Mittwoch, 7. Januar 2009

My Year In Lists: die 15 besten Konzerte des Jahres (Christina)


Der Einladung, an dieser Stelle über meine besten Konzerte im Jahr 2008 zu berichten, komme ich natürlich gerne nach, da sich mein eigener Blog ja immer noch im „indefinite hiatus“ befindet. Und jaaaa, ich weiß, dass es sieben Überschneidungen mit Christophs Liste gibt. Die Auswahl erfolgte aber vollkommen unanhängig davon!


15: Blood Red Shoes (Gebäude 9, Köln, das erste der beiden Konzerte dort) - Die Blood Red Shoes sind – soweit ich das auswendig im Kopf habe – meine meistgesehendste Band im Jahr 2008. Nicht einmal, weil ich sie so überragend finden würde, sondern einfach, weil sie immer überall präsent waren. Gegen Ende des Jahres nervte das ein bisschen, dieses Konzert hier ist mir aber dank vieler lustiger Zwischenfälle auf Grund der starken Betrunkenheit der beiden Bandmitglieder in guter Erinnerung geblieben.

14: Immaculate Machine (Das Bett, Frankfurt) - Normalerweise neige ich
dazu, Bands 3 – 12 Wochen NACH ihrer Europatour zu entdecken und mich dann sehr über die verpasste und wahrscheinlich nicht so schnell wiederkommende Chance eines Liveerlebnisses zu ärgern…umso überraschter war ich, als wenige Wochen nachdem ich feststellte, dass Immaculate Machine die beste Band der Welt sind, plötzlich einige Europakonzerte der Band angekündigt wurden. Ausnahmsweise also einmal ein perfektes Timing! Zum Glück war das Konzert dank einer sehr sympathischen Band und großartiger Musik dann auch noch sehr erinnerungswert.

13: Lambchop (Konzerthaus, Dortmund) - Lambchop live sind eigentlich
immer ein Kandidat auf das Konzert des Jahres. Die Musik…okay, aber eigentlich warte ich immer nur auf den Moment, wo Kurt und Tony anfangen, sich und damit auch das Publikum zu unterhalten. Dass dieses Konzert im stilvollen Dortmunder Konzerthaus mit seiner hervorragenden Akustik stattfand ist natürlich ein weiterer Pluspunkt.

12: Portugal. The Man (Bürgerhaus Stollwerck, Köln) - Der Untergang der Welt war in meinem Kopf eigentlich schon eine sichere Sache, als ich las, dass die von mir damals heißgeliebten Portugal. The Man an der Jägermeister Rockliga teilnehmen würden. Lange zögerte ich, ob ich überhaupt hingehen sollte. Zum Glück habe ich mich dafür entschieden. Die Jägermeisterwerbung war verhaltener als ich befürchtet hatte (zumindest behängte mich kein Promogirl mit orangefarbenen Blumenketten) und von den beiden anderen wahrscheinlich schrecklichen Bands und dem abschließenden Klatsch-Battle um den Gruppensieg bekam ich nichts mehr mit, weil ich nach einer überragenden Dreiviertelstunde Musik einfach wieder nach Hause gegangen bin. Zu dem Zeitpunkt war es gerade mal neun Uhr abends. Perfekt!

11: Maximo Park (Nijmegen) - Nie, nie wieder wollte ich nach einem lustlosen
und in jeglicher Hinsicht enttäuschenden Konzert im Kölner Palladium etwas mit dieser Band zu tun haben. Als ich dann aber von einer Warm Up Show für das Hurricane Festival im kleinen Rahmen erfuhr, juckte es mich doch wieder in den Fingern, und innerhalb weniger Minuten waren die Tickets bestellt und ausgedruckt. Es war auf jeden Fall gut zu erleben, dass die Band – unter den richtigen Umständen – doch noch so spielfreudig und mitreißend sein kann wie früher!

10: Fleet Foxes (Grugahalle, Essen) - Ich muss gestehen: bis zu diesem Konzert konnte ich mit der Band nicht viel anfangen. Klar mochte ich einige Lieder des nun in allen Jahresabschlusslisten auftauchenden Albums, aber der ganze Hype schien mir nicht gerechtfertigt zu sein. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass sich hinter den bärtigen Menschen so eine witzige und kurzweilige Band verbergen könnte (unvergessen: „i cannot googletranslate fast enough“ als Antwort auf gemeine deutschsprachige Zwischenrufe). Nach Ende des viel zu kurzen Auftritts hatte ich eigentlich nur einen Wunsch: dass sich die Band ihre Gitarren (und Melodicas) schnappt und im Foyer der extrem ungemütlichen Grugahalle für immer weiterspielen würde.

