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um
17:22
Konzert: Tamikrest
Ort: Sipgate Gelände, Düsseldorf, New Fall Festival 2018
Datum: 27.10.2018
Dauer: 90min.
Zuschauer: ca. 300
Besonders gefreut hat mich das Booking von Tamikrest für das diesjährige New Fall Festival. Kein Selbstläufer diese Wahl, aber eine wirklich lohnende.
Ich sah die Band vor Jahren auf einem holländischen Festival und war schwer beeindruckt. Eine wilde Truppe, die in traditionellen Gewändern äußert melodische und hypnotische westliche Rockmusik spielte.
Damals wie heute ist aber die Kombination der westlichen Einflüsse mit dem Rhythmus der Tuareg einzigartig. Auch hier, im vollen Konzertraum der Sipgate-Zentrale, reicht ein Mann an einer Bongo um dem Konzert seinen eigenen Zauber zu verschaffen.
Zunächst mag der Sound eintönig und die Songs beliebig wirken. Je länger das Konzert jedoch dauert, desto weniger ist es möglich, sich nicht zu dieser Musik zu bewegen und verzaubern zu lassen.
Neil Young`s damaliger, ironischer Ausspruch bei den krachigen Tourneen mit Crazy Horse: "It`s all one song, they all sound the same", trifft es hier auch.
Der Sound ist gleich, aber es ist nur die Schwingung, die hier den Takt vorgibt. Dazu der ebenfalls passende, weil auch meditativ, hypnotisch klingende Gesang und das ausufernde, treibende, das jeden einzelnen Song wie einen Bulldozer nach vorne schiebt.
Nie zu laut und zu schnell, immer auf den Punkt und doch improvisiert.
Tamikrest auf CD zu genießen, ist zwecklos. Nur auf der Bühne entsteht die Magie.
Seit 12 Jahren gibt es die Band nun schon, die ganze Welt wurde bereist, und so folgen die Tuareg weiter ihrem Schicksal als wanderndes Volk. Viele Opfer hat der Kampf um Unabhängigkeit und Freiheit die Tuareg in der Heimat gekostet. Ich kann (aus sprachlicher Unkenntnis) nur vermuten, dass es dabei in der einzigen, langen Ansprache des Sängers auf Französisch während der Zugaben ging.
Und so beschließen sie dieses makellose Konzert mit der einzigen Ballade des Abends. Das wirkt stark und selbstbewusst. Zurecht.
Die Band ist weiter auf Tour durch Deutschland und spielt unter anderem am 01.11.2018 in der Elbphilharmonie in Hamburg.
28/10 Brotfabrik, Frankfurt (GER)
29/10 Naumanns, Leipzig (GER)
30/10 Lux, Hannover (GER)
31/10 LIDO, Berlin (GER)
01/11 Elbphilharmonie, Hamburg (GER)
um
20:47
Konzert: Zentralheizung of Death des Todes (ZHOD)
Ort: Düsseldorf Sipgate Gelände
Datum: 27.09.2015
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.100
Zum zweiten Mal lud das New Fall Festival aus Düsseldorf zu einem kostenlosen Preview-Konzert. Nach dem mehr als gelungenen Auftakt mit Asgeir vor einigen Wochen, fiel die Wahl diesmal auf ZHOD.
Ausgeschrieben bedeutet der Name "Zentralheizung of Death des Todes". Der doppelte Tod ist lt. Bandgeschichte wohl einem eifrigen Veranstalter zu verdanken, der den Teil des Namens selbstständig ins Englische übersetzte. Wer so unprätentiös mit seinem Bandnamen umgeht ist ja schon grundsympathisch.
In diesem Jahr ist das New Fall Festival ja eher mit schönen Klängen besetzt, daher verwunderte die Ansetzung der Erfurter zunächst etwas. Gewinner und Frühbucher versammelten sich wieder pünktlich zu feinen Getränken und Happen aus der Hauskantine am Düsseldorfer Hafen. Die entspannte und tolle Location, sowie der pünktliche Beginn und der Verzicht auf Vorgruppen sollte vielleicht zu einer festen Veranstaltungsreihe werden. An einem Sonntagabend ist ein Konzertende vor 22:00 Uhr ja eher ein Segen.
Dabei sollte dann aber vielleicht der Lichtaufbau noch einmal überdacht werden. Drei monotone Strahler steigern die Atmosphäre leider nicht. Der Wunsch der Band auf Änderung des Lichts wurde mit einem, wie sich später herausstelle, ernst gemeinten "Ich kann nur, An-oder Aus" gekontert.
Kein Problem dachte ich, sprachen doch alle vorab von der Band als lustige Dilettanten, denen solche Kleinigkeiten wohl keine Probleme bereiten sollten.
Doch schnell war klar, hier sind alles andere als schrullige Anfänger am Werk. Mag auch alles bisher in Eigenregie auf kleinem Level ausgetüftelt sein, als Musiker treten hier keine Neulinge an.
Alles ist bunt, der Sänger trägt einen knallblauen M&M !! (ja die Schokodrops, nicht H&M) Poncho, der Drummer präsentiert einen Schnurrbart der Extraklasse und laut es natürlich auch. Aber eben alles im Rahmen und vor ca. 20 Jahren wäre diese Band nirgendwo besonders aufgefallen mit ihrem schrammeligen Garagenpunk.
Hier und heute ist der Unterschied zum Publikum allerdings zu groß. In einem anderen Club mit tanzwütigen Gleichgesinnten hätte das ganze bestimmt noch eine ganz andere Note. Heute bleibt es eher bei einem Showcase Gig, der allerdings war kurz und knapp und dürfte allen gefallen haben.
Die Band beendet gerade eine Kurztour, die sie bereits nach England und zum Incubate nach Tilburg geführt hat. Hoffentlich verbreitet sich das gute Echo und wir hören noch öfters von den "Sonic Youth youth".
Bleibt zu Hoffen das beim New Fall Festival auch in Zukunft der Mut nicht verloren geht, gerade auch die Künstler in die schöne Hallen zu bringen, die sonst diese Chance nicht oft erhalten. Gerade bei Mogwai und Tocotronic hat das in den letzten Jahren ja sehr gut funktioniert.
Die Segel sind mit den zwei Previews gesetzt, jetzt nimmt das Schiff Fahrt auf und wird in vier Wochen mit voller Besatzung am Düsseldorfer Ufer landen. Wir werden berichten.