück. Das Konzert war noch eine gute Ecke besser als erhofft!

Seit heute ist die Schwedin mit ihrer Band auf Deutschland-Tour, Auftakt dazu war das Studio im ersten Stock des Mousonturms in Frankfurt. "Ich habe schon einmal in Frankfurt gespielt. Mein allererstes Konzert war in der Städelschule, das vergesse ich aber immer wieder, wenn ich nach meinem ersten Auftritt gefragt werde." Zu ihrem zweiten Frankfurter Konzert waren vielleicht 100 Zuschauer gekommen. Das Studio, das wie eine Mini-Ausgabe des Saals unten aussieht (und damit ein ebenso schöner Konzertort ist), war recht gut gefüllt, als Anna und ihre vier Begleiter (Gitarre, Bass, Schlagzeug und Synthesizer) um 21.15 Uhr auftraten. 

Mit Mountains grave von Ceremony begann das Konzert - und damit mit einem der besten Stücke der aktuellen Platte. Irgendetwas war trotz aller Erhabenheit des Lieds anders als bei der Studioversion und als in Haldern. Ich glaube, es waren anders klingende Gitarren, ich weiß es aber nicht sicher. Aber ich habe es sehr angetan aufgenommen, weil es ein Zeichen besonderer Qualität ist, wenn gerade junge Künstler ihre Stücke live weiterentwickeln und variieren. Und natürlich nicht etwa, weil sie ein Lied nicht zweimal gleich hinbekämen sondern weil sie bewußt verändern. Ein Paradebeispiel dafür sind die fabelhaften Warpaint, die dies regelmäßig machen. Wegen des Frankfurter Anna von Hausswolff Konzerts hatte ich mich beim End Of The Road Festival vor ein paar Wochen bei paralleler Ansetzung gegen die Schwedin entscheiden müssen und für... Warpaint. So klein ist die Indiewelt.


Nach Mountains grave folgte etwas herrlich Skurriles. Es wurde dunkel, die Nebelmaschinen wurden angeworfen und die Band spielte dazu wummernde Geräusche. Anna erzeugte irgendwann Töne, die vermutlich ein Nebelhorn darstellen sollten (oder meine Phantasie hat sich treiben lassen). Diese "Nebel und dagegen Ankämpfen-Variationen" gingen nahtlos in Liturgy of light über, das eine weitere strahlende Perle des zweiten Albums ist, bevor mit Epitaph of Theodor der Star des Haldern-Konzerts angestimmt wurde. Im Gegensatz zu damals war das Lied über das Grabmal eines Theodor diesmal weit weniger lang und postrockig. Es war alles andere als schlecht, die Version in Haldern war allerdings noch viel beeindruckender.

Mit Deathbed folgte das nächste Stück von Ceremony, das ein düsteres Thema hat. Anna verarbeitet auf ihrer zweiten Platte u.a. den Tod ihres Großvaters, wobei die junge Schwedin den Tod pragmatisch zu sehen scheint. "Ceremony is a celebration of life and everything that it contains, especially death, because in death we will be truly one with nature again." Auch Deathbed hatte ein ewig langes Intro und schien mir abgewandelt zu sein. Und auch Deathbed ist eines der besten Lieder von Ceremony, aber das sind ja die meisten.

Vor Sova und Harmonica beklagte Anna zu wenig Effekt auf ihrem Mikrophon. "I'm an effect maniac!"  Von zu wenig Effekt vorher oder anderem schlechtem Klang konnte aber während des Konzerts überhaupt keine Rede sein. Das einzige, das das Konzertvergnügen deutlich verringerte, war die Bullenhitze im Studio. Die Saunatemperaturen im großen Saal sind ein Running gag, da war es offenbar nur konsequent, daß es auch oben heiß war. Ein komplett durchgeschwitztes Hemd wie das vor mir habe ich jedenfalls noch nicht oft Ende September gesehen. Schade, daß sich Klimatisierung von Konzertsälen in Deutschland nie durchgesetzt hat. Vermutlich sind wir dazu viel zu gutmenschlerisch. Leiden für die Umwelt, und so.


