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Donnerstag, 15. September 2016

Pollyanna, Mannheim, 23.06.16

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Konzert: Pollyanna
Ort: Bild und Ton in der Galerie Böhner, Mannheim
Datum: 23. Juni 2016
Dauer: 90 min
Zuschauer: 10


Schon länger verbindet mich eine herzliche Freundschaft mit zwei Burschen aus Mannheim. Immer wieder liefen wir uns auf Konzerten über den Weg und schließlich sprachen wir uns wegen Fotos an. Schließlich wurden sie Gäste in meinen Konzerten und trugen die Idee nach Mannheim in die Galerie Böhner als Bild und Ton Konzerte. Als nun im mit viel Liebe kuratierten Programm ein Konzert mit der Französin Isabelle Casier aka Pollyanna stand, war der Termin für mich ein muss. An dem Vorsatz änderten schließlich auch die mörderischen Temperaturen am 23. Juni nichts.


Per Fahrrad wurden die knapp 2 km zum Bahnhof in Hagsfeld bewältigt und die Bummelbahn (*) brachte uns nach Mannheim, wo es leider noch wärmer als in Karlsruhe war. Nachdem wir die Galerie gefunden hatten, waren wir ganz schön durchgeschwitzt, aber der Innenraum empfing uns mit im Haus aufgesparter Kühle - was für eine Wohltat! Trotzdem waren wohl alle Zuhörer und auch die Künstlerin durch die Hitze ganz schön mitgenommen. Deshalb überraschte es mich nicht, dass Pollyanna im Einstieg und den ersten Songs eher ruhig und nachdenklich wirkte und wohl auch erst innerlich umschaltete. Aber schon bald schunkelte es und wurde schließlich auch plaudernd und schwarzhumorig.


Der erste wirkliche Kommentar zwischen den Songs war, dass das Publikum in der Sitzordnung so komisch aufgeteilt sei: Ein Teil links ein anderer rechts und wenn sie sich mit ihrer Darbietung auf die Mitte konzentriere, ist dort niemand, was für sie seltsam sei. Aber z.B. mit You are a tiger eroberte sie doch die Herzen aller anwesenden. Die Glitzerbilder (von Hee Sook Kim - nicht auf den Fotos) erinnerten mich derweilen an einen Spruch: Ich schwitze nicht, ich glitzere. Es gab einen französischen Popsong im Stil der 60er, ein südamerikanisches Wiegenlied mit politischer Färbung und schließlich auch ein Cover von ABBA: Lay all your love on me.


Dann die Hits (wenigstens in meinen Augen!) Old Rockers und Brighton - was später auch als allerletzte Zugabe auf Wunsch eines einzelnen Herren wiederholt wurde. Hervorstechend für mich war darüber hinaus auch My favourite song. Wie immer sehr witzig - auch in der Ansage dazu - Chasing mammoths und ein zweites (neues) französisches Lied (als erste Zugabe). Alles in allem hatte sich also die Schweiß treibende Fahrt mehr als gelohnt, wenngleich es schön gewesen wäre, hätten wir noch etwas mehr Zeit (und auch Kraft...) übrig gehabt, um noch ein bisschen zu schwatzen. Aber so mussten wir den letzten einigermaßen vernünftigen Zug schaffen, der uns noch kurz vor Mitternacht in Hagsfeld auskippen würde.


(*) nämlich die 30 min zu spät fahrende Bahn, die etwa zu der Zeit fuhr als wir den planmäßig nächsten Zug nehmen wollten, der ganz ausfiel...

Aus unserem Archiv:
Pollyanna, Karlsruhe, 28.06.15
Pollyanna, Paris, 15.06.11
Pollyanna, Paris, 07.01.11
Pollyanna, Paris, 04.09.10 (Oliver Peel Session #27)
Pollyanna, Paris, 22.05.09 (Oliver Peel Session #5)
Pollyanna, Paris, 21.04.09
Pollyanna, Saint Ouen, 30.01.09
Pollyanna, Paris, 18.06.08



Mittwoch, 1. Juli 2015

Pollyanna, Karlsruhe, 28.06.15

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Konzert mit Pollyanna
Datum: 28. Juni 2015
Dauer: 70 min
Zuschauer:10


I can feel the privilege of being a stranger 

Manchmal macht es einfach "klick" und man hat eine verwandte Seele erkannt. Isabelle aka Pollyanna war mir lange schon durch Olivers Erzählungen bekannt und deshalb auch irgendwie vertraut. Zu enthusiastisch war die Beschreibung der Wirkung ihrer Musik als dass mich das nicht sehr neugierig gemacht hätte, sie nun endlich auch einmal selbst erleben zu können und noch dazu in meiner liebsten Umgebung und ganz ohne Streß.



Der Sommer bot sein bestes, um den Tag zu einem denkwürdigen zu machen. Nicht zu warm nach ausgiebigem Regen der Tage davor, hatten wir einen Sonntag voller Licht und Ruhe gehabt. Auch mit unserem Gast (vorher den Tücken der deutschen Autobahnstaus ausgeliefert) saßen wir so lange es ging im Garten und nach dem Konzert wurde es noch Mitternacht bis wir uns nur aus dem Zwang, am nächsten Morgen wieder zur Arbeit zu müssen widerwillig für die Nacht trennten. 


Das Konzert war einerseits "nur" diese Frau mit der Gitarre. Die Stimme ein bisschen verstärkt und sonst alles ohne Politur und Bearbeitung. Aber in den Lieder steckte ihr Leben und das wusste sie zu zeigen als eine kostbare Gabe. Die Referenzen waren dabei weit gespannt vom Namen gebenden Kinderbuch (in Deutschland für die anwesenden Leute zwar kein Klassiker, aber jede/r kennt die ähnlichen Bücher hier) bis zur Tatsache, dass die Stones aktuell auf ihren Touren einen Arzt backstage dabei haben. Und dass solche Altrocker und ihr ehemaliger Chef manches gemeinsam haben, das uns jüngeren die Luft zum atmen nehmen kann (*).