09: Feist (Frankfurt) - Die Entscheidung, dieses Konzert in meine Liste
aufzunehmen, ist wohl eher eine Kopfentscheidung. Es gibt sicherlich viele andere Künstler, die mir mehr am Herzen liegen. Aber was man hier für das nicht gerade wenige Geld geboten bekam, sowohl musikalisch als auch visuell, war wirklich einzigartig. Und immerhin hat Feist zugegeben, dass die Kanadier die Übernahme der Weltherrschaft planen. Ha! Ich habe es schon immer gewusst!

08: iLiKETRAiNS (Brotfrabrik, Frankfurt) - Früher fand ich diese Band
wirklich gruselig (auf angenehme Art und Weise natürlich) – seit diesem Abend fällt es mir allerdings schwer, sie ernst zu nehmen. Nicht nur, dass die Setliste auf ein Brötchen geschrieben war. Auch das sonstige Auftreten der Band passte so gar nicht zu den düsteren Projektionen im Hintergrund. Viel Spaß gemacht hat es auf jeden Fall.

07: Kettcar (Essen+Köln) - Platz sieben sind gleich
zwei Konzerte auf einmal, da ich mich nicht wirklich entscheiden konnte, welches besser war – weil ich von dem Konzert in Essen so begeistert war musste ich gleich in der Woche darauf noch einmal ein Kettcar-Konzert besuchen, dieses Mal in Köln. Kettcar waren eigentlich eine Band, die mich nicht mehr wirklich interessierte. Früher, ja früher waren sie einmal sehr wichtig, das Mitgrölen auf den Konzerten gehörte zu dem heilsamsten, was einem widerfahren konnte (das war zu einer Zeit, wo mindestens jede zweite Zeile ihrer Texte zutraf). Und jetzt? Jetzt war plötzlich, für eine Woche lang, wieder alles wie damals. Und das war gut so.

06: Malcolm Middleton (Rosis, Berlin)
- Männer, die an akustischen Gitarren zupfend ihre traurigen Lieder vortragen – so stelle ich mir normalerweise die (musikalische) Hölle vor. Na gut, das ist etwas übertrieben, aber Singer-Songwriter sind nicht unbedingt das, womit man mich glücklich machen kann. Vielleicht lag es daran, dass Malcolm von einer Geigerin und einem Bassisten begleitet wurde, vielleicht an seinem verliebenswerten Akzent. Auch wenn die Lieder alle in einer sehr reduzierten Version gespielt wurden, gehörte dieser Abend, und das vollkommen überraschend, für mich zu einem der schönsten des Jahres.

05: The Futureheads (Luxor, Köln) - Gott sei Dank! Die Futureheads
versuchen nicht mehr auf Teufel komm raus in Amerika erfolgreich zu werden, sondern touren neuerdings auch in Deutschland. Und haben ein gelungenes drittes Album im Gepäck (das eher nicht so tolle Zweitwerk ignoriert die Band zum Glück weitestgehend). Eigentlich könnten auch schon der Auftritt bei der Visions Spring Tour (trotz widriger Umstände!) und bei der Rheinkultur (noch widrigere Umstände!) hier auftauchen, aber was macht glücklicher als ein Headlinerkonzert einer überragenden Liveband, vor angenehmen (aber leider nicht sehr zahlreichem) Publikum, und als Bonus mit Timid Tiger noch eine tolle Vorgruppe, die mich mit ihren zahlreichen Kostümwechseln sehr zum Lachen gebracht haben? Nichts. (ich frage mich beim Verfassen dieser Zeilen tatsächlich, warum dieses Konzert nur auf Platz 5 gelandet ist!)

04: Los Campesinos! (Luxor, Köln, das erste!) - Eigentlich war ich gar nicht in
der Stimmung für ein Konzert, oder zumindest dazu, es zu genießen. Auf der Arbeit befand ich mich gerade in der stressigsten Woche des Jahres (wir, ein kleines Uni-Institut, richten eine Konferenz für 400 Leute aus), und ich wusste, dass ich am nächsten Morgen um 5 Uhr aufstehen muss, und bis spät in die Nacht arbeiten würde. Aber irgendwie war das dann alles egal, als die Band auf der Bühne stand. Es waren die vielen Kleinigkeiten die diesen Abend perfekt machten. Die Interaktion zwischen den Bandmitgliedern, die lustigen Geschichten, die sie zwischendurch erzählten, die Lukas Podolski-Anspielungen. Von meiner Müdigkeit am nächsten Tag bekam ich dann selbst nicht viel mit, weil ich ein Dauergrinsen nicht mehr aus meinem Gesicht bekam (die Konferenzteilnehmer lobten uns nachher, weil wir immer freundlich und enthusiastisch bei der Sache gewesen sind, wenn sie nur wüssten, woher das kam…).

