Donnerstag, 22. Januar 2009

Fugu, Tahiti Boy, Paris, 20.1.09

Konzert: Fugu, Tahiti Boy (7 Jahre 3rd side records)
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 20.01.2009
Zuschauer: mittlere Raumauslastung
Konzertdauer: pro Band jeweils ca. 40 Minuten



Wenn ein relativ kleines Label seinen 7. Geburtstag feiert, ist das in Zeiten deutlich zurückgehender CD-Verkäufe ja schon eine beachtliche Leistung. Das Pariser Label 3rdside records hat dieses kleine Kunststück fertiggebracht. 7 Jahre Einsatz für seine handverlesenen Künstler, die allesamt aus Frankreich kommen (wenn man davon absieht, daß innerhalb der Bands auch Nichtfranzosen dabei sind), aber bis auf ein paar Ausnahmen englisch singen.

Die musikalische Ausrichtung könnte man mit Folk Pop relativ gut beschreiben, aber mit Steeple Remove haben die Pariser z.B. auch eine noisige, ja krautrockige Band in ihren Reihen.

Das wunderbare gemischte Duo Domingo entspricht aber dem klassischen 3rd side records Beuteschema (eigentlich hasse ich diesen Bildzeitungs- Ausdruck wie die Pest, er passt hier aber!) : Folk, den die beiden Akteuere selbst auch als psychedelisch beschreiben. Ihr sehr gelungenes Debütalbum haben die im Schlafzimmer aufgenommen, "recorded in our bedchambers", ist zu lesen, wenn man die hübsch gestaltete CD aufklappt. Leider war ich persönlich zu verpennt und habe mich wohl auch zu lange in meinem bedchamber aufgehalten, denn den sehr kurzen Auftritt von Domingo (ca. 25 Minuten) verpasste ich gänzlich! Sehr schade, aber Domingo kommen sicherlich bal wieder und dann werde ich mir keine Minute entgehen lassen!

Volle Konzentration galt nun Fugu. Trotz des Namens hat die Sache nichts mit dem giftigen Fisch zu tun, der in Japan als Delikatesse gehandelt wird, sondern hinter dem Pseudonym verbirgt sich Mehdi Zannad, ein französischer Singer/Songwriter, der eher harmlos und ungiftig wirkt. Aber Vorischt: nur weil der studentische Bursche in dem karierten Hemd aussieht wie der Liebling aller Schwiergemütter, ist seine Musik noch lange nicht belanglos und seicht! Man muss ja nicht immer sein Publikum mit der Noisekeule vermöbeln, um Wirkung zu erzielen. Mehdi mag es subtiler, er besticht durch seine engelsgleiche Stimme und seine feinen Kompositionen, die an amerikanischen Sixties Pop erinnern. Mit Blackwall vom Album As Found hat er vor ein paar Jahren einen richtigen kleinen Hit gelandet, der auch in der Werbung verwendet wurde. Für eingängige Popsongs in der Tradition der Beatles oder Beach Boys scheint der Pianist und Gitarrist ohnehin ein Händchen zu haben, auch Here Today, vorgetragen mit einer lupenreinen Falsettstimme die Robin Gibb vor Neid erblassen lassen würde, hätte durchaus das Potential zu einem Nummer eins Hit. "I'm in love, I'm in love, here today, frohlockte der Kerl mit den äußerst feinen Geischtszügen bei dieser Nummer und machte so zusammen mit den auch bei Syd Matters in Diensten stehenden Olivier Marguerit (Gitarre) Und Jean- Yves Lozach (Bass) vergessen, das es zur Zeit in Paris eher grau und ungemütlich ist. Ohnehin hatte man hier und heute beschlossen, ein wenig Hawaii-Flair aufkommen zu lassen, den weiblichen Besuchern dieser Geburtstagsfete wurden am Eingang bunte Blumenketten ausgehändigt, die für eine farbenfrohe und heitere Atmospähre in der Maroquinerie sorgten.