Harmonica ist wieder eines dieser persönlichen Lieder der Schwedin. Das besungene Instrument schenkte der Großvater, der ein Tüftler war und unter anderem einen Würstchenautomat erfand, den Anna uns beschrieb ("hier laufen die Würste her und da treffen sie aufs Brot..."), der Musikerin kurz vor seinem Tod. Harmonica beginnt mit Handklaschen des Synthesizer-Spielers Filip Leyman (der Ceremony produziert hat), in das glücklicherweise niemand im Publikum einstieg.

Das vorletzte reguläre Stück war das einzige bis dahin, das nicht von Ceremony stammt. Es war das Cover Come wander with me von Jeff Alexander, das sie schon in Haldern gespielt hatte, das aber diesmal in Funeral for my future children überging. Vermutlich 15 Minuten hatten diese beiden Lieder gedauert, mit vielen Rhythmus-Wechseln und viel Orgeltönen und einer immer lauter werdenen Sängerin.


Es war zwar wirklich unerträglich heiß und die Fluktuation aus dem Saal war groß (der Wasserhaushalt...), trotzdem war die Erleichterung groß, daß Anna zu Zugaben zurückkam. Die erste (Sun rise) ist auf dem Album. Anna von Hausswolff stand dazu in der Mitte der Bühne und hatte ihren Platz rechts hinter der Mini-Orgel verlassen. Sie wurde nur von Filip und ihrem Gitarristen Karl Vento begleitet. Die beiden anderen Musiker kamen danach zurück, um ein neues Lied zu spielen. Das Stück hat noch keinen Titel ("actually we call it 'new song'), das einen schwedischen Text und einen dramatischen Lautstärke- und Spannungsanstieg hat. Karl spielte dabei seine Gitarre mit einem Geigenbogen, was zur Dramaturgie des Titel schön passte. Auch New song war wundervoll und herrlich erhaben.

Das Konzert hat meine hohe Meinung von der Schwedin mit der hohen Stimme noch einmal bestätigt. Wir können uns da ganz sicher noch auf viele gute Lieder und Auftritte freuen. Wobei das mit dem Freuen auf traurige Lieder ja immer so eine Sache ist.

Setlist Anna von Hasswolff, Mousonturm (Studio), Frankfurt:

01: Mountains grave
02: Liturgy of light
03: Epitaph of Theodor
04: Deathbed
05: Sova
06: Harmonica
07: Come wander with me (Jeff Alexander Cover)
08: Funeral for my future children

09: Sun rise (Z)
10: neu (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Anna von Hausswolff, End Of The Road Festival, 31.08.13
- Anna von Hausswolff, Haldern Festival,10.08.13

Tourdaten:

26.09.13: Berlin, Volksbühne
27.09.13: Hamburg, Reeperbahn Festival
28.09.13: Kiel, Alte Pumpe
30.09.13: Köln, Gebäude 9
01.10.13: Leipzig, Werk 2
02.10.13: Nürnberg, Muz
03.10.13: Heidelberg, Enjoy Jazz Festival
04.10.13: Basel, Parterre
05.10.13. Lyon, Le Sonic
06.10.13: Bern. Dampfzentrale
07.10.13: Freiburg (i.Br.) Café Atlantik
09.10.13: Wien, Arena
11.10.13: München, Feierwerk
12.10.13: Graz, Steirischer Herbst
14.10.13: Paris, La flèche d'or


* dieser Artikel ist den beiden Orgellehrern meiner Kindheit gewidmet, die mir ermöglicht haben, erst 25 Jahre später zu erkennen, was für ein wundervolles Instrument eine Orgel ist 

- mehr Fotos gleich



Sonntag, 1. September 2013

Anna von Hausswolff, End Of The Road Festival, 31.08.13

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Konzert: Anna von Hausswolff
Ort: Larmer Tree Garden (End Of The Road Festival), England
Datum: 31.08.2013
Dauer: 45 min



von Thomas von My Favourite Chords

Das musikverrückte Publikum hatte es im liebevoll aufgemachten Programmheft des End Of The Road-Festivals schnell als Ärgernis ausgemacht: Anna von Hausswolffs Auftritt sollte sich zeitlich mit denen von Daughter und Warpaint überschneiden. Ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben, schien ich, den Samstagabend nicht zu überstehen. Warpaint waren zumindest an diesem Abend nicht in der Stimmung, mir unnötig Steine in den Weg zu legen. Die vier Kalifornierinnen probierten gleich fünf neue (größtenteils gitarrenfreie) Songs aus, wirkten bei diesem Experiment aber ungewöhnlich unsicher und nervös. Zudem haderten sie mit Technik und Bühnensound. Vielleicht auch deshalb ertönten die ersten düsteren Keyboard-Klänge Anna von Hausswolffs vor unerwartet vielen Zuschauern. 