03: Menomena (Brüssel + Immergut Festival) - Nachdem Menomena meine
meistverpasste Band des Jahres 2007 waren, und ich meine Liebe zu dieser Band erst entdeckte, nachdem ich mich sogar schon einmal physikalisch im gleichen Raum wie sie befunden hatte, von dem Konzert aber nichts mitbekam, dachte ich mir, ich hätte meine Chancen gehabt und nicht genutzt. Selbst schuld. Umso überraschender, dass ich dieses Jahr gleich zweimal die Chance hatte sie zu sehen. Das Konzert in Brüssel war musikalisch hochwertiger (d.h. es gab ein Glockenspiel) und länger, das auf dem Immergut Festival lustiger (weil jede Menge Alkohol und in Begleitung zweier lieber Menschen, die wegen dieser Band ebenso hysterisch werden können wie ich), deswegen auch hier wieder ein geteilter dritter Platz. Auf jeden Fall aber sind Menomena eine der beeindruckensten Bands, die ich je live gesehen habe.

02: The Last Shadow Puppets (Brüssel)
- In meiner Erinnerung an diesen Abend bin ich betrunken und kreische die ganze Zeit. Oder habe zumindest das Bedürfnis, dies zu tun. Vielleicht war aber auch nur die Band betrunken, und grölte die ganze Zeit so lustige Dinge wie: BRUSSELS!!! Egal. Fest steht: Miles+Alex+Alkohol = gute Zeiten :)

01: Wolf Parade (Luxor, Köln (+ Brüssel, 2 Tage
später)) - Soweit ich mich zurückerinnern kann, habe ich noch nie in meinem Leben einem Ereignis so entgegengefiebert wie diesem Konzert. Nachdem ich wochenlang alles genau geplant hatte (vom perfekten Standort bis zum gut abgestimmten Alkoholspiegel), war dieser Abend dann noch besser als in all meinen vorangegangenen Träumen (sowohl die tagsüber als auch die nächtlichen). Eigentlich war ich bis zu diesem Abend der festen Überzeugung, dass man sich entweder auf etwas freut und dann enttäuscht wird, oder keine großen Erwartungen hat und dann positiv überrascht wird. Riesige Erwartungen zu haben, die dann in jeglicher Hinsicht übertroffen werden – das war eine vollkommen neue Erfahrung.

von Christina von (Inter)national POP! Jetset




5 Kommentare :

Christoph hat gesagt…

Vielen Dank für die Liste! Sie ist - wie immer - hoch unterhaltsam!

Auch bei den anderen Konzerten, die in Deiner Liste auftauchen, und bei denen ich war, kann ich alles hundertprozentig so unterschreiben. Wäre ich bei Wolf Parade in besserer Verfassung gewesen (das habe ich mir nämlich selbst versaut), wäre das Konzert auch ganz sicher in der Top 10 aufgetaucht.

Die Links führen zu unseren Konzertberichten hier, die Fotos stammen meist von den erwähnten Konzerten.

E. hat gesagt…

schön, mal wieder von dir zu lesen, christina! eine erquickliche auswahl hast du beisammen und besonders freut mich, dass m. middleton darin auftaucht.

Christoph hat gesagt…

Auf das Konzert bin ich extrem neidisch!

oliver r. hat gesagt…

Portugal. The Man. Die Band gibt es also wirklich! Ich dachte immer, das sei eine Erfindung der Redakteure von Visions, weil ich woanders noch nie ein Sterbenswörtchen über die Band gelesen (halt: doch im Musikexpress) habe, die dann immer in den Jahresbestenlisten der Visions auftaucht.

Sieben Überschneidungen mit Christophs Liste? Hmm. Das liegt aber nicht an Dir, Christina! Und natürlich erfolgte die Auswahl unabhängig davon. Bei Christoph liegt der Fall anders. Immer, wenn Dir etwas gefällt, mag es Christoph nämlich auch, lol, lol, lol!

Christina hat gesagt…

@C: Danke für's online stellen und für die schöne Fotoauswahl :)

@E: Danke :)

@O: wenn ich es richtig überlege kannte Christoph meine Liste sogar, als er seine zusammenstellte. Meine ist ja schon seit Anfang Dezember fertig ;)
Und Portugal. The Man sind tatsächlich nicht den Köpfen eines Visionsmitarbeiter entsprungen und verdienen mehr als den Stempel "Visions-Band" (der bei mir immer sehr negativ belastet ist).

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates