Mittwoch, 24. Oktober 2018

The Wedding Present, Paris, 22.09.18


Konzert: The Wedding Present
Ort: Point Ephémère, Paris
Datum: 22.09.18
Zuschauer: zwischen 250 und 300



Wenn man die Konzertreisen von The Wedding Present in den letzten 10 Jahren mitverfolgt hat, konnte man schön sehen, wie die eigene Lebenszeit verstreicht. Da sie etwa ein mal pro Jahr nach Paris kommen, stellt man immer wieder erstaunt fest, wie schnell ein Jahr vergeht. Waren sie nicht erst kürzlich hier? Um 30 Jahre George Best zu feiern? Ach so, das war im November 2017! Auch schon wieder 10 Monate her, verrückt wie die Zeit fliegt!




Und witzigerweise stammte dann auch gleich das erste Lied des Abends von Georg Best. Everyone Thinks He Looks Daft ist ein Klassiker, ein veritabler Ohrwurm, der das Konzert auf schwungvolle Wiese lancierte. Aber die Weddos können auch gar nicht anders als schwungvoll und dynamisch. Ihre Konzerte ähneln mehreren hintereinanderfolgenden Sprints, jedes Lied ist noch schneller als das vorangegangene und Dave Gedge bearbeitet seine Gitarre immer wie ein gedopter Leichtathlet. Ich glaube der Mann braucht das einfach. Dieses sich Abschrammeln an seiner Elektrischen. Ein Lebenselixier für ihn. Eigentlich könnte er sich ja langsam zur Ruhe setzen oder zumindest etwas kürzer treten, aber Gedge zieht sein Tourprogramm Jahr für Jahr gnadenlose durch. Etliche Begleitmusiker konnten seinem Tempo nur eine Weile lang folgen, Wechsel im Personal gab es in der Historie der Band reichlich.





Auch heuer wieder wurden wir mit einem neuen Line Up überrascht. Anstatt der blonden Danielle Wadey, die inzwischen Gitarre spielt, zupft nun die brünette, bereits auf Studioaufnahmen von Going Going präsente Melanie Howard den Bass. Eine hübsche junge Frau mit zarten Gesichtszügen und einem gothisch angehauchten schwarzen Look, die sehr dezent, fast schüchtern, agierte. Drummer Charles Layton, der schon seit 13 Jahren dabei ist, ging da ganz anders zu Werke. Er knallte drauf wie ein Besessener und zog auch wieder urkomische Grimassen. Danielle Wadey schien ihre Funktion als Gitarristin zu geniessen. Ihre Rolle in der Band ist wichtiger geworden, sie steht jetzt mit Dave an vorderster Front und sang auch immer wieder ein paar Vocalparts. Hübsch anzusehen ihre Kleidung, ein güldenes enges Kleid und flache Glitzerschuhe.


Die Ansagen und Kommentare zwischen den Songs machte aber immer nur der Chef persönlich. Nicht, dass er ausufernde Reden hielt, das nicht, aber er gab immer mal kurze Erklärungen zur Genese der Stücke und von welchem Album sie stammen. In einer recht witzigen Szene zeigte er auch seinen zynischen Humor, als er nach einem Zug aus der Pulle seine edelstählerne Trinkflasche anschaute und grinsend sagte: "Ist nicht aus Plastik. Ich vermeide jetzt Plastik. Ok, ich mache ab und zu Flugreisen, aber zumindest versuche ich umweltfreundlicher zu sein."

Sprachs augenzwinkernd, schnappte sich seine Gitarre und schrammelte wieder drauf los.


Die Setlist ging diesmal quer durch den Garten, quasi jedes Album wurde mit mindestens einem Song bedacht, Bizarro sogar mit drei an der Zahl. Don' Talk Just Kiss, in der Anfangsphase gespielt, stammte z. B. von jenem Machwerk. Nach wie vor ein dufte Titel, der teilweise sehr grungig und aggressiv wird und wurde, aber auch immer mal wieder mit Tempowechseln aufwartete. "I wann wake up in you." sang Dave an einer Stelle. Wie er das wohl meinte? Ob das jugendfrei war?

Lovenest stach ebenfalls hervor. Ein Song mit einem langen Intro , eher mittelschnell als rasant, aber sehr punkig und mit vielen überraschenden Wendungen.

Und dann gab es auch Lieder von seltener gespielten Alben: Ringwall To Seatac von Take Fountain, Boo Boo von El Rey, oder Bear von Going, Going.

Die packendsten Tracks hatten die Weddos aber in die Schlussphase gepackt, da kamen  altbekannte Kracher wie My Favourite Dress, Kennedy ("too much apple pie") und Take Me! hintereinander weg. Das letzte Stück endete in einer irre langen Instrumentalphase und wurde voll ausgekostet.

Zugaben gab es danach natürlich keine, das sind wir von The Wedding Present auch nicht anders gewohnt.

Wieder mal ein starker Auftritt der Briten, die danach auch noch durch Deutschland tourten. Vielleicht wart ihr dabei und könnt uns eure Eindrücke schildern? Im Gebäude 9 in Köln war es sicherlich toll, davon gehe ich mal aus!



Setlist

Everyone Thinks He Looks Daft

Once More
Don't talk, Just Kiss
Blue Eyes
Lovenest
Ringway To Seatac
You Should Always Keep in Touch With Your Friends
Boo Boo
Gazebo
Heather
Pourquoi es tu devenue si raisonnable?
You Jane
Niagara
Getting Nowhere Fast
Bear
Flying Saucer
My Favourite Dress
Kennedy
Take Me!




0 Kommentare :

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates