Freitag, 17. Juni 2011

Pollyanna, Paris, 15.06.11


Konzert: Pollyanna

Ort: Le Baron, Paris
Datum: 15.06.2011
Zuschauer: wie viele da waren, oder wie viele zugehört haben? = ein großer Unterschied!
Konzertdauer: halbe Stunde oder so


Mit Isabelle Casier aka Pollyanna in der Schickimicki-Disco Le Baron in Paris. Das hatten wir hier schon einmal auf dem Konzerttagebuch. Seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen, Isabelle hat viele neue Lieder geschrieben und auch ihren Drummer gewechselt.

Ansonsten ist aber, zumindest was das Baron anbetrifft, alles beim Alten geblieben. Immer noch die gleichen pflegelhaften Snobs im Publikum, die sich einen Scheißdreck darum kehren, wer gerade auf der Bühne spielt und nach wie vor kostet das kleine Fläschchen Bier 10 Euro. Für die Affenpisse, die in Frankreich als "bière" verkauft wird, eindeutig zu teuer. Ich glaube ich würde lieber elendig verdursten, als einen Zehner für ein Bierchen zu blechen. Vermutlich hat dies auch das blonde Dummchen, das als Kellnerin (Animierdame?) fungierte, durchschaut und deshalb mich und ein paar andere Mitbürger von unserem Tisch vertrieben und ein paar arrogante Arschlöcher stattdessen dorthin platziert. Diese aufschneiderischen Typen orderten dann im Anschluß eine Pulle Whiskey (+ Red Bull Light, pff!).

Mann, was für eine Schweinerei! Zumindest im Nachhinein sehe ich das so. Im Augenblick als die "Zwangsräumung" vollzogen wurde, war ich viel zu überrascht, um mich darüber aufzuregen oder mich zu beschweren. Ich saß da nämlich ganz gemütlich zusammen mit dem neuseeländischen Folkmusiker David Abel und drei anderen Leuten an einem der Tischchen und schaute mir das schöne Konzert von Pollyanna an. Da kam plötzlich die blonde Dumpfbacke von Kellnerin an und brabbelte irgendwas, was wir zunächst gar nicht verstanden. Wir glaubten erst, sie wolle nur, daß wir ein wenig zusammenrücken, damit sich noch andere Gäste dazusetzen können. Aber wir waren zu naiv und gutmütig und hätten nicht damit gerechnet, daß sie uns eiskalt vertreiben wollte. Es galt das Motto: wer nicht konsumiert, hat hier nichts zu suchen. Da standen wir dann plötzlich da wie die Deppen und mussten mit ansehen, wie vier auf wichtig machende Tunichtgute unsere Plätze einnahmen. Wohlgemerkt: im Bar- und Restaurantbetrieb ist es weltweit üblich, daß diejenigen privilegiert werden, die viel saufen und fressen und für Umsatz sorgen. Das ist an sich nicht zu beanstanden. Das Problem war lediglich im konkreten Falle, daß wir noch nicht einmal gefragt wurden, ob wir etwas bestellen möchten. Wir bekamen gar nicht die Gelegenheit dazu. Und mein Bekannter David hatte immerhin vorher eines dieser verfluchten Biere für 10 Euro getrunken, sich also im Sinne der Bargepflogenheiten regelkonform verhalten.

Schlimmer als dieses Ärgernis wog aber letztlich die Tatsache daß erneut so laut geschwätzt wurde, daß man das schöne Konzert von Isabelle nicht genießen konnnte. Sie musste viel lauter singen als üblich, um sich zu Gehör zu verschaffen und das ging auf Kosten des Wohlklangs. Ihr sanftes Timbre konnte nicht zur Entfaltung kommen, die feinen Nuancen und Subtilitäten konnte man nicht so gut heraushören. Ein Jammer! Denn die neuen Songs von Pollyanna sind wirklich gut. Hit The Road trägt die Bezeichnung Hit ja schon richtigerweise im Namen und Bruxelles ist eine der vielen einfühlsamen Folkballaden, von denen Isabelle inzwischen schon so einige auf ihrer Habenseite verbuchen kann.





Abe irgendwie ging das alles so ziemlich unter und von Lied zu Lied strömten mehr Leute in die Nobeldisco und erzeugten auch noch mehr Lärm.

Fast hatte ich den Eindruck, daß Isabelle deshalb bereits nach einer halbe Stunde das Handtuch warf und mit einem Abba Cover (Lay All Your Love On Me) abschloß. Sie hatte kaum noch die Zeit, ihren Kram zusammenzupacken, da wurde die winzige Tanzfläche schon von vergnügungssüchtigen Menschen heimgesucht und wenn man hinterher jemanden gefragt hätte, wer denn vorhin aufgetreten war, hätte man sicherlich nur ein desinteressiertes Achselzucken als Antwort bekommen.

Fazit: Pollyanna immer wieder gerne, beim Baron bin ich mir da nicht so sicher. Vielleicht sollte ich da einfach nicht mehr hingehen. Ja, genau, so mach' ich das. Ich geh' da nicht mehr hin.



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