Im Set hatten wir z.B. Chasing Mammoths, Brighton, You're a Tiger, My favourite Song, Old Rockers, Hit the road, Broadcast in Heaven und ein französisches Lied. Besonders im Ohr blieb mir ein ABBA Bearbeitung Lay all your love on me. Das widmete sie allen schwedischen Gewinnern des European Song contests und ließ uns selbst drauf kommen, welche schwedische Band hier zu Gast war. Ihr blitzte oft der Schalk aus den Augen, wenn sie über die Liebe und das Leben und die Haken, die beide mit uns schlagen zwischen den Liedern kurz den Scheinwerfer auf Askpekte des nächsten Liedes richtete. Ganz und gar bei uns und bei sich in diesem Moment. Was für ein Geschenk.

In mir leuchtet dieser Abend noch nach und ich fühle mich beschenkt, eine Wandersfrau getroffen zu haben, die zwar ganz andere Wege gegangen ist als ich, unsere Herzenswege haben sich aber schon früher oft getroffen.




(*) Erst später fand ich meine eigene Verstrickung mit seinem Imperium dem ich z.B. auch nächste Woche meine Studierenden zur Exkursion schicken werde ...

Tourdaten Juni 2015
30.05. Lüttich L'An Vert
31.05. Bochum Maarbrücke Wohnen
01.06. Duisburg
01.06. Essen Wohnzimmerkonzert
02.06. Fehmarn Pier 37
03.06. Wuppertal Freilichtbühne
04.06. Duisburg Brunch at Freebirds
04.06. Xanten Geheimkonzert
05.06. Bremen Kulturhaus Walle
07.06. Rüssel Chez Claude
12.06. Beaucaire Wohnzimmerkonzert
21.06. Paris Musique en terrasse
24.06. Lübeck Tonfink
26.06. Nienburg Kulturwerk
27.06. Annaberg-Buchholz
28.06. Karlsruhe Wohnzimmerkonzert


Aus unserem Archiv:
Pollyanna, Paris, 15.06.11
Pollyanna, Paris, 07.01.11
Pollyanna, Paris, 04.09.10 (Oliver Peel Session #5)
Pollyanna, Paris, 22.05.09 (Oliver Peel Session #27)
Pollyanna, Paris, 21.04.09
Pollyanna, Saint Ouen, 30.01.09
Pollyanna, Paris, 18.06.08



Montag, 2. April 2012

Amy Musser, Pollyanna, Maud Lübeck, Paris, 29.03.12

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Konzert: Amy Musser, Pollyanna, Maud Lübeck

Ort: ein blauer Bus,der durch Paris fährt
Datum: 29.03.12 Zuschauer: 9 inklusive Musiker
Konzertdauer: eine gute Stunde,pro Künstler 1 Lied aber 2 takes


Wenn Franzosen von einer viertel Stunde sprechen, dann meinen sie eigentlich eine Stunde!


Soviel habe ich zumindest an jenem kühlen Märzabend gelernt. Nun ja, man soll ja nicht verallgemeinern. Aber ziemlich frustriert war ich schon, daß muss ich zugeben. Dabei hatte alles so wahnsinnig spannend geklungen. 3 (ursprünglich 4, Cleo T.war kurzfristig abgesprungen) Künstlerinnen sollten mit einem alten Bus aus den 1950ern Jahren durch Paris fahren und akustisch jeweils ein Lied vortragen, was gefilmt werden würde. Die Sache fand auch wie geplant statt, allerdings ohne mich an Bord. Zwar hatte ich es geschafft, schon einzusteigen und ein Plätzchen zu besetzen, aber nachdem durchgezählt wurde, stellte der Fahrer fest, daß wir 10 Perosnen seien, sein Führerschein und seine Verischerung aber nur für 9 Leute gelten würde. Ich hatte die Arschlochkarte gezogen und musste wieder aussteigen. Man vertröstete mich, versprach mir, nach dem ersten Musiker durchzuwechseln, damit niemand von dem Vergnügen ausgeschlossen würde. In einer viertel Stunde seien sie wieder da und würden mich an Ort und Stelle abholen. Soweit die Theorie.

50 Minuten später hing ich immer noch auf der Straße rum, guckte vergeblich auf den Asphalt, sah aber weit und breit keinen blauen Bus. Es war inzwischen empfindlich kühl geworden und nach weiteren fünf Minuten zog ich wie ein nasser Pudel deprimiert von dannen.


Später erfuhr ich, daß die Gruppe fünf Minuten später eingetroffen sei, um mich abzuholen. Aber es wäre ein schwacher Trost gewesen, Amy Musser und Maud Lübeck waren schon mit ihrem Programm durch.

Für mich trotzdem die Gelegenheit, diese neue Art von Sessions zu erwähnen, denn die Sache hat sicherlich Charme. Der Bus satmmt aus dem Jahre 1957, Fabrikat Renault und bietet sieben Touris (+ den zwei Tourbegleitern) Platz. Eine halbstündige Fahrt kostet mit 7 Leuten 126 Euro, also 18 pro Person. Eine nicht ganz billige, aber originellle Art die Stadt kennenzulernen.

Wichtiger als dieser Hinweis ist aber noch die Tatsache, daß Pollyanna eine neue tolle EP namens Spring herausgebracht hat, daß Maud Lübeck sogar ihr erstes richtiges Album La Fabrique dieser Tage veröffentlicht und daß man auf der Bandcamp Seite von Amy Musser jeden Sonntag einen Song aus ihrer Reihe Bedroom Series anhören kann. Und wenn ich von den fertigen Videos der Bus Bleue Action erfahre, gebe ich hier Bescheid.










Freitag, 17. Juni 2011

Pollyanna, Paris, 15.06.11

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Konzert: Pollyanna

Ort: Le Baron, Paris
Datum: 15.06.2011
Zuschauer: wie viele da waren, oder wie viele zugehört haben? = ein großer Unterschied!
Konzertdauer: halbe Stunde oder so


Mit Isabelle Casier aka Pollyanna in der Schickimicki-Disco Le Baron in Paris. Das hatten wir hier schon einmal auf dem Konzerttagebuch. Seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen, Isabelle hat viele neue Lieder geschrieben und auch ihren Drummer gewechselt.

Ansonsten ist aber, zumindest was das Baron anbetrifft, alles beim Alten geblieben. Immer noch die gleichen pflegelhaften Snobs im Publikum, die sich einen Scheißdreck darum kehren, wer gerade auf der Bühne spielt und nach wie vor kostet das kleine Fläschchen Bier 10 Euro. Für die Affenpisse, die in Frankreich als "bière" verkauft wird, eindeutig zu teuer. Ich glaube ich würde lieber elendig verdursten, als einen Zehner für ein Bierchen zu blechen. Vermutlich hat dies auch das blonde Dummchen, das als Kellnerin (Animierdame?) fungierte, durchschaut und deshalb mich und ein paar andere Mitbürger von unserem Tisch vertrieben und ein paar arrogante Arschlöcher stattdessen dorthin platziert. Diese aufschneiderischen Typen orderten dann im Anschluß eine Pulle Whiskey (+ Red Bull Light, pff!).