Nach und nach setzten Gitarrenfeedback und wohl dosierte, harte Schläge auf dem Schlagzeug ein. Die Setlist war dieselbe wie die ihres Auftrittes beim Haldern Pop Festival. Aus dem meditativen Liturgy of Light entspann sich das spannungsgeladene Instrumentalstück Epitaph of Theodor, das das herausragendes Album Ceremony eröffnet. Wer dieses schätzt, weiß, dass sich das Warten auf den ersten Gesangston der 26-jährigen Schwedin auszahlt. Beeindruckend war dennoch, in welcher Seelenruhe diese kindlich-wirkende Gestalt die kräftigen und voluminösen Melodien im folgenden Deathbed auch in Konzertatmosphäre vorträgt. Als Daughter auf der Garden Stage zu spielen begannen, setzte von Hausswolff mit Mountains Crave ihren besten Song dagegen und zog so selbst die übrig-gebliebenen Daughters-Fans im Raum in ihren Bann. 

„Bevor wir diese Bühne betraten, waren wir nicht sicher, ob wir es hinbekommen, dass der Synthesizer wirklich nach einer Orgel klingt. Könnt ihr die Orgel hören?“, fragte von Hausswolff schüchtern lächelnd. Ceremony spielte sie komplett auf einer Göteborger Kirchenorgel ein, was die Reproduzierbarkeit im Rahmen eines Konzertes außerhalb von Kirchen erschwert. Ausgleichend verfügt von Hausswolff glücklicherweise über diese majestätisch-einnehmende Stimme, die Album wie Konzert zu einem einzigartigen Klangerlebnis macht. Ein zweiter Keyboarder erzeugte die charismatischen Bass-Drones ihres Albums, ein Schlagzeuger und zwei Gitarristen vervollständigten die (nicht optisch aber auf jeden Fall klanglich) perfekt harmonierende Band. Während die fünf Musiker ihre morbiden Hymnen in ohrenbetäubender Lautstärke wiedergaben, lächelte von Hausswolff immer wieder zufrieden über ihr Instrument. 

Darunter stampfte sie mit schweren, schwarzen Stiefeln permanent wie eine Wahnsinnige rhythmisch auf den Holzboden der Zeltbühne. "Ein Freund erzählte mir, dass ich mich in England auf Regen und Matsch vorbereiten soll. Deshalb trage ich mein Winter-Outfit", sagte die Musikerin entschuldigend. Ihr Outfit bescherte ihr gegenüber vielen Zuschauern den Vorteil, keinen Sonnenbrand ertragen zu müssen. Außerdem passte sie mit ihrer schwarz-orangenen Kutte wunderbar in die elfenhafte Natur des Festivals, in die sie unmittelbar, nachdem sie sich artig vor ihrem aufmerksamen Publikum verbeugt hatte, eilig verschwand, vermutlich um sich die letzten dreißig Minuten des Daughter-Auftritts nicht entgehen lassen. Diese hatten sich Hits wie Human und Youth aufgespart. Entgegen aller Befürchtungen verpasste ich also kaum einen musikalischen Höhepunkt des Festivalabends. 

Links:

- Anna von Hausswolff, Haldern-Pop Festival, 10.08.13

Foto: Archiv (Haldern)




Sonntag, 11. August 2013

Anna von Hausswolff, Haldern, 10.08.13

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Konzert: Anna von Hausswolff
Ort: Haldern-Pop Festival (Spiegelzelt)
Datum: 10.08.2013
Dauer: 50 min
Zuschauer: recht volles Zelt




Bei Festivals erlebt man ja immer wieder musikalische Überraschungen, lernt neue Bands kennen. Wenn Anna von Hausswolff mich beim diesjährigen Haldern Festival stark überrascht hätte, wäre das jedoch sehr blöd gewesen, weil ich mich auf die Schwedin im Vorfeld neben James am meisten gefreut hatte und extrem viel erwartet hatte. 