Besonders schön:endlich wurde auch einmal französisch gesungen! Name des chansons: L'Allemagne - Deutschland! Die wunderbare Schnulze (Refrain: "est-ce qu'il viendrai vers moi") ist auch auf dem Sampler La France-Chanson enthalten. Zahlreiche Zuschauer sangen die Strophen mit, ist ja auch wesentlich leichter französisch zu singen, als die Sprache Shakespeares zu verhunzen!

Also merken: Fugu, toller Franzosen Pop!

Setlist Fugu, La Maroquinerie, Paris:

01: Blackwall
02: I Give Up
03: Civil Rights
04: People
05: Au Depart
06: L'Allemagne
07: Straight From The Heart
08: Goodbye
09: Here Today
10: Morning Sun
11: Bye Bye Love

Nach Fugu war die Band Flairs an der Reihe. Ihr stark bassgetriebener Elektro-Funk gefiel mir allerdings etwas weniger, obwohl die Band um den Bassisten Lionel mit Better Than Prince eine fetzige Zugnummer im Programm hatte. Fans von Bands wie LCD Soundsystem, Etienne de Crecy, New Order und den Friendly Fires könnten ihren Gefallen an Flairs finden...

Den ersten Tag dieser zweitägigen Geburtstagsveranstaltung beschlossen Tahiti Boy & The Palmtree Family. Die siebenköpfige Pariser Band um den kleingewachsenen Chef, den Pianisten Tahiti Boy, habe ich schon desöfteren auf Pariser Konzertbühnen gesehen. Sie sorgten jeweils für eine tolle Stimmmung und haben mit Good Children Go To Heaven auch ein sehr ordentliches Album mit komplexen und vielschichtigen Popsongs vorgelegt. Noch nie zuvor kam ich allerdings in den Genuß der Anwesenheit von Sänger Jonathan Morali aka Syd Matters, der neben Stargast Tunde Adepimbe von TV On The Radio an dem Album aktiv mitgewirkt hat. Vor allem aber verleiht er der Hitsingle 1973 seine unnachahmliche warme Stimme.

Ich war außer mir vor Freude, als ich sah, daß sich Jonathan seine schöne Gitarre umschnallte und mitsang. Gleich an zweiter Stelle kam schon das besagte 1973. Ein lieblich startendes Lied mit Flöte und Streicherparts, das phasenweise rockiger wird, in dem aber vor allem Jonathan auf das Schönste Sätze wie: "the lights, the colours, the rain, the beautiful eyes, the beautiful skies, the smile on your face..." sang. Ein guter Auftakt, der in ein insgeamt gelungenes Konzert einleitete, zu dessen Highlights auch noch das bereits einmal mit der berühmt-berüchtigten Blogothèque eingespielte Time und die erneut von Jonathan gesungene Ballade Who Knows? gehörten. Ein fast schmalzig zu nennendes Lied, bei dem auch textlich auf die Tränendrüse gedrückt wird: "I'm not sure if I need you. Not sure if I want you. But one thing is for sure; I'll wake up and I'll see. That you seem to be the one. You seem to be the one"....

Ganz zum Schluß wurde es wieder heiterer und ausgelassener. Zu dem berühmten Ronettes Cover Be My Baby kamen alle Künstler von 3rds side records auf die Bühne und sangen lauthals mit. Die Stimmung im Publikum war dementsprechend prima, Leute tanzten ausgelassen und fröhlich und ließen so einen tollen Geburtstagsabend ausklingen. Bon anniversaire 3rd side records!

Setlist Tahiti Boy and The Palmtree Family, La Maroquinerie, Paris:

01: Brooklyn
02: 1973
03: When I Speak
04: Holiday School Programm
05: Who Knows?
06: Cry
07: Blood In Your Eyes
08: Not So Nice
09: Time
10: Journey
11: Be My Baby (The Ronettes Cover)


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