Mann, was für eine Schweinerei! Zumindest im Nachhinein sehe ich das so. Im Augenblick als die "Zwangsräumung" vollzogen wurde, war ich viel zu überrascht, um mich darüber aufzuregen oder mich zu beschweren. Ich saß da nämlich ganz gemütlich zusammen mit dem neuseeländischen Folkmusiker David Abel und drei anderen Leuten an einem der Tischchen und schaute mir das schöne Konzert von Pollyanna an. Da kam plötzlich die blonde Dumpfbacke von Kellnerin an und brabbelte irgendwas, was wir zunächst gar nicht verstanden. Wir glaubten erst, sie wolle nur, daß wir ein wenig zusammenrücken, damit sich noch andere Gäste dazusetzen können. Aber wir waren zu naiv und gutmütig und hätten nicht damit gerechnet, daß sie uns eiskalt vertreiben wollte. Es galt das Motto: wer nicht konsumiert, hat hier nichts zu suchen. Da standen wir dann plötzlich da wie die Deppen und mussten mit ansehen, wie vier auf wichtig machende Tunichtgute unsere Plätze einnahmen. Wohlgemerkt: im Bar- und Restaurantbetrieb ist es weltweit üblich, daß diejenigen privilegiert werden, die viel saufen und fressen und für Umsatz sorgen. Das ist an sich nicht zu beanstanden. Das Problem war lediglich im konkreten Falle, daß wir noch nicht einmal gefragt wurden, ob wir etwas bestellen möchten. Wir bekamen gar nicht die Gelegenheit dazu. Und mein Bekannter David hatte immerhin vorher eines dieser verfluchten Biere für 10 Euro getrunken, sich also im Sinne der Bargepflogenheiten regelkonform verhalten.

Schlimmer als dieses Ärgernis wog aber letztlich die Tatsache daß erneut so laut geschwätzt wurde, daß man das schöne Konzert von Isabelle nicht genießen konnnte. Sie musste viel lauter singen als üblich, um sich zu Gehör zu verschaffen und das ging auf Kosten des Wohlklangs. Ihr sanftes Timbre konnte nicht zur Entfaltung kommen, die feinen Nuancen und Subtilitäten konnte man nicht so gut heraushören. Ein Jammer! Denn die neuen Songs von Pollyanna sind wirklich gut. Hit The Road trägt die Bezeichnung Hit ja schon richtigerweise im Namen und Bruxelles ist eine der vielen einfühlsamen Folkballaden, von denen Isabelle inzwischen schon so einige auf ihrer Habenseite verbuchen kann.





Abe irgendwie ging das alles so ziemlich unter und von Lied zu Lied strömten mehr Leute in die Nobeldisco und erzeugten auch noch mehr Lärm.

Fast hatte ich den Eindruck, daß Isabelle deshalb bereits nach einer halbe Stunde das Handtuch warf und mit einem Abba Cover (Lay All Your Love On Me) abschloß. Sie hatte kaum noch die Zeit, ihren Kram zusammenzupacken, da wurde die winzige Tanzfläche schon von vergnügungssüchtigen Menschen heimgesucht und wenn man hinterher jemanden gefragt hätte, wer denn vorhin aufgetreten war, hätte man sicherlich nur ein desinteressiertes Achselzucken als Antwort bekommen.

Fazit: Pollyanna immer wieder gerne, beim Baron bin ich mir da nicht so sicher. Vielleicht sollte ich da einfach nicht mehr hingehen. Ja, genau, so mach' ich das. Ich geh' da nicht mehr hin.



Montag, 17. Januar 2011

Pollyanna, Paris ,07.01.11

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Konzert: Pollyanna

Ort: La Loge, Paris
Datum: 07.01.11
Zuschauer: volle Hütte! 100?
Konzertdauer: eine gute Stunde


Soll ich euch was verraten? Mein erstes Konzert des Jahres 2011 fand schon am 7. Januar statt, ich kam vor lauter Bestenlisten von 2011 lediglich nur nicht dazu, etwas über den Auftritt von Isabelle Casier aka Pollyanna zu erzählen. Eine Sünde, holte ich dies nicht hiermit nach, denn das Konzert war einfach nur wunderwunderschön!!

Geschätze 100 Leute hatten sich an jenem Freitag, dem 7. Januar, eingefunden, um den nagelneuen, noch unveröffentlichten Stücken der Pariser Gitarristin und Sängerin zu lauschen. Isabelle war nicht alleine gekommen, sondern hatte eine ausgewachsene Kammerpopgruppe mitgebracht. Die lieblich lächelnde Léa Meur strich und zupfte das Cello, François Fuchs (ebenfalls bei Reza aktiv) bearbeite ganz relaxt den Kontrabass undJean-Micle Blecon sorgte sich um das Schlagzeug und die Percussions. Die vier natürlich-sympathischen Musiker verzauberten mich von Anfang bis Ende. Sie spielten absolut brillant und harmonisch zusammen, agierten dezent aber präzise und warteten mit Stücken auf, mit denen sie Schönheitspreise hätten gewinnen können. Meine Ohren wurden unglaublich verwöhnt und hocherfreut stellte ich fest, daß die neuen Songs von Pollyanna hell glänzende Juwelen sind. Sehr melancholisch, aber nie hoffungslos, anschmiegsam wie eine weiche Katze und trostpendend wie die Umarmung durch eine geliebte Person. Ich hatte Isabelle ja schon sehr oft gesehen, sie bereits zu zwei tollen Oliver Peel Sessions eingeladen, aber was sie und ihre Band heute ablieferte, war ihre bisher größte Leistung.

Damit ihr euch auch mal einen Eindruck von diesem fabelhaften Konzert machen könnt, habe ich ein ganz hervorragendes Video von Clô aka Onewomanpictures eingefügt. Guckt es euch in Gänze an und lasst euch verzaubern. Reiner und klarer hat Isabelles Stimme nie geklungen. Yeah, baby!!