"Wir spielen ein kurzes, sehr intensives Set für Euch," sagte die zierliche Schwedin zwischen Aufbau und Beginn, als sie und ihre vier Begleiter gleich auf der Bühne geblieben waren.


Der sehr leise Start mit spärlichem Einsatz der Instrumente, Anna mit Tamburin, der sich über zwei Minuten zog, begann unmittelbar aus dem Soundcheck heraus und leitete in Liturgy of light über. Wie fast alles, was folgte, stammt das Stück von Ceremony, dem zweiten Album der Schwedin. Allerdings fehlt bei Liturgy of light noch die Titelheldin der Platte, die Kirchenorgel. Bei Epitaph of Theodor klangen die umso eindrucksvoller auf! Das Instrumental-Stück hatte den gleichen Aufbau wie das ganze Konzert. Es begann wie auf Platte getragen-feierlich, nahm dann aber so sehr an Intensität zu, daß die Wasserflasche neben dem links sitzenden Gitarristen auf und ab hüpfte. Am Ende mündete Epitaph of Theodor in Orgel-Postrock! Spätestens das war sichergestellt, daß die junge Schwedin meine extrem hohen Erwartungen locker nehmen würde!


Die schweren Orgeln werden durch Annas hohe und sehr feine Stimme wundervoll ergänzt. Sie steht aber nicht so sehr im Mittelpunkt, daher war auch der kleine Makel, daß im Verlauf des kurzen Konzerts der Gesang sich immer weniger gegen die Instrumente durchsetzen konnte, nicht dramatisch. Beim letzten Stück, dem einzigen, das nicht von Ceremony stammte, sah man Anna singen, hörte sie aber wegen der noch einmal gestiegenen Lautstärke der Instrumente nicht mehr.


Nach Epitaph of Theodor folgten Deathbed und Mountains grave - so wie auf dem Album. Diese drei sagenhaft schönen Stücke nacheinander als Quasi-Einheit zu spielen, beförderte noch einmal das Gefühl, sich in diese Musik herrlich fallen lassen zu können. Irgendwann setzte im Hintergrund Kettcar auf der Hauptbühne ein, aber das Wummern deren Bässe in den leisen Momenten störte überhaupt nicht, ich hatte das Gefühl, das ganze Zelt (das erstaunlicherweise nicht überfüllt war), war viel zu gefesselt von Anna und ihren Begleitern.

Nach dem grandiosen Mountains grave kam Harmonica mit dem vom Keyboarder geklatschten Beginn. Die Lautstärke seines Klatschens hatte er vorher beim Soundcheck überprüft, was zu Mitklatschen im Publikum geführt hatte und der Band breites Grinsen bescherte! Ein toller Moment vor dem Konzert!

Dann kam das erwähnte nicht-Album Stück, das ich nicht kannte, es war ein Cover, Come wander with me vom amerikanischen Filmmusik-Komponisten Jeff Alexander. Ich kannte es eben nicht, wusste, daß es von keiner der beiden Platten stammt, wäre aber nicht drauf gekommen, daß es ein fremdes Lied ist. Die Lautstärke dabei war mittlerweile so hoch, daß der Sound fast breiig wurde. Aber auch das war wenig schlimm, weil ich längst in der Musik aufgegangen war. 

Die fünfköpfige Band war das auch, Anna war nämlich extrem überrascht, daß sie damit bereits ihr Konzert um fünf Minuten überzogen hatten. "Es tut mir leid, wir müssen aufhören," entschuldigte sie sich, nachdem sie bereits das nächste Lied angestimmt hatte. Ich kann zu gut nachvollziehen, daß sie ihr Zeitgefühl verloren hatte, die Musik lädt dazu extrem ein. Ein wundervolles Konzert, das hervorragend ankam. Annas Tour im Herbst ist eine Pflichtveranstaltung! Dann erfahren wir sicher auch, wie es in Haldern weitergegangen wäre.

Setlist Anna von Hausswolff, Haldern Festival, Rees-Haldern:

01: Liturgy of light
02: Epitaph of Theodor
03: Deathbed
04: Mountains grave
05: Harmonica
06: Come wander with me (Jeff Alexander Cover)



 

Konzerttagebuch © 2010

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