Bilder folgen. Etwas Geduld bitte, ich brauche eine neue Festplatte, die alte ist randvoll! Die drei Pics stammen von einem älteren Konzert im Baron. Zusammen mit Isabelle haben wir uns monatelang über die abgebildeten Tussis (letztes Foto) totgelacht, die an jenem Abend die Schicki-Micki Disco frequentierten.

Setlist Pollyanna, La Loge, Paris:

01: B& L
02: Broadcast
03: Favourite
04: Tiger
05: Smoke
06: About To Rain
07: Old Rockers
08: Kids
09: Brighton
10: Real Life

11: Hit The Road



Sonntag, 5. September 2010

Pollyanna & Boo Hoo, Paris, 04.09.10

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Konzert: Pollyanna & Boo Hoo (We Were Hunters, David Abel)

Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 27
Datum: 04.09.2010
Zuschauer: 32 + 1 Ragdollkater mit Diabetes



Freunde, das war wieder herrlich! Die Französin Isabelle von Pollyanna hat erneut die heiligen Hallen des Peelschen Wohnzimmers bespielt und eine Menge neuer Folk/Pop Perlen (die neue Single Hit The Road, It's Not The Smoke) aus ihrem Hut gezaubert, den sie nicht anhatte. Nicht mit Hut, aber mit Kappe (ein gelbes Truckerkäppi um genau zu sein) und seiner charmanten Freundin und Backgroundsängerin Amelie erschien der Frankfurter Bernhard alias Boo Hoo. Die beiden boten ein Set voller Charme und Authenzität, gespickt mit süß-sauren Texten. Das schien auch unserem Kater d'Artagnan zu gefallen, der sich wieder einmal von tausend Händen streicheln ließ.

Für Gäste mit Ausdauer gab es ganz Am Ende sogar noch ein Betthupferl. Die englische Geigerin Chloe und ihr französischer Freund Alban an der Gitarre spielten zwei äußerst schwungvolle traditionelle schottische Folksongs. Sie firmieren unter dem Namen We Were Hunters und haben sich mit ihrem tollen Vortrag für eine zukünftige Oliver Peel Session empfohlen. Gleiches gilt für den Engländer David Abel, der ein Stück vortrug. Er ist Fan von Iron and Wine und Nina Nastasia, der Kerl hat Geschmack!

Mehr Infos in Kürze!

- Bei Rockerparis gibt es eine englische Review mit schönen Fotos und einem Livevideo. Klick!
- Hier gibt es schon jede Menge Fotos von der Session. Ein prachtvoller Kater, tolle Künstler und hübsche Menschen, wohin das Auge blickt!

Setlist Boo Hoo, Oliver Peel Session # 27, Paris: (vielen Dank an Amelie)

01: Afghan Hounds
02: Lady Di
03: Madonnas Greatest Hits
04: Boo Hoo Song
05: Berlin
06: Hypermarché
07: Woody Allen
08: All Summer Long (Phoebe Kreutz Cover)
09: Heartbeatspeed
10: Great Blackout Of 84
11: Charlie Brown
12: Marathon Mouse



Dienstag, 2. Juni 2009

Pollyanna, Milkymee, u.a., Paris, 31.05.09

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Konzert: Pollyanna & The Milkymee u.a.

Ort: Festival Villette Sonique, Ateliers Enfants
Datum: 31.05.2009
Zuschauer: groß und klein, wie fein.
Konzertdauer: 20 Minuten



Ein Wiedersehen mit den wunderbaren Isabelle und David von Pollyanna, die auf der vorletzten Oliver Peel Session einen ganz hervorragenden Eindruck hinterließen! Heute spielten sie lediglich den Song Take und jamten dann noch ein wenig mit The Milkymee und den Kindern. Den Song Take, den Pollyanna heute performten, kann man sich bei Blog Up Musique gratis downloaden, genau wie die anderen Lieder, die bei diesem akustischen Konzert für Kinder heute und gestern gespielt wurden.





Sonntag, 24. Mai 2009

Pollyanna, Paris, 22.05.09

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Konzert: Pollyanna

Ort: ein Wohnzimmer, irgendwo in Paris (Oliver Peel Session # 5)
Datum: 22.05.2009
Zuschauer: 20
Konzertdauer: 1 Stunde



Wow! Das war richtig großartig! Trotz zahlreicher Störaktionen unseres überdrehten Katers D'Artagnan boten Isabelle und David von Pollyanna vor begeisterten Zuschauern ein ganz hervorragendes und äußerst filigranes Konzert. Ich wußte gar nicht, daß es möglich ist, in diesem besonderen Rahmen soviele Finessen und Feinheiten einzuarbeiten. David spielte nicht nur meisterlich Gitarre (ein nagelnes Modell aus New York mit super Klang!) und Ukulele (famos, seine Technik!), sondern auch Melodica und Glockenspiel. Und die Klöppel des Glockenspiels hatten es auch unserem Katerchen angetan, er wirbelte sie im hohen Bogen durch die Luft und Isabelle, die auf das Wundervollste sang, hatte Probleme ihr Lachen in den Griff zu kriegen und sich auf den Text zu konzentrieren. Jeder hatte hier und heute seinen Spaß und dies trotz der Vielzahl an melancholischen Liedern. Grandios auch der Abschluß: Auf eindringlichen Wunsch performten die beiden Sympathen noch spontan das Young Marbel Giants Cover Brand-New-Life, was ihnen den verdienten tosenden Applaus einbrachte.

Merci mille fois Isabelle et David!

Setlist, Fotos, Videos und ein komplett ausformulierter Bericht folgen in Kürze!

- Mehr Fotos von der Oliver Peel Session mit Pollyanna hier



Donnerstag, 23. April 2009

Pollyanna, Paris, 13.04.09

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Konzert: Pollyanna

Ort: Le Baron, Paris
Datum: 13.04.2009
Zuschauer: während des Konzertes etwa vierzig, danch bestimmt 200 und mehr
Konzertdauer: ca. 35-40 Minuten



Wenn natürliche, bescheidene und geerdete Personen wie Isabelle und David von der Pariser Band Pollyanna in einem Schickimicki Club der französischen Metropole spielen, dann enstehen spannende Kontraste zwischen den beiden Künstlern und dem aufgestylten Publikum. Das Baron entspricht so gar nicht den Locations, wo Pollyanna bisher aufgetreten sind. Bis dato waren sie eher in Indiekellern und kleinen und mittleren Clubs unterwegs und da passen sie auch besser hin, als in diesen puffähnlichen Laden unweit der Champs-Elysées!

Und dennoch: Isabelle fühlte sich am Ende doch sehr wohl und suchte selbst Erklärungen dafür. "Seien wir doch einmal ehrlich, letztlich ist Indierock doch etwas für gebildete und besserverdienende Kreise, Farbige und Leute aus der Banlieue verirren sich doch eher selten auf unsere Konzerte", meinte sie wohlwissend, daß eine schwarze Freundin von ihr heute da war, der sie das Gleiche erzählt hatte. Ich nickte zustimmend und erzählte ihr, daß ich mal in einem Konzertbericht über Billy Bragg Ähnliches geschrieben hatte. Der liebenswürdige Engländer hatte wieder einmal über Rassismus sinnniert, obwohl alle im Publikum eigentlich käseweiß waren, während draußen im Viertel jede Menge Leute aus ehenmaligen Kolonien Frankreichs leben, die von Billy Bragg noch nie etwas gehört haben, weil ihre Helden 50 Cent oder Kanye West heißen.

Mit Isabelle waren wir uns einig, daß Bobos (Linksintellektuelle) und Yuppies doch letztlich der gleiche Menschenschlag seien, weil sie in der Regel aus gebildeten und begüterten Kreisen kämen. Und diese Leute würde ihr Publikum darstellen, wobei heute im Baron natürlich ganz klar eine Überzahl an Yuppies und Tussis aus den reichen Vierteln da waren.

Aber im Grunde genommen war für mich am Wichtigsten, ob Pollyanna denn neue Hörer und potentielle CD Käufer hinzugewinnen konnten. Und da habe ich leider gewisse Zweifel, weil während des recht kurzen Konzertes kaum Leute anwesend waren und diejenigen, die da waren, nicht unbedingt auf die Bühne schauten, wo die Musik spielte, sondern sich stattdessen lieber unterhielten. Tja, es ist wirklich nicht leicht für junge Alternativbands nach oben zu kommen! Obwohl jung nicht 100 % ig passt, weil Isabelle schon seit Anfang der 2000 er Jahre Musik macht, bevor David, der, obwohl man ihm es nicht ansieht, schon 36 ist, hinzustieß.

Die beiden harmonierten hervorragend zusammen und spielten ein hochkarätiges Set, welches vor allem auf Stücken vom letzten Output On Concrete basierte, aber auch mit älteren Songs bestückt wurde. Sehr früh schon wurden die eingängisten und ohrwurmigsten Lieder Chocolate Jesus und In The Cornfields geschmettert und ich hatte fast das Gefühl, daß Isabelle extra etwas lauter auf ihrer Gitarre rumschrammelte, um die Leute ein wenig aufzuwecken. Leider gelang dies aber nur bedingt. Egal, ich jedenfalls hatte meine Freude und genoß zart melancholische Lieder wie das wundervolle Tristan oder auch Friends, das längste und komplexeste Lied der Band. Am Ende wird es nach sehr verhaltenem Start fast postrockig, was beweißt, daß das Duo nicht nur reinen Folk macht. Sie liegen vielmehr musikalisch zwischen Folk und Indierock amerikanischer Prägung, vermischt mit jeder Menge französischer Poesie und Schwermut. Man findet eine ähnliche Tristesse wie bei der Sängerin Françoiz Breut, für die Isabelle sogar den Song Departures geschrieben hat. Departures findet man bei Pollyanna auf der EP Cowboys, die ich sehr empfehlen kann. Ich liebe Isabelles wunderschöne Stimme, sie entspricht ihrem Naturell. Ein sensibles, intelligentes, herzensgutes Mädchen mit wachen, hellblauen Augen, einem Sinn für gute Texte und Melodien und ganz viel Gefühl. Und David unterstützt Isabelle auf das Beste, er spielte nicht nur Schlagzeug, sondern auch Gitarre, Melodica, Glockenspiel und Ukulele. Die beiden sind super, sie haben viele aufmerksame Hörer verdient!

Und da das heute mit der Aufmerksamkeit der Zuhörer etwas haperte, habe ich sie zu einer Oliver Peel Session in unser heimisches Wohnzimmer eingeladen! Sie haben zugesagt! Ich freue mich riesig und werde den genauen Termin rechtzeitig bekanntgeben!!



Setlist Pollyanna, Le Baron, Paris:

01: A Landscape
02: Chocolate Jesus
03: In The Cornfields
04: Take
05: Tristan
06: Friends
07: Brand New Life (Young Marble Giants Cover)
08: Departures
09: Folk Song
10: Railroad Boy

Pour nos lecteurs francais:

Le duo mixte Pollyanna, composé de la chanteuse guitariste Isabelle et du multinstrumentaliste David ont, devant un public tres branchoulliard, donné un concert sublime et beau, plein de grace et bien maîtrisé. Leur musique se balade entre le folk et le rock indé americain avec des groupes comme Calexico ou Giant Sand comme référence. Mais chez eux il y a aussi une melancholie tres française qu'on trouve aussi par exemple chez la fabuleuse Francoiz Breut pour laquelle Isabelle avait écrit le morceau Departures. Leur songwriting est tres mûr et intelligent et ils ont l'art de faire des belles melodies qui glissent dans des morceaux parfois très complexes (comme le fabuleux Friends) ou plus directs comme l'accrocheur Chocolate Jesus. Pour moi c'est un de meilleurs groupes indés en France en ce moment et ils méritent beaucoup plus que 40 spectateurs qui regardent/écoutent à peine leur concert. Mais avec leur très bon album actuel On Concrete, savamment produit par Pokett , je ne me fais pas de soucis pour leur notoriété, du moins dans les cercles indés.

Ecoutez Pollyanna, allez voir leurs concerts, c'est tellement bien!

Concerts à venir:

31. mai: Journées annuelles de David & Jonathan, Nouan le Fuzelier
20. juin: (solo) Chapelle Saint-Jean, Mulhouse
21. juin: (solo) Chapelle Saint-Jean, Mulhouse
30. juin: Sentier des Halles (avec Blébar & Baden Baden), Paris
10. September: Pop In, Paris
26.nov: L'Emile Vache, Metz

- Mehr Fotos von Pollyanna und den gestylten Leuten aus dem Baron hier






Samstag, 31. Januar 2009

The Zombies u.v.a., Saint Ouen, 30.01.09

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Konzert:
Mo'Fo Festival. Mit Pokett, Pollyanna, My Girlfriend Is Better Than Yours, The Nightcrawler, Yeti Lane, Fruitkey, Robin Leduc & The Pacemakers und dem kultigen Headliner The Zombies
Ort: Mains d'oeuvres, Saint Ouen bei Paris
Datum: 30.01.2009
Zuschauer: etliche, verteilt auf mehrer Räume
Konzertdauer: sehr unterschiedlich. Von circa. 20 Minuten (z.B. Pollyanna) bis 75 Minuten (The Zombies)



Auf diesen Abend hatten viele Pariser Konzertgänger gewartet:

Die legendären The Zombies, eine Sixties Band aus England, sollte nach vierzig (!) Jahren Frankreich-Abstinenz ein Konzert im Rahmen des Mo' Fo Festivals im Mains D'Oeuvres in Saint Ouen, einem Vorort von Paris, geben. "Achtung Event!" hatten die Veranstalter dieses wunderbaren Festivals für die in die Jahre gekommenen Knautschgesichter von der Insel geworben und hatten mit dieser vollmündigen Ankündigung natürlich nicht Unrecht, schließlich gilt das Album Odessey and Oracle aus dem Jahre 1968 als eines der besten Alben aller Zeiten. Amüsanterweise war der kommerzielle Erfolgs jenes hochgelobten Machwerks eher bescheiden, obwohl Kritiker es teilweise höher einschätzen als epochale Alben der artverwandten Beatles oder der Beach House. Es galt für die Zeit als zu progressiv.

Man fragt sich als neugieriger Konzertgänger schon, ob eine solche Reunion aus pekuniären Gründen zu Stande kam, oder ob die Freude am Musizieren im Vordergrund stand. Mit anderen Worten: Ging es den Zombies nur um die Kohle, um den Wohlstand ihrer Enkel zu sichern, oder fehlte ihnen das Feeling auf einer Bühne zu stehen? Falls es um die Knete ging, kann man das ja durchaus verstehen. Gebissreiniger sind schließlich teuer und die Alterheime in London werden auch immer unerschwinglicher!

Aber ganz egal weshalb die Altherrenriege hier bei Paris aufkreuzte, Musikfans und viele Pariser Musiker wollten sich das Ereignis nicht entgehen lassen! Allein im Publikum war alles versammelt, was auf lokalen Bühnen ansonsten selbst musiziert. Der Tahiti Boy war da, die reizende Pauline aka Mina Tindle, die von den Zombies gewiss nicht unbeeinflussten Da Brasilians, Go Go Charlton, das Pariser Original JP Nataf und viele andere mehr. Einige einheimische Künstler, mussten aber auch ein wenig arbeiten. Der Singer/Songwriter Pokett z. B., der auch an dem wundervollen Album On Concrete von Pollyanna als Produzent maßgeblich beteiligt war. Desweiteren der in Paris ansässige Südfranzose Robin Leduc und seine Pacemakers, dann Yeti Lane, das neue Projekt des Gitarristen Ben, der genau wie seine beiden Kollegen damals bei den Postrockern Cyan & Ben war und auch in der Band von Herman Dune seinen Mann steht und schließlich Fruitkey, eine in Paris lebende Folkrockband aus den USA, die eng mit Syd Matters befreundet sind. Zusätzlich traten auch noch Pollyanna und My Girlfriend Is Better Than Yours im oben gelegenen Forum im Rahmen eines kurzen Showcases auf.

Der erste Musiker, den ich zu Gesicht bekam, war Pokett. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Pariser Stéphane Garry, ein vollbärtiger Mann mit Gitarre und ausgeprägter Abneigung gegen den französischen Präsidenten (Pokett ist Mitglied der last.fm Gruppe France Against Sarkozy).

Seinen Protest gegen die aktuelle Politik bringt er handzahm zum Ausdruck (wenn es ihm überhaupt darum geht, meistens drehen sich Lieder ja um ein weitaus schöneres Thema: die Liebe), zumindest was die Lautstärke anbelangt. Seine Vorbilder heißen Elliott Smith, Nick Drake und Sufjan Stevens, aber er hat auch postrockige Einflüsse wie Slint, oder Idaho. Seine noisige Seite konnte er aber am heutigen abend nicht zur Schau stellen, denn er war neben seinem Bart nur mit seiner Akustikgitarre bewaffnet. Sein zweites Album (Debüt war Crumble 2004) Peak (2007) erhielt sehr gute Kritiken, vor allem die Zeitschrift Magic war angetan von den Kompositionen des Franzosen. Neben Allgemeinplätzen wie "das war hübsch" oder "er hat eine schöne Stimme", kann ich aber nicht viel mehr anmerken. Ich müsste mich erst in das Werk von Pokett einarbeiten, um ein solideres Urteil bilden zu können.

Im Publikum hatte ich schon Isabelle & David, die beiden Künstler der französischen Folkpop-Band Pollyanna ausgemacht. Dass sie ihrem Labelkollegen (Waterhouse Records) und Produzenten zusehen würden, hatte ich schon vermutet, ich wußte allerdings nicht, daß sie am heutigen abend auch selbst aktiv werden würden. Eine positive Überraschung! Die beiden spielten allerdings nicht auf einer der beiden Hauptbühnen, sondern eine Etage höher im Forum. Dort hatte man drei zusätzlich Bands für sogenannte Showcases, Kurzkonzerte, die nie länger als eine halbe Stunde dauern, verpflichtet.

Pollyanna machten den Auftakt. Schon bald stelle sich heraus, daß es zwar sehr erfreulich war, daß die Organisatoren diese Minikonzerte zusätzlich anboten, aber die Örtlichkeit alles andere als ideal für ein Konzert war. Schuld daran war die Tatsache, daß die Zuschauer an Tischen und Stühlen lungerten und während der Auftritte mampften, tranken und plapperten und dem Geschehen auf der Bühne nicht die allergrößte Aufmerksamkeirt schenkten. Sehr bedauerlich, denn was Isabelle und David von Pollyanna zu bieten haben, gehört zum Besten, was es in der französischen (allerdings englisch singenden) Folkpop- Szene gibt. Sie verfügen über Lieder voller zarter Melancholie und Poesie, die so ohrwurmig sind, das man sie gar nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Dabei sind ihre Kompositionen filigran und komplex und alles andere als simpel und einfältig. Für das heutige kurze Set hatten sie sich aber bewußt die eingängisgten Stücke ausgewählt, um die mampfenden Leute nicht zu überfordern.

Isabelle spielte stehenderweise Akustikgitarre, während ihr männliches Pendant David sitzenderweise die Elekrische zum Erklingen brachte und später auch auch an der Ukulele brillierte. Der bisher vielleicht größte Hit des sympathischen Duos ist mit Sicherheit Chocolate Jesus, eine Art Weihnachtslied mit süß saurem Text. Er stammte genauso wie das tolle In The Cornfields vom aktuellen Album On Concrete, ein Werk, das die beiden selbst als stärker instrumentiert und professioneller produziert (von besagtem Pokett) bezeichnen. Das erste Album Whatever They, Say I'm A Princess hatte Isabelle 2004 noch in ihrem Schlafzimmer selbst bewerkstelligt. Von jenem Opus kamen die beiden Songs Matador und das ungemein melodische Frankenstein. Die Ballade Tristan wiederum findet man auf... David und Isa haben dieses Lied auch schon einmal bei einer sogenannten Lavomatik Session zum Besten gegeben, einer Reihe kleiner, improvisierter Konzerte vor einer rotierenden Wäscheschleuder in einem Pariser Waschsalon.

Und demnächst werden sie in einer weiteren ungewöhnlichen Location spielen: Pollyanna haben mir nämlich eine Oliver Peel Session in unserem Wohnzimmer versprochen! Darauf darf man sich sehr freuen!

Auch die danach auftretenden My Girlfriend Is Better Than Yours haben schon grünes Licht für eine Oliver Peel Session gegeben. Wahrscheinlich ist unsere gute Stube auch der bessere Rahmen für ein Konzert mit Olivier und Laurie, dem witzigen Pärchen, das sich hinter dem tollen Bandnamen verbirgt. Der Lärm, den die Zuschauer während des kurzen Auftritts produzierten, war nämlich einem gelungenen Konzert nicht gerade zuträglich. Zudem gab es auch noch gewisse technische Probleme, das Keyboard von Laurie war kaum zu hören und einmal gab es auch eine fiese Rückkopplung inmitten des charmanten Vortrages des Gedichts der Erlkönig von Goethe. Auch das Sample, welches ansonsten beim Opener Before My Memory zum Einsatz kommt, musste ausfallen und somit konnten die beiden nicht ganz zeigen, was in ihnen steckt. Allerdings klappten die beiden Songs Like A Rebirth und From My Sofa nahezu perfekt. Stilistisch wandert das Ganze zwischen (Freak)- Folk, Postrock, Psychedelic und eingängigem Pop hin und her. Von dem ironisch gemeinten Bandnamen sollte man sich also nicht blenden lassen. Zwar wird alles mit einem Augenzwinkern gespielt, aber die Lieder haben auch Tiefgang und eine nur auf den zweiten Blick erkennbare Ernsthaftigkeit. Mich erinnert das Ganze ein wenig an Stereolab, obwohl die Musiker deren Songs gar nicht wirklich kennen und ansonsten auch Syd Matters, was nicht verwundert, da Olivier Marguerit auch bei denen Gitarre spielt. Ich bleibe hier am Ball!

Setlist My Girlfriend Is Better Than Yours, Mo' Fo Festival Saint Ouen:

01: Before My Memory
02: Like A Rebirth
03: Winterfarmland
04: Der Erlkönig
05: From My Sofa

Aufgrund meines Aufenthalts im Forumsbereich des Festivalgebäudes hatte ich die Show des unten auftretenden Künstlers The Nightcrawler (nicht zu verwechseln mit der Band The Nightcrawlers) verpasst. Schade, denn was man auf seiner MySpace Seite anhören kann, klingt durchaus vielversprechend und auch diejenigen, die dabei waren, fanden hinterher lobende Worte für den Mann mit der markanten und warmen Stimme.

Aber so ist das eben bei Festivals: Man kann nie alles sehen! Dafür ging es aber gut weiter, denn Yeti Lane standen nun auf dem Programm. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Pariser Trio um Ben, den ehemaligen Gitarristen von Cyann & Ben, der auch die Band von Herman Dune live verstärkt und mit seinen Freuden LoAc und Charlie (ebenfalls ehemalige Mitglieder von Cyann & Ben) sein neues Projekt auf die Beine gestellt hat. Fabelhaft, was die drei Herren hier und heute boten! Psychedelisch, melodisch und melancholisch und phasenweise noisig, die Beherrschung dieser Genres traut man ansonsten eher Amerikanern wie den Flaming Lips zu. Aber Yeti Lane, im Grunde genommen die Nachfolgeband von Cyann & Ben - minus die ehemalige Sängerin Cyann - gehören zum Allerbesten, was auf Frankreichs Bühne rumturnt. Man höre sich nur den Killersong Twice mitsamt seinen klackernden Percussions auf der MySpace - Seite der Franzosen an. Den hätten auch die Dodos nicht bessern hinbekommen! Geil, genau wie der überwiegende Rest des Sets!

Hier kann ich das Erscheinen des ersten Albums gar nicht abwarten, eine famose Band!

Ebenfalls einen zumindest guten Eindruck hinterließen auch Fruitkey bei mir. Obwohl sich kein konkreter Titel in meinen Gehörgang bohrte, bot die vielköpfige amerikanische Band um den uneingeschränkten Chef und Gitarristen Jason Glasser (eigentlich ist er die Band), ein sehr ansprechendes Konzert. Stilistisch wird das Ganze als Conutry, Folk, Rock und sogar Garagenrock beschrieben, eine weite Bandbreite also, die zeigt, daß sich Fruitkey auf kein bestimmtes Genre festlegen wollen. Nicht weiter verwunderlich, wenn man weiß, daß Jason ein Künstler mit einem breitgefächerten Interessengebiet ist. Er ist nämlich nicht nur Musiker, sondern auch anerkannter Bildhauer, dessen Werke in Galerien in New York und Paris ausgestellt sind. Darüber hinaus hat er sich auch um das gesamte Artwork des dritten Albums von Syd Matters, Ghost Days, gekümmert. Das hübsche Cover mit dem Einhorn stammt von ihm.

Zurück zu seinem musikalischen Schaffen. Hier gibt es die Existenz von zwei Alben, Beauty Is aus dem Jahre 2005 und Chevaline von 2007, zu vermelden. Der französische Titel des Albums legt es schon nahe. Jason, der eigentlich aus Brookly stammt, lebt seit ein paar Jahren in Franreich und spricht auch sehr ordentlich die Sprache. Toll, daß er auch seine niedliche Freundin für sein Projekt Fruitkey mit eingespannt hat. Die lockenköpfige Blondine spielte nämlich Schlagzeug und wirbelte so die Männerrunde etwas auf.

Fruitkey waren gerade mit ihrem Programm durch, da machten sich schon ihre Kollegen von Robin Leduc & The Pacemakers für ihren Auftritt fertig. Robin Leduc stammt ursprünglich aus Südfrankreich, ist aber inzwischen seit ein paar Jahren in der Pariser Indieszene fest verwurzelt. Wenn er nicht mit seinen Kumples von den Pacemakers Konzerte gibt, hilft er auch gerne einmal anderen Künstlern mit seinen Gitarren-und Banjokünsten aus. Ich persönlich sah ihn schon zusammen mit Constance Verluca und auch mit der sogar in deutschen Indiekreisen sehr bekannten Soko. Ein witziger Kerl dieser Robin, der mich mit seiner runden Brille und dem Dreitagebart ein wenig an den deutschen Liedermacher Reinhard Mey erinnerte. Und es gibt noch eine Parallele zu Reinhard Mey: Monsieur Leduc singt nämlich ebenfalls in seiner Muttersprache. Während fast die komplette Indiefolk-Szene von Paris und Frankreich englisch intoniert, bleibt der Südfranzose der Sprache Molière's treu.

Zu der Diskografie kann ich leider nicht allzuviel beisteuern, da man im Netz kaum Informationen zu dem Künstler findet. Allerdings habe ich selbst schon CDs von ihm im Laden gesehen und bei Amazon Deutschland kann man zumindest zwei Scheiben ordern, das erste Album "Tout Devient Tout" (2004), und das selbstbetitlete Robin Leduc (2007). Interessierten Lesern kann ich zumindest sagen, daß mir der Powerpop von Robin und seinen Pacemakers (darunter der Dauerbeschäftigte Drummer Jean) viel Freude bereitet hat. Die Jungs waren sehr eifrig bei der Sache und Olivier Marguerit, ansonsten in Diensten von Syd Matters, Chicros und My Girlfriend Is Better Than Yours, hatte einen stark umjubelten Gastauftritt an der Trompete. Am Ende wollten sie gar nicht mehr aufhören, obwohl sich ein Zuschauer nach dem anderen zu dem gegenüberliegenden Konzertssal aufmachte, wo The Zombies schon bereit standen.

Schließlich erklärte Robin das Konzert irgendwann für beendet, da auch er die Zombies nicht verpassen wollte.

Das wollte ohnehin wohl keiner hier. Dafür war man ja schließlich gekommen und hatte sich in den schönsten Farben ausgemalt, wie toll die Evergreens der englischen Sixties-Band, die so viele zeitgenössische Musiker beeinflusst hat, heute noch klingen würden. Der Beginn des Sets war aber gelinde gesagt eine Enttäuschung. Daß die Musiker mit ihren langen, schütteren Haaren und den spießigen Klamotten nicht unbedingt toptrendy aussahen, steckte man ja noch locker weg, schlimmer wog aber, daß gerade die Anfangsphase mit Titeln gespickt war, die nicht besonders gut gealtert sind. Alles klang irgendwie amerikanisch, wie bei einer Varietéshow, oder noch schlimmer: wie bei einer Altherrenband, die vor musikalisch völlig unbedarften Amis in Las Vegas auftritt! Mit anderen Worten: scheußlich! Allerdings war die Stimme von Sänger Colin Blunstone (Baujahr 1945) noch einwandfrei im Schuß, er traf so ziemlich jeden Ton. Störender waren hingegen die aus der Mode gekommenen langen Gitarrensoli, die zudem einen schwülstigen Beigeschmack hatten. Dann aber wurde es doch deutlich besser. Klassiker wie Care Of Cell 44, Time Of The Season, oder She's Not There wurden angestimmt und man bekam schon eine Idee davon, warum die damals recht erfolglose Band von Kritikern so gelobt wird. Die in die Jahre gekommenen Briten haben nämlich unbestrittenermaßen schon ein paar grandiose Songs geschrieben! The Way I Feel Inside ist zum Beispiel wundervoll und wer gegen eine tolle Schnulze nichts einzuwenden hat, kam bei A Rose For Emily, einem Song den eigentlich jeder kennt, voll auf seine Kosten. Herrlich hier die Chorgesänge, die ja seit dem Erfolg der Fleet Foxes wieder sehr populär geworden sind. Wenn ich sage, daß The Zombies ein paar grandiose Songs geschrieben haben, müßte ich eigentlich besonders erwähnen, daß Hauptsongwriter nicht der Sänger Colin Blunstone, sondern der heute graubärtige Keyboarder Rod Argent (wer sich intensiver mit der Bandgeschichte auseinandersetzen möchte, dem sei der ausführliche Artikel bei Wikipedia ans Herz gelegt) war. Rod war dann auch der expressivste Musiker am heutigen Abend, mehrfach puschte er das Publikum mit ausladenden Gesten und forderte die Leute auf, mehr mitzugehen. Seiner Aufforderung folgten schließlich auch einige Zuschauer, obwohl ein Konzert einer Sixties Band natürlich nie so rockig wie das einer aktuellen Gruppe wie z.B. den Wave Pictures ist, die eigentlich einen teilweise ähnlichen, allerdings moderner interpretierten Stil pflegen.

Und ganz zum Schluß wurde es es noch eimal schmusig: Mit einer Coverversion von Gershwins Summertime wurde das Publikum verabschiedet und die alten Säche genossen noch einmal sichtlich, im Mittelpunkt zu stehen. Wer Bock hat, kann ihre Live CDs, Odessey & Oracle (revisited)- 40th Anniversary Concert (2008), oder Live At The Bloomsbury Theatre (2005) überall käuflich erwerben und sich einen Eindruck davon verschaffen, was man heute in Paris und am Ende ihrer Tour noch einmal auf englischen Bühen hören kann.





 

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